The Magic World's next Topmodel – Besenfliegen für Anfänger
Der nächste Tag begann früh und – auch für die Nachwuchsmodels – ungeschminkt.
Severus saß übernächtigt und mit dunklen Ringen unter seinen Augen am Frühstückstisch und rührte missmutig in seinem Porridge, während Gilderoy mit dem Ausdruck tiefster Befriedigung eine große Portion Rühreier mit Speck in sich hinein schaufelte.
Danach versammelten sich alle vor dem „Hogsmeade Inn" und Heidi begann:
„Ich habe euch gestern gebeten, euch nicht zu schminken, weil ihr auch zu jedem Casting ungeschminkt gehen werdet. Bei einer Show werdet ihr das tragen, was der Kunde wünscht – das schließt auch Schuhe und Make-up mit ein."
Die Mädchen stöhnten.
„Heute Vormittag werdet ihr das Laufen üben – da ist noch einiges zu tun", fuhr sie fort. „Heute Nachmittag erwartet euch dann das erste Shooting. Alles klar soweit?"
Allgemeines Nicken.
„Dort …" Heidi zeigte auf mehrere Truhen. „… findet ihr Schuhe. Sucht euch etwas aus, stellt euch auf und lauft los. Das hier ist zwar nur eine Dorfstraße, aber sie ist gerade. Stellt euch einfach vor, es sei ein Laufsteg."
„Diese Schuhe bringen mich um", schrie Hermione und rieb sich die schmerzenden Füße, während Ginny verzweifelt nach ein paar High Heels kramte, die ihr nicht zu groß waren.
„Tonks!" hörten sie Heidis Stimme im Hintergrund. „So schwer ist geradeaus laufen doch nun auch nicht."
„Die arme Tonks", sagte Luna. „Irgendwie stolpert sie ständig über ihre eigenen Füße."
„Das tut sie auch, wenn sie Schuhe trägt, die bequem sind und ihr passen", antwortete Ginny. „Irgendwie ist sie ein wenig … ungeschickt."
„Maria, größere Schritte und etwas schneller", schrie Heidi.
„Floßhilde, nicht so auftreten. Elegant, du stampfst doch kein Sauerkraut!"
Stöhnend griff Hermione zu einem anderen paar Schuhe, das nicht ganz so hoch aussah. „Ich verstehe einfach nicht, wie geistig und körperlich gesunde Menschen so etwas tragen können – und dann auch noch den ganzen Tag."
„Heiler wollen auch leben", sagte Ginny und stellte sich wieder in der Reihe wartender Mädchen an.
„Ginny, Hermione – das ist schon sehr gut. Vielleicht ein wenig mehr die Hüften bewegen. Stellt euch vor, ihr würdet tanzen. Luna, nicht träumen!"
„Ich träume nicht", sagte Luna entrüstet. „Ich möchte nur nicht auf die grünwurzligen Snargs treten. Das bringt Unglück."
„Fragen Sie nicht", sagte Snape. „Ich kenne Luna. Sie ist tough, hat aber den Kopf voller verrückter Ideen. Ihr Vater ist Herausgeber des ‚Quertreiber'".
„Das erklärt einiges", sagte Gilderoy.
„Tonks, nicht nach unten sehen. Nach vorne, da ist das Publikum und dein Ziel." Tonks hatte konzentriert auf ihre Füße geblickt, erschreckt sah sie zu Heidi und – lag bäuchlings auf der Straße.
„Meta-Dingsbums hin oder her – aber sie ist so wenig ein Model wie ich eine Astronautin", sagte Heidi zu Severus und Gilderoy.
Noch bevor einer der beiden fragen konnte, was eine Astronautin sei, schrie Heidi schon wieder: „Marietta, komm doch einmal her."
Mit einem ängstlichen Gesichtsausdruck löste sich Marietta aus der Gruppe der wartenden Mädchen und stöckelte zu Heidi und den beiden Juroren.
„Was ist mit deinem Gesicht los?"
„Akne."
Severus kannte seine Schülerin bislang nur in geschminktem Zustand und war schockiert über die Pusteln und Narben.
„So engagiert dich niemand als Model", sagte Heidi. „Dagegen musst du dringend etwas unternehmen."
Tränen stiegen in Mariettas Augen. „Das habe ich versucht, aber nichts hat bis jetzt geholfen. Madam Pomphrey sagt, das verliert sich noch."
Heidi schickte Marietta mit einem Wink zurück zu den Mädchen. Den beiden Juroren flüsterte sie zu: „Sie ist raus!"
„Aber …" warf Severus ein.
„Kein Aber", sagte Heidi bestimmt. „Pickel, Pusteln und Narben sind ein absolutes K.O.-Kriterium. Marietta kann nach Hause fahren."
Lucius würde nicht begeistert sein.
Hexenwoche, Ausgabe 17
Wer wird „The Magic World's next Topmodel?
Wer gewinnt Werbeverträge mit „Gladrays Wizardwear" und „Madam Malkins Roben für alle Gelegenheiten" im Wert von fünfzigtausend Galleonen?
Wer schmückt das Titelbild Ihrer „Hexenwoche"?
Sicher nur ein talentiertes junges Mädchen, das beim heutigen Fotoshooting eine gute Figur macht!
Ich spreche hier mit TomTomTom, dem Fotografen der heutigen Session, während im Hintergrund die hoffnungsvollen Nachwuchsmodels geschminkt und frisiert werden.
„TomTomTom, wie sind sie eigentlich zu Ihrem ausgefallenen Namen gekommen?"
„Nun eigentlich heiße ich nur Tom, schlicht und einfach Tom. Aber mein Vater hat ziemlich gestottert und als er beim Ministerium gefragt wurde, wie sein Sohn heißen sollte, sagte er: ‚Tom …Tom…Tom'."
„Worauf achten Sie bei Ihren Models am meisten?"
„Auf Natürlichkeit. Das schlimmste sind Models – gleich welchen Geschlechts oder Alters – die gekünstelte Posen einnehmen."
„Wen oder was fotografieren Sie am liebsten?"
„Bewegung. Ich mag einfach keine starren Bilder; Dinge und Menschen müssen sich bewegen. Deshalb hat mich dieses Shooting ja so besonders gereizt …"
„Hallo Mädels!"
Wie üblich strahlte Heidi schon fast zu viel gute Laune aus. Jedenfalls sahen die „Mädels" nicht besonders glücklich aus.
„Das ist TomTomTom, unser Fotograf für das heutige Shooting. Er arbeitet hauptsächlich für den „Tagespropheten", hat aber auch schon auf großen Modeschauen fotografiert."
TomTomTom winkte den Mädchen mit einem aufmunternden Gesichtsausdruck zu.
„Die Aufgabe heute ist einfach – jedenfalls für Hexen. Ihr sollt auf einem Besen reiten und posen. TomTomTom wird Euch sagen, was ihr tun sollt. Und bitte: nur maximal drei bis vier Fuß über dem Boden, sonst werden die Bilder nichts. Alles klar?"
„Ich soll auf einem Besen reiten, und dabei auch noch irgendwelche Bewegungen machen", stöhnte Hermione. „Ich kann froh sein, wenn ich nicht runterfalle."
Hexenwoche, Ausgabe 17 – Fortsetzung
Wer bislang geglaubt hat, dass jeder auf einem Besen reiten kann, der wird hier eines besseren belehrt.
Einige Mädchen meistern die Aufgabe geradezu souverän und mit Bravour, während andere doch so ihre Probleme haben.
„Ginny und Angelina, das sah sehr gut aus!"
„Wir spielen beide Quidditch."
„Maria, wird in Spanien nicht auf Besen geflogen?"
„Doch, aber ich appariere lieber. Und am allerliebsten fahre ich mit meinem Cabrio."
Doch schließlich haben alle Mädchen ein paar Runden gedreht und gepost.
„TomTomTom, wie war es?"
„Sehr aufregend. Wenn ich mit Models arbeite, dann sind das meist Vollprofis. Dieses Shooting war eine völlig neue Erfahrung, einige der Mädchen sind wirklich gut."
„Haben Sie einen Tipp für uns, wer „The Magic World's next Topmodel" werden wird?"
„Nun, das weiß ich genauso wenig wie Sie, Rita. Aber einige Mädchen haben definitiv Potential." …
Hexenwoche, Ausgabe 17 – Fortsetzung
Und wieder steht eine Entscheidung an.
Wer wird den steinigen Weg zum Topmodel weitergehen dürfen?
Und wer muss nach Hause fahren?
Hier in der Lobby des „Hogsmeade Inn" werden die Kandidatinnen noch einmal für die Jury laufen und posen.
Noch einmal haben sie die Möglichkeit, alles zu geben, um Heidi, Severus und Gilderoy davon zu überzeugen, dass sie das Zeug haben, um es bis nach ganz oben zu schaffen.
Und da kommt auch schon Hermione Granger …
„Das Laufen klappt prima, Hermione", sagte Heidi. „Aber der Besen scheint nicht deine favorisierte Fortbewegungsart zu sein?"
Hermione nickte.
„Wir haben aber schließlich doch ein gutes Foto geschossen. Möchtest du es sehen?"
„Wow!" sagte Hermione. Was sie erwartet hatte, wusste sie nicht so genau, aber ihr war nie bewusst gewesen, dass sie schön war und Ausstrahlung hatte.
„Du bist weiter", sagte Heidi und Hermione kehrte lachend und tanzend zu den anderen zurück.
„Du bist weiter, Tonks. Aber du musst unbedingt laufen üben. Dafür warst du eine der besten auf dem Besen. Hier ist dein Foto."
„Du bist weiter, Ginny. Top auf dem Laufsteg, Top auf dem Besen. Hier ist dein Foto."
„Cho, hier ist dein Foto."
„Floßhilde, … hier ist dein Foto."
„Natalja, den Besenstiel wie ein Surfbrett zu nutzen – das war Weltklasse. Und hier ist dein tolles Foto!"
„Ihr Bruder ist einer der besten Quidditchspieler der Welt", kommentierte Gilderoy.
„Anna, auf dem Besen warst du nicht schlecht. Aber dein Posing … viel zu gekünstelt und zu übertrieben. Versuche, dich zurückzunehmen."
„Marietta. Ich hätte gerne ein Foto für dich, du hast wirklich Potential. Aber deine Haut … wenn es besser wird, solltest du noch einmal eine Modellkarriere in Angriff nehmen, aber bis dahin … es tut mir leid, ich habe leider kein Foto für dich."
„Maria, hast du eigentlich schon irgendwann einmal auf einem Besen gesessen?"
„Nein."
„Das hat man gemerkt - leider. Es ist uns einfach nicht gelungen, auch nur ein einziges brauchbares Bild zu schießen. So weh es mir tut: ich habe leider kein Foto für dich."
Wütend und mit Tränen in den Augen blickte Maria zu dem grinsenden Gilderoy.
Dann ging sie so würdevoll wie möglich zu den anderen Mädchen zurück.
