Kapitel 6:
Die Schicht war Ereignislos verlaufen und Grissom saß in seinem Büro und unterschrieb Formulare.
Es klopfte an der Tür und Terri kam langsam in das Zimmer herein. Er schaute über den Brillenrand und winkte sie näher zu sich heran.
„Ich hoffte dich noch zusehen bevor ich heute Mittag nach Hause fliege.", sie setzte sich langsam auf einen Stuhl.
„Der Fall in der Zwischenschicht ist schon abgeschlossen?", sie nickte ihn leicht an und lächelte.
„Alles erledigt, der Flug ist schon gebucht. Die Koffer sind in meinem Hotelzimmer gepackt, aber ich habe noch zwei Stunden Zeit die ich irgendwie totschlagen muss."
Er nahm die Brille von seiner Nase und legte sie auf den Tisch.
„Ich könnte dich zu Flughafen bringen und wir setzen uns dann noch etwas in eine Bar bis dein Flieger geht.", sie nickte.
„Das wäre sehr nett Gil, wir könnten uns noch etwas unterhalten, bis wir uns im nächsten Jahr vielleicht wieder sehen, wenn ihr wieder Hilfe mit irgendwelchen Knochen benötigt."
Sie fuhren gemeinsam erst zu ihrem Hotel, wo sie ihre Koffer in den Kofferraum legten. Dann ging es zum Flughafen, dort setzte sie sich in eine Bar wo sie sich Cola bestellten.
Sie sprachen etwas über ihre Arbeit und einen Artikel den er vor kurzem gelesen hatte und es fühlte sich an als wäre eine Stunde nur wie im Flug vorbei gegangen.
Zu Hause schaute Sara auf die Uhr und überlegte ob sie Gil anrufen sollte. Sie entschied sich dagegen. Bestimmt war etwas dazwischen gekommen, in ihrem stressigen Beruf kam es manchmal auf Minuten an bevor Beweise vielleicht verloren waren.
Sie ging an eine Schublade in ihrem Schlafzimmer und schaute sich das kleine schwarze Neglige an, sie hatte es von ihm zu Weihnachten bekommen und sich später gefragt für wen es eigentlich ein Geschenk war.
Sie zog es sich an, setzte sich auf das Bett und las ‚Angewandte psychodynamic in Forensischen Studien'.
Es war früh am Morgen und Terri schaute auf die Uhr: „Ich muss mich wohl bei dir bedanken, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Danke das du mit mir gewartet hast, wenn ihr mal wieder Hilfe benötigt, weißt du ja wie du mich erreichen kannst."
Sie beide standen auf und er nahm ihre Koffer.
Er begleitete sie noch zum Sicherheitscheck und sie schauten sich lächelnd an. „Weißt du ich hätte nicht gedacht dass wir uns so gut verstehen und es nicht irgendwie seltsam wird, wegen der geplatzten Verabredung."
Er nickte nur leicht: „Wie du schon sagtest, vielleicht war es ja ganz gut so." Sie neigte ihren Kopf zur Seite, schaute ihn nochmals intensiv an und gab ihn dann einen Kuss auf die Wange. „Wir sehen uns." Dann drehte sie sich um und schaute nicht mehr zurück.
Grissom betrachtete seine Uhr, es war schon 8. Er war etwas spät dran, aber früh genug um William guten Morgen zu sagen und ihn zu füttern.
Gut gelaunt und etwas schläfrig, betrat er das Haus. Als er dabei war seine Schuhe im Flur auszuziehen rief er: „Guten Morgen, ich bin zu Hause."
Doch niemand antwortete. ‚Wie seltsam', dachte er. Normalerweise waren alle um diese Zeit schon wach. Er betrat langsam die Küche, Sara saß am Tisch und war gerade dabei, Williams Gesicht mit einem Tuch abzuwischen. Anscheinend hatte sie ihn schon gefüttert.
„Hey, guten Morgen ihr zwei.", sagte Grissom sanft. Doch Sara beachtete ihn nicht. Er ging näher an den Tisch heran, bis er Saras Gesicht sah.
Sie war sauer, das wusste er sofort. Sie schaute zu ihm hoch und sagte in einem Ton der keine Widerworte duldete: „Wir reden gleich, ich will nicht vor dem Baby streiten."
Er wollte gerade protestieren, dass er doch überhaupt nicht streiten wollte, weil es ja keinen Grund von seiner Seite aus gab, als es an der Tür klopfte.
Sara stand auf und öffnete sie. Während dessen nahm Grissom seinen Sohn aus dem Stuhl und gab ihn einen dicken Kuss.
Anscheinend war Laura schon früh herüber gekommen, denn er hörte wie Sara sagte: „Ich habe ihn gefüttert und ist er freut sich schon sehr mit seiner Oma etwas Zeit zu verbringen."
Laura kam auf die beiden männlichen Grissoms zu und lächelte: „Ich habe den kleinen Schatz schon eine Woche lang nicht gesehen."
Sie streckte Will ihre Arme entgegen und er beugte sich mit seinem Oberkörper zu ihr.
Als sie ihn in ihren Armen hatte und ihn etwas schaukelte, bemerkte sie: „Ich könnte schwören er ist schon wieder gewachsen und ist schwerer geworden."
Grissom lächelte nur. Als Laura dann das Haus verlassen hatte, nahm er sich eine Tasse Kaffee und setzte sich an den Tisch. Er wusste einfach nicht was er getan hatte.
Sara kam zu ihm rüber und stellte sich mit ihren Händen an den Hüften neben ihn.
„Wo warst du?", fragte sie. Sie wirkte etwas bedrohlich.
„Ich habe Terri zum Flughafen gebracht.", sagte er halb verunsichert.
„Weißt du ich habe nichts dagegen wenn der Job es verlangt, dass du länger Arbeiten musst. Ich bin auch ein CSI, ich weiß wie das ist.", er nahm sich vor, lieber zu schweigen und abzuwarten worauf sie hinaus wollte.
„Und… ich habe mir geschworen als ich Schwanger wurde das ich nicht, so eine Ehefrau werde die zu Hause sitzt, wartet und nur am rumnörgeln ist."
Er hob beide Augenbrauen, das schien sie zu provozieren, denn nun hob sie ihren Zeigefinger.
„Wage es nicht….ich sitze zu Hause und warte auf dich, damit wir etwas Zeit für uns haben, was nicht so einfach ist und was muss ich erfahren? Das du das dritte mal diese Woche mit der Frau das Labor verlassen hast, mit der du eine Affäre hattest."
Er war etwas erschrocken, konnte nicht glauben was er da hörte. Er beschloss dass es Zeit war etwas zu seiner Verteidigung zu sagen. „Es war nur eine Verabredung und wir haben nicht einmal was zu Essen bestellen können…."
„Du verabredest dich nicht einfach so mit Frauen Gil. Weißt du noch wie es bei uns war? Ich musste dich praktisch anbetteln. Erzähl mir nicht dass du sie nicht attraktiv gefunden hast. Und außerdem hat sie eine Tarantel angefasst." Ihr Ton wurde nun schriller und er schaute sie etwas verwundert an.
„In Ordnung, ja ich habe sie gefragt weil wir gemeinsame Interessen haben und sie nicht gerade hässlich ist. Aber das hat nichts mit uns zu tun, wir waren in der Zeit getrennt.", auch er merkte wie er etwas lauter wurde, er wollte diesem Unsinn ein Ende bereiten.
Doch ihre Hand schnellte nach vorne und griff nach seinem Unterkiefer. Sie drehte sein Gesicht zur Seite und sah Fassungslos aus. „Ist das Lippenstift?"
Sie ließ ihn los und er wischte sich instinkitv über die Wange. „Das war nur ein harmloser Kuss auf die Wange, als sie zum Flugzeug musste….", seine Ohren wurden rot. Er hatte einfach vergessen das er und Sara etwas Zeit miteinander verbringen wollten, jedoch jetzt wusste er nicht was er sagen sollte. Sara wendete sich von ihm ab, sie schien kurz nachzudenken.
Er stand auf: „Sara… sie ist glücklich verheiratet, das war alles absolut harmlos. Sie bedeutet mir genau soviel wie Catherine. Wir haben uns auf rein beruflichen Basis ausgetauscht und sie hatte eben noch 2 Stunden Zeit bis ihr Flug ging."
Sie dreht sich um, und er sah Zorn: „Vielleicht sollte ich in Zukunft den Hodges küssen, wenn man so etwas jetzt unter geschätzten Kollegen macht. Und ich glaube ihr das sie glücklich verheiratet ist, aber erzähl mir nicht wenn du sie siehst das du dich nicht fragst wie es gewesen wäre mir ihr zu schlafen und sie fragt sich das sicher auch. Also entschuldige wenn ich diese Situation absolut nicht mit deiner Beziehung zu Catherine vergleichen kann."
Dann stürmte sie in das Schlafzimmer, die Tür knallte laut und im Haus kehrte eine bedrückende Stille ein.
Er nahm sich eine Wolldecke und beschloss auf dem Sofa in seinem Arbeitszimmer zu schlafen. Sicherlich würde sie sich beruhigt haben bis er aufstand.
Doch dem war nicht so. Sie sprach mit ihm kein Wort. Auch sagte sie nichts als er das Haus verlies um zur Arbeit zu gehen.
Er beschloss zu Jim zu fahren. Er war ein Mann und war irgendwann auch verheiratet gewesen. Er müßte doch eine Idee haben wie er sich wieder mit ihr versöhnen konnte.
Als er Brass alles erzählt hatte und noch mal genau über alles nachgedacht hatte, fühlte er sich etwas schuldig. Im Grunde hatte er nichts unrechtes getan, jedoch die Zufälle und Gerüchte im Labor sahen schon etwas seltsam aus. Er erinnerte sich an John. Auch dort war alles harmlos gewesen, sie waren gute Freunde und Kollegen. Trotzdem hatte viele Jahre eine Eifersucht in ihm gebrannt. Er konnte Sara verstehen.
„Du kannst dich wirklich glücklich schätzen.", Grissom schaute Brass fragend an.
„Ich bitte dich, ich kenne Frauen genau. Terri hat dir eindeutig signalisiert. ‚Los, Bugman! Lass es uns einmal tun um die Neugierde zu befriedigen."
„Was?", sagte Grissom, als hätte Brass gerade verkündet das er seinen Job bei der Polizei hinschmeißt um Unterwäschemodel zu werden.
„Im ernst Gil, du bist ein brillanter Kopf wenn es um deine Arbeit geht, aber von Beziehungen hast du keinen blassen Schimmer mein Freund.", er klopfte ihm leicht auf die Schulter und lachte etwas.
„Und du glücklicher Narr, hast eine Frau zu Hause, die dich, einen seltsamen Entomologen so sehr liebt das sie vollkommen ausflippt wenn dich eine andere hübsche Frau falsch anschaut."
Grissom schaute etwas nachdenklich, dann schaute er zu Brass: „Sie wird mir doch verzeihen oder?"
„Du musst nur sagen, dass sie die einzige ist, was auch die Wahrheit ist und du musst ihr sagen wie sehr du sie liebst und begehrst. Frauen wollen so etwas hören…..Arbeiten könnte heute gefährlich sein…. Gib ihr eine schönen Mord, damit kannst du Pluspunkte sammeln."
Grissom sah etwas schockiert aus. „Jim, ich werde sie am Arbeitsplatz nicht bevorzugen, wir wollen das es keine Spannungen im Team gibt nur weil sie meine Frau ist."
Doch Brass schüttelte nur den Kopf: „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt."
Grissom seufzte leicht, natürlich hatte er recht, außerdem war er fest davon überzeugt das sie heute in ruhe über alles reden könnten.
Brass war aufgestanden um seine Jacke zu holen, sie mussten los, die Schicht würde bald beginnen, da klingelte sein Handy. Er öffnete es, in dem festen glauben dass er früh zu einem Tatort gerufen wird.
„Grissom.", doch seine Schwiegermutter war dran. „Oh Gil, du musst unbedingt ins Krankenhaus fahren.", sie klang besorgt.
„Ist etwas passiert?", sofort schossen ihm tausend Gedanken durch den Kopf.
„Es ist William, er hatte Fieberkrämpfe, Sara ist mit ihm ins Krankenhaus gefahren und ich sollte dich anrufen."
Sein Herz raste: „In welches Krankenhaus?"
„Sie sind im Desert Palm, ich fahre jetzt auch los.". Er versuchte sich selbst zu beruhigen mit Gedanken ‚Es hört sich sicherlich schlimmer an als es wirklich ist. Nur die typischen Ängste von jungen Eltern'. „Ich komme sofort, danke Laura."
Brass schaute ihn besorgt an: „Du bist etwas weiß um die Nase, sie will doch nicht die Scheidung oder?"
„Nein, es ist William, anscheinend ist er Krank geworden. Sag Catherine bescheid, ich muss ins Desert Palm."
