Vielen Dank an meine Beta eule20 *knuddel* viel Spaß beim lesen!
7. stille Versprechen
Doch wer in diesem Schloss war so mächtig diesen Zauber zu beherrschen?
Ein erstauntes Gemurmel zog Severus Aufmerksamkeit an und so drehte er sich wie alle anderen zum
Eingang der großen Halle um. Was er dort sah, ließ seinen Atem stocken.
Doch nicht nur sein Atem stockte, als das Gryffindormädchen eingehüllt in grüner Seide die große Halle betrat. Ron der ungefähr schräg hinter ihm stand, musste von seiner Schwester gehalten werden, um zu verhindern, dass er ohnmächtig nach hinten kippte.
Auch alle anderen Schüler mussten sich erstmal an diesen Anblick gewöhnen. Einzig Ginevra sah mit einem wissenden Blick in Hermiones Richtung und lächelte verstohlen.
Sich in der Menge zurückziehend verschwand Severus in den dunklen Schatten der Säulen um in Ruhe nachdenken zu können, denn sein Kopf quillte momentan von Informationen fast über.
Auf der einen Seite, stellte er sich die Frage, wie sie nur dazu in der Lage gewesen war, diesen Zauber zu sprechen. Auf der anderen Seite, schalt er sich einen blinden Dummkopf, als er in seinen Überlegungen um seine Herzenswahrheiten, etwas sehr wichtiges außen vor gelassen hatte.
Da die zweite Überlegung ihn gerade persönlich mehr beschäftigte, wurden die Gedanken über Hermiones anscheinend übermäßig große Macht nach hinten gedrängt, wo sie zusammen mit anderen Zweifeln ausharrten.
Ganz langsam ging er noch einmal Schritt für Schritt die Fähigkeiten des Aromaliebestrankes in seinem Kopf durch, wobei er an einer Stelle auch sofort seinen Denkfehler bemerkte. Der Zauber sprach von wahrer Liebe, wie konnte er nur darauf kommen, wie konnte er nur die Hoffnung haben, dass es nur ihn alleine betraf?
Wahre Liebe existiert nur im Zusammenspiel von erwiderter Liebe. Er hätte nur den Umkehrschluss ziehen müssen. Wenn seine Liebe zu ihr, die wahre Liebe war, dann hieß das, dass auch sie ihn liebte.
Mit sehr viel Glück, würde sie diesen einen Zusammenhang nie erblicken. Mit etwas Glück, würde sie früher oder später eine Liebe finden, die sie glücklich machen würde.
Wie gebannt zog sie seine Blicke auf sich, wie sie fast durch den Raum gleitete, geradewegs auf ihre Freunde zu. Einen etwas irritiert dreinschauenden Potter und Weasley, der aussah, als wäre er momentan auf das gesamte Slytherinhaus Eifersüchtig.
Scheu suchte sie die Menge nach ihm ab, bis sie ihn endlich gefunden hatte und ihm von weiten in die unendlich tiefschwarzen Augen blickte. In diesem Moment, war es fast so, als würden beide gleichzeitig ihren Herzen ein Versprechen abringen.
Ein Versprechen, dass ihre Liebe zueinander, immer tief verborgen bleiben würde. Hermione in dem
Glauben, dass diese Liebe von ihm nie erwidert werden würde und Severus aus dem Grund, weil er in seinem Leben nie wieder frei sein würde und er ihr diese Ketten und den daraus resultierenden Schmerz ersparen wollte.
8. Die Wut des einen, die Geheimnisse der anderen
Ein freundliches Lächeln zierte Hermiones Gesicht als sie zu ihren Freunden ging. Ihr Herz schlug in ihrem inneren Purzelbäume, da sie mehr Angst vor der Reaktion ihrer Freunde hatte, als sie zugeben wollte. Schon von weiten sah sie das zorngerötete Gesicht von Ron, den zweifelnden Blick von Harry, das ängstliche Zwinkern von Neville und den glasigen Blick von Luna. Nur Ginny, die als einzige von den anderen unbemerkt ihr zunickte, gab ihr den Mut, den Weg bis zum Ende zu gehen.
Ginny war es auch zu verdanken, dass Ron nicht gleich die Gelegenheit bekam, Hermione zu Rede zu stellen, denn sie lenkte, nach einer herzlichen Begrüßung Hermiones, das Gespräch gleich in eine gänzlich andere Richtung, als die Kleiderauswahl für diesen Abend.
Dennoch wechselten einige immer wieder zweifelnden Blicke abwechselnd zu Ron und Hermione, die ihre Kleiderwahl auch ohne Erklärung als ein gewisses Statement auffassten. Ginny war immer die einzige unter ihnen gewesen, die Hermione nie an der Seite ihres geliebten Bruders gesehen hatte, auch wenn es ihr um Ron leid tat, der Hermione anscheinend wirklich liebte. Nichts desto trotz war sie ein bisschen überrascht, dass Hermiones Zauber anscheinend eine Vorliebe für das Haus Slytherin offenbarte. Aber es gab schließlich schlimmeres als einen Schüler von Slytherin. Spontan fielen Ginny gleich zwei Namen ein, Voldemort und Severus Snape.
Der Abend hangelte sich unruhig von Gesprächsfetzen zu Gesprächsfetzen. Ron wurde immer zappeliger, weil er endlich Hermione zu Rede stellen wollte. Sie benahm sich schon seit einigen Tagen komischer als sonst und dieses Kleid schoss nun endgültig den Vogel ab. Er wusste dass sie eigentlich ein rotes Kleid tragen wollte, er wusste, dass sie vor ein paar Tagen noch vorgehabt hatte mit ihm zu tanzen. Beides hatte sich anscheinend in eine gänzlich andere Richtung entwickelt und er war es leid im Unklaren gelassen zu werden. Doch jedes Mal wenn er etwas sagen wollte, schien ihn immer wieder jemand zu unterbrechen.
Plötzlich kam ihm eine Idee, die besser war, als jede einfache Frage seinerseits es sein könnte.
„Wie wäre es, wenn wir uns langsam zusammensetzen und ein kleines Spiel spielen würden?" quäkte Ron laut mitten in die Unterhaltung zwischen Ginny und Lavender.
„Ein Spiel hört sich toll an!" rief Lavender sogleich aus.
Hermione und Ginny verdrehten die Augen, da eine Idee von Ron, nichts Gutes heißen konnte.
Zuallererst suchten sich die Freunde einen freien Tisch aus, Stühle wurden zurechtgerückt, Ellbogen auf die Tischplatte platziert und alle blickten Ron neugierig an, der immer noch nicht verkündet hatte, welches Spiel ihm gerade in den Sinn gekommen war.
Mit einem Schwenk seines Zauberstabs erschien vor jedem potenziellen Mitspieler ein kleines Trinkglas mit einer glasklaren Flüssigkeit.
„Habt ihr schon mal das Ich-habe-noch-nie-Trinkspiel gespielt?"
Die Hälfte, der am Tisch versammelten, nickte begeistert mit dem Kopf und erklärten den unwissenden in kurzen Sätzen den Spielablauf. „Einer fängt an und sagt etwas, was er noch nie in seinem Leben getan hat, alle die dies doch schon einmal getan haben, müssen den Inhalt des Glases bis auf den letzten Tropfen austrinken. Jeder Spieler ist der Reihe nach dran und noch etwas, jeder Spieler ist an die Wahrheit gebunden, so dass er bei der richtigen Antwort einen inneren Zwang verspüren wird, das Glas auszutrinken."
Wenn es nicht zu sehr aufgefallen wäre, hätte Hermione ihm nun einen vernichtenden Blick zugeworfen, der sogar Voldemort Angst und Bange gemacht hätte. Ron war ja noch nie ein Fan von Subtilität gewesen, aber sie so auf diese Art und Weise bloßstellen zu wollen, war einfach nur mies. Sie konnte bloß hoffen, dass seine Art, Dinge nur durch eine begrenzte Sichtweise zu betrachten, ihn die falschen Fragen stellen lassen würde.
Am liebsten hätte sie jetzt schon auf den Schock, ihr Glas bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken und da dies magische Gläser waren, die sich von selbst wieder auffüllten, hätte sie es wahrscheinlich gleich wieder an ihre Lippen angesetzt.
Lavender war als erste an der Reihe. „Ich habe noch nie einen Drachen gesehen."
Anscheinend war Hermione nicht die einzige am Tisch, die mit dem verlockenden Alkohol zu liebäugeln schien, denn natürlich musste jeder bei dieser Aussage sein volles Glas mit einem Schluck leeren.
Der starke Geschmack rann Hermiones Kehle hinab und gab ihr die unwirkliche Hoffnung diesen Abend wenigstens halbwegs zu überstehen und wenn nicht, würde sie sich wenigstens am nächsten Tag an nichts mehr erinnern können.
Als nächstes war Ginny dran.
„Ich habe noch nie ein Quidditschspiel verloren."
Diesmal musste nur Neville sein Glas austrinken und Hermione dankte Merlin dafür, dass Fred und George schon vor einem Jahr diese Schule verlassen hatten. Doch ihr Glück währte nicht lange, denn irgendwann war Ron an der Reihe und er sah nicht gerade danach aus, als würde er jetzt noch einen Rückzieher machen.
„Ich habe noch nie für einen Slytherin geschwärmt."
Als das letzte Wort über seine Lippen kam, waren alle Blicke auf Hermione gerichtet, sodass keiner von ihnen mitbekam, wie Lavender ein wenig unwillig ihr Glas nahm und es austrank. Ganz im Gegensatz zu Hermione, deren Hand seelenruhig neben ihrem Glas liegen blieb. Denn genau genommen, hatte sie nie wirklich für Severus geschwärmt, es hatte sie irgendwie gleich von der ersten Sekunde an so richtig erwischt.
Ron der nicht die, von ihm erwartete, Antwort erhalten hatte, war so in Fahrt, dass er einfach weitermachte.
„Ich habe noch nie einen Slytherin geküsst."
Wieder waren alle Blicke außer Harrys auf Hermione gerichtet und wieder zuckte ihre Hand nicht einmal ein bisschen. Dafür zuckte Harry ein wenig zusammen, als er gerade dabei war seine Hand beschwichtigend auf Rons Arm zu legen, als er Lavender dabei beobachtete, wie sie wieder zu ihrem Glas griff und trank.
Unwirsch schüttelte Ron Harrys Hand von seinem Arm und richtete nun seine blinde Wut gegen seinen besten Freund.
„Ich habe noch nie mein Selbstwertgefühl darauf begründet, dass ich der Auserwählte bin."
Der Zauber erfüllte seine Aufgabe und ließ Harry nicht mal den Hauch einer Wahl, als seine Hand das Glas nahm und er den Inhalt seinen Rachen hinunterkippte, einen bitteren Nachgeschmack, der nicht vom Alkohol herrührte, auf seiner Zunge schmeckend.
Neville der es nicht mehr mit ansehen konnte, wie sich seine Freunde untereinander regelrecht
zerfleischten, warf einfach die nächste Aussage in die Runde. Da er gerade bei diesem Spiel nie sonderlich viel Fantasie erübrigen konnte, nahm er immer Erlebnisse die ihm selbst widerfahren waren.
„Ich habe noch nie mehr als eine Prophezeiung von meinen Freunden gesehen."
Es war plötzlich Totenstill am Tisch als Nevilles Hand, die leicht zitterte, nach seinem Glas griff.
Harry war der erste, der seine Stimme wiederfand. „Was meinst du damit?"
Unruhig versuchte Neville jeglichen Blickkontakt zu seinen Freunden zu vermeiden, als er die Geschichte erzählte, die er durch den Kampf im Ministerium und dem darauf folgenden Chaos völlig vergessen hatte. Er wusste nicht einmal, warum es ihm gerade jetzt wieder eingefallen war.
„Als wir vor einem Jahr im Ministerium waren um deine Prophezeiung zu suchen, hab ich an einem Regal einen weiteren Namen entdeckt."
„Wessen Namen?" flüsterte Harry.
Neville der die ganze Zeit die Tischmaserung gemustert hatte, schaute plötzlich auf und blickte in die vor Schreck und Erkenntnis geweiteten Augen von Hermione.
Wie viele Wahrheiten konnte ein Mensch an einem Tag ertragen?, schoss es Hermione sogleich durch den Kopf.
Die anderen am Tisch sogen nur scharf die Luft ein und Harry wollte schon Neville rügen, warum er erst jetzt mit der Sprache herausgerückt war, als sie das Geräusch von einem über das Parkett geschobenen Stuhls vernahmen und Hermione nachsahen, die schnell die große Halle verlies.
Ich besitze anscheinend ein Talent fürs weglaufen ... dachte Hermione in einem leicht sarkastischen Ton, der merkwürdig in ihren Ohren widerhallte.
Keine paar Sekunden später rannte Ginny ihr hinterher. Leise klopfte sie an Hermiones Tür, die sich darauf fast zögerlich öffnete. Als Ginny das Zimmer betrat, konnte sie Hermione nirgendwo entdecken. Erst als sie um das große Bett herumgegangen war, sah sie sie zusammengekauert auf dem Boden sitzen.
Leise setzte sie sich neben Hermione. Es vergingen einige Minuten bis sie sich rührte. Mit einem Schwenk ihres Zauberstabs erschienen in ihrer und Ginnys Hand jeweils ein kleines Glas, welches mit einer glasklaren Flüssigkeit gefüllt war.
Der Zauberspruch, der das vorige Spiel an die Wahrheit gebunden hatte fehlte nun, als Hermione mit leiser, aber dennoch fester Stimme sagte:„ Ich habe noch nie etwas für Severus Snape empfunden." Und daraufhin das Glas zu ihren Lippen führte und trank.
Wie hat es euch gefallen?
