Notes: Immer dran denken: Dies ist ein AU. Die Freiheiten beziehen sich nicht nur auf zeitliche Abfolgen, sondern auch zu Planeten und deren Kultur. Als ich BoD anfing zu schreiben hatte ich nur beschränkt zugriff zum Internet (kaum vorstellbar heute *bg*) und so habe ich Alderaan zu einer Art galaktischem Kanada gemacht.

Alderaan ist hier also eine Welt mit schneebedeckten Bergen, aber auch wunderschönen frühlingshaften Gärten, mit kühlen Seen und Temperaturen um die 20° Grad.

5.

Padmé fand, dass Alderaan vom All aus beinahe aussah wie Naboo und dieser Gedanke weckte ein unvermutetes Heimweh, das sie in ihrer Entscheidung bestärkte, dorthin zurück zu kehren, sobald die Möglichkeit dazu bestand.

Natürlich wusste sie auch, dass Obi-Wan recht hatte. Jetzt war es unmöglich dorthin zurück zu kehren, außer natürlich sie wollte sofort wieder nach Coruscant zurückgebracht werden.

Sie würde warten. Solange bis es sicher war. Bis man sie vergessen hatte. Bis niemand mehr ahnte, dass sie noch lebte und einen Platz suchte um ihr Kind aufzuziehen.

Der Planet vor ihr war für den Augenblick die beste Wahl.

Was Alderaan so sicher - und einsam - machte war der Umstand, dass im Umkreis von mehreren Lichtjahren keine weiteren Planeten lagen. Abgesondert und stolz lag der Planet vor ihnen und wartete.

Alderaan war klein genug, als dass er nicht als Gefahr galt und Padmé wusste wie einfach es war diese kleineren Planeten zu vergessen.

Natürlich entsprang aus dem Vorteil auch ein Nachteil: Denn im Kampf war Alderaan ausgeliefert und hilflos. Niemand würde kommen, denn es gab keine Verbündeten und keine Nachbarn.

Sie waren bereits in die Atmosphäre eingedrungen, während Padmé noch ihren Gedanken nachhing.

Schon von hier konnte Padmé Alderaa, ihr Ziel und die Hauptstadt dieses wunderschönen und friedlichen Planets, sehen. Die kilometerlangen alderaanischen Gärten, die überall bekannt und beliebt waren. Die schlichten, aber eleganten Bauten. Die kleinen Flüsse, die sich über den ganzen Planeten zogen, wie ein kristallklarer Gürtel. Die schneeverhangenen Berge die sich im Hintergrund gegen den Himmel abzeichneten.

Sie setzten zum Landeanflug an und kamen mit nur einem leichten Ruck zurück auf den Boden. Wenn Padmé sich nicht recht täuschte war dies der persönliche Port des alderaanischen Hofs.

Es kamen bereits Leute der Wartung auf das Schiff zu und machten sich daran zu schaffen.

Die werden noch einiges zu tun haben, dachte Padmé sarkastisch und erhob sich von ihrem Sitz und folgte dem Jedi.

Bevor sie die Rampe erreichten, stoppte der Jedi und wandte sich an sie.

„M'lady," sagte er ernst. „Egal, was passiert, sagt nichts bis wir wieder allein sind. Ich möchte nicht dass jemand weiß, dass Ihr hier seid."

Padmé nickte, obgleich ihr diese Jedi-Tricks zuwider waren, und folgte Obi-Wan die Rampe hinab.

Kaum hatten sie festen Boden unter den Füßen kam ihnen auch schon ein kleiner, dünner Mann entgegen, der sich als Sekretär Bail Organas vorstellte und den Jedi nach seinem Namen und Intentionen fragte. Padmé hingegen schien er gar nicht wahrzunehmen.

„Ich bin ein Freund Bail Organas. Bitte sagt ihm, dass Obi-Wan Kenobi hier ist und dringend mit ihm sprechen muss."

Der Sekretär nickte. „Folgt mir."

Der Jedi nickte Padmé unauffällig zu und bedeutete ihr mit einem Blick mitzukommen. Schweigend folgten sie dem Mann in den riesigen Palast. Schließlich brachte sie ihr Führer in einen großen, lichtdurchfluteten Raum.

„Setzt Euch. Ich werde Eure Hoheit über Eure Ankunft in Kenntnis setzen."

Sowohl Padmé als auch Obi-Wan nahmen Platz und warteten. Der Sekretär schien sich einiges an Zeit zu nehmen. Padmé seufzte einige Male widerwillig und beherrschte sich im letzten Moment aufzuspringen und hin und her zu laufen, bevor die Tür auf glitt und der Sekretär, gefolgt von der weit größeren Gestalt Bail Organas, das Arbeitszimmer betrat.

Sein dunkelblaues Gewand unterstrich seine stattliche Größe. Er wirkte makellos, wie immer.

Obi-Wan stand auf und wandte sich Bail Organa zu.

„Eure Hoheit." Kenobi senkte den Kopf in einer angedeuteten Verbeugung.

„General." begrüßte Organa den Jedi mit einem Nicken.

„Ich werde Euer Hoheit rufen, wenn es soweit ist um sich mit der Opposition zu treffen." Beide Männer wandten sich dem Sekretär zu.

Organa nickte. „Natürlich."

Dann zog er sich zurück und beinahe glaubte Padmé sehen zu können, dass Bail die Augen verdrehte. Die Tür schloss sich hinter ihnen und der Regent und der Jedi reichten sich die Hände. Der größere Mann klopfte dem Jedi heftig auf den Rücken, bevor er den Schreibtisch umrundete und sich setzte.

„Ich habe gehört was passiert ist. Was machst du hier?" Bail Organas Miene wurde plötzlich sehr ernst.

Doch wie schon für den Sekretär, schien Padmé überhaupt nicht hier zu sein und es war ein äußerst seltsames Gefühl von niemand wahrgenommen zu werden, aber trotzdem alles zu sehen und zu hören, was vor sich ging.

Obwohl der Jedi nach außen hin auf den Aldeeraner konzentriert war, wusste sie doch, dass während diesem ganzen Gespräch immer ein Teil seiner Aufmerksamkeit ihr galt und er sie mit nicht einmal ein bisschen Anstrengung vor aller Augen verbarg.

Jedi sind tatsächlich erstaunlich, dachte Padmé verwundert.

„Eine Änderung der Pläne, Bail. Ich habe einen letzten Auftrag von Yoda bekommen." Padmé sah erstaunt auf. Dies war sein letzter Auftrag? Padmé fragte sich was für ihn danach käme.

„Doch hoffentlich nicht etwas Selbstmörderisches?" Organas Lächeln enthielt keinerlei Humor. "Ich würde ungern kommen müssen um dich zu retten."

Es schien ein alter Witz zwischen den beiden zu sein, Obi-Wan lächelte lediglich amüsiert.

„Nein. Nichts Selbstmörderisches." Seine blauen Augen blitzten, bevor er wieder ernst wurde. „Ich bin hier um dich... Um einen Gefallen zu bitten. Ich soll Senatorin Amidala in Sicherheit bringen."

„Was ist mit Padmé?" Organa blickte den Jedi fragend an. „Ich habe von ihrem plötzlichen Verschwinden gehört, dachte aber nicht, dass du etwas damit zu tun hast."

„Das hatte Meister Kenobi bis gestern auch nicht." erklärte Padmé und trat gleichzeitig vor. "Ohne seine Hilfe wäre ich bereits wieder in Coruscant." Bail sah sie zum ersten Mal an, seit sie das Arbeitszimmer betreten hatte.

„Padmé." Er sprang von seinem Sitz hinter dem Schreibtisch auf. „Entschuldige, dass ich nicht-"

„Bleib sitzen, Bail. Es gibt hier kein Protokoll zu beachten wie ich sehe."

Bail warf Obi-Wan einen Blick zu, doch dieser zuckte lediglich nonchalant mit den Schultern.

„Meister Kenobi versicherte mir, dass du so großzügig sein würdest mich aufzunehmen. Mein Planet wird von Soldaten bewacht und ich sehe keinen anderen Weg, als dich darum zu bitten mir Asyl zu gewähren."

Der Angesprochene sah sie aufmerksam an.

„Selbst wenn ich Obi-Wan nicht noch einen Gefallen schulden würde, hätte ich deiner Bitte ohne nachdenken zugestimmt." Er lehnte sich auf den Schreibtisch vor ihm. „Du wirst natürlich unser Gast sein."

„Ich danke dir." sagte Padmé erleichtert. „Ich weiß nicht, wie ich dir das zurück zahlen kann."

„Mit deiner Anwesenheit natürlich." erwiderte er und lächelte einnehmend. „Das genügt mir voll und ganz. Breha wird sich ebenfalls freuen dich zu sehen."

„Um eines möchte ich dich aber noch bitten: Wir sollten auf meinen Titel verzichten."

„An was hast du gedacht?" Sie musste nur einen kurzen Moment nachdenken. Vor ihrem geistigen Auge erschien ihr das Bild ihrer Freundin und Doubles Cordé, verletzt und sterbend. Wie oft würde sie Padmé noch schützen?

„Cordé. Cordé Thule."

Bail erhob sich von seinem Platz hinter dem Schreibtisch. Padmé und Obi-Wan taten es ihm gleich.

„Ich werde jemand rufen der dich zu deinem Zimmer begleitet, Padmé." Padmé lächelte dankbar.

„Cordé." erinnerte sie ihn, scheltend.

An Obi-Wan gerichtet sagte er: "Ich hoffe, dass du auch noch bleibst?"

Der Jedi schürzte die Lippen.

„Wir haben eine Menge zu besprechen." Der Blick den die beiden wechselten, sprach von schlechten Neuigkeiten.

"Ihr könnt offen vor mir reden, Meister Kenobi." sagte Padmé, bevor Bail etwas erwidern konnte. Erinnerte ihn mit seinem förmlichen Titel daran wer sie war, wer er war.

Der Jedi Meister musterte sie. Schließlich presste er die Lippen aufeinander und nickte widerstrebend. Erneut rieb er abwesend seinen Bart.

"Wir versuchen mit Hilfe einiger vertrauenswürdiger Personen eine Rebellion aufzubauen." erklärte Bail seufzend.

In einem anderen Leben wäre ich Teil dieser Rebellion, dachte sie bitter.

"Ich kann helfen." brachte sie gepresst hervor. Sie musste helfen!

Vielleicht konnte dies ihre Art sein Buße zu tun. Einen neuen Sinn in ihrem Leben zu finden.

"Ich halte das für keine gute Idee." Die unumwunden Antwort des Jedis stieß Padmé auf. Aufgebracht kam sie vor ihm zum stehen und blickte auf.

So nah konnte sie den Staub der Reise, den Schweiß, seine Erschöpfung riechen.

"Das ist nicht Eure Entscheidung."

"Nein, das nicht," gab sie zu, trat allerdings nicht zurück. ",aber ich kann mich nicht einfach aus allem raus halten!"

"Ihr könnt nicht Teil der Rebellion werden, Padmé." sagte der Jedi streng. "Ihr müsst an die Sicherheit des Kindes denken."

Das Kind.

Padmés Haltung fiel unmerklich in sich zusammen. Natürlich. Das Kind. Wie sollte sie ein Kind beschützen wenn sie sich willentlich in Gefahr begab?

Padmé schüttelte den Kopf und wollte etwas erwidern, was wusste sie selbst noch nicht, doch ein Klopfen kam ihr zuvor. Eine zierliche junge Frau betrat den Raum und verbeugte sich achtungsvoll vor Organa.

„Erisaé. Dies ist-" Bail zeigte auf Padmé.

„Cordé Thule." wandte sich Padmé an Erisaé, die mit demütigem Blick dastand.

„Sie ist mein persönlicher Gast. Bitte führe sie zu einem der Gästezimmer im West Flügel." er wandte sich an Padmé. „Falls ihr einen Wunsch habt, wendet Euch an sie. Ich hoffe Euch heute Abend beim Essen zu sehen, Cordé." Bail erhob sich und Padmé erkannte das ihr Gespräch vorerst beendet war.

"Vielleicht können wir unsere Diskussion später fortführen." lenkte der Alderaaner ein und verbeugte sich vor ihr.

Padmé presste die Lippen zusammen.

„Ich nehme mit Freuden an. Danke, Bail." Ihre Antwort fühlte sich gestelzt an.

Ihr wurde mit einem Mal klar, wie schwer es sein würde keine Senatorin mehr zu sein.

Padmé kam nicht zum Abendessen. Sie entschied sich dafür ihr Essen auf dem Zimmer einzunehmen und saß danach lange Zeit auf der Terrasse. Sie starrte hinaus in den immer dunkler werdenden Himmel und überhörte fast das Klopfen an ihrer Tür.

Von wo sie saß konnte sie sehen wie Obi-Wan eintrat. Er fand seinen Weg auf die Terrasse, nahm die Szene ein und kam dann hinüber zu ihr und legte seinen Umhang um ihre Schultern.

"Danke." murmelte sie und stellte erst jetzt fest das sie tatsächlich fror.

Die Sonne sank weiter, tauchte die klare Landschaft in warmes Licht, obwohl die Luft kühl war und ihrer beider Atem als weißer Rauch gen Himmel stieg.

„Ich frage mich wie lange es dauert bis es nicht mehr weh tut." sagte sie gedankenverloren. Padmé drehte ihren Kopf zu ihm und studierte sein Profil.

„Es werden wieder bessere Zeiten kommen." versicherte er ihr, aber auch sich selbst. Doch es war für Padmé offensichtlich das er selbst nicht daran glaubte.

Padmé lächelte ein trauriges Lächeln. Bessere Zeiten...

Es fühlt sich nicht so an als würde alles wieder geordnet und normal werden können. Es fühlt sich an als würde ich für jeden Fehler bezahlen. Doppelt und dreifach.

„Ich habe mit meinem Herzen bezahlt, Obi-Wan. Ich kann Euch nicht mehr sagen ob es das wert gewesen ist."

Sie sah wieder der Sonne entgegen, deren letzten Strahlen sich nach ihnen reckten.

„War es das Wert?" Er antwortete nicht, natürlich nicht. Was gab es darauf schon zu erwidern. Statt dessen beobachtete er sie durch die aufsteigenden Schatten hinweg. Padmé spürte wie ihre Stimme schließlich an dem nächsten Satz brach: „Manchmal... Manchmal habe i-ich keine... Keine Hoffnung mehr."

Sie wollte weinen, doch sie stellte fest, dass sie nicht konnte. Ihr Gesicht fühlte sich starr an, ihr Innerstes leer.

„Was müsst ihr nur von mir denken. Eine Närrin bin ich gewesen an so etwas wie die Liebe zu glauben." entfuhr es ihr nun heftig und sie grub ihre Fingernägel fest in ihre Handflächen. Der Schmerz lenkte von dem anderem weit schlimmeren Schmerz in ihrem Inneren ab. "Was für eine idealistische Hoffnung!"

Sie zog den Mantel enger um sich, nahm nur am Rande den bekannten, männlichen Geruch des Jedi wahr. Die Kälte schien vergessen, die sterbende Sonne vor ihr, alles erschien an diesem Abend aus Schwermut und Trauer entstanden zu sein.

Dein Selbstmitleid ist abstoßend, durchfuhr es sie. Sie war froh dass ihr Vater sie so nicht sehen konnte. Padmé verzog das Gesicht zu einer Grimasse der Unzufriedenheit und versuchte ihr Gesicht vor Obi-Wans Augen zu verbergen.

„M'lady." sagte er und schnitt mit seiner Stimme durch den Nebel ihrer dunklen Gefühle. „Es gibt viele andere Arten der Liebe. Es gibt immer Hoffnung. Ihr findet sie überall." Bei diesen Worten ergriff er ihre Hand und legte diese auf ihren Bauch. „Verschließt nicht die Augen davor."

Sie spürte etwas wie Widerwillen. Was wusste er schon von Hoffnung, von Liebe? Doch dann sah sie in seine Augen und das Gefühl erstarb in ihr und sie spürte Scham darüber, dass sie dies auch nur gedacht hatte.

Auch er war nicht frei von Makel: Sie wusste das er Anakin geliebt hatte.

„Ihr seit sicher, für den Augenblick. Grämt Euch nicht. Genießt die Stille vor dem Sturm."

Der Jedi stand schließlich auf. Sie tat es ihm gleich und reichte ihm den Mantel. Ihr frösteln war mehr geschuldet als der fehlenden Wärme des Umhangs.

Sie hatte schon vor Stunden die Fenster weit aufgerissen und die weißen Vorhänge wehten in stiller Kapitulation in ihr Zimmer hinein. Das Mondlicht hatte Lichtfelder auf den Boden und in die blaue Dunkelheit hinein geschnitten. Das Bett lag einsam am Ende des Raumes, die Laken zurückgeworfen, die Kissen unordentlich. Schlaflosigkeit hatte sie umher getrieben.

Die Stille um Padmé herum wurde von nichts durchbrochen, außer dem Geräusch ihrer nackten Füße auf dem kühlen Marmorboden und ihrer langen Gewänder, die hinter ihr her schleiften.

Sie blieb an einem der Fenster stehen und starrte hinunter in den Park. Dann weiter in den dahinter liegenden Nachthimmel. Dahinter verbarg sich eine unheimliche Fülle an Möglichkeiten. Planet an Planet. Sterne, hell und funkelnd wie ein Zwinkern im Auge eines Kindes.

Obi-Wan hatte recht, stellte sie fest und lächelte. Es gab noch Hoffnung.

Die Erinnerung an ihre Flucht lag heute Nacht weit entfernt. Heute Nacht gab es nichts, worum sie sich Sorgen machen musste und für einen kurzen Moment, war sie sicher. Padmé hatte die Möglichkeit durchzuatmen bevor sie weiter ging.

Ihr Weg konnte nur nach vorne führen.