Merlin läuft in Havgans Zelt auf und ab, als plötzlich ein junger Mann eintritt. Verblüfft sieht er ihn an. "Ich bitte um Entschuldigung. Aber Havgan sagte mir, dass ich in sein Zelt gehen sollte. Ich wusste nicht, dass er Besuch hat. Ich werde Euch natürlich sofort wieder verlassen. Ich bitte nochmals um Entschuldigung." Merlin sieht ihn an. Der Junge dreht sich um und will das Zelt wieder verlassen, als Havgan eintritt. "Es geht los." Er sieht Merlin an. "Bist du bereit Emrys?" Merlin nickt. Pelleas sieht sprachlos von Havgan zu Merlin. Der alte Druide lächelt. "Die Vorbereitungen für das letzte Opfer laufen an. Es wird eine große Versammlung um den Steinkreis herum geben. Alle werden dabei sein wollen, wenn der König geopfert wird. Das ist deine Chance. Du hast nur diese. Nutze sie." Dann sieht er zu Pelleas. "Komm lass uns gehen." Der junge Druide nickt. Dann folgt er dem Oberdruiden aus dem Zelt.
Als Havgan den Steinkreis erreicht, sieht er, dass er Recht hatte. Um den Opferstein herum, hat sich eine große Menschenmenge versammelt. In der Mitte von ihnen steht Mordred. Er lächelt entspannt. "Freunde. Jetzt dauert es nicht mehr lange. In zwei Stunden haben wir es geschafft. Dann ist die Zeit gekommen. Dann haben die Sonne, der Mond und die Erde ihre besondere Konstellation eingenommen. Dann wird Alvarr den König opfern. Erst dann werden wir frei sein." Die Menge jubelt und grölt. Arthur liegt in der Mitte des Steinkreises auf dem Opferstein. Er hat seine Augen wieder geschlossen. Für einen Moment hat er versucht, die Menschen um ihn herum anzusehen. Aber der Hass, der ihm entgegen geschlagen ist, konnte er nicht lange ertragen. Noch zwei Stunden. Er hat also noch zwei Stunden zu leben. Wo bleibt nur Merlin? Der Alte sagte, er ist bereits im Lager. Und dann ist da noch Gwen. Wie lange wird sie den Angriff auf das Lager noch hinauszögern können? Er seufzt leise vor sich hin. Die Menge um ihn herum nimmt das alles nicht wahr. Sie ist vollkommen im Rausch. Die Menschen haben alle Zweifel ausgeblendet. Ausgelassen feiern sie ihr Fest. Ausgelassen warten sie auf den großen Moment.
Plötzlich dringt eine Stimme in den Geist aller Anwesenden. "Arthur? Arthur könnt Ihr mich hören?" Es ist Merlin und er ruft seinen König per Gedankenrede. Für einen Moment sind alle Anwesenden verblüfft. Dann brechen sie in schallendes Gelächter aus. Allen voran Mordred. Dann antwortet er an Arthurs Stelle in Gedankenrede: "Emrys, schön das du uns beehrst. Aber du solltest doch wissen, dass nur Wesen mit Magie die Gedankenrede verwenden können. Ich habe dich für schlauer gehalten." Erneut folgt schallendes Gelächter. Aber Merlin hält nicht inne. "Arthur? Bitte Ihr müsst mir antworten. Vertraut mir." Das Lachen ist jetzt ohrenbetäubend. "Emrys, wo warst du? Ich habe auf dich gewartet."
Plötzlich ist es totenstill. Das Lachen ist in ihren Gesichtern eingefroren. Die Menschen sehen sich um. Fassungslos sehen sie einander an. Mordred dreht sich zu Arthur um. "Wie ist das möglich?" Er sieht auf Arthur hinab. Der gibt ihm jedoch keine Antwort. Stattdessen ist es erneut Merlin, der per Gedankenrede mit seinem König kommuniziert. "My Lord, schön eure Stimme zu hören." Der König lächelt. "Das kann ich so zurückgeben. Aber wieso .. " Weiter kommt er nicht. Es ist Merlin, der wieder das Wort ergreift. "Ich dachte, es ist Zeit, den Menschen hier zu zeigen, dass Ihr die Magie nicht verachtet. Dass Ihr mich akzeptiert habt, mich einen Zauberer. Dass Ihr meine Magie akzeptiert habt. Und dass Ihr nicht davor zurückscheut, sie auch selbst zu nutzen." Arthur schüttelt den Kopf. "Nein, tu das nicht. Geh nach Hause. Du musst das Königreich beschützen. Du musst Gwen beschützen. Wenn du dich hier offenbarst, gibt es kein zurück mehr. Alle werden wissen, wer du bist. Dann bist du ein zu leichtes Ziel. Camelot braucht dich."
Die Menschen um den Steinkreis herum schweigen noch immer. Schweigend und hilflos sehen sie sich um. Das sind nicht die Worte des Königs, die sie erwartet hatten. Das sind nicht die Worte eines Mörders. Das sind nicht die Worte eines Königs, der alle Zauberer töten will und der die Magie für den Rest des Lebens verboten lassen will. Verwirrt sehen sie in die Runde. Nur Mordred ist wütend. Darauf war er nicht vorbereitet. Das hat er nicht kommen sehen. Wieso kann der König per Gedankenrede kommunizieren? Wütend schreit er dazwischen. "Komm raus Emrys! Komm raus und befreie deinen König! Komm hierher in den Steinkreis zu mir!" Aber Merlin ignoriert ihn einfach weiter. Stattdessen redet er erneut mit Arthur. "Arthur, Ihr wisst, dass ich Euch nie sterben lassen könnte. Eher würde ich mein eigenes Leben für Euch geben."
Wütend schreit Mordred jetzt erneut herum. "Komm raus! Wieso verkriechst du dich du Feigling? Komm raus!" Er hat sehr wohl bemerkt, was hier vor sich geht. Der große Zuspruch der Menschen um ihn, er lässt nach. Stattdessen steht jetzt Zweifel in ihren Gesichtern. Wenn er nicht aufpasst, werden sie sich gegen ihn wenden. Er schreit erneut. "Komm raus Emrys! Zeig dich!" Jetzt ist es Arthur, der sich einschaltet. "Tu das nicht! Das ist viel zu gefährlich. Sie sind viel zu viele!" Fassungslos sehen die Menschen zum König in der Mitte des Steinkreises. Der mächtige König von Camelot macht sich tatsächlich Sorgen um einen Zauberer.
