Jinai: Hallo, da sind wir wieder:)
Raffael: -schaut auf die Uhr- um 2 Uhr nachts...
Jinai: Du kannst ja schlafen gehen, wenns dir nicht passt.
Raffael: Mach ich auch. Gute Nacht.
Jinai: Na schön, dann mach ich eben das Rating und den Disclaimer...
Rated: T
Disclaimer: -Man gehört Katsura Hosino-sensei... ich mach mir echt Sorgen... sie ist ständig krank...
„Ich bin tooot!" Lavi ließ sich bäuchlings auf sein Fell fallen.
„Dann würdest du nicht solchen Lärm machen."
„Du bist herzlos, Yuu-chan."
„Che"
„So schlimm ist es auch wieder nicht. Wir sind es einfach nicht gewöhnt. Weder das Reiten noch die kurzen Tage." Allen ließ sich mit einem Schmerzenslaut ebenfalls auf sein Fell fallen. Allerdings sitzend.
„Wenn es jedes Mal so ist, dann will ich mich gar nicht daran gewöhnen."
„Jinai hat gesagt, dass wir ein Drittel des Weges schon geschafft haben. Wir müssen also nicht mehr lange reiten." Linali setzte sich vorsichtig hin. Genau wie allen anderen tat ihr jeder einzelne Muskel weh.
Sie waren zwei Tage durchgeritten. Nur nachts hatten sie eine kurze Pause von sechs Stunden eingelegt, in denen ihnen Schlaf vergönnt war. Danach war es noch vor Sonnenaufgang in demselben Tempo weitergegangen. Kein Pferd in unserer Welt würde das aushalten. Lavi drehte sich geräuschvoll auf den Rücken. Ich auch nicht.
Seit Anbruch des vorherigen Tages waren sie fast nur galoppiert. Selten hatten sie ihr Tempo zu Trab gedrosselt, und wenn, dann nur für ein paar Minuten. Schritt waren sie nicht mehr gegangen, seit die vier Exorzisten sicher genug im Sattel saßen. Dann hatte Jinai Elao sofort zum Galopp angetrieben. Alle anderen waren ihr gefolgt. Ob sie wollten oder nicht. Irgendetwas treibt alle hier zur Eile.
Jinais Gefolge bestand nur aus Dienern, die im Sommerpalast angestellt gewesen waren, bevor dieser Ceathan zum Opfer gefallen war. Alles Flüchtlinge. Sie sollten in den Winterpalast im Norden übersiedeln, bis der Sommerpalast im Süden wiederhergestellt war. Auf dem Weg dorthin sollten sie noch einmal eine kurze Rast bei dem Schloss eines Adligen einlegen. Von dort an würden sie noch mehr Leute begleiten. Jinai hatte allerdings nicht gesagt, wer das sein würde.
Der Königin ging es als einzige von den Exorzisten bestens. Sie ritt schneller als alle anderen –das konnte natürlich auch an Elao liegen- und schien glücklicher zu sein, als sie die vier je erlebt hatten. Jinai glühte förmlich vor Lebendigkeit. Trotzdem wurden Kanda und Lavi das Gefühl nicht los, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Und dieses Problem schien sich auf Jinai zu konzentrieren.
„Ihr Ärmsten! Dabei macht ihr euch gar nicht schlecht. Aber ich kann euch trösten, wir legen heute eine längere Pause ein. Ich muss euch ja noch einiges beibringen. Hoch mit euch." Jinai stand über den Exorzisten.
Dreistimmiges Maulen und einmal eisiges Schweigen. Jinai lachte. „Ich weiß, was euch wieder auf die Beine bringt. Ich muss euch was zeigen. Also kommt, ihr müsst weder reiten noch trainieren. Sobald wir dort sind, müsst ihr euch überhaupt nicht mehr bewegen."
„Können wir das nicht auch hier tun?"
„Schwerlich. Komm schon, Nii-san." Jinai zog Lavi auf die Füße.
Er stöhnte. „Sklaventreiberin."
„Ich will euch was Gutes tun. Dafür solltet ihr mir dankbar sein." Schließlich hatte sie die drei sitzenden Exorzisten hochgerafft. Kanda hatte sich allein auf die Füße bequemt. Er schien jeden Kontakt mit ihr zu vermeiden.
Jinai schob und zog sie über die Lichtung, immer tiefer in den Wald hinein. Seit sie hier angekommen waren, sahen sie nur Wald. Wald, Wald, nichts als Wald, soweit das Auge reichte.
„Das wird euch helfen. Bei Muskelschmerzen hilft am besten…" Sie lief voraus auf eine weitere Lichtung. „Ein schönes heißes Bad." Hinter ihr befanden sich mehrere von der Natur geformte Becken, aus denen Dampf strömte. Heiße Quellen.
Jinais stampfte einmal mit dem Fuß auf. Über zwei nebeneinander liegenden Becken bildete sich eine Kuppel aus Schnee mit einem Loch auf der Oberseite, durch das der Dampf entweichen konnte. Sie bewegte den Fuß einen Zentimeter und von innen war ein Rumoren zu hören. Zwei Öffnungen, gerade groß genug, um hindurchzugehen, entstanden an der Front. Noch ein Schlenker mit der Hand und über der Kuppel sammelte sich Luftfeuchtigkeit, die sich zu Wasser verdichtete, um sich dann über das Gebilde zu ergießen. Eine Sekunde später war es zu undurchsichtigem Eis erstarrt.
„Bitteschön! Eine Quelle für jeden, mit Trennwand und getrennten Eingängen. Damen nach links, Herren nach rechts." Jinai zog Linali hinter sich her zum linken Eingang. Dann drehte sie sich noch einmal zu den anderen drei um. „Steht nicht da und haltet Maulaffen feil. Bewegung!" Dann war sie mit Linali verschwunden.
„Ich hab gesehen, wie sie ein ganzes Dorf aus Schnee ohne eine Bewegung pulverisiert, aber…" Lavi staunte immer noch.
Allen vervollständigte Lavis Satz. „Ich glaube nicht, dass ich mich jemals daran gewöhnen werde."
Lavi nickte. Dann blinzelte er. „Bad!" Er rannte trotz Muskelkater auf den rechten Eingang zu, Allen dicht hinter ihm. Kanda folgte ihnen mit etwas angemessenerer Geschwindigkeit.
Kurz darauf ließen sie sich in das heiße Wasser sinken. Auf der anderen Seite der Schneemauer taten es ihnen Linali und Jinai gleich. Jinai achtete darauf, dass Linali das Mal nicht sehen konnte. Aber die Chinesin war diskret genug, um nicht auf die Brust eines anderen Mädchens zu starren. Danach verdeckte das Wasser den Rest.
Jinai zwinkerte Linali zu. „Das einzige, was nach zwei Tagen im Sattel wirklich hilft." Laut sprach Jinai weiter, sodass sie die drei auf der anderen Seite auch hören konnten. „Aber für Anfänger habt ihr euch gar nicht so schlecht angestellt. Alle Achtung!"
Zweimal lautes „Danke" und ein „Che" waren die Antwort.
„Sag Danke, Yuu!"
„Vergiss es!"
„Yuu sagt auch Danke!" Dann hörte man ein seltsames Geräusch.
„Kanda! Lass ihn los! Er ertrinkt!"
„Halt die Klappe, moyashi-"
„Allen!"
„-er weiß genau, dass er mich nicht so nennen soll!"
„Jetzt lass ihn endlich los!"
Ein keuchendes Luftholen. Eine beleidigte Stimme.
„Das war fies, Yuu-chan!"
„Hör endlich auf, mich so zu nennen!!"
Noch einmal dasselbe Geräusch. Dann wieder ein Luftholen.
„Merks dir endlich!"
Von der Seite der Mädchen war nur noch Gelächter zu hören. „Alles in Ordnung, Lavi?" Linali klang eher besorgt. Das Lachen stammte also von Jinai.
„Ja, danke. Ich finde es ja toll, dass mein Ertrinken meiner imouto solche Freude bereitet!"
„Lavi, du hast mehr Leben als eine Katze!" Jinai lachte immer noch.
„Danke für dein Mitgefühl!"
„Oh, armer Nii-san! Musst du die Strafe für deine Frechheit ganz alleine ausbaden? Im wahrsten Sinn des Wortes?"
„Das ist nicht witzig!"
„Doch irgendwie schon. Aber ich werde jetzt meine Klappe halten, sonst bist du noch böse auf mich." Man konnte immer noch unterdrücktes Gelächter hören.
„Danke, Kanda! Das war echt genial!", klang es plötzlich nach ein paar Sekunden über die Trennwand.
„Ich dachte, du wolltest still sein!" Lavi rang immer noch ein wenig um Atem.
„Ich habe gelernt, dass man immer schön ‚Bitte' und ‚Danke' sagt!"
„Dieses Mal nicht!"
„Ja, Nii-san!" Das Lachen hatte sich inzwischen auf ein Kichern gedämpft, dass nur noch Linali hören konnte.
„Entschuldige, ich muss mal kurz untertauchen, wenn ich damit aufhören will." Jinai grinste immer noch übers ganze Gesicht. Sie ließ sich bis über den Kopf in das heiße Wasser sinken. Dann tauchte sie wieder auf, ein Lächeln im Gesicht, aber wenigstens lachte sie nicht mehr.
Schließlich sprach Linali. „Darf ich dich was fragen?" Sie hatte die Stimme auf ein Minimum gesenkt.
„Was denn?" Jinai bemühte sich, nicht misstrauisch auszusehen. Sie mussten glauben, dass alles in Ordnung war.
„Hat Lavi… hat er Recht? Hast du… dich wirklich… in Kanda verliebt?"
Jinai wurde rot. Das beantwortete Linalis Frage. Das ältere Mädchen senkte den Kopf. „Du hältst mich für verrückt, oder?"
„Nein! Nein, ich… dich kann es nur irgendwie nicht ganz nachvollziehen."
„Ich auch nicht. Ich dachte immer, ich… und Aaron… aber dann… ich dachte, er wäre tot, verstehst du? Von Ceathan getötet. Und ich hatte mich schon damit abgefunden. Und Kanda… ich weiß nicht. Es ist nicht so, wie ich gedacht hatte, dass es sein würde. Ich hätte nie geglaubt… in jemanden wie ihn…"
„Du dachtest, du würdest ihn im Leben nicht ausstehen können, oder?"
„Und wenn ich hundert würde! Aber… dann hat es sich irgendwie einfach so ergeben." Jinai fand ihre Finger im Moment wahnsinnig interessant. Alles, damit sie Linali nicht ansehen müsste.
„Weiß… weiß Kanda, dass du…"
Jinai schluckte schwer. „Nein. Ich glaube auch nicht, dass ihn das interessieren würde. Er kann mich nicht ausstehen. Außerdem… es sind nur noch knappe zwei Wochen. Danach…" Sie sah Linali mit feuchten Augen an.
Die Chinesin nahm sie in den Arm. Obwohl Jinai älter und größer als sie war, ein weinendes Mädchen konnte man nicht so einfach ignorieren. „Gibt es denn keine Möglichkeit, wie…"
„Nein. Es ist verboten. Die Götter haben es gestattet, um mich zurückzubringen. Sie würden es auch noch gestatten, damit ihr in eure Welt zurück könnt. Aber Portale öffnen, nur um jemanden zu besuchen… Die Beteiligten müssten mit schlimmen Strafen rechnen."
„Oh." Mehr konnte sie nicht sagen.
Eine Weile herrschte Stille, während Jinai versuchte, die Tränen zu unterdrücken. Dann machte sie sich von dem jüngeren Mädchen los. Sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Eine Königin weint nicht. Regel Nr. Neun." Sie versuchte ein zaghaftes Lächeln.
„Es gibt wohl für alles Regeln, was?"
„Natürlich. Die Königin muss das Vorbild für ihr Land sein. Eine Königin darf keine Schwäche haben, sonst fällt das auf ihr Reich zurück. Königinnen haben immer perfekt zu sein."
„Das ist ganz schön viel Verantwortung."
„Und nebenbei muss ich auch noch herrschen. Aber bisher habe ich das eigentlich ganz gut hinbekommen."
„Musst du das denn alles alleine machen?"
„O nein, ich habe Berater und meine Großmutter. Aber die letzte Entscheidung liegt immer bei mir. Ich muss dann auch dafür gerade stehen."
„Ich könnte so etwas nicht."
„Du tust es doch auch. Jeder Exorzist ist für das Schicksal eurer Welt verantwortlich. Wenn das nicht mal Verantwortung ist."
„Aber das kannst du doch nicht vergleichen. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe."
„Es kommt mir gar nicht so verschieden vor."
„Hey, wie lange dürfen wir denn hier bleiben!?" Lavis Ruf unterbrach die Gedankengänge der beiden Mädchen.
„Wieso, will Kanda dich wieder umbringen?"
„Nein, aber du wolltest doch trainieren!"
„Da freut sich aber jemand auf das Training! Nicht mehr lange, dann gehen wir!"
„Okay!"
Jinai sah Linali an. „Schau nicht so mitleidig. Ich komm mir so mies vor."
„Aber…"
„Nichts da! Ich komme sehr gut zurecht, dankeschön. Wir sollten uns fertig machen, wenn ich euch heute noch was beibringen will." Sie stieg aus dem Becken und trocknete sich ab. Dann zog sie ihr Kleid an. Heute war es etwas weniger prächtig, dafür besser für Bewegung geeignet. Reiten und Training.
Kurz darauf traten die beiden Mädchen aus der Kuppel. Nur wenige Minuten nach ihnen kamen Allen, Lavi und Kanda aus der anderen Seite. Kanda nestelte noch an seinem Haarband und Lavi band sich sein Bandana im Gehen um.
„Auf geht's! Heute mach ich euch alle!" Jinai grinste und schritt voran. Drei der vier hinter ihnen tauschten unsichere Blicke.
Das konnte ja heiter werden.
Jinai: Ein wenig Fluff... davon kommt noch ganz viel auf euch zu. Und weil Raffael schläft und ich mich mit niemandem streiten kann, mach ich auch gleich Schluss.
Eins noch, liebe sternenhagel: Nicht so weit südlich... ich wohn eigentlich auf der Thermenlinie...:)
Und damit ist auch schon Schluss für heute! Freut euch schon mal auf das nächste Kapitel Asri. Gute Nacht!
