Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals, doch es geschah nichts. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie wie Malfoy einen Arm auf Blaises Schulter gelegt hatte und ihn ziemlich ernst ansah.

Da hatte sie es sich doch viel zu leicht vorgestellt, denn Malfoy Junior schien von dem Umgang der Beiden nicht besonders angetan zu sein, im Gegenteil.

„Lass mich los.", forderte Zabini plötzlich und erst da bemerkte Hermione, wie fest Malfoy Zabinis eigentlich Schulter eigentlich berührte. Es war mehr als ein berühren, es war fast schon ein zwanghaftes zurückhalten.

„Du bist doch nicht bei Sinnen.", knurrte Malfoy seinen Freund an. Malfoys aggressive Art machte selbst Hermione Angst, weswegen sie zwei Schritte zurück wich und ein entsetztes Gesicht aufsetzte. „Und du, kleine Gryffindorschlampe...was fällt dir ein?", fauchte der Malfoy Erbe und hatte dabei sein Gesicht zu ihr herum gedreht. Natürlich weiteten sich ihre Augen, als er sie so betitelte. Gerade sie, eine Schlampe? Na er kannte die Schlossgerüchte wohl nicht, alle hielten sie für eine kleine Heilige, die nie etwas böses oder verbotenes tat.

„Drake, beruhig dich.", versuchte Zabini seinen besten Freund wieder auf den Boden zu bringen, doch das funktionierte nicht wie gewollt, denn dieser schlug direkt mit seiner Faust in das Gesicht seines Freundes. Ein erschrockener Aufschrei verließ Hermiones Kehle und sie wich weiter zurück. Eine Prügelei hatte sie nicht erwartet, hatte sie auch nicht gewollt.

„Wo ist dein Problem?", zischte Blaise, der sich seine Nase hielt.

„Wie kannst du nur?"

„Nur weil du nicht die Eier dazu in der Hose hast?"

„Als ob sich so etwas wollte..."

„Ach, hier geht es also nicht darum, dass du selber ran wolltest?"

„Das ist der beste Witz, den ich je gehört habe."

„Du bist ein schlechter Lügner."

„Und du bist eine Schande für alle Slytherins."

„Weil ich jemanden küssen wollte, der kein Slytherin ist?"

„Weil es eine Gryffindor ist."

„Weil es ein Mädchen ist, dem du selber die Zunge in den Hals schieben willst, wolltest du wohl sagen."

„Nein, dass garantiert nicht."

„Ach nein? Deswegen beobachtest du sie jede Nacht beim Schlafen."

„Ich bewache sie, damit sie nicht unbeobachtet durch das Haus schleicht."

„Natürlich, so entschuldigen sich Spanner immer."

„Das musst gerade du sagen, du stehst doch auch immer da und beobachtest sie."

„Ich würde es auch nie leugnen."

„Das macht dich..."

„RUHE", brüllte Hermione schließlich und alle sahen sie an. Nicht nur Zabini und Malfoy, alle blickten sie neugierig an.

„Das ihr euch für euer Verhalten nicht schämt ist wirklich traurig. Erst prügelt ihr euch und dann wollt ihr euch gegenseitig bloß stellen. Bloß stellen funktioniert aber leider nur, wenn man so etwas wie eine Moral besitzt. Das hat euch aber leider niemand mitgegeben.", sagte sie wirsch und starrte dabei vor allen Dingen Malfoy an, dessen Blick immer kühler und vor allem hasserfüllter wurde.

„Du kleine Gryffindorschlampe hast gut reden. Moral? Das ich nicht lache, große Retterin der Welt spielen, aber hier einem Slytherin, euren Erzfeinden, die Zunge in den Hals stecken wollen? Dabei hast du erst vor wenigen Tagen geheult und uns angeschrien, dass deine Eltern keine Todesser waren...erinnerst du dich? Ganz schön armselig."

„Du kleines, mieses Frettchen."

„Oh, was eine gelungene Beleidigung Granger, deine Wortwahl ist einschläfernd."

„Dein Charakter ist es ebenfalls."

„Du bist eine Parodie einer Frau."

„Schlappschwanz."

Murmeln und gefährliches Zischen erfüllte den Raum. Der Blickaustausch zwischen Malfoy und Hermione wurde immer grimmiger und wenn Blicke töten könnten, wären beide längst tot.

„Du kleines Miststück.", zischte Malfoy und kam ihr dabei immer näher und blieb nur wenige Zentimeter vor ihr Stehen, sie berührten sich beinahe. Sie sah nur etwas zu ihm auf, ein diabolisches Grinsen zierte sein hübsches Gesicht.

„Oh, der böse, böse Slytherin schafft es nicht einmal, mich richtig zu beleidigen. Wie ich gesagt habe, du bist ein Schlappschwanz."

Wieder vernahm sie das Murmeln, doch sie ignorierte es, blendete es vollkommen aus.

Sie keuchte auf, als Malfoy sie am Hals packte, er hatte seine Hand so gelegt, dass sein Daumen direkt unter ihrem Kinn lag. Er berührte sie nicht fest, doch allein die Geste, dass er sie am Hals fasste, war eine sehr bedrohliche.

„Pass auf was du sagst, denn du weißt nicht, wovon du sprichst.", knurrte er bedrohlich.

„Achja? Dann beweis es doch."

„Das willst du also, ja?"

„Du traust dich sowieso nicht."

„Da muss ich dich enttäuschen Granger, ich bin niemand, der seinen Schwanz einzieht."

„Große Töne kann jeder spucken."

„Drecksstück"

„Wichser."

Ehe noch irgendjemand etwas sagen konnte, hatte Malfoy seinen Kopf gesenkt und Hermione zu einem bedrohlich, harten Kuss zu ihm herauf gezogen. Mit enorm viel Körperkraft drückte er sie gegen die Wand und ließ sie spüren, wie körperlich überlegen er ihr eigentlich war.

Die Umgebung um sich herum vergessend, drückte die Gryffindor den Malfoy Erben von sich. Es kostete sie viel Kraft und ehe er sich versah, hatte sie ihm eine schallende Ohrfeige verpasst.

Knurrend kam er ihr wieder näher und verpasste ihr selbst eine Ohrfeige, ehe er sie wieder in einen Kuss zog.

Malfoy war jemand der auf solche Machtspielchen stand, er brauchte solche Situationen und Momente, davon lebte seine Lust.

Hermione war natürlich anders, sie hatte noch nie irgendeinen Lustvollen Moment erlebt, weswegen sie gar nicht so wirklich wusste, was ihr Erregung verschaffte, doch je mehr sie sich mit Malfoy angestachelte hatte und je bedrohender er wurde, umso größer wurde ihr Verlangen.

Es war seltsam, noch bevor sie herunter gegangen war zu der Party, hatte sie nie an so etwas gedacht und wenn dann hatte sie Zabini gesehen, er war netter zu ihr gewesen, hatte sich um sie bemüht. Nun stand sie in Malfoys Zimmer, ihre Lippen von seinen groben Küssen geschwollen, ihre Bluse weiter aufgerissen, als sie sein sollte.

Die Szene kam ihr absolut unrealistisch vor und das war sie wohl auch. Sie. Hier. In Malfoys Zimmer. Unten im Salon feierten die Slytherins noch ihre Party. Unter ihnen Zabini, der einerseits verletzt gewirkt hat, andererseits hatte er es gewusst. Aber welches Mädchen wählte schon Zabini, wenn sie Malfoy haben konnte?

Ihr Blick wanderte durch den Raum, als Malfoy auch schon wieder durch die Tür herein kam.

Es war alles irgendwie nicht wirklich. Vor wenigen Tagen hatte sie ihre Eltern verloren, ihre Identität, ihre Freunde, ihre heile Welt. Nun hatte sie eigentlich nichts.

Es erschreckte sie beinahe, wenn sie daran dachte, wie schnell sie ihren Verstand verloren hatte und nun mit Malfoy in seinem Zimmer war und es war klar, was passieren würde. Es war nicht so, als wären sie kleine Kinder, sie wussten genau wohin es führen würde und sollte.

„Angst?", hauchte Malfoy über Hermiones Schulter hinweg, so dass sie eine Gänsehaut bekam.

„Das hättest du wohl gerne.", erwiderte sie etwas selbstsicherer, als sie wirklich war. Letztlich hatte sie wirklich Angst. Immerhin war sie noch nie so mit einem Jungen zusammen gewesen.

„Ich wette ja, dass du die kleine Unschuld vom Lande bist", meinte Malfoy dann und traf natürlich ihren wunden Punkt, denn irgendwie war sie das ja auch. Natürlich versuchte sie ihre Unsicherheit zu vertuschen, doch er sah in ihrem Ausdruck genau, dass er ins Schwarze getroffen hatte.

Kein Wort verließ mehr seine Lippen. Mit einer fast brutalen Geste, drückte er sie auf sein Bett und grinste diabolisch, als sie beinahe verängstigt zu ihm hoch schaute. So liebte er es, so mussten Mädchen einen ansehen, dann konnte es nur noch gut werden. Er liebte es die Macht, die Kontrolle zu haben.

Als Hermione wieder herunter kam, waren viele schon gegangen. Blaise stand mit Nott zusammen in einer Ecke und unterhielt sich.

Ihr Blick wurde beinahe schwermütig, als sie ihn so da stehen sah und sie fühlte sich irgendwie schuldig. Er bemerkte, wie ihn jemand ansah und als sich ihre Blicke trafen, veränderte sich sein Blick.

Es waren nur wenige Schritte, doch es kam Hermione wie eine Ewigkeit vor. Als sie bei den Beiden ankam, hatte Nott sich schon von Zabini verabschiedet, so dass er sich herum drehen und ihnen seinen Rücken zuwenden konnte.

„Ich hoffe er hat dir nicht weh getan."

„Ich glaube, ich habe eher ihm weh getan.", sagte sie leicht amüsiert und musste bei dem leicht irritierten Blick von Zabini lachen.

„Was hast du getan?"

„Ihn erst in dem Glauben gelassen, dass ich mitmache und ihn dann an sein Bett gefesselt. Stablos versteht sich.", zwinkerte sie ihm zu und da musste Zabini doch schlucken. Manchmal waren Löwen eben die besseren Schlangen.

„Er tobt sicher."

„Soll er doch, er soll nicht meinen, dass er jede haben kann, nur weil er ein Malfoy ist."

„Du bist die erste, die ihn abweist."

„Oh ich fühle mich äußerst geehrt."

„Wieso hast du dich ihm denn verwehrt?"

„Spielt es eine Rolle?", fragte sie beinahe scheinheilig und als Blaise sie mit seinen dunklen, warmen Augen ansah, schmolz sie beinahe dahin. Plan hin oder her.

„Küss mich einfach.", flüsterte sie beinahe und als er sie wirklich an ihren Armen berührte und seine Lippen auf ihre senkte, war es genauso, wie sie es sich vorgestellt hatte. Er war unendlich zärtlich und so anders als Malfoy. Es war besser, als es jemals mit Malfoy sein könnte und sie war wirklich froh, dass sie hatte einen Rachefeldzug gegen Malfoy führen können.

Er würde sicher ebenfalls Rache üben, doch jetzt wollte sie nicht daran denken. Jetzt versank sie einfach nur in dem Kuss, der so voller Wärme war, dass ihr nicht nur körperlich warm wurde, nein es erwärmte auch ihre Seele.