Viel Spass mit dem Chap...
Sora
PS: habe eine kleine Umfrage in meinem Livejournal (siehe Hompage im Profil) laufen, was ich als nächstes Update... Wer keinen Account dort hat, kann auch gerne nen Kommi abgeben, das zähl ich auch.
Er erwachte in einem ihm fremden Bett, geweckt von Brian, der sich mit jemand zu unterhalten schien.
"...was willst du jetzt von mir hören?... es ist dein Leben, Mickey..." Justin setzte sich vorsichtig auf und bemerkte, dass seine Kopfschmerzen nur noch ein leichtes Pochen waren. Er ließ seinen Blick durch den Ort wandern, an dem er sich befand und wieder hatte er das Gefühl der Bekanntheit, dass er schon einmal hier gewesen war.
Seine Augen suchten nach Brian, der zwischen seinem Küchenbereich und dem des Wohnzimmers auf und ab lief und dabei immer wieder in den Hörer sprach. Er schien gar nicht bemerkt zu haben, dass Justin erwacht war.
Der Blonde erhob sich langsam aus dem Bett und in das anliegende Badezimmer. Natürlich erschien es als logisch, dass der anliegende Raum nur eines sein konnte, aber wieder erfasste ihn diese Gewohnheit. Die Gewohnheit den Ort oft benutzt zu haben.
Er starrte eine Weile auf die Fliesen, die Dusche und alle anderen kleinen und großen Sachen im Bad. Innerlich zwingend, dass sie ihm eine Erinnerung schenkten und ihm nicht nur glauben machten, dass er hier schon einmal gewesen war. Aber nichts kam. Er erledigt das im Bad, was er ursprünglich vorgehabt hatte und ihm fiel erst auf, als er wieder in den Schlafraum trat, dass er mit einer Trainingshose und einem Shirt bekleidet war. Beides waren Kleidungsstücke, die er erstens sich nicht erinnern konnte, angezogen zu haben und zweitens nicht einmal kannte.
Mit nackten Füssen tapste er schließlich in den Wohnbereich, wo Brian gerade mit einem genervten "Ich muss jetzt gehen, Michael" den Hörer auflegte.
"Geht es dir besser?" Fragte der Braunhaarige als erstes, als er ihn bemerkte.
"Ja, danke. Das ist dein Loft, nicht wahr?" Justin strich über die Couch... Sofa, erinnerte er sich selbst, als würde Brians Stimme dieses Wort in sein Gedächtnis rufen.
"Du wolltest nicht nach Hause", erhielt er die einzige Erklärung. Justin konnte sich zwar nicht mehr recht daran erinnern das gesagt zu haben, aber es stimmte, zu seiner Mutter wollte er nicht. Sie hatten sich noch immer nicht recht vertragen und Justin duldete sie eher in seiner Gegenwart als das er sie akzeptierte. Davon einmal ab, dass das Haus ihm so fremd und kalt vorkam.
"Waren Melanie und Lindsay mir sehr böse?" Fragte er schließlich, sich an seinen Ausbruch erinnernd.
"Keine Angst, Sunshine. Wenn einer schuld ist, dann ich."
"Aber du hast doch nichts getan."
"Nach Melanie, hätte ich dich gar nicht erst in dem Zustand hinbringen sollen. Aber vergiss es. Möchtest du etwas essen?"
"Kein Thai", sagte Justin abwesend noch mit Melanies ungerechtfertigte Beschuldigung beschäftigt und sich dann auf dem Sofa niederlassend. Erst dann wurden ihm seine Worte bewusst und er sah erstaunt zu Brian, der der Bedeutung seiner Worte keine besondere Beachtung schenkte.
"Bestellst du normalerweise thailändisches Essen?" Der Braunhaarige murmelte nur zustimmend und beschäftigte sich mit dem Suchen einer anderen Menükarte. Nur einen kleinen Moment freute er sich über diese Erinnerung, dann machte sich Enttäuschung breit.
"Wieso erinnere ich mich nur an solche unwichtigen Dinge?" Justin erwartete schon gar keine Antwort mehr, als Brian die Telefonnummer eines Lieferdienstes wählte und das Essen bestellte. Danach setzte er sich neben ihn auf das Sofa und blickte ihn eine ganze Weile einfach nur an.
"Wäre es dir lieber, dich an nichts mehr zu erinnern?"
"Nein, aber wieso nicht etwas anderes? Wieso nicht..." er sprach nicht zu ende.
"... die Nacht des Abschlussballs." schloss Brian für ihn den Satz. "Du erwartest zu viel, Justin. Lass dir Zeit. Sieh die Erinnerungen als Zeichen, dass nicht alles verloren ist. Als Zeichen, dass es eine Chance gibt, dass du dich an deine Vergangenheit erinnern kannst."
"Eine Chance?" Justin schnaufte hörbar. "Ja, eine Chance dass ich mich daran erinnern kann, was ich oder andere am liebsten essen. Und außerdem, du hast leicht reden. Dir fehlt nicht dein gesamtes Leben. Du siehst nicht täglich Fremde, die behaupten dich zu kennen und dir Dinge erzählen, die du nicht glauben kannst. Verdammt, eine für mich Fremde erzählt mir, dass ich schwul bin, meine Mutter behandelt mich wie einen Gefangenen, du wie die Pest, und andere als wäre ich ein Kind. Es ist als würden mir alle eine Geschichte erzählen. Nur das die ganze Geschichte einen Haufen Lücken aufweist, die nur eine Person schließen kann. Und ich zähle mich dabei nicht dazu."
"Justin, bist du fertig?" fragte Brian und sein Blick war ernst. Er wartete gar nicht auf die Antwort. "Was denkst du, sollte ich tun? Die erzählen, was du gemacht hast? Was wir gemacht haben? Willst du wissen wann wir gefickt haben? Wie wir es getan haben oder wo? Oder von den anderen One-Night-Stands in deinem Leben? Du hast ein vollkommen falsches Bild von mir. Ich bin nicht dein Geschichtenerzähler und erst recht nicht der Schlüssel zu deinen Erinnerungen." Bilder entstanden vor Justins Augen und wenn er nicht gesessen hätte, wäre es ihm schwer gefallen auf den Beinen zu stehen. Brians Worte vermischten sich mit anderen in seinem Kopf.
"Hör mal, ich bin nicht dein Liebhaber, nicht dein Partner. Nicht einmal dein Freund. Du bist Nichts für mich."
„Ich könnte es sein. Wenn mir nur eine Chance geben würdest... Ich brauche dich."
„…du bist der einige, den du brauchst... der einzige den du hast.
Er hörte seine Stimme so bittend und die Befürchtung, dass er eine Plage für Brian war bestätigte sich. Nicht wirklich war er sich sicher, ob diese Worte jemals gesprochen wurden, aber sie waren real genug. (lass er sie als Wahrheit akzeptierte. Immerhin waren sie doch hier gesprochen worden. Hier im Loft.
Nun beherrschte nur noch ein Gedanke sein Innerstes und seine Handlungen. Er musste hier weg. Dabei störte ihn auch nicht, dass er nicht einmal Schuhe anhatte. So schnell er konnte, entfernte er sich von Brian und rannte aus dem Appartement, nicht wissend wohin er sollte oder wie er nach Hause kommen würde von hier. Zu Fuß.
Mitten in einer Menschenmenge auf der Liberty Avenue kam er erst wieder richtig zu sich. Es war nicht wirklich eine Menge, aber so kam es Justin vor. Männer und wenige Frauen gingen an ihm vorbei, stießen ihn an, da er mitten im Weg stand, warfen ihm Blicke zu, die nicht zu deuten waren und sprachen ihn an. Worte nahm er nur Stückchenweise wahr.
"... wie wär's, Süßer, soll ich dich ins Bett bringen..."
"... Junge aus der Zeitung..."
"... Kinneys Spielzeug..."
"Lasst mich zufrieden." murmelte er und seine Stimme wurde immer lauter. Dadurch erregte er noch mehr Aufmerksamkeit und immer mehr Menschen standen um ihn herum. \Vie er den Mut oder eher die Kraft fand, sich von den Menschen los zu reißen und wenig später in einer abgelegenen Gasse zu landen, wusste er nicht mehr.
An der steinernen Wand zwischen einem großen Müllcontainer und mehreren gestapelten Kartons ließ er sich nieder. Die Beine dicht an seinen Körper gezogen, legte er seine Stirn auf die Knie. Er wusste, dass nicht viel fehlte und er würde beginnen zu weinen. Dies wollte er mit aller Macht verhindern. Er war weder ein Kind noch ein Mädchen und das letzte was er jetzt tun würde, ob er nun allein war oder nicht, war noch mehr Schwäche zu zeigen.
"Justin?" Der Blonde dachte, er bilde sich die Stimme ein, die seinen Namen rief und blieb stumm und still auf dem Boden sitzen. Selbst als er ein drittes, ein viertes sogar ein fünftes Mal seinen Namen hörte und die Stimme als die von Brian identifizierte, bewegte er sich nicht von seinem Platz. Auch nicht, als sich ein dunkler Schatten über ihm ausbreitete.
Justin sah auf und direkt in zwei haselnussbraune Augen. Brian hatte sich vor ihm nieder gehockt und sah ihn unergründlich an.
"Normalerweise finde ich dich nicht in einer Gosse", sagte er sanft.
„...Nichts Besonderes."
„Das kann ich ändern"
Und plötzlich schaltete Justins Gehirn vollkommen ab. Leicht beugte er sich nach vorne, die Augen nicht eine Sekunde aus seinem Blick lassend und berührte Brians Lippen mit den seinen. Es war kein richtiger Kuss, eher ein Streifen des Mundes des anderen, aber sie erzeugte einen elektrischen Schock in Justin, der durch seinen ganzen Körper fuhr.
Seine Gedanken kreisten noch um den Kuss, als Justin schon wieder im Bett in dem Haus seiner Mutter lag. Immer wieder berührten seine Finger die eigenen Lippen und er bildete sich ein auch jetzt noch den leichten Druck zu spüren. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, welches schnell wieder verschwand als er an die beunruhigende Stille nach dem Kuss dachte.
Brian schien es peinlich gewesen zu sein und Justin war zu verwirrt von seiner eigenen Tat und vor allem dem Gefühl, was es in ihm ausgelöst hatte. Auf jeden Fall hatten sie danach kein Wort mehr gesprochen. Er hatte ihm seine Schuhe, die er mitgenommen hatte, gegeben, ihn zum Umziehen zurück ins Loft gebracht und dann nach Hause gefahren.
Während der Fahrt hatte Justin immer wieder überlegt, wieso Brian sich so verhielt. War er ihm böse für den Kuss? Wollte er ihn vielleicht nicht noch mehr verletzen mit einer Abfuhr? Oder war es einfach keiner Worte wert gewesen?
Aber das war nicht das einzige, was Justin jetzt beschäftigte. Der Kuss hatte in ihm Gefühle geweckt. Gefühle, die ihn nach mehr als diesem einen Kuss sehnen ließen. Gefühle, die ihm sagten, dass der Mann ihm mehr bedeutet als nur ein Freund. Wobei er dies ja schon hätte wissen müssen. Immerhin hatte er eine Beziehung... nein, keine Beziehung. Sie hatten gefickt, wie sich Brian ausgedrückt hatte. Und das wahrscheinlich auch nur, weil er ihm die ganze Zeit nachgelaufen war.
Das unangenehme Gefühl in seinem inneren nahm wieder zu und ließen die Erinnerungen wieder hoch kommen, welche er über den Tag hatte. Die im Loft, wo er so klar und deutlich gehört hatte, was er Brian bedeutete. Nichts. Und eine weitere, zu welcher er noch keine Verbindung aufbauen konnte.
Bei Beiden müsste er mit Brian reden, um Klarheit zu bekommen, aber er bezweifelte, dass er ihn so schnell wieder sehen würde und erst recht, dass er den Mut aufbringen würde ihn danach zu fragen.
Er hatte mit seiner Annahme, dass Brian ihm aus dem Weg gehen würde recht gehabt. Selbst seine Assistentin meldete sich nicht bei ihm. Dafür aber hielten ihn Daphne, Melanie und auch Lindsay beschäftigt und sei es nur mit Anrufen. Daphne besuchte ihn jeden Tag und sie sprachen über seine Schulzeit. Er verstand schnell, wieso sie beide so gut befreundet waren und fand schnell sein vertrauen in sie wieder.
Mel und Linds nahmen ihm das Versprechen ab zur Party zu kommen. Aber dies tat er nur aus wenigen Gründen. Zum einen, weil er die beiden doch ziemlich beleidigt hatte und das gut machen wollte, weil sie ihm versprachen einen Platz zu finden, wo er von der Menge entfliehen konnte und da er dort zumindest Brian wieder sehen konnte.
So kam es, dass er zusammen mit Daphne am Sonntag vor dem Zuhause der Frauen ankam. Er wollte schon wieder gehen, als er die vielen Autos vor dem Haus fand und erst Recht, da keines der Autos Brians war.
"Wenn es dir zu viel wird, können wir ja wieder fahren", sagte Daphne, seinen besorgten Blick bemerkend. Dies brachte ihn zurück zur Realität. Er wollte nicht bevormundet werden. Das würde er schon schaffen.
"Nein, nein. Geht schon."
"Okay, wenn du meinst. Ich bleibe auf jeden Fall an deiner Seite."
"Daphne, ich bin kein Kind!" erwiderte er genervt und sie hielt es wohl für besser nichts darauf zu antworten. Beide stiegen aus und gingen auf das Haus zu. Schon im
"Ich freu mich, dass du kommen konntest, Justin", sagte sie aufrichtig und ließ ihm genug Platz zum Eintreten nachdem er sie ebenfalls begrüßt hatte. Sie gingen durch das Haus in den Garten, wo Justin erst einmal tief durchatmete. Es waren wirklich nicht wenig Menschen hier und er kannte kaum einen. Wobei das natürlich nicht wirklich eine korrekte Annahme war.
Er erkannte einige von Fotos, die Brian ihm gegeben hatte. Darunter waren Emmett, der sich mit Händen und Füssen mit Lindsay unterhielt, Ted, der daneben stand und einige weitere, bei denen ihm der Name nicht einfiel. Innerlich hatte er gehofft, Brian zu sehen, aber nach mehreren Minuten des Suchens gab er das auf.
Sie standen etwas abseits im Garten, jeder mit einem Getränk in der Hand, welches Melanie ihnen besorgt hatte. Außer Lindsay hatte keiner sie wirklich bemerkt, worüber Justin sehr froh war. Doch dann war Debbie gekommen, und diese fand ihr 'Sunshine' sofort. Sie schoss sofort auf ihn zu, wurde aber langsamer, bevor sich Justin noch entschloss zu flüchten. Ihr Verhalten lockte auch einige andere an und wenig später fand er sich umringt von Emmett, Ted, Vic und Debbie. Besonders wohl war ihm nicht, aber er machte gute Miene.
Über Emmett hatte Brian recht gehabt. Er war gewöhnungsbedürftig, aber seine offene und freundliche Art ließen Justin ihn schnell ins Herz schließen. Dies galt auch für Ted. Er mochte den älteren Mann und sah schnell hinter die sarkastische Fassade, die ein großes Herz versteckte. Als die Gruppe anfing über gemeinsame Bekannte zu reden, hörte Justin schließlich nicht mehr richtig zu. Viel mehr achtete er darauf, dass niemand ihm zu nahe kam. Erst wieder Brians Name ließ ihn wieder auf die Gruppe und deren Worte konzentrieren.
"... wegen Brian zurückgekommen ist", hörte er Debbie sagen.
"Das ist Unsinn, Deb. Der Doc war einfach nicht das Richtige für ihn." widersprach Vic seiner Schwester.
"Aber er hat Michael jeden Wunsch von den Augen abgelesen", warf Emmett ein und seufzte theatralisch.
"Trotzdem. Er macht sich zu viele Hoffnungen für dieses Arschloch. Und die letzten Tage waren sie ständig zusammen unterwegs. Bis zum frühen Morgen im Babylon oder in den Bars", meckerte Debbie weiter. "Wenn er dort wenigstens jemand netten kennen lernen würde." Nach ihren Worten murmelte Justin eine kurze Entschuldigung und machte sich auf dem Weg in ein Badezimmer oder irgendeinem ruhigen Raum.
Ihm war klar, dass Brian ihm aus dem Weg ging, und auch klar, dass er besseres zu tun hatte, als seine Zeit mit ihm zu verbringen. Aber tatsächlich zu hören, dass er lieber Zeit in Clubs und Bars verbrachte, war schmerzhaft. Den Namen Michael hatte er noch in Erinnerung. Zum einen von Brians Telefongespräch vor ein paar Tagen im Loft und dann seine Worte im Hause Taylor. Er war sein bester Freund. Allerdings fand er Debbies Worte verwirrend. Sie hatte von den Hoffnungen ihres Sohnes für Brian gesprochen. War wohl möglich mehr zwischen den Freunden? Aber wieso machte er sich darüber Gedanken? Es war Brians Leben!
Justin hatte sich eine Weile im Badezimmer vergraben und ging langsam wieder die Treppe herunter, dabei Brians Stimme hörend.
"Was meinst du damit, Justin ist hier? Was hat er hier zu suchen?"
"Wir haben ihn eingeladen", antwortete Lindsay. "Warum auch nicht."
Geländer. Seine Augen füllten sich mit Tränen, die er sich weigerte zu vergießen.
"Wieso musst du den Wunderjungen zurück bringen?" Hörte er nun eine weinerliche Stimme.
"Weil hier sonst keiner klar genug bei Verstand ist", fauchte Brian schon fast.
"Beruhige dich, es geht ihm gut. Wir haben darauf geachtet, dass ihm nicht zu viele Menschen zu nahe kommen", erwiderte Lindsay ruhig. Sie schien zu glaube, dass Brian sich um ihn Sorgen mache, dachte Justin und hätte am liebsten laut darüber aufgelacht.
"Wo ist er?" es entstand eine bedrückende Pause, ehe Lindsay antwortete.
"Bis vor einer halben Stunde war er noch draußen bei uns und hat sich mit Deb, Em, Vic und den anderen unterhalten."
"Wirklich toll, Lindsay."
"Ich muss mich auch noch um die Feier kümmern und um Gus. Außerdem ist Justin erwachsen. Er kann sehr wohl selbst auf sich aufpassen." Justin wäre fast froh gewesen, dass das auch mal jemand klar wurde, wenn ihre Stimme nicht mehr danach geklungen hätte, als würde sie sich verteidigen.
"Brian, du bist doch nicht sein Babysitter", sagte wieder die etwas kläglich klingende Stimme. Bei den Worten entschied sich Justin die letzten Worte hinunter zu gehen. Im Flur sah er nun die drei Personen stehen. Besonders schenkte er dem Mann neben Brian Beachtung. Das musste wohl Michael sein. Er war etwas kleiner als er, hatte dunkle Haare und sah eher durchschnittlich aus. Justins Typ war er definitiv nicht, aber was war mit Brian?
"Er hat recht, du bist nicht mein Babysitter", sagte er nun. Brian drehte sich blitzschnell zu ihm uni und einen Moment schien Erleichterung in seinen Augen aufzublitzen. "Und keine Angst, sobald ich Daphne gefunden habe, fahre ich nach Hause. Dann musst du mich nicht mehr ertragen."
"Justin..."
"Ja ja, du hast es nicht so gemeint", unterbrach er Brian und wollte stur an ihm vorbeigehen. Aber er ergriff seinen Arm und manövrierte ihn in das angrenzende Wohnzimmer.
"Wieso musst du dich eigentlich immer so kindisch verhalten?" Fragte der Ältere schließlich als er Justin auf die Couch drückte.
"Vielleicht, weil ihr mich alle für eins haltet", setzte er entgegen.
"Justin", begann er, aber machte dann eine längere Pause.
"Wenn das alles ist, was du zu sagen hast, kann ich ja gehen", sagte er und erhob sich wieder.
"Was hast du denn erwartet?"
"Was weiß ich, du hast mich hier rein gezogen. Ich wollte dir diese Last eigentlich gerade ertragen, denn es ist ja wohl deutlich, dass du mich nicht hier haben willst."
"Das stimmt nicht."
"Ach, und weshalb wolltest du, dass ich wieder nach Hause fahre?"
"Ist das nicht klar? Du erträgst kaum zwei Leute auf einmal, aber bist hier auf einer Party. Voller Menschen, die dir vollkommen fremd sind. Ich verstehe nicht, wieso du
"Wenn du dir doch solche Sorgen um mich machst, wieso hast du dich nicht bei mir gemeldet in den letzten Tagen?"
"Wer spricht davon, dass ich mir Sorgen um dich mache? Außerdem habe ich dir schon mal gesagt, dass..."
"...du auch noch ein Privatleben hast und arbeiten gehst. Ja, ich weiß. Und dein bester Freund ist auch wieder in der Stadt, wie ich hörte." Die braunen Augen zeigten etwas wie Schuld, aber Justin glaube sich das eingebildet zu haben.
"Michael hat damit nichts zu tun", verteidigte er ihn.
"Habe ich das gesagt? Aber du erwartest, dass ich zu Hause warte, dass du dich meldest. Tut mir leid, aber soviel Zeit habe ich nicht."
"Justin, das habe ich nicht gesagt", Brian klang sehr müde bei den Worten. "Ich..."
"Wieso hast du nicht angerufen? War es wegen dem Kuss? Es tut mir leid, ich war nicht ganz bei mir und es wird nicht wieder vorkommen. Ich meine, du hast damals selbst gesagt, dass ich nichts für dich bin. Also nicht mal ein Freund und..."
"Wann habe ich das gesagt?" Fragte Brian ihn überrascht und Justin wurde unsicher. Wieso hatte er ihm das überhaupt erzahlt?
"Ich.., ich weiß nicht. Ich hatte nur..."
"Wann?"
"Ich sagte doch, dass ich nicht..."
"Nein, nicht wann ich es gesagt habe, denn daran kann ich mich erinnern. Wann du die Erinnerung hattest." Justin blieb ruhig und senkte den Blick. "Vor ein paar tagen im Loft, nicht wahr? Und deshalb bist du auch weggelaufen."
"Du hast auch gesagt, ich wäre der einzige, den ich habe", murmelte der Blonde leise. Er wusste nicht wie Brian reagieren würde, aber das letzte, was er gedacht hätte war, dass er ihn in den Arm nimmt. Und auch wenn er wusste, dass er seine Schwäche damit zeigte, krallte er sich schon fast an der Kleidung von ihm fest.
"Du bist nicht Nichts für mich, Justin. Die Worte, an die du dich erinnerst, die ganze Situation, sie ist schon ein gutes Jahr alt. In der ganzen Zeit dazwischen ist so viel passiert, und auch wenn wir keine Partner sind oder du mein Geliebter, so sind wir doch zumindest befreundet."
"Freunde, die miteinander schlafen?" fragte Justin und sein Gesicht nahm eine leicht rote Farbe an. Er wartete auf eine Antwort, aber gerade als es schien, dass Brian etwas sagen wollte, platzte Michael in den Raum.
"Wann kommst...", begann dieser, aber stoppte bei dem Bild, was sich ihm bot. Innerlich war Justin mehr als befriedigt von dem verletzten und geschockten Blick Michaels. Scheinbar hatte dieser nicht erwartet ihn in Brians Armen vorzufinden.
"Wir kommen gleich raus, Mickey", erwiderte Brian und ließ Justin langsam los. Michael schien den Wink nicht verstanden zu haben oder eher zu wollen, den er blieb im Türrahmen abwartend stehen. Der Blonde fragte sich, ob er überhaupt einmal mit ihm klar gekommen war, aber bei den Hasserfüllten Blick, dem er ihm zuwarf, glaubte er nicht daran.
"Wenn es dir zuviel wird, will ich das du nach Hause fährst", sagte Brian ernst und duldete keinen Widerspruch, denn erst als Justin zustimmend nickte, richtete er seinen Blick ab.
"Hey Wunderjunge", sagte Michael mit aufgesetzter Fröhlichkeit. "Wieder gesund?"
"Du bist Michael, Debbies Sohn, nicht wahr?" fragte Justin. "Brian sagte, du wärst in Portland." Das Thema gefiel 'Mickey' wohl gar nicht, aber dafür Justin umso mehr. Weniger gefiel ihm aber das leicht bösartige Glitzern in den Augen des anderen.
"Ach, ich vergaß du hast ja keine Erinnerungen mehr an vorher. Muss wirklich schlimm sein, sich nicht mal an seine.! eigenen Namen zu erinnern. Und wer weiß, ob du dein Gedächtnis je wiederbekommst." Die Worte waren wirklich ein Schlag in den Magen für Justin und noch verletzender, da Brian nichts dagegen sagte.
"Ich komme damit klar", erwiderte er nur und strafte seine Schultern. Er würde sich von diesem Mann nicht klein machen lassen. Sicher, er war zwar nicht Brians bester Freund, aber er würde ihn nicht kampflos aufgeben. Er brauchte ihn!
"Wir sollten raus gehen zu den anderen. Gus packt gleich seine Geschenke aus", meinte Brian und ging vor. Aber noch bevor Justin ihm folgen konnte zog Michael Justin am Oberarm schmerzhaft zur Seite. Der blonde erstarrte sofort, sein Körper fing an zu zittern und Angst ergriff ihn. Wovor konnte er nicht sagen.
"Bilde dir nichts darauf ein, dass er sich um dich kümmert. Er fühlt sich nur schuldig für das, was dir passiert ist und hat Mitleid mit dir", zischte dieser ihm zu, gar nicht auf seinen Zustand achtend. Damit ließ er ihn los und allein in dem Raum.
Noch Minuten später stand er zitternd in dem Raum und versuchte die Panikattacke, die ihn befallen hatte, los zu werden. Er redete sich ein, dass es ihm gut gehen würde, dass ihm hier nichts passieren konnte, aber es half ihm nicht. Seine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding und er starrte auf seine zitternden Hände.
"Justin?" Fragte eine Frauenstimme und er sah Daphne in der Tür stehen. "Bist du in Ordnung?" Er musste wohl ziemlich erschreckend ausgesehen haben, wie er mitten im Raum stand leichenblass und zitternd. "Soll ich Brian holen?" Der Name brachte ihn etwas zur Besinnung und er schüttelte den Kopf. Er wollte nicht, dass Der Geburtstags seines Sohnes für ihn zerstört wurde, nur weil er selbst wieder einmal so schwach war. "Willst du nach Hause?"
"Ich...", brachte er nur hervor.
"Komm", sagte sie nur und schaffte es ihn ohne große Berührungen aus dem Haus und ins Auto zu leiten. Von der Fahrt bekam er nicht viel mit. Noch immer spürte er die
Berührung an seinem Arm. Und noch immer hörte er die hasserfüllt gezischten Worte Michaels, welche ihn selbst später in seinen Träumen verfolgten.
tbc.
