Zögernd kniete McKay nieder und tauchte die rechte Hand unter Wasser. Kribbelte das irgendwie? Sheppard hielt ihn am linken Oberarm. McKay zwinkerte und zog die Hand zurück. Irgendwas störte ihn an dem Wasser. "Reiss dich zusammen", dachte er verbissen, krempelte den Ärmel hoch, und beugte sich wieder vor, hinab zur Wasseroberfläche.

"Bis zum Ellbogen.", erklärte er Sheppard und schaute über die Schulter zu Sheppard auf, gegen die Sonne blinzelnd. "Ich spüre den Grund. Es ist steinig, und, abgesehen von den Blütenblättern, überhaupt nicht trübe."

Sie zogen die Schuhe und Socken aus und wateten hindurch. Der Bach hielt sich an Rodneys Tiefenangabe, bis sie auf der anderen Seite ankamen und herausstiegen. Da hier das Ufer flacher war, beugte sich Sheppard kurzerhand hinab und führte eine Handvoll Wasser zum Mund. Jedoch trank er nicht, sondern roch daran.

"Oh, bitte, Sie werden doch nicht...?" McKay zog sich wieder an.

Sheppard nahm mit der Zunge etwas Wasser auf, und befeuchtete die Lippen. "Trinkbar." Anschließend füllte er seine Hand nach, um Schweiß von der Stirn abzuwischen.

"Wirklich?" McKay beeilte sich, seine eigene Hand mit Wasser zu füllen, da sein Hals trockener geworden war. Noch beim ersten Schluck reizte ihn prompt etwas aus dem Nass zum Husten und er spuckte aus. Er warf Sheppard einen merkwürdigen Blick zu.

Der bemerkte das zwar, doch führte er es auf McKays allgemein angeschlagene Stimmung zurück. Rasch zog er sich die Socken über, streifte die Schuhe an, und band die Schlingen.

"Kommen Sie, McKay."

Sie schlugen einen Bogen zu dem Berghang, von dem sie kamen, und suchten mit den Augen den Hang ab nach einem Weg.

Das Funkgerät knisterte zweimal. Teylas Stimme drang hervor.

"Hier Teyla. Bitte Kommen."

"Hier Sheppard. Sprechen sie."

"Das Gate ist erfolgreich aktiviert worden, und Ford darin verschwunden. Ich warte hie-" Rumpeln und Rauschen stellten die letzten Geräusche dar, ehe das Funkgerät schwieg.

"Teyla, bitte kommen." Sheppard gab ihr drei Sekunden. "TEYLA!" Nichts.

"Wir haben den Kontakt verloren.", kommentierte Rodney mit großen Augen und ängstlicher Stimme.

"Das gefällt mir nicht. Wir müssen uns sputen." Sheppard übernahm die Führung und schlug ein forsches Tempo vor. Er verlangsamte nur minimal am Berghang, und bald schnaufte und keuchte McKay hinter ihm. Sheppard blickte sich nur ab und zu um, ob McKay noch nachkam, und zwar immer dann, wenn das Schnaufen zu weit hinter ihm wegfiel. Er blieb für ein paar Sekunden stehen, und McKay, in der Ehre getroffen, mobilisierte letzte Kraftreserven und rannte, um aufzuschließen.

Das Gelände war gut zum Gehen, auch wenn ein Weg nicht in Sicht war. Die Wiese zog sich in sanften Buckeln hoch.

"Teyla muss sich geirrt haben", warf John über die Schulter zurück. "Hier ist kein angelegter Weg."

"Wir-" stöhnte McKay, "kommen" Pause. "zu weit" Pause. "links heraus."

"Sparen sie sich die Puste. Aber sie haben recht. Wir müssen weiter rechts." Sie stiegen die letzten Meter, bis Sheppard abschätzte, auf der Höhe des Gates zu sein. Leichter Nieselregen setzte ein.

Sheppard probierte es nochmal per Funk bei Teyla, erhielt aber keine Antwort.

Nun rannten sie quer zum Hügelkamm eine Wiese entlang, auf der viele Bäume standen. Von hier aus sah man außerdem, dass auch ganz oben, wo der Wasserfall vom Berg floß, Bäume wuchsen. Links von ihnen stieg der Berg steil an in einer Felswand. Sheppard entdeckte etwas, das ihm den Atem stocken ließ. Gelbe Früchte! Die Bäume waren viel reifer als im Tal.

Zitrusbäume. Oder zumindest etwas derartiges. Hoffentlich wirkten sie nicht wie die irdische Zitrone auf McKay!

Kein Zweifel.

Der Major erhöhte das Tempo, und hoffte, dass Rodney weder links noch rechts schaute. Und nichts riechen möge. Es duftete deutlichst nach Zitrone. Das meiste an Geruch schien im Wind mitzuschwingen. Im Rennen hob Sheppard die linke Hand, und versuchte, die Windrichtung herauszubekommen. Dabei trafen kleine Tröpfchen auf seine Hand. Wenn er sich nicht ganz täuschte, strömte die Brise von der Hügelkuppe herunter, und verteilte außerdem Wasser über Ihnen.

Er hatte keine Ahnung, ob die Menge an Zitrone reichte, um McKay Überreagieren zu lassen. Er schalt sich, nicht früher etwas bemerkt zu haben. Wie oft waren sie schon der gelben Frucht ausgesetzt? Beim Hinabsteigen zum ersten mal, in Form des Wassers, und McKay saß darin - die Gischt der aufstiebenden Tropfen konnte er wohl als zweites mal zählen, und McKays Kleidung durchweichte. Wie die aller anderen. Im Wald? Nein, sie hatten nichts angefasst, außer ein Blatt und die Rinde des einen Baumes. Der Bach! Oh nein, nein, verdammt. McKay trank daraus! Was, wenn der Fluß Zitronenblüten, Zitronenblätter und - womöglich Zitronen enthielt? Reife Früchte, die abgefallen und weggeschwemmt worden waren?

Er hielt inne, wartete, bis Rodney an seiner Seite auftauchte, und packte ihn am linken Arm. Gemeinsam hasteten sie weiter. Mit der linken Hand aktivierte er währenddessen das Funkgerät und rief nach Teyla. Antwort kam keine.

Rodney an seiner Seite kniff die Lippen zusammen.

Endlich tauchten vor ihm die ersten höheren Bäume auf, von der Art, wie sie neben dem Wasserfall wuchsen. Er wandte sich an Rodney. "Halten Sie durch. Sind noch 100 Meter. Höchstens. Wie gehts Ihnen?"

McKay setzte an zu sprechen, doch brachte kein Wort heraus. Statt dessen griff er sich an den Hals, und versuchte verzweifelt, Luft einzuatmen. Das Ausatmen schien ihm die gleiche Mühe zu machen. Seine Lippen färbten sich blau.

Sheppard hängte sich unter dessen linken Arm, und richtete den Mann auf. "Rodney, das waren Zitronenbäume."

"Ich-" Röcheln. "Weiß." Schnaufen. "Der Nießelregen hier unter d-" Würgen. "Steilhang flutet die allergisch machenden Stoffe direkt zu mir." Schnaufen.

Gerade, als Sheppard dachte, Rodney überwandt es, brach der andere zusammen. Seine Atmung wurde flach und hastig.

"Es ist meine verdammte Schuld, ich wählte den falschen Weg hinauf." Sheppard zog an Rodneys Kragen, um ihm mehr Luft zu verschaffen.

"Hören - Sie - auf." würgte Rodney. "..meine Schuld, Gegenmittel vergessen.. Gestern tat ichs aus dem Rucksack.." Sheppard musste sich dicht über sein Gesicht beugen, um die Worte zu verstehen. "Füllte es auf. Carson.." Jedes weitere Wort verging im Röcheln.

Sheppard zog Rodneys Arm um die eigenen Schultern, und stemmte den Mann hoch. Einige Meter schaffte er es, seinen Freund vorwärts zu bringen. Dessen Augen röteten sich. Seine Hände fingen unkontrolliert zu zittern an. Rodney schaffte keinen einzigen Schritt mehr.

Sheppard versuchte zu helfen, doch letztlich blieb ihm keine Alternative, als den anderen Mann huckepack zu nehmen. Dazu musste er McKays und seinen Rucksack zurücklassen. Mit 80 Kilo auf dem Rücken bereitete es ihm jedoch keinerlei Kopfschmerzen, etwas liegen zu lassen. Meter für Meter kämpfte er sich vorwärts, manchmal taumelnd, zweimal in die Knie gehend unter dem Gewicht.

Er betrachtete es als wahnsinniges Glück, dass er exakt auf Höhe des Gates hervorkam. "Konnte heute mal ein bisschen Glück gebrauchen", murmelte er zwischen den Zähnen Rodney zu, dessen Kopf herumbaumelte.

"Haben Sie genickt?" Er sprach, um den anderen bei Laune zu halten. Ihm etwas zu geben, für das es sich lohnte, wach zu bleiben. "Sie haben Recht. Hören Sie? McKay, es stimmt."

Beunruhigt nahm er Pusteln wahr an den Händen des anderen.

Statt dem Stöhnen hörte Sheppard nun nur noch Stille. Voller Furcht schleppte er sich weiter, zwang sich, einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Fast fasste er es als Erleichternd auf, zwischen den Bäumen verschwinden zu können. Die Wärme machte ihm zu schaffen, ganz zu schweigen, dass sein Herz pumpte wie verrückt. Noch schaffte er es, seine Last zu tragen.

"Schritt, und Schritt, und Schritt, und Schritt." murmelte er, im Rythmus seines langsamen Vorwärtskommens. Pro Wort ein Schritt.

"Was..?" Das war McKay, er schien zu sich zu kommen. "Hören Sie, Rodney, ich weiß, dass sie es nicht gerade bequem da haben, doch wenn ich sie absetze, und sie können nicht laufen, bringe ich sie wahrscheinlich nicht mehr hoch. Also, lassen wirs."

"Lassen wirs." nuschelte Rodney, und atmete rasselnd ein.

Sheppard zog ein Schauer über den Rücken.

Der Wald wich dem Wasserfall, und nach ein paar schwankenden Momenten, in denen sich Sheppard stürzen sah, stand er vor dem Versteck ihrer Stiefel. Endlich. Hier musste die Höhle sein. Ihm lief der Schweiß ins Gesicht, und die Sicht verschwamm vor seinen Augen. Sollte er die Höhle nicht schon sehen? Er drehte sich nach links und ließ Rodney von seinem Rücken gleiten. Erstaunlicherweise konnte sich Rodney aufrecht halten.

"Gehts Ihnen besser," fragte Sheppard, während er die Stelle suchte, wo das Wasser aus dem Felsen trat. "Oder haben Sie Angst, mit dem Wasser in Berührung zu kommen?"

"Beides.." stöhnte Rodney.

"Wenigstens sind sie ehrlich. Ich musste ihren Rucksack ablegen, konn-"

"Schon gut, ja, ich weiß. Wo ist... Teyla?"

Sheppard kniete vor einer Öffnung, aus der Wasser herauskam. McKay starrte durch verquollene Augen zu ihm.

"In der Höhle, nehme ich an. Ich stehe vor der Öffnung."

"Worauf warten Sie?" formte Rodney mühsam, mit halb geschlossenen Lidern.

"Tja, hier passt nur meine Hand durch. Der Eingang wurde verschüttet." Während Rodney erbleichte - wodurch seine roten Pusteln hervortraten -, presste John Ohr und Mund abwechselnd an das Loch. "Teyla? Hören Sie mich, Teyla?" rief er. Rodney ließ den Kopf hängen.

Fortsetzung folgt…