Hallo liebe Leser!

Das bisher längste Kap wartet auf euch. Bin gerade damit fertig geworden, nachdem ich festgestellt habe, dass das letzte Update schon 11 Tage her ist. Naja, viel Spaß damit!

Übrigens: Danke für die Beantwortung meiner Fragen vor dem letzten Kap, wie es weitergehen soll. Ich werde die Ausbildung mal genauer beschreiben, wie genau werdet ihr sehen, wobei ein Teil sicher überwiegen wird (welcher wird nicht verraten). Und die Sache mit dem Auferstehen, ja oder nein? Nun ich denke, ihr werdet verstehen, wenn ich mich nicht dazu äußere...(ein wenig Spannung muss ja sein!)


6. Kapitel: Die schwerste Brücke

Harry wusste nicht mehr, wie er hierher gekommen war. Er schwebte in einer Röhre mit dunklen Wänden, und am Ende derselbigen konnte er einen schwachen Lichtschimmer sehen.

Je näher er diesem kam, desto weniger wurden seine Schmerzen, und umso geborgener und erleichterter fühlte er sich. Endlich wieder schmerzfrei sein! Frei von allen Sorgen!

Immer näher kam er diesem Ende, wie es schien mit ziemlich hoher Geschwindigkeit. Er wollte nur noch diese letzten paar Meter überwinden. Doch irgendetwas bremste ihn.

„Verdammt! Beweg Dich doch endlich vorwärts, blöder Körper!" schrie er dem Ende entgegen. Und mit quälend langsamer Geschwindigkeit kam er dem Ende entgegen.

„Entscheide Harry! Entscheide!" Harry stutze. Woher kam diese Stimme?

„Es sind die Entscheidungen in unserem Leben, die aus uns das machen, was wir werden!" Heißt das, er sollte wieder umkehren? Was hatte diese Stimme dagegen? Was verdammt noch mal? WAS?

Er näherte sich immer weiter dem Ende.

„Entscheide! Entscheide, ob Du das tun willst, was leicht ist, oder das, was richtig ist. Denk an deine Freunde! Lass sie nicht umsonst gestorben sein!" Die Stimme hatte einen finalen Ton.

Harry blieb stehen. Freunde? Welche Freunde?

Und als ob das in ihm etwas ausgelöst hätte, sah er Bilder an sich vorüberziehen: Von einem rothaarigen Jungen, einem jungen Mädchen mit buschigen braunen Haaren. Es war, als strömte sein ganzes Leben an seinem inneren Auge vorbei. Doch es kamen auch die weniger freudvollen Ereignisse. Voldemort: sein Aufstieg, der Kampf im Ministerium, der Tod seines wohl größten Bezugspunktes, Dumbledores.

Bei dessen Name musste er lächeln. Er war sich sicher, dass die Stimme, die ihn gerade aufgehalten hatte, die Stimme Dumbledores war. Anscheinend hatten sich dessen Ratschläge sich ihm so sehr eingeprägt, dass sie ihm in Zeiten größter Not quasi von alleine halfen. Was wohl Scrimegeour dazu sagen würde, wenn er erfuhr, wie „durch und durch Dumbledores Mann" Harry war?

Und mit aller Kraft stemmte er sich gegen seine bisherige Richtung und kämpfte, wie er noch nie gekämpft hatte, kämpfte, um seine Freunde, seine Eltern, Sirius und Dumbledore nicht zu enttäuschen, um die Welt vom Bösen zu befreien.


Merlin hing erschöpft an der Wand. Er hatte es also doch nicht geschafft. Seine Schutzzauber hatten während der Meditation nicht gehalten und Muggel konnten in sein Gebiet eindringen. Und dann waren es zu viele um sich gegen sie zu wehren. Hilflos musste er mit ansehen, wie sein Schützling genau wie er abgeführt wurde – gefesselt.

Nun hing er hier, an eine Kerkerwand gefesselt. Mit den Händen in Eisenschellen so hoch an der Wand aufgehängt, dass seine Füße nicht den Boden berührten. Er hatte fast keine Kraft mehr. Vier Wochen war es her, seit sie gefangen genommen wurden. Man hatte sie hierher gebracht, aufgehängt und seitdem nur mehr äußerst notdürftig mit Nahrung versorgt. Wie Harry die ganze Zeit überstehen konnte, ohne auch nur ein Stück Nahrung zu sich zu nehmen, war ihm ein Rätsel. Aber er lebte.

Er wurde jäh unterbrochen, als die Kerkertür aufgeschleudert wurde und zwei Männer mit Ritterrüstung hereintraten.

„Na, alter Mann! Wo bleiben deine Zaubersprüche? Oder kannst Du Dir diesmal nicht helfen?" fragte der Eine spöttisch.

„Vielleicht braucht er ja auch nur seinen komischen Holzstab, den er bei sich hatte! Aber den hat ja leider der König. Wie schade!" seufzte daraufhin der Zweite.

Merlin blieb äußerlich ruhig, aber innerlich arbeitete es. Wenn sein Zauberstab nicht vernichtet worden war, sondern sogar beim König, dann würde er vermutlich noch eine Weile am Leben bleiben. Denn weshalb sollte sich der König sonst seinen Stab aufheben, mit dem er ja nichts anfangen konnte?

„Was ist nun, alter Mann? Sollen wir Dir nun vielleicht vom Baum da draußen nen Zweig abschneiden?" lachte der Erste wieder. Doch Merlin zog es weiter vor zu schweigen.

„Amarus, was meinst Du? Sollen wir den Jungen da nicht vielleicht gleich abschlachten? Der stirbt doch sowieso? Oder? Was meinst Du?" stellte der Zweite die Gegenfrage.

„...aahhh...Merlin..." entwich in diesem Moment Harry ein Stöhnen. Die Wachen schauten überrascht auf. Ganz konnten sie ihre Verwunderung nicht verstecken.

„Harry! Beweg Dich nicht! Wir sind gefangen und im Moment an eine Mauer gefesselt!" raunte ihm Merlin zu.

Doch all das hörte Harry bereits nicht mehr. Vor Erschöpfung war er bereits wieder ins Reich der Träume zurückgekehrt. Nichtsdestotrotz durchfuhr Merlin ein unheimliches Glücksgefühl. Harry hatte diese Zeit überstanden. Vier Wochen!

Ohne einen weiteren Ton von sich zu geben drehten sich die Wachen um und verließen den Kerker.

Die nächste Woche verging dann ähnlich wie dieser Tag. Täglich kamen die Wächter, prüften die Fesseln, rissen ihre Witze und gingen wieder. Mit der Zeit wurde ihr Spott immer weniger, da sich Merlin nicht darüber aufregte, und schließlich ließen sie es ganz bleiben. Doch ab diesem Tag wurden sie beide merkwürdigerweise von zwei Frauen täglich aufgesucht, die ihnen Essen und Trinken brachten. So wurde zumindest Merlin gefüttert, da er ja immer noch an den Fesseln hing.

Schließlich wachte Harry wieder auf, dieses Mal endgültig. Merlin erläuterte ihm die Lage und er war schon gespannt auf die Wächter und die Frauen, die da im Laufe des Tages kommen würden. Im Gegensatz zu den anderen Tagen kamen jedoch dieses Mal nur die zwei Frauen.

Die Tür öffnete sich, und Harry erkannte zwei junge Frauen, die anscheinend Dienerinnen waren. Jedoch nahm er auch um beide Frauen ein äußerst schwaches bläuliches Leuchten war – es waren Muggel. Als die Jüngere der beiden sah, dass Harry wach war, machte sie sich gleich daran, ihn mit Essen und Trinken zu versorgen.

„Stop! Hör auf! Ich kann nicht mehr!" presste Harry zwischen zwei Bissen hervor, da auch er an der Wand hängend gefüttert wurde. Die Dienerin jedoch wollte unbeeindruckt weitermachen, so dass er nun einfach seine Lippen fest aufeinander presste, da er das Essen nicht mehr gewohnt war. Sie ließ endlich von ihm ab.

„Danke!" brachte er mit einem geringen Lächeln hervor, doch er erhaschte nur einen bedauernden Ausdruck auf dem Gesicht der Dienerin.

„Was hast Du?" fragte Harry.

Nervös blickte sich seine Dienerin um, und vergewisserte sich, dass ihre Partnerin mit Merlin beschäftigt war. Sichtlich mit sich ringend presste sie hervor:

„Ihr sollt geopfert werden, wenn der König das Fest zum Gedenken an die Eroberung dieses Stückes Land abhält. Er will zeigen, was er mit denjenigen macht, die sich ihm wiedersetzen."

Schnell drehte sie sich weg, da sie wahrgenommen hatte, dass ihre Partnerin auch fertig geworden war. Harry wollte ihr noch ein „Aber..." hinterschreien, besann sich aber dann doch eines besseren. Anscheinend waren die beiden Frauen unterschiedlicher Meinung, denn sonst hätte ja meine Dienerin nicht auf Merlins Dienerin schauen müssen.

Als die Frauen weg waren, konzentrierte sich Harry wieder auf seine Meditation und versuchte mehr über seine Aurenblick herauszufinden, beziehungsweise diesen zu trainieren. Er erkannte, dass er damit eigentlich alles wahrnehmen konnte wie mit dem normalen Auge auch, nur dass er halt keine klaren Konturen bei den Menschen sah, sondern im Moment noch kegelförmige Gebilde. Aber vielleicht konnte er ja das noch ein wenig trainieren.

Am nächsten Tag ließ sich seine Dienerin sehr viel Zeit ihn mit Essen zu versorgen, so dass sie am Schluss alleine im Kerker blieb. Anscheinend hatte sie darauf nur gewartet, denn kaum war ihre Partnerin weg, flüsterte sie Harry zu:

„Ihr sollt in fünf Tagen geopfert werden. Das heißt, man wird euch wilden Tieren vorwerfen, und das vor den Augen der ganzen Stadt. Wenn ihr bis dahin nicht hier raus seid, seid ihr verloren!"

„Warum erzählst Du mir das? Und warum sollte ich Dir überhaupt glauben?" erwiderte Harry. „Du wartest immer, bis deine Partnerin den Kerker verlassen hat, tust geheimnisvoll, und willst anscheinend dadurch mein Vertrauen gewinnen."

„Glaub was Du glauben willst, aber ich sage die Wahrheit. Ich gehöre nicht wie sie zum Volk des Königs, ich wurde hier geboren, lebte in Frieden und musste mit ansehen, wie dieser König unsere Region eroberte und uns unmenschlichen Bedingungen unterwarf. Steuern so hoch, dass wir selbst kaum leben können, alle Frauen unter 15 Jahren gehören ihm, wenn er sie auswählt – so wie mich. Glaubst Du mit jetzt? Ich will diesen König nicht! Und diese Opferungen macht er, um uns vor Augen zu führen, wie es Verrätern ergeht. Doch wir haben uns trotzdem versammelt im Untergrund. Wir sind an Männerzahl den Truppen unseres Gebieters überlegen, doch uns fehlt ein Anführer! In der Vergangenheit haben wir uns auf irgendwelche Stümper verlassen und haben deswegen einige unserer Kämpfer verloren. Wir wollen uns wieder unserem alten Herrscher anschließen, doch dafür müssen wir den jetzigen Tyrannen vertreiben, oder ihm die Kontrolle über diese Provinz entreißen."

„Und das soll ich Dir glauben? Weshalb vertraust Du das alles mir an?" fragte Harry. Er war keineswegs überzeugt, dass er dieser Frau vertrauen konnte.

„Du hast vier oder fünf Wochen ohne jede Nahrung überlebt. Kein normaler Mensch schafft das. Und als ich Dich das erste Mal hier sah beim Essen, da ist mir etwas aufgefallen, was ich sonst noch nie gesehen habe. Dieser Ausdruck in deinen Augen. Leid, aber vor allem Entschlossenheit. Entschlossenheit für das Gute zu kämpfen und sich gegen das Böse aufzulehnen. Viele haben gesagt, sie könnten uns vom dem Tyrannen befreien, aber nur Dir würde ich so etwas glauben."

Harry bemerkte, dass dabei ihre Aura kurz leicht an Intensität gewann. Hatte nicht Merlin gesagt, man könne daran erkennen, ob jemand lügt oder nicht? Er nahm sich vor, ihn anschließend danach zu fragen.

Zunächst jedoch ließ Harry es bei seiner ausdruckslosen Miene bewenden.

Mit etwas enttäuschter Miene zog seine Dienerin von dannen.

Er musste darüber nachdenken. Was ging es ihn eigentlich an, wenn sie sich hier gegenseitig die Köpfe einschlugen? Er hatte im Moment seine Magiereserven wieder aufgefüllt, er fühlte es.

Er ließ sich in seine Meditationsebene sinken. Hier waren weniger Störeinflüsse vorhanden, das hieß, es fiel im leicht, alles störende einfach auszublenden. Doch es dauerte nicht allzu lange und sein Entschluss stand fest.

Darauf beschloss er erst mal, seinen neu erworbenen Aurablick und die damit verbundenen Fähigkeiten zu erkunden. Es war, als würde er seinen eigentlich leuchtenden Kegel verlassen und auf Wanderschaft gehen. Er sah eine relativ stark erleuchtete Gestalt an der Wand – Merlin. Kurz entschlossen ging er auf die Lichtquelle zu, berührte sie und sprach, ohne genau zu wissen warum, sie an:

„Merlin? Kannst Du mich hören?"

„Harry? Hast Du gerade gesprochen?" meinte Merlin zum Körper von Harry gewand, der beide Augen geschlossen hatte. Als er daraufhin seinen Aurenblick aktivierte, erlebte er die Überraschung seines Lebens, die Aura seines Schülers befand sich direkt vor seiner Nase.

„Harry, wie hast Du das gemacht? Wieso reicht ein Teil deiner Aura bis zu mir?" fragte er völlig geschockt.

„Keine Ahnung Merlin. Ich wollte einfach nur meine neuen Fähigkeiten erkunden, habe deine Aura gesehen und sie berührt. Sieht so aus, als könnte ich mit Dir im Geist kommunizieren."

Zu sagen, Merlin wäre geschockt, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts gewesen. Er konnte es nicht fassen. Harry war Telepath! Der erste, den er gefunden hatte und der diese geheimnisumwobene Fähigkeit hatte, mit Leuten im Geist zu sprechen. Offensichtlich hatte Toms Horkrux mehr Eigenschaften und Fähigkeiten Harrys unterdrückt.

„Harry, du bist Telepath! Das heißt, du kannst mit bloßen Gedanken mit deinen Mitmenschen kommunizieren." Welche Eigenschaften hatte dieser Junge noch? Fragte sich Merlin. Er hatte jetzt schon Fähigkeiten, die die Merlins überstiegen.

„Wow!" entfuhr Harry ein geschockter Laut. Hatte er doch auch von diesem Mythos gehört.

„Ähh, Merlin? Du hast doch gesagt, du könntest anhand deines Aurenblickes erkennen, ob dein Gegenüber dich anlügt oder nicht. Wie äußert sich denn das?"

„Harry, Harry! Lass mir doch mal Zeit, den Schock, dass Du Telepath bist, erst mal verarbeiten, und komm nicht schon wieder mit deinen Fragen." antwortete Merlin schmunzelnd, was Harry die Augen verdrehen ließ.

„Naja, also wenn dich dein Gegenüber anlügt, verfärbt sich seine Aura zu einem tiefen Dunkelrot. Wenn er aber ehrlich ist, wird seine Aura kurz an Intensität gewinnen. Und Du kannst dir sicher sein, dass er Dir die Wahrheit sagt, beziehungsweise gesagt hat."

Harry schnaufte durch. Seine Dienerin hatte ihm also die Wahrheit gesagt. Immer noch in der Meditationsebene meinte Harry schließlich zu Merlin:

„Merlin, ich muss dir was erklären."

Er machte an dieser Stelle eine Pause, wusste er doch nicht, wie er es seinem Lehrmeister am besten verklickern sollte.

„Was?" kam die ungeduldige Nachfrage von seiten Merlins. Das ich das noch mal erleben darf, dass er ungeduldig wird! Da bin ich aber beruhigt!

„Geduld Merlin, Geduld!" meinte Harry daraufhin amüsiert, worauf auch er ein leises Lachen von Merlin vernahm.

Harry machte sich nun daran, Merlin das, was er von seiner Dienerin gehört hatte, weiterzugeben. Als er mit den Berichten geendet hatte, wurde Merlins Miene immer nachdenklicher.

Es war Zeit für einen ersten Test für seinen Schützling. Jetzt sollte er zeigen, ob er etwas aus seiner Ausbildung gelernt hatte, oder ob die Mühe umsonst war.

„Harry, du kannst dich hier nicht einmischen. Du musst an deine Ausbildung denken, du"

Weiter kam Merlin nicht, denn er vernahm plötzlich die laute Stimme Harrys, die ihn unterbrach.

„Du hast selbst gesagt, dass die obersten zwei Richtlinien in unserem Leben die Loyalität gegenüber unseren Freunden und vor allem Gerechtigkeit sein sollten.

Wir können uns hier nicht heraushalten, wir müssen eingreifen.

Das Leben hier ist nicht gerecht.

Wir haben die Mittel, das zu ändern. Wir müssen versuchen, das zu ändern.

MEIN Entschluss steht fest: ICH werde helfen.

Was Du tun wirst, bleibt dir überlassen, ich wäre jedoch froh, nicht auf mich allein angewiesen zu sein."

Harrys Stimme war zum Schluss ruhiger geworden, und sie klang so, als würde er damit eine Art Ultimatum stellen. Der jedoch erwiderte nun mit deutlich heraushörbarem Stolz in der Stimme:

„Ich werde dir helfen, Harry! Du hast gerade bewiesen, dass Du zu deinen Prinzipien stehst und sie auch in Zeiten der Not vertrittst. Allerdings sollten wir nicht voreilig handeln."

Harry fühlte sich erleichtert. Er musste die ganze Sache nicht allein durchziehen.

Doch gleichzeitig begann er immer nachdenklicher zu werden. Merlin merkte das, und war sich sicher zu wissen, an was jetzt sein Schützling dachte.

„Harry! Bedenke, es geht hier um Gerechtigkeit. Wenn du also sich gezwungen siehst, einen Mann dieses Königs zu töten, dann tu es. Sie haben ihr Leben der falschen, einer ungerechten Sache verschrieben, nur um sich die Annehmlichkeiten des Ritterstandes zu sichern. Sie haben sich damals falsch entschieden, als sie sich dem König bei der Eroberung dieser Provinz anschlossen, und sie haben sich falsch entschieden, wenn sie dich angreifen.

Sie hatten ihre zweite Chance, sollten sie dich angreifen.

Ich weiß, es ist schwierig über diese Brücke zu gehen, aber wenn Du töten musst, dann tu es!"

Harry hatte aufmerksam zugehört und musste sich der Logik dieser Aussage geschlagen geben. Die Unterwerfung dieser Provinz war ungerecht, und sie alle hätten umkehren können. Schließlich nickte er Merlin zu. Er glaubte, verstanden zu haben, worum es ging.

Und so besprachen sie für den Rest des Tages, wie sie vorgehen würden und zogen sich erst am Abend wieder aus der Meditationsebene zurück, um in ihrer mehr oder weniger bequemen Stellung etwas Ruhe zu finden.

Am nächsten Tag bekamen die zwei Zauberer wieder ihren Besuch von den Frauen. Harry merkte schon, dass seine Dienerin sich sehr viel Zeit ließ, und ständig Blicke zu ihrer Mitdienerin warf.

„Beeil dich! Wir haben für diese zwei nicht ewig Zeit!" fuhr plötzlich die Ältere der beiden Harrys Dienerin an, die darauf nur ein kurzes „Jawohl" erwiderte und sich wieder Harry zuwandte. Er bemerkte den leicht entschuldigenden Blick, mit dem sie ihn betrachtete.

Harry fand, dass es Zeit war, sich mit ihr genauer zu unterhalten, und er konzentrierte sich darauf fest auf sie und rief im Geiste nach ihr. Merlin und er hatten am Morgen noch etwas geübt, was das telepathische Unterhalten anging, und schließlich schaffte es Harry, nur durch einen Gedanken an die entsprechende Person eine Verbindung aufzubauen.

„Dienerin?" – geschockt zuckte diese vor ihm zusammen, hatte sie doch gerade in diesem Moment ihm etwas zu essen in den Mund gegeben. Wie konnte er dann mit ihr sprechen?

Harry sah ihrem Gesicht an, was sie dachte, und fuhr schnell weiter fort:

„Ich bin Telepath! Das heißt ich kann mich im Geist mit dir unterhalten. Du musst einfach nur ganz fest an das denken, was Du mir sagen willst, und ich werde Dich hören. Aber wie heißt du eigentlich!"

Es dauerte eine Weile, bis sich die Dienerin wieder gefasst hatte, doch nachdem er den nächsten und letzten Bissen im Mund hatte, hörte er ein leises

„Amalia!"

„Hör gut zu, Amalia! Zuerst ich heiße Harry und werde dir helfen. Wenn es so ist, wie du sagst, und es ist so, denn ich würde es merken, wenn du mich anlügst, werde ich euch helfen, den König zu beseitigen. Du musst jetzt gehen, doch konzentrier dich ein wenig auf mich. Dann kann ich dir, wenn du so willst, geistig folgen. Ich könnte dich zwar auch ohne deine Anstrengung finden und dir folgen, aber so ist es für mich leichter. Dadurch kann ich mich gleich ein wenig hier im Schloss umsehen. Beantworte mir aber noch folgende Fragen:

Wie steht das Volk dieser Provinz zu dieser Meinung? Unterstützen sie den jetzigen König oder wollen sie wieder so wie früher leben?"

„Harry, danke, dass Du dich unserer annimmst. Du glaubst nicht, wie viel mir das bedeutet. Endlich können wir unsere Herrscher vertreiben und in Frieden leben. Aber die Frage könntest Du dir eigentlich selbst beantworten. Wenn unser Volk hinter dem König stehen würde, wieso sollte dann dieser so eine Opferung durchziehen. Nein! Er weiß ganz genau, dass es hier nicht weit her ist mit der scheinbaren Begeisterung für ihn."

„Los, komm jetzt! Ich hab dir lang genug Zeit gelassen, ihn zu versorgen!" schrie Merlins Dienerin zu der Jungen. Diese packte hastig ihre Sachen zusammen, schenkte Harry noch mal ein kleines Lächeln, drehte sich um und verließ zusammen mit ihrer Mitdienerin den Raum – Harry folgte ihr geistig.

„Sag deinen Anhängern, sie sollen alle zur Opferung kommen. Die stärkeren sollen sich in der Nähe der königlichen Wachposten aufhalten." Teilte Harry Amalia über seine telepathischen Fähigkeiten mit. Dann konzentrierte er sich darauf, ihr durch das Schloss zu folgen und sich alles möglichst genau einzuprägen.

An den darauffolgenden Tagen lief in den Augen von Merlins Dienerin alles normal ab. Sie kamen, um den beiden Männern ihr Essen zu bringen, und gingen dann wieder. Sie wunderte sich noch kurz, warum Amalia nun immer schneller als sie fertig war, aber das war ihr egal. Was sie nicht wusste, war, dass diese und Harry eh telepathisch miteinander verbunden waren und ihr Harry im Detail seinen Plan erklärte, der denkbar einfach war, aber dafür umso besser wirken sollte.

„Harry, ich habe allen Bescheid gegeben, und es wird so sein, wie du gesagt hast. Die Kämpfer unter uns werden nahe der Wachposten Aufstellung nehmen und sie auf euer Zeichen hin überwältigen. Die hundert mit Schwertern bewaffneten Männer sollten kein Problem darstellen. Wenn das geschehen ist, und wir alles unter Kontrolle haben, sollte es kein Problem mehr sein, die übrigen Menschen von unserer tat zu überzeugen, und uns wieder unserem alten Herrscher anzuschließen."

Harry gab im Geist sein Einverständnis, und signalisierte ihr, dass alles gut werden würde. Dann verließ er die Meditationsebene.

Die Tage bis zur Hinrichtung vergingen. Und schließlich war es soweit. Die Kerkertür öffnete sich, und die zwei Wachen kamen herein.

„Ja, Amarus, ich kann es kaum erwarten. Das wird ein schöner Tag, und ein unterhaltsamer dazu."

„Da hast du recht, wenngleich er für unsere beiden hier sicherlich nicht so schön wird." Antwortete der andere, wobei sich beide daran machten, die zwei Zauberer von den Ketten zu befreien und ihre Hände und Füße mit Stricken zu binden.

Mit beiden Gefangenen traten sie durch die Kerkertür - der Tag der Befreiung war gekommen.


(In Hogwarts)

In der Schule lief alles weitestgehend normal – sofern dieses Wort in Zeiten wie dieser überhaupt noch verwendet werden konnte. Minerva McGonagall war Nachfolgerin Dumbledores und führte die Schule. Am Lehrertisch saß sie jedoch wie immer an ihrem Platz – neben dem großen Stuhl für den Direktor. Auf die Fragen diesbezüglich hatte sie nur geantwortet, sie wolle den Platz als Andenken für den größten Zauberer des letzten Jahrtausends freihalten. Niemand stellte das in Frage – nur vom Slytherintisch war ein kurzes Getuschel zu hören.

Am Gryffindortisch klaffte eine relativ große Lücke, da sowohl die zwei Weasleys, Hermine Granger fehlten, als auch Harry Potter. Bei dem Gedanken an ihm kamen ihr die Tränen. Sie wollte es nicht zugeben, aber dieser Junge war für sie wie ein Sohn, den sie nie hatte. Doch in ihr keimte die Hoffnung auf. Wenn Merlin diesen Jungen ausbildete, gab es Hoffnung. Vielleicht konnte er die Nachfolge Dumbledores antreten, und Voldemort besiegen – vielleicht.

Seit Beginn der Unterrichtszeit vor zwei Wochen plagten sie jedoch sehr viel größere Sorgen als die Erziehung der Kinder. Mitglieder des Ordens wurden in letzter Zeit immer häufiger attackiert. Zum Glück konnten zwar alle einigermaßen heil entkommen, aber es gab keinen Zweifel mehr an ihrem ersten Verdacht:

Es gab einen Verräter! Einen zweiten nach Snape!