Guten Morgen,

stolz möchten wir euch unser nächstes Kapitel präsentieren. Wir hoffen inständig das es euch gefaällt und freuen uns auf Eure Meinungen, immerhin ist das der Lohn eines jeden Autors, oder einer jeden Gruppe von Autoren.

Also, drückt das kleine Lila knöpfchen, wir warten gespannt.

Viel Spaß

Eure Imo und Mazi

Dracos erster Unterricht

Aufgeregt wie selten saß Draco in seinem Zimmer und verknotete mal wieder seine Schuhe. Seine Haare hatte er so ordentlich gekämmt, wie er konnte und auch sein Hemd war heute richtig geknöpft, auch wenn es eher Zufall war.

Gleich nach dem Frühstück würde er seine erste Unterrichtsstunde haben und der Malfoyspross war sehr aufgeregt. Würde er es schaffen? Konnte er wirklich lesen und schreiben lernen oder war er noch zu klein, wie seine Amme einmal zu ihm gesagt hatte, als er gerade vier geworden war und auch so ein Buch lesen wollte, wie sie.

Zappelig verließ er sein Zimmer und flitzte nach unten ins Esszimmer. Dass er fast zwei Stunden zu früh dran war, wusste er natürlich nicht.

Lucius Malfoy saß bereits im Esszimmer. Die Nacht war zwar sehr kurz dafür aber überaus schön gewesen, doch er wollte das, was er und Narzissa gestern beschlossen hatten, mehr als gründlich durchplanen. Seine Angetraute schlief selbstverständlich noch. Und irgendwie hatte er den Drang verspürt, sich hier auszubreiten, anstatt in seinem Büro. Warum, konnte er auch nicht erklären, aber vielleicht hatte er ja auch geahnt, dass sein Sohn hier auftauchen würde, zu einer Zeit, in der er eigentlich noch schlafen sollte.

„Ja, Draco?", fragte Lucius nur, seinen Sohn ruhig musternd.

Der Junge war gleich hinter der Tür, die Klinke noch in der Hand, stehen geblieben. Der Tisch, der, statt zum Frühstück gedeckt zu sein, mit allerlei Papieren überfüllt war, hatte ihn innehalten lassen. "Ich.. wollte frühstücken.", meinte er und trat neugierig näher.

„Wir haben es erst sechs Uhr", erklärte Lucius und ließ sich in seinen Stuhl zurück sinken. „Frühstück gibt es erst in zwei Stunden."

"Oh...", hauchte Draco stirnrunzelnd. "Ist das lange? Kann ich so lang hier warten?", fragte er und kletterte in dem Moment auch schon auf den Stuhl direkt neben seinem Vater. "Was machst du?"

„Das ist noch sehr lange, aber wenn du mich nicht störst, darfst du gern bleiben.", erklärte Lucius und sah kurz auf seine Unterlagen. „Deine Mutter und ich haben gestern beschlossenen einen Weihnachtsball zu geben. Ich überlege grade, wen wir alles einladen könnten. Selbstverständlich nur Familien, die dieselben Ansichten haben wie wir, oder zumindest sehr ähnliche."

Draco wusste bereits, dass es nicht nur Bälle zum Spielen gab, weswegen ihn diese Aussage zumindest nicht verwirrte. "Was sind... Ansichten?", fragte er nachdenklich, weil ihm dieses Wort nicht geläufig war, und zumindest seine Amme hatte er immer alles fragen dürfen.

„Mit Ansichten meine ich die Einstellung, die jemand zu etwas haben kann", erklärte Lucius großzügig. Nun wo sie schon mal dabei waren, konnte er ihm auch gleich einiges erklären. Und es würde wohl auch mehr bringen, da sein Sohn Interesse daran zeigte.

„Ich habe die Ansicht, dass ein Hauself bestraft gehört, wenn er etwas unrechtes tut. Andere denken, dass ein Hauself auch ein Recht darauf hat zu leben, selbst wenn er zu alt ist, um seinen Pflichten nachzukommen." Das war das einfachste Beispiel, das Lucius grade einfallen wollte. Alles andere würde zu tief in die Verknüpfung der Blutlinien führen.

Der Junge legte den Kopf nachdenklich zur Seite. "Ich werd doch auch bestraft, wenn ich was schlimmes anstell... warum dann nicht auch Dobby..", meinte er und sah seinen Vater an. "Ich find das richtig so."

„Es ist ja auch richtig so, aber es gibt nun mal Zauberer, die sehen das anders", sagte Lucius. „Allerdings ist das nicht die Art von Ansicht, die mir wichtig ist bei den Leuten, die ich einladen möchte. Dabei geht es mir vor allem darum, dass sie ebenfalls der Meinung sind, die Muggel und vor allem Muggelgeborenen Hexen und Zauberer haben in unserer Welt nichts verloren."

"Muggel.", grübelte Draco einen Moment, ehe er lächelte. "Leute, die nicht zaubern können. Aber... bin ich auch ein Muggel, weil ich noch nicht zaubern kann?"

Lucius verschluckte sich beinahe in seinem Tee. Nur das jahrelange Training verhinderte, dass er nun heftig husten musste. „Du bist natürlich kein Muggel", sagte er dann streng. „Und dass du noch nicht Zaubern kannst, stimmt auch nicht. Würde ich dir einen Zauberstab geben könntest du ihn durchaus benutzen. Aber das wäre viel zu gefährlich, da du deine Magie noch nicht kontrollieren kannst. Die Gefahr, dass du dich selbst verletzt, wäre viel zu groß. Muggel dagegen haben diese Kräfte gar nicht und sie können sie auch nie erlangen."

"Oh... ich könnte schon zaubern?", fragte Draco, nachdem er sich von dem Schreck, dass sein Vater einen Moment so wütend aussah, erholt hatte. "Wann darf ich es lernen?"

„Mit elf bekommst du deinen ersten Zauberstab", antwortete Lucius.

Draco betrachtete seine Hand. "Ich bin... so alt. Fünf. Wann ist elf?"

„Noch mal so viel und noch einen Finger mehr", sagte Lucius sich dann wieder seinen Pergamenten zuwendend und den Namen seiner Schwägerin und ihres Mannes aufschreibend. Zudem standen schon alle andren Familien des inneren Zirkels des Lords auf seiner Liste. Nun galt es genau abzuwägen, welche der Grauen Familien er einladen konnte, ohne dass es Aufsehen erregte.

"Zwei Hände und ein Finger sind elf.", murmelte Draco vor sich hin, sichtlich zufrieden mit sich. Andererseits war das noch so furchtbar lange. "Kann man mit Zaubern alles richtig machen? Auch Schuhe binden?"

Lucius hob seinen Blick und sah Draco in die Augen. „Sicher kann man das, aber es wäre verschwendete Energie so etwas Einfaches wie Schuhe binden, mit einem Zauber zu machen."

Draco verzog schmollend das Gesicht. "Ich find es gar nicht einfach.", murrte er leise, während er mit den Beinen zu baumeln begann.

„Du musst nur genug üben", stellte Lucius sachlich fest.

"Hm...", kam dazu nur von dem Kleinen, der von Schleifen-binden-üben gar nichts hielt. Außerdem ging es doch so auch, wie er es machte. Und wenn Dobby ihm immer die Knoten weg zauberte, war ja auch alles ok.

Lucius beobachtete seinen Sohn nur aus den Augenwinkeln, sagte aber nichts weiter dazu. Er hatte jetzt wirklich keine Zeit seinem Sohn zu zeigen, wie es richtig ging. Er musste zusehen, dass er seine Gästeliste fertig stellte, um die Einladungen zu schreiben.

Draco wurde langweilig. Seufzend legte den Kopf auf die Tischplatte. "Wie lange noch, Vater?", murmelte er quengelig.

„Noch ein einhalb Stunden. Geh doch noch mal rauf auf dein Zimmer und beschäftige dich dort. Ich werde Dobby sagen, er soll dich holen, wenn es soweit ist", sagte Lucius.

"Ja. Ich werd mit meinen Rittern weiter spielen!", verkündete Draco und rutschte sofort von seinem Stuhl herunter. Ohne ein weiteres Wort an seinen Vater sauste er aus dem Esszimmer und die Treppe hinauf, auf dem Weg in sein Zimmer.

Lucius schüttelte darüber nur mit dem Kopf. Aber gut, noch konnte der Junge Spaß haben. Sobald Draco aber lesen konnte, würde er als sein Vater dafür sorgen, dass der Junge auch las und lernte. Spielen konnte man noch, wenn man seine Aufgaben erledigt hatte.

In der verbleibenden Zeit bis zum Frühstück schrieb Lucius Namen auf, strich sie wieder und grübelte darüber nach, wie er seinem Lord die Idee, die er hatte, schmackhaft machen konnte.

Doch dann räumte er zunächst die Papiere zusammen und brachte diese in sein Büro, damit die Hauselfen den Tisch decken konnten. Und auch Dobby erfüllte die ihm gestellte Aufgabe, so dass Draco pünktlich am Tisch sein konnte.

Als Dobby in seinem Zimmer erschien, sah Draco enttäuscht auf. "Gleich... ich muss nur noch die Burg erobern und die kleine Hexe retten.", murmelte er bettelnd.

„Dann wird junger Master aber zu spät zum Frühstück kommen", piepste Dobby. „Und das sieht Master gar nicht gern."

Einen Moment sah es wirklich so aus, als wäre es Draco egal. Doch dann stand er, alles stehen und liegen lassend, auf und ging auf Dobby zu, um sein Spielzimmer zu verlassen. "Ist es jetzt wirklich so weit?", fragte er dabei.

„Ja, junger Master, es ist gleich acht Uhr", versicherte Dobby und führte Draco ins Esszimmer, wo Lucius saß und wartete, dass seine Familie zum Essen erschien.

Draco ging sogleich zum Tisch und kletterte wieder auf seinen Platz. Beim Anblick des Essens, das sich schon auf dem Tisch befand, knurrte sein Magen laut. Beim Spielen hatte er gar nicht gemerkt, dass er so hungrig war.

Einige Augenblicke nach ihrem Sohn betrat auch Narzissa Malfoy pünktlich das Esszimmer und setzte sich auf ihren Platz ihrem Mann gegenüber. "Guten Morgen.", wünschte sie dabei.

Auch Lucius wünschte seiner Familie nun einen guten Morgen, und damit war das Frühstück eröffnet.

Sie aßen schweigend und Draco achtete wieder darauf, sich nicht schmutzig zu machen. Doch klappte das mit krümeligen Brötchen und kleckernder Marmelade nicht so wirklich, auch wenn seine Mutter ihm das Brötchen aufgeschnitten hatte, damit er sich nicht verletzte.

Narzissa beobachtete sowohl Draco als auch dessen Vater und hoffte, dass Lucius nicht allzu streng reagieren würde. Immerhin war der Junge erst fünf.

Lucius schwang nur einmal kurz seinen Stab und ließ die herunter geleckte Marmelade von der Kleidung seines Sohnes verschwinden. „Beim nächsten Mal nimmst du weniger, oder etwas das nicht herunter tropfen kann", wies er seinen Sohn beiläufig an.

"Aber.. das schmeckt so guuuuut.", meinte Draco und blickte zu seinem Vater. Sein Blick wirkte so brav, dass man ihm einfach nicht böse sein konnte. Zumindest normalerweise.

Narzissa schmunzelte. Der Junge hatte diese Blicke wirklich schon beinahe perfektioniert.

Lucius zog eine Augenbraue in die Höhe, während er in sich hinein lächelte. „Dann solltest du schnell lernen, sie richtig zu essen. Und bis du das kannst, nimmst du weniger", erklärte er ruhig.

Sofort verzog Draco das Gesicht zu einem süßen Schmollmund. "Das ist gemein.", beschwerte er sich leise maulend, den warnenden Blick seiner Mutter einfach ignorierend.

„Gut… dann wirst du für den Rest des Monats keine Marmelade mehr bekommen" sagte Lucius ruhig aber hörbar streng, damit sein Sohn wusste, dass es sein voller Ernst war. Und das war es in der Tat, denn je eher der Junge seine Worte überdachte, ehe er sie aussprach, desto besser wäre es für sie alle. Vor allem in Anbetracht des Weihnachtsballs.

Tränen fluteten die Augen des Jungen und in einem Anfall von unüberlegter Wut schleuderte er sein Gedeck quer über den Tisch, ehe er aufsprang und aus dem Zimmer rannte.

Lucius starrte seinem Sohn missmutig hinterher und erhob sich dann betont langsam. „Entschuldige mich bitte, Liebes", sagte er ruhig und ging dann auf das Zimmer seines Sohnes.

Ohne auch nur daran zu denken anzuklopfen, trat er ein.

Draco war gerade dabei in voller Wut sein so sorgfältig aufgebautes Spiel mit der Burg und den Rittern durch die Gegend zu schmeißen, weil er einfach viel zu wütend war. Dass er nicht mehr allein war, merkte er dabei nicht.

Lucius schnippte einmal kurz mit seinem Zauberstab und die durch die Gegend fliegende Figuren bleiben mitten in der Luft hängen. „Hättest du die Güte, mir zu erklären, was du da grade tust?", fragte Lucius ruhig. Zu ruhig würden die behaupten, die ihn kannten.

Der Junge, der im ersten Moment erschrocken und erstaunt zugleich auf seine Spielzeuge gestarrt hatte, wirbelte herum und starrte seinen Vater aus vom Weinen bereits roten Augen an. "Ich hasse dich!", schleuderte er ihm entgegen, ohne eigentlich zu wissen was Hass wirklich war.

„Sprich nicht von Dingen, die du noch gar nicht kennst", brummte Lucius, langsam wirklich richtig wütend werdend.

"Du bist gemein.", erwiderte Draco, ehe er die Arme vor der Brust verschränkte und seinem Vater schmollend den Rücken zudrehte. Mit gesenktem Kopf und fest zusammen gepressten Lippen stand er da und starrte zu Boden.

„Sieh mich an, wenn ich mit dir rede.", wies Lucius seinen Sohn an.

Doch wie Kinder in dem Alter nun Mal waren, reagierte Draco überhaupt nicht. Wenn es sein musste, würde er eine Stunde so dastehen und schmollen.

Lucius' Blick wurde finster und er trat auf Draco zu. Sicher hätte er ihn auch mit einem Zauber zwingen können, sich umzudrehen. Aber wenn er sich etwas geschworen hatte, dann keinen der Unverzeihlichen gegen seinen Sohn zu verwenden.

Fest packte er ihn an den Schultern und drehte ihn zu sich herum und packte ihm an Kinn, damit er in die grauen Augen des Fünfjährigen sehen konnte. „Dein Verhalten ist unter jeder Würde", erklärte er ihm leise. „Und so was kann und werde ich unter diesem Dach nicht tolerieren."

Mit sturem, verbissenem Blick sah der Junge zu seinem Vater auf, antwortete nichts darauf und machte auch sonst keine Anstalten irgendwie zu reagieren, außer dass er versuchte sein Kinn aus der Hand seines Vaters zu winden.

Lucius ließ seinen Sohn los und stand auf. „Du musst lernen dich zu beherrschen. Dein Auftritt war einfach peinlich", sagte er und warf einen abfälligen Blick auf die Burg und die Figuren, die immer noch in der Luft hingen. Mit einem weitern Wink waren diese Verschwunden. Und mit einigen weiteren Schwenkern war auch alles andere verschwunden. „Wenn du dich aufrichtig entschuldigt hast und auch weißt, was Benehmen ist, bekommst du etwas wieder. Und wehe dir, ich höre eine Beschwerde von deiner Lehrerin, dann gibt es noch eine Strafe oben drauf. Hast du mich verstanden?"

Mit stur gesenktem Kopf hatte Draco gar nicht mitbekommen, was seine Strafe sein sollte. Er rührte sich auch nach der abschließenden Frage nicht und antwortete nicht. Alles, was sich in seinem Kopf tat, waren drei Worte, die sich im Kreis drehten. 'Ich hasse dich!'

Lucius' Blick verfinstere sich Zusehens. „Eine Woche Stubenarrest. Dein Essen wirst du hier einnehmen", knurrte er und verließ dann das Zimmer die Tür hinter sich zuknallen lassend. Er würde seinem Sohn schon noch beibringen, zu gehorchen und zu antworten.

Narzissa befand sich auf dem Weg die Treppe hinauf, als sie ihren Mann mehr aus dem Zimmer ihres Sohnes kommen hörte, als sah. "Lucius?", fragte sie vorsichtig, als sie oben angekommen war.

„Draco bleibt bis nächste Woche auf seinem Zimmer. Und seine Spielsachen bekommt er nicht eher zurück, wie er weiß, wie man sich benimmt. Diesen Trotzkopf werde ich ihm schon wieder austreiben", sagte Lucius nur und ging in sein Büro, um sich seiner Arbeit zu widmen.

Vorher wies er jedoch die Elfen an, ihn zu informieren, wenn Dracos Lehrerin kam.

Narzissa seufzte leise, wusste aber auch, dass es falsch wäre, jetzt sofort zu Draco zu laufen. Der Junge musste wirklich schnell lernen, dass er seinem Vater besser sofort zu gehorchen hatte.

Weitere zehn Minuten stand Draco vollkommen still da, bis er sich endlich rührte und sich umsah. Entsetzt klappte sein Mund herunter, als er bemerkte, dass sein sämtliches Spielzeug weg war. Sofort rannte er zu den Schränken und sah hinein. Doch auch diese waren vollkommen leer.

Lucius arbeitete bereits eine halbe Stunde konzentriert an seinen Unterlagen, als Dobby erschien und Mrs. Eames ankündigte. Der Familienvater ging in die Halle und begrüßte sie angemessen, ehe er ihr erklärte, dass Draco Stubenarrest hätte und deswegen der Unterricht in dieser Woche auf seinem Zimmer stattfinden würde.

Alexandra Eames war eine Hexe von grade mal 40 Jahren. Sie war mit Leib und Seele Lehrerin und das seit sie die Schule abgeschlossen hatte. Die ersten Jahre, nach einem entsprechenden Studium, hatte sie tatsächlich Magie unterrichtet. Aber dann hatte sie ihre Liebe zu den Jüngsten entdeckt und war dazu übergegangen, Kindern magischer Familien eine Grundausbildung zu geben.

Und so war sie nun bei der Familie Malfoy angekommen und ließ sich vom Hausherren auf das Zimmer ihres zukünftigen Schülers führen.

Draco lag in einer Ecke auf dem Boden und spielte, indem er mit zwei Fingern über den Teppich 'ging'. Das war einer seiner Ritter, der gerade auf dem Weg in ein Schloss war.

Vor einer halben Stunde, nachdem er einige Minuten lang fassungslos auf die leeren Fächer seiner Schränke und Regale gestarrt hatte, war er sofort aus seinem Zimmer gelaufen, um zu seiner Mutter zu gehen.

Doch zu seiner großen Überraschung hatte sie ihn sofort dafür ausgeschimpft und zurück hierher gebracht. Zuvor hatte er gar nicht mitbekommen gehabt, dass er sein Zimmer nicht verlassen sollte. Doch nun erklärte seine Mutter ihm nicht nur, dass er hier bleiben musste, bis jemand ihm erlaubte wieder heraus zu kommen, sondern auch, wie er sein Spielzeug vielleicht wieder bekam.

Als sich nun also die Tür zu seinem Zimmer öffnete, stand Draco sofort auf und sah seinen Vater unsicher an. Sein Gesicht hatte vom Weinen viele rote Flecken und auch seinen Augen war deutlich anzusehen, dass er erst kürzlich mit dem Weinen aufgehört hatte.
"Ich möchte... mich entschuldigen, Vater.", wisperte er leise.

Lucius musterte seinen Sohn kurz. „Darüber reden wir später", sagte er nur. „Das ist deine Lehrerin, Mrs. Eames. Ich erwarte, dass du dich benimmst und mir keine Schande machst." Dann ließ er die beiden allein.

Alex sah dem Mann kurz hinterher, ehe sie selbst Draco begrüßte.

Dracos Blick schwamm schon wieder in Tränen, als sein Vater einfach ging. Doch dann sah er zu seiner Lehrerin auf und wischte sich schniefend übers Gesicht, weil seine Nase lief, anstatt nach seinem Taschentuch zu suchen. "Ha..Hallo.", hauchte er leise.

Mit einem leichten Schlenker ihres Zauberstabs hatte Alex ein Taschentuch beschworen und reichte es dem Jungen. „Putz dir die Nase und dann werden wir mal dafür sorgen, dass dein Vater stolz auf dich sein kann. Dann wird er deine Entschuldigung sicher auch bald annehmen", munterte sie den kleinen blonden Jungen auf.

Genau wie vorher mit dem Ärmel wischte sich Draco nun mit dem Taschentuch über die Nase, da er das richtige Putzen genau wie das Schuhe binden allein noch nicht wirklich beherrschte. "Wirklich?"

„Wir könnten es zumindest versuchen, meinst du nicht?", fragte sie und half dem Jungen dann, sein Gesicht wieder sauber zu bekommen. Für sie war Lehrerin zu sein, mehr als das sture Vermitteln von Wissen. Und da sie sich selbstverständlich auch in der Gesellschaft auskannte, in der sie sich bewegte, war es auch nicht schwer, ihren Schülern hier und da noch etwas mehr zu vermitteln. Natürlich nur Kleinigkeiten.

„Ja.", stimmte der Junge schüchtern zu. "Dann bekomm ich bestimmt mein Spielzeug wieder... oder?"

„Das ist die Entscheidung deines Vaters. Aber es würde sicher helfen, wenn du ihm zeigst, dass du lernen willst", meinte die Lehrerin und beschwor auf dem Tisch Pergament und Feder. „Setz dich."

Sofort lief Draco zum Tisch und kletterte auf den Stuhl. Dann betrachtete er fast schon ehrfürchtig die Feder. Eine ähnliche, wenn auch viel schöner, hatte er am Morgen bei seinem Vater liegen sehen. Vorsichtig strich er mit zwei Fingern darüber.

Die Lehrerin schmunzelte leicht und erklärte Draco dann, wie man so etwas am besten hielt. „Und dann tauchst du sie in die Tinte. Aber ganz vorsichtig und nur die Spitze", erkläre sie ihm. „Am besten übst du das erst mal und malst einfach ein paar Linien auf das Pergament."

Mit einem leichten Nicken befolgte Draco die Anweisungen und tunkte die Feder in die Tinte, ehe er mit zwischen den Lippen hervorschauender Zunge und vor Konzentration gefurchter Stirn begann, auf dem Pergament zu malen. Kreise und Linien und Wellen.

„Nicht zu fest drücken. Ganz vorsichtig", meinte die Lehrerin und half ihm etwas, indem sie seine Hand führte.

Draco war mit Eifer bei der Sache, weil er wirklich lernen wollte. Im Moment dachte er überhaupt nicht mehr daran, dass sein ganzes Spielzeug weg war und er es gerne wieder hätte.

Alexandra Eames machte noch eine Weile Federübungen mit dem jungen Malfoy. Dann begannen sie mit einfachen Buchstaben, dabei ging sie aber nicht der Reihe nach vor, sondern einfach wild durcheinander. Bis es Mittagessen gab.

„Dobby bringt das Mittagessen von jungem Master und soll Mrs. Eames in den Salon führen. Der Master möchte Mrs. Eames sprechen", erkläre der Hauself sich verbeugend.

Erst jetzt merkte Draco, wie hungrig er war und sah irritiert auf das Tablett. Dann erinnerte er sich aber wieder an das Gespräch mit seiner Mutter, dass er hier essen musste. Betrübt blickte er auf das Pergament, auf dem gegen Ende die Buchstaben wirklich schon lesbar waren.

„Iss erst mal und dann kannst du ja noch etwas üben. Und wenn dein Vater nach dir sieht, zeigst du es ihm. Aber übertreib dabei nicht und frag nicht nach deinen Sachen. Überlass ihm die Entscheidung. Zeig, dass du deine Strafe akzeptiert hast", riet sie dem Jungen noch, ehe der Hauself sie in den Salon führen konnte, wo bereits das Essen aufgetragen war.

„Mrs. Eames, darf ich Ihnen meine Frau vorstellen...", begrüßte Lucius sie. „Narzissa Malfoy. Narzissa, Alexandra Eames."

„Mrs. Malfoy, es freut mich Sie kennen zu lernen", begrüßte Alex die Frau ihres Arbeitgebers.

"Die Freude ist ganz auf meiner Seite.", erwiderte Narzissa lächelnd. "Setzen wir uns doch." Im Hinsetzen musterte sie die Frau vorsichtig. Sie schien nett zu sein und Narzissa hoffte, dass sie es auch während der Arbeit war.

Alex bedankte sich und nahm dann ebenfalls platz. Das essen roch wirklich köstlich. Die Hauselfen hier schienen ihren Job zu verstehen.

Lucius wünschte allen erst mal einen guten Appetit. Er würde sich später erkundigen wie Draco sich machte, falls seine Frau ihm diese Aufgabe nicht abnahm.

Einige Minuten aßen sie schweigend, ehe Narzissa ein Gespräch anfing. "Wie macht sich Draco nach den ersten Stunden?", fragte sie lächelnd nach.

„Gut. Er gibt sich große Mühe und ist mit Eifer dabei", antwortete die Lehrerin.

„Das ist gut so", war Lucius einziger Kommentar dazu. Er war zufrieden mit dieser Aussage. Draco schien zumindest für den Moment begriffen zu haben, wer hier im Haus das Sagen hatte.

Auch Narzissa lächelte, froh darüber, dass Draco sich bemühte. Allerdings sah sie es schon kommen, dass Vater und Sohn häufiger aneinander gerieten, da Draco die Sturheit und Verbissenheit seines Vaters wohl geerbt hatte.

Nach dem Mittagessen verbrachten Narzissa und Lucius noch etwas Zeit mit ihrer neuen Angestellten, um sich zu unterhalten und noch einige Formalitäten zu regeln. Dann war Dracos Pause auch schon vorbei und die Lehrerin ging wieder nach oben zu ihrem Schüler.

Da Lucius wieder in seinem Büro verschwand, ging die Hausherrin in ihren Teil des Manors, wo sich ein kleiner Salon und ihre eigene kleine Bibliothek befanden. Sie liebte es, hier ungestört zu studieren, da selbst Lucius sie hier normalerweise nicht behelligte.

Der Rest des Tages verging dann schneller, als man es hätte erwarten sollen. Und um 18 Uhr wies Lucius Dobby an, Draco zu ihm zu bringen. Denn sein Sohn hatte ihm ja schon heute morgen etwas sagen wollen und nun sollte er seine Gelegenheit bekommen.

Draco saß in seinem leeren Zimmer auf dem Boden und beschäftigte sich, indem er die Feder und das nun verschlossene Tintenfässchen, was ihm zusammen mit den beschriebenen und einigen leeren Pergamentseiten dagelassen worden war, als Material benutzte. Die Phantasie eines Kindes konnte schließlich mit fast allem etwas anfangen.

Als Dobby dann aber kam, stand er sofort auf, flitzte zum Tisch, um die beschriebenen Blätter zu holen, und folgte dem Elfen dann ins Arbeitszimmer seines Vaters. Mit einem strahlenden Lächeln flitzte er zu ihm und zeigte, was er geschafft hatte.

Lucius schenkte den Pergamenten jedoch zunächst keine offensichtliche Beachtung. „Du wolltest mir heute Morgen etwas sagen, mein Sohn", sagte er stattdessen, die Pergamente einfach nur auf den Schreibtisch legend.

Enttäuscht folgte Dracos Blick den Blättern, ehe er seinen Vater verständnislos ansah. "Ich... habs vergessen.", murmelte er leise und blinzelte. Doch dann fiel es ihm wieder ein. Er sollte sich entschuldigen. "Ich möchte mich entschuldigen.", erklärte er leise.

„Und wofür genau willst du dich entschuldigen?", fragte Lucius ruhig weiter nach. Er wollte sicher gehen, dass sein Sohn verstand, warum er bestraft wurde.

"Ich.. hab böse Dinge gesagt und.. nicht gehört...", murmelte er leise. An mehr konnte er sich nicht mehr erinnern.

„Was hast du gesagt? Und warum war das nicht richtig?", fragte Lucius weiter.

"Ich darf.. keine bösen Dinge zu dir sagen.", antwortete Draco und blickte unsicher zu seinem Vater auf. "Ich... weiß nicht mehr, was.. ich gesagt hab.", gestand er leise, während er nervös mit seinem Hemd spielte, dessen rechter Zipfel dadurch schon aus der Hose schaute.

„Du sollst mich doch ansehen, wenn du mit mir sprichst", bemerkte Lucius ruhig. „Außerdem hab ich dir doch gestern schon erklärt, dass ein Malfoy sich niemals seiner Taten schämt. Er steht zu ihnen, wenn er erwischt wurde."

Also hob Draco den Kopf wieder, auch wenn er nicht verstand, was sein Vater meinte. Er wollte doch alles richtig machen.

Lucius sah seinem Sohn fest in die Augen. „Dein Verhalten am Frühstückstisch war peinlich. Eines Malfoys absolut nicht würdig. Und ich will nie wieder von dir hören, dass du mich hasst. Nie wieder.
Ich bin dein Vater und das Oberhaupt dieser Familie. Was ich sage, hast du zu erfüllen, ebenso wie deine Mutter. Und dabei dulde ich keinen Widerspruch, egal wie wenig du meine Entscheidungen verstehst, oder du das nicht tun willst, was ich sage. Hast du das verstanden?" Seine Stimme war ruhig und hart bei diesen Worten.

Draco nickte hastig, ehe er sich daran erinnerte, dass er besser antwortete, wenn ihm eine Frage gestellt wurde. "Ja, Vater." Das kalte, harte Verhalten machte ihm gerade ein wenig Angst.

„Schön. Dann hoffe ich, dass du dich daran erinnerst, wenn du mal wieder daran denkst, dich wegen etwas Marmelade dermaßen aufzuspielen", knurrte Lucius schon fast, und griff dann nach dem Pergament. „Und nun wollen wir mal sehen, wie du dich am ersten Tag gemacht hast."

Damit ließ das Familienoberhaupt seinen Blick über das Papier gleiten und war dem sehr zugetan, was er sah. Zumindest für einen Fünfjährigen, der das erste Mal geschrieben hatte, war es nicht schlecht.

Mit einem Schwung seines Stabes standen zwei kleine Ritterfiguren auf seinem Schreibtisch. „Erwarte nicht jeden Tag eine so großzügige Belohnung für ein paar neue Buchstaben", sagte er und legte das Pergament hinzu. „Du darfst noch eine Stunde spielen. Dobby wird dir bescheid geben."

Die kleinen Hände grabschten sofort zu und drückten die Figuren wie einen Schatz an die Brust. Draco war schon auf halbem Weg zur Tür, als er sich noch einmal umdrehte und sich artig bedankte. Dabei funkelten seine Augen glücklich, wie sie es sonst wohl nur an Weihnachten taten. Dann flitzte er in sein Zimmer zurück.

tbc