Wie immer zu Beginn ein ganz dickes Dankeschön an meine drei Reviewer Trovia, laser-jet und Roter Draconis! Freu mich über jedes einzelne Review, das ich bekomme, macht bitte weiter so!
Ja, die Mysteriumsabteilung kommt hier vor - allerdings bezweifle ich nicht, dass du das etwas anders gemeint hast, was Trovia? gg
Weil du zu einem früheren Kapitel geschrieben hast, dir gefällt dass ich die Perspektive beibehalte, in diesem Kapitel werd ich etwa zur Hälfte wechseln. Ich schreib wann immer es möglich ist aus Harrys Sicht, und hier hab ich mir das auch überlegt, aber es ging nicht! Lies das Kapitel, dann stellst du sicherlich fest, warum ... gg
laser-jet: Stimmt, das Ende ist etwas offen, aber das war auch so gedacht - fehlt also nicht der Schluss des Kapitels . Ist doch ein ziemlicher Hammer, dass Verteidigung gegen die dunklen Künste wegfällt, und das fand ich als Schluss ganz gut geeignet!
Roter Draconis: Bitte sehr, hier ist mehr ;D
Ach ja, der Text des Chorliedes gehört nicht mir, sondern den Filmstudios, darauf wollte ich noch hinweisen!
Nun also viel Spaß mit Kapitel 06 - Halloween ist halt immer was los - und hinterlasst mir bitte ein Review - fänd ich allein schon aus dem Grund gut, weil ich nicht weiß, was ihr vom Anfang des Kapitels haltet!
Halloween
Licht drang durch seine geschlossenen Lider, helles, warmes Licht. Harry öffnete die Augen. Er lag in seinem Bett, aber das war nicht mehr im Schlafsaal. Nirgends war etwas Vertrautes zu erkennen, keiner seiner Freunde, kein Gryffindorturm, kein Hogwarts, ja nicht einmal eine Wiese oder eine Wand, überall nur grelles Leuchten, eine Welt aus warmem Licht, das ihn blendete!
Wo befand er sich?
Neugierig schlug Harry die Decke zurück und schwang die Beine über die Bettkante, die Matratze ächzte. Es war angenehm warm, wie im Sommer, und der Geruch von frischen Blüten und feuchtem Wald schwängerte die Luft. Barfuß lief er los, glücklich und zufrieden, zuversichtlich alles zu meistern, was sich ihm in den Weg stellen würde. Das Bett war verschwunden. Leise, sanfte Stimmen drangen wie aus weiter Ferne an sein Ohr.
... „Kannst du sie vor deinem geistigen Auge sehen?" ...
... „Ich muss runter zu den Dementoren." ...
Dementoren? In dieser hellen, freundlichen Umgebung sollte es Dementoren geben?
... „Die Feder meines Zauberstabs stammt von Fawkes?" ...
... „Doch wie wir alle wissen, fand Du-weißt-schon-wer in dem kleinen Harry Potter einen tödlichen Gegner." ...
... „Die Ratte – schau dir die Ratte an –" ...
Harry ließ seinen Blick schweifen, suchte aufmerksam das leuchtende Sonnenlicht um sich herum nach verborgenen Schatten ab. Keine Ratte, nicht ein einziges Tier ließ sich erkennen, außer zwei wunderschönen Schmetterlingen, die auf ihre eigene, unnachahmliche Weise durch die Luft tanzten.
... „Ich erfülle meine Pflicht als Pate." ...
... „Kühnheit angesichts der überraschenden Gefahr ist ein sehr wichtiger Charakterzug von Zauberern ... sehr wichtig." ...
... „Ich habe den Schulleiter immer wieder gewarnt, dass Sie Ihrem alten Freund Black dabei helfen, in die Schule zu kommen, Lupin, und hier ist der Beweis." ...
... „Harry – nimm den Rest deines Schlaftranks. Wir treffen uns alle später." ...
Schlafen? Harry fühlte sich viel zu wach um zu schlafen! Leichtfüßig lief er nach nirgendwo, lauschte den weichen Stimmen, die mit der Zeit langsam lauter wurden.
... „Solche Zeiten bringen bei manchen Menschen das Beste zum Vorschein, bei anderen das Schlimmste." ...
... „Sie wer'n silbern, wenn sie etwa zwei Jahre alt sind, und mit vier Jahren wächst ihnen das Horn. Erst wenn sie ausgewachsen sind, mit etwa sieben, wer'n sie ganz weiß." ...
... „Ich weiß, ich sollte nicht so guter Laune sein, nach dem, was gestern Nacht passiert ist. Wo doch Black schon wieder geflohen ist – aber wisst ihr was?" ... „Schnäbelchen! Er ist entkommen! Er ist frei!" ...
Dieser Satz versetzte Harry einen sanften Stich. Hagrid, er freute sich über Seidenschnabels Flucht vor über drei Jahren. Damals hatte der Halbriese noch keine Ahnung gehabt, mit wem der Hippogreif entkommen war, und es hätte ihm auch sehr große Sorgen bereitet, immerhin galt ... Sirius ...
Harry schüttelte energisch den Kopf, die glühende, aufmunternde Umgebung half ihm, den betrübenden Gedanken beiseite zu drängen.
... „Wir werden uns bald wieder sehen. Das versprech ich dir." ...
... „Also – du kämpfst mit, Harry." ...
... „Was kommen muss, wird kommen, und wenn es da ist, nehmen wir den Kampf auf." ...
Verwirrt lauschte Harry den Worten, die ihm alle bekannt vorkamen, doch die Aussagen ergaben keinen Sinn! Übersah er etwas wichtiges?
Während er noch überlegte, löste sich seine Umgebung auf und wich kalter Schwärze. Er verlor den Boden unter den nackten Füßen und fiel ins Grenzenlose. Die tiefe Ruhe, die Zufriedenheit, die ihn in der anderen Welt erfüllt hatten, wichen Besorgnis und intuitiver Furcht. Wovor hatte er Angst?
„Und da ist er, unser Schul-Schämpion!" brüllte Lee Jordan plötzlich von irgendwoher, Harry zuckte zusammen und blickte sich um, konnte ihn nicht sehen ...
„Wo schaut er denn hin? Hinter dir, Junge, hinter dir, dreh dich um!"
Harry tat wie ihm geheißen und sofort blieb ihm das Herz stehen. Ein riesiger, schnaubender Hornschwanz saß dort und spie Feuer, noch bedrohlicher als im Trimagischen Turnier. Prompt landete Harry auch in der Arena, in der er vor drei Jahren diesem Ungetüm gegenüber gestanden hatte.
Auf der Tribüne klatschten die Zuschauer mit betäubender Lautstärke.
„Unser Harry wird das Kind schon schaukeln", jubelte Lee übermütig, „Er muss in seiner ersten Aufgabe an diesem Drachen vorbei. Uiui, möchte ich nicht in seiner Haut stecken! Und er vermutlich auch nicht! Was wird er tun, der Junge? Er konzentriert sich, er zückt und hebt seinen Zauberstab ..."
„Accio Feuerblitz!" brüllte Harry selbstverständlich über Jordans Kommentare hinweg. Dies hatte schon im Turnier funktioniert, wieso sollte es jetzt nicht klappen? Er wartete und wartete und befürchtete schon, sein Besen würde nicht kommen, da summte es vertraut, und neben Harry erschien ... Moment mal, da war was schief gelaufen! „Seidenschnabel?"
„Schul-Schämpion schaut schön dämlich aus der Wäsche!" erklärte Lee begeistert der tosenden Menge,
„Aber was soll er machen? Sein Feuerblitz nimmt wohl Urlaub, also besteigt er Seidenschnabel und fliegt an dem Drachen vorbei auf das goldene Ei zu, das dort im Nest liegt. Oops, beinahe hätte das kleine, süße Hornschwänzelchen – nicht wahr, Hagrid? – ihm die zerstrubbelten Haare verkohlt! ...
Und da, nur noch wenige Meter, dann hat er das Ei in den Händen, und ... Ja, was soll das denn? Das Ei hat Flügel bekommen und flattert davon, Harry hinterher, in rot-goldener Unterwäsche jagt Potter den Schnatz.
Und da greifen auch schon die Gegner an, gruselig-eiskalte Dementoren. Dementoren? Hilfe, was machen die hier? ... Was sie machen? Sie bilden eine Schlange und jagen auf ihren Besen auf Harry zu, der erste schlägt einen Klatscher nach ihm, und... Er trifft nicht, er hat daneben geschossen, und Potter wehrt sich nun ..."
„Expecto Patronum!" warf Harry den Dementoren entgegen, sofort glühte es silbern an der Spitze seines Zauberstabs. Der Junge wusste, wie man Dementoren bekämpfte, und war dennoch furchtsam. Aber nicht wegen den Dementoren. Wovor hatte er Angst?
Lee kommentierte eifrig die Ereignisse:
„Ein Hirsch erscheint ... Augenblick, das ist kein Hirsch, das ist eine Eule! Mimas vertreibt die Dementoren, einer explodiert regelrecht von innen heraus, liebe Zuschauer, das ist unglaublich! Das wäre glatt den Eintritt wert – wenn denn Eintritt verlangt worden wäre ...
Da, Merlins Eule schnappt nach dem Schnatz! Sie hat ihn gefangen ... was denn? Sie hat ihn HERUNTERGESCHLUCKT? Jetzt jagt Potter die Eule, wenn er sie gefangen hat ist das Spiel zu Ende.
Potter jagt Mimas, er ist ihm auf den Fersen, er streckt die Hand aus ...
Ach du Schreck, dieser Traum wird immer verrückter, Mimas und Harry sind nun im wunderbaren, heißgeliebten Hogwarts! Mimas verwandelt sich in Trelawney, der Dumbledore endlich mal eine Gehaltserhöhung für drei wahre Vorhersagen machen sollte, die dritte wird von der Lady gerade mit lauter, hysterisch lachender Stimme verkündet, passend zu den tiefgrauen, düsteren Gewitterwolken, die die Schwärze verdecken ..."
– „Der Eine Kampf, der das Schicksal besiegeln soll, rückt näher ... ausgefochten zwischen dem Dunklen Lord und dem Einen, den er sich ebenbürtig zeichnete ... in einer Schlacht in der sich Licht und Dunkel gegenüberstehen ... wird Er entscheiden über die Herrschaft von Licht oder Dunkel ... der Eine, mit der Macht den Dunklen Lord zu besiegen, wird Diesem die Stirn bieten ... und dem Dunklen Lord wird keine Möglichkeit bleiben außer den Fluch des Todes gegen Diesen seinen Widersacher einzusetzen ...
... und Er, der für das Licht kämpft, wird nicht fähig sein auszuweichen oder etwas vor Sich zu stellen zum Schutz gegen den Fluch des Todes ... und der triumphierende Schrei des Dunklen Lords wird erschallen ... Der Eine Kampf, der das Schicksal besiegeln soll, rückt näher ..."
– „ ... Ja ist das denn zu fassen, armer Harry! Er kann einem echt leid tun! Und nicht nur weil er ein Gryffindor ist, nein, da hätte man vielleicht, aber nur vielleicht auch mal mit einem der Slytherins Mitleid! Vielleicht wohlgemerkt! ...
Unser Sucher hat Hogwarts erreicht, er springt von Seidenschnabel und rennt zielsicher auf die Große Halle zu, die Tür ist mit einem riesigen X gekennzeichnet. Potters Furcht nimmt zu, und er weiß immer noch nicht, woher sie stammt. Wovor hat er Angst?
Harry wirft sich gegen die Tür, die beiden Flügel des Tores springen auf, sie krachen laut gegen die Wand ... Harry stürzt in den Raum, er befindet sich in der Mysteriumsabteilung, zwei schwarz-gekleidete Figuren duellieren sich ... gewaltiges Entsetzen steht Harry ins Gesicht geschrieben, als er erkennt, wen er vor sich hat ..."
– „Komm schon, du kannst es doch besser!"
– „Sein Pate Sirius Black lacht Bellatrix aus, da ... er wird getroffen, seine Augen weiten sich, Überraschung und Angst sind deutlich in ihnen zu erkennen ... es dauert eine halbe Ewigkeit, aber letztendlich stürzt er in einem anmutigen Bogen rückwärts durch diesen Schleier ... Harry muss entgeistert zusehen, wie sein Pate darin verschwindet, der Schleier flattert ... Harry will es verhindern, will Black zurückholen, aber Lupin hält ihn auf ..."
– „Du kannst nichts mehr tun, Harry ... nichts ... er ist fort."
– „Harry kann es kaum glauben, will es auch nicht glauben, ... Er, der für das Licht kämpft, schreit aus voller Kehle nach seinem Paten, Er will ihn zurückhaben ...
Er gibt sich selbst die Schuld für das, was passiert ist, Er hat Angst, dass alles umsonst war, alle Opfer die für Ihn gebracht wurden, denn Er wird Du-weißt-schon-wem die Stirn bieten ... und Er, der für das Licht kämpft, wird nicht fähig sein auszuweichen oder etwas vor Sich zu stellen zum Schutz gegen den Fluch des Todes ... und der triumphierende Schrei des Dunklen Lords wird erschallen."
„NEII-IIIN! Sirius!"
Mit einem entsetzten Schrei schreckte Harry aus dem Schlaf, das Herz pochte ihm bis zum Hals.
Noch immer hatte er vor Augen, wie sein Pate verschwand, fühlte das gleiche Elend wie im Moment, als ihn Lupin zurückgehalten hatte, wollte Sirius befreien, konnte es aber nicht. Grenzenlose Verzweiflung flackerte in ihm auf, eben jene Gefühle, die er in der Zeit danach erfolgreich verdrängt hatte, platzten aus ihrem Versteck tief in seiner Seele und drangen wieder zur Oberfläche.
Er brauchte einen Moment um zu begreifen, wo er war und dass er nur geträumt hatte, so real erschien ihm der grauenhafte Traum. Am Anfang war er noch wunderschön, hatte ihn regelrecht berauscht, doch dann ...
Schnaufend warf Harry die Bettdecke zurück und schwang seine Beine über den Rand des Bettes.
Schon lange hatte er nicht mehr von Sirius geträumt. Tief in seinem Innern hatte er diese Erinnerung vergraben, in der Hoffnung, sie würde nie wieder zum Vorschein kommen, weil er genau wusste, dass er damit nicht klar kommen würde. Er konnte die Ereignisse dieser Nacht nicht akzeptieren, und es war leichter, alles zu verdrängen, als sich damit auseinander zu setzen. Nur so hatte er weitermachen können. Nur so hatte er verhindert, von jener Erinnerung innerlich zerfressen zu werden!
Nachdem er sich über die brennenden Augen gewischt hatte, stand Harry schweißgebadet auf und trat ans Fenster. Dort nahm er sich ein Glas Wasser, schaffte es aber nicht, es leer zu trinken, obwohl sein Hals so trocken war, als hätte er die letzten Tage an einem Ort verbracht, den Onkel Vernon einmal als Sauna bezeichnet hatte. Seine Gedanken drehten sich immer noch um diesen Alptraum.
Er hatte die Stimme seines Paten gehört, hatte Sirius gesehen, als er stürzte und verschwand; er war nur ins Ministerium gekommen, weil er Harry retten wollte. Das war gelungen, aber Harry fand, dass der Preis zu hoch war. So wie jenes Opfer, das James und Lily Potter damals für ihn gebracht hatten. Alles für ihn! Verdammt, wieso kostete er allen Menschen, die ihm etwas bedeuteten, das Leben!
Aber am schlechtesten fühlte Harry sich beim Gedanken daran, dass diese Opfer völlig umsonst gewesen waren, das hatte Trelawney laut und unmissverständlich verkündet. Wenn er doch nur die Zeit zurückdrehen und alles verhindern könnte!
Trelawneys Prophezeiung ... Verfluchter Mist!
„Schlecht geträumt?" riss ihn Rons anteilnehmende Stimme aus seinen Gedanken, „Von Sirius?"
Harry nickte knapp, ihm steckte immer noch ein Kloß im Hals, und er wollte nicht darüber reden. Nicht einmal mit seinem besten Freund.
Auch Ron hatte bereits sein Leben für Harry riskiert, in ihrem ersten Schuljahr, und zusammen mit Hermine noch einmal im dritten. Harry zweifelte nicht daran, dass er es wieder tun würde, und dieses Mal vielleicht dabei sein Leben lassen musste. Hermine und Lupin würden ihn auch um jeden Preis beschützen, Remus ... Schande, Remus hatte sich vor kurzem in den Cruciatus-Fluch geworfen, damit er Harry nicht traf!
Aber der Junge wollte nicht, dass noch mehr Menschen seinetwegen in Gefahr gerieten. Er würde alles tun, um dies zu verhindern. Alles! Und er wusste, wie er es verhindern konnte, es gab nur eine einzige Möglichkeit ...
„Was war denn los?" fragte Ron, diesmal drängender, Harry wollte jedoch immer noch nicht antworten.
Mit einem neuen Ziel vor Augen stellte er sein Glas ab, warf sich seinen Umhang über, kramte in einer Schublade und verließ den Schlafsaal, ohne sich noch einmal Ron zuzuwenden. Er wusste, dass dieser noch einige Minuten in seinem Bett sitzen und ihm resigniert nachschauen würde.
Beim Frühstück erzählte Ron Hermine von dem Vorfall, Harry hatte er seitdem nicht mehr gesehen.
„Hast du eine Ahnung, wo er stecken könnte?" schloss er seinen Bericht besorgt ab.
– „Einige Plätze gibt es, wir sehen uns nach dem Essen um", flüsterte sie zurück, damit die Lehrer nichts mitbekamen,
„Wenn wir jetzt aufstehen, fällt das zu sehr auf, und wenn Snape herausfindet, dass Harry sich in dieser Situation allein im Schloss herumschleicht – du weißt ja, Bellatrix, und Harry lässt sich von ihr doch so leicht provozieren ... Jedenfalls bekäme er gewaltigen Ärger. Wir müssen ihn alleine suchen. Oder ... vielleicht hilft uns Professor Lupin! Wieso sitzt er eigentlich nicht am Lehrertisch?" – „Weil er letzte Nacht in der Heulenden Hütte gehaust hat. War doch Vollmond." – „Na, dann wird er uns bedauerlicherweise wohl auch nicht helfen können!"
Sichtlich beunruhigt angesichts der Neuigkeiten griff das Mädchen nach ihrem Tagespropheten, den eine Eule in diesem Moment vor ihr ablegte.
Wie immer waren die meisten der guten Nachrichten von Bellatrix Lestrange entfernt worden, sie fing alle Eulen ab und ließ nur die weiterfliegen, die schlechte Mitteilungen enthielten. Von Zeit zu Zeit übersah sie zum Glück etwas, aber man musste zugeben, dass es in Anbetracht des Krieges sowieso nicht viel für sie zu streichen gab.
Regelmäßig fand man Berichte von Folter und Überfällen, wobei allerdings die Anzahl der Todesopfer geradezu bemerkenswert gering war – was eigentlich nicht groß überraschen sollte, immerhin hatte Voldemort unmissverständlich erklärt, dass seine ersten Ziele Dumbledore und Harry waren – wo in aller Welt steckt Harry bloß! –, weshalb er sich nicht oft zum Mord hinreißen ließ, und seine Todesser waren natürlich nicht so verrückt, seine Anweisungen zu missachten!
Nach Möglichkeit sollten sie nur foltern und verstümmeln und Angst und Schrecken verbreiten, die Opfer aber, wenn es ging, am Leben lassen – um sie zu einer späteren Gelegenheit erneut zu quälen. Wer einmal auf der Liste eines Todessers stand, so hieß es, bevorzugte meist den Tod!
In unregelmäßigen Abständen jedoch hielt Voldemort es dennoch für sinnvoll, der Öffentlichkeit die eine oder andere entstellte Leiche zu präsentieren – ihre Angst davor, grauenvoll ermordet zu werden, sollten sie nicht verlieren!
Hermine las eine Weile im Tagespropheten, mit den Gedanken jedoch offensichtlich bei Rons Bericht – wo war Harry! – bis ihr Blick auf einen kleinen Artikel am Rand der Zeitung fiel.
MISSLUNGENER ÜBERFALL
Aus unerklärlichen Gründen ist ein Überfall auf Muggel misslungen. Vierzehn Todesser griffen sie auf offener Straße am helllichten Tag an, permanente Verletzungen oder gar Opfer gab es glücklicherweise keine. Als die Auroren eintrafen, um die Situation zu retten und die Muggel vor weiterer Folter zu schützen, waren die Übeltäter bereits entwaffnet und gefesselt, die Erinnerungen der Muggel gelöscht und alles wieder bereinigt – alle ausnahmslos bei bester Gesundheit, einer hielt eine Feder, offensichtlich sein Talisman. Die Gesetzeshüter konnten sich nur wundern, eine Erklärung fanden sie nicht.
„Sieh dir das mal an", raunte Hermine Ron zu und zeigte ihm den Artikel.
Dieser las und hob anschließend verblüfft die Augenbrauen. „Ich werd nicht mehr!", entfuhr es ihm aufgeregt, es fiel ihm sehr schwer, leise zu bleiben,
„Vierzehn Todesser? Das war bestimmt nicht nur eine Person! Eine Person wird nicht mit vierzehn Todessern fertig! ... Aber warum haben sie sich nicht den Auroren gezeigt?"
Ron schüttelte den Kopf, „Ist das vielleicht eine Art zweiter Orden des Phönix? Ginny sagt, dass Fred sagt, dass Bill sagt, dass der Orden seit einigen Tagen keinen Kampf mit Todessern hatte."
– „Keine Ahnung", kommentierte Hermine schulterzuckend, im Moment war ihr das relativ gleichgültig, denn soeben hatte sie bemerkt, dass die Schüler aus der Großen Halle strömten, „Suchen wir Harry!"
Enttäuscht stapfte Ron Stunden später in den Gryffindor-Turm. „Keine Spur von Harry!" schimpfte er verärgert, „Weder im Raum der Wünsche, noch vor der Peitschenden Weide oder in den Umkleideräumen der Quidditchmannschaften."
– „Ich hab in den Klassenzimmern nachgesehen, in den Geheimgängen und auf dem Westturm", gab Hermine nachdenklich zurück, „Wo steckt er bloß?"
Kaum hatte sie diese Frage beendet, machte sie auch schon auf dem Absatz kehrt und rannte in den Jungenschlafsaal. Ron hörte Neville schreien – „Was soll das Hermine, ich zieh mich gerade um!" – und stürmte hinterher. Hermine kam ihm bereits auf den Stufen entgegen, mit einem Gesichtsausdruck, der sagte ‚Hab ich's doch gewusst!'
„Raus mit der Sprache!" forderte Ron sie auch sogleich auf.
– „Ich hab mir gedacht, es ist verrückt, er kann sich doch nicht einfach in Luft auflösen", begann sie bekümmert,
„Und dann hab ich nachgesehen, ob sein Tarnumhang weg ist, und ich hatte recht. Da können wir ihn suchen, bis wir tot umfallen – mit dem Umhang kann er sich überall verstecken! Leider wird uns nichts anderes übrig bleiben, als zu warten, bis Professor Lupin wieder er selbst ist. Er muss auf der Karte des Rumtreibers nach Harry suchen."
– „Ich dachte, die hätte Harry?" Perplex runzelte Ron die Stirn und sah das Mädchen fragend an.
– „Nicht mehr. Als Bellatrix Lestrange Professor Lupin täglich angegriffen hat, gab Harry sie ihm, damit er nicht überrascht werden konnte."
Ron musste sich angesichts dieser neuen Erkenntnis geschlagen geben und ließ sich seufzend in einen Sessel sinken, Hermine folgte seinem Beispiel und setzte sich neben ihn.
„Ihm wird doch nichts passiert sein, oder?" fragte sie besorgt und griff unbewusst nach Rons Hand.
– „Glaub ich ... ich nicht", überlegte Ron stotternd und wurde rot, darauf war er nicht vorbereitet, ganz und gar nicht! Fieberhaft überlegte er, was er erwidern sollte, „Er hat ... seinen Zauberstab dabei und er wird ... wird ... wird vom ... vom Schutzschild beschützt. Und da kann er ... ohne Lehrer nicht raus. Ich vermute, er will nur Dampf ablassen, das ist alles. Und Bellatrix ... findet ihn sicher nicht ... Tarnumhang ... deshalb kann sie ihn ... nicht provozieren ..."
– „Ich hoffe, du hast recht!" Hermine ließ ihren Kopf auf Ron sinken und atmete tief ein. Das war's, Ron wurde endgültig purpurrot im Gesicht und brachte kein Wort mehr heraus.
Schweigend saßen sie im Sessel, rührten sich keinen Zentimeter und lauschten dem Knistern des Feuers im Kamin, ließen ihre Gedanken treiben.
„Suchen wir Lupin?" hörte Ron sich nach einer halben Ewigkeit sagen, er wusste nicht, wie er mit der Situation umgehen sollte. Ihm gefiel das nervöse Kribbeln im Bauch, weil Hermines Kopf an seiner Schulter lehnte, aber es machte ihm auch Angst. Lieber die Flucht ergreifen!
Überrascht schaute Hermine auf, Ron hatte sie aufgeschreckt und es dauerte einige Sekunden, bis sie seine Worte verstanden hatte. „Ich denke, er müsste sich mittlerweile wieder zurück verwandelt haben", sagte sie leise und verwirrt, erhob sich und zog auch Ron auf die Beine.
Die Sonne schien hell, als sie ins Freie traten, Hermine mit Krummbein im Arm.
Kein Wölkchen ließ sich am Himmel blicken, ganz anders, als letztes Jahr an Halloween. Hermine konnte sich noch gut erinnern, wie der Wind den Regen gegen die Fenster des Schlosses gepeitscht hatte.
Ron und sie gingen schweigend auf die Peitschende Weide zu, aber was, wenn sie dort waren? Sollten sie den Geheimgang betreten und eventuell bald einem Werwolf gegenüberstehen, wenn Lupin doch noch nicht wieder er selbst war? Oder war es besser zu warten, bis der Professor dort heraus käme? Das konnte sie allerdings wertvolle Zeit kosten!
Eine sich nähernde Gestalt nahm ihr die Entscheidung ab.
Professor Lupin kam den beiden bereits über das Schlossgelände entgegen und lächelte zur Begrüßung. Er sah mitgenommen aus, wie immer nach seinen Verwandlungen. Die Sonne schien ihm in den Rücken und tauchte den Werwolf in ihre warmen Strahlen, sodass die Schüler zuerst nicht das eindrucksvolle Tier erkannten, welches ihn begleitete.
Über Lupins Kopf flatterte eine große, grau-silberne Eule mit einem weißen, dunkel umrandeten Gesicht. Das musste eine Weißgesichtseule sein, wie Professor Dumbledore sie in seiner Geschichte über Merlin geschildert hatte. Mimas selbst konnte es wohl nicht sein, denn eigentlich hätte Merlins Eule doch schon vor langer Zeit sterben müssen?
Aber Hermine erinnerte sich wortwörtlich an die Buchstelle, als sie – wissbegierig wie sie nun einmal war – in der Bibliothek nachgeschlagen hatte: ‚Weißgesichtseulen sind sehr stolze und misstrauische Tiere – schenken sie einem jedoch ihr Vertrauen, gibt es kaum einen treueren Begleiter. Keinem Zauberer ist es bisher geglückt, eine solche als Gefährten zu gewinnen, ausgenommen den berühmten und weisen Zauberer Merlin, dessen Eule Mimas der genannten Gattung entsprang.'
„Gibt es ein Problem?" fragte Lupin freundlich, mit einer Anspielung auf den sorgenvollen Ausdruck auf ihren Gesichtern, bevor Mimas sie in seinen Bann gezogen hatte.
Hermine hörte ihn kaum, sie konnte nur schwer den Blick von dem beeindruckenden Vogel wenden, der sich eben in diesem Moment auf Lupins gebeugtem Arm niederließ. Er strahlte eine Selbstsicherheit und Zuversicht aus, die ihr vage bekannt vorkam, andererseits wiederum total fremd schien. Sein Gefieder glitzerte im Licht der sinkenden Sonne, verlieh dem vornehmen Tier eine nahezu märchenhafte Aura.
Auch Ron war von dem exotischen Vogel fasziniert, und Hermine konnte das voll und ganz verstehen. Krummbein schnurrte erfreut und versuchte immer wieder, mit der Pfote seinen Schnabel zu berühren.
„Diese Eule ist heute Nacht zu mir in die Heulende Hütte gekommen und leistete mir Gesellschaft", erklärte Lupin den beiden lächelnd, er musste ihrem Blick gefolgt sein, „Irgendwie war es ... angenehm und ... vertraut, wieder ... nicht allein zu sein während der Verwandlung." Sacht schüttelte der Lehrer den Kopf, schien sich wieder aufs Hier und Heute zu besinnen.
„Sie bringt einen Brief für den Schulleiter, und ich hab ihr geholfen, an Bellatrix vorbeizukommen. Nun, was kann ich für euch tun?"
Endlich gelang es Hermine, die Augen von dem wunderschönen Vogel zu wenden, und es sprudelte aus ihr heraus: „Harry ist verschwunden! Und sein Tarnumhang. Wenn wir ihn finden wollen, müssen wir die Karte des Rumtreibers ..."
– „Harry ist weg?" fiel ihr Lupin entsetzt ins Wort, Mimas schuhute aufgeregt und schnappte mit dem Schnabel nach Remus' Ohrläppchen. Der Lehrer ignorierte es einfach, „Warum habt ihr das nicht schon früher gesagt? Was ist passiert?"
– „Er hatte einen Alptraum", erklärte Ron, der sich ganz offensichtlich nicht wohl in seiner Haut fühlte, „Dann ist er aufgewacht und hat geschrieen, pitschnass war er vom Schwitzen. Er ist ans Fenster, ich hab gefragt, was los ist, dann ist er hinaus und seitdem haben wir ihn aus den Augen verloren."
– „Worum ging es in dem Traum, hat er etwas erwähnt?" hakte Remus alarmiert nach.
– „Hat er nicht. Aber er hat nach Sirius geschrieen, er hat wohl von ihm geträumt", versuchte Ron sich möglichst detailliert zu erinnern. Resigniert schlug Lupin beide Hände vors Gesicht, sodass die Eule den Halt verlor und wieder in die Luft stieg.
„Kommt mit", wies er Ron und Hermine dann drängend an und machte sich schnellen Schrittes auf den Weg in sein Büro. Als die beiden eintraten, hatte er die Karte des Rumtreibers bereits geöffnet, seine Augen suchten angestrengt jeden Quadratzentimeter des abgenutzten Pergaments ab.
„Hier ist er nicht drauf!" stellte Lupin kurze Zeit später beunruhigt fest, während die Eule aufgeregt um seinen Kopf herumflog, „Ich vermute, er hat das Schlossgelände verlassen!"
– „Ist er denn wahnsinnig?" entfuhr es Ron entsetzt, Hermine hatte es die Sprache verschlagen vor Schreck.
„Mimas!" rief Lupin die Eule streng zu sich, ohne auf die Äußerung einzugehen. Sie ließ sich auch sofort auf seiner Schulter nieder, während Remus sich bereits auf den Schreibtischstuhl setzte und ein Blatt Pergament aus der Schublade kramte. Hastig kritzelte er ein paar Sätze darauf und versiegelte den Brief anschließend.
„Bring den bitte schnell zu Alastor Moody", forderte er den Vogel dann eindringlich auf, „Sei aber vorsichtig, dass er nicht in falsche Hände gerät!"
– „Woher soll Mimas denn wissen, wo er Mad-Eye findet?" warf Ron verwirrt ein.
– „Mach dir da mal keine Sorgen", erwiderte Lupin, „Harrys Eulen haben Sirius auch immer erreicht, obwohl das Hauptquartier vom Fidelius-Zauber verborgen war. Mimas wird ihn finden! Und wir drei alarmieren Dumbledore!"
– „Werden sie Harry nicht rauswerfen, wenn sie erfahren, dass er weggelaufen ist?" fragte Hermine besorgt.
– „Nicht, solange Voldemort (Ron erschauerte) dort draußen ist und es auf ihn abgesehen hat", widersprach Lupin bestimmt und ging mit der Eule vor das Schloss.
Die Sonne versank beinahe schon hinter dem Horizont, und es würde sehr schnell dunkel werden. Im Osten zeigten sich schon einzelne Sterne. Sie hatten keine Zeit zu verlieren!
„Beeil dich!" wies Lupin die Eule an.
Sie stieß sich kraftvoll von seinem Arm ab und flog dem Sonnenuntergang entgegen, der den halben Himmel in leuchtendes Rot tauchte. Würde Hermine sich nicht solche Sorgen um Harry machen, hätte sie den Anblick sicherlich sehr romantisch gefunden, ein so schönes Abendrot sah man nicht alle Tage!
Das Halloween-Fest war bereits in vollem Gange, als Lupin, Hermine und Ron die Große Halle betraten. Sie hatten Dumbledore in seinem Büro sprechen wollen, ihn dort aber leider nicht mehr getroffen.
Ausgehöhlte Kürbisse hingen tief von der dunklen Decke herab, die Erstklässler hatten gruselige Gesichter in sie geschnitzt. Fies grinsten sie die Hexen und Zauberer an, die einzige Lichtquelle in der Halle stammte von den Kerzen in ihrem Innern. Die unheimliche Atmosphäre, die sie verbreiteten, war perfekt auf Halloween zugeschnitten, ließ einem sanfte Schauer über den Rücken fahren, wenn man sie zu genau und zu lange anschaute.
Niemandem schien das Fehlen der drei bisher aufgefallen zu sein, alle lauschten gebannt dem Chor, der sich vor dem Lehrertisch aufgestellt hatte.
„... Schlangenschwanz, springt im Kessel wie im Tanz ...", hallte es in der Halle wieder, und Hermine bekam eine Gänsehaut. Harrys Verschwinden war ohnehin sehr besorgniserregend, und das Lied unterstrich dies noch, verlieh der Situation einen bedrohlichen Hintergrund.
„... Drachenblut und Wolfsgebiss, Hexen lieben Finsternis ..."
Lupin bedeutete den beiden, an der Tür zu warten und eilte so leise wie möglich an der Wand entlang zum Schulleiter, der inmitten des Lehrerkollegiums Platz genommen hatte.
„... Schlimmer ... schlimmer, ... noch ... als immer, ... Kessel glühn ... im Feuerschimmer ..."
Hermine konnte beobachten, wie er mit Professor Dumbledore tuschelte, sie schauten kurz zu ihr und Ron, dann flüsterte der Direktor seiner Stellvertreterin etwas ins Ohr. McGonagall zuckte mit entsetzter Miene zurück, nickte aber sofort und wisperte nun ihrerseits ihrer Nachbarin etwas zu.
„... Schlimmer schlimmer, noch als immer, Kessel glühn im Feuerschimmer ..."
Nach kurzer Zeit hatten auf diese Weise alle Lehrer erfahren, was sich ereignet hatte. Dumbledore, Flitwick, Snape, Vektor und Hagrid hatten sich erhoben und kehrten mit Lupin zu Ron und Hermine zurück.
„... Schlimmer schlimmer, noch als immer, Kessel glühn im Feuerschimmer ..."
Eilends verließen sie die Große Halle.
„... Ganz gemein ist, was da kommt! ..."
Die Türen der Großen Halle schlossen sich, bevor Hermine den Rest des Liedes hören konnte. Dafür dankbar und benommen wandte sie sich den Lehrern zu, die eine heftige Diskussion begonnen hatten.
„Kommen Sie, Professor", schimpfte Snape und wandte sich an Dumbledore, „Das wundert Sie doch nicht etwa? Potter hat mehrmals bewiesen, wie wenig er sich um Regeln schert! Potter muss immer aus der Reihe tanzen, er hält sich wie es scheint für etwas besonderes! Potter, dieser arrogante ..."
– „Das reicht, Severus!" unterbrach Lupin den Zaubertranklehrer forsch, „Hat das nicht Zeit, bis Harry wieder hier ist? Das sollte im Moment am wichtigsten sein!"
– „Nehmen Sie ihn nur auch noch in Schutz, Lupin", brummte Snape aggressiv, „Bei Ihnen kann er sowieso machen, was er will! Hat er auch nur ein scharfes Wort von Ihnen zu hören bekommen, als er Lestrange angegriffen und Sie dadurch dem Cruciatus-Fluch ausgeliefert hat? Nein!"
– „Er hat die Beherrschung verloren!" gab Lupin schroff zurück, „Er hätte sich nicht provozieren lassen sollen, aber nachdem, was Bellatrix gesagt hat, kann ich das verstehen! Außerdem, Severus, tun Sie bitte nicht so, als hätte Sie meine Entlassung gestört!"
– „Ich darf doch sehr bitten!" unterbrach Dumbledore den Streit, „Erörtert das zu einer späteren Gelegenheit!" Dann wandte er sich freundlich an Hermine und Ron, „Ihr beide solltet zum Festessen oder in euren Gemeinschaftsraum gehen ..."
– „Wir wollen helfen, Harry zu finden!" warf Ron außer sich ein, er ließ – was nur wenige wagten und einen deutlichen Hinweis auf seinen Gemütszustand lieferte – den Direktor nicht einmal ausreden. Lupin und Hagrid widersprachen ihm auf der Stelle scharf, Hagrid drohte ihm sogar mit einer Zusatzstunde Flubberwurm-sitting, wenn sie nicht sofort in die Halle flohen.
Dumbledore sah die beiden ernst über den Rand seiner Brille hinweg an. „Es genügt, wenn wir uns um einen von euch sorgen müssen", sagte er dann sanft, „Bleibt bitte hier!"
Mit diesen Worten schob er sie in die Halle und schloss die große Tür hinter ihnen.
„Das ist nicht fair", zeterte Ron, „Wir müssen bleiben und uns verrückt machen und können nicht helfen!" – „Wer sagt das denn?"
„Das war echt genial!" lobte Ron Hermine eine Stunde später, „Drauf zu kommen, dass der Geheimgang der buckligen Hexe aus dem Schutzschild rausführt!"
– „Ich hab mir nur überlegt, wie Harry ihn wohl umgangen haben könnte", erwiderte das Mädchen verlegen.
Sie und Ron hatten sich zusammen mit Ginny, Neville und Luna auf die Suche nach Harry gemacht. Mittlerweile war es stockfinster, man konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Sie durften jedoch kein Licht machen, sonst liefen sie Gefahr, entdeckt zu werden.
„Seid leise!" zischte Neville in diesem Moment und erstarrte, „Ich denke, ich hab was gehört!"
Angespannt hielten sie die Luft an und warteten eine halbe Ewigkeit. Im Hintergrund schuhute eine Eule, irgendwo plätscherte ein Bach leise vor sich hin. Regelmäßig raschelte es irgendwo im Gebüsch, und gelegentlich kam das Heulen eines Tieres hinzu, das sie lieber nicht kennen lernen wollte! Hermine lief ein Schauer über den Rücken. Hagrid – nicht nur Hagrid, eigentlich jeder Lehrer – hatte sie eindringlich davor gewarnt, tagsüber in den Verbotenen Wald zu gehen. Was war dann erst nachts?
„Hab mich wohl geirrt", atmete Neville dann erleichtert auf, „Dachte, hier wäre noch jemand außer uns." – „Musst du uns so erschrecken?" fuhr Ginny ihn leise an, „Ich hab beinahe einen Anfall bekommen! Ich will gar nicht wissen, was für Gestalten hier nachts herumschleichen!"
KNACKS!
Hinter ihnen war jemand auf einen Ast getreten! Die Schüler fuhren herum, ihnen stockte der Atem. Entgeistert mussten sie mit ansehen, wie ein großer, schwarzer, bedrohlicher Schatten in rasendem Tempo aus dem Gebüsch auf sie zusprang!
