Kapitel 6 - Abschied von der Erde
Es war der Abschiedsbrief von Dashie an ihren Vater. Diesen Brief kannte ich schon aus der Geschichte „My Little Dashie", aber es war doch nochmal ein anderes Gefühl, den Brief wirklich in den Händen zu halten. Behutsam legte ich ihn wieder in die Seiten.
Ich blätterte die vorherigen Seiten durch und betrachtete die Bilder, eines nach dem anderen. Dashie und ihr Vater hatten wirklich eine schöne Zeit miteinander. Daraufhin bekam ich Bedenken. Wie würde ihr Vater auf mich reagieren? Eine zweite Person in seiner Welt, die Dashie auch „Papa" nennt? Ich würde damit alles durcheinander bringen. Vielleicht hatte Marlene doch Recht und ich sollte mich aus dieser Geschichte heraushalten. In diesem Moment flog Dashie zu mir in das Wohnzimmer.
„Das Haus ist leer, ich habe ihn nicht gefunden. Er ist wahrscheinlich noch in der Stadt, aber er müsste bald nach Hause kommen."
„Dashie? Können wir kurz miteinander reden?" fragte ich sie.
Sie warf mir einen beunruhigenden Blick zu, als wüsste sie bereits, was ich ihr sagen würde. Dann flog sie herüber und ließ sich neben mir auf dem Sofa nieder.
„Schau. Du weißt doch noch damals, wie ich dir geholfen habe, und du dein Leben wieder leben konntest, erinnerst du dich?"
„Ja, aber was willst du mir damit sagen?" sah sie mich verwirrt an.
„Ich denke, wir sind wieder an diesem Punkt angekommen. Du weißt, wenn dein Papa wieder bei dir ist, muss ich wieder in meine Welt zurückkehren. Es ist für mich wieder Zeit zu gehen."
„Nein! Du kannst nicht einfach gehen und mich verlassen!" sagte sie und begann langsam zu weinen.
„Ich muss, Dashie! Wie würde dein Papa reagieren, wenn es neben ihm noch jemanden gibt, den du ebenfalls Papa nennst?"
„Bitte gehe nicht fort! Mein Papa ist ein ganz netter Mensch! Du wirst ihn mögen! Ihr werdet euch beide prima vertragen!"
„Da bin ich mir sicher. Aber ich möchte deine Welt nicht noch mehr durcheinander bringen, ich gehöre nicht hierher. Mein einziges Ziel war es, dass du wieder mit deinem Papa zusammen bist."
Ihr kamen die Tränen, als ich diesen Satz sagte.
„Aber ich brauche dich." sagte sie mit weinerlicher Stimme zu mir.
„Er braucht DICH, Dashie. Das ist in diesem Moment das wichtige. Du wirst eine wundervolle Zeit mit ihm haben."
Celestia hatte im Raum gestanden und alles mitgehört. Auch ihr kamen die Tränen.
„Er hat Recht, Rainbow Dash. Ich werde dafür sorgen, dass ihr beide glücklich in Equestria leben werdet."
Rainbow Dash schien zu verstehen, warum ich nicht bei ihr bleiben konnte und versuchte es zu akzeptieren. Sie wusste nichts von meiner Abmachung mit Celestia. Ich hoffte nur, dass ihr Zauberspruch funktionieren wird und wir alle unser altes Leben fortsetzen konnten. Ich wollte Rainbow Dash noch einen Moment für sich geben, also ging ich kurz vor die Tür. Plötzlich hörte ich hinter mir etwas. Jemand kam aus der Scheune, die neben dem Haus stand.
Er trug einen schwarzen Kapuzenpullover, die Kapuze über das Gesicht gezogen. Die Hände waren in die Hosentaschen gedrückt. Als ich bemerkte, dass die Person zielgerichtet auf das Haus zuging, wusste ich, wer die Person war. Dashies Papa.
Ich rannte ins Haus rein und sagte ihnen, dass er gleich hier sein würde. So versammelten wir uns im Wohnzimmer und warteten. Rainbow Dash wollte ihren Vater überraschen. Er kam an die Tür, schloss sie auf und betrat das Haus. Womöglich war ihm sofort aufgefallen, dass im Wohnzimmer Licht brannte.
„Hallo? Ist dort jemand?" fragte er schüchtern, um nicht allzu viel Aufsehen zu erregen.
Dashie bemerkte seine Stimme sofort.
„Papa?" rief Dashie aus dem Wohnzimmer zu ihm rüber.
Er antwortete zunächst nicht, doch dann hörte ich wie er zielgerichtet auf das Wohnzimmer zulief. Als er in der Tür stand, blieb er kurz stehen und setzte seine Kapuze ab und starrte fassungslos auf sie.
„D...Dashie?"
„PAPA!"
Man konnte erkennen, dass er einen kleinen Bart trug und die Frisur leicht durcheinander war, ähnlich wie bei Rainbow Dash...nun, bis auf den Bart.
Ihr Vater stand wie er, als Dashie ihm mit voller Geschwindigkeit entgegenflog und er sie in seine Arme schloss.
„Oh Gott, Dashie! Du bist es wirklich! Wie ist das nur möglich?" sagte ihr Vater mit Tränen in den Augen.
„Wie ist es möglich, dass du dir so schnell ein Bart gewachsen ist? Wir waren doch nur für ein paar Stunden weg."
„Dashie, du warst seit 10 Tagen lang weg. Ich dachte schon, ich sehe dich nie wieder."
Langsam kam ich dahinter, wie groß der Zeitunterschied war. Aber 10 Tage? Hatte ich wirklich so lange geschlafen? Wie war das nur möglich? Der Kalender, der im Zimmer hing sagte die Wahrheit. Es waren wirklich 10 Tage vergangen. Das beschäftigte mich wirklich sehr, doch darum konnte ich mir ein andermal Gedanken machen. Wichtig war jetzt, dass sie wieder bei ihrem Vater war. Als ich ihn sah, fiel mir seine Ähnlichkeit zu mir auf. Er hatte den gleichen freundlichen Gesichtsausdruck wie ich, dasselbe sympathische Lächeln, sah aber gut zehn bis fünfzehn Jahre älter aus wie ich. Er klang auch ähnlich. Wenn ich nicht als Einzelkind auf die Welt gekommen wäre, hätte ich ihn glatt für meinen älteren Zwillingsbruder gehalten.
Sein Blick fiel als nächstes auf Prinzessin Celestia und die anderen Ponys.
„Ich...ich kann euch gar nicht sagen, wie..."
„Bitte warte mit deiner Danksagung, bis du den Grund für unseren Besuch erfahren hast.", unterbrach ihn Prinzessin Celestia. Er kam sofort zur Sache.
„Ihr...ihr werdet sie wieder mitnehmen, oder?"
„Ich fürchte ja." Celestia warf mir allerdings dabei ein Zwinkern zu.
„Nun, wenn es so sein soll. Es tut gut zu sehen, dass es dir gut geht. Ach, meine kleine Dashie. Ich bin so froh, dass ich dich nochmal sehen konnte."
„Paps?"
„Ja, Dashie?"
„Was würdest du dafür geben, mit mir in Equestria zu leben?"
Diese Frage verwirrte ihren Vater.
„Aber, Dashie...Ich würde alles geben, um mit dir in Equestria zu leben."
„Ist das wahr?"
„Ja. Ich würde alles geben, um zusammen mit meiner kleinen Dashie zusammen zu leben."
„Dann haben wir eine gute Neuigkeit für dich. Wir haben die Möglichkeit gefunden, dich nach Equestria mit zu nehmen, doch dafür..."
„Ja?" unterbrach Dashies Vater Celestia aufgrund seiner Euphorie.
„...dafür musst du dein Leben auf dieser Welt aufgeben und du kannst diesen Ort nie wieder besuchen. Du wirst ein neues Leben in Equestria bekommen...mit Rainbow Dash."
Dabei wandte sich sein Blick zu mir.
„Da steckst du dahinter, oder? Bist du derjenige der meine Geschichte verfolgt hat?"
Ich war in diesem Moment etwas skeptisch ob ihr Vater wirklich wollte, dass ich mich in die Geschichte eingemischt hatte.
„Ja, aber ich wollte nicht..."
„Danke, dass du uns geholfen hast. Ich weiß, wie viel Arbeit es dir damals gemacht hatte sie wieder zurück zu mir zu bringen. Dashie hatte es mir erzählt."
Ich fragte mich wieso er mich nicht in seine Geschichte hineingeschrieben hatte, doch er wird sicherlich seine Gründe gehabt haben.
„Celestia? Ich reise mit meiner kleinen Dashie und euch nach Equestria. Hier gibt es nichts, was mir etwas ähnliches bieten würde." sagte er selbstsicher.
„Wenn dies dein Wunsch ist, doch zunächst müssen wir zum Portal zurückkehren."
„Das wird etwas schwierig. Ich glaube nicht, dass ich euch beide heben kann." grinste Rainbow Dash.
„Das ist kein Problem. Ich werde ihn nach Hause fahren, geht ihr schon mal vor." sagte ihr Vater.
Ich bedankte mich bei ihm vielmals, doch ich wunderte mich auch gleichzeitig wieso er nicht fliegen wollte. Celestia und Rainbow Dash hätten uns problemlos tragen können. Doch er bestand drauf mich persönlich nach Hause zu bringen. So machten sich die Ponys auf den Weg zu mir nach Hause und ich folgte Rainbow Dashs Vater zur Scheune. Scheinbar hatte er dort sein Auto geparkt.
Als er die Scheune aufmachte, traute ich meinen Augen nicht. Innen stand ein hellblauer '67 Ford Mustang, genauso einer wie in meinen Träumen.
„Das scheint dein Traumauto zu sein, oder?" grinste er mir zu.
Er wusste nicht wie recht er damit hatte. Als ich einen Blick auf den Kühlergrill, die Zierleisten und das Heck warf, war ich überwältigt.
„Oh ja, den Wagen hätte ich auch gerne."
„Willst du ihn haben? Er gehört dir."
Ich glaubte nicht richtig zu hören. Er schenkte mir einfach so sein Auto?
„Da wo ich hingehe, brauche ich es nicht mehr. Du kannst es haben, wirklich. Es ist das mindeste was ich tun kann, nach allem was du für mich und Rainbow Dash getan hast. Komm'! Setz' dich ans Steuer. Wir wollen sie ja nicht ewig warten lassen."
Ich setzte mich in das Cockpit rein und fasste das erste Mal an das Lenkrad. Es war wirklich so wie ich es mir immer erträumt hatte. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Dann startete ich den Motor und das Geräusch war überwältigend, es war eine richtige Massage für meine Ohren. Ich fuhr langsam aus der Scheune raus und er verschloss sie, bevor er sich zu mir rein setzte. Mittlerweile war es Nacht geworden und er zeigte mir wo ich aus der Stadt hinausfahren konnte. In ein paar Stunden würden wir zuhause ankommen. Ich nutzte die Zeit um mich mit ihm zu unterhalten. Ich hatte so viele Fragen an ihn, aber die hatte er scheinbar auch.
„Wie ist dein Name?" wollte er wissen.
„John. Und wie heißt du? ROBCakeran53 ist wohl nicht dein richtiger Name."
Er lachte. „Nein, natürlich nicht. Nenn' mich Blaze, aber in deinen Augen bin ich bestimmt nur irgendein Brony."
„Was ist ein Brony?" fragte ich verwirrt.
„Sag' bloß, dass du auf meine Geschichte aufmerksam geworden bist, ohne über diesen Begriff zu stolpern!"
Ich musste ihm zustimmen, denn ich hatte keine Ahnung was ein Brony war. So erzählte er mir während der Fahrt davon, dass so die Fans der Serie „My Little Pony" genannt würden. Doch er selbst distanzierte sich von dem Teil, der sich in düstere Bereiche bewegen würde. Ich fragte ihn, welche das wären. Es war ihm zwar unangenehm darüber zu reden, doch er erzählte mir von den Schauergeschichten, der dunklen Seite des Fandoms. Eine dunkle Verschwörungsgeschichte einer Regenbogenfabrik in Cloudsdale, das postapokalyptische Ende von Equestria und der Name eines Ponys, welches inmitten dieses Zentrums steht und das Bekannteste von allen in der Brony Fangemeinde ist.
„Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Ich kann verstehen, dass es dir unangenehm ist. Aber wieso redest du mit drüber?"
„Weißt du, ich gehe davon aus das Celestia unsere Erinnerungen löschen wird, also sag ich es dir. Ich weiß wer du bist und wozu du in der Lage bist. Ich habe eine Bitte an dich. Bitte sorge dafür, dass solche Sachen niemals passieren werden. Kämpfe wenn es sein muss um deine Welt und Equestria zu beschützen. Versprich' es mir. Ändere den Verlauf der Geschichte, wenn es sein muss. Du hast es für mich getan, tue es auch für dich."
Ich war erstaunt, woher er das wusste, aber dann wiederholte er sich nochmal.
„Bitte versprich' es mir. Es ist mir sehr wichtig."
„Ich verspreche es. Aber woher weißt du das alles?"
„Sagen wir, ich kann gut in die Zukunft sehen. Manchmal träume ich Sachen, die erst viel später passieren. Ich habe dich in einem meiner Träume gesehen und wusste, dass sich eines Tages unsere Wege kreuzen würden. Ich sah woher du kommst...und auch deine eigene Welt. Sie ist wirklich wunderschön."
Mehr konnte er mir darüber nicht erzählen, aber er fragte mich um meine Traumwelt aus und er war der erste Mensch dem ich davon erzählen konnte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Jeder normale Mensch hätte mich sicherlich sofort in die Psychiatrie eingewiesen, doch er hörte mir gespannt zu. Er interessierte sich vor allem zu meinem Verhältnis mit Marlene und wir waren beide der Meinung, dass sie ein außergewöhnliches Wesen war. Es tat gut, endlich mal mit jemanden darüber zu reden, der einen verstand. Die restliche Zeit der Fahrt verbrachten wir damit über sein Leben in Equestria zu reden. Er sagte mir genau was er mit Rainbow Dash vorhatte und was er alles mit ihr unternehmen würde, bis ins kleinste Detail. Auch wenn ich wusste, dass ich mich bald nicht mehr daran erinnern würde, nahm ich jedes Detail in mich auf und versuchte es bestmöglich zu behalten.
Nachdem wir zuhause ankamen, parkten wir den Wagen und gingen in meine Wohnung hinauf. Ich sah an seinem Blick, dass ihm die Umgebung vertraut erschien, womöglich erinnerte sich aus seinen Visionen heraus. Als wir meine Wohnung betraten, standen die Ponys bereits am Portal.
„Ihr habt ja lange gebraucht. Was habt ihr denn so lange gemacht?" fragte Rainbow Dash interessiert.
„Ich denke, ich habe etwas über Freundschaft gelernt." antwortete ich und lächelte Blaze zu, welcher das Lächeln erwiderte.
Dann merkte Rainbow Dash, dass es an der Zeit war zu gehen. Noch einmal bedankte sie sich bei mir, doch ich war nicht mehr traurig sie gehen zu lassen. Sie war jetzt zuhause und glücklich und wenn sie es war...dann war ich auch glücklich. Doch Celestia trübte mein Lächeln etwas. Als die Ponys Rainbow Dash durch das Portal mitnahmen, blieb sie kurz zurück um ihre Abmachung einzuhalten.
„Ich danke euch beiden im Namen von Equestria, aber ihr beide wisst, was nun kommt. Es wird Zeit..."
„Danke für alles was du für mich getan hast." sagte ich.
„Ich danke dir für alles was du für mich noch tun wirst." sagte Blaze.
Dann gaben wir beide das Einverständnis für den Zauberspruch, denn nur so konnte sie die Wand in unseren Erinnerungen errichten. Vor meinen Augen wurde es hell und ich hatte das Gefühl durch tausend Türen zu fallen, bevor alles dunkel wurde.
Ich wachte in meinem Zimmer auf, es war bereits Mittag gewesen. Ich hatte mir aus irgendeinem Grund keinen Wecker gestellt und was noch viel merkwürdiger war: Ich lag mitten im Wohnzimmer auf dem Boden. Scheinbar war ich gestern so müde, dass ich es nicht mal mehr ins Bett schaffte. Womöglich könnte mir Marlene später sagen was am letzten Abend los war, denn ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Aber an eine Sache konnte ich mich erinnern: Ich musste noch Einkaufen fahren und fuhr mit dem Rad los zum nächstgelegenen Supermarkt. Als ich fertig war und wieder raus kam, bemerkte ich, dass etwas vor meinem Fahrrad lag. Eine blaue Feder. Ich war mir sicher, dass sie vorher noch nicht dort gelegen hatte. Ich fand sie zu schön um sie im Dreck liegen zu lassen, also hob sie auf, doch als ich sie in die Hand nahm fühlte sie sich nicht nach Plastik an, so wie diese Federn an Indianerhüten oder so. Nein, sie war echt!
Seltsam...wo mag die wohl hergekommen sein?
