Kapitel 5: Es schneit! – schon wieder
James
Die Marauder durchquerten gerade die Eingangshalle und wollte die Portale öffnen, als diese aufgingen und drei lachende Mädchen herein kamen.
Diese hatten die Jungs nicht einmal bemerkt und Lily knallte, wie es auch schon in Hogwarts war, in James hinein.
„Tut mir leid", murmelte sie.
„Macht nichts", sagte James. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, gingen die Marauder an den Mädchen vorbei und betraten die Geländer.
„Was war das gerade?", fragte Sirius und hielt James zurück, welcher nur mit den Schultern zuckte. „Evans rennt in dich hinein, entschuldigt sich und du … du … ach du weißt was ich meine!"
„Was soll das schon gewesen sein?", fragte James. „So eine Situation ist doch eigentlich ganz normal."
„Normal! Normal", schrie Sirius und gestikulierte wild mit den Armen. „Evans rennt in dich hinein, entschuldigt sich …"
„Das sagtest du bereits", unterbrach Prongs.
„… und du fragst sie nicht nach einem Date?" Sirius legte eine Hand auf die Stirn seines Freundes. „Nein, Fieber scheinst du keines zu haben! Hast du vielleicht was Falsches gegessen?"
„Es schneit!", wechselte James das Thema und wies auf etwas hin, was vielen schon aufgefallen war.
„Danke, ich sehe es", meinte Remus und zog seinen Umhang enger.
„Schon wieder", meinte Sirius genervt und starrte die Schneeflocken abwertend an. „Und du wechsele das Thema nicht", fügte er an seinen Freund gewandt hinzu.
James verdrehte die Augen.
„Lass ihn doch", meinte Remus.
„Ich sehe irgendwie nichts mehr"; meinte Peter.
„Dann setz Brillen auf", fuhr Sirius ihn an.
„Wenn du sauer auf James bist, dann brauchst du das nicht an uns auszulassen", stellte Remus klar. „Und Pete hat recht. Das Schneetreiben verstärkt sich merkbar."
„Dann gehen wir also wieder hinein?", fragte Peter und sah seine Freunde reihum an.
Sirius zuckte nur mit den Schultern, James hingegen meinte: „Wir könnten es uns in der Küche gemütlich machen und uns vielleicht ein paar Essensrationen mit in den Turm nehmen."
Sirius trat gegen einen kleinen Busch, von dem sofort der Schnee abfiel. Er hasste es und zeigte es auch offen, dass er es nicht mochte, wenn jemand ihm etwas verheimlichte. Vor allem von seinem besten Freund hatte er erwartet, dass dieser ihm vertraute, aber anscheinend gab es etwas, warum er ihm nicht vertraute und es ihm nicht anvertraute.
James hatte ihm immer alles erzählt, wieso jetzt nicht? Es musste etwa Schreckliches passiert sein … wahrscheinlich hatte ihm jemand einen Zaubertrank verpasst oder ihn unter einen Zauber gestellt?
Sirius schüttelte über seine absurden Gedanken den Kopf. Aber irgendwas war im Busch und er würde es schon noch herausfinden! Er war nicht um sonst ein Marauder!
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Lily
Leicht fielen die Flocken auf die Erde nieder. Carmen streckte ihre Zunge hinaus und fing ein wenig Schnee damit auf.
Lily hatte währenddessen, ganz unbemerkt zwei Schneebälle geformt und sie dann hinterhältig auf ihre Freundinnen geworfen, die sofort zusammen zuckten und sich nach der Übeltäterin umsahen, die sie frech angrinste.
„Na warte, das wirst du büßen", kam es von Clara.
„Ooh", sagte Lily und spurtete los. Sie konnte sehen, wie die Schneebälle an ihr vorbei sausten. „Hey, mit Zauberstab ist es unfair", rief sie über ihre Schulter hinweg. Sie blieb aber nicht stehen und wich geschickt den weißen Bällen aus, als sie dann plötzlich mit der Nase voran im Schnee lag.
„Ha", meinte Carmen triumphierend.
Ein großer Schneeball hatte sie am Rücken getroffen und sie umgeworfen.
Ihre Freundinnen lachten, als sie Lilys weißes Gesicht sahen. Beide reichten ihr eine Hand und zogen sie auf.
„Das bedeutet Krieg", meinte Lily gefährlich und zog ihren Zauberstab.
Keine von ihnen schenkte den anderen etwas. Es ging um Leben und Tod oder besser gesagt, darum, am meisten zu treffen.
„Der Schnee verdichtet sich", meinte Lily und strich sich eine nasse Haarsträhne hinter ihr Ohr. „Gehen wir wieder hinein?"
„Ok", meinten Carla und Carmen.
Von oben bis unten mit Schnee bedeckt, gingen sie auf das Portal zu und zauberten nur noch schnell den Schnee von ihren Umhängen und betraten lachend das Schloss. Was sie nicht bemerkten war, dass jemand in der Halle war und sie, da sie nicht geschaut hatten, war Lily geradewegs in diese Person gekracht.
„Tut mir leid", murmelte sie, als sie erkannte, ihn wen sie da gerade gerannt war. Sie war nur dankbar, dass ihre Wangen durch die Kälte rot waren, so dass niemand sehen konnte, wie rot sie war. Es war ihr peinlich, dass sie in ihn gerannt war, wieso wusste sie selbst nicht. Wenigstens lag keiner von ihnen am Boden.
„Macht nichts", sagte James und ohne ein weiteres Wort zu sagen, gingen sie an den Mädchen vorbei.
Carla und Carmen hackten sich grinsend bei ihr unter. „Was war das denn eben?", wollte sie wissen.
„Was soll schon gewesen sein?", fragte Lily unschuldig dreinblickend.
„Du kannst dich nicht herausreden. Du bist in Potter gerannt, hast ihn nicht angefaucht, …"
„… ihn nicht beschimpft, warst sogar freundlich zu ihm …"
„… und du hast dich entschuldigt."
„Habt ihr euch abgesprochen wer was sagt, oder wie darf ich das verstehen?", fragte Lily misstrauisch. „Ich war halt nur höflich."
„Ja klar", meinte Carmen und ihre Stimme triefte nur so vor Sarkasmus. „Vor ein paar Tagen hast du ihn noch angegiftet und was weiß ich noch alles gesagt und jetzt bist du höflich? Was hat dieser Typ eigentlich mit dir gemacht? Verflucht? Einen Zaubertrank gegeben?"
„Nein, gar nichts und euch braucht das gar nicht zu interessieren. Das ist nur eine Sache zwischen ihm und mir", fauchte Lily.
„Also läuft da was?", fragte Carla.
„Nein", schrie Lily beinahe. Sie atmete tief durch, ehe sie weiter sprach. „Hört einfach auf ja? Wir haben eine normale Unterhaltung geführt und mehr braucht ihr auch nicht zu wissen! Und wenn ihr das noch einmal ansprechen solltet, werde ich ungemütlich!"
Carla und Carmen warfen sich nur einen Blick zu, dann rannten sie Lily auch schon hinterher, die schnellen Schrittes die Treppe empor ging. Irgendetwas war hier faul und zwar ganz gewaltig. Sie wussten, dass hier etwas vor sich ging, aber niemand schien ihnen etwas zu sagen. War es ein neuer Scherz? Wenn ja, fanden sie ihn nicht gerade sehr prickelnd und witzig.
