Die nächsten Monate vergingen, und Jorreka und seine Gruppe versuchten so viel Zeit wie möglich zu verwenden um ihre Recherchen´ rund um den Obersten Kanzler zu vertiefen. Doch immer wieder fanden sie einfach nicht genügend Zeit um wirklich etwas in die Wege zu leiten. Die Zeit war derzeitig ihr größter Gegner, der ihnen verbot Informationen zu sammeln.
Das war es, was Jorreka fast in den Wahnsinn trieb. Juna hatte sich bereits zweimal gemeldet und immer hatte Jorreka ihr leicht gereizt erklären müssen, dass die Fünf noch andere Verpflichtungen hatten, denen sie nachgehen mussten. Was dem Zabrak aber klar war, war die Tatsache, dass Junas Auftraggeber auch nur begrenzte Geduld haben würde; und der Padawan wusste nicht wie lange er sie aufbringen würde.
„Du bist sehr unkonzentriert."
Jorreka wieder zurück kam aus seinen Gedanken. Er war auf der Krankenstation.
Barriss Offee, der er eigentlich zur Hand gehen sollte, sah ihn ruhig an. Jorreka war leicht zusammengezuckt als sie ihn wieder ansprach. Für einen Moment fürchtete der Zabrak, dass er seine geistige Abwehr hatte fallen lassen, was es der Heilerin ermöglicht hätte seine Gedanken und Gefühle zu lesen wie ein offenes Buch. Doch dann stellte er erleichtert fest, dass dies nicht der Fall war.
„Verzeihung, ich war gerade nicht ganz bei mir." Dieses Eingeständnis ließ die ältere Jedi kurz lächeln. Da in zu dieser Zeit kaum Heiler im Tempel waren, oder sich nur auf dem Rückweg dort hin befanden, assistierte der Zabrak - Padawan der Mirialanerin. Jene war vor einigen Tagen von Drongar zurückgekehrt und hatte ihre Ausbildung bei Meisterin Unduli beendet. Der Rat glaubte, dass sie reif für das Leben eines Jedi war. Es würde nicht mehr lange dauern bis man ihr einen Padawan zuteilte. Eine Entwicklung von der Jorreka noch weit entfernt war.
„Du solltest deine Gedanken mehr auf das Hier und Jetzt lenken, wo sie hingehören. Gerade eben hättest du dich fast an einem Skalpell geschnitten. Ich bin nicht erpicht darauf dich versorgen zu müssen."
Jorreka sagte nichts sondern nickte bloß. Doch als er sah, wohin er greifen wollte, schluckte er und nickte dankbar. Er hätte gerade eben wirklich fast in ein Skalpell gegriffen. Er sollte ihren Rat befolgen und sich mehr auf seine Aufgabe konzentrieren, die man ihm hier zugewiesen hatte. Etwas Positives hatte es, dass er auf der Krankenstation tätig war: Er hatte gelernt wie man die Heilmeditation bei anderen einsetzten konnte, wenn auch nur in Grundzügen. Einen richtigen Jedi-Heiler würde er damit und mit seinen bescheidenen medizinischen Kenntnissen nicht ersetzten können, aber es würde für den Anfang reichen.
Irgendwann verließ er die Krankenstation wieder und begab sich zu Jammy ins Archiv. Auf dem Weg dorthin schlossen sich Danny und Deka an, die durch die Jünglinge völlig geschafft waren.
Als sie im Archiv waren setzte sie sich zu Jammy und der schon anwesenden Bene. Den Rest des Tages bis in den frühen Abend hinein verbrachten sie damit sich, zur Überraschung von Madam Nu, den Werken zu widmen, die sonst am wenigsten Beachtung fanden. Es waren zumeist Aufzeichnungen, die Padawane zu ihren ersten Prüfungen auswendig lernen mussten und danach erst einmal ein paar Jahre auf Seite schoben um sie anschließend zu vergessen. Doch nicht nur lasen sie, sondern übten sich darin in Gedanken mit einander zu sprechen.
Am nächsten Tag, wurde Jorreka zum Rat zitiert. Es hatte lange gedauert bis man schließlich einen Jedi gefunden hatte, der in der Lage gewesen war Jorreka auszubilden und gleichzeitig im Tempel blieb. Doch der Rat hatte es tatsächlich geschafft einen Lehrer für Jorreka zu finden.
Sein neuer Mentor war einer der Heiler auf der Krankenstation, welcher seinen Dienst nur im Tempel verrichtete. Es handelte sich um die Meisterin Saad, eine ältere Heilerin, die Jorrekas früheren Meister gut gekannt hatte und selbst ihren Padawan verloren hatte. Nicht durch den Krieg, nein, er war auf Korriban von den Geistern der alten Sith verführt worden und anschließend verschwunden. Dieses Ereignis nagte an der Jedi, und Jorreka hatte nicht vor ebenfalls so zu enden wie sein Vorgänger.
Der Padawan begleitete seine neue Meisterin auf die Krankenstation, wo sie seine Heilerausbildung vorantrieb. Durch den Krieg war die Zahl der Jedi-Heiler stark zurückgegangen, doch trotz des Bedarfs an Jedi-Heilern auf den Schlachtfeldern der Galaxis brauchte man noch immer welche, die im Tempel blieben um dort die Notfälle zu versorgen.
Eine Wochen vergingen bis sich plötzlich Ms. Lorik von neuem meldete.
Jorreka befand sich in diesem Moment auf dem Weg zu seinem Quartier nachdem er seine Fähigkeiten der Heilmeditation weiter geübt hatte, als sein Comlink wieder piepte. Der Padawan ahnte, was gleich kam, also zog er sich schnell in seine Kammer zurück und nahm ab.
„Nun? Habt ihr inzwischen etwas Brauchbares? Oder wollt ihr mich wieder auf später vertrösten?" Die Frau am anderen Ende wirkte nicht gerade gelassen. Ja, fast sauer. Offenbar hatte sie sich von Fünf mehr erhofft.
„Bedauerlicher Weise hatten wir bislang keine Gelegenheit dazu weiter zu recherchieren. Wie ich Ihnen bereits einmal erklärt habe, haben ich und meine Freunde auch noch andere Verpflichtungen, denen wir nachgehen müssen. Sie werden sich noch etwas gedulden müssen." Fast hätte er einen Hauch von Sarkasmus hinzugefügt, doch etwas riet ihm das besser nicht zu tun.
Ms. Lorik gab ein Geräusch wie das wütende Fauchen einer Katze von sich. Sie war es Leid zu warten, was man auch merkte.
„Mein Auftraggeber hat keine Lust mehr zu warten. Hören Sie, Senator Valorum ist bei einem Attentat ums Leben gekommen. Offenbar hatte er in seiner Wohnung hier auf Coruscant gewisse Informationen. Besorgen Sie sie. Ihr habt zehn Tage. Wenn ihr es schafft wird man euch wie abgesprochen entlohnen. Wenn nicht, wird die Audio-Aufzeichnung an die Medien kommen und was anschließend passiert, wird sich zeigen."
Damit war das Gespräch beendet, und Jorrekas Stimmung in ein bodenloses Loch gefallen. Wie sollten sie in Senator Valorums Wohnung gelangen? Dafür brauchten sie Hilfe von Außen, sprich jemanden der Einfluss hatte.
An den Rat konnten sie sich nicht wenden, denn dieser würde sie sicherlich verstoßen und das wollten weder Jorreka noch seine Freunde, da sie außerhalb des Ordens nichts in diesem verändern konnten, was ein Teil von ihrem Ziel war. Der Zabrak seufzte, ehe er seinen Kopf leicht senkte und anschließend Zeige- und Mittelfinger zur Stirn führte.
Freunde? Wir haben einen Hinweis auf Informationen über Palpatine, kommt bitte alle in mein Quartier. Dann beendete er die Verbindung. Er wollte das nicht durch Telepathie besprechen, weil die Gefahr bestand, dass Meister Yoda oder jemand anderes im Tempel die geistigen Verbindungen bemerkte.
Es dauerte einige Zeit bis alle nach und nach eintrafen. Sie setzten sich alle auf das Bett, während Jorreka sich vor sie stellte. Mit kurzen Worten erklärte der Zabrak wie der Stand der Dinge war.
„Man hat uns eine Frist gesetzt. Ms. Lorik hat zwar gesagt, dass wir in Valorums Wohnung auf Coruscant fündig werden könnten, jedoch will sie, dass wir in zehn Tagen Ergebnisse bringen. Wenn nicht, gilt unser Abkommen mit ihr als geplatzt."
Die Stimmung war danach bedrückt. Alle wussten, ohne Fremdehilfe konnten sie es wirklich nicht mehr schaffen. Doch wen sollten sie einweihen? Danny dachte angestrengt nach, doch fiel ihr niemand ein, der ihr vielleicht helfen konnte.
„Ich fürchte wir müssen uns an jemanden im Senat wenden, oder aber aus der Unterwelt. Sonst kommen wir an die Informationen nicht heran. Doch offen gesagt, mir gefällt keine der beiden Optionen, die wir zur Auswahl haben. Wobei ich letzteres nur nehmen würde, wenn es nicht anders geht."
Nach Jammys Worten herrschte wieder unruhiges Schweigen. Sie hatten nur die beiden Wege zur Auswahl und beide waren riskant bis unangenehm. Da sie kaum Credits hatten, konnten sie niemanden anheuern, der ihnen half und Jedi waren in der Unterwelt regelrecht verhasst. So blieb ihnen nur der Senat. Es gab dort zwar mehr als genug Politiker, die schlecht auf Palpatine zu sprechen waren, doch grauste es den Fünf davor, was man von ihnen verlangen würde, wenn sie diese Leute um Hilfe baten.
„Wie… wie wäre es mit Senator Kyrl von Kuat. Er ist einer der Männer, welche den Kanzler am meisten verachtet. Er ist auch derjenige mit genug Einfluss, den wir ohne größere Schwierigkeiten für die Sache gewinnen können."
Waren sie so verzweifelt, dass sie diesen Mann um Hilfe bitten sollten? Wenn Danny so etwas vorschlug, dann ja. Senator Kyrl war der dubioseste Mann im Senat. Von Steuerhinterziehung bis Bestechungsversuchen reichte angeblich seine Liste, man konnte ihm nur nie etwas nachweisen. Darüber hinaus war der Mann einer, der sich Assistentinnen nur einstellte um sie noch in derselben Nacht bei sich im Bett zu haben. Vorausgesetzt sie gefielen ihm. Bene standen die Nackenhaare zu Berge. Auch Deka, Jammy und Jorreka gefiel diese Option überhaupt nicht. Zu unberechenbar war der Mann.
„Es gibt noch jemanden, den wir um Hilfe bitten können." Alle sahen auf.
Benes Gesicht hatte sich aufgehellt. Alle sahen sie an. Offenbar war ihnen ein Senator entgangen. Aber wer war das?
„Was ist mit Senator Shan? Sein Sohn schuldet, soweit ich weiß, Deka noch einen Gefallen. Darauf können wir zurückgreifen, wenn es nötig ist."
Deka stöhnte und grinste dann; den hatte er natürlich völlig vergessen. Alle nickten und waren mit dieser Alternative eher einverstanden als mit dem dubiosen Senator Kyrl. Jetzt blieb nur eine Frage. Wie schafften sie es mit dem Senator zu sprechen, ohne dass irgendwer Wind von der Sache bekam?
Da kam Deka ins Spiel. Der Nautolaner würde versuchen über Dankon Shan, Senator Shans Sohn, etwas zu arrangieren. Damit nickten alle, wie als wenn jemand gerade verkündet hätte, diese interne Ratssitzung wäre beendet.
Noch am selben Abend setzte sich Deka mit Dankon in Verbindung.
„Dankon? Hier ist Deka, ich hoffe du hast etwas Zeit." Alleine schon am Ton hörte sein Gesprächspartner, dass da etwas nicht stimmte, und im Hintergrund hörte man wie eine weibliche Person protestierte. Das war definitiv Jaina, Dankons Freundin, und der Nautolaner fragte besser gar nicht erst, wobei er die beiden gerade gestört hatte.
„Ihr Jedi sucht euch auch immer die ungünstigsten Zeitpunkte aus; also was ist los? Muss ich dich wieder vor einer Meute Droiden retten, die dich abschießen will?" Am wieder heiteren Ton merkte der Nautolaner, dass Dankon es ihm nicht übel nahm. Nicht alleine deswegen, weil sich beide in dem halben Jahr, welches Deka auf Chanj gewesen war, so oft gegenseitig die Haut gerettet hatten, dass sie selbst zusammen nicht genug Finger hätten um es auf zu zählen.
„Nein, diesmal nicht. Ich und ein paar Freunde von mir würden gerne innerhalb der nächsten fünf bis neun Tage deinen Vater sprechen. Wir müssen ihn in einer… äh… wichtigen Angelegenheit sprechen."
Dankon gab einen seltsamen Laut von sich, der sich stark nach einem unterdrückten Lachen angehört hatte. Doch mit einem Mal meldete sich nun Jaina.
„Dein Timing ist schlechter denn je, Deka. Senator Shan ist vor einer knappen Standartstunde nach Chanj aufgebrochen und wird dort eine ganze Weile lang bleiben. Aber du und deine Freunde könnten ganz einfach zu uns kommen und eure wichtige Angelegenheit mit uns besprechen."
Moment! Sie konnte doch nicht einfach Deka und die anderen einfach zu den Shans einladen, schließlich war sie selbst nur der Gast. Doch Dankon fand die Idee gut und lud die fünf Padawane zu sich am nächsten Abend ein. Alleine schon, weil seine Mutter mit ihrem Mann fort war. Zu dem wollte er die vier anderen Freunde des Nautolaners kennen lernen.
Die Verabredung stand. Nun mussten die Padawane nur noch aus dem Tempel kommen ohne von einem Meister oder aber Madam Nu erwischt zu werden. Doch darum würden sie sich am nächsten Abend kümmern müssen.
