Da bin ich wieder und im Gepäck natürlich eine Fortsetzung :) Vielen lieben Dank für die vielen Klicks und vor allem das tolle Review. Ich hoffe auch diesmal für ausreichend Spannung gesorgt zu haben und wünsche allen (heimlichen) Lesern viel Spaß. LG
6. Invisible Red Line
Die unruhigen Traumbilder voller undurchdringlicher Wälder und weinenden roten Fratzen, die zwischen den dunkelgrünen Blättern hervorsprangen, lösten sich allmählich vor seinem inneren Auge auf. Der Lärm des Büros kehrte langsam zurück. Eilige Schritte. Klingelnde Telefone. Klappernde Tastaturen. Aber letztendlich waren es nicht die geschäftigen Geräusche um ihn herum gewesen, sondern Lisbons Stimme, die ihn zurück in die Realität geholt hatte. Sie erkundigte sich bei Cho nach Rigsby und Van Pelt. Erschrocken riss Patrick die Augen auf.
Wie lange hatte er geschlafen?
Was war in der Zwischenzeit passiert?
Und wieso klang Lisbon so besorgt?
„Keiner von beiden geht an sein Handy", teilte ihr Cho nicht minder beunruhigt mit.
Patrick blinzelte ein paar Mal bis sich sein Blickfeld geklärt hatte und sah seine Vorgesetzte nur einen knappen Meter von sich entfernt stehen und sichtlich nervös zu ihm herüber schauen. Zwar konnte er auch unter normalen Umständen in ihrem Gesicht lesen wie in einem offenen Buch, doch in diesem Moment sprach es geradezu Bände. Sie machte sich ernsthaft Sorgen um ihre beiden Teammitglieder. Sofort war er alarmiert. Er spürte, dass etwas geschehen sein musste. Er konnte es nicht erklären, aber er fühlte es tief in seinem Inneren, dass es wieder geschehen war. Sein Haus – sein Heim – war erneut entweiht worden.
„Egal was Sie sagen, diesmal können Sie mich nicht davon abhalten!" Er richtete sich auf und hievte sich von der Couch. Bereit, wenn nötig, auch alleine zu gehen.
„Ich weiß. Es wäre sinnlos es zu versuchen, deshalb werde ich Sie fahren. Cho, Sie halten hier die Stellung, falls sie sich doch noch melden", stimmte ihm Lisbon überraschend zu und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Wie es aussah hatte sie diese Aktion sogar schon im Hinterkopf gehabt als er aufwachte, da sie ihre Wagenschlüssel bereits in der Hand hielt.
Die gesamte Fahrt über sprachen sie kein Wort. Lisbon rief alle fünf Minuten bei Cho an, um zu hören ob es etwas neues gab und probierte schließlich selber einen der beiden Vermissten zu erreichen. Vermisst, dachte Patrick, das klang so optimistisch. So hoffnungsvoll. Doch wenn er eines gelernt hatte, dann dass man die Hoffnung begraben konnte wenn es um Red John ging. Natürlich wollte er nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen, aber es fiel ihm schwer in Anbetracht dessen, dass bisher keiner mit dem Leben davon gekommen war, der es mit Red John zu tun bekam. Selbst Kristina Frye war gewissermaßen tot, obwohl ihr Körper am Leben war. Durch eine starke Hypnose glaubte ihr Geist bereits auf die „andere Seite", wie sie es immer nannte, gewechselt zu sein. Das war fast noch schlimmer, als wenn ER sie tatsächlich getötet hätte. Sie lebte und doch gehörte sie nicht mehr zu dieser Welt.
Die Straßenlaternen flogen nur so vorbei, ihr Licht verschwamm fast vor seinen Augen, weil sie der hohen Geschwindigkeit nicht so schnell folgen konnten. Die Straßen waren, wie immer wenn man es eilig hatte, total überfüllt und die Fahrt zog sich in ungeahnte Länge, desto mehr sie ihrer hoffentlich baldigen Ankunft entgegen fieberten. Lisbon hatte die Signalleuchten eingeschaltet und preschte über jede rote Ampel die sich ihnen in den Weg stellte. Mindestens drei Auffahrunfälle gingen dadurch auf ihr Konto. Aber das war ihr gleich. Zwei ihrer Leute waren in Gefahr und das Letzte was sie wollte war, dass noch mehr aus ihrem Team verletzt wurden. Es war unschwer zu erkennen, dass sie sichtlich nervös und angespannt war.
Bei seinem Haus angekommen, schaffte es Patrick trotz seines Handicaps noch vor Teresa aus dem Wagen zu steigen, da sie obgleich der Eile nicht sämtliche Sicherheitsvorschriften außer Acht lassen durfte. Sie meldete sich in der Zentrale ab, forderte vorsichtshalber Verstärkung an und warf sich eine schusssichere Weste über. Patrick hingegen verschwendete an derlei Vorkehrungen keinen Gedanken. Er war bereits den schmalen Pfad von der Einfahrt zur Vordertür entlang gelaufen, als ihm einfiel das er seinen Haustürschlüssel Rigsby gegeben hatte. Kurzerhand sah er sich nach einem geeigneten Stein um, damit er eines der kleinen Milchglasfenster zerschlagen konnte, die in die Tür eingelassen waren. In der Rabatte neben dem Eingangsbereich wurde er fündig. Er zertrümmerte die Scheibe, griff durch das entstandene Loch und öffnete so die Tür von innen. Der Raum dahinter lag im Dunkeln, doch er brauchte kein Licht. Es war sein Haus. Ohne Möbel. Er würde jeden Weg im Schlaf finden. Instinktiv wusste er wohin er gehen musste. Ganz automatisch zog es ihn zu der Treppe, die hinauf ins erste Stockwerk führte. An dessen Flurende das Schlafzimmer lag. Jener Ort, der schon beim letzten Mal das Grauen barg.
Mühsam zog er sich am Geländer entlang die mahagonifarbenen Stufen nach oben. Dort angekommen spähte er den Korridor hinunter. Das seltsam starke Gefühl eines Déjà Vu überkam ihn plötzlich und brachte ihn dazu sich kurz an der Wand abstützen zu müssen. Die Tür rückte vor seinen Augen in unerreichbare Ferne. Der Gang dahin würde ihn all seine Kraft kosten. Die Vorstellung, was ihn dahinter erwarten könnte, raubte ihm fast den Verstand. Sein Blick war wie gebannt von der Botschaft, die auch diesmal an der Tür prangte.
„Jane. Warten Sie!", rief ihm Lisbon von der Eingangstür zu und warf einen schnellen Blick um sich, in die Bereiche der unteren Etage, die sie in dem grauen Halbdunkel einsehen konnte. Patrick achtete nicht auf ihre Warnung. Er wusste, dass Red John längst nicht mehr hier war. Wenn er gewollt hätte, dass sie hier auf einander trafen, dann hätte er ihn nicht erst verletzt. Der eigentliche Grund für seinen Angriff bestand nämlich darin ihn davon abzuhalten der Sache mit dem Foto selbst nachzugehen. Während er im Krankenhaus behandelt werden musste, sollte jemand anderes dieser Spur folgen. Das war ihm soeben schlagartig klar geworden, als er die Nachricht entdeckt hatte. Ein weißer Zettel mit gedruckten Buchstaben. Ein Zeichen dafür, dass er mit seiner Annahme richtig lag – es war geplant gewesen. Der kleine rote Smiley grinste ihn von der unteren Hälfte des Papiers höhnisch an. Schien ihn verspotten zu wollen. Schien ihm sagen zu wollen, dass er wieder einmal eine Runde verloren hatte. Er schleppte sich weiter vorwärts, bis er endlich nah genug war, um die eigens für ihn verfassten Zeilen lesen zu können.
Hallo Mr. Jane,
wie ist es, wieder vor der gleichen Tür zu stehen?
Empfinden Sie gerade dieselbe Angst wie damals,
vor dem, was Sie dahinter vorfinden werden?
Es nimmt Ihnen sicher keiner übel, wenn Sie die
Wahrheit im Verborgenen belassen. Der Blick in die
Vergangenheit kann auch verschlossen bleiben.
Es ist Ihre Entscheidung.
RJ
Mit klammen Fingern pflückte er den Brief von der Tür, dann griff er nach dem runden Knauf und drehte ihn langsam herum. Grauenhafte Szenarien, eines schlimmer als das andere, spielten sich vor seinem inneren Auge ab. Welches würde er zu sehen bekommen?
Er ließ die Tür aufschwingen. Rechnete mit allem. Und erstarrte. Erstarrte vor Erleichterung.
Das Zimmer war leer.
„Er hat sie mitgenommen", sprach er das Offensichtliche aus. Mehr zu sich selbst als zu Lisbon, die die ganze Zeit über direkt hinter ihm gewesen war. Sie konnte es mit eigenen Augen sehen. Das hieß eigentlich konnte man gar nichts sehen, da der Raum auf den ersten Blick unverändert schien. Sogar die dünne Decke auf seiner Matratze lag noch genau so da wie er sie zurückgeschlagen hatte. Auch auf dem hellbraunen Teppich gab es keine erkennbaren Spuren, die darauf hindeuteten, dass hier etwas vorgefallen sein sollte.
„Wie konnte er unbemerkt zwei Leute aus dem Haus schleppen?", überlegte Lisbon fassungslos und folgte Patrick in den Raum hinein. In Anbetracht dessen, dass man den hünenhaften Rigsby nicht gerade als handliche Fracht bezeichnen konnte, eine durchaus berechtigte Frage.
„Durch die Hintertür. Das Grundstück ist ziemlich gut durch Büsche und Bäume abgeschirmt", erklärte er und dachte kurz daran wie zugewuchert der Garten inzwischen sein musste. Die Terrasse hinter dem Haus war immer der liebste Platz seiner Frau gewesen. Sie hatte es geliebt sich um ihre Blumenbeete zu kümmern und anschließend mit einem guten Buch im Liegestuhl zu relaxen, während ihre Tochter auf dem Rasen spielte. Seither hatte er diesen friedvollen Ort nicht mehr betreten.
Hinter ihnen tauchten nun zwei Mitarbeiter der Spurensicherung auf, die Teresa angefordert hatte, und begannen den Tatort zu dokumentieren. Einer der beiden, ein hochgewachsener junger Mann afroamerikanischer Abstammung, machte mit seiner Kamera unzählige Bilder von jedem erdenklichen Winkel des Zimmers aus und schließlich Nahaufnahmen der wenigen Objekte, die sich hier befanden. Das widerliche Fiepen, wenn sich der Blitz von neuem auflud, zerrte stark an Patricks Nerven. Der zweite Forensiker, ein grauhaariger leicht untersetzter Mann mit Schnauzer und schwarzem Basballcap, streifte sich ein paar Einweghandschuhe über und begann den Bereich um den Türknauf mit schwarzem Fingerabdruckpulver einzupinseln. Lisbon lief derweil zum Fenster rüber, schob die Gardine ein Stück beiseite und spähte hinunter in den Garten.
„Trotzdem sehr riskant. Es war immerhin noch ziemlich hell draußen", griff sie ihre Unterhaltung wieder auf. Sie wollte nicht glauben, dass niemandem etwas aufgefallen sein sollte. Schon gar nicht in einem Wohngebiet wie diesem hier, wo jeder gerne über die Gartenmauern seines Nachbarn spähte.
„Nicht riskanter, als mich auf offener Straße anzugreifen. Alles was Red John tut macht er mit Präzision. Er überlässt nichts dem Zufall. Deshalb wird auch das Pinseläffchen dort an der Türklinke maximal meine Fingerabdrücke finden", kommentierte Patrick matt. Plötzlicher Schwindel ließ ihn zurück taumeln. Er musste sich dringend setzen bevor ihm schwarz vor Augen wurde. Diese ganze Aktion hatte ihn mehr angestrengt als er sich eingestehen wollte. Er stolperte rückwärts gegen die Wand.
„Jane? Alles in Ordnung?" Unverzüglich kam die brünette Ermittlerin zu ihm zurück und griff stützend nach seinem Arm.
„Ja, geht gleich wieder", beruhigte er sie. „Ich muss mich nur kurz..." Etwas umständlich ließ er sich auf die vorderste Kante seiner Matratze sinken und lehnte seinen Kopf gegen die kühle Wand. Zum wiederholten Male sah er heute Sorgenfalten auf Teresas Stirn stehen.
„Jetzt sehen Sie mich nicht so an, Lisbon. Ich weiß, dass ich furchtbar aussehe." Er rang sich ein Lächeln ab in der Hoffnung sie damit beschwichtigen zu können. Es misslang.
„Was machen wir jetzt? Wie es aussieht hat er diesmal keinen Hinweis auf seinen Verbleib hinterlassen. Nichts was uns Aufschluss darüber geben könnte wo wir mit unserer Suche nach Risby und Van Pelt anfangen sollen", entschied sie den Kummer, den er ihr bereitete, hinten anzustellen. Wenn es sein Zustand erforderte konnte sie ihn jederzeit ärztlich versorgen lassen, bei ihren beiden entführten Kollegen hatte sie diese Option nicht. Deshalb zählte jede Minute, in denen sie untätig blieben.
„Da wäre ich mir nicht so sicher. Der Brief an mich... irgendwas daran klingt... eigenartig." Er reichte den zerknitterten Zettel Teresa, damit sie sich den Text darauf genauer ansehen konnte.
„Er ist in zwei Absätze unterteilt. Während die erste Hälfte wie gewohnt dazu dient mich zu demütigen und erneut Salz in die Wunde zu streuen, klingt der zweite Teil irgendwie gekünstelt. Die Worte sind bewusst gewählt. Als wollte er damit mehr aussagen, als im ersten Moment dasteht. Wie ein Rätsel", legte er seinen Gedankengang offen.
„Natürlich ist es ein Rätsel", kommentierte sie bissig. Sie war von dieser Tatsache sichtlich angenervt. Red John spielte mit ihnen und sie verloren kostbare Zeit. Zeit, die Grace und Rigs vielleicht nicht hatten. Patrick war sich jedoch sicher, dass er damit richtig lag. Er hatte diese Zeilen eigens für ihn hinterlassen, weil er wusste, dass er sie verstehen würde. Eine zweifelhafte Anerkennung seiner überdurchschnittlichen Kombinationsgabe und Fähigkeit in der Mimik und Gestik der Menschen zu lesen als stünde es ihnen auf den Leib geschrieben. Doch es war wesentlich leichter jemanden am Gesicht anzusehen ob er lügt, als die literarischen Ergüsse eines Serienkillers zu interpretieren. Oder irrte er sich? War es am Ende doch einfacher als er zunächst angenommen hatte?
Während er darüber nachdachte beobachtete er wie die Forensiker ihre Sachen zurück in ihre schmucken silbernen Metallkoffer räumten und das Zimmer wieder verließen. Lisbon schenkte ihnen weniger Beachtung, sie sah Patrick unverwandt an, grub ihren Blick in seinen und wartete mehr oder minder geduldig auf einen intuitiven Geistesblitz seinerseits. Für einen Moment unterbrach er diesen intensiven Kontakt und schloss kurz die Augen, um sich die einzelnen Textbausteine noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Es gab drei wichtige Wortgruppen in diesem zweiten Absatz und jede umschrieb eine bestimmte Begebenheit. Und plötzlich aus heiterem Himmel lösten die Synapsen in seinem Hirn die entscheidenden Reaktionen aus und alles ergab auf einmal einen Sinn. „Der Blick in die Vergangenheit...", das bedeutet in dem Fall dieses Zimmer, das war soweit klar. „... kann auch verschlossen bleiben", musste sich demzufolge auf die Tür beziehen, die einem sonst die Sicht versperrte. Und „die Wahrheit im Verborgenen", wies eindeutig auf eine versteckte Nachricht hin, die man vermutlich nur von der Vergangenheit aus aber nicht mit bloßem Auge erkennen konnte.
„Lisbon, schließen sie die Tür", befahl er seiner Partnerin. Bei dem Gedanken, womöglich eine entscheidende Entdeckung gemacht zu haben, stieg Hitze in ihm auf. Er war geradezu aufgeregt Teresa die Lösung der Aufgabe zu präsentieren. Andeutungsweise fügte er hinzu: „Red John hinterlässt gerne seine Botschaft mit Blut."
„Aber hier gibt es keine sichtbaren Blutspuren, außer dem Gesicht, dass er bereits vor Jahren gemalt hat", verstand sie seinen Gedankengang noch nicht, befolgte aber seine Anweisung und machte die Tür zu. Sie starrte auf die glatte weiße Oberfläche und versuchte darauf krampfhaft etwas zu erkennen. Zumindest lag sie mit dieser Schlussfolgerung richtig.
„Sie sagen es. Keine sichtbaren. Aber wussten Sie, dass Blut, auch wenn man es weggewischt hat, trotzdem noch da ist?", unterbreitete er ihr seine Theorie. Die Wärme, die durch seinen Körper strömte desto näher sie der Enthüllung kamen, nahm immer mehr zu. Oder lag es letztendlich doch nicht an seiner Euphorie bezüglich der heißen Spur, die sich ihnen gerade offenbarte? Das zunehmende dumpfe Pochen um den Bereich seiner Wunde wurde stetig stärker.
„Zur Ausbildung eines Detectives gehört auch ein Kurs in Spurensicherung. Also ja", bestätigte sie und erste Regungen der Erkenntnis huschten über ihr Gesicht. Sie begann zu verstehen.
„Die Wahrheit im Verborgenen", zitierte er. „Das ist der entscheidende Hinweis."
„Dann glauben Sie...?" Lisbon brauchte ihre Frage nicht zu Ende stellen, er wusste das sie die richtigen Schlüsse gezogen hatte und bejahte nickend. Lisbon fackelte daraufhin nicht lange. Sie verließ sich blind auf sein Gespür und eilte aus dem Raum, hinunter in die Küche, um die beiden Männer von der Spurensicherung zurückzuholen.
Patrick musste nicht lange warten, kaum zwei Minuten später war sie mit den Kriminaltechnikern im Schlepptau wieder da. Diese schienen bereits Bescheid zu wissen und machten sich umgehend an die Arbeit. Sie vermischten die zwei Komponenten einer Chemikalie, die in Fachkreisen als Luminol bekannt war, füllten sie in eine Sprühflasche und zerstäubten schließlich die leicht gelbgrüne Flüssigkeit großflächig auf der Innenfläche der Tür. Die durch dieses Verfahren nachweisbaren Blutspuren konnte man daraufhin mit Hilfe von bläulich schimmerndem Licht sehen. Sofern es welche gab. Der dunkelhäutige Forensiker knipste die speziell für diesen Zweck bestimmte Taschenlampe an. Und tatsächlich erschienen wie von Zauberhand zwei verschmierte Zeilen auf der Oberfläche.
Hinter kalten dunklen Mauern
wird dem Geist Gewürm auflauern
„Nicht noch ein Rätsel." Resignierend schlug Lisbon die Augen nieder und senkte ihr Kinn auf die Brust.
„Nicht so pessimistisch. Es ist mehr als wir noch vor ein paar Minuten hatten", versuchte er die Sache so positiv wie irgend möglich zu sehen und archivierte den Zweizeiler in seinem Gedächtnispalast.
„Aber es hilft uns nicht weiter", blieb die Teamleiterin weiterhin missgestimmt.
„Es ist unvollständig. Eine Art Gedicht. Wir sollten zurück ins Büro und das überprüfen", kam Patrick zu dem Schluss, dass es hier nun nichts mehr zu entdecken gab. Der Versuch sich aufzurappeln missglückte jedoch. Schmerz und Schwindel ließen ihn zurück sinken. Lisbon, die seine kläglichen Bemühungen mit angesehen hatte, reichte ihm ihre Hand. Doch kaum hatte sie sie mit ihren Fingern umschlossen, lockerte sie den Griff auch schon wieder und legte ihm stattdessen die Handfläche auf die Stirn.
„Sie fühlen sich heiß an", stellte sie unvermittelt fest. „Vielleicht sollte ich Sie doch lieber zurück ins Krankenhaus bringen. Sie scheinen Fieber zu haben."
„Eh. Ich bin nur aufgeregt", winkte Patrick ab. Der letzte Ort, an den er zum jetzigen Zeitpunkt ihrer Ermittlungen zurückkehren würde, war die Notaufnahme.
„Das ist kein Spaß. Sie haben viel Blut verloren", erinnerte sie ihn unnötigerweise an die Gegebenheit, die zu seinem geschwächten Zustand führte.
„Das meiste hab ich noch. Helfen Sie mir lieber auf." Auffordernd streckte er ihr noch einmal seine Hand entgegen.
„Es nützt niemandem wenn sie durch Ihre Sturheit sterben", weigerte sie sich allerdings danach zu greifen. „Am allerwenigsten Van Pelt und Rigsby."
„Keine Sorge, so schnell werden Sie mich nicht los. Weil nämlich der Einzige, der mich umbringen darf, Sie sind." Er sah sie von unten herauf bedeutungsvoll an.
„Ich fühle mich geehrt", erwidert Teresa sarkastisch, stockte aber im selben Augenblick, als ihr bewusst wurde was er damit andeuten wollte. „Aber das werde ich nicht tun!"
„Wenn es soweit ist, werden Sie vermutlich keine andere Wahl haben. Wir haben nun mal unterschiedliche Auffassungen von gerechter Strafe", wiederholte er im Groben den Inhalt ihres Lieblingsstreitthemas.
„Nein, Jane!", protestierte sie mit aller Entschiedenheit.
„Das ist momentan unwichtig. Wir müssen Grace und Wayne retten", betonte er, was aktuell die oberste Priorität für ihn hatte. Lisbon gab nach und zog ihn auf die Beine.
Eigentlich wollte ich ja den Brief von RJ als Bilddatei einfügen, aber leider geht das wohl nicht. Selbst den Link dazu kann ich euch nicht zeigen :(
