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6. Gred & Forge


'Our lives are the product of manyfold contingencies.'

-Marcus Stanley Fogg in Moon Palace (Paul Auster)


Tom, Myriel, Sara und Tiara liefen die Winkelgasse entlang. Der kleine Rosiel (er wohnte momentan noch bei den Mudos, da er sehr an seinem Bruder zu hängen schien und Tom die beiden noch nicht trennen wollte) hatte am Vorabend Saras Glas mit Mondlilien umgeworfen und das Blumenwasser war über Tiaras Trankzutaten geflossen und hatte einen Großteil davon unbrauchbar gemacht. Also waren sie heute nochmals ins Zaubererlondon gefahren, um Ersatz zu kaufen. Tom hatte in den letzten Tagen Zeit gehabt, sich mit seinen neuen Büchern über Zauberstablose Magie und Gedankenzauber auseinanderzusetzen. Er fühlte sich gut vorbereitet für Lydias Besuch am Nachmittag. Jetzt war er eigentlich nur hier, weil Myriel ihn gebeten hatte, ihr auch einmal die Zaubererwelt zu zeigen.

Gemütlich schlenderten die drei Frauen mit Tom die Straße hinunter. Sie waren schon seit mehreren Stunden hier und selbst Myriels Neugier war mittlerweile ein wenig abgeflaut und sie beschlossen gerade, dass es langsam Zeit wäre, nach Hause zu gehen, als Tiara quiekte: "Vorher will ich aber noch in den Laden da, der sieht lustig aus!" Die Blicke der Erwachsenen folgten ihrer ausgestreckten Hand zu dem bunten kleinen Laden.

'Weasley's Wizarding Wheezes' stand über der Türe. Tom schluckte. "Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist..." Er brach ab und sah Tiara an, deren Augen beim Anblick des Scherzartikelladens leuchteten.

"Was hast du denn, Tom?", fragte Myriel, die seine Unsicherheit bemerkte.

"Ich kenne die Ladeninhaber von früher", erklärte Tom leise und nervös. "Sie sind sehr nett, aber ich habe dir ja erklärt, dass es Probleme geben kann, wenn ich plötzlich wieder auftauche. Wenn mich irgendjemand selbst in meiner 'Verkleidung' erkennt, dann vermutlich die beiden..."

Myriel kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe, während sich auf Tiaras Gesicht ein Ausdruck großer Enttäuschung breit machte. "Heißt das, wir gehen nicht?", fragte sie ängstlich.

Tom sah sie noch einmal an und musste bei ihrem flehenden Hundeblick unwillkürlich lächeln. Also gut. Irgendwann musste er sich dem Orden ohnehin zu erkennen geben. Allerdings hatte er damit warten wollen, bis er seine Therapie bei Lydia ernsthaft begonnen hatte. Aber vielleicht erkannten die Zwillinge ihn ja auch gar nicht. Oder besser noch, vielleicht arbeiteten sie ja gar nicht mehr selbst im Laden. Wenn aber doch... Tom musste sich eingestehen, dass es ihn sehr interessierte, wie es den beiden frechen Weasleys ging, wie sie aussahen, ob er Anzeichen auf Frau und Kinder oder sonstige Familie entdecken konnte...

"Wisst ihr was? Paranoia hat noch niemandem gut getan. Gehen wir. Wenn irgendwas ist, ihr wisst ja, wie ihr ohne mich zurück kommt. Hast du deinen Zauberstab, Tiara?"

Das kleine Mädchen nickte ernsthaft. Myriel jedoch machte sich Sorgen. "Tom, bist du sicher, dass du das willst? Wir können auch einfach kurz ohne dich reingehen."

Tom lächelte sie an, die Augen traurig wie immer. "Nein, Myriel, ich will das wirklich. Ich will wissen, was in dieser Welt passiert ist, seit ich sie verlassen habe. Und die beiden Weasleys waren damals meine Freunde. Es wird schon nichts passieren. Kommt, gehen wir."

Während Myriel einen besorgten Blick mit Sara wechselte, stürmte Tiara mit einem freudigen Jauchzer bereits durch die Türe des Ladens.

Die beiden Frauen folgten ihr und begannen sofort, sich neugierig umzusehen. Die Dinge in den Regalen sahen genauso bunt wie in jedem normalen Spielwarenladen aus, doch die kleinen Zettel mit den Beschreibungen, wie die einzelnen Produkte wirkten, waren gewiss etwas, das es in 'Muggel'-Spielwarenläden nicht gab.

Kanarienpasteten - verwandeln Sie ihre Freunde für fünf Minuten in Kanarienvögel! stand da an einer kleinen Dose mit Gebäck in einem Regal mit der Aufschrift 'Partyknaller'.

Fasziniert ging Sara weiter in den Gang. Myriel betrachtete die magischen Spionagegeräte wie Stielohren und -augen einen Gang weiter und dachte sich, das wäre für manche Polizisten bestimmt eine große Hilfe bei der Überführung von Verbrechern. Tiara war längst in den Tiefen des Ladens verschwunden. Tom stand immer noch vor der Türe und zögerte.

Verdammt! Ich weiß einfach nicht... Soll ich? Oder lieber doch nicht? ... Ich mach's jetzt einfach.

Er trat ein. Sofort fiel sein Blick auf den Rotschopf hinter der Theke, der den zwei Frauen und dem Mädchen mit belustigten Blicken folgte. Er schien immer wieder auf ein Stück Pergament zu schauen, das vor ihm auf der Theke lag.

Tom trat ein, zwei Schritte weit in den Laden, stellte sich hinter eine der Auslagen und beobachtete den Verkäufer. Fred!

Der große Bruder seines ehemaligen besten Freundes sah gut aus. Die Jahre waren freundlich mit ihm umgesprungen. Sein Körper machte unter der Robe einen muskulösen und gesunden Eindruck. Auch sein Gesicht war gesund und aus seinen Augen blitzte der Schalk. Beinahe genau wie zu Hogwartszeiten.

Plötzlich verengten sich die Augen des Weasleysohnes zu Schlitzen und mit einem Ruck hob er den Kopf von der Karte und starrte in die Ecke, in der sich Tom befand. Seine Hand glitt unter die Theke und schien einen Knopf zu drücken. Noch bevor Tom Zeit hatte, zu überlegen, ob er erkannt worden war, kam aus einer Türe hinter der Theke der zweite Weasleyzwilling gepoltert und fragte seinen Bruder laut: "Fred, wieso der Alarm? Ist etwas geklaut worden?"

Myriel, Tiara und Sara hörten ihn und kamen neugierig näher, während Tom versuchte, sich Richtung Türe zurückzuziehen. Doch Fred schnitt ihm den Rückzug ab, noch ehe er richtig begonnen hatte. Der Rotschopf hob seinen Zauberstab und schickte einen Fluch an Toms Kopf vorbei, der die Türe mit einem Knall ins Schloss fliegen ließ. Das Schild klappte um und zeigte jetzt nach außen hin die Inschrift 'Geschlossen', die Rolläden fielen herunter und das Licht in den hinteren Gängen des Ladens erlosch. Es waren keine drei Sekunden vergangen.

"Nichts ist geklaut worden", informierte Fred seinen verwirrten Bruder, "aber - schau mal auf die Karte!!"

Tom lief geschwind zu Myriel und den beiden Mudos, die ob der Geschehnisse verängstigt und verunsichert eng aneinandergedrängt mitten im Raum standen.

"Das ist unmöglich!", rief George, nachdem er das Pergament studiert hatte. "Er ist doch schon seit fünfzehn Jahren tot!"

"Aber", wandte sein Bruder ein, "die Karte lügt nie. Moony hat uns geholfen, sie nach dem Vorbild der Karte des Rumtreibers zu entwerfen, und auch wenn unsere noch zusätzliche Funktionen hat, Diebstahl anzeigen und so, die ursprünglichen Eigenschaften bleiben. Wenn ER auf dieser Karte ist, dann ist es auch ER."

"Wie kann er noch am Leben sein? Wo war er die ganze Zeit?"

"George", erinnerte ihn Fred sanft, "du erinnerst dich doch an das Treffen gestern? Als Hermione, Moody und ich von dem Mann erzählt haben, den wir in Hogsmeade gesehen haben? Er wusste verdammt viel über Harry. Was, wenn es nicht nur ein Bekannter von ihm war, sondern...?"

"Fred. Du weißt so gut wie ich, dass bis jetzt jede Fährte in die Irre geführt hat. Ich weiß, dass du Hermione und Ron immer zu schützen versuchst, aber sei mal ehrlich zu dir selbst: Dich nimmt es doch nicht weniger mit, wenn es wieder mal ein Reinfall war. Bitte, mach dich nicht mit falschen Hoffnungen unglücklich. Sind wir nach fast sechzehn Jahren des Wartens nicht langsam zu alt für eine weitere Enttäuschung?"

Sie sahen sich ernst an und schienen die vier Personen auf der anderen Seite der Theke, die ihren Worten gebannt lauschen, komplett vergessen zu haben. Wahrscheinlich,so dachte sich Tom, waren sie sich ihres Zaubers sicher und vertrauten darauf, dass ihre Beute nicht entkommen konnte.

Nun gut, so hatte Tom Zeit, seine Begleiterinnen in Sicherheit zu bringen.

"Myriel, Sara, Tiara. Hört mir zu", flüsterte er. "Sie haben mich offensichtlich erkannt. Hier fangen die Probleme also an. Ich habe ja gesagt, früher oder später muss ich mich all dem stellen; scheint so, als liefe es auf früher hinaus. Wie ihr nach Hause kommt, haben wir besprochen; ich werde euch gleich aus dem Laden hier rauslassen, seid also bereit, auf mein Signal hin loszulaufen. - Was ist?"

Myriel hatte seinen Redeschwall durch ein Zupfen an seinem Ärmel unterbrochen.

"Wie finden wir heraus, ob es dir gut geht?"

Tom starrte in die großen Augen seiner Freundin. Das wohlbekannte traurige Lächeln zierte sein Gesicht, als er ihr mit großer Wärme in der Stimme antwortete: "Ich schick euch so bald es geht, möglichst noch heute Abend, eine Eule. Wartet ein paar Tage. Wenn ihr auch dann keine bekommt, ist meine Mission fehlgeschlagen. Bitte bringt in dem Fall Salmissra in den Garten, sie weiß, was das zu bedeuten hat und wird alleine weiter kämpfen. Ihr aber müsst dann einen Weg finden, den Orden zu überzeugen, dass sich ein Spion in ihrer Mitte befindet. Das wird nicht einfach, aber ich vertraue auf euren Einfallsreichtum und Mut. Wenn Setsuna in seinen Stücken nicht übertrieben hat, dann habt ihr schließlich schon beängstigendere Wesen als halsstarrige Zauberer gezähmt, nicht wahr?" Er schenkte Sara einen liebevollen Blick.

"Aber ich habe nicht vor, mich einfach abservieren zu lassen. Nicht dieses Mal." Die Entschlossenheit in seiner Stimme sagte Myriel glasklar, dass Harry Potter soeben wiedergekehrt war. "Und da ist immer noch Lydia. Ich denke, wenn ich irgendwie kann, warte ich noch meine Sitzung heute Nachmittag ab, bevor ich mich in die Öffentlichkeit der Zaubererwelt zurückzerren lasse." Er blinzelte frech. "Wär doch gelacht, wenn ich die Weasleyzwillinge nicht hinhalten könnte."

Von eben jenen driftete soeben ein etwas lauterer Kommentar herüber: "Nein! Das glaube ich nicht! Er würde sich nie Du-weißt-schon-wem anschließen!"

"Ach nein?", schallte es genauso hitzig zurück. "Und weshalb hat er uns dann all die Jahre in dem Glauben gelassen, Du-weißt-schon-wer habe ihn umgebracht?!"

Tom warf seinen Begleiterinnen einen Blick zu, der deutlich zu sagen schien: Na, was habe ich gesagt?, bevor er mit einem ergebenen Seufzer die Debatte der beiden Weasleys unterbrach und ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte.

"Meine Herren, wir würden gerne mit unseren Einkäufen fortfahren. Wären Sie wohl so gut und machen die Türe auf?"

Die Weasleys starrte ihn an wie einen Außerirdischen und schüttelten dann synchron die Köpfe. "Harry Potter, du wirst diesen Laden nicht eher verlassen, als bis wir erfahren haben, wo du die letzten fünfzehneinhalb Jahre warst!", sagte George dann entschieden.

Harry blieb höflich. "Mein Name ist Tom Effing, aber was auch immer Sie für ein Problem haben, es scheint die drei Damen hier neben mir nicht zu betreffen. Könnten Sie also zumindest für sie die Türe öffnen? Dann können wir uns meinetwegen unterhalten."

Fred und George musterten Myriel und die beiden Mudos argwöhnisch. Harry konnte sich denken, was ihnen in diesem Moment durch den Kopf ging: Wenn sich herausstellen sollte, dass er Voldemort diente, dann waren seine Begleiter potentielle Todesser, egal, wie unschuldig sie aussahen. Natürlich überraschte ihn die Antwort dann auch nicht.

"Tut uns leid, aber das müssen wir ablehnen."

Tiara begann nervös von einem Bein aufs andere zu treten, als Tom unvermittelt in diesem ihm eigenen ruhigen Ton sagte: "Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Geht!"

Bevor die Weasleys ihre Überraschung abschütteln konnten, hatte er bereits beide mit einer Ganzkörperklammer belegt und war zur Türe gegangen. Nach kürzester Zeit hatte er die Sperrzauber analysiert und unwirksam gemacht. "Geht!", forderte er die anderen noch einmal auf. Dann verriegelte er die Türe wieder. Langsam trat er vor die beiden erstarrten Weasleys, die ihn misstrauisch beäugten.

Er seufzte. Warum hatten sie auch nicht einfach ja sagen können? Jetzt waren sie erst recht misstrauisch ihm gegenüber. Er würde wohl Vorkehrungen treffen müssen, damit sie ihn nicht sofort einsperrten oder k.o. zauberten.

Harry beugte sich vor und pflückte beiden die Zauberstäbe aus den Händen. Er ignorierte ihre zornigen Blicke und zauberte mit Georges Zauberstab die Theke beiseite. Dann beschwor er drei bequeme Sessel und ließ sich in einem davon nieder. Endlich löste er den Fluch.

"Was sollte das?!", rief Fred, während George knurrte: "Wer sind Sie? Was haben Sie mit der Karte angestellt?!"

Harry seufzte erneut. Das würde nicht einfach werden.

Mit einer langsamen, bewusst nicht provozierenden Geste zog er sich den Hemdsärmel quer über die Stirn. Mehrmals. Dann schob er die blonden Fransen zur Seite. "Ich", begann er, "war Harry Potter." Er sah den Zwillingen ernst in die Augen, während die gebannt auf seine Narbe starrten. "Ich habe gefärbte Haare, trage Kontaktlinsen - das ist eine Muggel-Sehhilfe, die auch die Augenfarbe verändern kann - und Make-up, und lebe seit meiner Flucht vor fünfzehn Jahren unter dem Namen Tom Effing in der Muggelwelt."

George schielte missmutig auf seinen Zauberstab in Harrys Hand während Fred scheinbar gar nichts sah, als er stammelte: "Aber Harry... wenn er nicht... warum sollte er?"

Harry seufzte. "Es ist keine schöne Geschichte, deshalb möchte ich sie lieber nicht mehrmals erzählen. Wenn es den Phönixorden noch gibt, dann ruft ihn doch bitte für morgen zusammen. Bringt Veritaserum mit. Ohne wird mir vermutlich wieder niemand glauben."

"Wieder?"

"Ich habe kürzlich einen Brief an Dumbledore geschickt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er den ignoriert hat. Sonst hätte der Prophet" - er hielt das Blatt hoch - "doch sicher von der Festnahme eines Todessers berichtet, oder?"

"Der Brief war also tatsächlich von Ihnen?", fragte Fred, während sein Bruder den Blick über die Regale schweifen ließ, vermutlich auf der Suche nach irgendetwas, das ihm helfen würde, seinen Zauberstab zurück zu erlangen.

Tom hob fragend eine Augenbraue. "Ihr wisst von dem Brief?"

"Dumbledore hat dem Orden davon erzählt. Und Hermione, Moody und ich haben Sie gestern in Hogsmeade belauscht", erklärte Fred. "Da haben Sie ihn auch erwähnt, glaube ich; ganz sicher waren wir uns aber nicht, wegen des Regens..."

"Soso, ich wurde also belauscht..." Gedankenverloren senkte Harry den Blick in den Schoß und versuchte sich zu erinnern, was er am Abend alles zu Hedwig gesagt hatte. Einzelheiten wusste er nicht mehr, doch er konnte sich noch gut an seine ungewöhnlich alberne Stimmung erinnern. "Ich habe bestimmt wie ein Verrückter gewirkt, was?", fragte er mit einem schiefen Grinsen. Dabei sah er auf - und zuckte erschrocken in seinen Sessel zurück. Eine knallbunte Weasleyerfindung unbekannter Wirkung schoss an der Stelle durch die Luft, wo eben noch sein Kopf gewesen war. Harry war für einen Moment unaufmerksam gewesen und schon hatte George gehandelt.

Es tat weh.

Obwohl er gewusst hatte, dass sie ihm nicht vertrauen würden, tat es weh zu sehen, dass er Recht hatte. Niemand würde ihm glauben, dass er Harry Potter war, lebte und nicht für Voldemort arbeitete. Eines der drei, ja, aber nicht alles auf einmal.

Er wehrte sich nicht, als George ihm die beiden Zauberstäbe entriss, sondern starrte nur leer vor sich hin.

Was hatte er denn erwartet?

"Expelliarmus!", rief George. Nichts passierte. Die Zwillinge sahen sich an. "Expelliarmus!", versuchte es nun Fred. Wieder nichts.

"Ich habe keinen Zauberstab", ließ sich Harry tonlos vernehmen.

Die beiden Zauberer starrten ihn an. "Wie bitte?" "Wie haben Sie uns dann vorhin verflucht?"

Harry wedelte nachlässig mit der Hand. Die Sessel, von denen Fred und George aufgesprungen waren, lösten sich auf. "So eben."

Die Weasleys konnten es nicht fassen.

George wurde sofort wieder misstrauisch. "Ist das ein Trick, den Voldemort dich gelehrt hat, Todesser?"

Harry schloss die Augen und betete um Geduld. "Das ist zauberstablose Magie, George. Jeder Zauberer, der bereit ist, auf einen Zauberstab als Energiefokus zu verzichten, kann sie lernen. Nur tut es niemand mehr, da kaum noch jemand weiß, dass es möglich ist. Ich habe gelesen, dass früher nur Squibs Zauberstäbe hatten, da sie zur Konzentration beitragen. Warum heutzutage jeder einen Zauberstab führt, stand nicht dabei; ich vermute aber beinahe, die Zaubererallgemeinheit ist schlicht und ergreifend faul geworden..."

Fred schaltete sich endlich auch in das Gespräch ein. "Das ist ja alles schön und gut, aber bitte zurück zum Thema, ja?! Wer sind Sie??"

"Wie schon gesagt, ich bin Tom Effing, und vorher war ich Harry Potter. Aber da ihr mir nicht zu glauben scheint, sollte ich jetzt besser gehen. In zwei Stunden muss ich eine Patientin empfangen."

"Was für eine Patientin?"

"Ich bin Psychotherapeut. Muggel-Heiler, wenn du so willst. Das ist einer der Gründe, warum ich keinen Zauberstab mehr habe: eins der Kinder hat damit gespielt, dabei ist er zerbrochen..."

"Sie haben einem KIND Ihren Zauberstab gegeben?!" George konnte es nicht fassen.

Sein Gegenüber saß jedoch immer noch ruhig in seinem Sessel. "Es war ein Muggel-Kind. Ihm konnte nichts passieren."

Fred fasste sich an den Kopf. "Aber der Zauberstab...!"

"Nun, da ich ohnehin in der Muggelwelt lebte, brauchte ich ihn nicht. Ehrlich gesagt war ich froh, als er kaputt war. Dann jedoch fand ich irgendwann heraus, dass ich auch ohne Zauberstab etwas bewirken kann, und zwar nicht nur, wenn meine Wilde Magie mit mir durchgeht... Fred hat allerdings recht, darum geht es jetzt nicht. Es geht um den Orden. Und es geht um Lydia."

"Lydia?"

"Die Tochter von Neville und Luna, ich bin sicher, ihr kennt sie."

Fred und George wechselten einen Blick. Ein Heiler kannte die Vornamen seiner Patienten, aber doch nicht die der Eltern? Dieser Mann sprach aber von Neville und Luna Lovegood, als kenne er sie persönlich. Wer war er? Es konnte doch nicht wirklich Harry sein? Aber die Karte...?

Harry stand auf. "Ich fürchte, das führt heute zu nichts, und ich muss jetzt wirklich los. Sagen wir, ich komme einfach morgen wieder vorbei und-"

Weiter kam er nicht. Sowohl Fred als auch George waren mit seiner Entscheidung, schon zu gehen, offensichtlich nicht einverstanden, denn beide hatten die Zauberstäbe gehoben und riefen gleichzeitig:

"Stupefy!"

"Petrificus totalus!"

Harrys geschulte Reflexe aus Karate, Kendo und - wenn es auch lange her sein mochte - der DA machten sich bezahlt. Mit einem Satz war er aus dem Sessel, rollte auf dem Boden ab und drehte sich rasant zu seinen Gegnern um.

Mit einer raschen beidhändigen Geste hatte er die Weasleybrüder erneut eingefroren.

Seufzend sah er die beiden vor Wut schäumenden Männer an.

"Sorry, aber ich muss wirklich los. Ich kann mich jetzt nicht von euch einsperren lassen oder was auch immer. Ich werde jetzt mit Lydia reden gehen. Und morgen komme ich wieder. Bis dahin müsste der Fluch eigentlich abgeklungen sein..."

Er ließ die beiden erzürnten Weasleys stehen und verließ den Laden.

--

"Lydia, schön dich zu sehen! Wie geht es dir?", fragte Doktor Effing freundlich. Neville sah zu, wie seine Tochter sich lachend von dem Muggel auf den Arm nehmen und herumwirbeln ließ. Sollte dieser Mann wirklich der Halb-Verrückte sein, den Hermione, Fred und Mad-Eye Moody gestern in Hogsmeade beobachtet hatten? Nun, Luna würde es herausfinden. Er hatte beim Eintreten die Türe etwas länger aufgehalten, sodass seine Frau unter Dumbledores Tarnumhang ins Zimmer schlüpfen konnte.

Neben seiner Tochter ließ er sich nun in einen der Sessel vor dem großen Schreibtisch des Heilers sinken. Er selbst fühlte sich schrecklich nervös, während Lydia neben ihm vergnügt auf dem straff bespannten Sessel auf und ab hüpfte.

Er registrierte abwesend, wie Heiler Effing begann, mit Lydia über ihren Tag zu sprechen, was sie seit ihrem letzten Treffen alles erlebt hatte und wie es ihr ging. Es erstaunte ihn, wie sehr seine Tochter dem Muggel vertraute. Dieser gutmütige Mann konnte doch unmöglich ein Todesser sein? Er lebte als Muggel, bei allen zankenden Veelas!

...Lydia war zwar immer ein fröhliches Kind gewesen, doch mit ihrem traumatischen Erlebnis im Juli, was auch immer es gewesen sein mochte, war auch ein Teil ihrer Offenheit verschwunden und sie hielt sich sogar ihren Eltern gegenüber immer wieder zurück. Neville mochte den Gedanken nicht, dass Lydia Geheimnisse vor ihm hatte. Was konnte nur geschehen sein, dass sie glaubte, ihm nicht mehr voll vertrauen zu können? Und weshalb vertraute sie Effing?

Er hoffte inständig, dass der Heiler ihnen helfen konnte.

Neville wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als Heiler Effing sich nunmehr direkt an ihn wandte. "Mister Lovegood, darf ich Ihre Anwesenheit heute als Zeichen interpretieren, dass Sie Ihrer Tochter endlich erlauben werden, offen mit mir zu sprechen?"

Neville schluckte. Er wusste, dass Luna irgendwo in der Wohnung herumgeisterte, und suchte einen Augenblick lang nach einem Zeichen von ihr; doch natürlich war sie unsichtbar und gab sich nicht zu erkennen. Er musste also alleine die schwierige Aufgabe angehen. Gryffindor gebe mir Mut! Ich muss einem Muggel von uns erzählen; einem Muggel, der vielleicht gar keiner ist, sondern ein Todesser! Merlin stehe uns allen bei!

Neville und Luna hatten sich am Vorabend geeinigt, dass Neville den Muggel, wenn er denn tatsächlich einer war, in die Geheimnisse der Zaubererwelt einweihen sollte, wenn es für die Therapie nötig würde. Luna derweil würde in der Wohnung des Mannes suchen, ob sie einen Hinweis auf Verbindungen zur Zaubererwelt finden konnte. So wäre sie auch in der Nähe, um ihm notfalls mit einem Obliviate oder anders zu helfen, sollte die Situation es verlangen.

"Ja", antwortete er schlicht. Mit einer unter der Schreibtischplatte verborgenen Hand löste er den Zauber, der Lydia bisher jegliche Erwähnung der Zauberei unmöglich gemacht hatte.

--

Tom lächelte dankbar, als er spürte, wie Neville den hinderlichen Geheimniszauber beendete. Jetzt konnte er vielleicht endlich ein paar Fortschritte mit Lydia machen!

Er hatte Myriel angerufen und ihr versichert, dass alles in Ordnung war, sobald er zu Hause angekommen war; abends würde er sich mit seiner Freundin treffen und alles Weitere besprechen. Zuerst aber wollte er sich ganz darauf konzentrieren, Lydias Trauma zu überwinden.

Seine Augen leuchteten vor Zuversicht und Hoffnung, als er sich an das kleine Mädchen wandte. "Lydia, dein Vater hat gesagt, es ist okay, wenn du auch über seine Arbeit sprichst. Du musst jetzt nichts mehr vor mir verstecken, okay? Magst du mir irgendetwas erzählen?"

--

Lydia sah mit großen Augen zwischen Tom und ihrem Vater hin und her. Sie schien mit der Situation deutlich überfordert. "Papa...? Er ist doch ein M... ein Muggel...? Darf er denn wissen, was wir sind? Und ich kann ihm doch nicht von -von-- also, von deinen Treffen und von Mamas Aufgaben erzählen, oder?"

Neville war stolz auf seine Tochter. Das Mädchen dachte mit; sie würde es bestimmt weiter bringen als er. "Lydia, es ist in Ordnung. Er ist Heiler, weißt du? Er darf nichts weitersagen. Ich glaube, du kannst ihm vertrauen."

Lydia wirkte noch immer unsicher, beschloss aber, dass sie es versuchen und den beiden Männern vertrauen wollte. Wenn Herr Tom und ihr Vater beide meinten, sie könne alles erzählen, warum dann nicht darauf eingehen? Schlimmer als jetzt konnte es nicht werden. Jetzt, da sie aus unerfindlichen Gründen Angst von ihrem Papa hatte...

Sie schluckte. Der Gedanke war so erschreckend wie immer. Sie wusste nicht, was an jenem Tag passiert war, aber sie war sich inzwischen sicher, dass es irgendwie mit ihrem Vater zu tun hatte. Der schien aber keine Ahnung zu haben. Sie sah ihn unsicher von der Seite an. Was, wenn Herr Tom es schaffte, dass sie sich erinnerte, und sie dann etwas sagen würde, das ihren Papa verletzte? Sie liebte ihren Vater doch; vielleicht sollte sie lieber nichts sagen?

"Lydia? Möchtest du, dass dein Vater solange draußen wartet?" Der Muggel-Heiler sah sie mit verständnisvollen, weichen Augen an, in denen wie immer eine ganz leise Spur Schmerz lag, die sie dazu veranlasste, zu ihm nett sein zu wollen.

Ihr Vater derweil war bei der Frage des Heilers wie von einer Acromantula gebissen aufgefahren und starrte abwechselnd sie und den Heiler mit verletztem Blick an. Was sollte sie denn jetzt sagen? Wieder war es Tom, der sie aus ihren Grübeleien riss.

"Lydia, dein Vater möchte vor allem, dass es dir wieder besser geht. Wenn du dich für irgendetwas schämst oder Angst hast, und es deinen Eltern noch nicht erzählen kannst, dann wird er das sicher verstehen." Dabei sah er Mister Lovegood scharf an, als wolle er sagen: Wehe, du widersprichst mir jetzt! Neville schluckte und hielt die Klappe.

"Papa, stimmt das? Bist du mir nicht böse, wenn ich lieber mit Herr Tom alleine reden will?", fragte seine Tochter ihn zaghaft. Sofort waren Nevilles Zweifel verschwunden. Wenn Lydia das so wollte, dann sollte es so sein! Trotzdem würde er sein Mädchen nicht mit diesem Effing alleine lassen, jetzt, wo er wusste, dass der Mann vielleicht mehr war als ein einfacher Muggel.

"Ich bin dir ganz bestimmt nicht böse, mein Schatz. Ich warte dann draußen", sagte er etwas deutlicher als nötig; er hoffte, dass Luna ihn gehört hatte und ein Auge auf die beiden werfen würde.

--

Lydia wartete, bis ihr Vater die Türe hinter sich geschlossen hatte, lutschte noch ein wenig nervös an ihrer Unterlippe und begann schließlich, dem Heiler ihre Sorgen zu erklären.

"Ich hab meinen Papa total lieb."

Wie sollte sie weiter sprechen? Wie sollte sie sagen, was sie bedrückte?

Tom wartete einen Moment, dann fragte er nach. "Das habe ich gesehen. Aber warum wolltest du dann, dass er nach draußen geht?"

Lydia schaute ihn nicht an, sondern musterte den weißen flauschigen Teppich unter ihren Füßen. Sie grub ihre Zehen darin ein und druckste ein Wenig herum, bevor sie schließlich ihre Sorgen preis gab. "Ich weiß nicht, was an dem Tag passiert ist. Aber ich weiß, dass es irgendwas mit Papa zu tun hat. Aber ich glaube, er weiß nichts davon. Ich will ihm nicht weh tun..."

Tom war überrascht. Lydia war mit der Bewältigung ihrer Probleme schon weiter gekommen, als er dachte; sie ließ bereits den Gedanken zu, dass ihr Vater Teil des Problems war. Wenn er sie jetzt noch überzeugen konnte, dass es möglich war, wie ein Verbrecher zu wirken, ohne es zu sein, dann würde sie sich vielleicht sogar eingestehen, warum sie in Nevilles Gegenwart so nervös war.

"Du wirst deinem Vater bestimmt nicht weh tun. Im Gegenteil denke ich, du hilfst ihm vielleicht. Immerhin hat er ja einen gefährlichen Beruf, nicht wahr? Vielleicht hast du ja etwas darüber erfahren? Ist dein Vater vielleicht in Gefahr, Lydia?", tastete er sich langsam vor.

Lydia blickte auf und sah ihn nachdenklich an. Es fühlte sich nicht so an, als sei ihr Vater in Gefahr... Eher so, als sei er die Gefahr. Aber das konnte doch nicht sein, oder? "Mein Vater arbeitet in einem großen Park, in dem Heilkräuter hergestellt werden. Das ist nicht gefährlich", versuchte sie Zeit zu gewinnen.

Der Heiler ging nicht darauf ein. "Aber du hast doch erzählt, dass deine Eltern oft zusammen zu Treffen gehen? Hast du nicht gesagt, dass sie in einer Art Ritterorden sind, der die Leute beschützt? Das ist doch bestimmt gefährlich."

Lydia gab sich geschlagen. "Ja, sie sind in Dumbledores Phönixorden, der gegen Du-weißt-schon-wen kämpft", gab sie zu. "Aber das ist geheim, ja? Das dürfen Sie nicht weiter erzählen, Herr Tom!" Sie starrte ihn an, als wolle sie einen stummen Imperio über ihn verhängen.

Das Mädchen war sehr schockiert, als der Heiler sie gutmütig lächelnd ansah und leise sagte: "Lydia, du musst davon ausgehen, dass ich nicht weiß, wer; und darum werde ich auch niemandem davon erzählen, dass deine Eltern ihn bekämpfen."

"Oh, stimmt ja, Sie sind ja ein Muggel", meinte sie verlegen und lief ein wenig rot an.

Tom sah sie nur mit großen, unschuldigen Augen an.

Sie bemerkte bald ihren Fehler. "Ach so, also ein Muggel, das ist jemand, der... der..." Ihr Blick fiel auf den Zaubererhut und den geflickten Zauberstab, die auf einem Schemel in der Ecke lagen. "Herr Tom, Sie spielen doch gerne Zauberer, nicht?"

"Ja, viele Kinder mögen das, und ich habe auch meinen Spaß an den Tricks."

"Was würden Sie dazu sagen, wenn ich eine echte Hexe wäre? Und meine Eltern auch?"

Tom sah sie weiter freundlich und nicht im Mindesten beunruhigt an. "Das fände ich toll", meinte er sorglos. "Wieso fragst du?"

Lydia hatte einmal miterlebt, wie Tom mit Michael Zauberer gespielt hatte; seine Augen hatten vergnügt gefunkelt und sie konnte sich gut vorstellen, dass ihn die Idee, echte Magie zu sehen, wirklich freuen würde. "Es ist nämlich so, es gibt Magie wirklich. Meine Eltern sind ganz wirklich Zauberer, und ich auch", verkündete sie stolz.

"Das ist schön, Lydia." Tatsächlich, da war wieder dieses Funkeln in seinen Augen. "Kannst du mir ein bisschen Magie zeigen?"

Bedauernd schüttelte sie den Kopf. "Ich bin noch nicht volljährig, also darf ich noch nicht zaubern. Aber mein Papa könnte... soll ich ihn wieder rein holen?"

Tom musterte sie einen Moment lang nachdenklich. "Ich denke nicht. Wenn er möchte, dann kann dein Vater mir später ein paar Zaubereien vorführen. Aber jetzt geht es erst mal nicht um mich und meine Neugier, sondern ganz allein um dich, Prinzessin."

Sie kicherte. Herr Tom war wirklich nett.

"Also, wer ist dieser 'Du-weißt-schon-wer'? Hat er einen Namen? Und warum bekämpfen ihn deine Eltern?"

--

Luna Lovegood stand in einer Ecke des Zimmers. Als Neville sich geräuschvoll verabschiedet hatte, war sie sofort ins Sprechzimmer zurückgekehrt, um über ihre Tochter zu wachen. Sie runzelte die Stirn. Dieser Muggel nahm die Eröffnung, dass Magie real war, viel zu gelassen auf. Hielt er das alles für eine Phantasievorstellung ihrer Tochter? Oder wusste er schon vorher von der Zaubererwelt?

Gespannt beobachtete sie die Gesichtszüge des Heilers, als Lydia ihm die wichtigsten Fakten über Du-weißt-schon-wen, den Orden und die Zaubererwelt im Allgemeinen lieferte. Es war eine sehr kindliche Darstellung der magischen politischen Lage, doch den Heiler schien das nicht zu stören. Er hörte ihr aufmerksam zu, das Gesicht gelassen und keine Emotionen verratend; nur bei der Erwähnung Harry Potters schien für einen kurzen Augenblick so etwas wie Schmerz in seinen Augen aufzuleuchten. Doch der Moment verging zu schnell, als dass sie sich dessen sicher sein konnte.

"Deine Eltern sind also gute Zauberer, die mit anderen zusammen gegen diesen bösen Schwarzmagier kämpfen?"

"M-hm."

"Und gibt es böse Zauberer, die deinen Eltern etwas antun möchten - außer dem Du-weißt-schon-wem, meine ich?"

Wieder m-hmte Lydia. "Du-weißt-schon-wer hat ganz viele böse Zauberer, die mit ihm gegen uns kämpfen. Die heißen Todesser und sind ganz arg gefährlich."

"Könnte es sein, dass du an dem Tag damals so einen Todesser gesehen hast?"

Luna riss entsetzt Mund und Augen auf, als ihre Tochter plötzlich erstarrte, glasige Augen bekam und anfing zu murmeln: "Papa ist kein Todesser! Er würde nie jemanden umbringen! Nicht mein Papa! Papa ist nicht böse! Ich habe keinen Todesser gesehen! Da war nur mein Papa! Und er hat niemanden umgebracht! Papa würde nie..."

Luna schluckte schmerzhaft. Lydia glaubt, Neville hat jemanden umgebracht? Merlin! Wie kommt sie darauf? Da kann doch nichts Wahres daran sein, oder?! Sie konnte sich nur schwer davon abhalten, vor zu stürzen und ihre Tochter in den Arm zu nehmen.

Zum Glück für Luna war ihr Heiler Effing einen Schritt voraus. Noch bevor sie sich verraten konnte, hatte er schon seinen Stuhl verlassen und war zu dem stammelnden Mädchen gelaufen. Er nahm Lydia sanft in den Arm und drückte sie an sich. "Beruhige dich, Lydia. Ganz langsam. Es ist alles gut. Dein Vater hat natürlich niemanden umgebracht. Du hast ganz Recht, das würde er nie tun."

Luna beobachtete erstaunt, wie ihre Tochter innerhalb weniger Minuten wieder ganz ruhig und gefasst wurde. Wenn sie es nicht besser wüsste, hätte sie geglaubt, er habe einen schwachen Nervenzauber verwendet. Tom ließ das Mädchen los und kniete sich vor ihm auf den Boden.

"Also Lydia. Ich denke, ich weiß jetzt, weshalb du dich nicht an den Tag erinnern wolltest. Du hast gesehen, wie jemand einen anderen Menschen ermordet hat."

Er sah zu dem Mädchen auf, welches schwach nickte.

"Und du glaubst, der Jemand war dein Vater."

Lydia zitterte, wurde noch weißer, schüttelte den Kopf, schlang sich die Arme um den Oberkörper und zog die Beine an. Tom lehnte sich vor und nahm Lydia erneut in die Arme. Endlich schloss das Kind die Augen, das Zittern wurde schwächer; ganz leise hauchte es an seinem Ohr:

"Ja."

--

Tom atmete erleichtert auf. Er hatte nicht erwartet, dass Lydia sich so schnell die Wahrheit eingestehen würde. Das machte seine Aufgabe sehr viel leichter. Mit etwas Glück musste er sich nicht mal verraten... Er hatte schon damit gerechnet, dass er ihr zuerst vom Vielsafttrank erzählen und ihr seine Wirkung darlegen müsste, bevor sie überhaupt in Betracht zog, dass sie irgendjemanden gesehen hatte...

"Lydia, ich bin froh, dass du so ehrlich zu mir bist. So kann ich dir am besten helfen.

"Hör mir jetzt gut zu. Du hast mit deinen eigenen Augen gesehen, wie dein Vater jemanden umgebracht hat - aber du weißt auch, dass dein Vater kein Mensch ist, der jemanden umbringen könnte. Da ist es kein Wunder, dass dein Gehirn sich weigert, das Erlebte als Wahrheit anzuerkennen. Aber weißt du was? Nur weil der Mann ausgesehen hat wie dein Vater, heißt das noch lange nicht, dass er es auch war!"

Lydia hob den Kopf, den sie im Hemd des Heilers verborgen hatte, und sah ihn mit einem leisen Funken Hoffnung in den Augen an. "Nicht?", flüsterte sie.

"Nein, natürlich nicht. Es ist selbst für uns... Muggel... sehr einfach, uns als jemand anderes zu verkleiden. Ich bin mir sicher, ein Zauberer hat da noch ganz andere Möglichkeiten."

"Sie haben mir wirklich alles geglaubt?", fragte Lydia erstaunt. Irgendwie war sie bei der Ruhe des Mannes überzeugt gewesen, dass er ihr die Sache mit der Magie nicht wirklich abnahm.

"Lydia, ich habe seit unserem ersten Treffen gewusst, dass du etwas Besonderes bist. Nun ist es raus, du bist eine kleine Hexe." Er lächelte sanft. "Ist doch toll! ...Außerdem scheint Magie wirklich nützlich zu sein, wenn man sich um sein Kind sorgt. Ich glaube, Lydia, deine Mutter und dein Vater haben dich sehr, sehr gerne."

"Wie meinst du das, Herr Tom?"

"Nun, seit dein Vater gegangen ist, fühle ich mich beobachtet. Sag mal, können Zauberer sich unsichtbar machen?"

"Ja schon... Meinen Sie etwa, hier ist noch jemand?" Lydia sah sich gehetzt im Raum um. Was, wenn ein Todesser hier wäre? Oder jemand, der jetzt ihren Papa anklagen würde, weil sie gesagt hatte, dass er jemanden umgebracht habe?

"Beruhige dich, Lydia", sagte der Heiler sanft. "Ich vermute, es ist bloß deine Mutter. --Mrs. Lovegood, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, sich zu zeigen, meinen Sie nicht?", sprach er auffordernd in den Raum.

Luna zog sich den Umhang vom Kopf und gab ihrer erstaunten Tochter einen dicken Kuss auf die Wange. "Hallo, Schatz. Entschuldige, dass ich dir nichts gesagt habe. Wir haben uns Sorgen gemacht, weißt du? Ich bin froh, dass ich jetzt weiß, was mit dir passiert ist."

Luna ließ sich auf der Lehne von Lydias Sessel nieder und zog das kleine Mädchen, das sich soeben aus Heiler Effings Umarmung löste, fest zu sich heran. "Ich hab dich lieb, meine Süße, meine Lydia, und ich will, dass es dir gut geht, hörst du?

"Ich weiß nicht, woher Heiler Effing hier seine präzisen Vorstellungen von unserer Welt nimmt" - über den Kopf ihrer Tochter hinweg warf sie ihm einen scharfen Blick zu, den niemand mit der verträumten Luna von früher assoziiert hätte - "aber er hat mit seiner Darstellung sehr recht. Es gibt da einen Trank, der heißt Vielsafttrank. Mit dem Trank kann man für eine Stunde genauso aussehen wie ein anderer Mensch. Wen du gesehen hast, weiß ich nicht; aber dein Vater war es nicht, das ist sicher. Neville war nämlich mit mir bei einer Versammlung des Ordens, Lydia, und ich habe ihn keinen Moment aus den Augen gelassen. Er KANN es gar nicht gewesen sein!"

Lydia begann in den Armen ihrer Mutter zu schluchzen. Der ganze Stress, die Angst, die sich im Laufe der Wochen in ihr aufgestaut hatte, brach sich ihre Bahn und das kleine Mädchen heulte hemmungslos.

Ihre Mutter streichelte sie sanft und ließ ihr Zeit, alles heraus zu lassen, was sie unterdrückt hatte. Es würde ihr gut tun. Ein Gedanke jedoch ging ihr nicht aus dem Kopf. "Herr Effing, unser Orden hat vor zwei Tagen eine Nachricht erhalten, in der wir vor genau dieser Situation gewarnt wurden: dass ein Todesser mithilfe von Vielsafttrank unsere Reihen infiltrieren würde. Sie haben nicht zufällig etwas damit zu tun?"

Der Heiler begegnete ihrem Blick ruhig und unbeeindruckt. "Wie kommen Sie darauf? Ihre Tochter hat mir erst heute von der Magie, Du-weißt-schon-wem und dem Orden des Phönix erzählt. --Übrigens, vielleicht sollten wir Ihren Mann wieder herein bitten, er ist sicher schon ungeduldig."

--

Als Luna die Türe öffnete, stand Neville hastig von der Wartebank auf. "Luna! Was ist passiert? Ich habe Lydia weinen gehört... und wieso bist du hier, sichtbar?!"

Luna zog ihn wortlos nach drinnen und schloss die Türe sorgfältig hinter sich.

Neville sah sie einen Augenblick lang verwirrt an, dann stürzte er zu seiner noch immer schniefenden Tochter. "Lydia, Liebes, ist alles in Ordnung?"

Lydia blickte auf und sah ihren Vater aus wässrigen roten Augen an. Unsicherheit flackerte in ihrem Blick auf; doch Heiler Tom und ihre Mutter lächelten sie aufmunternd an und sie warf alle Zweifel über Bord. Sie sprang auf und flog ihrem Vater in die Arme.

"Papa!!"

--

Während Luna ihren Mann über die Ereignisse der letzten halben Stunde aufklärte, verschwand Tom, zufrieden dass er den Familienfrieden wiederhergestellt hatte, in die Küche, um für alle Kaffee zu kochen - und für Lydia eine heiße Schokolade.

Während er das schwarze Kakaopulver in die heiße Milch rührte und großzügig Zucker dazugab, dachte er über sein weiteres Vorgehen nach. Morgen würde er vor dem Orden stehen und der Gnade der Zaubererwelt, die er vor vielen Jahren so überstürzt verlassen hatte, schutzlos ausgeliefert sein. Er machte sich keine Illusionen über seine Chancen, sollte er den Orden nicht von seiner Ungefährlichkeit überzeugen können: seine zauberstablose Magie hatte gereicht, um Fred und George zu überraschen, doch gegen eine größere Gruppe wachsamer Zauberer würde er keine fünf Minuten bestehen.

Um so glücklicher war er, dass er mit Lydia endlich einen Erfolg erzielt hatte. Zum einen würden Luna und Neville ihm jetzt wohl eher vertrauen; zum anderen musste er sich keine Sorgen mehr um seine kleine Patientin machen. Ihre Eltern wussten jetzt, was mit dem Mädchen los war, und konnten ihm helfen. Wenn es dazu kommen sollte, dass er die kleine Hexe nicht mehr wieder sah, dann könnten ihre Eltern sie unterstützen, bis sie ganz über ihr Trauma hinweg war.

Seine anderen Patienten hatte er im Laufe der letzten Wochen entweder verabschiedet oder an Kollegen überwiesen, mit der Begründung, unter Überarbeitung zu leiden und eine längere Pause machen zu wollen. Auch Miss Young war bereits informiert. Sie würde weiterhin ihr normales Gehalt bekommen, jetzt aber nur noch den Telefondienst übernehmen. Da sich das auch vom Handy aus erledigen ließ, hatte sie effektiv mehrere Monate bezahlten Urlaub vor sich. Sie hatte sich nicht beschwert.

Jetzt musste Tom sich entscheiden, ob er den Lovegoods erlauben sollte, ihn zu obliviaten - was sie zweifellos vorhatten -, oder ob er sich stellen und ihnen seine wahre Identität verraten sollte.

Er wollte das Eine so wenig wie das Andere. Aber angesichts der Tatsache, dass er morgen ohnehin die Katze aus dem Sack lassen würde, wollte er sich den Obliviate lieber sparen. Wer weiß, vielleicht kamen die beiden ja auf den glorreichen Gedanken, aus seinem Hirn sämtliche Erinnerungen an die Zaubererwelt zu löschen. Er schüttelte sich. Das musste nun wirklich nicht sein!

Auf einem Tablett die vier dampfenden Tassen balancierend betrat er das Sprechzimmer, in dem die drei Lovegoods sich in inniger Umarmung auf dem Sessel aneinander drängten. Ein Stich der Eifersucht durchfuhr ihn beim Anblick dieser Menschen, die eine Liebe miteinander teilten, die er nie erfahren hatte. Doch der Moment verstrich und er konzentrierte sich auf seine Freude darüber, dass er Lydia geholfen hatte; und auf die Aufgabe, die vor ihm lag.

Wie sollte er das Gespräch eröffnen? Vielleicht war Offensive hier die beste Lösung.

"Wenn es euch zu dritt auf einem Sessel zu eng ist, könnt ihr ihn auch gerne in ein Sofa transfigurieren."

Luna musterte ihn wieder mit kritischem Blick. "Woher wissen Sie, dass so etwas möglich ist?"

Tom seufzte. Alles oder nichts! "Weil ich, entgegen allgemeiner Auffassung, in McGonagalls Unterricht nicht immer geschlafen habe und manches sogar ohne Hermines Hilfe mitbekommen habe."

Die Wirkung der wenigen Worte war beeindruckend. Luna sprang auf und richtete den Zauberstab auf ihn, Lydia fiel die Kinnlade herunter und Neville machte einen sehr uneleganten Abgang von seiner Sessellehne.

"WER sind Sie?", zischte Luna ihn an.

"Mama...", merkte Lydia zögerlich an, "auch wenn er noch jemand anderes ist, er ist immer noch Heiler Tom, und ich mag ihn."

Tom lächelte ihr dankbar zu, als Luna irritiert ihren Zauberstab senkte. Während Tom das Tablett auf seinem Schreibtisch abstellte und Lydia ihre heiße Schokolade reichte, die sie mit genießerisch zusammengekniffenen Augen entgegen nahm, folgte Luna mit sichtlichem Unbehagen Toms Rat und verwandelte den Sessel in ein gemütliches großes Sofa, auf dem sie neben Lydia Platz nahm. Neville folgte, sobald er sich vom Boden aufgerappelt hatte. Erwartungsvoll blickten sie Tom an, der sich wieder hinter seinen Schreibtisch gesetzt hatte.

"Ich vermute, ihr wisst bereits mehr über mich, als ihr gesagt habt. Von den Zwillingen weiß ich, dass ich in Hogsmeade belauscht wurde; und du, Luna, hast meinen Brief erwähnt. Ich hoffe, ich habe euch genug Beweise gegeben, dass ich dem Orden keinen Schaden zufügen will, und ihr lasst mich ausreden, ohne mich auf der Stelle zu obliviaten oder nach Azkaban zu verfrachten."

Er machte eine kleine Pause. Als kein Widerspruch kam, fuhr er fort.

"Ich habe heute Morgen die Weasleyzwillinge in der Winkelgasse besucht und mit ihnen ein Treffen für morgen verabredet. Eigentlich wollte ich erst dann aufhören, mich zu verstecken. Aber nachdem wir mit Lydia heute so gute Erfolge erzielt haben, möchte ich meine Erinnerungen an diesen Tag doch gerne behalten. Die einzige Chance, die ich dafür sah, war die Wahrheit über meine Herkunft..."

Lydia sah stirnrunzelnd zwischen ihren Eltern hin und her. "Ihr hättet ihn obliviated?"

Luna sah ihre Tochter ernst an. "Schatz, wir dachten, er sei ein Muggel. Muggel dürfen nichts über unsere Welt wissen."

"Aber er war doch so nett zu mir!"

Tom lächelte sein ewig-trauriges Lächeln. "Es ist schon in Ordnung, Lydia, ich werde dich nicht vergessen. Wenn wir Glück haben, können wir auch weiterhin Freunde bleiben." Er schloss kurz gedankenverloren die Augen. "Versprechen kann ich aber nichts. Ich weiß nicht, was morgen wird. Wenn der Orden beschließt, dass ich nach Azkaban gehöre, werde ich nicht viel tun können..."

"Ins Gefängnis?!", quietschte Lydia entsetzt. "Wieso?!"

Tom öffnete die Augen wieder und richtete seinen traurigen Blick auf die drei verwirrten Zauberer auf dem Sofa. Es fiel ihm schwer, Lunas und Nevilles Blicken zu begegnen und so wandte er sich weiterhin an Lydia.

"Lydia, du erinnerst dich doch, dass du mir von Harry Potter erzählt hast? Wie er verschwunden ist und keiner weiß, was mit ihm geschehen ist?"

"WAS hast du mit Harry gemacht?!", rief Neville zornig und erhob sich halb von seinem Platz.

Toms Blick sank bekümmert in seinen Schoß. "Ich habe gar nichts mit ihm gemacht, Neville." Der Angesprochene, erstaunt, seinen Vornamen aus dem Mund des vermeintlichen Fremden zu hören, ließ sich zurück in die Polster fallen und sah den Heiler stumm an, der nun wieder zu Lydia sprach.

"Was meinst du, würde der Orden dazu sagen, wenn Harry Potter plötzlich wieder auftauchen würde? Was würde man von ihm denken?"

Luna und Neville tauschten einen ungläubigen und irritierten Blick aus; konnte der Mann wirklich das meinen, was sie dachten? Lydia sprach es aus. "Herr Tom, ich dachte, Harry Potter sei tot?"

Tom lächelte sie schief an. "Ich weiß. Aber, wenn du dir einfach mal vorstellst er würde noch leben und er käme plötzlich zurück - stell es dir nur vor - was würdest du denken?"

Lydia kaute wieder einmal auf ihrer Lippe herum, während sie angestrengt nachdachte. "Hmmm... Ich würde wissen wollen, wo er gewesen ist. Er war länger weg, als ich alt bin; wo könnte er so lange gewesen sein?"

"Siehst du? Die erste Frage wäre bestimmt: warum ist er nicht früher zurück gekommen, wenn er doch noch am Leben war? Es gibt drei Antworten, die sich sofort aufdrängen. Erstens, er konnte nicht, weil er im Koma lag oder gefangen war oder das Gedächtnis verloren hatte; zweitens, er hat ein geheimes Training absolviert und durfte es keinem erzählen weil ihn sonst vielleicht Voldemort" - die drei Lovegoods sogen scharf die Luft ein - "oder einer seiner Todesser gefunden hätte; drittens, er hat sich Voldemort angeschlossen."

"Das würde er nie machen!!", rief Lydia empört.

Tom lächelte müde. "Danke für dein Vertrauen; aber was meint ihr, wie viele Zauberer das genauso sehen würden?" Endlich schaute er auch Luna und Neville an. Beide machten nachdenkliche und leicht ängstliche Gesichter, so, als hätten sie eine Ahnung, worauf er hinaus wollte, wagten aber nicht, den Gedanken weiter zu verfolgen.

"Luna. Neville." Beide schraken erneut zusammen, als er sie beim Vornamen ansprach. "Sagt mir, was müsste ich tun, damit ihr mir glaubt, dass ich nicht zur falschen Seite übergelaufen bin?"

Nevilles Augen wurden groß, als er noch einmal den Blick über den Mann vor ihm schweifen ließ. Blonde Haare, blaue Augen, Muggelkleidung, keine Brille... Und doch, die Form seiner Wangenknochen... dieser Ausdruck in seinen Augen, als ob das Schicksal der ganzen Welt auf seinen Schultern laste... und dieser leicht spöttische, aber doch entschlossene Zug um seine Mundwinkel...

"Harry...?"

Luna starrte ihren Mann an, als hätte er den Verstand verloren. "Neville, was soll das?"

Doch Neville hörte ihr nicht zu. Gebannt betrachtete er weiter sein Gegenüber. "Was hast du mit deinen Augen gemacht?"

"Kontaktlinsen. Kennst du?"

"Ja. ...Und... die Haare?"

"Gefärbt."

"Die... deine... also..."

"Die Narbe? Überschminkt."

Und zum großen Entsetzen der versammelten Lovegoods rieb er sich mit dem Hemdsärmel über die Stirn, bis sich dort ganz blass die berühmt-berüchtigte blitzförmige Narbe abzeichnete.

Lydia wollte ihren Augen nicht trauen. "Herr Tom, du bist Harry Potter?!"

Luna war bleich geworden. "Das kann nicht sein...!"

Harry sah seiner ehemaligen Schulkameradin fest in die Augen. "So sehr ich auch wünschte, du hättest recht, Luna - Harry Potter lebt, und egal, wie sehr ich versuche es zu vergessen, die Vergangenheit holt mich immer wieder ein.

"Ich. War. Harry. Potter.

"Und ganz ehrlich, ich fühle mich als Tom Effing sehr viel wohler. Aber als Lydia Salmissra zu mir brachte, wurde mir die Wahl leider endgültig aus den Händen genommen."

Neville und Luna guckten ihn verständnislos an. Harry lehnte sich Richtung Wohnzimmer zurück und zischte: :Salmissra! Kannst du einen Moment herkommen, bitte?:

"Parselmund, ihr wisst schon", war seine einzige Erklärung an die geschockte Zaubererfamilie auf seinem Sessel... äh, Sofa...

Salmissra kam zur Türe herein, wand sich schnell an Harrys Hosenbein hinauf und ließ sich vor ihm auf dem Schreibtisch nieder. :Was gibt es, Harry Potter?:

Harry deutete auf die Lovegoods. :Du erinnerst dich doch an die kleine Lydia, der du das Leben gerettet hast? Ich möchte dich ihren Eltern vorstellen.:

"Luna, Neville, dies ist Salmissra. Ich weiß, dass ihr Schlangen immer mit Voldemort verbindet, aber ich versichere euch, dass Salmissra ihn genauso hasst wie wir alle. Sie hat Lydia das Leben gerettet."

Lunas und Nevilles Köpfe flogen zu ihrer Tochter herum, die hochrot anlief, als sie sich so unvermutet im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit wieder fand. "Hi Salmissra", nuschelte sie verlegen. Sie freute sich, dass es der Schlange gut ging, hatte aber Angst vor der Reaktion ihrer Eltern, wenn sie erfuhren, dass Lydia die Schlange mit zu ihnen nach Hause genommen hatte.

Doch dazu kam es gar nicht.

Luna war aufgestanden und hatte ihren Zauberstab langsam und zitternd gegen Harrys Stirn erhoben. "Wer auch immer du bist", keuchte sie aufgeregt, "du bist nicht Harry Potter. Harry hasste Schlangen!"

In diesem Moment ertönte ein leises Klopfen an der Türe und Miss Young trat, ohne auf Antwort zu warten, mit Myriel in den Raum. "Herr Effing, Miss Danes meinte, Sie seien für heute Abend verabredet und wollte wissen, wie lange Sie noch..."

Sie brach ab, als sie die Szene wahrnahm, die sich im Behandlungszimmer ihres Chefs abspielte. Doktor Effing saß ruhig an seinem Schreibtisch, während auf seinem Sofa ein Mann und ein kleines Mädchen einander eng umklammerten und eine Frau mit wildem Blick einen Stock, der Herr Effings Zauberstab, mit dem er die Kinder zu unterhalten pflegte, erschreckend ähnlich sah, wie eine Waffe auf ihn richtete.

"Was...?!"

Myriel hatte die Situation wesentlich schneller erfasst; sie wusste eine ganze Menge mehr als die Sekretärin über den 'normalen, stillen' Doktor Effing... Mit drei schnellen Schritten war sie bei Tom angelangt und stellte sich schützend vor ihn. "Tom! Sind das die bösen Zauberer, die dich umbringen wollen?"

Tom seufzte. "Nein, das sind die guten Zauberer, die mich auch umbringen wollen."


A/N: Oi, ich habe heute Geburtstag! Bekomme ich ein oder zwei reviews? -schamlos bettel-

Vielen vielen vielen Dank an Still-Maybe, TC2509, Olaf und Tanja 74, Sin Angel und Dragonix712 für die reviews zum letzten Kapitel!! Danke nochmal für die Hinweise zum Namensverdreher, ist behoben. ; ) TC, danke für den Kuchen! Habe sonst gar keinen Geburtstagskuchen, da kommt das genau richtig. Das mit dem Alk lasse ich aber lieber - habe letztens zum dritten Mal in Folge festgestellt, dass Absinth eklig ist. ;D -nicht lernfähig- Tanja: nicht vergessen, dass das Stielohr im Schlamm rumlag. Ich habe zwar eine ganze Unterhaltung geschrieben, bei den Lauschern angekommen sind aber nur immer Fetzen davon. Hm, hätte ich vielleicht deutlicher machen sollen.(?) Angel: Nachträglich alles Gute zum Geburtstag!! Ron hat hier eine sehr wichtige Rolle; sein Auftritt kommt bald, Dragonix. Hoffe, er wird dir gefallen. : )

Liebe Grüße an euch alle! -Dime