Eye of the Tiger DE
Kapitel 6
Rating: T
A/N: Tut mir Leid, dass es letzte Woche kein neues Kapitel gab - ich hatte eine kleine Schreibblockade, und als dieses Kapitel endlich fertig war, hatte ich ein paar Tage keinen Internetzugang und konnte es nicht hochladen :(
Ein paar Stunden später stapfte eine sehr genervte Jane Rizzoli in die Autopsie. "Maura, bitte sag mir, dass du was gefunden hast. Ich bin gerade echt nicht in Stimmung für noch mehr schlechte Nachrichten."
"Das Labor hat die weiße Substanz untersucht, die an zwei der Stichwunden klebte. Es handelt sich um Schlagsahne."
"Also... wurde er mit einem Kuchenmesser erstochen?"
"Die Stichwunden in seinem Bauch waren mit einiger Sicherheit schmerzhaft, aber nicht tödlich, weil keine wichtigen Organe oder großen Blutgefäße verletzt wurden. Siehst du das Hämatom hier?"
"Falls du den faustgroßen blauen Fleck da meinst, ja."
"Das ist das Ergebnis einer stumpfen Gewalteinwirkung, die ihm das Schlüsselbein gebrochen und damit zu seinem Tod geführt hat."
"Sicher? Ich hab mir nämlich als Kind auch mal das Schlüsselbein gebrochen, und ich lebe noch, wie du siehst..."
"Rechts oder links?"
"Hm?"
"Hast du dir damals das rechte oder linke Schlüsselbein gebrochen?"
"Das rechte. Das weiß ich noch, weil ich drei Tage später nachsitzen und irgendeinen doofen Satz hundertmal schreiben musste."
"Und als Linkshänderin hättest du mit einem gebrochenen linken Schlüsselbein nicht schreiben können", führte Maura den Gedanken zu Ende. "Weißt du den 'doofen Satz' zufällig noch?"
Unverständliches Gemurmel.
"Wie bitte?"
"Ich darf keine Fensterscheiben eintreten."
"Warum solltest du so was auch tun?"
"Ähm, ich wollte diese Fliege erschlagen, die immer um meinen Kopf rum gesummt ist. Dabei ging leider das Kantinenfenster zu Bruch, und genau in dem Moment kam Schwester Winnifred zur Tür rein und hat mir Nachsitzen aufgebrummt. Was hat das mit dem Typen hier zu tun?"
"Er ist innerlich verblutet, weil das gebrochene Ende seines linken Schlüsselbeins seine Aorta durchbohrt hat."
Jane verzog das Gesicht. "Autsch. Weißt du, wann er gestorben ist?"
"12 bis 18 Stunden, bevor eure Zeugin ihn gefunden hat - genauer kann ich es dir leider noch nicht sagen, weil ich nicht weiß, wie lange die Leiche wirklich draußen auf dem Bürgersteig gelegen hat."
"Er wurde nicht da umgebracht, wo er gefunden wurde?"
"Er wurde nach seinem Tod definitiv nochmal bewegt, und in den Haaren an seinem Hinterkopf habe ich Fasern gefunden, wie sie oft für Teppiche verwendet werden. Es wäre also möglich, dass er in einem Raum mit Teppichboden getötet und dann nach draußen geschleppt wurde. Da ich leider nicht weiß, ob er dann noch längere Zeit in einem geheizten Raum lag oder schon kurz nach seinem Tod der kalten Nachtluft ausgesetzt wurde-"
"...kannst du den Todeszeitpunkt nur so ungefähr bestimmen."
"Genau."
"Hey, das ist mehr, als Korsak und ich bis jetzt haben." Jane lieferte ihrer Freundin eine kurze Zusammenfassung dessen, was in Elisa Schulzes Akte aus Florida stand. "... also sind wir zu Jessica Baxters Adresse gefahren, aber sie war nicht zuhause. Der Briefkasten sah aus, als wäre er seit mindestens drei Wochen nicht geleert worden, und die Nachbarn wissen natürlich auch von nichts. Ehrlich, ich hasse solche Fälle - keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren, keine Verdächtigen, und unsere einzige Zeugin flirtet mit Frankie und steckt ihre Nase in Sachen, die sie nichts angehen."
"Was für Sachen?"
"Heute Morgen im Konferenzraum, kurz nachdem du gegangen warst, wollte sie wissen, ob wir 'nur' Freundinnen sind oder mehr als das. Ich weiß, ich weiß, das war nicht das erste Mal, das jemand diese Frage gestellt hat, aber die Frau kannte mich noch keine zwei Stunden! Gut, sie ist ein Cop, da ist Neugier quasi 'ne Berufskrankheit, aber..."
"Sie ist auch Polizistin?"
"Hm-mh, in einem Kaff mit weniger als 2000 Einwohnern und insgesamt drei Cops. Wieso fragst du?"
"Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat sich Frankies letzte Freundin als Komplizin eines Serienkillers entpuppt - da sehe ich ihn lieber mit einer anderen Polizistin."
"Stimmt", musste Jane zugeben. "Ich hab aber das Gefühl, dass sie, ähm, eher vom anderen Ufer ist."
"Wie kommst du denn darauf?"
"Wegen ihrer Frisur."
"Es gibt auch viele heterosexuelle kurzhaarige Frauen."
"Weiß ich." Jane verdrehte die Augen. "Aber du kennst doch die Vorurteile gegen sportliche Frauen in 'typischen Männerberufen', oder?"
"Seit wann glaubst du an Vorurteile?"
Jane kam um die Antwort herum, weil in diesem Moment Vince Korsak die Autopsie betrat. "Hey Doc, haben Sie schon was gefunden?"
"Er ist innerlich verblutet, als das gebrochene Ende seines linken Schlüsselbeins die Aorta durchbohrt hat. Todeszeitpunkt zwölf bis 18 Stunden, bevor die Leiche gefunden wurde, und bei der weißen Substanz von den Rändern der Stichwunden handelt es sich um Schlagsahne", ratterte Maura herunter, was sie bisher gefunden hatte. "Mehr kann ich im Moment leider noch nicht sagen."
"Okay, dann fahr ich jetzt nach Hause; Starsky hat einen Tierarzttermin."
"Warst du mit dem nicht gerade erst letzte Woche beim Tierarzt?"
"Nee, das war Hutch."
"Ach ja, wie konnte ich das nur vergessen?"
Korsak ignorierte den Sarkasmus seiner Kollegin - er war daran gewöhnt. "Ich hab Cavanaugh gesagt, dass du wahrscheinlich auch bald gehst. Wir können im Moment nicht wirklich weiter ermitteln - Frankies neue Freundin hat uns alles gesagt, was sie weiß, Jessica Baxter liegt vermutlich irgendwo am Strand und trinkt Rum, und wir haben bis jetzt noch keine Fingerabdrücke oder DNA des Täters."
"Würdest du bitte aufhören, unsere Zeugin als Frankies Freundin zu bezeichnen? Sie ist fast zehn Jahre jünger als er!"
"Na und?... Bärbel hat übrigens Frankie vorgeschlagen, dass wir ihre Kollegen in Deutschland anrufen sollen; vielleicht wissen die was über unser Opfer oder seine Mutter. Damit müssen wir allerdings bis morgen warten, weil es in Mitteleuropa gerade mitten in der Nacht ist."
"Ein paar Minuten nach ein Uhr morgens, um genau zu sein", stimmte Maura nach einem Blick auf die Uhr zu. "In Deutschland ist es sechs Stunden später als hier in Boston."
"Danke, Google."
"Keine Ursache." Maura bedeckte Christian Schulzes Körper mit einem weißen Laken und schloss die Leiche für die Nacht in ein Kühlfach ein. "Jane, hilfst du mir beim Umziehen?"
"Was... wie... äh... kannst du das nicht alleine?" Hör auf zu stottern, Rizzoli! Wie alt bist du, zwölf?
"Die OP-Kleidung kann ich allein ausziehen, aber beim Reißverschluss meines Kleides brauche ich vielleicht Hilfe..."
"Und an diesem Punkt sage ich 'Gute Nacht und bis morgen, Ladies'." Ein ziemlich rotgesichtiger Korsak trat einen hastigen Rückzug aus dem Raum an und ließ eine grinsende Gerichtsmedizinerin und eine verwirrte Polizistin zurück. "Was zum... Korsak, zum letzten Mal: Maura und ich sind nicht-" Jane fiel auf, dass ihr Kollege sie gar nicht mehr hören konnte. "Ach, vergiss es. Maur?"
Dr. Isles trat aus ihrem Büro; sie hatte offenbar doch keine Hilfe gebraucht, um den Reißverschluss an ihrem Designerkleid zu schließen. "Ich bin fertig, wir können gehen."
Beacon Hill, ein paar Stunden später
"Jane?"
"Hmm?"
"Schläfst du?"
"Jep."
Maura runzelte die Stirn. "Wenn du wirklich schlafen würdest, könntest du diese Frage nicht beantworten."
"Ich weiß."
Ein Seufzer. "Jane, ich verstehe deinen Humor nicht. Schon gar nicht nach zehn Uhr abends."
"Sieh's positiv, du verstehst sonst fast alles."
"Oh, es gibt viele Dinge, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel deine Beziehung zu Chris."
Diesmal war es Jane, die seufzte. "Das Thema lässt dich einfach nicht los, hm?" Sie stellte ihre leere Bierflasche auf den Couchtisch. "Okay. Chris - Christina - und ich waren zusammen auf der Polizeischule."
"Das hast du schon mal gesagt."
"Willst du die Geschichte hören oder mich weiter unterbrechen?"
"Tut mir leid. Erzähl weiter."
"Danke. Also, Chris hatte einen Freund - ich weiß nicht mehr, wie der Typ hieß, aber er wollte unbedingt mal dabei zusehen, wie zwei Frauen miteinander... du weißt schon. Ich glaube, das ist 'ne ziemlich beliebte Vorstellung unter Männern." Jane hielt eine Hand hoch, um den Vortrag über männliche Sexfantasien zu stoppen, der mit Sicherheit gleich folgen würde. "An seinem Geburtstag hat er mich gefragt, ob ich mit Chris ins Bett gehen würde, während er dabei zusieht. Ich hab ja gesagt."
"Du hast was?" Maura konnte die Überraschung in ihrer Stimme nicht unterdrücken. Jane Rizzoli, die rot wird, wenn man in ihrer Gegenwart auch nur das Wort Sex ausspricht, hat zugestimmt, mit einer anderen Frau zu schlafen und den Freund dieser Frau dabei zusehen zu lassen?
"Ich war betrunken."
"Oh."
"Außerdem haben wir es dann doch nicht gemacht."
"Warum nicht?"
"Chris hat sich am nächsten Tag von ihrem Freund getrennt, weil sie ihn mit seinem Mitbewohner erwischt hat - so einem Möchtegern-Bodybuilder, dessen Gehirn ungefähr so groß wie 'ne Erdnuss war. Ende der Geschichte." Jane stand von der Couch auf, um ins Schlafzimmer zu gehen, doch schon nach wenigen Schritten klingelte ihr Handy. Verdammt. "Rizzoli."
Wie aufs Stichwort fing Mauras Handy ebenfalls an zu klingeln. "Doktor Isles? Okay, wir sind gleich da."
A/N: Tut mir leid wegen des Cliffhangers. Meine Internetverbindung funktioniert wieder, d.h. ihr müsst auf das nächste Kapitel wahrscheinlich nicht so lange warten :)
