DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.

WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoilers! Seid gewarnt!

ORIGINAL BETA: SnarkyRoxy – vielen Dank!

GERMAN TRANSLATION: primax

GERMAN BETA: Sabine und Haley

A/N: Kapitel Sieben. :0) Nathan ist auf der Jagd nach Hauspunkten und das bei niemand Geringerem als Professor Snape. Naja, zumindest hat er einen Plan. :0)


Kapitel 7: Punkte erwünscht

Nathan verbrachte die Wochen nach seinem Nachsitzen damit, während des Zaubertrankunterrichts das Verhalten des Professors genau zu beobachten. Er machte sich Aufzeichnungen über jeden einzelnen Punkt, den Professor Snape während des Unterrichts erteilte oder abzog. Die Seiten seines Buchs und seiner Pergamentrollen waren voller Nummern, Namen, einem G oder einem S und Wörtern, wie zum Beispiel richtige Antwort, schlechtes Schneiden, guter Trank und Kessel explodiert. Er hatte Unterlagen, die mindestens drei Wochen des Zaubertrankunterrichts wiedergaben. Die gleiche Art von Notizen hatte er auch in seinen Verteidigungsbüchern, da er gleichzeitig auch den Unterricht von Professor Lupin, dem Hauslehrer der Gryffindors, untersuchte, um damit einen Vergleich anzustellen.

Jetzt saß Nathan an einem Tisch im Aufenthaltsraum und Kevin und Andy spielten ganz in seiner Nähe Zauberschach. Er blätterte durch die Bücher und Unterrichtsnotizen und übertrug die Informationen, die er gesammelt hatte, in eine Punkte-Tabelle, als Kevin, der auf den nächsten Zug von Andy wartete, seine Arbeit unterbrach. „Womit bist du gerade beschäftigt, Nathan? Du arbeitest dich durch all die Seiten der Bücher wie ein Verrückter und machst dir Notizen. So schnell kannst du doch nicht lernen", meinte er.

„Ich lerne ja gar nicht", antwortete Nathan und füllte eine weitere Zeile in seiner Punkte-Tabelle aus. „Ich arbeite selbstständig an einer Untersuchung", fügte er hinzu, wendete jedoch seine Augen nicht von den Pergamentrollen auf dem Tisch ab.

Die letzte Aussage, erregte auch Andys Aufmerksamkeit. „Was? Du arbeitest freiwillig an einer unabhängigen Studie und das neben all den anderen Hausübungen, die wir schon bekommen haben?", sagte er und schüttelte seinen Kopf. „Du solltest mal Schach ausprobieren, Nathan", fügte er an und grübelte über dem Schachbrett über seine Möglichkeiten, nachdem er Kevins letzten Zug gesehen hatte.

„Ja, du kannst gegen mich spielen, wenn ich mit Andy fertig bin!", meinte Kevin mit einem verspielten Lächeln. „Er hält sowieso nicht mehr lange durch."

„Danke für das Angebot, aber Schach ist nicht mein Spiel", antwortete Nathan. Er blätterte die Seiten in seinem Zaubertrankbuch um und suchte die nächste Notiz, die er seiner Liste hinzufügen konnte.

„Was untersuchst du eigentlich?", fragte Andy und brachte einen widerwilligen Läufer in den Kampf mit einem gegnerischen Springer.

„Ich werte die Unterschiede zwischen den Hauslehrern von Gryffindor und Slytherin bezüglich der Vergabe von Hauspunkten aus", meinte Nathan und wurde daraufhin von Andy mit einer hochgezogenen Augenbraue bedacht, während Kevin vor Spaß prustete.

„Du bist ein eigenartiger Junge, Nathan! Was erwartest du dir von solch einer Studie? Etwa Hauspunkte?", fragte Kevin sarkastisch.

„Das ist in der Tat genau das, was ich mir erwarte", antwortete Nathan. „Ich versuche zu verstehen, wofür Professor Snape die meisten Hauspunkte vergibt, und dasselbe mache ich auch mit Professor Lupin. Auf diese Weise finde ich heraus, wie die Beiden Gryffindor so viele Punkte wie möglich geben", erklärte er nüchtern.

„Das ist eine großartige Idee", meinte Andy enthusiastisch. „Wir können es so machen, dass Slytherin genauso viele Punkte verliert, wie Gryffindor gewinnt. Dadurch werden wir den Hauspokal gewinnen!", fügte er mit einem spitzbübischen Grinsen hinzu.

„Ja, ja", meinte Nathan abschätzend. „Sobald ich mit der Punkte-Tabelle fertig bin", sagte er. Den Ärger über die Unerbrechung seiner Arbeit ließ er in seiner Stimme anklingen.

Die beiden Jungen widmeten sich wieder ihrem Spiel und Nathan seiner Liste. Er hatte ihnen jedoch nicht alle Gründe für seine Untersuchung von genau diesen Professoren genannt. Ich werde beweisen, dass er nicht nur Slytherin Punkte gibt, dachte er

Eine Stunde später waren Kevin und Andy gerade bei einer Runde Zauber-Schnipp-Schnapp, zusammen mit Josephina und ihrer besten Freundin Anna. Nathan beendete seine Punkte-Tabelle am selben Tisch. „Ich bin fertig!", meinte er. Das Einzige, was er jetzt noch zu tun hatte, war einen Schlussstrich am Ende der Liste zu ziehen und die Ergebnisse zu analysieren.

Und das tat er dann auch. Er nahm seinen Zauberstab, zeigte damit auf das Pergamentpapier und sagte: „Totalus". Er starrte finster auf das Ergebnis. Professor Snape hat Gryffindor gar keine Punkte gegeben, nahm er das Ergebnis zur Kenntnis und das ist kein normales Verhalten für einen Hauslehrer, denn Professor Lupin gibt den Slytherin Schülern Punkte, also...

„Was stimmt nicht Nathan?", fragte Kevin, als er die Verzweiflung seines Freundes sah.

„Ich benötige mehr Informationen", sagte Nathan. Er wollte sein Ergebnis nicht wahrhaben. Es muss ein Zufall sein. Er schaute sich noch einmal genau die Punkte-Tabelle an und analysierte die Besonderheiten eines jeden gegebenen Punktes. Nathan entdeckte, dass Professor Snape gute Zaubertränke auszeichnete und richtige Antworten am meisten schätzte. Naja, die Gryffindors sind nicht die besten Brauer in der Klasse, gab er zu, und sie haben zu viel Angst vor ihm, um ihm freiwillig eine Antwort auf seine Fragen zu geben. Er selbst war auch kein Schüler, der sich ständig freiwillig meldete. Das war wahrscheinlich der entscheidende Punkt um Hauspunkte zu erhalten. Man musste sich freiwillig melden um Fragen zu beantworten.

Punkte für gute Zaubertränke waren da eine andere Sache. Nathan war ein wirklich hervorragender Brauer und seine Tränke waren immer perfekt. Das war eine beunruhigende Entdeckung. Hat er irgendetwas gegen mich? Liegt es dann an mir? Dieser Gedanke machte Nathan traurig. Vielleicht ist es auch wegen meiner Mutter, dachte er widerstrebend.

Er wollte sich diese Gedanken aus dem Kopf schlagen, doch dafür brauchte er mehr Informationen. Der Zaubertranklehrer konnte ihn nicht wegen Dingen anders behandeln, die mehr als ein Jahrzehnt zurücklagen. Professor Snape hasste Harry, und Ron und seine Mutter hasste er dafür, dass sie Harrys Freunde waren. Er hasst mich doch nicht, oder? Nathan schüttelte seinen Kopf. Ich brauche mehr Informationen, bevor ich irgendeinen Schluss daraus ziehen kann.

Nathan sammelte seine Unterlagen und Bücher vom Tisch zusammen. Er musste mit jemandem sprechen, der Professor Snape schon länger als einen Monat kannte. Nathan sah sich im vollen Gemeinschaftsraum um und sein Blick blieb bei einer Gruppe von Siebtklässlern hängen, die in der Nähe des Kamins saßen. Der Schulsprecher, dachte er voller Enthusiasmus. Er ist perfekt, er ist ein guter Schüler mit Disziplin! Er wird es wissen!

Auf die Schüler der siebenten Klasse zugehend, sagte Nathan: „Mr. Cornwell, hast du mal eine Minute Zeit?"

Der Schulsprecher sah auf und erblickte den Erstklässler. „Stimmt etwas nicht, Mr. Granger?", fragte er Nathan.

„Nein, ich habe nur eine Frage, wenn es dir nichts ausmacht", antwortete er.

Der ältere Junge entschuldigte sich bei seinen Freunden und widmete Nathan seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. „Also gut, was ist es, was du mich fragen willst?"

„Ich möchte gerne wissen, ob du jemals Hauspunkte von Professor Snape bekommen hast", sagte Nathan und kam damit gleich zum Wichtigsten, da er die Zeit des Schulsprechers nicht verschwenden wollte.

„Professor Snape?", fragte Cornwell und war über die Frage des Jungen überrascht.

„Snape gibt den Gryffindors keine Hauspunkte", antwortete ein anderer Siebtklässler, der der Unterhaltung gefolgt war. „Der gibt nur Slytherins Punkte, dieser Idiot!"

„Tu doch bitte zumindest so, als hättest du ein wenig Respekt vor Professor Snape", ermahnte der Schulsprecher.

„Ist das wahr?", fragte Nathan und wollte eine Bestätigung von Cornwell bezüglich der Aussage des anderen Jungen.

„Ja, das ist wahr. Professor Snape lässt sich nur sehr schwer zufrieden stellen", antwortete der ältere Schüler.

„Und außerdem ist er ein schmieriges Ekel und hasst alle Gryffindors", fügte der andere Siebtklässler hinzu.

Nathan hätte die Beschimpfungen des Zaubertranklehrers von dem anderen Jungen unterbrochen, wenn ihn diese Enthüllung nicht so tief getroffen hätte. Dann ist es also wahr. Professor Snape bevorzugt die Slytherins. Er konnte die Schwermut, die ihn befiel, nicht vermeiden. Nathan war sehr enttäuscht von Professor Snape, jenem Mann, den seine Mutter immer felsenfest als ehrenwerten Mann bezeichnet hatte, der anderer Leute Respekt verdiente.

Nathan dankte den beiden Siebtklässlern und ging wieder in Richtung des Tisches, auf dem seine Bücher lagen. Er nahm seine Sachen und ging hinauf in den Jungen-Schlafsaal. Nathan machte sich für die Nacht zurecht, wusste aber, dass er nicht schlafen konnte. Sein Verstand raste und ihm kamen alle möglichen Gedanken. Bevor er tatsächlich einschlief spiegelte sein Gesicht jedoch keine Traurigkeit oder Enttäuschung mehr wieder, sondern war hoffnungsfroh.

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Am nächsten Montag betrat Nathan voller Zuversicht die Große Halle. Er hatte während des Wochenendes fleißig gearbeitet und war auf einen Plan gekommen, durch den er sich sicher war, dass Professor Snape ihm Hauspunkte geben würde. Nachdem er die Punkte-Tabelle mehrmals durchgegangen war, hatte er die Lösung entdeckt: Die anderen Gryffindors wussten einfach nicht, wie sie Punkte verdienen sollten.

Er würde noch heute mit der ersten Phase seines Planes beginnen. Er würde sich freiwillig melden Snapes Fragen zu beantworten. Er hatte die Textpassage für die heutige Stunde zweimal gelesen und auch einige zusätzliche Texte darüber in der Bibliothek gefunden. Er war gut vorbereitet, das wusste er.

Nathan aß sein Frühstück und unterhielt sich angeregt mit seinen Freunden. Einige Male richtete er seinen Blick auf den Lehrertisch, wo er auf ein Spiegelbild seiner dunklen Augen traf, das ihn ebenfalls beobachtete. Natürlich war Snape schlecht gelaunt, aber das war sein normales Verhalten.

Die Gryffindors gingen in Richtung der Kerker. Obwohl draußen angenehme Temperaturen herrschten, war es im Klassenzimmer für Zaubertränke immer kalt. Nathan nahm seinen üblichen Platz ein und bereitete sich auf den Unterricht vor. Professor Snape kam einige Minuten später und glitt mit schnellen Schritten in den vorderen Bereich des Klassenzimmers, sein Umhang blähte sich hinter ihm.

Der Unterricht begann und damit auch die Fragen des Zaubertranklehrers. Nathan hatte bei jeder einzelnen Frage seine Hand in der Luft und konnte auf alle eine präzise Antwort geben, die seine Mutter stolz gemacht hätte. Trotzdem schien es für Professor Snape nicht genug zu sein.

„Ausreichend, Mr. Granger." Das war die positivste Anerkennung, die Nathan vom Zaubertranklehrer erhielt.

Am Ende des Unterrichts war Professor Snape mehr als verärgert über Nathan.

„Kann mir irgendjemand sagen, weshalb ich diese zwei Substanzen nicht vermischen sollte?", fragte der Professor.

Nathans Hand war in der Luft, kaum dass der Lehrer seine Frage beendet hatte.

„Irgendjemand?", beharrte Snape.

Nathan war schon beinahe von seinem Stuhl aufgesprungen. Professor Snape hatte seinen Mund fest verschlossen und seine Fäuste verkrampften sich längsseits seines Körpers. Schließlich fauchte er: „Der hauseigene Besserwisser scheint die Antwort zu wissen, also klären sie uns auf, Mr. Granger."

Nathan war durch den Ton des Zaubertrankprofessors und durch die Kraft seines giftigen Blicks aus der Fassung gebracht worden, antworte jedoch fest: „Sie sind jeweils basisch und säurehältig. Wenn man sie vermischt, erhält man eine Art von Salz. Das Nebenprodukt wird Wasser sein, das jedoch den Trank in seiner gegenwärtigen Brauphase zerstören würde."

Der Junge war sich sicher. Dies war die perfekte Antwort und sie stand nicht einmal in dem verwendeten Zaubertrankbuch. Er selbst wusste diese Information nur, weil er auch mit anderen Büchern gearbeitet hatte. Er beobachtete den Zaubertranklehrer erwartungsvoll. Diese Antwort verdient mindestens fünf Punkte, dachte er.

„Richtig… aber unvollständig", war der Kommentar von Professor Snape.

Unvollständig! Unvollständig! Die Enttäuschung stand Nathan ins Gesicht geschrieben. Er ließ sich zurück auf seinen Hocker fallen und starrte den Zaubertrankprofessor ungläubig an. Unvollständig.

Wenig später wurde der Unterricht beendet und Nathan verließ mit seinen Klassenkameraden den Kerker. Andy ging neben ihm her, als sie auf dem Weg zum Verteidigungsunterricht waren.

„Wo hast du das alles gelernt, Nathan?", fragte er.

„Ist doch egal, oder?", antworte Nathan sauer. „Professor Snape hat mir keinen einzigen Punkt für all die Fragen gegeben, die ich beantwortet habe." In einer enttäuschten Geste warf er die Hände in die Höhe.

„Das ist schon in Ordnung, Nathan", sagte Kevin und tätschelte ihm dabei die Schulter. „Er ist halt ein schmieriger Idiot, der Gryffindors hasst. Du warst deshalb nicht weniger brillant! Hast du Malfoys Gesicht gesehen? Nicht einmal einhundert Punkte wären mehr wert als der Gesichtsausruck dieses Slytherin", fügte er grinsend hinzu.

„Ja, das war es wert!", bestätigte Andy und tätschelte Nathan die andere Schulter.

Nathan musste zugeben, dass das ein wenig half. Seine Freunde versuchten ihn aufzuheitern und das war großartig. Es wirkte zwar an der Oberfläche, doch tief in ihm drinnen fühlte er sich verletzt. Professor Snape war unfair und er hasste die Gryffindors. Oder er hasst nur mich. Bei diesem Gedanken seufzte er leise. Als sie den Unterrichtsraum für Verteidigung betraten, hatte er sich entschlossen, es für den Moment sein zu lassen und sich auf seine anderen Fächer zu konzentrieren.

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Professor Snape betrat sein Klassenzimmer und war auf eine weitere Einheit mit Erstklässlern aus Gryffindor und Slytherin vorbereitet. Der Zaubertrank, den er für heute vorbereitet hatte, war für ihren Wissensstand nicht gerade einfach und er erwartete sich zumindest einen explodierenden Kessel.

Er erreichte den vorderen Bereich des Kerkers und begann zu unterrichten. Als er seine erste Frage stellte, machte er sich nicht die Mühe in Richtung des Granger Jungen zu blicken, um zu sehen ob der seine Hand zur Antwort erhoben hatte. Stattdessen wählte er den ersten Slytherin, der aufzeigte. Die nächste Frage und nun blickte er mit einem selbstgefälligen Grinsen in Richtung des Jungen, während er wieder einen anderen Schüler auswählte. Doch er stellte plötzlich fest, dass der Granger Junge seine Hand überhaupt nicht erhoben hatte.

Das interessierte ihn nun wirklich. In der letzten Stunde war Granger so lästig gewesen, dass er Snape an seine Mutter, die unerträgliche Besserwisserin, erinnert hatte. Und heute war Mr. Granger wieder so, wie er es zu Beginn des Semesters gewesen war. In sich selbst vertieft und zurückhaltend.

Er stellte eine weitere Frage, die schwieriger als die vorherigen war, und versuchte den Jungen anzuregen, dass er sich zur Beantwortung der Frage meldete. Es geschah jedoch nichts. Er hielt sich nun nicht mehr zurück, ging auf den Jungen zu und blieb vor ihm stehen. Ein süffisantes Lächeln formte sich in seinem Gesicht. „Was ist passiert, Mr. Granger? Haben Sie das Kapitel für heute nicht gelesen? Ich dachte, dass Sie, genau wie ihre Mutter, ein Alleswisser sind."

Da! Lass mich sehen, aus was für einem Holz du geschnitzt bist, kleiner Granger, dachte er und grinste noch immer.

„Ich weiß die Antworten, Sir. Ich glaubte nur nicht, dass Sie wollen, dass ich sie gebe. Sie sahen im letzten Unterricht ein wenig verärgert über mich aus", antworte Nathan ehrlich.

Snape war über die Aufrichtigkeit des Jungen so überrascht, dass dies sich für einen Augenblick sogar auf seinem Gesicht wiederspiegelte, bis er sich wieder unter Kontrolle bekam und seine ausdruckslose Haltung wiedererlangte, die keinerlei Emotionen verriet. Die Tatsache, dass der Granger Junge ihn aus der Fassung bringen konnte, verärgerte ihn und mit zusammengekniffenen Augenbrauen sagte er: „Fünf Punkte Abzug von Gryffindor für Ihre Unverschämtheit, Mr. Granger."

Nach dem Punkteabzug war Snape zumindest ein wenig wiederhergestellt und widmete seine Aufmerksamkeit wieder der Klasse. Er hob seinen Zauberstab und ließ die Anleitung zur Herstellung des heutigen Tranks an der Tafel erscheinen. Er befahl der Klasse mit dem Brauen zu beginnen und setzte sich an seinen Tisch, um dort einige Arbeiten zu benoten. Er ließ die Klasse jedoch niemals unbeaufsichtigt, denn der Zaubertrank konnte wirklich schrecklich schief gehen, wenn er von Schwachköpfen zubereitet wurde und er würde dieses Risiko nicht eingehen.

Von Zeit zu Zeit stand er von seinem Platz auf, ging zwischen den Arbeitsflächen auf und ab und sah sich die Kessel an. Nachdem er da und dort ein paar Punkte abgezogen hatte, erreichte er Grangers Kessel. Der Zaubertrank ist… perfekt, gestand er sich ein. Der Junge war in einer weiter fortgeschrittenen Phase als seine Klassenkameraden. Zur Zeit war er in einer wirklich kritischen Phase in seinem Brauvorgang. Snape beobachtete die Hände des Jungen, wie sie die Zutaten hackten, schnitten und abwogen. Er war beeindruckt über seine Fähigkeiten. Seine Handhabung ist wirklich präzise und flüssig, dachte er, fasziniert von Nathans graziösen Bewegungen.

Als er versuchte Nathans Aufmerksamkeit von dem Trank abzuwenden, erkannte er, wie konzentriert der Junge auf seine Aufgabe war. Der Junge ist wirklich talentiert!, ertappte er sich bei seinen eigenen Gedanken. Er ging zu seinem Tisch und seinen Unterlagen zurück, beobachtete aber immer wieder für einige Minuten die Arbeit des Jungen. Er war jetzt tatsächlich von Nathan Granger fasziniert. Der Junge verhielt sich von Stunde zu Stunde so unterschiedlich, dass er für ihn nun offiziell zu einem Mysterium geworden war.

Einige Zeit später rührte Nathan seinen Kessel das letzte Mal im Uhrzeigersinn um. Perfekt, dachte er und lächelte. Er war mit der Aufgabe fertig und war mit dem Ergebnis, das in seinem Kessel schwamm, mehr als zufrieden. Er füllte eine Probe ab und reinigte seinen Arbeitsbereich. Erst als er sich umsah, sah er, dass er der Erste war, der mit dem Zaubertrank fertig war. Super! Ich bin der Erste, der fertig ist und mein Trank ist perfekt, dachte er und sah voller Stolz auf die Flasche, die seine Probe enthielt.

Er nahm die Phiole und ging auf den Tisch zu, an dem Professor Snape saß und Arbeiten korrigierte. Der Zaubertranklehrer sah von seiner Arbeit auf und sagte, „Was machen Sie entfernt von...", aber als er die Flasche in Nathans Hand entdeckte, hielt er inne.

„Ich bin fertig, Professor", sagte Nathan und stellte das Gefäß auf den Tisch. Er blieb ein wenig zurück, bevor er sich wieder zu seinem Stuhl aufmachte. Er wollte wissen, was Professor Snape über seinen Zaubertrank dachte.

Der Zaubertrankmeister schaute auf Nathan, auf die Flasche und dann wieder zurück auf die Arbeiten, die er korrigierte. „Sie können jetzt gehen, Mr. Granger", war alles, was er sagte.

Er entlässt mich! Was ist mit dem Zaubertrank? Er ist perfekt und er sagt gar nichts darüber!, dachte Nathan voller Verwunderung. Es dauerte einige Zeit, bis er seine Gedanken gesammelt hatte, bevor er mit großen Schritten die Klasse verließ und die Türe hinter sich zuschlug. Er war so wütend!

Er schritt durch die Kerker ohne seine Umgebung auch nur wahrzunehmen. Mit seinen Gedanken war er noch immer im Zaubertrankunterricht. Er ging an Professor Lupin vorbei, der bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte.

„Nathan, stimmt irgendetwas nicht? Solltest du nicht jetzt im Zaubertrankunterricht sitzen?", fragte Professor Lupin.

„Ich wurde entlassen, Sir", sagte Nathan. Lupin konnte erkennen, dass der Junge wütend war.

„Hm, ich habe noch nie einen Schüler gesehen, der so wütend war, weil er vorzeitig aus dem Unterricht von Professor Snape entlassen wurde. Hast du einen Kessel explodieren lassen, oder so?", fragte Lupin und beobachtete den Jungen voller Interesse.

„Nein. Ich war nur früher mit meinem Trank fertig als die anderen und daher hat er mich entlassen", erklärte Nathan in einem Ton, der Professor Lupin keinen Zweifel daran ließ, dass Nathan über den Zaubertranklehrer verärgert war. Er konnte sich jedoch keinen Grund für diese Verdrießlichkeit vorstellen. Er ging weiter in Richtung seines Klassenzimmers und der Junge, der noch immer in seine Gedanken versunken war, folgte ihm.

„Und das ist schlecht, weil…", sagte Lupin und wollte, dass der Junge weiter erklärte.

„Mein Trank war perfekt und er hat gar nichts gesagt! Er hat… er hat mich nur entlassen!", sagte Nathan und unterstrich seine Verärgerung über das Handeln von Professor Snape, indem er seine Hände in die Luft warf.

Der Hauslehrer von Gryffindor sah ihn mit einem wissenden Gesichtsausdruck an und sagte: „Du hast also auf irgendeine Anerkennung für deine gute Arbeit gewartet, oder?" Professor Lupin war es bereits gewöhnt. Jedes Jahr hatte er ein oder zwei Gryffindors, die wütend darüber waren, dass Professor Snape ihr wahres Talent zu wenig anerkannte.

„Ja, genau! Mein Trank war perfekt. Er war zumindest fünf Punkte für Gryffindor wert!", antworte Nathan mit empörter Stimme. Seine dunklen Augen spiegelten die Stärke seiner momentanen Gefühle wieder. Er war wirklich angefressen!

Professor Lupin lächelte den Jungen an. „Du musst verstehen, Nathan, dass Professor Snape nicht jene Art von Lehrer ist, der Punkte an Gryffindor vergibt. Das heißt jedoch nicht, dass er deine gute Arbeit in seinem Unterricht nicht anerkennt."

„Aber warum? Ist es, weil er der Hauslehrer von Slytherin ist?", fragte Nathan. „Sie sind der Hauslehrer von Gryffindor und Sie geben jedem Haus Punkte, auch Slytherin", fügte er hinzu.

„Das ist wahr, Nathan. Aber du musst verstehen, dass Professor Snape anders denkt als ich. Er glaubt, dass die Gryffindors besser arbeiten, wenn sie gefordert werden, und dass die Slytherins wiederum Zuspruch benötigen", erklärte der Verteidigungs-Lehrer.

Nathan schnaubte. „Glauben Sie, dass er Recht hat, Sir?", fragte er und schüttelte belustigt den Kopf.

„Naja, ich verwende diese spezielle Technik nicht, aber ich kann nicht bestreiten, dass sie in seinem Unterricht wirklich gut funktioniert. Er unterrichtet jetzt schon eine ganze Weile, Nathan. Sein Unterricht kann manchmal gefährlich sein und er muss daher über alles die Kontrolle haben, denn ansonsten kann etwas sehr schlimmes passieren", sagte Professor Lupin ernst.

Nathan war ganz still und überdachte diese Information. Es machte wirklich Sinn.

Lupin, der sah, dass Nathan seine Worte verstand, fuhr fort: „Du solltest nicht enttäuscht sein, wenn Professor Snape dir keine Hauspunkte gibt. Er wird deine gute Arbeit auf andere Weisen loben. Ich glaube die Tatsache, dass er dich heute früher gehen ließ, ist eine von ihnen."

Diese Aussage wurde von Nathan mit einer hochgezogenen Augenbraue bedacht. „Und warum das?", fragte er neugierig.

„Professor Snape hätte dich für den Rest der Stunde bleiben lassen und dir auftragen können, einen Aufsatz oder sonst etwas zu schreiben. Aber er hat sich anders entschieden und dich gehen lassen. Du musst wissen, dass er das für gewöhnlich nicht macht, Nathan. Ich bin sogar beinahe davon überzeugt, dass es mit zehn Hauspunkten gleichzusetzen ist", meinte Lupin und lächelte.

Nathan antwortete darauf selbst mit einem Lächeln. Professor Lupin hatte Recht: der Zaubertranklehrer hätte ihm mehr Hausübung geben oder sonst etwas machen können. Das beruhigte ihn ein wenig.

Sie kamen nun vor dem Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste an. Nathan suchte sich einen Platz und nahm sich, bevor der Unterricht begann, ein Buch zum Lesen. Professor Lupin ließ den Jungen damit alleine und ging lächelnd in sein Büro.


T/N: Ferpotter möchte gemeinsam mit den Übersetzern eure Reviews beantworten. Also schickt recht viele!

Im nächsten Kapitel… Während des Vollmonds übernimmt jemand den Unterricht für Lupin und etwas geschieht im Verbotenen Wald.