Authors' Note:
Man will es kaum glauben, aber wir schreiben wirklich noch an dieser Story und erfreuen euch nun mit dem vierten Kapitel! XD
Wir arbeiten natürlich derweil am fünften Kapitel...
Es können Fehler auftreten, da die Story nicht beta gelesen wurde! (Sorry!) Und nun viel Spaß!
Kapitel 4:
1975
SIRIUS BLACK
"Wow, Cissa, hast du meine Noten gesehen? HAST DU SIE GESEHEN?" kreischte Regulus aufgeregt, als Narcissa und Jibril in Hogsmeade auf den Hogwarts-Express warteten und sich die anderen Schüler lautstark unterhielten.
Ihr kleiner Cousin wedelte mit einem Stück Pergament herum und sprang vor ihnen auf und ab. Er war in den vergangenen Monaten erneut gewachsen und war mit seinen 13 Jahren schon so groß wie Narcissa.
Allerdings wirkte er ziemlich schlaksig und dürr. Des Weiteren fiel Narcissa auch auf, wie gerne Jibril mittlerweile Zeit mit Regulus verbrachte. Denn auch jetzt nahm sie ihm das Pergament ab und schaute sich die Reihe von Bestnoten an, die er bei den Abschlussprüfungen eingeheimst hatte.
"Du hast mir auf dem Weg hierher schon fünfmal erzählt, wie es um deine Noten steht, mein Schatz!", sagte Narcissa gutmütig und umarmte ihn herzlich.
"Ja! Hab mich auch ganz doll angestrengt, damit ich heute wieder mit zu dir und Tante Elladora und Onkel Ambrosius kommen darf!" sagte Regulus und kuschelte sich an seine Cousine.
"Und was sagt dein Bruder dazu?" fragte Narcissa, die mittlerweile wusste, wie sehr Sirius sein kleiner Bruder am Herzen lag.
Regulus zuckte mit den Schultern. "Er hat was großes vor!" meinte er, "Irgendwas mit diesem James Potter. Aber er wollte nicht, dass ich drüber spreche!"
Mit gerunzelter Stirn wanderte Narcissas Blick über die Schülermenge hin zu Sirius und seinen drei merkwürdigen Freunden, die sich lautstark unterhielten. Es wirkte genauso wie in den letzten vier Jahren in denen er schon in Gryffindor lernte.
Was sollte Sirius schon im Schilde führen?
Mit einem Kopfschütteln verdrängte sie die Gedanken daran und wurde vom lauten Pfeifen der scharlachroten Lokomotive aufgeschreckt, als der Hogwarts-Express einfuhr.
"Los, lasst uns Plätze suchen!", sagte Jibril und zupfte Narcissa am Arm, ehe sie zur Tür drängte.
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Die Fahrt verlief recht beschaulich und unspektakulär. Regulus las angestrengt ein Buch über komplexe Heiltränke, die Zunge zwischen die Zähne geklemmt. Jibril döste nach einer Stunde weg und überließ Narcissa ihren Gedanken.
Seit ihrem Treffen mit Andromeda hatte sie nichts mehr von ihrer Schwester gehört. Nur eine Eule war angekommen, die ihr sehr neutral verkündete, dass sie nun eine Nichte mit Namen Nymphadora Narcissa Tonks hatte.
Sie hatte es kommentarlos hingenommen, aber eine Weile darüber nachgedacht, was ihre Schwester wohl dazu bewegt hatte, dem Kind ihren Namen zu geben.
Danach war ihr Kontakt jedoch vollends abgerissen. Aber das Narcissa auch von ihren Eltern gewohnt, die sich nicht um sie zu scheren schienen. Denn von ihnen hatte sie keine Nachrichten erreicht.
Mit einem tiefen Seufzen lehnte sie sich gegen die Scheibe und schlief irgendwann auch vor Langeweile ein. Es war Regulus, der sie bei der Ankunft in King's Cross weckte.
Perplex öffnete Narcissa die Augen, rieb sich den restlichen Schlaf von den Lidern und sah Regulus an: „In Ordnung, ich beeile mich ja!"
Der Hogwarts-Express kam bereits langsam und mit lautem Quietschen zum Stehen, als Narcissa sich soweit gerichtet hatte und mir ihrem Cousin und Jibril zur Wagentür gegangen war, um auszusteigen.
„Du schreibst mir doch in den Ferien, oder?" fragte Jibril, so wie sie es immer am Ende des Jahres tat, aus Angst, Narcissa könnte sie vergessen haben.
„Selbstverständlich!" antwortete diese mit einem milden Lächeln und wandte sich dann Regulus zu, „Und wo ist dein Bruder? Schließlich soll er dich doch nach Hause bringen!"
Narcissa hätte erwartet, das Regulus auf ein Abteil oder auf einige Schüler deutete, unter denen sie Sirius entdeckt hätte, doch stattdessen zuckte ihr junger Cousin nur mit den Schultern.
„Keine Ahnung, hab ihn das letzte Mal in Hogsmeade gesehen! Er wird sicherlich noch auftauchen!"
Mit einem letzten Rucken hielt der purpurne Hogwarts-Express in King's Cross und damit erübrigte sich für Narcissa die Antwort bis auf weiteres.
Gemeinsam mit ihrer Freundin zogen sie das Gepäck bis zur Tür, wo ihnen ein Hauself entgegen gesprungen kam. Es war Duffy, die Hauselfe ihrer Mutter Elladora, und der Sklave des Hauses Black. Ihr Bruder Kreacher diente Pandora in Number Twelve, Grimmauld Place.
Erleichtert, dass sie die schweren Koffer nicht selbst tragen musste, richtete Narcissa elegant den Kragen ihres Reisemantels und trat auf das Gleis, wo sie sogleich ihren Vater mit strenger Miene entdeckte.
Mit einem stummen Nicken verabschiedete sie sich von Jibril, die dann in entgegen gesetzter Richtung davoneilte und schließlich in der Menge verschwand.
„Komm schon, Regulus!" rief Narcissa über die Schulter und er gehorchte sofort.
Ambrosius wirkte, trotz des angespannten Gesichts und der straffen Schultern, wie ein alter, eingesunkener Mann mit wachsgrauer Haut und herabhängenden Tränensäcken. Seit fast einem Jahr hatte Narcissa ihn nicht gesehen, aber in dieser Zeit schien er dreimal so schnell gealtert zu sein als sonst.
„Guten Tag, Vater!" sagte sie förmlich und neigte den Kopf. Noch nie hatte sie eine besonders enge Bindung zu ihm gehabt. Aber selbst wenn es so wäre, hätten es sich Ambrosius und Elladora nie gestattet, ihre Kinder in die Arme zu schließen. Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken hinab, als ihr wieder klar wurde, dass sie für den Sommer in das völlig gefühlsarme Haus ihrer Eltern zurückkehren würde.
//Mein künftiges Zuhause wird nicht so sein! Meine Kinder werden viel Liebe erfahren!// schwor sie sich ins geheim.
Ambrosius nickte Regulus zu: „Du sollst am Haupteingang mit deinem Bruder warten bis Kreacher kommt! Narcissa, wir gehen jetzt!"
Damit ließ er ihr keinen Raum für weitere Worte und Narcissa begnügte sich damit ihren Cousin kurz auf die Stirn zu küssen und „bis bald!" zu hauchen, ehe sie hinter ihrem Vater hereilte.
Er war schon fast durch die magische Barriere in die Muggelwelt eingetreten, als sie ihn endlich einholte. Doch er machte sich nicht die Mühe seine Schritte zu verlangsamen sondern hastete aus dem Bahnhof, bog um mehrere Straßenecke, bis sie schließlich in eine dunkle Sackgasse kamen und er sie aufforderte, seinen Arm zu fassen.
Ruhig, aber mit nicht zu viel Druck, klammerte Narcissa beide Hände um den rechten Unterarm ihres Vaters.
Dann apparierten sie gemeinsam zurück nach Hause.
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Ihre erste Nacht in Black Mansion war genauso unruhig wie eh und je und noch vor Sonnenaufgang hatte sie sich daran gemacht, ihre restlichen Kleider auszupacken, sie ausgiebig zu waschen und anzukleiden und dann zum Abschluss ihren ersten Brief an Jibril zu verfassen.
Eine pechschwarze Eule flatterte vor ihrem Fenster und sie steckte ihr den Umschlag ins Maul, ehe sie aufstieg und mit den ersten goldenen Sonnenstrahlen verschmolz.
Sie nahm sich noch etwas Zeit, ihr blondes Lockenhaar ordentlich durch zukämen und es zu einer aufwendigen Frisur hochzustecken, bevor sie ihren Eltern entgegentreten würden.
Aber eigentlich hatte sie überhaupt keine Lust, heute irgendwem gegenüber zu treten, was aber weniger an Ambrosius und Elladora lag, sonder viel mehr an Bellatrix, die sich schon vor einigen Tagen daheim einquartiert hatte. Angeblich fühlte sie sich einsam, da Rudolphos für ihren dunklen Lord unterwegs war und Schrecken verbreitete. Er war sogar im Tagespropheten genannt – wenn auch nicht namentlich – in einem Artikel über ein Attentat auf Muggelgeborene Zauberer in Sleepy Quiber.
Völlig aufgeregt, ja, fast schon wollüstig wie Narcissa fand, sprach Bellatrix über ihre Berufung zur Todesserin. Und obwohl Voldemorts Todesser edle Ideale vertraten, so konnte Narcissa ihre Schwester deswegen nicht besser leiden.
Aber es nutzte wohl nichts, sich den ganzen Tag hinter Büchern zu verstecken, irgendwann würden sie sich ja doch über den Weg laufen. Also wartete Narcissa ab, bis sich das Licht des neuen Tages endgültig über die das Land ergoss und stand dann vom Stuhl vor ihrem Schminktisch auf.
Doch als sie ihre Zimmertür hinter sich schloss drangen bereits erregte Stimmen zu ihrem Ohr. Sie kamen aus dem Esszimmer im Erdgeschoss.
„Ich kann es nicht fassen! Erst Andromeda und dann das!" rief Ambrosius.
„Wie konnte uns nur so etwas widerfahren? Diese Schande!" kreischte Elladora völlig außer sich und ihre scharenden Schritte waren noch an der Treppe zu hören.
„Was hast du erwartet? Er ist ein Gryffindor!", kommentierte da auch schon die schrille Stimme ihrer Schwester, „Und Dumbeldore wird ihm auch noch Schutz gewähren sobald er wieder in Hogwarts ist!"
„Holen wir Regulus früher hierher, Narcissa wird sich um ihn kümmern. Pandora muss diesen Schock erst einmal verarbeiten!"
Ein lautes, qualvolles Aufheulen, ein rebellischer Schrei gegen diese Ungerechtigkeit entfuhr Elladora und Narcissa runzelte die Stirn, während sie langsam die Treppe hinab schwebte.
//Ein 15-jähriger Gryffindor? Was sollte sie das…// dachte Narcissa, doch dann stand ihr Herz für eine Sekunde still, als die Erkenntnis dämmerte.
//Sirius!//
Ihre Schritte beschleunigten sich und sie verzichtete auf Förmlichkeiten, ehe sie ins Esszimmer gestürmt kam.
„Was geht hier vor?" verlangte sie zu wissen.
Alle drei stand da, Bellatrix lehnte gegen den großen, roten Ohrensessel ihres Vaters und schaute ihre kleine Schwester eine Sekunde perplex an, bevor sie sich bemühte, auf ihre Frage zu antworten.
„Es geht um Sirius! Er ist gestern nicht nach Hause gekommen! Wir fürchten, er hat die Seiten gewechselt!"
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Die folgenden Tage füllte Narcissa sich, als hätte man ihr offen ins Gesicht geschlagen, wann immer sie an Sirius dachte. Noch schlimmer wurde dieses Gefühl, als schließlich der junge Regulus ins Haus seiner Tante und seines Onkel umzog und Pandora in einem Brief erklärte, sie wollte ihren anderen Sohn für eine ganze Weile nicht daheim sehen.
Obwohl Regulus bemerkte hatte, das etwas gewaltig nicht stimmte, versuchte er Narcissa wann immer er konnte aufzumuntern. Vermutlich hatte er noch nicht begriffen, dass sein Bruder nie wieder nach Hause kommen würde.
Und gerade das machte Narcissa noch wütender auf Sirius.
Dass Andromeda Schande über die Familie gebracht hatte, damit hatte sie sich abfinden können, vermutlich waren sie alle so besser dran. Doch von Sirius hätte sie mehr Verantwortungsgefühl und Anstand erwartet, vor allem nach all den Geschehnissen um Neujahr und seinem Betragen in Hogwarts. Sie war sauer, dass er seinen Bruder allein bei seiner geisteskranken Mutter zurück gelassen hatte und sich nicht einmal darum scherte, was wohl aus ihm werden würde.
Narcissa würde Regulus allein kaum gegen den Einfluss von Bellatrix und Rudolphos oder ihren Eltern schützen können, zumindest nicht auf Dauer. Irgendwann würden sie ihn wohl so unter der Knute haben. Und das konnte der zart besaitete Regulus nicht gebrauchen. Zumindest war sie dieser Meinung.
Wann immer es ging, ließ sie ihn nicht aus den Augen und spielte mit Zaubererschach, wobei sie regelmäßig verlor.
Aber nicht nur Sirius' ominöses Verschwinden trübte Narcissas Gemütszustand.
Eines Nachmittags, als sie wieder mit Regulus in der kleinen Bibliothek der Blacks saß und wartete, dass ihr Cousin seinen nächsten Zug machte, kam ihr Vater Ambrosius in den Raum und verzog ungehalten den Mund.
„Schach ist nichts für so junge Dinger wie dich, Narcissa, wann wirst du das endlich einsehen?"
Ähnliche Sprüche musste sie sich auch gefallen lassen, wann immer er oder Bellatrix sie mit einem neuen Buch sichteten. Keiner der beiden ließ es sich nehmen, sie darauf hinzuweisen, dass sie bloß albernen Träumen nachhängen würde und sich lieber auf wichtigeres konzentrieren sollte, auch wenn sie nie sagten, was genau das sein sollte.
Und bei all diesen Geschehnissen, blieb Narcissas Stimmung eher gedrückt.
Seufzend setzte sie sich eines Nachts Ende Juli vor ihren Schminktisch und öffnete ihre Haare und wünschte sich, jemand würde kommen und sie und Regulus einfach mit sich nehmen, weit weg von hier. Aber das würde vermutlich nicht geschehen.
//Bleib auf dem Boden der Tatsachen, Cissa!// ermahnte sie sich selbst und blickte aus dem Fenster. Draußen war es bereits stockdunkel und ein paar einzelne Sterne glimmten am Firmament. Nur der Schein ihrer Öllampe, die sie neben sich auf den Tisch gestellt hatte, spiegelte sich in den alten Fensterscheiben.
Es klopfte an der Tür und Regulus trat ein. Narcissa musste nicht mal über ihre Schulter zurück blicken, um zu wissen, dass er es war.
Er schlicht leise auf sie zu und blieb dann neben ihr am Fenster stehen, einen seltsamen, ernsten Ausdruck auf dem Gesicht, der ihn älter wirken ließ, als er war.
„ich frage mich, wann wieder etwas Ruhe in diesem Haus einkehren wird", meinte er ohne Einleitung und mit einer fremdartigen, klaren Stimme. Narcissa war mehr an Regulus' kindliches Benehmen gewöhnt, das viele glauben ließ, er sei geistig ein wenig zurück geblieben. Aber die Leute irrten sich, wenn sie Regulus für dumm hielten, geschweige denn glaubten, er ließe sich einfach so täuschen.
Dennoch waren Narcissa diese Moment voller Klarheit und Brillanz manchmal ein wenig unheimlich.
„Ich weiß es nicht", sagte sie langsam, „Vielleicht nie mehr!"
Regulus nickte und starrte hinaus in die Nacht.
„Die Erwachsenen machen so ein Gewese um uns Junge. Dabei sollten sie darauf aufpassen, was sie selbst tun!"
Narcissa zog die Augenbrauen fragend hoch.
„Was meinst du damit?"
„Schau dir doch Ambrosius an. Er sieht krank und schwächlich aus, obwohl er noch nicht so alt ist. Aber er weigert sich einen Heiler aufzusuchen…"
Narcissa fühlte einen Knoten in der Brust, als sie Regulus lauschte. Das letzte was sie gebrauchen konnte, war noch eine Familientragödie.
„Vermutlich ist er sehr krank, der Dummkopf. Wer weiß da, wie lange er noch Leben wird. Und dann Sirius…"
Er seufzte, dann wandte er sich langsam Narcissa zu und ein Ausdruck von Traurigkeit schlicht sich in seine Gesichtszüge.
„Hast du in den letzten Wochen etwas von ihm gehört? Warum ist er nicht nachhause gekommen?"
Sie sog die Luft scharf ein. Natürlich musste er diese Frage irgendwann stellen, aber sie war nicht gerade glücklich darüber, dass sie diejenige war, die ihm die bittere Wahrheit erzählen musste.
„Nein, Regulus, und ich glaube… dass wir nie wieder etwas von ihm hören werden!"
Er blinzelte, dann griff er nach einem Hocker, den Narcissa neben ihrem Schrank deponiert hatte und setzte sich.
Sie erklärte ihm, was Bellatrix und ihre Eltern ihr vor einiger Zeit erzählt hatten. Und nach der Sache mit Andromeda musste selbst Regulus klar sein, dass man nie mehr zurück konnte, wenn man einmal verstoßen worden war.
„Das würde erklären, warum Mama eines Nachts in dem Zimmer verschwunden ist, in dem unser Stammbaum hängt. Ich habe lautes Knallen gehört und es hat nach Feuer gerochen. Sie muss Sirius ausradiert haben…" murmelte Regulus, die Augen mit Tränen gefüllt.
Narcissa wusste nicht, was sie sagen sollte. Regulus war nun vollends bewusst geworden, dass sein Bruder ihn verlassen hatte – einfach so.
„Ich…", sagte sie dann jedoch schließlich mit belegter Stimme, „Ich… es tut mir leid, Regulus! Ich weiß, ich wird ihn dir nicht ersetzen können…"
Weiter kam sie nicht, denn Regulus war halb vom Hocker aufgestanden und warf sich ihr um den Hals.
Sie tätschelte scheu sein langes, schwarzes Haar und bemühte sich, ihm Trost zu spenden. Doch gleichzeitig kochte eine neue Welle aus weiß glühendem Zorn in ihr jäh hoch.
//Wenn ich dich in die Finger kriege, Sirius!// dachte sie verbittert//Dann wirst du mich kennen lernen!//
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Das es kein gutes Jahr für das noble Haus der Blacks war, drang auch bis nach Malfoy Manor durch. Zwar stand nichts über Sirius Flucht im Tagespropheten – dafür war der 16-jährige Junge wohl kaum wichtig genug – aber Bellatrix Lestrange ließ es sich nicht nehmen, sich lang und breit darüber auszulassen, als sie von Lucius Mitte August zum Abendessen eingeladen worden war.
Dieser saß nach einer halben Stunde gelangweilt an der Tafel und ließ sich von Dobby dem Hauselfen neuen Wein einschenken.
Er schätzte Bellatrix sehr, das stand außer Frage, doch manchmal zeigte sie deutlich die hysterischen Charakterzüge ihrer verkorksten Mutter. Und dann war sie kaum auszuhalten.
„Bellatrix!" meinte er nach einer Weile und stellte das Glas auf den Tisch, „Jetzt beruhig dich endlich!"
„Du hast leicht reden!" fauchte sie, „Die Malfoy-Familie muss ja nicht in Schimpf und Schande leben. Ihr seid seit Jahrhunderten schon eine Serie tadelloser, reinblütiger und sehr begabter Männer!"'
„Ja, und das wird mit Hilfe deiner Familie auch so bleiben!" betonte Lucius, wild entschlossen, das Thema Sirius endlich abzuschließen, „Tröste dich damit, dass Sirius Black sich schon noch selbst sein Grab schaufeln wird. Und sobald Narcissa meine Frau geworden ist, wird eure Familienehre automatisch wieder hergestellt. Und jetzt zerbrech' dir nicht unnötig den Kopf!"
Bellatrix schnaubte, sagte aber nichts mehr. Von der geplanten Verlobung ihrer jüngeren Schwester mit Lucius hatte sie kurz vor Narcissas Rückkehr aus Hogwarts erfahren und man konnte auch jetzt sehen, dass sie diese Verbindung nur gutheißen konnte.
„Außerdem", fuhr Lucius unbeirrt fort, „Bist du ja auch nicht wegen deines Cousins hier, wenn ich dich daran erinnern darf!"
„Ja, du hast Recht!" sagte Bellatrix widerspenstig, doch dann zog sie eine Rolle Pergament aus der Innenseite ihres anthrazitfarbenen Umhangs hervor, „Der Dunkle Lord hat mir diese Botschaft für dich mitgegeben! Er schien sehr angetan von deinem… Engagement!"
Sie reichte Dobby die Pergamentrolle, der sich eiligst zum anderen Ende der Tafel zu Lucius brachte. Ehrfürchtig nahm dieser sie entgegen und entrollte sie sorgfältig vor sich auf dem Tisch.
Der Überfall von Sleepy Quiber war ein voller Erfolg, doch kann ich Rudolphos an dieser Front nicht entbehren.
Die Mission im Ministerium erfordert größte Vorsicht, daher vertraue ich sie dir an, Lucius. Ich erwarte deinen Bericht bis Ende August! Ein Misserfolg wird nicht bebilligt werden!Fiebrige Erregung packte seinen Körper, doch er wagte nicht, sie Bellatrix zu zeigen. Stattdessen lehnte er sich gelassen zurück und nippte an seinem Wein.
Seine Schulfreundin beäugte ihn fragend, als wollte sie keine Nuance seiner Reaktion verpassen. Doch als sie bemerkte, wie entspannt er reagierte, verhärteten sich ihre Gesichtszüge.
„Ich hoffe dir ist klar, wie wichtig es ist, das Ministerium zu unterwandern! Du sollst den Lord mit ersten Informationen über die Mysterienabteilung versorgen. Außerdem will er über die nächsten Schritte der magischen Polizei-Brigarde und der Auroren auf dem Laufenden gehalten werden!" versuchte sie ihm einzubläuen.
„Ich weiß, Bellatrix", zischte Lucius genervt.
„Wenn du meinst. Aber bedenke, dass, wenn du scheiterst, wir beide des Todes sind. Der Dunkle Lord vergibt keine Fehler!" Ihre Stimme war voller Anspannung.
„Du weißt doch hoffentlich noch, dass ich sehr überzeugend wirken kann, wenn ich das möchte. Glaub mir, die meisten Angestellten im Ministerium tun bereits was ich möchte, da wird das kaum ein Problem sein", erwiderte er selbstsicher, stand auf und verstaute nun die Nachricht von Lord Voldemort sicher in einer Schublade eines antiken Schranks.
„Nun", sagte er langsam, als er zum Tisch zurückkehrte, sich aber nicht setzte, „Dann bleibt nur noch eine Sache zu erledigen, oder?"
Bellatrix nickte und langte noch einmal in ihren Mantel. Sie zog ein fast quadratisches, falsches Päckchen aus der Innentasche und legte es vor sich auf den Tisch. Es war sorgfältig mit hellbraunem Papier umwickelte und mit einer Kordel zugebunden, damit kein Schmutz an den Inhalt des Päckchens dringen konnte.
Ein Lächeln stahl sich auf Lucius Gesicht.
„Sehr gut!"
In diesem Moment schlug die alte Standuhr auf der rückwärtigen Seite des Salons und verkündete ihnen, dass es 8 Uhr war.
„Es wird Zeit, dass ich gehe!" verkündete Bellatrix kurz angebunden. Offenbar hatte ihr der Besuch bei Lucius nicht die erhoffte Genugtuung verschafft, aber das interessierte ihn sehr wenig. Stattdessen führte er sie zum Karmin hinüber und deutete mit der Hand auf die Urne mit dem Flohpulver.
„Wir sehen uns in einer Woche in der Nähe von Spinner's End!"
„Um Mitternacht!" bekräftigte sie und verschwand in den smaragdgrünen Flammen.
Lucius starrte einen Moment in die ersterbenden Flammen, dann sah er Dobby an und trug ihm auf, den Salon aufzuräumen. Im Vorbeigehen griff er nach dem Päckchen, dass Bellatrix da gelassen hatte und ging in seine Privaten Gemächer im ersten Stock.
Als er den Rundgang entlang schritt hörte er, wie sein Vater vor sich hin murmelte. Offensichtlich arbeitete er gerade wieder an einer neuen Lösung ohne sichtlichen Erfolg.
Lucius ignorierte ihn, ging weiter und stieß die schwere, schwarze Holztür zu seiner Kammer offen.
Im Inneren flackerte kleine Flammen im Karmin auf, als er eintrat, doch die Kerzen und Fackeln an den Wänden blieben gelöscht, denn durch die Fenster drang noch das goldene Licht eines Sommerabends.
Lucius ging durch den Raum zu einer Tür, öffnete sie und stand in seinem Schlafzimmer. Das Päckchen ließ er zunächst auf dem Bett zurück. Mit einem Wink seines schwarzen Zauberstabs schwangen die Flügeltüren eines mächtigen Kleiderschranks auf, um ihn einzulassen. Lucius trat hinein und damit in eine weitere Kammer, in der seine gesamte Garderobe untergebracht war. Er streifte den Umhang von den Schultern und schlüpfte aus den sauberen, schwarzen Stiefeln. Das lange, blassblonde Haar band er zu einem lockeren Zopf.
Barfuss verließ er den Schrank und spürte den dicken, roten Teppich unter seinen Sohlen. Dann widmete er sich wieder dem Päckchen.
Er sank auf das Bett, griff danach und entfernte die Kordel und das Papier. Bellatrix hatte den Inhalt äußerst sorgfältig umhüllt, aber so konnte er ihr auch keinen Vorwurf machen. Unter drei Schichten Stoff bekam er schließlich einen Bilderrahmen zu fassen und er befreite ihn vollends von seiner Verpackung.
Seine Augen weiteten sich und der Mund stand ihm ein wenig offen, als er schließlich die eingerahmte Photographie ansah.
Das Bild zeigte Narcissa Black.
Zu seinem Bedauern war es farblos, doch es zeigte sie in einem prächtigen, tief dekoltierten Kleid. Sie spielte an einem Anhänger, der um ihren langen Schwanenhals baumelte und hatte das blonde Haar in dichten Locken nach oben gesteckt. Sie hatte eine ernste Miene aufgesetzt, blickte zunächst nur über ihre Schulter doch wandte sich ihm dann vollends zu. Lucius starrte das Abbild an, und war vollkommen in ihren Bann geschlagen, denn sie war noch viel schöner, als er sie es in Erinnerung hatte.
Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht.
Er konnte kaum noch den Tag erwarten, an dem sie endlich ihm gehören würde. Bei ihrer kurzen Begegnung hatte Narcissa ihn im letzten Jahr so sehr verzückt, dass er nicht mehr an andere Frauen gedacht, geschweige denn sich mit ihnen getroffen hatte. Ganz zur Freude seines Vaters. Manchmal träumte er sogar nachts von ihr und malte sich aus, wie es sein würde, mit ihr zusammen zu leben. Schließlich schien sie so perfekt zu sein, wie sonst keine auf der Welt.
Er stand auf, das Bildnis immer noch in der Hand und ging zu seinem Nachttisch. Mit der freien Hand öffnete er die oberste Schublade, räumte sie frei und legte den Rahmen sorgfältig hinein.
In der Tat: Er konnte kaum noch den Tag erwarten, an dem sie Narcissa Malfoy und damit seine Ehefrau sein würde.
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Der heißeste Tag des Sommers brannte auf Black Manison nieder. In der Bibliothek und im Salon breitete sich eine stickige Hitze aus, so dass man es im Haus kaum aushalten konnte. Narcissa hatte sich schon am frühen Morgen entschlossen einen Abstecher ins Blaue zu machen und zog sich eine Jeanshose und einfach Schuhe an. Über ihrem Büstenhalter trug sie lediglich ein weites T-Shirt von Regulus.
Mit ihm gemeinsam ging sie dann am Vormittag hinaus und spazierte eine einsame Landstraße mit ihm entlang. Nur gelegentlich kamen ihnen andere Leute auf Fahrrädern oder gar Autos entgegen, doch durch ihre Erscheinung fielen sie und ihr Cousin niemandem ins Auge.
Beide hatten bereits die Hoffnung aufgegeben noch irgendwelche nachrichten aus Number Twelve, Grimmauld Place zu hören und konzentrierten sich somit darauf, die restlichen Ferien zu genießen.
Nach einer Weile marschierten sie dann querfeldein über eine Wiese, einen Abhang hinunter zu einem See, dessen Ufer von Schattenspendenden Bäumen umgeben war.
Weit und breit waren keine Muggel zu sehen. Ansonsten hätte sich Narcissa auch gewundert, denn im Umkreis von vielen Kilometern gab es keine Dörfer oder Städte.
Begeistert ließ sich Regulus am Ufer nieder und sie breiteten eine Decke aus, die sie mitgebracht hatten.
Gemeinsam sonnten sie sich und schwammen im kühlen See. Sie genossen ein spärliches Mahl, dass Narcissa in einem Weidenkorb mitgenommen hatte und blieben bis es fast Abend war. Die Sonne sank langsam dem Boden entgegen und auf dem Rückweg färbte sich der Himmel bereits rotgolden.
„Das war eindeutig einer der besseren Tage in diesem Sommer", kommentierte Regulus und kickte einen großen Stein vor sich her. Narcissa stimmte ihm mit einem Nicken zu.
Als dann die Sonne schon fast hinter dem Horizont versunken war, trafen sie wieder daheim ein. In der Eingangshalle wurden sie auch schon von Elladora erwartet, die erst aufgestanden war, als die beiden das Haus bereits verlassen hatten.
„Da seit ihr ja endlich!", herrschte sie Narcissa und Regulus an, doch blieb dan wie angewurzelt stehen, als sie ihre Tochter erblickte, „Wie siehst du aus?"
Kreischend schoss sie auf sie zu und gab ihr eine Ohrfeige.
„Du siehst ja aus wie eine verdammte dreckige Muggel! Geh sofort hoch und zieh dich um!"
„Ja, Mutter", sagte Narcissa tonlos und glitt an ihr vorbei und die Treppe hinauf, um sich für's Abendessen umzuziehen.
Sie wusch ihr Haar und zog ein luftiges Kleid an, während nun die Nacht herein brach und ein frischer Wind durch das Haus rauschte. Sie legte gerade einen Gürtel an, als es vor ihrem Fenster laut knackte. Erschrocken sah sie auf und vergas, dass ihre Mutter sie nun zum dritten Male zu Tisch rief. Vorsichtig und mit gezücktem Zauberstab ging sie vorwärts. Mit einer Hand öffnete sie das Fenster und ließ es nach innen aufschwingen.
„Hallo?" rief sie in die Dunkelheit. Ihre Augen huschten über die dicke Birke, die direkt vor ihrem Fenster wuchs und das Blumenbeet unter den Fenstern des Erdgeschosses. Doch sie sah nichts.
„Lumos!" flüsterte sie, als es erneut knackte und ihre Blicke huschten zu den oberen Zweigen der Birke hinauf. Doch was sie dort sah, ließ ihr beinahe das Blut in den Adern gefrieren.
Da hockte Sirius direkt vor ihr in der Baumkrone und suchte mit einem Fuß Halt. Er zuckte zusammen, als der helle Lichtstrahl ihn traf, der sich aus der Spitze von Narcissas Zauberstab ergoss.
Sprachlos starrte sie ihn an, als er ein schiefes, freudloses Lächeln aufsetzte.
„Hi, Cissa!" flüsterte er.
Narcissa fing sich, sah ihn eindringlich an und spürte, wie sich ihre Miene versteinerte.
„Was tust du hier?" fauchte sie scharf, „Du verdammter Verräter!"
Mit einem flehenden Gesichtsausdruck bedeutete Sirius ihr, die Stimme zu senken.
„Bitte lass mich erklären!"
„Dann sollte es besser eine gute Erklärung sein!" zischte, schäumend vor Wut.
Ihr älterer Cousin machte eine längere Pause und schien sich genau zu überlegen, was er wohl als nächstes sagen würde.
„Also, ich bin hier, um mich zu entschuldigen. Nicht nur bei dir, sondern auch bei Regulus. Es tut mir sehr leid, dass ich ihn einfach so zurück gelassen habe. Aber ich konnte einfach nicht nach Hause zurück. Ich habe es nicht mehr ausgehalten!" erklärte er mit leiser Stimme, „Ich denke, du kennst das!"
Zu ihrem Entsetzen musste Narcissa ihm zustimmen. Schließlich wünschte auch sie sich manchmal, an einem anderen Ort zu sein.
„Ja", gab sie zu, doch der Zorn stand ihr noch immer ins Gesicht geschrieben, „Aber ich habe es noch nicht getan, weil es meine Pflicht ist zu bleiben! Du bist nicht besser als Andromeda!"
„Das mag sein", erwiderte Sirius und verlagerte sein gewicht auf dem Ast, „Du magst auch über mich denken, was du willst Narcissa. Ich kann es dir nicht verübeln, schließlich kenne ich dich! Aber ich bin trotzdem hier, um dich um etwas zu bitten!"
„Und was soll das sein?"
„Gib bitte Acht auf Regulus, weil ich es jetzt nicht mehr kann. Er liegt dir mehr am Herzen als jedem anderen in dieser Familie. Dennoch, bitte ich dich, ihn vor unserer Mutter zu schützen, egal was auch kommt. Versprichst du mir das?"
Narcissa wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.
Sie hätte erwartet, dass sie Sirius Geld gab oder sonst ihren etwas aushändigte. Doch das traf sie sehr unerwartet und brachte sie völlig durcheinander.
„Ich passe schon auf ihn auf! Ich bin schließlich seine Cousine!" meinte sie bloß und ließ ihren Zauberstab ein wenig sinken, damit er Sirius nicht direkt in die Augen schien.
„Versprich es mir bitte trotzdem! Ich weiß, du kümmerst dich um ihn, doch es geschehen Dinge bei uns Zuhause, von denen selbst deine Eltern keine Ahnung haben. Wenn wir wieder in Hogwarts sind, werde ich wieder für ihn da sein, aber ich… nun sagen wir, ich kann ihm kein Bruder mehr sein! Ich kann und werde nie wieder in Number Twelve auf ihn aufpassen können! Regulus braucht also mehr als eine Cousine! Nimm meine Stelle als sein Bruder ein, Narcissa! Ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich nicht wüsste, dass er in guten Händen bleibt – für den Rest seines Lebens!"
Narcissa seufzte schwer. Seine Worte ließen sie ihre Wut vergessen, die sie seit Beginn der Ferien mit sich herumtrug. Anscheinend war Sirius sein Bruder doch nicht so egal, wie sie geglaubt hatte.
„Na gut", sagte sie schließlich, „Ich verspreche es! Aber nun mach, dass du weg kommst, bevor meine Eltern dich zu fassen bekommen! Einen abwesenden Bruder kann Regulus besser ertragen als einen toten Bruder!"
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Ende des vierten Kapitels
coming soon: Kapitel 5 'No Life Without Wife' (Titeländerungen vorbehalten)
