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Kapitel 5 - Das riecht nach Ärger!

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So Leute da bin ich wieder! Eine Woche Prüfungen überlebt, das können wir doch gleich feiern, oder? Ich geb ein neues Kapitel aus! gg

Und noch ne gute Nachricht: Mein Betareader hat endlich Zeit für mich gefunden. Ich werd also irgendwann demnächst mal eine aktualisierte (und Rechtschreibkorrigierte) Variante hochladen.

Inhaltlich ändert sich nichts (wesentliches), ihr müsst also nicht alles nochmal lesen ;)

Oh und moch etwas: Seid nicht böse auf Alfred, er hat schließlich eine lange Nacht hinter sich.

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Nervös saß Herbert in seinem Bett und sah abwechselnd zum Professor und aus dem Fenster. Leider zeigte sich nicht die geringste Veränderung. Davon abgesehen natürlich, das Abronsius hin und wieder in seinem Buch weiterblätterte.

Bis jetzt hatte der junge Vampir weder von seinem Vater noch von seinem Alfred etwas entdecken können. Hoffentlich schaffte es der Junge rechtzeitig zurück. Er war jetzt schon so lange weg, das Herbert sich ernsthaft Sorgen machte. Wie er Alfred kannte, war es nicht ausgeschlossen, das er sich irgendwo verlaufen hatte.

Der besorgte Vampir überlegte schon, ob er dem Professor Bescheid sagen sollte, das sein Schützling verschwunden war, als er eine vertraute Mütze erspähte. ‚Gott sei dank, er hat es rechtzeitig geschafft!' Sofort sprang er auf und eilte zur Tür. (Nachdem er sich am Bettrahmen festgeklammert hatte, bis die tanzenden Punkte vor seinen Augen verschwanden.)

Kaum hatte die Tür sich geöffnet, als Herbert den jungen Mann auch schon an sich drückte. "Um Himmels Willen, Alfred! Ich hab mir echt Sorgen um dich gemacht!"

Alfred erwies sich jedoch als sehr undankbar. "Lass mich bloß in Ruhe, ja?! Du hast mir das schließlich eingebrockt!" Er stieß den anderen Vampir unsanft von sich. "Und wenn mich heute noch ne Schwuchtel umarmt krieg ich ne Krise!"

Ein kleiner Teil seines Verstandes sagte ihm, das diese Bemerkung nicht sehr fair gewesen war, aber der größere Teil fand das ganz und gar nicht. "Deinetwegen bin ich durch Katakomben geirrt, von Fledermäusen angegriffen worden, von Vampiren bedroht und dann wollte einer von denen mich auch noch in seinen Sarg zerren! Ich hab wirklich genug davon!!"

Herbert sah ihn mehr betroffen als beleidigt an. "Ach du je, ich hatte nicht erwartet, dass sie schon in der Gruft sein würden!"

Das schlug dem Fass endgültig den Boden aus, zumindest für Alfred. "Du hast GEWUSST, dass mich da Vampire erwarten?! Du hast es zumindest VERMUTET!? Ich fass es ja nicht! Lässt du mich demnächst auch zu Vampirjägern gehen, ohne mich vorzuwarnen?! Oder zu ... zu ... zu ..."

Herbert setzte zu einer Entschuldigung an, aber Alfred war noch immer zu aufgebracht um ihn zu Wort kommen zu lassen. "Ach, Lass mich bitte einfach in Ruhe, ok? Dann geht vielleicht mal ausnahmsweise nichts schief."

Er stapfte an dem bedröppelt dreinschauenden Herbert vorbei und die Treppe hinauf. Der Knall als er seinen Sargdeckel zuschlug hallte durchs ganze Haus.

Als der Graf und Sarah kurz vor Sonnenaufgang zurück waren, stellten sie nicht wenig überrascht fest, dass ihre gemieteten Zimmer wie ausgestorben waren.

Der Professor hatte nur eine Notiz hinterlassen, das er irgendwelche Untersuchungen anstellen wollte. Alfred lag in seinem Sarg und antwortete auf alles Klopfen nur mit einem ungehaltenen Grummeln und von Herbert fehlte jede Spur.

"Ich glaube hier hat es ganz gewaltigen Streit gegeben", stellte Sarah besorgt fest. Von Krolock nickte mit zusammengepressten Lippen. "Versuch aus Alfred herauszubekommen, was los war. Ich denke ich weiß, wo Herbert steckt." Er ließ Sarah mit Alfreds Sarg allein und stieg die schmalen Treppen nach oben.

Tatsächlich fand der Graf seinen Sohn auf dem Dachboden. Herbert hatte einen alten Schrank vor das einzige Fenster gerückt und sich in einen Stapel alter Decken eingewickelt.
Er hob nicht einmal den Kopf, als sein Vater eintrat.

Schweigend setzte sich von Krolock neben den jungen Mann und begann, ihm tröstend über den Rücken zu streicheln. Eine Weile noch blickte Herbert trotzig zu dem heller werdenden Lichtkegel, der an der Seite des Schrankes in den Raum viel. Schließlich jedoch gab er es auf, gefasst wirken zu wollen und schmiegte sich schluchzend an die Schulter seines Vaters.

"Ist es wegen Alfred?", fragte von Krolock sanft, merkte aber schnell, dass der junge Vampir kaum ein zusammenhängendes Wort herausbrachte. Statt dessen nickte er so leicht, das von Krolock es in der Dunkelheit kaum bemerkte.

Sein Sohn war schon immer sehr sensibel gewesen. Er konnte in einem Augenblick fröhlich durchs Schloss rennen und im Nächsten tief traurig in einer Ecke kauern.

Der Graf spürte sehr wohl, dass hinter Herberts Tränen mehr steckte, als einfache Stimmungsschwankungen, aber er wollte ihm etwas Zeit geben.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Herbert sich soweit beruhigt hatte, dass er wieder sprechen konnte.

"Willst du mir nicht sagen, was passiert ist?"

Noch vor ein paar Stunden war er fest entschlossen gewesen, nichts von seiner geheimen Nachricht zu erzählen - ausgenommen Alfred natürlich. Inzwischen war es ihm völlig egal, ob Sarah davon hören würde oder nicht.

Schluchzend berichtete er seinem Vater, wie er Alfred zur Mariengruft geschickt hatte und wie aufgebracht der junge Mann zurückgekommen war.

"Ich ... ich wollte mich bei ihm ... entschuldigen. Und ... naja also bin ich ... bin ich zu seinem Sarg gegangen und..." Herbert stockte, als würde er nach den richtigen Worten suchen.

"Und was?", hackte der Graf nach. Er bereute seinen drängenden Tonfall, aber es kam nicht oft vor, dass er Herbert so aufgelöst sah. Sanft strich er seinem Sohn die Tränen von den Wangen um seinen Worten etwas von ihrer Schärfe zu nehmen.

"Naja ..." Der junge Vampir bemühte sich um ein tapferes Lächeln. "Wenn man es zusammenfasst, hat er eigentlich nur gesagt, dass ... dass ..." Er seufzte leise. "Er hat gesagt, ich solle mich zum Teufel scheren und ihm bloß nie wieder unter die Augen kommen, sonst wäre ich doch noch der erste Vampir, dem er einen Pflock durchs Herz jagt."

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Sarah starrte Alfred so fassungslos an, als habe er gerade den Papst persönlich gebissen. "Du hast WAS gesagt?!?!"

"He, ich war wütend und wurde gerade von einem wildfremden Vampir begrabscht." Verteidigte sich der junge Mann, aber vergeblich. "Ich hab vielleicht ein bisschen die Beherrschung verloren.", räumte er schließlich ein.

"Ein bisschen?? Alfred, wenn der Mann, den ich liebe, so etwas zu mir sagen würde ..." Sie schüttelte entrüstet den Kopf. "... ich würde ihm vor Wut die halbe Einrichtung um die Ohren pfeffern und mich dann in einer Ecke vergraben und mir die Seele aus dem Leib heulen!"

"Jetzt übertreibst du."

"Ach, glaubst du?"

"Ja. Ich meine, komm schon! Du glaubst doch nicht wirklich, dass Herbert mich liebt. Du hast nur eben gerade deinen Grafen gefunden und bist glücklich und jetzt nimmst du an, dass Herbert genauso ist wie sein Vater. Aber du hast ihn damals im Schloss nicht erlebt. Glaub mir, das einzige worauf Herbert aus ist, ist Beißen und ... naja ... du weißt schon."

Sarah gab ihm eine Kostprobe von ihrem speziellen Du-hast-keine-Ahnung-von-Nichts-Blick. "Nun, Alfred, wenn du schon nicht an die romantische Seite in ihm glaubst, vielleicht kommst du ja mit der logischen besser zurecht." So langsam wurde ihr klar, warum Herbert sie um Hilfe gebeten hatte. Alfred war wirklich ein schwerer Brocken.

"Nehmen wir einfach mal an, Herbert wäre wirklich nur darauf aus, dich zu beißen und mit dir zu schlafen. Was hat ihn daran gehindert, dich schon damals zu beißen?"

"Der Professor."

"Verstehe. Und was hindert ihn jetzt daran, einfach heimlich in deinen Sarg zu klettern?"

Alfred zögerte einen Moment lang. "Ich vermute mal, der Graf."

Sarah verdrehte die Augen. "Wenn er wirklich etwas dagegen hätte, das sein Sohn dich zu seinem neusten Spielzeug ernennt, wieso hat sich Herbert dann getraut im Schloss über dich herzufallen?"

Darauf wusste Alfred dann allerdings keine Antwort mehr.

"Sieh es doch endlich ein, Alfi. Herbert hat sich wirklich in dich verliebt."

"Und wenn schon! Wieso fragt mich eigentlich nie jemand? Falls es dir nicht aufgefallen ist, ich habe nämlich nicht das geringste Interesse an Herbert! Oder überhaupt an irgend einem anderen Mann, was das angeht."

"Das ist aber noch lange kein Grund, so gemein zu ihm zu sein!"

"Bitte? Er hat mich direkt in die Arme von einem Haufen Verrückter laufen lassen!"

Sarah seufzte. Sie stritt sich zwar selbst oft genug mit Herbert, aber sie hatte nun einmal versprochen, ihm zu helfen. "Und du hast ihn ganz schön vor den Kopf gestoßen, als er sich entschuldigen wollte. Also seid ihr ja wohl quitt. Meinst du, ihr könntet euch morgen Nacht wieder vertragen?"

"Damit er mich den nächsten Monstern zum Fraß vorwirft? Garantiert nicht, mir reichts!" Wütend drehte Alfred sich in seinem Sarg um und knallte den Deckel wieder zu.

Geschlagen stapfte Sarah zu ihrem eigenen hinüber. ‚Toll, je länger er in Herberts Nähe ist, desto zickiger wird er. Seit wann ist sowas eigentlich ansteckend?'

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Ok, das war das Kapitel, jetzt seid ihr wieder dran: Reviews, Reviews, Reviews bitte!