Autor: Phoenix Boy
Übersetzung: das eulchen
Ungefähr eine Woche später saß James in der Bibliothek und wälzte sich durch die Aufzeichnungen über die Quidditchmannschaften der letzten Jahre. Da er neu in Hogwarts war, sollte er bis auf den Ruf niemanden kennen.
"Haben Sie schon einige Pläne?", fragte Minerva. Er sprang erschrocken auf, bevor er sich genug erholen konnte, um zu antworten. Wie konnte sie sich ihm so weit nähern, ohne dass er es gemerkt hatte...
"Ja danke, ich glaube, ich weiß, wen ich fragen werde, ich bin nur ein wenig überrascht, dass niemand sie schon zuvor in Erwägung gezogen hatte."
"Nun, wer ist es?", fragte sie. "Es kann nicht schlechter sein, als das Team, das ich ausgewählt hatte. Ich habe eines der besten Teams herausgesucht, an das ich mich erinnern kann, das Team von '81. Ich hatte nur vergessen, dass sie alle älter geworden sind und die meisten seit Jahren kein Quidditch mehr gespielt hatten, einige sogar seit Hogwarts nicht mehr."
James gab nach.
"Ich dachte eventuell an das Gryffindorteam von 1992, mit einer Veränderung. Oliver Wood als Hüter, Angelina Johnson, Alicia Spinnet und Katie Bell als Jägerinnen, Fred und George Weasley als Treiber und Charlie Weasley als Sucher."
Er hatte Recht, sie waren wahrscheinlich die beste aufgelistete Mannschaft der letzten zwanzig Jahre und auch wenn Charlie Weasley ihn ersetzen würde, würde sich daran nicht allzu viel ändern. Die Position des Suchers war diejenige, die am leichtesten auszutauschen war und es gab Gerüchte, dass Charly Weasley Angebote bekommen hatte, im Nationalteam zu spielen.
"Nun, warum bin ich nicht selbst darauf gekommen? Es klingt wie eine sehr gute Idee, aber ich befürchte, Du musst jemand anderes für Alicia finden. Sie ist nun Alicia Weasley, sie hat Fred vor vier Jahren geheiratet und ist zurzeit schwanger. Sie wird kaum fähig zum spielen sein."
"Oh", antwortete James, ein wenig verblüfft ob dieser Offenbarung. Er hatte dies niemals als potentielles Problem in Betracht gezogen. "Nun, ich kann immer noch Draco fragen, er kann sowohl Jäger als auch Sucher sein."
"Draco Malfoy? In dem Gryffindorteam, das ihn während seiner Schulzeit immer geschlagen hat? Du wirst weder ihn noch den Rest des Teams jemals dazu überreden können."
"Ich kann es zumindest versuchen."
"Bist du dir da sicher?"
"Ich kann auf jeden Fall Draco davon überzeugen. Aberforth meinte, dass er ihn mit zehn Eulen pro Woche bombardiert hat, um zu erfahren, wo ich bin. Ich... ähm... hatte vergessen, irgendjemandem zu erzählen, dass ich diesen Job angenommen habe. Die Hälfte von ihnen denkt wahrscheinlich, dass ich im Aurorprogramm bin. Ich hoffe, dass es dem Rest der Mannschaft nicht allzu viel ausmachen wird, er ist der beste Ersatz, an den ich denken kann, und er weiß, wie ich bin."
"Wenn du dir sicher bist..."
"Bin ich."
"Du weißt, an wen du dich wenden kannst, wenn du eine helfende Hand brauchen solltest. Hast du schon daran gedacht, wann du das Training ansetzt? Du musst es mit Rolanda ausmachen, wenn du das Schulspielfeld benutzen willst- sie wird sicherlich ihr Team dort haben in jeder freien Minute, die ihr bleibt."
"Ich habe gedacht, dass ich eventuell die Universität dazu überreden könnte, dort zu trainieren. Professor Wainwright, der Sportkoordinator, mochte mich und Draco schon immer. Er könnte vielleicht zu dem Entschluss kommen, dass es gut für seine Stundenten ist, so eine gute Mannschaft zu beobachten."
"Wie meinst du das? Ich bin mir sicher, dass die Universität genauso gute Spieler hat, die auch noch älter sind. '92 war Oliver der älteste und er war damals lediglich sechzehn."
"Komm schon Minerva, Wood ist ein professioneller Spieler, jeder denkt, dass er der nächste schottische Hüter sein wird. Mir ist zu Ohren gekommen, dass dieser Weasley, Charlie, eine Position als Sucher für das englische Team angeboten worden war, er es aber abgelehnt hatte, um nach Rumänien zu gehen. Angelina Johnson ist Hüterin bei den Harpies. Katie Bell ist Auror, aber sie hätte professionelle Quidditchspielerin werden können, wenn sie gewollt hätte, ebenso wie Alicia Spinnet. Und die Weasleyzwillinge- sie sind legendär, auch wenn nicht unbedingt für Quidditch."
"Ich denke, da hast du einen guten Punkt, James, sie waren ziemlich herausragend in ihrer Schulzeit. Wenn Potter bei ihnen wäre, wären sie unaufhaltsam. Ich erinnere mich noch daran, als der Junge das allererste Mal auf einem Besen saß- er muss elf gewesen sein, glaube ich, und in Gryyfindor! Ein anderes Kind, Mr. Longbottom, hatte sich das Handgelenk gebrochen und Rolanda war dazu gezwungen, sie alleine zu lassen und eilte zu Poppy. In dieser Klasse war ebenfalls Draco Malfoy. Die beiden Jungen konnten sich nicht ausstehen, Mr. Malfoy war damals ein sehr verwöhntes Gör, er hat sich seitdem merklich gebessert. Soweit ich mich daran erinnere, nahm Draco, der schon seit Jahren flog, Logbottoms Erinnermich mit der Absicht, es aufs Dach zu legen. Harry, der immer der Held sein musste, folgte ihm auf der Stelle und dachte nicht einmal daran, dass er überhaupt nicht wusste, wie man flog. Er war ein Naturtalent! Als Draco ihn kommen sah, warf er den Ball in Richtung Schloss. Harry fing ihn und stoppte spektakulär direkt vor dem Fenster des Lehrerzimmers. Er hatte mich zu Tode erschreckt. Ich schwöre, er dachte, dass wir ihn von der Schule werfen würden, als ich mich auf die Suche nach Wood machte. Der dachte zuerst, dass ich verrückt geworden war, ihm einen Erstklässler als Sucher zu geben, der nicht einmal wusste, was Quidditch war. Nach dem Ende ihres ersten Trainings schwebte er praktisch auf Wolken. Wenn das ganze Team spielte, verloren sie nicht ein Spiel, bis die Dementoren an die Schule kamen..."
"James räusperte sich vernehmlich und hinderte sie daran, die ganze Geschichte zu erzählen. Zumindest wiederholte sie nicht Madam Pomfreys Bemerkung, dass er ‚schwächlich' sei. Er war nie darüber hinweg gekommen."
"Oh, es tut mir so Leid James. Du wirst wahrscheinlich diese Briefe hoch zur Eulerei bringen wollen. Brauchst du Hilfe?"
"Nein Danke, es geht schon. Was denkst du, wie viele Trainingseinheiten ich brauchen werde?"
"Viele, glaube mir, viele. Es ist ein Albtraum, eine Mannschaft zusammenzustellen, die seit Jahren nicht mehr gespielt hat. Ihr werdet jeden Moment brauchen, den ihr habt."
"Okay."
Einige Wochen später hatte James Zusagen von allen voraussichtlichen Teammitgliedern erhalten. Er hatte außerdem äußerst vorsichtig darauf geachtet, Draco nicht zu erzählen, dass er der einzige Slytherin in einem Team war, das ansonsten nur aus Gryffindors bestand und den Gryffindors, dass sie mit Draco Malfoy zurechtkommen mussten. Er hatte Kontakt mit Professor Wainwright von der Universität aufgenommen und ihre erste Trainingseinheit auf 11 Uhr diesen Tages festgelegt. Gekleidet in den Quidditchroben seines alten Universitätsteams und mit seinem Feuerblitz XF in der Hand, flohte er zum Stadion. Er war zwar ein wenig früh, aber ihm war immer beigebracht worden, dass der Trainer der erste ist, der kommt und der letzte, der geht. Außerdem wollte er es nicht riskieren, Draco und die Weasleyzwillinge alleine zu lassen.
Professor Wainwright nahm ihn am Kamin in Empfang. Er war ein kleiner, dünner Mann von ungefähr 60 Jahren und wenn man ihn begeistert mit den Händen rumfuchteln sah, würde man ihn nicht für einen Quidditchtrainer halten. Zu diesem besonderen Ereignis hüpfte er beinahe vor Aufregung, da sein Wunderkind zu ihm zurückgekehrt war und er solch angesehene Spieler in seinem ‚kleinen' Stadion begrüßen konnte.
"James, mein Junge, wie geht es Dir?"
"Sehr gut, danke, Professer", sagte James grinsend. Jeder ließ Professor Wainwright seinen Willen- alles andere wäre Lebensmüde. "Und Ihnen? "
"Oh, gut gut. Du kommst gut mit deinem neuen Job zurecht, nehme ich an?"
"Es ist um einiges besser als alles andere. Ich denke, ich bin ganz gut. Wie macht sich Davy so? Er ist Ihr neuer Quidditchrepräsentant, nicht wahr?"
"Nicht allzu schlecht, wenn auch nicht auf Deinem Standard, befürchte ich. Er meint, er würde gerne professionell spielen, genau wie Du es auch hättest machen sollen!"
"Entschuldigung. Also, ist das Stadion gerade ganz und gar frei oder trainieren die Hausmannschaften?"
"Was immer Du wünschst, James. I dachte mir, dass du gerne mit einem Übungsspiel beginnen würdest, um zu sehen, wie gut das Team ist, bevor Du anfängst, also ist Merlin gerade draußen."
"Vielen Dank, Sir. Ich denke nicht, dass ich Probleme haben werde- außer mit Draco- aber es sollte sehr interessant werden. Kann ich meine Sachen irgendwo ablegen, während ich warte?"
"Deine übliche Umkleide ist frei heute. Niemand scheint sie in Beschlag nehmen zu wollen. Sie nennen es immer noch Evans Raum und bleiben davon fern."
James errötete. Das war nicht, was er beabsichtigt hatte, als er damit angefangen hatte und sein Team immer denselben Umkleideraum benutzte.
"Ähm, okay. Könnten Sie meiner Mannschaft Bescheid geben, mich auf dem Feld zu treffen, wenn sie ankommen, Sir? Ich werde mich ein wenig aufwärmen, während ich warte."
"Natürlich, fort mit Dir! Zeig meinen Jungs, wie es ausschauen muss."
Zehn Minuten später übte James seinen Wronskibluff zu den 'ooohs' und 'aaaahs' der jüngeren Mitglieder des Merlinteams.
"Hey Evans! Komm runter da!" schrie jemand. James wendete mitten im Flug, um sich umzusehen und erblickt die unverwechselbare Gestalt Draco Malfoys mitten auf dem Feld. Und er sah nicht gerade fröhlich aus.
James wich aus, landete perfekt genau vor dem anderen Mann und stieg von seinem Besen. Eine Faust traf ihn mitten ins Gesicht mit einer Geschwindigkeit, die sich mindestens nach 100 Meilen pro Stunde angefühlt hatte.
"Au! Womit hab ich das verdient?"
"Du hast mir nicht gesagt, wo du warst! Du hättest den Brief, den du mir geschrieben hast, ruhig unterschreiben können!"
"Hatte ich vor", antwortete James unschuldig und versuchte, wirklich verwirrt zu klingen. „Ich muss es wohl irgendwie vergessen haben."
"So, wo warst du?"
"Hogwarts."
"Hogwarts! Wieso?"
"Ich bin der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste."
"Ich hätte es wissen müssen", sagte Draco und sein Lächeln war einem Grinsen so nah, wie James es bei ihm noch nie gesehen hatte. "Okay James, ich verzeih dir!"
"Das ging aber schnell."
"Ja, nun, ich wollte dir sagen…" began er errötend.
"Was?"
"Ich bin Vater!", stieß er aus.
"Ich wusste nicht einmal, dass du verheiratet bist!"
"Nun, wenn du dir die Mühe gemacht hättest, in Verbindung zu bleiben, hättest du es gewusst. Ich habe Blaise Zabini geheiratet. Sie war im Agrippa-Haus hier und hat Ägyptische Beerdigungszauber studiert. Erinnerst du dich?"
"Ich glaube. Sie war Jäger, richtig?"
"Ja, sie ist wirklich genial."
"So, und was ist mit deinem Baby, ist es ein Junge oder ein Mädchen?", fragte James und versuchte, den offensichtlich verliebten Draco weit weg von dem Thema seiner Frau fernzuhalten.
"Oh, natürlich ein Junge. Es gibt niemals weibliche Malfoys, es passiert einfach nicht. Er hat blaue Augen in der Farbe von Saphiren und wunderschönes schwarzes Haar…"
"Schwarzes Haar?"
"Blaise hat schwarze Haare."
"Achso."
"Wir nennen ihn Harry, nach Potter, weißt du. Sein voller Name wird Henry Severus Malfoy sein und wir wollen dich und Severus als Paten. "
"Mich? Seid ihr sicher?"
"Hätte ich es gesagt, wenn ich es nicht wäre? Du kennst Severus, oder?"
"Severus Snape den Lehrer für Zaubertränke? Ja, und er kann mich nicht leiden."
"So ist er mit den meisten Leuten, natürlich nicht mit mir, aber mit fast allen anderen. Was hältst du von ihm?"
"Er ist in Ordnung, denke ich. Zumindest wenn er aufhören würde, mich zu beleidigen."
"Er beleidigt dich? Das ist gut. Es bedeutet, dass er dich mag oder zumindest respektiert."
"Was macht er dann mit Leuten, die er nicht mag?"
"Wenn sie Feinde sind, verhext er sie ziemlich heftig. Er hat mich kämpfen gelehrt, also ist er äußerst gut. Alle anderen sind den Aufwand nicht Wert und er ignoriert sie einfach. Einen ganzen Monat lang nur beleidigt zu werden… ich bin beeindruckt, Evans. Das macht er nicht oft."
"Ich nehm dich beim Wort", sagte James und wunderte sich, ob er diesen Mann jemals verstehen würde.
Er hörte seinem sonst so zurückhaltenden Freund noch einige Minuten zu, während dieser von seiner Frau und seinem Sohn schwärmte. Er war schon etwas erleichtert, vier weitere Leute das Feld betreten zu sehen. Als sie näher kamen, erkannte er, dass es die drei Weasleymitglieder des Teams zusammen mit Oliver Wood waren.
"Mr Wood?" sagte er und versuchte sein Bestes so zu tun, als ob er sie das erste Mal treffen würde. "Ich bin James Evans, der Verteidigungslehrer in Hogwarts."
"Freut mich, Sie kennen zu lernen", antwortete Oliver und hörte sich ehrlich an. "Mein Neffe hat nicht aufgehört über Sie zu reden in seinen Briefen. Seinen Erzählungen nach könnte man annehmen, dass sie das Rad erfunden hätten."
"Dafür bin ich ein wenig zu jung. Es macht Spaß, ihn zu unterrichten, er lernt schnell."
"Das ist gut zu hören. Das sind Fred, George und Charlie Weasley."
Sie nickten ihm zu. Dann entdeckte einer der Zwillinge, Fred, dachte James, Draco neben James.
"Was macht er hier?"
"Er ist das letzte Mitglied des Teams. Ich brauchte einen weiteren Jäger und konnte ihn schnell überzeugen."
"Jäger? Ich dachte, du wolltest, dass ich Sucher spiele!"
"Nein, du bist ein viel besserer Jäger, bestreite es so viel du magst. Du hast mcih als Treiber spielen lassen, sieh es als Revanche. Außerdem bin ich mir sicher, dass Blaise dir zwischen dem Training helfen kann."
"Na gut", willigte Draco recht schnell ein. Der Gesichtsausdruck von höflicher Gleichgültigkeit auf den Gesichtern der Gryffindors wandelte sich schnell in vorsichtigen Respekt. Sie hatten wirklich keine Ahnung, warum der Prinz von Slytherin, wie er auf Hogwarts immer genannt wurde, so schnell von seinem hohen Ross runter gekommen war. Das hat die Welt noch nicht gesehen!
"Danke Draco", sagte James zuckersüß. "Nun lasst uns uns dem Geschäft zuwenden. Laut des Hogwartskollegiums hat das Ehemaligenteam recht schlechte Spielstände. Ich habe vor, das zu ändern. Wenn es nach mir geht, werdet ihr sie nicht schlagen, sondern den Boden mit ihnen wischen. Ich habe noch nie ein Spiel verloren, während ich eine Mannschaft trainiert habe und ich werde nicht damit anfangen. Wir warten nur noch auf Miss Johnson und Miss Bell, dann können wir beginnen. Wenn ihr irgendwelche Aufwärmübungen benutzt, macht sie jetzt, denn wenn ich einmal begonnen habe, erwarte ich, dass ihr bereit seid."
Sein neues Team warf einander Blicke zu und sah so aus, als würden sie ihm den schnellen Machtwechsel von Wood zu ihm übel nehmen, aber der Kapitän nickte und sie machten sich an die Arbeit. James hatte über die letzten Jahre eine gewisse Ausstrahlung entwickelt, die ihn nicht im Stich ließ. Als die beiden Damen auftauchten, gab er ihnen wenige Minuten, fertig zu werden und sie starteten ihr kurzes Spiel gegen die Merlin-Hausmannschaft.
Sie schlugen die Jungen.
Spielend.
In nur einer halben Stunde.
Mit 300 zu 10 Punkten.
James grinste. Das würde einfach werden.
Er zeigte seinem Team die Umkleideräume und gab ihnen eine Stunde, um sich etwas auszuruhen und eine Kleinigkeit zu essen. Das richtige Training würde diesen Abend starten.
