Chapter6 – Späte Gedanken

Severeus Snape stand am Fenster und sah nach draußen. Ein abfälliges Lächeln überzog seine Lippen. Der trotteligste Schüler, den Hogwarts vielleicht jemals gehabt hatte. Er überlegte gerade was er tun würde wenn dieser Dummkopf es nicht mehr schaffen sollte rechtzeitig ins Schloss zu kommen. Ihn doch noch rein holen und bestrafen, oder ihn einfach die ganze Nacht vor der Tür sitzen zu lassen? Dann bemerkte Snape, dass der junge Zauberer einfach stehen blieb und auf den See starrte. Stirn runzelnd sah nun auch er dorthin. Und was er da sah konnte er nicht ganz fassen.

Er sah seine beiden größten Sorgenkinder, die wohlbemerkt noch nie ein gutes Haar am Anderen gelassen hatten. Ginny, die schon fast bis zu den Hüften im See stand, keine Anstalten machte aufzustehen und Draco der ihr hinterher watete. Er legte einen Arm um sie, streichelte ihr Gesicht. Die beiden wirkten ungewohnt und vor allem überraschend vertraut. Nun gingen sie in Richtung Wald. Das musste auch ein Severus Snape erstmal sacken lassen. Er setzte sich und goss sich ein Glas Feuerwhisky ein.

Er überlegte nach einer Weile, ob er nicht gehen sollte, die zwei suchen sie hinein zu holen, verwarf den Gedanken aber wieder. Ihm ging ein kleines Licht auf. Er konnte sich vorstellen, wo die zwei waren, und dort waren sie definitiv sicher die Nacht über. Dort waren sie sich sicherlich auch über den Weg gelaufen. Kein Wunder, zwei so gequälte Seelen mussten diesen Platz früher oder später finden.

Draco Malfoy, sein Patensohn, nicht für das Böse geschaffen, aber mitten in das Böse hinein geboren. Lucius hatte ihn, Severus, damals in Unwissenheit über seine gar nicht so bösen Neigungen, zu Dracos Paten gemacht. Aber zu seinem Bedauern konnte er ihn nicht so beschützen wie er es gerne wollte. Früher hatte er Lucius noch beruhigen können, Draco wäre noch jung, das würde noch werden..., aber jetzt war er volljährig. Wirklich sicher vor seinem Vater und dessen Todesserfreunden, war er nur noch hier, in Hogwarts. Das schlimmste aber war, der Junge sich immer zurückzog und ihn abwürgte, nicht mit ihm reden wollte, ihm ging es angeblich immer gut. Draco wusste genau, dass er seinen Paten nicht wirklich täuschen konnte, aber er weigerte sich eisern sich zu öffnen. Er wusste, dass Draco sich schwach fühlte, das aber niemandem nicht mal ihm gegenüber zugeben würde. Dabei war Draco gar nicht so schwach wie er glaubte. Er könnte viel stärker sein, wenn er nur endlich an sich glauben würde. In letzter Zeit allerdings schien es ihm wirklich etwas besser gegangen zu sein.

Jetzt hatte Snape auch eine Ahnung warum.

Ginny Weasley, die kleine Griffindor. Nachdem sie in der Kammer des Schreckens gewesen war, war er auf sie Aufmerksam geworden. Anfangs war es nur das Interesse wegen der Kammer gewesen, aber sie hatte es geschafft ihn zu beeindrucken. Andere Kinder wären vielleicht traumatisiert gewesen, aber nicht sie. Ginny hatte nur halb genervt halb belustigt die Augen verdreht, bei der Frage wie es ihr ging. Dazu kam ihre unglaubliche Auffassungsgabe, ihr Talent für Zaubertränke. Sie war die eizigste die es sogar schon mehrmals fabriziert hatte ihn zum schmunzeln zu bringen. Es war aber auch zu seltsam, wie sie ihm manchmal trotzig und irgendwie böse in die Augen sah, wenn er mal wieder einen ihrer Freunde runter geputzt hatte. Niemand außer ihr traute sich das. Wie oft hatte er sie schon dafür angefahren, aber sie blieb trotzig.

Dann kam Potter. Dieser verfluchte Potter. Schon lange hatte er sie vor ihm gewarnt, aber hören wollte sie ja nicht. Er hatte geahnt, dass in diesem Jungen noch etwas anderes schlummerte als der herzensgute Menschenretter. Dumbeldore der Dummkopf wollte natürlich nichts davon hören. Dumbeldore - Größter Magier der Zauberwelt? Dass er nicht lachte! Ein alter blinder Trottel war Dumbeldore. Harry Potter schaffte es irgendwie, die stärkste kleine Hexe die er kannte, auf den Boden zu zwingen, und Dumbeldore sah es nicht einmal, vertraute voll und ganz seinem kleinen Helden.

Vorsorglich hatte er Ginny schon lange wie auch Draco vor Jahren Oklumentik beigbracht. Aus gutem Grund wie sich herausstellte. Schon lange hatte er bemerkt, dass es Ginny schlecht ging. Auch wenn Ginny ihre Freunde und selbst ihre Familie täuschen konnte, aber nicht ihn.

Vielleicht waren Ginny und Draco die Rettung füreinander. Draco hätte endlich jemand der ihm Halt gab und auch Ginny würde es gut tun nicht mehr allein mit ihren Problemen fertig werden zu müssen. Es war ein sonderbarer, aber auch irgendwie sehr angenehmer Gedanke sich seine zwei Schützlinge zusammen vorzustellen.

Der junge Griffindor saß im Gemeinschaftsraum. Er hatte es gerade noch rechtzeitig rein geschafft, aber wo blieb Ginny? Sie hatte es wohl nicht mehr geschafft ins Schloss zu kommen. Aber wo würde sie heute Nacht bleiben? Er sah aus dem Fenster, aber von Ginny oder Malfoy fehlte jede Spur.

Ginny war doch wohl nicht etwa mit zu Ihm gegangen. Ginny war doch mit Harry zusammen, glücklich zusammen.

Aber was war da eben mit ihr los? Sie war zwar weit weg gewesen, aber sie war eindeutig unglücklich gewesen. Dann war Malfoy gekommen. Der schien sie sogar getröstet zu haben. Hatte Harry sich von Ginny getrennt? Oft zusammen sah man sie in letzter Zeit ja nicht gerade. Aber, Schwachsinn! Harry vergötterte Ginny regelrecht. Außerdem, warum sollte gerade Draco Malfoy Ginny über Harry hinwegtrösten. Sie konnten sich doch gar nicht leiden. Hatte er sich vielleicht doch nur verguckt? War es gar nicht Ginny gewesen? Ein Mädchen das ihr ähnlich sah? Nein, das müsste schon ein Zwilling gewesen sein.

Er könnte Harry fragen, ob etwas vorgefallen war, aber würde er damit Ginny verraten? Ja Harry zählte zu seinen besten Freunden, aber genau genommen, war seine Freundschaft zu Ginny nun mal einfach größer. Wahrscheinlich war es ihr unangenehm wenn er darüber mit Harry sprach. Harry war mit jedem befreundet, wenn es nicht gerade ein Slytherin war, aber Ginny war immer für ihn da wenn er ein noch so kleines Problem hatte. Warum kam sie denn nicht zu ihm, wenn sie ein Problem hatte. Warum vertraute sie sich, wenn schon nicht Harry, dann wenigstens ihm an?

Er ging in den Schlafsaal. Leise kroch er in sein Bett, konnte aber länger nicht einschlafen. Diese ganze Sache war einfach zu suspekt, aber er musste wohl bis morgen warten, wenn er sie sah.