Kapitel 6: Belauscht!

Es dauerte einige Minuten, bis er Stühlerücken aus dem Nebenzimmer vernahm, scheinbar das Schwesternzimmer, oder irgendein Besprechungsraum. Dann erst einmal Stille und leises Gemurmel, bis die Diskussion so laut wurde, dass er jedes Wort verstehen konnte. Da es scheinbar um ihn ging, war er nicht dazu gewillt, wegzuhören und lauschte angestrengt.

"Ich sag es noch einmal, dieser Junge hat uns wie gedruckt ins Gesicht gelogen! Amnesie, dass ich nicht lache! Er weiß bestimmt ganz genau, was passiert ist, aber weiß der Geier, warum er diese verdammten Kriminellen deckt.", die Polizistin konnte sich kaum halten, scheinbar waren sie schon eine Weile bei dem Thema.

"Na na, ganz ruhig Satou-keiji, ich weiß ja, dass sie eher mit den Tätern als den Opfern zu tun haben. Aber auch Sie müssen gesehen haben, dass der Kleine nicht durchgehend geschwindelt hat. Besonders als er abgelenkt war, hat er uns Informationen gegeben, die er vermutlich zu verstecken versuchte. Ich bin mir sicher, dass das, was er über seine Freundin erzählt hat, bis zu dem Punkt wahr war, als er gestockt hatte. Und von seiner Körperhaltung ist es auch sicher, dass er sich wirklich nicht mehr daran erinnern konnte, wie er zur Polizeistation kam.", wieder die Ärztin, sie redete also nicht nur mit ihren Patienten wie ein Wasserfall.

"Viel wichtiger ist doch der Grund, warum er meint, uns anzulügen, warum er so viel Panik davor hat, uns die Wahrheit zu erzählen. Was oder wer auch immer ihm diese Verletzungen zugefügt hat, muss ihm sehr viel Angst machen.", warf diesmal die Sozialarbeiterin ein, vielleicht bekam er ja jetzt ihren Namen.

"Es kann viele Gründe geben, warum Opfer lügen. Zum Einen, weil sie sich selbst schuldig fühlen, sie Angst haben oder gar andere beschützen wollen. Dass er uns nicht seinen Namen verrät, weist eher auf einen der letzteren Gründe hin. Wenn die Täter wussten, wer er ist, kann es für ihn einleuchtend sein, dass er sicher ist, solange man ihn nicht wiedererkennt.", sprach Satou-keiji, wurde aber dann unsanft unterbrochen. "Das ist doch Schwachsinn, er ist nur ein Kind!"

"Na na, Tomui-san. Sie denken nicht weit genug. Wenn er sich sicher ist, dass die, welche ihn verletzt haben glauben, dass er Tot sei. Wird er doch wohl kaum zugeben, dass er noch am Leben ist… Das Einzige, was wir tun können, ist hoffen, dass wir seine Eltern nicht tot auffinden.", wieder wurde sie unterbrochen.

"Ja, das wäre keine ideale Situation, aber viel wichtiger ist uns erst einmal sein körperliches und geistiges Wohl. Momentan ist er hier sicher, aber was machen wir mit ihm danach? Aufgrund der Schwere seiner Verletzungen muss er, nachdem er entlassen wird, noch mehrere Monate beobachtet werden, Nachwirkungen von Schädel-Hirn-Traumata können ja noch bis zu 3 Monate später bei Kindern auftreten.", wieder die Stimme der Ärztin.

"Das kommt wirklich darauf an, wie alt er ist. Wenn er schon in die Schule geht, wäre ein normales Heim der beste Ort, ist er jünger, haben wir ja dieses Spezialheim für kranke Kinder. Aber sie haben dort hohe Aufnahmeanforderungen und es ist generell eigentlich für Kinder, deren Familien sie aufgrund von deren Krankheit nicht Zuhause versorgen können.", die eben benannte Tomui wieder.

"Vom Alter her würde ich ihn auf 4-6 schätzen, aber solange er uns das nicht selbst erzählt, kann ich das nicht weiter bewerten.", Satou-keiji.

"Er ist eher jünger, noch hat er keine bleibenden Zähne und vom weiteren Körperbau würde ich 5 Jahre sagen.", warf die Ärztin in die Runde.

'5, die denken ich sei 5?', der neu getaufte Conan bekam große Augen. 'Die denken, ich sei noch ein Kindergartenkind. Verdammt. Wobei, besser als Grundschule, wobei, stop war der Kindergarten nicht der Ort, wo es noch nicht einmal Bücher gab? Das werd ich doch nicht überleben. Und wenn ich mich recht erinnere, war ich körperlich doch meist etwas zurück, vermutlich bin ich eher 6 als 5 Jahre, vielleicht sogar schon fast 7.', dachte er als ihm einfiel, dass er ja bald wieder Geburtstag haben müsste, wann war der noch einmal?

Conan überlegte angestrengt. 'Soll ich sie bei diesem Glauben lassen, oder doch 6 als mein Alter angeben. Erste Klasse oder Kindergarten, arg, das ist beides scheiße. Mir war der Unterricht im 2. Jahr der Oberstufe schon zu langweilig, das kann ja was werden.
Wobei, im Kindergarten falle ich weniger auf, und das vorgeschlagene Heim hört sich auch ganz ok an. Die normalen Kinderheime hier sind ja der größte Alptraum.' woher er das wusste? Na, als Oberstufenschüler-Detektiv hatte er schon einigen Kontakt mit diesen korrupten Organisationen, welche nur existieren, weil es keine richtige Alternative gab.

Verdammt, während er in Gedanken war, hatte er einen Teil des Gesprächs verpasst, worüber unterhielten die sich jetzt.

"... glaube wirklich nicht, dass er ein Straßenkind ist, was auch immer mit ihm passiert ist, das war erst vor kurzem. Er ist gut gepflegt, seine Haare und Zähne gesund, seine Fingernägel und Fußnägel wurden auch erst vor ein paar Tagen sauber geschnitten und von der Sprache her stammt er aus gutem Haus. Vermutlich waren die Täter eine Räuberbande oder Ähnliches, vielleicht hilft Ihnen das ja bei der Suche nach seinen Eltern.", brabbelte die Ärztin auf ihre überhebliche Art wieder, teilweise waren Punkt und Komma gar nicht zu hören.

Darauf meldete sich die Sozialarbeiterin wieder zu Wort und ergänzte: "Weiterhin ist vermutlich mindestens eines seiner Elternteile ausländischer Abstammung?"

"Wieso das denn?", diese Aussage schien die Polizistin nun doch zu verwirren. "Woran erkennt man den das?"

"Zum Einen sind es seine Augen, sie haben nicht ganz die typische japanische Form, zum Anderen sind sie blau. Diese Farbe existiert zwar auch bei rein japanischen Kids, trotzdem wird es dadurch aber schwerer, für ihn eine Familie zu finden. Diese möchten gerne Kinder adoptieren, die man für die eigenen halten könnte. Sein Wunschname macht es uns auch nicht einfacher, Conan klingt sehr englisch. Auch seine Haarfarbe wirkt auf mich eher so, als hätte er einen europäischen Hintergrund, ich bin zwar wirklich kein Experte in solchen Sachen, aber von dem was ich in meiner Ausbildung über Kinder gelernt habe, wirkt er irgendwie wie ein kleiner japanisch-französisch Mix.", huch, so schlecht war diese Frau ja gar nicht, seine Urgroßmutter mütterlicherseits war französisch, aber dass man ihm das noch ansah, war verwunderlich, selbst er als Detektiv lernte wohl nicht aus.

"Hm, also wird er, wenn wir seine Familie nicht lebend finden, vermutlich im System bleiben?", kommentierte Satou-keiji mit trauriger Stimme.

"Leider, noch ist er ein unschuldiger Junge, und wenn er wirklich erst einmal im Sajuko-Kinderheim unterkommt, besteht schon die Chance, dass er dort noch adoptiert wird. Ist er woanders, sinkt diese drastisch, da dort weniger prospektive Eltern nach Kindern suchen."

"Ich hoffe wirklich, dass wir seine Familie schnell finden und dass sie noch am Leben ist. Sein gepflegter Zustand spricht generell dafür, dass sie sich gut um ihn gekümmert haben. Und es lässt uns auch familiäre Gewalt oder gar Kindesmissbrauch ausschließen, man muss dazu nur in die Untersuchungsergebnisse der Spurensicherung schauen, wo klar sexueller Missbrauch ausgeschlossen wird."

'Bäh, woran zur Hölle dachte diese Polizistin denn? Als ob...', Conan schüttelte nur geschockt den Kopf, darüber wollte er nun wirklich nicht nachdenken.

"Ich hoffe auch inständig, dass es keine organisierte Kriminalität ist, dies würde es uns nur schwierig machen, die Täter zu fassen und die Chance des Überlebens seiner Eltern sehr stark schmälern, auch wenn sein Verhalten eher auf dies hinzuweisen scheint, als auf einen Raubüberfall. Welcher aber auch aufgrund seiner Verletzungen und dem sozialen Hintergrund, aus dem er zu kommen scheint, passt und somit nicht auszuschließen ist."

"Gab es denn schon Hinweise darauf, wo er gewesen sein könnte, oder gab es Eltern, die in letzter Zeit ihr Kind als vermisst gemeldet haben?", oh, die Krankenschwester war auch bei denen mit im Raum, sie schien wohl eher Protokoll geführt zu haben, als mitzusprechen.

"Nein, soweit ich informiert bin, wurden während der letzten 2 Tage noch keine Kinder, auf die seine Beschreibung passt, als vermisst gemeldet. Auch gab es gottseidank keine Leichenfunde, welche seine Eltern hätten sein können. Wobei es schon komisch ist, dass man ein so junges Kind nicht vermisst.", die Besorgnis, welche diesen Worten mitschwang, konnte man förmlich hören.

-NI-NL-

AN: So das war der sechste Streich der Geschichte und auch der letzte Streich des Februars. Weiterhin hoffe ich, dass ich es schaffe regelmäßig neue Kapitel (mindestens 4 Kapitel im Monat) hochzuladen, wenn nicht gibt es genug Leute die mich erinnern ;) . Über ein Review würde ich mich natürlich immer sehr Freuen.

Wenn ihr mich direkt kontaktieren möchtet, könnt ihr dies über Discord (link siehe AN Kapitel eins) machen. Ich bin dort unter dem Nutzernamen Lailan ;) Ich hoffe einige von euch dort wiederzusehen.