Harry

Harry lag im ehemaligen Haus seiner Tante und seines Onkels. Sein ganzer Körper tat weh und er war absolut ausgelaugt. Er war gerade noch so entkommen. Er dachte, Voldemort würde ihn töten, aber alles was er auslöschte, war das Stück seiner eigenen Seele, das in Harry lebte. Und Harry überlebte. Er konnte immer noch nicht glauben, was passiert war, noch konnte er sich erklären, dass es keinem auffiel, dass er noch lebte. Voldemort musste doch jemanden geschickt haben, um zu prüfen, dass er diesmal auch eirklich tot war. Trotz allem war Harry für eine Weile nicht bei Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam lag er seitlich auf dem Boden mit dem Blick aufs Geschehen. Der Kampf war erneut ausgebrochen, mit Neville als Anführer. Er lief allen voran mit Gryffindors Schwert in den Händen in Richtung der Todesser. Ganz vorsichtig lugte Harry, ohne sich dabei zu sehr zu bewegen, nach links und rechts und stellte fest, dass ihn niemand beachtete. Er musste es schaffen, die Schlange zu töten und anschließend musste er sich um Voldemort kümmen. Doch Voldemorts extreme Folter hatte ihre Spuren hinterlassen und Harry fühlte sich nicht dazu in der Lage sich auch nur von der Stelle zu bewegen. Verzweifelt beobachtete er den neu erwachten Kampf und musste festellen, dass keiner von denen, die auf seiner Seite kämpften, wirklich Schaden nahm. Anders sah es bei den Todessern aus die, trotz ihrer Überzahl, ordentlich einstecken mussten.

Sich noch einmal absichernd, dass ihn niemand beobachtete, wanderten seine Augen zu Ron und Hermine, die er weit von ihm entfernt entdeckte. Sie flüchteten gerade vor der Schlange. Sie wollten wohl den Auftrag beenden und die Schlange töten, doch anscheinend sind sie gescheitert. So wurden die Jäger zu den Gejagten. Fast hätte Harry nicht bemerkt, dass ihnen noch jemand folgte: Neville. Richtig, Harry hatte auch ihm den Auftrag gegeben, Nagini zu töten. Vielleicht konnte er Hermine und Ron retten, bevor die Schlange sie erwischte. Kurz darauf waren sie aus seinem Sichfeld verschwunden und er konnte nur noch hoffen, dass ihnen nichts passieren würde und sie es schaffen würden.

Ohne Vorwarnung fing Harrys Narbe heftig an zu schmerzen, als würde sie gleich seinen ganzen Kopf aufreißen. Sie mussten es geschafft haben. Ein paar Menschen traten zur Seite und machten so sein Blickfeld frei. Er konnte sie sehen,alle drei, unverletzt. Nachdem Voldemort versuchte, Rache an Neville zu üben, disapperierte er. Harry dachte darüber nach, es ihm gleich zu tun, war sich aber nicht sicher, ob seine Kraft dazu ausreichte. In seinem Zustand konnte er sowieso nichts ausrichten, so sehr es ihm auch wiederstrebte, aber die Flucht war seine einziger Ausweg. Abgesehen davon brauchte er aber Ron und Hermine, sie müssten allerdings zu ihm kommen, damit sie auch an den selben Ort apparieren würden. Sonst würden sie sich wohl nicht mehr finden, noch dazu dachten sie, dass er tot war, so gab es gar keinen Grund für sie, zu Harry zu gehen. Während er seine Möglichkeiten abwog spürte er eine hefrige Druckwelle, die ihn einige Meter nach hinten warf. Voldemorts Wut hatte sich entladen und alle zu Boden geworfen. Er erhaschte noch einen letzten Blick auf Ron und Hermine bevor diese, ohne zu wissen, dass er noch lebte, an einen ihm unbekannten Ort apparierten. Viele folgten ihrem Beispiel und versuchten davonzukommen, nicht alle schafften es. Niemand achtete auf ihn, es war vielleicht seine letzte Chance, um noch davonzukommen. Er disapparierte.

Nun lag er, mit seinen Kräften völlig am Ende, im ehemaligen Wohnzimmer der Dursleys. Nach kurzer Zeit machten sich die Strapazen seines Körpers wieder bemerkbar und er verlor das Bewusstsein. Als er wieder erwachte, war er in Finsternis gehüllt. Während es noch Tag war, als er aus Hogwarts geflohen war, war es nun Nacht geworden.

Langsam hatte sein Körper wieder etwas Kraft gefunden und er schaffte es, sich in eine sitzende Position zu hieven. In seinem Kopf drehte sich alles und langsam sackte das, was er vor ein paar Stunden noch erlebt hatte. Alle dachten, er wäre tot. Ron und Hermine waren weg und er konnte nirgends hin. Er war vollkommen alleine…

Was sollte er tun, wie sollte er Mitglieder des Phönixordens finden? Er musste davon ausgehen, dass die Todesser mittlerweile über den Grimmauldplace Bescheid wussten, es war also zu riskant, dort nachzusehen. Er war vollkommen auf sich gestellt.

Mit einem mulmigen Gefühl griff er in die Innentasche seiner Jacke um nachzusehen, ob sein Zauberstab noch heil und sein Umhang noch da war. Zu seiner Erleichterung war noch alles da und unbeschädigt. Sehr langsam stand Harry vom Boden auf und öffnete leise und vorsichtig ein Fenster. Die kühle, frische Nachtluft legte sich wohltuend auf ihn, als wollte sie seine Schmerzen lindern. Kaum hörbar führte er verschiedenste Schutzzauber aus, die ihn vor fremden Augen verbergen sollten und legte sich anschließend in eine Ecke, von der aus man ihn nicht sofort sehen könnte, wenn jemand rein käme.

Er hatte Voldemort tatsächlich erneut überlebt. Es musste mit dem Stein der Auferstehung zusammenhängen, anscheinend machte dieser nicht nur die Toten sichtbar. Erschöpft, traurig und verzweifelt sank er in einen unruhigen Schlaf.