Happy schaute mich aus großen Augen an, ungläubig und gleichzeitig erleichtert. Obadiahs Gesicht bildete eine undurchdringliche Maske des nichtssagenden, leer und unheilvoll.

"Mia..." Setzte Happy an, schien den Gedanken dann aber wieder zu verwerfen und schritt voran Richtung Garage, ich folgte ihm. Die Eingangshalle war so still wie nie während wir sie durchquerten. alle sahen zu uns, die Frage woher ich es wusste und ob es wahr war stand allen ins Gesicht geschrieben, sie würden ihre Antwort noch kriegen, aber nicht jetzt. Noch immer wartete ich auf eine Reaktion von Obadiah, doch er stand noch an dem selben Platz wo ich mich aus seinem Griff gedreht hatte. Im Aufzug sah Happy mich fragend an, auch er wusste nicht woher ich mir so sicher war, doch hier war nicht der passende Ort, ich war überzeugt das Obadiah etwas im Schilde führte und traute ihm alles zu, selbst die Aufzüge abzuhören. "Wir nehmen den TT, ich fahre." Manchmal tat Happy mir leid, Tony und ich fuhren viel zu gerne selber als das wir jemanden brauchten der uns fuhr, aber Happy nahm es mittlerweile so hin, der Fuhrpark stand ihm auch so stets offen.

Im Auto brach es dann aus Happy raus "Warum bist du dir so sicher? Woher weißt du es? Mia!" "J.A.R.V.I.S. Ruf bitte Pepper an. Ich erzähl es dir sofort Happy." Ergänze ich weil Happy aussah als würde er gleich vom Glauben abfallen.

"Mia, ist etwas passiert?" Fragte Pepper am anderen Ende. "Wir haben ihn." Antwortete ich, am anderen Ende blieb es still. "Pepper, Happy seid nicht sauer, aber ich hab mich nicht ganz daran gehalten nichts zu unternehmen." Noch immer stille, Happy gab mir ein winziges lächeln und sagte "Was anderes hab ich auch nicht erwartet." "Pepper?" Es blieb in der Luft hängen, immer noch stille, dann "Wie hast dus rausgefunden?" "Wenn du geschlafen hast und Obadiah mich mal in ruhe ließ, hab ich an einem Suchupgrade geschrieben und es J.A.R.V.I.S. aufgespielt, ab da lief es im Hintergrund und hat nach allen ungewöhnlichen Ereignissen gesucht die mit Tony zusammenhängen könnten. Heute kam ein Treffer. Rhodey sagt das es sehr wahrscheinlich ist das ich recht habe, sie sind dahin unterwegs." "Nur sehr wahrscheinlich?" Fragte Pepper leise "Ich bin mir zu hundert Prozent sicher das er es ist!" Gab ich fest zurück.

Die nächsten Stunden waren die reinste Hölle, ich lief auf und ab, ging mit Happy in den Ring und machte sparring, kochte für alle und versuchte mich mit Kleinarbeiten abzulenken, aber nichts half. Pepper saß die ganze Zeit auf der Couch, aß was ich ihr hinstellte und trank Wein dazu, wenn aie so weitermachte würde ich den Wein gleich durch Saft ersetzten müssen. Happy tingelte hin und her, mal saß er bei Pepper, mal machte er meine Spirenskes mit.

"Miss Stark" ich riss den Kopf hoch "Ein Anruf von Mister Rhodes. Wo soll ich ihn hinleiten?"

"Stell ihn laut J.A.R.V.I.S.!" Ich schrie fast, auch Pepper war hochgeschreckt und starrte wie ich auf den Monitor vor uns.

"Mia, Miss Potts, Happy... Wir haben ihn. Er lief mitten durch die Wüste und überall waren Trümmerteile verteilte. er hat noch nicht viel erzählt, wird grade aufgepäppelt, war kurz vorm dehydrieren. Wir bringen ihn jetzt nach Hause." Er legte auf. Pepper begann zu weinen, Happy drückte sie kurz und sprang dann auf um alles für Tonys Rückkehr zu organisieren. Ich stand im Raum, wusste nicht wohin mit den ganzen Gefühlen die mich durchströmten. Ich merkte wie kein rechter Mundwinkel zuckte und sich langsam zu einem breiten Grinsen ausdehnte. Ich fing an zu lachen, hemmungslos zu lachen. Pepper sah mich an als wäre ich verrückt geworden, stand auf und kam auf mich zu. "Das hast du sehr gut gemacht Mia, dein Vater wird so,stolz auf dich sein." Ich hörte auf zu lachen und sah sie lange an, diese Frau hatte mich mit aufgezogen, aus mir gemacht was ich heute war, sie war die beste Ersatzmutter die man haben konnte. Hoffentlich merkt Tony bald was er an ihr hat. Dann nahm sie mich in den Arm, ich schlang meine Arme um ihre Hüfte und vergrub mein Gesicht in ihr, es fühlte sich wie zu Hause sein an.

Doch der Moment hielt nicht lang an. Die Tür wurde aufgerissen, trampelnde Schritte waren zu hören. Obadiah stand im Türrahmen. Seine Haltung zeigte Offenheit und Freude, er kam überschwänglich auf uns zu, wollte sich an der Umarmung beteiligen, doch wir stoben auseinander. Sein Gesicht war zu einem lächeln verzerrt, die Augen starr und unberührt von seiner aufgesetzten Freude.

"Mia! Sie haben ihn!" Er sah mich fest an "Ich weiß, Rhodey hat gerade angerufen." Gab ich zurück, die Augen starr auf ihn gerichtet. Bloß nicht weg gucken. "Erzähl mir doch, woher die Army es wusste, wie haben sie ihn gefunden?" Er versuchte interessiert zu klingen, aber ein kleiner Hauch an Wut schwang mit, ich hörte es deutlich. "Wenn sie es dir nicht erzählt haben, werd ich es dir auch nicht verraten." Aus dem Augenwinkel sah ich wie Peppers Auge zuckte, sie verstand. Obadiah wollte von dem Programm erfahren, das ich geschrieben hatte, er wollte es benutzten. Aber ich habe noch nie irgendwelche Entwürfe an ihn weitergegeben und heute würde ich damit ganz bestimmt nicht anfangen. "Rhodes sagte mir nur es gab einen Tipp, da fragte ich mich, wer ist clever genug so einen Tipp zu geben? Und neben Tony, der ja leider zu dem Zeitpunkt noch verschwunden war, fielst mir nur noch du ein. Doch du sagst mir nichts, Rhodes sagt mich nichts, vielleicht gibt es irgendwo noch ein Genie und vielleicht sollte ich mich lieber mit dem zusammen tun! Denn eure Geheimniskrämerei geht mir langsam auf die Nerven!" Er war lauter geworden, den letzten Satz hatte er beinahe geschrien, aber ich verzog keine Miene. Ich vertraute ihm nicht, das konnte er gern spüren. Ich wollte gerade ansetzten etwas zu erwidern als Pepper das Wort ergriff, ihre ganze Ausstrahlung hatte sich binnen Sekunden verändert, vor mir stand wieder die taffe, unerschütterliche und starke Pepper.

"Sollten Sie sich nicht freuen das er wieder aufgetaucht ist? Ich denke die Frage wem wir dafür danken dürfen, können wir auch später noch klären, wenn Tony wohlbehalten bei uns angekommen ist." Sie blieb dabei ganz ruhig und sachlich, heftete ihren Blick auf ihn und guckte als würde sie sich ohne eine Zustimmung nicht zufrieden geben. Ich konnte sehen wie sehr es ihm missfiel, aber er musste genauso wie ich wissen, das ihr zu widersprechen unklug war, also nickte er leicht, drehte sich um und ließ sich auf die Couch fallen und sagte "Dann werden wir jetzt wohl mal warten, es wird bestimmt noch 12 Stunden dauern bis er tatsächlich wieder im Land ist."

Ich sah zu Happy rüber, er nickt mir kurz zu und verschwand die Treppe hoch zum Trainingsraum, ich würde ihm gleich folgen.

"Ich werde mich frisch machen und alle Formalitäten klären. Die Presse wird bald davon erfahren und bei uns auflaufen." Pepper war wieder völlig gefasst, es war erstaunlich. Ich hätte es ihr sogar beinahe abgekauft, wenn ihre Hände nicht so am zittern wären. Sie verschwand auch nach oben, man konnte hören wie sie J.A.R.V.I.S. Anweisungen gab und dann in einem der Bäder verschwand.

Ich war mit Obadiah allein. Die Spannung war greifbar, doch ich stand nur da und starrte aus dem Fenster. Nach einigen Minuten begann er zu sprechen.

"Ich weiß das du es warst. Und irgendwann werde ich deine Technik besitzen und verkaufen. Du bist nichts ohne ihn, denn er wird dich immer versteckt halten, dich immer in seinem Schatten stehen lassen. Er teilt keinen Erfolg, das was er damals getan hat... War um dich zu besänftigen, er braucht dich zwar, aber du brauchst ihn mehr." Ich schluckte meine Wut runter, was bildete er sich ein. Tony versuchte mich zu beschützen, die Zeit nach Mr. Frank hatte ich nicht vergessen. Und trotzdem konnte ich die Wahrheit hinter seinen Worten nicht verleugnen, wovor wollte Tony mich noch beschützen und wie lange? Nein! Er drängt sich nicht zwischen uns!

"Nur weil du ohne ihn nichts wärst, gilt das noch lange nicht für mich. Du bist seit Tony volljährig ist immer unwichtiger geworden und damit kannst du nicht leben." Das schien gesessen zu haben, er sah mich an, ertappt würde es am besten beschreiben. Aber er wäre nicht er wenn er sich nicht direkt wieder gefangen hätte, er grinste mich böse an. "Wenn du irgendwann rausfindest wer deine Mutter ist und weshalb sie dich hier hingebracht hat, wirst du über alles anders denken. Dann kannst du dir deine Selbstgefälligkeit sonst wo hin stecken. Du bist ein nichts, im wahrsten Sinne." Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, sah ihm in die Augen als er sich erhob, auf mich zu ging und sich zu meinem Ohr runterbeugte "Du bist vielleicht clever, aber du bist dumm zu glauben du wärst nicht ersetzbar. Er liebt dich und du ihn, aber wenn die Zeit reif ist, wirst du dich von ihm abwenden und deiner Mutter nachjagen. Du bist jetzt schon mehr wie sie als Tony es erwartet hatte." Damit ging er aus der Tür raus, ich hörte wie er den Motor startete und davon fuhr. Meine Maske bröckelte, ich sackte zusammen, die Hände auf den Ohren, wollte nicht darüber nachdenken was er gesagt hatte, wollte nicht drüber nachdenken was er meinte. Tony! Schoss es mir durch den Kopf. Er würde bald wieder da sein und wir würden unser Leben so weiter führen wie bisher. Aber wollte ich das? Wieder in den Schatten, hinter ihm statt neben ihm. Und wann würde er mir was über meine Mutter erzählen? Würde es überhaupt jemals oder würde ich es selber rausfinden müssen? Es gab so viele Fragen auf die ich keine Antworten hatte. Langsam stand ich auf, verließ ohne ein Geräusch zu machen das Wohnzimmer und stand plötzlich an der Klippe und starrte aufs Meer raus. Es hatte keine Antworten für mich, aber beruhigte mich. Meine Gedanken kamen zur Ruhe, ich würde ihn fragen. Den richtigen Moment abwarten und ihn drauf ansprechen, ihm verdeutlichen wie wichtig es mir ist. Wenn er mir dann immer noch nicht antwortet, würde ich es auf eigene Faust rausfinden.

"Mia?" Es war Happy, er sah frisch aus, geduscht und umgezogen. Wie lange stand ich schon hier? "Tony wird in ca. 3 Stunden landen, du solltest dich fertig machen. Wir fahren in 1,5 Stunden los." Es dauerte bis ich antwortete, er sah mich an, legte den Kopf etwas schief als wollte er etwas sagen, doch ich ließ ihn nicht. "Okay, ich geh dann mal duschen." Sagte ich und ging an ihm vorbei.

Ich würde ihn fragen!

Ich konnte ja nicht ahnen das sich in nächster Zeit keine Gelegenheit mehr dafür bieten würde.