Disclaimer:
Alles aus dem Harry Potter Universium ist nur geliehen.
Ich verdiene kein Geld mit dieser Story.
Anmerkungen:
Erst einmal wieder ein riesen Dankeschön an meine Betaleserin Nici Cavanaugh, einigen von Euch auch noch als Nici1807 bekannt. Sie ist einfach klasse!
Auch ein Danke an meine Leser, es hat leider wieder etwas gedauert bis zum update, aber ihr seht, ich versuche die Abstände zu verkürzen.
Kapitel 6 – Er und Ich!
Hermine schreckte aus dem Schlaf, es war stockdunkel im Zimmer.
Sie konnte es immer noch riechen, das widerlich süße Parfum, wie es erstickend schwer an seiner Robe gehaftet und ihr die Luft abgedrückt hatte.
Sie saß nun kerzengerade im Bett, die Haut mit einer Gänsehaut überzogen, während ein drückendes Übelkeitsgefühl in ihrem Magen anschwoll.
Er ist bei einer Frau gewesen! Sie konnte den Geschmack der Fremden quasi am Gaumen spüren und seine gläsernen Augen, die sie mit einem ausdruckslosen Funkeln angestarrt hatten, ließen Panik und Wut gleichermaßen in ihr hoch schäumen.
Wie konnte er nur? Sie verschränkte die Arme vor ihrem Magen und wippte in sitzender Position vor und zurück. Wie konnte er nur zu einer anderen gehen und mit ihr ... Der Schweiß brach aus ihrem Gesicht und sie hatte das Gefühl die Dunkelheit in ihren Räumen nicht eine Sekunde länger mehr ertragen zu können.
Sie griff nach ihrem Zauberstab.
„Lumos."
„Rational denken!", befahl sich Hermine, leise vor sich hinmurmelnd, während sie aufstand und geistesabwesend ins Bad stakste um sich dort das Gesicht zu waschen.
Das eiskalte Wasser auf ihrer Haut prickelte und stach in die einzelnen Poren ihrer Haut. Sie hoffte damit ihre Gedanken etwas klären und diese fremden Gefühle abschütteln zu können.
Es war praktisch unmöglich, dass sie Snape wirklich gesehen hatte, redete sie sich gut zu, immerhin hatte sie bis eben noch tief schlafend in ihrem Bett gelegen.
„Ein Traum, nichts weiter als ein Traum!", murmelte sie weiter. Ja, sie befahl es sich sogar zu glauben. Sie war ein sehr bodenständiger Mensch, und obwohl sie als Muggelstämmige in der magischen Welt schon viel Außergewöhnliches erlebt hatte, hielt sie sich doch meist mit ihrer Weltanschauung an den erklärbaren Dingen des Lebens fest.
Magie und ihren Ursprung, wie auch die ganze Zauberwelt lies sich erklären und darlegen. Es gab ganze Bibliotheken, gefüllt mit wissenschaftlich basierten Theorien und historischen Erzählungen. Das waren reale Dinge, die man studieren konnte. Seltsame Träume und Visionen im Gegensatz dazu, waren für sie unfassbar und das beängstigte sie mehr, als sie zuzugeben bereit war.
Auf einen Tipp mit ihrem Zauberstab entflammte helles Licht im Badezimmer und nachdenklich sah Hermine einige Minuten in den Spiegel, ohne dass sie ihr Ebenbild wirklich registrierte. In Gedanken ging sie noch einmal ihren Traum durch.
Seine Haut war warm gewesen, zu warm und zu feucht. Der widerliche Frauenduft hatte sich mit seinem Eigenem gemischt und hing Hermine jetzt noch in der Nase. In Kombination mit dem Geschmack, den sie ebenfalls so real wahrnahm, als hätte sie gerade selber jemand Fremden geküsst, brachte er sie halb um den Verstand!
Sie verdrehte die Augen vor Übelkeit und griff zu ihrer Zahnbürste. Motorisch begann sie sich die Zähne zu schrubben. Es waren immer die gleichen, jahrelang antrainierten Bewegungen. Kreisend, zuerst die obere, dann die untere Zahnreihe, dann kam die Zunge dran. Sie wollte diesen scheußlichen Geschmack loswerden und scheuerte bis ihr Zahnfleisch wund war.
Alles nur ein Traum, ein harmloser, blöder Alptraum, redete Hermine sich immer wieder ein.
Doch umso mehr sie versuchte ihn zu verdrängen, umso klarer kamen die Bilder von ihm, wie er bei Nacht mit zerzaustem Haar und leeren Blick seine Gemächer betrat, zu ihr zurück.
Woher kamen diese Gefühle, diese Bilder? Sie wollte das alles nicht sehen, riechen und schmecken. Hermine musste sich beeilen noch über die Toilettenschüssel zu kommen.
Nachdem sie sich mehrmals erbrochen hatte, erhob sie sich von dem kalten Steinboden und schleppte sich zum Spiegel zurück. Sie fühlte sich schlapp und zittrig, aber auch wesentlich klarer im Kopf. Das physische Unwohlsein hatte sie ernüchtert und wieder in die Realität zurückgeholt.
Eindeutig nur ein Traum", murmelte sie ihr blasses Spiegelbild feststellend an, wusch sich noch einmal das Gesicht und verließ dann das Bad.
Sie legte sich wieder ins Bett, es war warm und vertraut. Kurz stieg Panik in ihr hoch, dass sie einen weiteren Alptraum haben würde, sie würde es nicht mehr ertragen ihn noch einmal so sehen zu müssen. Eine rasende Eifersucht machte sich bei dem Gedanken daran in ihr breit. Sie überlegte ob sie wohl ein wenig Lesen sollte und kratzte sich nachdenklich im Nacken, doch bevor der Gedanke zu Ende gedacht war, war sie schon wieder fest eingeschlafen.
-o-
Hermines Kopf dröhnte, die Welt um sie herum auch. Es war ein monotones, wenn auch unregelmäßiges Pochen.
Es schien unmöglich die Augen aufzumachen, und doch blinzelte sie nach einer kleinen Ewigkeit ein wenig in ihr viel zu helles, sonnen durchflutetes Zimmer. Es dauerte einige Zeit bis sie realisierte, dass es nicht in ihrem Kopf pochte, sondern an der Tür.
Hermine, ohnehin kein Morgenmensch, verfluchte wer auch immer sich so aufdringlich versuchte bemerkbar zu machen. Sie steckte den Kopf unter ihr Kissen und versuchte wegzuhören, weiterzuschlafen; sie fühlte sich einfach nur schlapp und erschlagen.
Doch der Unbekannte auf der anderen Seite der Türe, gab nicht auf und das hämmernde Klopfgeräusch verfolgte sie in den leichten Dämmerschlaf, in den sie gerade erst wieder gesunken war.
Irgendwann erkannte Hermine, dass es keinen Sinn mehr hatte. Schlaftrunken und übellaunig setzte sie sich auf. Sie stützte den Kopf in die Hände und verharrte so einen Moment. Dann murmelte sie leise das Passwort und die Tür sprang nach innen hin auf.
„Guten Morgen", kam es fröhlich vom Eingang des Zimmers und ein Rotschopf steckte den Kopf bei der Tür hinein.
„Morgen", murmelte sie mit krächzender Stimme. Ihre vor Müdigkeit verklebten Augen nahmen ihre Freundin wahr, die ein grässlich gutgelauntes Lächeln preisgab.
„Na, wie siehst du denn aus? Was, wenn ich eine weinende Erstklässlerin gewesen wäre, oder ein aufgebrachter Lehrer?", fragte Ginny mit einem Augenzwinkern.
„Hm?", war die fragende Reaktion.
„Ok, ok, ich sehe du bist nicht zu Scherzen aufgelegt so früh am Morgen." Ein breites Grinsen kam über ihre Lippen. „Aber das sollte eine Anspielung darauf sein, dass ich außer keiner Begrüßung noch nicht einmal die Nachricht von deiner Beförderung zur Schulsprecherin persönlich von dir übermittelt bekommen habe. Erst bei dem typischen 'die Schulsprecher sind immer für euch da'-Vortrag von Professor McGonagall habe ich davon gehört."
Es war nicht wirklich ein Vorwurf in Ginnys Stimme, eher ein feixender Unterton. Sie ließ sich schwungvoll neben Hermine auf das Bett fallen und sah sie erwartungsvoll an.
Hermine fiel die Realität wie Schuppen von den Augen. Die Erinnerung an den gestrigen Abend verstärkte den Wunsch nur noch, sich wieder in ihr Bett zu legen und die Augen zu schließen.
Verzweifelt vergrub sie das Gesicht zwischen ihren Händen.
Fühlt Harry sich so? Auf sich allein gestellt, verlassen und überrollt von einem Ereignis, schrecklicher als das nächste?
Nein! Harry war wirklich nicht gut bedient mit seinem Leben, im Gegensatz zu ihr selber. Sie hatte noch Eltern, selbst wenn es sich momentan nicht glaubwürdig anfühlte, und sie war bei ihnen aufgewachsen, sie hatte eine schöne Kindheit gehabt. Wie konnte sie nur so im Selbstmitleid zerfließen?
Gerade als Hermine sich das fragte, fühlte sie etwas weiches um ihre nackten Beine streifen. Sie erhob den Kopf aus den Händen, blickte hinab und sah ein oranges, dickes Bündel, das sich in einer schlingernden Achterschleife an sie drängte.
„Krummbein!"
„Überraschung", feixte Ginny, doch Hermine hörte kaum hin.
Sie beugte sich hinab und hob das Tier zu sich auf den Schoß. Er war schwerer und wirkte etwas gewichtiger, als zu dem Zeitpunkt als sie ihn das letzte Mal gesehen hatte, aber er war noch immer der gleiche, wundervolle Freund, der sie mit einem tiefen, traktorenähnlichen Schnurrgeräusch begrüßte.
Sein Fell war struppig und einiges an schmutzigen Laub hing darin, doch Hermine kümmerte es nicht; sie küsste und koste das Tier, bis Krummbein, scheinbar genug Zuwendung für den Moment erhalten, sich mit einem kräftigen Satz aus ihrem Schoß befreite. Mit gereckter Nase und zitterndem Schnurrhaar begab er sich auf Erkundungsreise, um sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen.
Liebevoll blickte Hermine ihrem Kater nach, als Ginny sich mit einem breiten Grinsen räusperte.
„Bitte, bitte Mine, habe ich doch gerne gemacht."
Das riss Hermine aus ihrer Versunkenheit und sie umarmte ihre Freundin. Es war eine untypische Geste für Hermine, die sonst doch ein relativ distanzierter Mensch war, wenn es nicht gerade um ihre zwei besten Freunde ging. Doch die letzten Wochen waren eine Ausnahmesituation für sie gewesen und sie hätte in diesem Augenblick sogar Filch umarmt, wenn es er gewesen wäre, der ihr Krummbein wieder gebracht hätte.
„Vielen Dank", nuschelte sie in das Haar der Rothaarigen, noch immer nicht bereit sie loszulassen.
„Es tut mir Leid, ich hatte es völlig vergessen."
„Uha, sag das nicht zu laut, sonst nimmt es dir dein sauberer Kater noch übel. Ich bin überzeugt er versteht jedes Wort, das man spricht", sagte sie amüsiert. „Einmal an einem Samstag hat Mum ihn verflucht, weil er die Küche auf der Jagd nach einem Winzdoxy verwüstet hatte. Daraufhin hat er sie zwei Tage lang ignoriert. Das einzige, was sie zu sehen bekam, war sein Hinterteil mit steil erhobenem Schwanz. Das allerdings hielt er ihr recht offenherzig entgegen."
Die Mädchen mussten beide Kichern.
Es tat Hermine so gut wieder einmal zu lachen und zumindest musste sie bei Ginny weder Angst haben, dass sie sie in eine Ecke drücken und küssen würde, noch dass sie innerhalb von zwei Minuten vom ruhigen Gespräch in einen alles zerstörenden, verbalen Konflikt geraten würde.
„Mal ehrlich, ich kann verstehen, dass dein Vater ihn des Hauses verwiesen hat. Dad hätte fast einen Anfall bekommen, als er den Tagespropheten in tausend Einzelteile zerfleddert unter seinem Kopfkissen fand", amüsierte sich Ginny köstlich.
Hermine grinste, wenn auch mit einem schlechten Gefühl im Magen. Sie erinnerte sich zurück, welch schlimme Worte sie ihrem Vater am Anfang der Sommerferien an den Kopf geworfen hatte, als er striktes Krummbein-Verbot für ihr Haus erteilt hatte.
Er hatte es dem Kater nicht verziehen gehabt, dass er voriges Weihnachten eine große Box mit Zahnpflegeproben zerstört und mit den teuren Pasten und Lösungen die komplette Wohnzimmereinrichtung verschmiert und ruiniert hatte.
Nicht einmal Krummbein selbst, der danach mit treuen Augen auf seinem Schoß geschnurrt hatte, hatte ihn umstimmen können.
„Strafe muss sein", war die kurze Antwort ihres Vaters gewesen. So war er eben!
Jetzt tat es ihr maßlos im Herzen weh, wie sie gegen ihren Vater protestiert und ihm all diese gemeinen Sachen an den Kopf geschmissen hatte.
Bei Merlin, gut, dass der Kater bei dem Überfall nicht im Haus gewesen war, wer weiß ob Snape es geschafft hätte auch ihn zu retten.
Oder anders, vielleicht hätte er ihn gar nicht retten wollen. Zu bitter waren wahrscheinlich die Erinnerungen an Krummbein, der im dritten Schuljahr heldenhaft Sirius beschützt hatte. Von dem her war sie ihrem Vater im Nachhinein richtig dankbar und froh, Krummbein über die Ferien Ginny anvertraut zu haben. Sie würde sich bei ihrem Besuch in zwei Wochen bei ihrem Dad entschuldigen und ihm etwas aus dem Honigtopf mitbringen, das nahm sie sich fest vor und kratzte sich gedankenverloren am Nacken.
„Was ist los, Süße?", kam es von rechts.
„Ähm, nichts, Ginny." Hermine löste sich von ihrer Freundin und versuchte einen neutralen Gesichtsausdruck zu behalten, sie wollte nicht schon wieder an ihn denken und auch nicht an den Überfall oder den fraglichen Gesundheitszustand ihrer Eltern.
„Natürlich und seufzen tust du neuerdings einfach nur aus guter Laune heraus nehme ich an."
Ginny grinste Hermine ironisch an, stellte aber keine weiteren Fragen.
„Danke dass du auf ihn geschaut hast die Sommerferien." Ich muss unbedingt etwas für sie besorgen, ich hätte es schon lange tun sollen, hängte sie in Gedanken an und machte sich eine geistige Notiz.
„Sieh mich nicht so schuldbewusst an, erzähl mir lieber wieso du schon früher angereist bist. Ich hätte deine Gesellschaft am Ende der Ferien gebrauchen können. Die Jungs haben Tag und Nacht von den Auswahlspielen für die Quidditch Weltmeisterschaften nächstes Jahr geschwärmt."
Ginny verdrehte gespielt die Augen und Hermines Mundwinkel bewegten sich mit einem kleinen Lächeln aufwärts. Sie wusste, in Wirklichkeit hing Ginny wie ein kleines Mädchen an Harrys Lippen wann immer er sprach, selbst wenn er von Quidditch sprach.
„Ich fühle mich schrecklich, ich brauche dringend eine Dusche", mutmaßte Hermine. Es war eindeutig eine Ausrede nicht antworten zu müssen. Sie beide wussten es, doch es war nicht einmal gelogen. Sie fühlte sich wirklich furchtbar. Mit dem Reden war nun das letzte Stückchen Schlaf aus ihr gewichen und sie hatte bemerkt, dass sie noch immer in der Schuluniform steckte, in der sie gestern eingeschlafen war. Seltsam, dass ich das nicht schon heute Nacht bemerkt habe, als ich aufgewacht bin, grübelte sie, dachte aber dann nicht weiter darüber nach.
Jetzt wo sie sich ihrer Kleidung richtig bewusst geworden war, wollte sie nichts mehr als sie sich vom Leib reißen. Ihre Haut fühlte sich stickig an und die Kleidung war vom Schlafen leicht verschwitzt und hatte an verschiedenen Stellen ins Fleisch geschnitten.
Hermine wollte jetzt nur noch unter prasselndem Wasser richtig aufwachen, oder sich aber ins Bett legen und für immer weiterschlafen. Aber sie war zu realistisch für diesen Traum, wenn er auch in Anbetracht der Dinge verführerisch klang, denen sie sich früher oder später noch stellen musste.
„Oh, kein Problem, mach nur, ich komme mit."
Hermine verdrehte die Augen. Sie war ein sehr privater Mensch und eigentlich war es ihre zurückhaltende Art zu sagen „lass mich allein", aber das fruchtete bei ihrer Freundin nicht und sie vermutete ernsthaft, dass dies pure Absicht war.
Wie auch immer, Hermine war mindestens genauso ein höflicher, wie privater Mensch. Zumindest wenn du nicht gerade in den Kerkern herumschreist, murmelte eine Stimme in ihrem Kopf. Und so stand sie auf und ging ins Bad, gefolgt von den zwei Rotschöpfen.
Ginny, die es für den Moment aufgegeben hatte, Hermine weiter zu löchern, erzählte gerade eine Anekdote aus ihren Sommerferien am Grimmaulderplatz Nummer Zwölf. Darin kam ein wild tanzender Gummibesen vor und Fred und George, wie sie Ron dabei bei einer Runde Quidditch in die Falle gelockt hatten.
Hermine hörte halb zu, halb war sie in eigenen Gedanken versunken. Als sie das Wasser in der Dusche aufdrehte und sich endlich der zerknitterte Kleidung vom Körper streifte, war sie gerade dabei Ginny für ihre gute Morgenlaune zu verfluchen, als sie plötzlich einen spitzen Schrei von ihrer Freundin hörte.
Sie fuhr herum, sie war noch immer müde und war sich nicht ganz klar, was passiert war.
Mist, wo war ihr Zauberstab? Wieso konnte sie ihn in letzter Zeit nie finden, wenn sie ihn brauchte.
Sie wirbelte herum bis Ginny in ihr Blickfeld kam, doch es schien nichts passiert zu sein, ihre Freundin starrte sie einfach nur an. Unangenehm intensiv für Hermines Geschmack, zumindest wenn man die Tatsache berücksichtigte, dass sie gerade splitternackt war.
„WAS?", schnauzte Hermine und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du hast mich halb zu Tode erschreckt, könntest du mir bitte sagen, was es für einen Grund gibt zu kreischen?"
Der Satz kam eindeutig unfreundlicher aus ihr heraus, als er gemeint war, aber Hermine hatte sich zu Tode erschrocken. Es wäre ja nicht die erste unangenehme Überraschung in ihren Privaträumen in der letzten Zeit gewesen, dachte sie schaudernd.
Vielleicht färbte auch einfach Professor Snape mit seinem unmöglichen Verhalten schon auf sie ab, sie benahm sich ja schon kaum besser als er für gewöhnlich.
Sie wollte sich gerade für den etwas zu unfreundliche Ton entschuldigen, als Ginny endlich ihre Sprache wieder fand.
„Hermine, um Merlins Willen, was ist mit dir geschehen?"
Hermine runzelte die Stirn und folgte dann Ginnys Blick ihren Körper hinab. Sie selbst hätte fast einen kleinen Schrei losgelassen. Ihr nackter Körper war von oben bis unten mit schwarzen bis blaugrünen Flecken übersehen. Die Knie waren aufgeschürft und die Handgelenke mit blutunterlaufenen Fingerabdrücken versehen.
Oh Merlin, wie konnte ich das bis jetzt übersehen?
Hermine war selber sehr geschockt von ihrem Anblick. Sie sah aus, als hätte sie jemand die ganze Nacht geprügelt und geschändet, nicht als wäre sie die Nacht zuvor nur gegen ein Regal getaumelt. Ein Wunder, dass sie die Wunden bis jetzt nicht gespürt hatte, doch wie durch Geisterhand fingen sie genau in dem Moment an zu schmerzen, in dem sie sie entdeckt hatte.
Doch es war keine Zeit für Selbstmitleid, sie brauchte eine Ausrede für Ginny - und zwar schnell.
Und da kam sie schon die Fragen aller Fragen, noch bevor Hermine sich einen vernünftigen Plan zusammen basteln konnte.
„Wer, bei den vier Gründern, hat dir das angetan?", stöhnte Ginny, noch immer beide Augen auf Hermines Verletzungen klebend. „Du siehst aus als hätte man dich gefoltert."
Hermine biss sich auf die Unterlippe. Sie wollte und konnte ihre Freundin nicht anlügen, aber die volle Wahrheit war in diesem Fall auch keine Option.
„Bin hingefallen", nuschelte sie im Wegdrehen und stieg schnell unter die prasselnde Dusche. Das Wasser hätte sich heimelig und angenehm anfühlen sollen, so wie es sich zuerst über ihr Haar, den ganzen Kopf und dann den Körper ergoss, aber sie fühlte sich noch immer von ihrer Freundin beobachtet und so konnte sie sich nicht wirklich entspannen.
Nachdem sie zirka fünf Minuten still das Wasser auf ihren Kopf hatte prasseln lassen, drehte sie sich um und sah durch die gerippte Duschwand die schmale Form des Rotschopfes noch immer draußen stehen.
Sie verdrehte die Augen – Ginny wollte auch wirklich nicht verstehen, dass sie im Moment allein sein wollte. Aber gut, man muss die Gunst der Stunde nützen, dann konnte sie ihr wenigstens einen Gefallen tun.
„Ginny?" Ihre Worte wurden fast von dem reißenden Wassergeräusch übertönt, aber scheinbar wurde sie gehört, denn ein gedämpftes „Ja?", tönte zurück zu ihr.
„Könntest du mir bitte meinen Zauberstab bringen, ich habe ihn im Zimmer liegen gelassen."
Wieder kam ein, vom Wasser fast ersticktes, „Ja" von draußen.
Hermine sah wie sich Ginnys Silhouette entfernte und nutze den günstigen Moment um ihre Muskeln etwas zu entspannen und in sich hinein zu fühlen.
Sie spürte, dass ihre aufgeschürften Knie unter dem laufendem Wasser brannten, trotzdem entspannten sich ihre Schultern und ihre Haut sog die dampfende Hitze wohlig in sich auf.
Sie schloss die Augen und genoss für einige Sekunden einfach nur. Doch kaum getan, war Ginny wieder da und streckte ihr durch einen schmalen Spalt der Duschwand ihren Zauberstab entgegen.
„Vielen Dank", rief Hermine durch den Spalt und nahm ihn dankbar entgegen.
Sie tippte auf den Brausekopf der Dusche und murmelte einen leisen Spruch vor sich hin, worauf sich das Wasser in eine weiße Flüssigkeit verwandelte, die nach einer kostbaren Mischung aus Milch und Honig duftete. Sie wusch sich ausgiebig und als sie damit fertig war, verwandelte sich die Essenz mit einem weiteren Tipp des Zauberstabes in einen dicken Balsamschaum, der sich aus den engen Brauseporen seinen Weg bahnte und von Hermine mit Passion in ihr Haar einmassiert wurde.
Durch einen letzten Doppeltipp stoppte nun auch der Fluss des Schaums und Hermine öffnete die Schiebetür der Dusche. Ginny, deren Blick mittlerweile ungeduldig geworden war, streckte ihr ein Handtuch entgegen.
Sie nahm es dankbar entgegen, versuchte aber Ginnys Blick auszuweichen, während sie sich eilig abtrocknete und danach das Handtuch, statt wie sonst über ihre nassen Locken, um ihren Körper schlang. Es war nicht nötig, dass Ginny dazu kam ihre Verletzungen genauer unter die Lupe zu nehmen.
„Was war das für ein Balsam", fragte Ginny wie nebenbei, dabei nicht ihre kritischen Augen von Hermine abwendend.
„Zartbitter-Mandel! Wenn du willst kann ich dir ..."
„Gerne, aber zuerst möchte ich noch einmal über deine Wunden sprechen."
„Ach Ginny, ..." Hermine machte einen unglücklichen Gesichtsausdruck.
„Nein Hermine, nichts mit: Ach Ginny! Wir sind Freundinnen und du würdest dich an meiner Stelle genau so sorgen. Es passieren lauter seltsame Sachen! Du reist früher an, du bist so geistesabwesend, dass du Krummbein vergisst! Du bist mit blauen Flecken übersäht. Bei den Kerkern von Hogwarts, erzähl mir endlich was los ist."
„Es ist nichts, wirklich! Ich hatte, sagen wir mal so, einen kleinen Streit", druckste Hermine herum. Sie versuchte unter Ginnys Fluch nicht zusammenzuzucken. Sie war nicht fähig ein komplettes Lügenmärchen zu erzählen, aber sie hatte weder Lust jetzt genauer auf den Überfall, noch auf ihre Auseinandersetzung mit Snape einzugehen. „Slytherin?", tönte Ginnys Stimme alarmiert. „Wer?"
„Streit? Mit wem?"
Hermine seufzte. „Streit mit einem Slytherin, ist doch nicht wichtig wer es war, es hat sich erledigt." Wahrscheinlich spricht er ohnehin nie wieder mit mir.
„Nicht so wichtig Ginny, ich möchte jetzt wirklich nicht darüber reden. Ich erzähle es dir ein anderes Mal."
Ginny runzelte die Stirn und schien nachzudenken. Hermine hätte nur zu gerne gewusst was in dem Kopf des Mädchens vorging.
Ginny sagte die nächsten zwanzig Minuten nicht mehr viel darüber, sie warf Hermine seltsame Blicke zu, aber merkte anscheinend, wann ein Thema nicht erwünscht war.
Sie erzählte noch etwas über den Sommer, dass das Bild von Sirius Mutter endlich von der Wand entfernt worden war. Das einzige, was dazu nötig gewesen war, war ein Foto von ihrer eigenen Mutter in den Rahmen zu stecken. Die Beiden hatten sich zwei Tage andauernd gestritten, bis das Bild eines Nachts vor Wut einfach aus dem Rahmen geploppt war und die Weasleys es Tags darauf am Boden vorgefunden hatten.
„Der Rahmen klebt jetzt noch an der Wand, aber wen stört das schon, jetzt sind wir das alte Biest wenigstens los", endete eine breit grinsende Ginny die Geschichte.
„Wenn wir gewusst hätten, dass es so einfach ist ...", stellte Hermine mit abwesender Stimme fest. „Du Ginny, wärst du mir böse, wenn ich etwas allein sein will, ich bin noch etwas müde."
Sie erntete einen weiteren Blick von Ginny, eine Mischung zwischen Skepsis, Besorgnis und leichtem Ärger. „Gut", kam es entschlossen von ihr, „wie sehen uns später."
Sie winkte Krummbein noch einmal zu und verschwand aus dem Zimmer, viel schneller als Hermine es erwartet hatte.
Diese, inzwischen mit bequemer Muggelkleidung fürs Wochenende bekleidet, ließ sich laut seufzend auf ihr Bett fallen. „Endlich Ruhe", stöhnte sie in den Raum und genoss es keine Antwort zu bekommen. Sogar Krummbeins motorisches Schnurren hatte aufgehört, scheinbar war er von Ginnys ewigen Erzählungen eingeschlafen.
Hermine konnte es ihm nicht verübeln, sie wollte ja gerne mehr von den Sommerferien erfahren, aber andererseits hatte sie es nicht mehr so schön gehabt die letzten Wochen und je mehr sie von dem Spaß der Anderen erfuhr, umso isolierter und abgekapselter fühlte sie sich selbst.
Außerdem musste sie sich in naher Zukunft etlichen Problemen stellen. Ihre Gedanken wanderten dauernd zu ihm und da gab es noch das schreiende, rote Schild in ihrem Kopf, das sie nicht vergessen ließ, dass sie auch noch mit Ron etwas zu klären hatte.
Sie schloss die Augen. Nur ganz kurz, sagte sie zu sich selber und bevor sie es bemerkte, war sie eingedöst
-o-
Diesmal wachte sie auf ohne irgendwelche Träume gehabt zu haben.
Ihr Kissen war nass, von ihren noch immer leicht feuchten Haaren und sie setzte sich blinzelnd auf. Die Sonne flutete nicht mehr ganz so hell in ihr Zimmer und sie fragte sich wie spät es wohl sein mochte. Kurzerhand griff sie zu ihrem Zauberstab, legte ihn auf die flache rechte Hand und sprach mit, vom Schlaf noch rauer Stimme, das trotzdem wohl formulierte Wort: „horologium".
Der Stab hob sich einige Zentimeter über ihre Hand und schoss Richtung Fenster davon. Kurz vor der Glasscheibe bremste er ab und pendelte kurze Zeit seine Spitze gen Sonne gerichtet ein. Danach schwebte er zurück zu Hermine und schrieb die Zahlen Vierzehn und etwas kleiner daneben Zwanzig in die Luft, bevor er wieder in ihrer Hand landete.
Sie hatte das Mittagessen also schon verpasst. Ihr Magen protestierte leicht, aber sie war auf der anderen Seite froh, wenigstens Zeit geschunden zu haben, bevor sie ihren Konflikten ins Auge sehen musste.
Was sollte sie jetzt tun um sich das Wochenende zu vertreiben? Nach Lesen war ihr nicht zumute, sie war irgendwie zu nervös dazu. Gerade als sie sich fragend umblickte, fiel ihr Blick auf das Pergament auf ihrem Schreibtisch, mit der skizzenhaften Einrichtung, die sie vor kaum einen Tag geschaffen hatte.
Perfekt! Genau auf das hatte sie jetzt Lust. Sie suchte ein paar Sachen aus ihrem Koffer, die ihr nicht gerade ans Herz gewachsen waren und die sie nicht mehr benötigte.
Darunter waren ein zerlöcherter Strumpf, eine selbst gestrickte Wollmütze, eine zerbeulte B.Elfe.R-Plakette, ein abgespitzter Muggelbleistift und einiges mehr zu finden.
Sie breitete alles sorgsam am Fußboden aus und fing mit dem Zauberstab in der einen und der Skizze in der anderen Hand an, konzentriert die Utensilien in Einrichtungsgegenstände zu verwandeln.
Dies brauchte einige Zeit und war ziemlich anstrengend.
Sie saß mit schweißnasser Stirn über den Schreibtisch gebeugt da und studierte eine besonders komplizierte Stabbewegung aus einem alten Verwandlungsbuch ein, als es an der Tür klopfte.
Schon wieder, dachte sie, völlig ahnungslos, dass seit dem letzten Klopfen fast ein ganzer Tag vergangen war. Sie schaute das erste Mal seit Stunden auf und merkte, dass draußen bereits die Sonne tief stand, es musste bald Zeit für das Abendessen sein. Das würde sie sicher nicht auslassen, nach einem ganzen Tag ohne Nahrung, fühlte sie sich nämlich schon ziemlich wackelig auf den Beinen.
Wieder ein robustes Klopfen und Hermine murmelte zum zweiten Mal an diesem Tag das Passwort, welches die Tür nach Innen aufschwingen lies.
Dann geschahen mehrere Dinge auf einmal: Ron und Harry stürmten in das Zimmer und riefen wie aus einem Munde „Wer hat dir das angetan, war es Malfoy?"
„Ich bringe ihn um", setze Ron nach und Harrys grüne Augen schossen Funken, als würde er für Rons Vorhaben bereits wilde Pläne schmieden. Dahinter sah sie Ginny in der Tür, die ihr mit lautlosen Worten und Gesten „S o r r y" deutete. Dann war ihr roter Lockenkopf auch schon aus dem Zimmer verschwunden.
Hermine hatte keine Zeit wütend zu werden, die beiden jungen Männer vor ihr hatten sich aufgebaut und starrten sie fragend an, nicht bereit nur einen Schritt zur Seite zu weichen.
„Was wollt ihr?" Hermine versuchte Zeit zu schinden.
„Spiel nicht dumm Hermine, Du bist die letzte, der man das abkauft!", sagte Harry aufgebracht und Ron setzte seinen Satz fort. „Wir wollen wissen, wer dich grün und blau geschlagen hat, damit wir ihn in die Besinnungslosigkeit hexen können."
„Mich hat niemand geschlagen", versuchte Hermine die Wut der Beiden zu beschwichtigen, doch sie schienen ihr kein Wort zu glauben.
„Kein Slytherin legt ungestraft Hand an eine Gryffindor, schon gar nicht an dich, Hermine", fauchte Harry wild.
Das Geschenk für Ginny wird gestrichen, tobte Hermine innerlich. Musste sie unbedingt alles weitererzählen?
„Sag uns jetzt wer es war", bohrte sich Rons wütende Stimme in ihr Ohr. Er schien zu wütend zu sein um wegen dem gestrigen Vorfall irgendein schüchternes Verhalten an den Tag zu legen; und gerade das machte auch Hermine wütend. Er war schuld an ihren blauen Flecken. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte ihr aufkommendes Temperament herunter zu drücken. „Niemand hat mir etwas angetan, beruhigt euch doch bitte erst einmal."
Ohne Ron wäre es nicht soweit gekommen und ich hätte nicht mit IHM gestritten, nachdem ich in diesen dummen Spiegel gesehen habe.
„Es ist nichts aus ihr heraus zu bekommen, es kann nur Draco gewesen sein, welcher Slytherin sonst legt sich dauernd mit Gryffindors an. Lass ihn uns suchen gehen, ich kenne einige Methoden die Wahrheit aus ihm heraus zu hexen, selbst wenn ich am Anfang des Schuljahres die Hauspunkte für ein ganzes Semester verliere", biss Harry zwischen den Zähnen hervor.
Es machte Hermine wahnsinnig. Wollte wirklich niemand auf sie hören? War es so egal, was sie sagte, was sie erklärte, war sie etwa ein dummes kleines Mädchen, das nicht auf sich selbst aufpassen konnte?
„Es war nicht Draco, wie oft soll ich es noch sagen", kam es in schon etwas schärferen Ton von ihr.
Sie liebte die Beiden wie Brüder und doch hasste sie es wie die Pest, wenn sie sie so unmündig behandelten und sich selbst über sie erhoben, als könne sie nicht für sich selber sorgen.
In manchen Situationen schätzte sie den Beschützerinstinkt ihrer zwei Freunde, aber gerade jetzt wollte und konnte sie es ihn nicht tolerieren.
„Wer, wenn nicht Draco würde es wagen Hand an dich zu legen? Ginny sagte doch es war ein Slyth... „ Harry kam nicht dazu weiter zu sprechen, denn er wurde von einem entsetzten Wutaufschrei von Ron unterbrochen. „Snape", schnaubte, nein tobte er geradezu.
Harry sah Ron verwirrt an, dann trafen seine Augen Hermines und sie wusste, sie hatte sich mit ihrem Gesichtsausdruck verraten; sie sah es an Harrys Blick und in seiner ungläubigen Miene.
Ron hingegen war inzwischen puterrot geworden. Alle seine Wut, addiert mit der des gestrigen Abends schien aus ihm heraus zu brechen und sogar seine Ohren, hatten mittlerweile einen beängstigend explosiven Rotton angenommen.
„Ich – bringe – den – Mistkerl – um!" Er betonte jedes Wort seines Satzes in einer Stimme, die Hermine eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Er war wirklich wütend, doch das war sie auch.
„Das wirst Du nicht Ronald Weasley, es geht Dich nichts an."
„Achso?" Das Wort klang für Rons Maßstäbe sehr bedrohlich. „Es geht mich also nichts an, wenn diese widerliche, alte Fledermaus dich anpackt?"
„Nein, es geht dich nichts an!"
„Das denkst du! Nicht nur, dass er uns gestern gestört hat, uns ungerechtfertigt Punkte abgezogen und dich dann was weiß ich wohin verschleppt hat", spuckte er triumphierend aus, „jetzt muss ich auch noch erfahren, dass er dich angefasst hat. Ich schwöre, ich breche ihm alle Knochen."
„Du brichst ihm nichts, hast du verstanden! Er und Ich, wir gehen dich nichts an!", spuckte sie ihm entgegen.
„ER und DU?"
„Er und Ich, zusammengefasst WIR, wenn es dir sonst kein Begriff ist."
„Seit wann gibt es ein WIR zwischen dir und der alten Fledermaus?" Ron brüllte sie geradezu an.
Hermines Stimme hingegen war leise geworden: „Ich warne dich, halte dich zurück!"
Obwohl die Worte keineswegs nur halbwegs so gefährlich klangen, wie Hermine es sich in ihrer wütenden Rage gewünscht hätte, trat Ron einen Schritt zurück.
Seine Wangen wechselten die Farbe und wurden von einen auf den anderen Moment ziemlich fahl. Sein Blick schweifte kurz von ihr ab in das fast fertig eingerichtete Zimmer, blieb kurz scheinbar verwirrt an ihrem Bett hängen und schweifte dann wieder zurück zu Hermine.
„Ach so ist das!" Grimmiger Zorn sprang aus seinem Gesicht.
„So ist was?"
„Er hat dich verhext!"
„Hat er nicht."
„Ich werde dir zu deinen Gunsten nicht glauben, Hermine."
Bevor ihn Hermine noch einmal warnen konnte, trat er überraschend schnell auf sie zu und flüsterte in ihr Ohr.
„Deswegen sagte er mit gestern, ich soll dich nie wieder anfassen, ist es nicht so? Weil es seit neuesten ein WIR zwischen euch Beiden gibt."
Mit diesen Worten drehte er sich am Absatz um und war mit drei großen Schritten aus dem Zimmer und Hermines Blickfeld verschwunden.
Sie taumelte zurück, geschockt als hätte er sie gerade geohrfeigt und war nicht fähig ein Wort zu formulieren, weder mit ihren Lippen noch in ihrem Kopf. Sie griff sich an die Wange, wo sie noch immer Rons wütend heißen Atem spürte und konnte einfach nicht glauben, was sie soeben gehört hatte.
„Waaaas ...?", war das Einzige, was sie nach langer Stille lose in den Raum warf.
Harry war noch im Zimmer und hatte den Streit zwischen den Beiden still beigewohnt, erst jetzt fing er wieder an zu sprechen, wobei sich Hermine nicht sicher war wie viel er wusste.
„Schau in den Spiegel und dann schau dir dein Zimmer an Hermine. Ich mache mir Sorgen um dich. Sprich mit Dumbledore wenn du nicht mit uns sprechen willst, aber sprich mit jemandem. Wir sehen uns beim Abendessen. Du wirst dort sein, oder?"
Hermine nickte langsam, noch immer vom Schock mitgenommen mit dem Kopf.
Er drückte schnell ihre Hand und einen Moment später war sie wieder alleine in ihrem Zimmer.
Schau in den Spiegel und dann schau dir dein Zimmer an, Hermine, wiederholte sie Harrys letzte Worte im Kopf.
Unsicher und am ganzen Körper zitternd stakste sie ins Bad. Ihr Blick fiel in den großen, quadratischen Spiegel, dessen Rand seit ihrer Renovierungsaktion mit einem zierlichen Mosaik ausgelegt war.
Ihr Spiegelbild war völlig normal, nur ihre Augen glühten in einem giftgrünen Smaragd, welches nun, wo sie es beobachtete, sich langsam wieder in das ursprüngliche Braun zurück verfärbte.
Der Schreck fuhr ihr durch Mark und Bein. Sie hatte diese Augen schon einmal im Denkarium gesehen, doch direkt in sie hinein zu schauen, sie als ihre eigenen zu erkennen, war beängstigend und befremdend.
Sie stolperte verwirrt zurück in ihr Zimmer, wo sie vor kurzem noch fleißig mit Renovieren und Einrichten beschäftigt gewesen war und beeilte sich zu ihrem nun großen Himmelbett zu kommen, bevor ihre Beine versagten.
Ihre Hände krallten sich in die Matratze und sie sprach sie selbst gut zu, sich nicht aufzuregen, sie musste sich jetzt beruhigen. Intuitiv suchten ihre Finger die vertraute Stelle unter ihrem Kopfkissen ab und ohne hinzusehen fand sie es wieder, das Wappen!
Es war wieder da! Sein, nein ihr Wappen war wieder da!
Sie fühlte das kühle, glatte Metall in ihre Hand gleiten und schloss die Finger darum. Es schien als würde eine beruhigende Welle durch ihren Körper schwappen und ihr wild pochendes Herz beruhigte sich etwas.
So saß sie noch eine lange Weile da, die Hand unter ihrem Kissen, das Wappen der Familie Snape fest in ihre Faust eingeschlossen. Die Dämmerung schlich sich langsam in die Ecken des Zimmers und legte sich über die grünsilbernen Vorhänge ihres neuen Himmelbettes, als das Feuer in ihren Kamin grün aufflackerte und sie zu ihrer Überraschung Dumbledores Gesicht zwischen den tanzenden Flammen sah.
„Kind, kommen Sie in die Halle und essen Sie etwas! Sie waren bei keiner Mahlzeit heute."
Hermine lächelte und nickte.
Sie konnte es tun; sie konnte Harry und Ron beim Abendessen in die Augen sehen. Sie war stark genug, denn sie wusste jetzt, dass sie ihm etwas bedeutete. Sie wusste nicht was, aber das war für den Moment gar nicht wichtig, sie war allein von dieser Feststellung völlig eingenommen und das erste Mal seit langem wieder von Frieden erfüllt. Es fühlte sich richtig an.
Hermine stand langsam auf und verließ ihr Zimmer in Richtung Großer Halle.
TBC
Kommentare und Legende:
Horologium bedeutetUhr (lat.)
Vielen Dank auch noch einmal speziell an MissySnape, Minnnie, pandoradoggis, Lexy83, Kissymouse, Susanne, Jessy2104, Nifilwen, Nici Cavanaugh, CallistaEvans, Avallyn Black für eure tollen reviews, jedes Einzelne macht mich glücklich. Ihr spornt mich total an und ich hoffe ihr macht so weiter und sagt mir auch zu diesem Kapitel eure Meinung.
Also Go-Knöpflein drücken bitte!
