Wie die anderen heute gebräuchlichen Monatsnamen leitet sich der Begriff April von seinem lateinischen Äquivalent ab: Aprilis. Wo dieser Name seinen Ursprung hat ist jedoch nicht abschließend gesichert. Es existieren folgende Theorien: Der April geht auf das lateinische Wort aperire (öffnen) zurück, da die Natur in dieser Jahreszeit aus ihrem Winterschlaf erwacht und sich die Knospen öffnen.
Wie mehrere andere Monate ist der April einer Gottheit gewidmet – in diesem Fall der griechischen Göttin der Liebe, Aphrodite.
Möglich ist auch, dass der Name seinen Ursprung im lateinischen Wort apricus (sonnig) hat.

Kapitel 4 - April

Wie jeden Donnerstag fuhr er Kenneth Calderwoods Auffahrt hoch. Kenny war Jonathans älterer Cousin väterlicherseits. Auch wenn er sieben Jahre älter als Jonathan war, hatten sie doch immer ein freundschaftliches Verhältnis gehabt.

Sein Cousin stand im Garten und drehte das Fleisch im Smoker, erklärte ihm Kennys Frau Judith vom Küchenfenster aus. Ihr rötlich-braunes Haar erinnerte ihn im fahlen Abendlicht des Februars an Martha.

Er winkte ihr zu und ging hinaus in den Garten. Ein kleines Radio stand neben Kenny auf dem Tisch und spielte leise Oldies. Inzwischen sah man Ken seine sechsundfünfzig Jahre an. Er hatte Bluthochdruck, Diabetes und eine Raucherlunge. Aber von seinen Rippchen und seinen Zigaretten konnte ihn Jude nicht abbringen.

Auch jetzt hatte der ältere Mann eine Zigarette in der Hand. Die Schachtel rote Marlboros steckte in seiner Westentasche.

"Im Cooler ist Bier." Der andere Mann wies mit einem Nicken auf den Schuppen. Jonathan antwortete nicht, sondern ging hinein und brachte zwei Flaschen heraus. Einige Zeit redeten sie über Nachrichten und Sport.

Dann fragte Jonathan: "Wann kommen die anderen?"

"Gar nicht." Ken zog an seiner Zigarette. "Ross musste zu seiner Familie nach Gainsville, David ist krank, da hab ich Tate auch abgesagt. Wollte sowieso mit dir reden."

Jonathan hob die Brauen.

"Worüber?"

Der ältere warf ihm einen dunklen Blick zu, dann seufzte er. "Ganz ehrlich, Johnny. Ich würde nicht fragen, weil's mich nichts angeht. Aber Jude liegt mir ständig in den Ohren damit."

Jonathan machte eine Geste die Ken zeigen sollte das er fortfahren konnte.

"Die kleine Lang ist in letzter Zeit oft bei dir."

Die Worte lösten eine sofortige Abwehrhaltung bei ihm aus. Er zog die Brauen zusammen und legte den Kopf etwas zurück.

"Ja, und?"

Kenny seufzte und sah seinen Cousin an, als wolle er ihn bitten es ihm einfacher zu machen. Jonathan dachte nicht daran. Wenn er etwas wissen wollte, musste er fragen.

"Was ist mit dir und dem Mädchen?"

"Nichts ist mit mir und dem Mädchen." Er nahm einen tiefen Zug des kalten Bieres, stellte es dann auf den Tisch.

"Ach komm schon, Johnny. Eine von Judes Freundinnen hat euch beim Einkaufen gesehen." Jonathan dachte an Hunderte kleine Momente die jemand gesehen haben könnte. Nichts davon erschien es ihm wert darüber zu diskutieren.

Trotzdem fühlte er etwas in seiner Brust, etwas wie ein Zwicken, das ihn eines Besseren belehrte mit der Feststellung das er keinen dieser Momente teilen wollte. Das sie alle ihm gehörten. Der Gedanke das sich jemand herausnahm darüber zu urteilen gefiel ihm nicht.

"Dann weißt du schon alles." Er verschränkte die Arme.

"Ach ja?"

"Ja, wir gehen einmal die Woche zusammen einkaufen. Ich helfe ihr das Zeug zum Talon zu bringen."

Er ließ wohlweislich das Frühstück aus. Wieso, konnte er nicht recht sagen.

"Und das war's?"

"Was denkst du eigentlich von mir, Ken?"

"Die Leute reden, Johnny. Das tun sie immer, werden sie immer tun. Ich wollte dich nur darauf aufmerksam machen, falls da was am Laufen ist."

"Da ist nichts am Laufen." stieß er verärgert aus. "Sie hat mir geholfen."

"Geholfen?"

Jonathan seufzte und rieb seine Stirn, hoffte das Kenny sein Gesicht nicht sehen konnte.

"Wir sind deine Familie, Johnny. Wir können dir helfen."

"Du willst mir erzählen das es dir nicht peinlich gewesen wäre wenn ich in deinen Armen geheult hätte?"

Kenny sah beschämt fort. Er druckste etwas herum.

"Hmm, ja doch." er hüstelte und wandte sich der Fleischzange zu, hantierte am Smoker herum obwohl es zu früh war das Fleisch zu drehen. Schließlich fragte er: "Das hat sie für dich getan?"

Jonathan nickte widerstrebend. Es ging ihn nichts an, dachte er. Das ging niemand etwas an.

Doch Kenny war sein Cousin, er war außerdem ein guter Freund.

"Du weißt wie mein alter Herr war, Ken. Du weißt es besser als jeder andere. Er war für dich fast ebenso ein Vater wie für mich. Er war weiß Gott nicht das beste Vorbild für den gesunden Umgang mit Emotionen."

"Oh ja," meinte Ken und presste die Lippen zusammen. "Ich habe mich neulich an Grannies Beerdigung erinnert."

Jonathan biss die Zähne aufeinander.

"Wie alt warst du da? Dreizehn?"

"Elf."

"Ich weiß noch wie meine Mutter geweint hat, als sie den Sarg runter gelassen haben. Ich hab gedacht mein Herz bricht. Aber Onkel Samuel stand da und verzog keine Mine."

Jonathan sah auf den feuchten Boden. Seine Stiefel sanken etwas ein. Ja, er erinnerte sich auch daran. Es war eine derer die er lieber vergessen wollte. Seine Tante hatte immer wieder geschluchzt. Er hatte sie nur ansehen müssen und die Tränen waren unaufhaltsam über sein Gesicht gelaufen. Sie hatte ihn in den Arm genommen und gedrückt. Ihm liebe Worte ins Haar geflüstert. Er erinnerte sich an ihre Hände, die ihm die Locken aus der Stirn gestrichen hatten.

Als sein Vater kam und ihn weinen sah hatte er ihn taxierend angeschaut. Jonathan würde den Blick niemals vergessen. Später, als er dann versucht hatte ihn zu umarmen, weil sein Leid so groß war, weil seine Granny tot war und es so wehtat, hatte sein Vater ihn auf Abstand gehalten und gesagt: 'Du bist kein Kind mehr, Jonathan. Männer umarmen sich nicht. Hör auf zu weinen, Sohn.'

Die Hand die auf seiner Schulter lag, drückte so fest zu das es nicht einmal ein kleiner Trost war. Nein, es war beinahe eine Drohung.

Jonathan war ab diesem Moment kein Kind mehr gewesen. Nicht in den Augen seines Vaters und nicht in seinen eigenen. Er hatte immer gedacht er wäre unbeschadet aus Samuel Kents Erziehung hervorgekommen, doch jetzt, nach Marthas Tod, erkannte er das dem nicht so war.

Er hatte Clark zwar in der Arm genommen als er um seine Mutter geweint hatte, hatte es selbst aber nicht fertig gebracht zu trauern. Er musste stark sein. Die Vorstellung los zu lassen war ihm unmöglich erschienen.

Es war einfacher nichts zu empfinden oder unerklärliche Wut. Freunde und Familie hatten sich davon abschrecken, täuschen lassen. Natürlich, so wollte er es ja auch. Sie sollten denken das er es aushielt. Denn das war es was ein Mann tat. So hatte es ihm sein Vater beigebracht.

Erst Lana hatte das geändert. Sie hatte ihm die Erlaubnis gegeben zu weinen und ihm gesagt das es ok war. Sie hatte ihm die Erlaubnis gegeben schwach zu sein. So wie Martha es getan hätte, wäre sie da gewesen. Doch es war leichter es in ihren Armen zu tun. Sie gehörte nicht zu seiner Familie. Für sie musste er nicht stark sein.

Er würde es ihr nie vergessen oder vergelten können.

Das Jemand in ihrer Selbstlosigkeit etwas anderes sah, etwas Schmutziges oder Anrüchiges, machte ihn wütend.

"Es ist mir egal was die Leute über mich sagen, aber Lana Lang ist ein gutes Mädchen. Wenn ich hören sollte das jemand etwas Schlechtes hinter ihrem Rücken über sie erzählt bekommt er es mit mir zu tun." Jonathan sah Ken sehr ernst an. Er meinte jedes Wort. Sein Cousin lenkte schließlich ein und nuschelte eine Entschuldigung.

"So, ich habe gefragt, das sollte Jude zufrieden stimmen."

"Wenn sie noch etwas zu der Sache zu sagen hat kann sie zu mir kommen. Ihre Freundinnen sollen sich um ihre Angelegenheiten kümmern."

Kenny nickte lediglich. Das Thema war beendet.

"Alles in Ordnung?" fragte Lana gerade und trat neben ihn an das Kühlregal. Er antwortete nicht sondern starrte stirnrunzelnd auf eine Packung FroJo. Manchmal war er wirklich unfreiwillig komisch.

"Was ist Frozen Joghurt?"

"Das was es sagt, Mr. Kent." meinte Lana amüsiert und schlang ihre Arme um sich selbst gegen die Kälte. Er sah sie mit diesem Blick an, als wolle er sagen Nicht in diesem Ton, junge Dame.

"Wirklich, es ist gefrorener Joghurt. Sehr lecker. Und viel kalorienbewusster als Eiscreme."

Ein Schnaufen.

"Du und dein Kalorienreduziertes Zeug."

"Sie haben gesehen wie viel ich essen kann, Mr. Kent. Aber wenn ich Kalorien sparen kann, dann tue ich das."

"Hmm."

"Wir haben welches im Talon. Warum kommen sie nicht vorbei und probieren es?"

"Hmm, vielleicht." Er sah sie wieder skeptisch an. "Lana, mimm meine Jacke, bevor du erfrierst. Deine Lippen sind blau."

"Es ist nur—"

"Nimm die Jacke, Lana."

Sie lag über dem Einkaufswagen. Im Geschäft trug er sie nie. Egal wie kalt es war. Etwas zögerlich griff sie danach und schlüpfte herein. Es war ja nur für einige Augenblicke bis sie aus der Kühlabteilung kamen.

Er sah sie mit einem wie sie fand sehr väterlichen Blick an.

Sie arbeiteten sich durch die Kühlabteilung.

Mr. Kent beugte sich über die Kühltruhe und hielt eine Packung Mocha-Minz Eiscreme hoch. Es war sogar von der richtigen Firma, die die gute Schokolade verarbeiteten. Gott, sie liebte diese Eiscreme.

"Wahrscheinlich gibt es das auch als FroJo?"

Lana spürte wie ihr Gesicht rot wurde.

"Nein, das gibt es nicht."

"Also brauchst du deine Eiscreme?"

"Ich habe noch welche, danke." stammelte sie. Er legte das Eis zurück und schloss die Truhe. Erstaunlich was er alles über sie wusste durch so ein bisschen Einkaufen. Erstaunlich was sie alles über ihn wusste. Lana sah etwas angespannt auf ihr Handy und hackte die letzten Punkte ab.

"Brauchen Sie noch etwas?" fragte sie ohne ihn anzusehen.

"Nur noch mein After Shave."

Auf dem Weg zur Kasse machten sie einen Abstecher zur Drogerie Abteilung. Ohne zu zögern griff er nach der eindeutig erkennbaren grünen Flasche mit dem langen Hals.

Er benutzte also Brut. Lana hatte immer gedacht das nur alte Herren Brut benutzten. Sie versuchte sich an den Geruch selbst zu erinnern und scheiterte.

Stattdessen kam ihr Gehirn mit dem Bild daher wie Jonathan Kent nach dem Rasieren vor dem Spiegel stand und die Lotion auftrug. Was an sich nicht sonderlich nennenswert wäre, aber warum trug er kein T-Shirt?

Nun ja, selbst Lana hatte bemerkt das sich unter dem Flanell mehr verbarg als man meinen mochte. Sie blickte zur Seite in die Regale, plötzlich seltsam befangen.

"Was ist los?" Er schob den Einkaufswagen um sie herum. "Du bist doch nicht noch wegen der Eiscreme eingeschnappt?"

Lana sah auf, erstaunt darüber das er bemerkt hatte das etwas nicht stimmte. Sie setzte ihr Lächeln auf und lenkte ab indem sie auf die Flasche zeigte.

"Ach nein, ich weiß doch wie gern Sie mich aufziehen." Sie zog ihre Brauen hoch in die Stirn. "Aber… Brut? Wirklich?"

Stirnrunzelnd blieb er stehen und sah auf das After Shave.

"Was ist verkehrt an Brut? Weißt du überhaupt wie es riecht?"

"Natürlich!" sagte sie sofort. Die Alternative, nein zu sagen, brachte ihr Gehirn darauf sich vorzustellen wie er sie an sich riechen ließ. Lana blinzelte verwirrt bei dem Gedanken.

Er schüttelte den Kopf und schob den Einkaufswagen weiter.

"Es ist ein guter Duft. Nicht aufdringlich, trotzdem männlich, aber nicht übermäßig. Ich bin ein Brut-Mann seit ich mich rasieren kann."

Sie sprachen einige Zeit nicht, kamen zur Kasse und kümmerten sich um die Einkäufe. Als alles in Tüten eingepackt war zeigte Lana nach draußen. Es regnete. Mr. Kent seufzte.

"Unser Glück."

Sie eilten zum Auto und räumten alles fluchend auf die Pick-up Fläche. Er schob sie dann in Richtung Tür und hechtete über den Parkplatz um den Wagen wegzubringen. Lana saß im Pick-up und beobachtete ihn im Rückspiegel.

Sie trug noch immer seine Jacke, fiel ihr plötzlich auf, wenn er zurück kam wäre er durchgeweicht.

Dann erinnerte sie sich an die Frage ob sie wusste wie Brut roch. Verstohlen zog sie die gefütterte Jeansjacke an ihre Nase und sog den Duft ein. Sie war plötzlich sehr warm. Auch an Stellen an denen sie es vielleicht nicht sein sollte. Aber der Geruch war… Es war sehr angenehm.

Sie roch Heu, Bergamotte oder irgendetwas anderes leicht würziges. Da war auch eine blumige Note, Jasmin vielleicht? Und darunter lag sein Geruch. Sie presste den Stoff gegen ihre Nase und schloss die Augen. Die Wärme in ihrem Bauch wurde intensiver.

Das Öffnen der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Sie ließ den Stoff los und sah hinüber, als sich Mr. Kent in den Sitz neben sie gleiten und die Tür zuknallen ließ.

"Sie sind ganz nass!" sagte sie unnötigerweise.

"Ich hatte vergessen das du meine Jacke hast." meinte er zerknirscht und fuhr sich durch das nasse Haar.

Sie sah ihn bedröppelt an.

"Du wirst es wieder gut machen müssen in dem du mir Pancakes machst."

Sie unterdrückte ihr Lächeln. "Ok. Irgendwelche besonderen Wünsche?"

"Ich bin abenteuerlustig. Überrasch mich." sagte er und fuhr aus der Parklücke.

Am Talon angekommen hatte der Regen aufgehört. Das Erste was er tat als sie vor dem Laden standen war es sein Hemd auszuziehen und auf den Rücksitz zu schmeißen. Doch selbst das T-Shirt war durchnässt. Nicht so schlimm wie das Hemd, aber Lana fiel es für einen Moment schwer den Blick von ihm abzuwenden.

Lana hatte nie verstanden warum Männer sich Frauen in nassen T-Shirts ansahen. Doch sie begann den Sinn dahinter zu verstehen.

Sie schlüpfte etwas verlegen aus seiner Jacke und reichte sie ihm ohne ihn anzusehen.

Verdammt, dachte sie und schüttelte den Kopf über sich, sie brauchte einen Mann. Wie schlimm musste es um ihre Libido bestellt sein wenn sie anfing Mr. Kent anzuschmachten?

Nicht das er schlecht aussah, aber… Aber das war einfach nicht richtig. Er war Marthas Ehemann. Der Vater ihrer ersten großen Liebe.

Seine starken Arme zu bemerken war eine Sache, aber alles andere…

Ja, sie brauchte einen Mann. Doch da sie nicht der Typ für One Night Stands war, würde es wahrscheinlich ein heißes Bad und ihr Vibrator werden. Morgen sähe die Sache schon wieder ganz anders aus.


Natürlich hatte Lana recht behalten. Sie hatte Beyonces Dangerously In Love LP aufgelegt und ihre Zeit allein genossen. Ja, ein Bad und ein Orgasmus hatten ihre Weltanschauung wieder ins rechte Licht gesetzt.

Sie brauchte keinen Mann. Sie war eine starke, unabhängige Frau. Sie konnte so gut wie alles selbst. Auch für ihre Orgasmen sorgen.

Während dessen hatte sie einer wahllosen Fantasie nachgehangen. Charlie Hunnam war immer ein gern gesehener Gaststar und vorallen Dingen musste sie sich danach nicht schuldig fühlen.

Wenn Lana danach wohlig warm in ihr Bett fiel und vor dem Einschlafen glaubte den bekannten Geruch von Bergamotte und Jasmin zu riechen und warme Arme um sich zu spüren, dann war das nur ein dummer Zufall.

Der Rest der Woche war nur so verflogen. Sie hatte sich vor einigen Tagen mit Chloe getroffen, hatten selbstgemachte Cocktails getrunken und Vampire Diaries geguckt. Chloe maßregelte Lana darüber das sie zu wenig Zeit mit ihren Freunden verbrachte. Sie hatte ja recht.

"Bist du immer noch dabei Mr. Kent zu retten?"

Lana lachte und nahm einen Schluck ihres Screwdrivers.

"Er muss nicht gerettet werden. Er braucht nur jemand."

"Du meinst dich."

"Er braucht einen Freund, jemand der ihm beisteht."

"Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen das er keine Freund hat."

"Das meinte ich nicht. Und doch, er hat Freunde. Glaube ich. Zumindest erzählte er neulich vom Poker spielen bei seinem Cousin. Und er hat einen guten Freund in Metropolis, den er aber nicht mehr so oft sieht."

Chloe sah sie seltsam an. "Aha. Ok. So genau wollte ich es eigentlich nicht wissen. Themawechsel! Wie sieht es an der Männerfront aus!"

Lana seufzte und ließ den Kopf zurück auf die Couch fallen.

"Nada. Ich habe eine Durststrecke."

"Da sind wir ja schon zu zweit." Chloe goss ihnen beiden nach und warf dann einen Blick auf den Bildschirm. Sie goss beinahe daneben. "Ich würde jedenfalls Stefan Salvatore nehmen."

"Oh, nun komm, Damon ist viel heißer!"

"Er ist ok."

"Zumindest würden wir uns heute nicht mehr in die Quere kommen was Männer angeht."

Die beiden Frauen stießen darauf an und tranken genüsslich den Alkohol.


Lana stapfte die Treppen zu ihrer Eingangstür hinauf. Vor Wut zitternd kämpfte sie mit den Hausschlüsseln. Als die Tür aufschwang, stöhnte sie vor Erleichterung. Mit dem Absatz ihres Stöckelschuhs trat sie die Tür wieder zu. Das Knallen war beruhigend für ihre aufgebrachte Seele. Sie streifte die schwarzen Schuhe ab, schmiss die ebenfalls schwarze Tasche in die Ecke und ging ins Wohnzimmer.

Sie musste sich nur beruhigen, das war alles. Unruhig ging sie auf und ab, unfähig die Gefühle einfach abzustreifen.

Lana tigerte in die Küche und öffnete den Kühlschrank um sich den Rest des Wodka den sie und Chloe übrig gelassen hatten, in ein hohes Glas zu gießen. O-Saft hatte sie keinen mehr, sie trank es pur. Es brannte und sie verzog den Mund.

Dann griff sie zum Telefon und rief Chloe an. Aber es antwortete nur die Mailbox: "Hier ist Chloe Sullivan. Hinterlasst mir eine Nachricht."

Lana stammelte eine Nachricht zusammen, sie wusste Chloe würde sofort zurück rufen wenn sie es hörte.

Nach langem überlegen rief sie Nell an.

"Ich bin es." sagte Lana leise und ließ sich auf dem Boden vor der Couch nieder.

"Was ist los, Kleines?" fragte ihr Tante abgelenkt. Lana hörte das Klingeln der Schlüssel. Nell schloss gerade den Laden ab. Lanas Schuldgefühle kämpften mit dem Bedürfnis mit jemand zu reden.

"Ich hab Jason getroffen." Nell hielt inne.

"Schätzchen, bist du ok?"

Lana seufzte.

"Ja… Nein… I-ich weiß es nicht." Sie schüttelte den Kopf und nahm einen weiteren Schluck Wodka. Die Erinnerung brannte sich durch ihre Eingeweide, so wie der Wodka.

"Er hat eine neue Freundin." Lana sah stellte das Glas neben sich auf den Boden und begann an ihrer Nagelhaut herum zu spielen.

"Oh nein, Schätzchen, sag mir nicht das du noch Gefühle für diesen Kerl hast…"

Lana hielt inne und verneinte sofort. "Natürlich nicht, Nell. Es ist besser so. Aber weißt du… Sie sieht mir ähnlich? Die Freundin. Sie ist keine Asiatin, aber…"

"Also ist er noch nicht über dich hinweg." Nells Absätze machten ein bekanntes klick klick auf dem Asphalt als sie die Straße zu ihrem Auto hinab ging. "Hat er dich auch gesehen?"

Sie war auf dem Weg zur Kirche in Gainsville gewesen um sich dort mit einigen Ehrenamtlichen zu treffen. Auf dem Rückweg war sie über den wöchentlichen Markt spaziert. Sie hatte ihn sofort erkannt. Er war jetzt Trainer an der Gainsville High. Er war nach wie vor attraktiv, aber die Anziehung war verflogen. Sie hatte ihn gegrüßt, Small Talk gemacht.

Schließlich hatte er sie angesehen und gesagt: "Du hast dich verändert."

Was ein Gespräch ausgelöst hatte das sie nie hatte führen wollen.

"Er hat mir einiges gesagt…" Lana presste die Lippen zusammen. Die Autotür öffnete sich. Nell stieg ein, die Tür schlug geräuschvoll zu.

"Was hat er gesagt, Schätzchen?"

"Er hat mir vorgeworfen…" fing sie an und schluckte um den Gefühlen Herr zu werden. "Er hat mir vorgeworfen das er sich hatte verbiegen müssen um einem Ideal zu entsprechen… Das es nicht gäbe."

Nell auf der anderen Seite schwieg und die Tränen drohten überzulaufen.

"Ich erwarte zu viel und gäbe zu wenig."

Die Tränen liefen nun doch.

Nell seufzte tief.

"Schätzchen, deine Ansprüche sind nicht zu hoch. Du bist genau richtig wie du bist. Glaub mir. Schau dich an! Du bist wunderschön, intelligent und clever. Du hast deinen eigenen Laden, kümmerst dich um soziale Belange, du engagierst dich für deine Stadt. Das Einzige was Jason Teague immer wollte war dich klein zu halten. Aber du brauchst einen Mann der keine Angst davor hat was du werden kannst, Schatz, ok?"

Lana unterdrückte das Schluchzen, nickte. "Danke, Tante Nell."

"Nicht dafür, Lana. Ich liebe dich, das weißt du, ja?"

"Ja," sagte sie und wischte die Tränen von ihrem Gesicht. "das weiß ich. Ich liebe dich auch."

"Soll ich noch vorbei kommen?" Nell saß nach wie vor in ihrem Auto. Sie würde sofort vorbei kommen und gleichzeitig machen das es Lana besser und schlechter ging. Deshalb setzte sie ihr fröhliches Gesicht auf und sagte: "Nein nein, es geht mir schon besser. Gute Nacht, Nell."

"Gute Nacht, Schätzchen. Denk nicht mehr daran."

Damit legte Lana auf, nahm wieder ihren Wodka zur Hand und ließ sich zurück gleiten. Die Worte Nells hatten gut getan, aber es gab etwas worüber Lana niemals mit ihrer Tante würde reden können.

Jasons Gesicht tauchte vor ihr auf, abschätzend, aber ehrlich. "Das da drüben ist meine Freundin. Ich liebe sie sehr." Dann hatte er sie aus blauen Augen angesehen und gesagt: "Und sie weiß was ein Mann will, im Gegensatz zu dir."

In den drei Jahren Beziehung hatte Lana immer das Gefühl gehabt es fehle etwas, doch sie hatte geglaubt es liege vielleicht an ihrer Unerfahrenheit.

Lana war sechsundzwanzig Jahre alt und sie hatte in ihrem Leben bis jetzt mit drei Männern geschlafen. Clark, ihrer Jugendliebe; Jason, der Mann mit dem sie eine Familie hatte gründen wollen und einem namenlosen Fremden nach der Trennung von Jason. Auf Letzteres war sie nicht stolz, aber Chloe hatte gesagt sie solle sich ihre Weiblichkeit zurück holen oder so. Sie hatte allerdings lediglich einen weiteren Teil ihres Selbstwertgefühls abgegeben.

Ja, sie hatte sich dafür verantwortlich gemacht das ihre Beziehung in die Brüche gegangen war. Hatte sich gefragt was sie hätte tun können um es zu verhindern. Fragte sich warum sie nicht genug gewesen war. War sie zu kalt? Hatte sie zu viel erwartet?

Jason schien es zu denken.

"Weißt du überhaupt was du da tust?" hatte er sie kurz vor ihrer Trennung gefragt, nachdem sie versucht hatte ihn mit dem Mund zu verwöhnen.

Es hatte nicht geholfen das er versucht hatte seinen ganzen Schwanz in ihren Mund zu stecken bis sie das Gefühl hatte sie würde sich gleich übergeben müssen. Seine Hände hatten sich in ihrem Haar vergraben und sie fest niedergedrückt bis sie keine Luft mehr bekam. Die Tränen in ihren Augen waren nicht nur eine Reaktion darauf, sondern auch Ergebnis der Demütigung.

Das wollte er also?

Zuerst hatte sie mitgespielt, hatte versucht ihm das zu geben was er brauchte. Versuchte aufgeschlossen zu sein. Doch um so mehr sie versuchte ihn zu befriedigen um so unzufriedener wurde er. Als er anfing zu versuchen sie zu Analsex zu bewegen zog Lana den Schlussstrich. Nicht wegen der Praxis als solcher, sondern weil er ihre Schuldgefühle benutzte um zu bekommen was er wollte und weil sie ihm nicht traute zärtlich genug zu sein.

Diesmal ließ sie sich nichts gefallen. Diesmal zog sie nicht den Schwanz ein. Oh nein, sie hatte genug von Jasons Dominanz-Kämpfen, seiner Unfähigkeit mit ihrem Erfolg, ihren Plänen, ihren Zielen umzugehen. Ganz zu schweigen das davon das es im Bett niemals darum ging was sie wollte.

"Oh, das ist gut. Dann hat zumindest einer in deiner Beziehung eine Ahnung davon was der Partner braucht. Du hast mir ja oft genug bewiesen das du keine Ahnung von meinen Wünschen hattest, Jason."

Mit noch einem beißenden Blick in seine Richtung war sie davon gelaufen. Erst im Auto, zitternd und nach Luft ringend, hatte sie verstanden was geschehen war.

Zumindest hatte sie ihm ihre Meinung gesagt, dachte Lana und trank den Rest des Wodkas.

Doch ein kleiner, nagender Zweifel blieb zurück. Konnte sie einem Mann wirklich nicht das geben was er brauchte?

Lana war doch keine Porno-Darstellerin. Sie wollte nicht bestiegen werden wie ein Pferd. Es sollte etwas bedeuten.

Sie wollte Vertrauen, Hingabe und Respekt.

Hatte sie zu hohe Ansprüche?

Lana wollte geküsst werden bis sie ihren Namen vergaß. Sie wollte gestreichelt, geleckt und festgehalten werden. Sie wollte die Hände eines Mannes der wusste was er tat, der sie anfasste als sei sie das Wertvollste, aber ohne die Befürchtung das sie auseinander brechen würde.

Ihr Kopf fiel zurück auf die Couch. Der Alkohol machte sie weinerlich. Hier saß sie, Freitag Abend und ärgerte sich über ihren Ex-Freund.

Lana sah etwas trübsinnig auf ihr Handy. Dann öffnete sie den Nachrichtenverlauf zwischen ihr und Mr. Kent. Lange Zeit starrte sie auf ihr Telefon.

Lana biss sich auf die Lippe als sie den Verlauf durchlas. Die letzten Nachrichten drehten sich um ein Hemd das Lana Mr. Kent vor einigen Tagen aus dem TJ-Maxx mitgebracht hatte. Es war mehr oder weniger ein Witz gewesen, doch letzten Endes hatte sie nicht widerstehen können und ihn darauf festgenagelt.

Das blau karierte Hemd im Glen Plaid Muster war ein Designer Stück und hatte sie auch etwas mehr gekostet, aber sie hatte es gesehen und kaufen wollen. Nun lag es eingepackt in einer Tüte und wartete darauf von ihm getragen zu werden. Sie war gespannt was er dazu sagen würde.

Lana spürte wie es in ihren Fingern zuckte.

Sie wollte ihm schreiben. Sie wollte mit ihm reden. Nein, noch besser, sie wollte Zeit mit ihm verbringen und—

Als das Handy klingelte und sie sah wer es war, wusste Lana das es schlechte Nachrichten waren.


"Mr. Kent, ich muss absagen." meldete sich Lana sofort als er abnahm. Sie hörte sich sehr aufgewühlt an. "Vielleicht das wir und am Montag treffen?"

"Was ist los?"

"Ach, es ist wirklich dumm. Die Hauptwasserleitung im Talon ist geplatzt."

"Und was sagt Jerry dazu?"

"Mr. Kent, Jerry hat sich den Arm gebrochen."

"Was? Wann das denn?"

"Letzte Woche." Sie redete zwar mit ihm, war aber trotzdem abwesend, als ginge sie im Kopf alle ihre Optionen durch. "Das heißt für mich das ich jemand aus Metropolis kommen lassen muss. Es ist Samstag Abend, da verlangen die Nachtzuschlag und Wochenendzuschlag und hier geht gar nichts mehr. Ich werde morgen früh Wasser aus Nells Laden holen, damit die Mädchen per Hand abspülen, aber das ist ja kein Zustand."

Er hörte wie sie hin und her ging. Wahrscheinlich raufte sie sich die Haare.

"Hmm, ich komm vorbei und guck mir das an. Ich hab schon so einige Rohre hier zuhause gerichtet."

"Würden Sie das tun?"

"Natürlich, Lana."

"Ich wäre ihnen für immer dankbar. Sie hätten einen lebenslangen Vorrat an Pancakes bei mir gut."

"Doppelter Anreiz." Sie gab ein erleichtertes Lachen von sich.

Einige Zeit später fuhr er vor dem Talon vor. Es war noch geöffnet, aber es war bereits Feierabendstimmung. Er ging unumwunden nach hinten durch. Als er Lanas Gesicht sah, wusste er das er gerade richtig kam. Als er an ihr vorbei ging fragte er sich verwirrt ob er wirklich Wodka an ihr roch? Er schüttelte den Kopf und wandte sich dem Problem zu.

Er war kein Gas und Wasserinstallateur, aber er dichtete das ganze so gut es ging ab, so dass der Keller nicht weiter voll lief.

Schließlich sagte er: "Es ist halb so schlimm wie es aussieht. Ich kann dir das Rohr am Montag austauschen. Wenn es Jerry besser geht sollte er aber danach schauen."

Lana sah ihn voller Erleichterung an.

Dann half er ihr den Keller trocken zu legen. Es dauerte einige Zeit bis sie damit fertig waren. Danach saßen sie im Halbdunklen Talon und aßen Frozen Joghurt.

"Sie haben mich gerettet." Es war nicht das erste Mal das sie das innerhalb der letzten Stunden gesagt hatte. Irgendwas stimmte mit Lana heute Abend nicht, befand Jonathan. Diesmal sagte er: "Natürlich helfe ich dir. Das tun Freunde füreinander, Lana."

Sie ließ den Becher sinken und sah ihn etwas durcheinander an.

"Wir sind Freunde?"

Er runzelte die Stirn über die Frage. Er hatte sich zwar noch keine Gedanken dazu gemacht, aber jetzt wo er es gesagt hatte, stellte er fest das es stimmte. Warum würde er sonst hier sitzen?

"Ja, sind wir."

Für einen Moment wirkte sie gar nicht mehr müde und abgekämpft. Sie lächelte ihn strahlend an.

Er wandte sich wohlweislich wieder dem Joghurt zu und murmelte dann: "Du hast recht gehabt, dieser gefrorene Joghurt ist wirklich gut."

Sie schwieg. Gewöhnlich würde sie das in eine Triade von 'Ich habe es ja gesagt' und 'Sehen Sie, Mr. Kent' einläuten, doch diesmal blieb sie still. Deshalb sah er sie an. Ihre Augen waren mit Tränen gefüllt.

"Sie wissen gar nicht wie viel mir das bedeutet." brachte sie hervor. "Ich bin immer diejenige die versucht allen gerecht zu werden, aber niemand—"

Ein Schluchzen brach aus ihr heraus, sie schlug ihre Hand vor den Mund.

"Es tut mir leid, Mr. Kent. Ich habe vorhin meinen Ex-Freund getroffen und er—" Das Weinen wurde stärker und Jonathan fragte sich wo genau er den Kerl würde finden können um ihm gehörig die Meinung zu sagen.

"Und dann jetzt das mit dem Rohrbruch. Das war einfach zu viel."

Ihr Weinen hörte nicht auf, die Tränen liefen unaufhaltsam ihre Wangen hinab. Er fand sich vor der Frage was er tun konnte um sie zu trösten. Was hätte er bei Martha getan?

"Ich bin nicht gut in so was, Lana, aber Martha sagte immer ich würde gute Umarmungen geben."

Er stand auf und öffnete die Arme. Ohne Zögern kam sie zu ihm. Lana war klein und zierlich, erst jetzt fiel ihm das wirklich auf. Sie vergrub ihr Gesicht an seinem Hemd und weinte. Es dauerte, aber er ließ sie. Irgendwann setzte er sich, zog sie auf seinen Schoß.

Bis sie aufsah vergingen einige Minuten. Ihr Mascara war verschmiert. Bei Martha hätte er jetzt die Spuren hinfort gewischt. Er verkniff es sich.

Sie wirkte verlegen, was vielleicht auch daran lag das sie wie ein kleines Mädchen auf seinem Schoß saß. Doch sie bewegte sich nicht. Schließlich sagte sie leise: "Sie geben wirklich gute Umarmungen."

Im Eifer des Gefechts küsste er ihre Stirn und brachte sie dann schnell auf die Füße. Konnte sie einen Moment lang nicht ansehen. Als sein Blick wieder zu ihr glitt stellte er fest das sie noch immer traurig aussah.

Er mochte diesen Ex-Freund wirklich nicht. Wie war sein Name? Jason Teague? Arbeitete er nicht drüben in Gainsville als Coach? Wenn er diesen Idioten irgendwann einmal sehen sollte würde ihm wohl ein paar Takt erzählen müssen. Auch wenn es nicht seine Angelegenheit war, auch wenn es ihn nichts anging und sie niemand brauchte, aber verdammt ihre Tränen taten ihm weh.

Zu ihr sagte er: "Wenn dich ein Mann nicht mit dem nötigen Respekt behandelt ist er nicht der Richtige. Der Mann der dich wirklich liebt wird dir jeden Tag zeigen wie viel du ihm bedeutet und versuchen alles für dich möglich zu machen." Jonathan hielt inne, als er ihr verdattertes Gesicht sah, dann meinte er leichthin: "Sollte er ein bisschen handwerklich begabt sein, musst du mich dann auch nicht mehr anrufen."

Er zwinkerte ihr zu und griff nach dem Rest seines Joghurts.

"Danke, Mr. Kent." flüsterte sie ohne ihn anzusehen, die Wangen gerötet. "Ich werde es mir merken."

"Gut. Geht es dir besser, Mädchen? Soll ich dich noch zuhause absetzen?"

"Nein, Mr. Kent, ich denke ich werde zu Fuß gehen um den Kopf frei zu kriegen."

Sie verabschiedeten sich am Talon und jeder ging seiner Wege. Er blieb noch einige Zeit im Wagen sitzen, von wo aus er sehen konnte wie sie langsam die Straße hinab ging. Dann fuhr er heim, doch seine Gedanken kamen immer wieder zu ihrem verweinten Gesicht zurück.

Die Sorge die er empfand ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Wofür hatte man ein Handy? dachte er, aber zögerte damit eine Nachricht zu schreiben.

Er schrieb: Ist alles ok? löschte es wieder. Schrieb dann: Geht es dir gut? Wieder löschte er es. Legte das Handy weg, schüttelte den Kopf.

Was war so schwer daran sie zu fragen ob sie sich beruhigt hatte? Eben hatte sie noch in seinen Armen geweint. Warum fühlte sich das nur so… Seltsam an?

Er schrieb: Geht es dir besser?

Er schickte die Nachricht ab. Wartete.

Wartete.

Legte das Telefon weg. Weil… Warum sollte er warten? Vielleicht schlief sie. Etwas das er auch tun sollte, wenn er morgen seine Aufgaben erledigen wollte ohne tot umzufallen vor Schlafmangel. Es war viel zu spät.

Was er für die Kleine nicht alles tat, wunderte Jonathan sich über sich selbst. Wann hatte sein Leben angefangen sich um Lana Lang zu drehen als sei sie eine Sonne? Wann hatte er angefangen sich auf Dienstage zu freuen, weil er mit ihr einkaufen fahren würde. Wann hatte er angefangen es nicht abwarten zu können Samstags ihr Auto seine Auffahrt hinauffahren zu sehen?

Er konnte es nicht recht sagen, doch es war wahr.

Wenn es vorkam das einer von ihnen absagen musste kam ihm die Woche länger vor als sie es war. Dann vermisste er ihr freches Lachen, ihre funkelnden Augen.

Ja, dachte Jonathan, sie mussten Freunde sein. Für niemand sonst würde man bis spät in die Nacht einen überfluteten Keller trocken legen und danach eine Schulter zum ausweinen anbieten.

Er ging etwas verwirrt an das Kabinett, im Wohnzimmer, in dem er den Whiskey aufbewahrte und goss sich etwas ein. Nur ein Glas, dachte er. Nur um problemlos schlafen zu können. Ohne als sinnlosen Gedanken nach zu hängen.

Jonathan trank, in die Couch versunken und starrte an die Decke. Warum liefen um diese Zeit im Radio eigentlich nur noch Liebeslieder? Ah ja, natürlich weil nur die Unglücklichen um diese Zeit noch allein vorm Radio hingen. Der Whiskey brannte sich warm und bekannt die Kehle herunter. Es tat gut, war jedenfalls etwas auf das er sich anstatt der Musik konzentrieren konnte. Natürlich hätte er auch einfach aufstehen und es ausschalten können, aber…

Es lief 'Need You Now' ein Lied das er eigentlich ganz gern mochte, es ging ins Ohr, es war offensichtlich warum so viele Leute es mochten. Doch bis heute Abend hatte er sich daran nicht gerade wieder erkannt. Gerade jedoch traf es zu sehr das was er dachte und fühlte. Die Verwirrung nahm zu.

Das Display des Handies leuchtete auf, zeigte ihm das sie geantwortet hatte.

Sie schrieb: Es geht mir gut, wirklich. Sie haben mir sehr geholfen :)

Die Worte lösten Erleichterung bei ihm aus und noch etwas anderes, Warmes. Das er nicht benennen konnte. Unfähig sich jetzt damit auseinander zu setzen schob er das Handy fort und verkniff sich eine Antwort.

Er spülte den Rest des Alkohols runter, schaltete unwirsch das Radio ab und ging dann in sein Schlafzimmer. Seine Nacht wäre auch so schon kurz genug.

Nachdem er aus dem Bad kam, fiel sein Blick auf das Bild Marthas das dort unverändert stand. Er nahm es zur Hand, starrte ihr schönes Gesicht an. Das Zerren in seiner Brust war zu einem Ziehen geworden. Er konnte sie ansehen und akzeptieren das sie Tod war. Es war nicht schön, es fühlte sich nicht richtig an. Aber es war wie es war.

Ich liebe dich, Martha. Es war der gleiche Gedanken den er die letzten 26 Jahre jeden Abend vorm Schlafengehen gehabt hatte.

Das Bild wurde zurück gestellt. Er schaltete das Licht aus und ergab sich der Einsamkeit und dem Schlaf.

Er schlief unruhig, träumte von Lanas weichem Haar, ihrem Gewicht auf seinem Schoß, als sie geweint hatte. Als er aufwachte war er halb-hart und atemlos. Er starrte in das morgendliche Dämmerlicht und begrüßte den Tag mit einem lauten Fluchen.


Er hatte den ganzen Sonntag damit verbracht zielstrebig seiner Arbeit nachzugehen und nicht daran gedacht was er geträumt hatte. Beinahe konnte er sich einreden das nichts passiert war.

Es war ja auch nichts passiert. Rein gar nichts. Nur ein nichtssagender Traum dem er keine Bedeutung schenken sollte…

Soll ich dich abholen und wir fahren zusammen zum Talon?

Gerne. 9 Uhr?

Ja, bis morgen.

Als er sie Montags abholte, war ihre Traurigkeit vergessen. Sie war perfekt gekleidet und strahlte, wie immer.

Vielleicht, so dachte er mürrisch, war sie doch eine Sonne. Vielleicht konnte er gar nicht anders als seine Bahnen um sie zu ziehen.


Wie selbstverständlich hielt Jonathan ihr die Tür auf und Lana schlüpfte, mit einem schüchternen Lächeln in seine Richtung, in den Truck. Es war warm und stickig im Inneren des Autos. Viel zu warm für den April. Beide öffneten sie die Fenster.

Mr. Kents linker Arm lag am Fenster in der Sonne. Auf der gebräunten Haut seiner Unterarme wirkten seine blonden Haare seltsam anziehend auf sie. Sie runzelte die Stirn über sich selbst als sie sich vorstellte wie sie ihre Hand über seinen Arm gleiten ließ.

Sie fuhren schweigend, das Radio spielte Pop und Country Songs. Sie starrte selbstvergessen aus dem Fenster.

"Stört es dich?" fragte er mit Blick auf das Radio.

"Nein, gar nicht. Nell hört die Station den ganzen Tag. Bei einem Großteil der Lieder kann ich wahrscheinlich mitsingen."

Sein Mund bog sich zu einem Lächeln.

"Tu dir keinen Zwang an."

"Das sagen sie jetzt." lachte sie. "Am Ende der Fahrt würde es ihnen leid tun."

Nun lächelte er doch. Der Knoten in ihrem Inneren lockerte sich etwas. Es war alles ok. Nach Samstag und ihrem tränenreichen Ausbruch hatte sie befürchtet es hätte sich etwas geändert. Lana war mit dem Gefühl aus dem Talon gegangen das etwas anders war, konnte aber nicht sagen wieso. Vielleicht hatte es an seinen letzten Worten gelegen, die er zu ihr gesagt hatte. Er hatte genau in Worte gefasst, was sie sich immer erhofft und gewünscht hatte. Es aus seinem Mund zu hören hatte es zu einem Ziel gemacht das sie erreichen konnte.

Ein Lied endete, der Moderator kündigte das nächste Lied an, doch sie hatte das eingehende Keyboard bereits erkannt.

Mr. Kent gab ein unterdrücktes Stöhnen von sich. Sie griffen zeitgleich nach dem Regler. Sie um das Lied lauter zu machen, er um das Radio auszuschalten. Lana zog ihre Hand unwillkürlich zurück. Auch er hatte sich wieder der Straße zugewandt, doch sein Kiefermuskel arbeite unter der Haut.

"Sagen Sie mir nicht das sie Lady Antebellum nicht mögen." scherzte sie um das angespannte Schweigen zu überspielen.

Als er nichts sagte fügte sie hinzu: "Ich mag es."

"Natürlich magst du gerade dieses Lied." murmelte er und setzte den Blinker. Sie sah ihn verwirrt an. Sein Blick mied sie.

"Wie bitte?"

Etwas lauter, fast stockend sagte er nun: "Nun, jeder mag es. Es wird hoch und runter gespielt." Wieder der Muskel in seinem Kiefer der zuckte. "Hab es einmal zu oft gehört."

Es war abgesehen von der Musik sehr still im Auto.

It's a quarter after one, I'm a little drunk and I need you now. Die raue, gefühlvolle Stimme des Leadsängers füllte nun den Raum zwischen ihnen aus. Guess I'd rather hurt than feel nothin' at all.

Vielleicht, dachte sie plötzlich und fühlte sich schuldig, erinnerte ihn das Lied an Martha. Doch bevor sie etwas sagen oder tun konnte waren sie bereits beim Talon angekommen.

"Danke für's mit nehmen, Mr. Kent."

"Das ist das Mindeste was ich tun kann, nach allem was du für mich getan hast." Lana hielt inne und starrte ihn an.

"Mr. Kent—"

"Ich weiß sehr wohl das Martha dich gebeten hat nach mir zu sehen."

Lana spürte wie ihr Mund trocken wurde. Was sollte sie dazu sagen? Sie sah etwas verschämt hinab auf ihre schicken Ballerinas.

Etwas kämpfte sich durch ihre Gefühlswelt. Verwirrung, Ablehnung, Scham. Glaubte er etwa das sie das alles nur tat weil sie es Martha versprochen hatte? Warum störte sie diese Vorstellung so sehr? Wann hatte sie das letzte Mal gedacht: Ich tue das für Martha. Wann hatte sie sich das letzte Mal an das Versprechen erinnern müssen?

Sie wusste es nicht mehr.

"Ich hätte es auch so getan."

Sein Gesicht war nun ernst, doch sein Mund hielt noch einen Hinweis auf ein Lächeln. Seine azurblauen Augen blickten sie offen an. Lana war plötzlich etwas kurzatmig.

"Ich weiß."


Während Jonathan nochmal los fuhr um das passende Rohr zu kaufen, kehrten seine Gedanken immer wieder zu dem Moment zurück in dem sie zeitgleich zum Regler gegriffen hatten. Sie um lauter zu drehen und er um sich der Schmach der Erinnerung nicht stellen zu müssen. Man sollte meinen das er sich inzwischen an ihre Berührung gewöhnt hatte, doch dem war nicht so.

Was sie wohl gedacht hatte weshalb er das Lied nicht hören wollte? Bestimmt dachte sie es wäre wegen Martha.

Jonathan dachte schuldig: Ja, so sollte es sein. Doch dem war nicht so.

Der Gedanke zurück ins Talon zu fahren und ihr unter die Augen zu treten fiel ihm schwer, doch er hatte es ihr Versprochen. Gedanken wie er dieses Problem lösen konnte, könnte er sich immer noch später machen.

Diese… Gefühle waren sicherlich nur aus einem Gefühl der Dankbarkeit geboren. Vielleicht musste er einfach mal raus. Kenny hatte ihn schon vor ein paar Tagen gefragt ob er nicht mal mit Cathy Banner aus der Poststelle ausgehen wollte.

Er kannte Cathy vom sehen. Sie war nett. Vielleicht… Vielleicht musste er einfach Zeit mit jemand anders als Lana verbringen…

Lana wusste das sie nicht starren sollte, doch sie konnte einfach nicht anders. Es war als fänden ihre Augen ganz von allein ihren Weg zu ihm. Sie waren angezogen von seinem breiten Rücken, dessen Muskeln sich unter dem dünnen, weißen T-Shirt abzeichneten.

Sie versuchte wirklich sich zu konzentrieren, doch die Nummern verschwammen immer wieder vor ihren Augen.

Stattdessen spürte sie eine angenehme Wärme die sich in ihrem Inneren ausbreitete. Sie versuchte sich nicht ihren verführerischen Gedanken hinzugeben, doch es war schwierig.

Ihr Blick kehrte zu ihren Unterlagen zurück.

"Lana," sagte Nell, als sie sich an der Theke niederließ. ",du solltest mal ein Wort mit diesen albernen Gänsen reden. Sie stehen herum und starren Jonathan an, als sei er der Coca Cola Mann."

Lana sah sich um. Die beiden Kellnerinnen, Donna und Heather, standen kichernd Nahe der Küche und taten das was Lana versuchte zu vermeiden. Sie seufzte und setzte ihr strenges Gesicht auf. Die Mädchen wussten was kommen würde, als sie ihre Chefin sahen. Lana schickte die beiden jungen Frauen fort und kehrte dann zur Theke zurück um Mr. Kent eine Erfrischung zu bringen.

Mit einem großen Glas Limonade ging sie hinüber zu ihm.

"Sind sie durstig?"

Als er sie erblickte lächelte er.

"Ich könnte ein Glas Limonade vertragen."

"Wie weit sind Sie?"

"Fast fertig. Du bist mich in einer Stunde los. Werde gleich mal das Wasser wieder anstellen, dann schauen wir ob es immer noch runter in den Keller läuft."

Er schickte sie wieder fort und eine ganze Weile unterhielt sich Lana mit Nell, während sie ihre Rechnungen vor sich her schob. Nell selbst blickte das ein oder andere Mal träumerisch hinüber zu Mr. Kent.

Es war etwas später als sie schließlich sagte: "Das erinnert mich daran wie deine Mutter und ich uns zur Kent Farm gestohlen haben um Jonathan beim arbeiten zuzusehen."

Lana sah etwas geschockt aus, die beiden Kellnerinnen hielten in ihrer Arbeit inne und grinsten.

"Jonathan hat immer nach der Schule gearbeitet. Im Sommer wie im Winter. Aber natürlich war uns der Sommer lieber, schließlich hat er dann irgendwann das Hemd ausgezogen. Und das war ein Anblick." Nell klickte mit der Zunge. "Groß, breitschultrig und mit sonnen gebleichten blonden Locken. Es wundert mich immer das Samuel Kent nicht Eintritt verlangt hat." Wieder ein Seufzen. "Die 70er waren eine tolle Zeit. Die Männer trugen damals sehr enge Hosen."

"Nell!" stieß Lana hervor, die beiden Kellnerinnen kicherten. "Er wird dich hören."

Nell grinste und sah Lana etwas gönnerhaft an. "Glaub mir, das ist nichts das er nicht wüsste."

Lana versuchte sich Mr. Kent als Teenager vorzustellen, doch scheiterte. Sie musste an Marthas Hochzeitsbild denken und das offene Lächeln. Gleichzeitig aber dachte sie auch an den strengen Vater, der Clark und sie nach ihrem ersten Mal in der Küche zurechtgewiesen hatte.

Nell sagte schließlich etwas nachdenklich: "Alles was Jonathan braucht ist jemand der ihn zurück in den Sattel hebt, sozusagen."

"Nell…" seufzte Lana und war seltsam beruhigt das Nell glücklich vergeben war und das sie zumindest nicht dieser Jemand sein würde.

"Schätzchen, merk dir meine Worte, ein Mann wie Jonathan Kent bleibt nicht allein."

Donna gab ein unterdrücktes Geräusch von sich und wies sie dann darauf hin das er hinüber kam. Er hielt sein Glas in der Hand und trug es pflichtschuldig hinüber zur Theke. Er begrüßte Nell freundlich, dann sagte er wie nebenbei: "Erzählst du wieder die alten Geschichten, Nell?"

Lana verfehlte es beinahe das Glas von ihm anzunehmen.

"Es gibt Dinge die sollten nicht in Vergessenheit geraten, Johnny."

"Wie du und deine Schwester an unserem Zaun rumgehangen habt um mir beim arbeiten zuzusehen?"

"Und du dich für uns ausgezogen hast, ja." Sie zwinkerte ihm zu, er hatte den Anstand etwas beschämt auszusehen. Doch nicht lange.

"Bei dir klingt das so unanständig, Nell." Er lehnte entspannt an der Theke, Nell zugewandt.

Sie flirteten, stellte Lana verwirrt fest und etwas in ihr zog sich dabei fast schmerzhaft zusammen. Lana hatte ihn noch nie so gesehen. Das war offensichtlich der Jonathan Kent den nur Wenige zu Gesicht bekamen. Der Blick ihrer Tante war sehr innig, sehr freundschaftlich. Lana spürte so etwas wie Neid.

"Deine Jeans waren unanständig."

Er lachte gutmütig und schüttelte den Kopf.

"Rückblickend würde ich sagen sie entsprachen dem Zeitgeist. Aber ihr beide wart nicht besser, Nell Potter."

Nell lächelte bei seinem Kommentar und schürzte die Lippen.

"Ich hatte jedenfalls die Beine um meine Daisy Dukes zu tragen." Er widersprach ihr nicht. "Die 70er waren eine wilde Zeit, nicht wahr?"

Er gab ein Geräusch von sich, das sowohl Zustimmung als auch Ablehnung sein konnte.

Schließlich sagte er: "Für einige von uns mehr als andere."

Er hatte jetzt diesen tadelnden Gesichtsausdruck aufgelegt, aber Nell lachte einfach nur laut.

"Da wir schon mal beide hier sind, warum lädst du mich nicht auf einen Kaffee ein?" Für einen Moment dachte, nein, hoffte Lana er würde ablehnen. Er sah hinüber zu ihr und sagte: "Lana, könnte eines deiner Mädchen uns zwei Kaffee bringen?"

Etwas steif erwiderte sie: "Aber natürlich."

Die beiden gingen hinüber zu einem der Tische und redeten noch einige Zeit sehr animiert und vertraulich, während sie Kaffee tranken. Und Flirteten.

Lana konnte nicht anders als immer wieder hinüber zu schauen. Gott, wenn er den Charme anwarf… Das freundschaftliche Geplänkel das sie hin und wieder teilten war nur ein blasser Abklatsch zu dem was er da mit Nell tat.

Sie kennen sich aber nun auch schon lange. Sind zusammen zur High School gegangen. Lana kannte natürlich die Geschichten. Nell und Mr. Kent waren High School Sweethearts gewesen. Es war die typische Geschichte: Er, Captain des Football Teams. Sie, Cheerleader. Irgendwo hatte Nell noch ein Foto von den Beiden auf dem Nell seine Jacke trug und sich an seine Seite presste.

Es gab ein ganz ähnliches Bild von Lana und Whitney. Es war erstaunlich wie ähnlich sich die beiden Paare auf dem Bild sahen.

Alle waren sich sicher gewesen das Mr. Kent und Nell heiraten würden. Was allerdings nie passiert war. Wenn Lana sie so sah fragte sie sich warum.

Martha war schließlich erst später ins Bild gekommen.

Irgendwann standen sie auf und bewegten sich zum Ausgang. Sie kamen an Lana vorbei ohne sie zu bemerken, so vertieft waren sie in ihr Gespräch.

"Komm doch einfach mal zu mir in den Laden, Jonathan. Du musst das alles nicht allein durchmachen."

"Danke, Nell."

"Wofür? So wie ich dich kenne kommst du sowieso nicht."

"Vielleicht."

"Wenn du soweit bist verkupple ich dich mit einer meiner Freundinnen." Der Gedanke schien sie zu freuen.

Er lächelte ein etwas verkniffenes Lächeln.

"Nell—"

"Ach, komm Jonathan. Du willst doch nicht allein bleiben. Martha hätte das nicht gewollt."

Er sagte nichts dazu, sein Gesichtsausdruck war nachdenklich. Lana tat so als sei sie in die Notizen vertieft, doch sie konnte an nichts anderes als an das Gespräch zu denken das die beiden so vertraulich geführt hatten. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich in Jonathan Kents Gegenwart wieder wie ein Kind.

Natürlich sah er sie so. Natürlich. Sie war Lana, die erste Liebe seines Sohnes. Das Mädchen, mit dem seine verstorbene Frau befreundet gewesen war. Lana Lang war in seinen Augen wahrscheinlich keinen Tag älter als achtzehn, ach was sagte sie, wahrscheinlich sah er immer noch die dürre, flachbrüstige Zwölfjährige in ihr. Der Gedanke tat ihr weit mehr weh als sie es für möglich gehalten hatte.

Bevor sich Mr. Kent und Nell verabschieden konnten verschwand sie in den Keller. Warf Heather zu das sie Getränke auffüllte. Sie blieb einige Zeit dort unten, bis sie sicher sein konnte das sie beide fort waren. Es war einfacher als ihm und ihren verwirrenden Gefühlen entgegen zu treten.