Teil 2 des Rückblicks ... :-D

- VII -

Amelin war davon überzeugt, daß diese Tatsache, dieser erste, „jungfräuliche" Tropfen, ihren Trank besonders wirkungsvoll machen würde... wenn er gelang.

Es hatte etwas Symbolisches, wie eine Art Geburt, ein erweitertes Bewußtsein... etwas in der Art, das sie sich von dem Ritual, das sie durchführen würde, erhoffte.

Auch, wenn sie noch nicht so ganz wußte, wie sie das mit dem Bad bewerkstelligen sollte.

Da sie die Blume großgezogen hatte, fühlte sie eine persönliche Bindung zu ihr, die ihr selbst ein wenig merkwürdig vorkam, obwohl sie zu nichtmenschlichen Lebensformen schon immer ein etwas ungewöhnliches Verhältnis gehabt hatte.

Sie war sich hin und wieder bewußt, daß sie irgendwie... anders war, aber dieses Gefühl war ihr nicht neu.

Allein die Tatsache, daß sie Professor Snape ganz anders gegenübertrat als andere Schüler... irgendwie angstfrei- und daß sie ein geradezu unheimliches Talent im Zaubertrankbrauen war, reichte manchen Schülern aus, um in ihrer Anwesenheit nervös zu werden. Hin und wieder konnte das sogar ganz amüsant sein, aber meist achtete sie gar nicht erst darauf.

Schließlich waren ja auch bei weitem nicht alle ihrer Mitschüler Idioten.

Ein paar von den Gryffindors waren wirklich in Ordnung, wie Bill Weasley , Gabriel Mattis und Oliver Wood, ebenso Charlie Weasley, der Hogwarts allerdings bereits verlassen hatte.

Sie war nervös, angespannt, als sie jetzt nach der Phiole für das Orchideenöl griff... und es vor Aufregung fallen ließ.

Es zerschellte mit einem hellen Klirren auf dem kalten, glatten Steinboden.

„Mist!" murmelte sie ärgerlich, zauberte die Scherben weg und stellte fest, daß sie sich eine neue Phiole im Klassenzimmer würde holen müssen.

Die, die sie noch hier hatte, waren alle anderweitig vorgesehen.

Sie seufzte, strich sich eine wellige, rötliche Haarsträhne aus der Stirn und öffnete die Tür zu Snapes Büro.

Sie öffnete ihre Lippen – und blieb wie angewurzelt in der Tür stehen.

Severus Snape saß am Tisch, aber nicht alleine.

Ihm gegenüber saß – er!

Der schon wieder!

Mußte sie ihn denn schon wieder hier treffen?

Die beiden Männer sahen sie an, und sie fing sich, sagte:

„Verzeihung, ich hoffe, ich störe nicht... ich brauche eine neue Phiole."

„Guten Abend, Miss Wrenga", sagte Lucius Malfoy leicht lächelnd, seine stechend-blauen Augen an ihr hinab- und wieder hinaufgleitend.

„Wieder mal überaus fleißig in der Freizeit, wie ich sehe."

Sie erwiderte kühl, mit sehr knappem Lächeln: „Guten Abend, Mr. Malfoy.

Sie scheinen Ihrer Verantwortung als neuer Schulrat ja ebenfalls sehr... fleißig nachzukommen."

Seine Augen funkelten.

„Das ist doch ganz... selbstverständlich, Miss Wrenga.

Die Schüler sind mir wichtig."

Er lächelte fast charmant.

Sie ging ohne ein weiteres Wort an den beiden vorbei, zum Schrank, nahm vorsichtshalber zwei Phiolen und kehrte, an den beiden Männern möglichst unbeeindruckt vorbeigehend, in den Nebenraum zurück.

Sie schloß die Tür.

Sie atmete tief durch. Diese Art von Ablenkung war wirklich das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte.

Sie machte sich erneut daran, das Öl der Orchidee abzufüllen, und diesmal ohne Probleme.

Dann wollte sie damit beginnen, vorsichtig mit einem sehr scharfen Messer das erste zarte Äderchen einer Blutnesseln aufzuschlitzen – als sich hinter ihr die Tür öffnete.

Sie hielt inne, wandte sich um.

Langsam betrat Lucius Malfoy den Raum, sah sich um, sah dann sie an, schweigend.

Sie wollte ihn gerade verärgert fragen, was er hier wolle, da hörte sie Snape:

„Mr. Malfoy würde sich gerne ihre Arbeit ein bißchen... genauer ansehen... während ich weg bin."

Sie blickte verwirrt von Lucius Malfoy zu ihrem Lehrer.

„Weg, Sir?"

„Ja, ich muß kurz fort.

Da Mr. Malfoy sich sehr für Ihr Experiment interessiert, bat er mich, es sich näher ansehen zu dürfen...", sagte Snape.

Lucius Malfoy lächelte und sagte sanft:

„Natürlich nur, wenn Sie kein... Problem damit haben, Miss Wrenga... oder... haben Sie ein Problem damit?"

Er drückte sich ganz bewußt so aus, daß sie gar nicht die Möglichkeit hatte, ihn abzuweisen... sie hätte sonst natürlich den Eindruck erweckt, sie habe etwas zu verbergen... was vor einem Schulrat wohl wenig empfehlenswert gewesen wäre.

Mistkerl.

Gezwungen höflich sagte sie:

„Nein, ich habe kein Problem, Mr. Malfoy.

Tun Sie, was Sie nicht lassen können, und fühlen Sie sich... ganz wie zuhause."

Ihr aufblitzender ironischer Tonfall entlockte Lucius Malfoy ein leicht hingerissenes Lächeln.

Ihre ganze Körpersprache verriet ihm, daß sie ihm zutiefst ablehnend gegenüber stand, und sie bemühte sich gar nicht großartig, das zu verstecken – was ihn beeindruckte.

Gerade, weil sie noch so jung war.

Mit Naivität hatte das nichts zu tun.

Sie war gerade so höflich zu ihm, wie es unbedingt sein mußte, nicht mehr.

Aber mit ihrer kühlen, abweisenden Art erzielte sie genau das Gegenteil von dem, was sie vermutlich wollte: sie reizte ihn, erregte seine Aufmerksamkeit.

Er lächelte und sagte, recht zufrieden:

„Wie schön."

Severus Snape verschwand- und schloß die Tür.

Sie war allein mit Lucius Malfoy.

Der sah sie schweigend an, trat langsam näher.

„Ich finde es wirklich überaus... freundlich von Ihnen, mir einen Einblick in Ihre... Arbeit zu erlauben, Miss Wrenga", sagte er in sanftem Tonfall.

Sie erwiderte seinen durchdringenden Blick, ohne zu zucken, und antwortete:

„Ich weiß zwar nicht genau, was Sie hier erwarten, aber offenbar irgendetwas Spektakuläres. Sollten Sie sich also bald langweilen – geben Sie nicht mir die Schuld, Mr. Malfoy."

Damit griff sie wieder zum Messer.

„Außerdem ist Ihnen hoffentlich klar, daß ich meine volle Konzentration benötige.

Nur für den Fall, daß Sie mit irgendeiner Form von Erläuterung oder Animation rechnen.

Bleiben Sie meinetwegen hier, aber stehen Sie mir nicht im Weg herum."

Damit wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder den Nesseln zu, und sie hörte Lucius Malfoys leises, amüsiertes Lachen; er schien ihr ihre ruppigen Worte nicht übel zu nehmen, als er mit warmer Stimme sagte:

„Ich versichere Ihnen...ich werde mich sehr bemühen, Sie nicht... allzu nervös zu machen... Miss Wrenga."

Sie grollte innerlich, und mit unterdrückter Wut, mit frostigster Stimme, sagte sie:

„Sie machen mich nicht nervös!"

Ärgerlich begann sie mit dem Ausbluten der Nesseln.

Entgegen ihrer Erwartung verhielt sich Lucius Malfoy tatsächlich völlig ruhig, sah ihr zu, sah sich um, aber ohne ihr auch nur einmal zu nahe zu kommen.

Sie hatte sich innerlich darauf vorbereitet, ihn jederzeit anzuzicken – aber er bot ihr keine Gelegenheit und keinen Grund.

Schließlich sprach er doch.

„Was genau... brauen Sie denn da eigentlich, Miss Wrenga?"

Sie faßte sich kurz, dann wandte sie sich zu ihm um.

„Hatten Sie nicht vor, sich ruhig zu verhalten?" fragte sie kühl.

Er deutete ein Lächeln an, sagte:

„Bitte verzeihen Sie mir... ich hatte nur den Eindruck, daß Sie seit geraumer Zeit nur noch so tun, als seien Sie beschäftigt... womöglich, damit Sie mich weiter ignorieren können?"

Sie grollte abermals innerlich, und seine Augen blitzten auf, als er es erkannte, denn er hatte recht gehabt.

Er kam näher, sah ihr fest in die Augen und fragte sanft:

„Also... was ist das für ein Trank? Wofür wollen Sie ihn verwenden?"

In dem Moment, als er sprach, spürte Amelin ein kurzes, scharfes und unverkennbares Stechen in ihrem Kopf.

Sie sah ihn aus blitzenden Augen an, und erwiderte dann kalt:

„Ich entwickle einen... Badezusatz.

Ich habe eine Schwäche für... Körperpflegeprodukte."

Er sagte, anscheinend fasziniert, mit leiser und dunkler Stimme:

„Darauf möchte ich wetten."

Und seine Augen wanderten, unverschämt und völlig offen, über ihren Körper.

„Haben Sie keine Frau, die zuhause auf Sie wartet, Mr. Malfoy?" fragte sie unvermittelt und er sah sie, leicht überrascht, an.

Dann lächelte er.

„Ich bin erstaunt, daß Sie sich für mein Privatleben interessieren, Miss Wrenga.

Erstaunt und... erfreut."

Wieder spürte sie Zorn in sich aufsteigen.

„Sie sind geübt darin, Fragen zu beantworten, ohne überhaupt darauf einzugehen, nicht wahr?

Trotzdem werde ich mir die Mühe machen, Ihnen meine Frage zu erläutern: nicht Ihr Privatleben ist für mich von Interesse, sondern mein eigenes.

Und dieses sieht Ihre ständige Anwesenheit nicht vor.

Also haben Sie denn wirklich nichts Besseres zu tun, als Ihre kostbare Zeit mit einer herumexperimentierenden Schülerin zu verbringen?" fragte sie beherrscht.

Er kam näher, mit dem Anflug eines Lächelns.

Dann sagte er leise, fast verführerisch:

„Ich mag experimentierfreudige Menschen.

Vor allem..", seine Augen glitzerten, „... wenn es sich um... weibliche Menschen handelt."

Sie hielt kurz die Luft an.

Es war kein Zweifel daran, daß er gerade... mit ihr flirtete.

Auf eine sehr dreiste und doch, wie sie zugeben mußte, nicht ganz reizlose Art.

Doch sie erwiderte so kalt wie möglich:

„Ich könnte mir vorstellen, daß es die Schulleitung womöglich sehr interessant finden würde, was Sie unter „persönlichem Kontakt" und „Austausch" zwischen Ihnen und den Schülerinnen... Verzeihung, ich meinte, Schülern... verstehen, Mr. Malfoy."

Er sah sie funkelnd an, lachte dann leise...ein sehr anziehendes Geräusch... und fragte dann ganz direkt:

„Wieso bloß werde ich das Gefühl nicht los, daß Sie mich nicht mögen, Miss Wrenga?"

Er machte einen weiteren Schritt auf sie zu, und für einen Moment nahm ihre feine Nase den Hauch eines –leider- überaus anziehenden, dunklen Duftes wahr, der zweifellos seiner war.

Rätselhaft, aufregend... sexy.

Nein, nein, dachte sie zornig, diesen Mann wollte sie ganz bestimmt nicht sexy finden, nicht mal in diese Richtung denken...was sie ja leider gerade eben getan hatte, automatisch.

Sie riß sich zusammen, antwortete:

„Möglicherweise liegt es daran, daß ich mich nicht gerne verstelle... Mr. Malfoy."

Er zog leicht die Luft ein, sagte dann:

„Sie machen es einem wirklich nicht gerade leicht."

Sie wußte nicht so recht, was sie nun darauf erwidern sollte... und dann wechselte er ganz plötzlich das Thema.

„Severus... Professor Snape... hat offenbar eine höhere Meinung von Ihnen als von anderen Schülern, Miss Wrenga.

Wie ich höre, unterrichtet er Sie sogar in Okklumentik... ein absolutes Privileg, wissen Sie das?"

Sie war kurz verwirrt, antwortete dann:

„Ja, dessen bin ich mir bewußt."

Lucius Malfoy nickte, sagte dann leise:

„Und wie ich... erfahren habe... sind Sie auch darin äußerst talentiert."

Sie sah ihn schweigend an, sagte dann, ohne mit der Wimper zu zucken:

„Wenn das so ist, müßten Sie es ja seit kurzem aus erster Hand wissen... nicht wahr, Mr. Malfoy?"

Er sah sie mit stählernem Blick an, seine blauen Eisaugen glitzerten.

Sie fuhr fort, sachlich:

„Oder kam es mir etwa nur so vor, als wollten Sie vorhin, als Sie mich nach dem Verwendungszweck des Trankes fragten, einen kleinen Blick in meine Gedanken werfen?"

Lucius Malfoy sah sie, fast offen bewundernd, an, und langsam begann er wieder, zu lächeln.

Fasziniert, fast leuchtend.

Dann sagte er, flüsternd:

„Severus hatte recht... Sie sind ein außergewöhnliches Talent... Amelin."

Hitze fuhr durch ihren Körper, als sie ihren Vornamen aus seinem Mund hörte, unerlaubt und unverschämt... aber es jagte ihr einen Schauer über ihre Haut.

Sie wollte ihn entrüstet auffordern, sich auf der Stelle zu entschuldigen... als ein sanftes, weiß-bläuliches Licht begann, den Raum zu erfüllen.

Der Mond... er war endlich da

.

Beide, sie und Lucius Malfoy, sahen automatisch zur Mitte des Raumes, wo die Vollmondblume stand... und gingen wie gebannt darauf zu, wie hypnotisiert, gefangen... und als das erste volle Licht das erste Blütenblatt berührte, erklang ein leises, doch an den Wänden zart widerhallendes Seufzen, ein Flüstern, ein Hauchen... und in diesem plötzlichen Zauber, der sie hatte verstummen lassen, standen sie still und sahen, hörten und fühlten das langsame, sanfte Erwachen der Blume.

Amelin konnte später nicht einmal ansatzweise sagen, wie lange sie dort, ihre Augen auf das faszinierende Ereignis gerichtet, gestanden hatten, ohne, daß einer der beiden sprach.

Der Anblick, wie sich ein Blütenblatt nach dem anderen langsam öffnete, und der zarte Duft, anders als jeder andere Duft, der immer stärker wurde, das sanfte Rascheln – es zog sie völlig in seinen Bann, und es war irgendwie vollkommen absurd, daß sie diesen einzigartigen Moment ausgerechnet mit Lucius Malfoy teilte.

Als sie nach einer Weile schließlich ihre Augen von der Pflanze, deren Kelch jetzt ganz geöffnet war, löste und aufsah... machte ihr Herz einen erschrockenen Hüpfer, als sie merkte, daß Lucius Malfoy ihr genau gegenüber stand... und sie stumm ansah.

Ihr wurde bewußt, daß er sie vermutlich bereits seit längerem unverwandt ansah.

Direkt in ihre Augen.

Und etwas an ihm war plötzlich anders.

Sie konnte es nicht wirklich beschreiben, aber in seinen Augen lag ein Ausdruck, der ihn fast wie einen anderen Menschen wirken ließ.

Vielleicht lag es am Schein des Mondes, vielleicht am sanft glimmenden Licht, das von der Vollmondblume ausging und das auf seinem Gesicht lag... in seinem schimmernden Haar... aber sein Blick war fast... sanft.

Warm.

Ernst und beinahe ergriffen, als hätte er tatsächlich etwas erblickt, das ihn innerlich berührte und das Eis in seinen Augen hatte schmelzen lassen.

Er sah sie weiter an, und sie war unfähig, sich abzuwenden oder auch zu sprechen... und plötzlich war es, als vernähme sie, wie aus weiter Ferne, sehr leise, zarte Klänge, wie eine Mischung aus sanftem Blätterrauschen, feinen, hellen Glöckchen und dem Seufzen einer leichten Brise in einer Frühlings- oder Sommernacht.

Amelin konnte nicht verstehen, was hier gerade passierte... aber etwas geschah.

Und, scheinbar wie in Trance, begann Lucius Malfoy, sich auf sie zuzubewegen, und ohne es zu wollen, tat sie dasselbe, bis beide direkt voreinander stehenblieben, wie zwei Magneten, die sich anzogen.

Ihr war leicht schwindelig, auf eine süße Art, heiß, ihr Puls raste, die Luft zwischen ihr und diesem Mann schien zu glühen.

Wie benebelt hob sie ihr Gesicht zu ihm, und er beugte seines langsam zu ihr herab, näher und näher, und jetzt konnte sie seinen Atem auf ihren Lippen spüren.

Ihre Augen begannen, sich zu schließen, ihre Lippen, sich zu öffnen, ihr ganzer Körper prickelte... er duftete so gut...

In ihrem Kopf war nur noch ein Gedanke: Küß mich, Lucius, bitte, küß mich...

Nur noch ein paar Millimeter...

Dann, wie das kreischende Schrillen eines Weckers inmitten eines angenehmen Traumes, erklang das Knallen einer schweren Eisentür, rasche Schritte, die sich näherten... und Amelin riß die Augen auf, fuhr zurück, wieder bei Verstand, Lucius Malfoy vor ihr, in seinen Augen höchste Verwirrung, beinahe Entsetzen... und Sekunden später öffnete sich die Tür, und Severus Snape trat ein.

„Bitte verzeih mir, Lucius, daß es so lange gedauert hat", sagte die dunkle Samtstimme ihres Professors, und beide sahen zu ihm, noch nicht zu hundert Prozent wieder in der Realität angelangt.

„Wie ich sehe, ist es Ihnen tatsächlich gelungen, ein ansehnliches Exemplar heranzuziehen", sagte Snape, blieb, ihnen gegenüber, am Tisch stehen und beäugte die Pflanze mit fast zufriedenem Blick.

„Äh, ja...", stotterte Amelin mit rasendem Herzen... ihr Professor sah sie an, und er schien nicht den geringsten Verdacht zu hegen, daß zwischen seiner Schülerin und seinem alten Vertrauten, der beinahe hätte ihr Vater sein können, um ein Haar etwas Verbotenes passiert wäre.

Daß sie sich fast... Amelin mochte das Wort nicht einmal in Gedanken aussprechen, so entsetzt war sie von sich selbst.

Sie sah Lucius Malfoy an; seine Augen waren fast wieder die alten, eisig und arrogant, aber als sie genauer hinsah, nahm sie ein kurzes Aufflackern darin wahr, das ihr zeigte, daß auch er sich nicht erklären konnte, was eben geschehen war... was er beinahe getan hatte.

„...etwas anderes hätte ich, ehrlich gesagt, aber auch nicht von Ihnen erwartet, Miss Wrenga", hörte sie Severus Snapes Stimme, und sie fuhr wieder zu ihm, flüsterte mit großen Augen:

„Wie bitte?"

Er sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an: „Etwas anderes als ein überzeugendes Ergebnis..", er wies auf die Blume, „...hätte ich nicht von Ihnen erwartet."

Er sah sie durchdringend an, und sie lächelte eilig, erleichtert, sagte hastig: „ Äh, danke, Professor."

Er wandte sich an Lucius Malfoy.

„Nun, Lucius... wie ist dein Eindruck?

Bist du nun ein wenig in deiner... Neugier befriedigt worden?"

Wenn Lucius Malfoy innerlich angespannt war, so ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken; er hatte sich sehr schnell wieder gefaßt.

„Ja, es war wirklich sehr... aufschlußreich, Severus.

Auch, wenn Miss Wrenga mir nicht verraten wollte, was genau sie hier eigentlich tut", sagte er und sah sie an.

„Nun...solange Miss Wrenga damit keinen Schaden anrichtet – und davon bin ich überzeugt- sei es ihr überlassen, nicht wahr, Lucius?" sagte Snape sachlich, nickte ihr knapp zu und verschwand in sein Büro.

Lucius Malfoy betrachtete sie, sagte dann leise:

„ Schade eigentlich. Ich würde zu gerne den Grund dafür wissen, daß Sie ein solches Geheimnis daraus machen.

Darum frage ich Sie gar nicht erst, wo Sie die hier..", er machte eine Kopfbewegung in Richtung Vollmondblume, „.. überhaupt herhaben.

Soweit ich weiß, wachsen diese Pflanzen nur an einem Ort – einem Ort, den aufzusuchen jedem Schüler verboten ist.

Von dem.. Entwenden dieses Gewächses ganz zu schweigen."

Sie sah ihn offen an.

„ Oh, ich habe sie nicht... entwendet.

Und was diesen Trank betrifft... ich sagte Ihnen bereits, wofür ich ihn benutzen werde.

Als Badezusatz.

Erinnern Sie sich?"

Seine Aquamarinaugen blitzen auf, er flüsterte:

„Ah... ja.

Richtig.

Badezusatz.

Das Bad möchte ich sehen, das einen solchen Aufwand rechtfertigt."

Er lächelte leicht schief.

Natürlich glaubte er es nicht... und sie mußte innerlich grinsen, denn sie hatte ja wirklich die Wahrheit gesagt...

Dann sah sie ihn, mit einem anzüglichen Lächeln, an und sagte charmant:

„Ich verstehe... aber ich befürchte, daß sich das kaum einrichten läßt."

Seine Augen funkelten auf, und sie sah einen Anflug von Ärger darin, aber auch etwas anderes... etwas, daß er anscheinend bisher versucht hatte, zu unterdrücken: Verlangen.

Begierde... nach ihr.

Sie war wie gefangen in seinen Augen.

Sie sprachen Bände, und Amelin war sich sicher, er dachte gerade daran, daß er sie fast... geküßt hätte.

Aber was immer in seinem Kopf vorging – er hielt sich bedeckt.

Mit knappem Lächeln, kühl, sagte er :

„Wie bedauerlich.

Nun... ich werde jetzt gehen.

Nochmals vielen Dank, daß ich Ihnen... Gesellschaft leisten durfte."

Er nickte höflich, ging zur Tür.

Dort sah er sie noch einmal an, intensiv, und sie sah, wie in seinen Augen ein kurzes Feuer aufflackerte, als er leise, rauh, sagte: "Gute Nacht... Amelin."

***