Tach, Leute! Vielen Dank für den Review! :)

Sarah: Freut mich, dass dir das letzte Kapitel gefallen hat. Ja, ich glaube auch nicht, dass alle Hufflepuffs Flaschen sind. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass sie nicht so...äh...kompetitiv wie die anderen Häuser sind und deshalb schnell in den Hintergrund geraten.


DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.


Qualmende Kessel und streitsüchtige Sucher (3/3)

Am Ende fehlte für den Vielsaft-Trank nur noch das Flussgras, das bei Vollmond gepflückt werden musste. Doch bevor es so weit war, erlebten sie erst mal eine Überraschung. Sie saßen gerade beim Frühstück, als Remus, der wie jeden Morgen auf seinen Tagespropheten wartete, plötzlich rief: „James, schau mal! Ist das nicht die Eule deiner Eltern?"

Und tatsächlich landete ein paar Sekunden später ein großer Vogel bei James.

„Endlich!" James' Stimme klang übermäßig erleichtert. „Mal sehen, was sie schreiben. Dad hat sich ja mit seiner Antwort lange genug Zeit gelassen."

„Und was sie sonst noch so schicken", setzte Sirius hinzu und untersuchte das große Paket, das mit dem Brief gekommen war und verführerisch nach Mrs. Potters Keksen roch. Dass James sich nicht gleich selbst auf das Paket stürzte, sondern erst den Brief las, zeigte, dass er sich wirklich Sorgen gemacht hatte, deshalb fragte Sirius: „Und, was schreiben sie? Ist alles in Ordnung?"

James nickte.

„Die Leute sind völlig durchgedreht wegen diesen verschwundenen schwarzmagischen Artefakten. Manche wollten jeden Brief, der bei ihnen angekommen ist, von den Auroren untersuchen lassen. Die Eulen mit den Anfragen sind Dad sogar bis nach Hause gefolgt, deshalb haben sie meinen Brief nicht gleich bekommen."

„Wie kommt es, dass sie ihn jetzt bekommen haben?", wollte Sirius wissen. „Ich meine, warum sollten plötzlich weniger Eulen ankommen?"

„Weil morgen bekannt gegeben werden soll, um was für Gegenstände es sich bei den gestohlenen Artefakten handelt", antwortete zu Sirius' Überraschung Remus, der inzwischen seinen Tagespropheten bekommen und aufgeschlagen hatte. „Sie schreiben, es soll eine Sondersendung beim MRF geben und eine Artikelserie im Tagespropheten, in der die Hintergründe erläutert werden."

„Ich bin ja mal auf diese Artikel im Tagespropheten gespannt", meinte James.

„Ich auch", stimmte Remus zu. „Und es ist auch höchste Zeit. Hoffentlich bringen sie vernünftige Informationen, diese Spekulationen im Tagespropheten haben auch nicht gerade dazu beigetragen, Ruhe zu bewahren."

Als sie sich auf dem Weg zu Zauberkunst machten, fragte Sirius beim Hinausgehen: „Und was schreiben sie noch so? Ich meine wegen der Sabberhexe."

„Dad meint, es wäre sehr unwahrscheinlich und ob wir uns sicher sind, dass es tatsächlich eine Sabberhexe ist. Aber wenn wir sie noch einmal sehen, dann soll ich ihm schreiben und dann schickt er einen Auroren vorbei, nur für alle Fälle."

Sirius lachte.

„Na, wenn sie tatsächlich Stammkunde im Eberkopf ist, dann werden wir sie bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen haben. Wann wollen wir eigentlich mal wieder nach Hogsmeade? Ich hätte Lust auf ein Butterbier in den Drei Besen."

James grinste.

„Und ich hätte Lust auf Zonkos." Aber dann wurde er ernst. „Erst mal müssen wir uns heute Nacht um das Flussgras kümmern. Und dann müssen wir..."

„He, Schniefelus!", sagte Sirius laut. Der Slytherin, der mit ihnen aus der Großen Halle gegangen war, zuckte zusammen und zog seinen Zauberstab, aber Sirius war schneller.

„Impedimenta!", knurrte er und beobachtete mit Genugtuung, wie der Fluch Snape von den Füßen riss und an den Boden fesselte. „Ich mag es nicht, wenn du meine Atemluft kontaminierst, Schniefelus. Furunkulus!"

„Black, du dreckiger Blutsverräter, wenn ich dich in die Finger kriege, dann werde ich..."

„Was dann, Schniefelus, willst du mich anschniefen?"

Wieder hob Sirius den Zauberstab.

„BLACK! SOFORT AUFHÖREN! HABEN SIE ETWA DEN VERSTAND VERLOREN?"

Prof. McGonagall stand vor Zorn bebend vor ihm. Sirius hatte völlig vergessen, dass sie sich noch in der Nähe des Lehrertischs befanden. Er hatte nur Schniefelus gesehen und dann...

„Finite!" Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs löste Prof. McGonagall den Lähmfluch. „Snape, fünf Punkte Abzug für Slytherin, den Ausdruck 'Blutsverräter' will ich von Ihnen nicht mehr hören. Und jetzt gehen Sie in den Krankenflügel. Und was Sie angeht, Black", wandte sie sich an Sirius, „mir ist selten eine solche Unverfrorenheit untergekommen. Zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor und Strafarbeit. Melden Sie sich heute Abend um 19 Uhr in meinem Büro."

Damit drehte sie sich um und marschierte zurück zum Lehrertisch. Sirius stand da wie vom Donner gerührt. Strafarbeit heute Abend. Dabei hatten sie diese Nacht das Flussgras sammeln wollen. Erst als Sirius James' Hand auf seinem Rücken spürte, die ihn vorwärts schob, ging er weiter. Draußen erwartete sie hinter einer Säule Schniefelus, das Gesicht voller zornroter Furunkel.

„Das wirst du bereuen, Black!", zischte er. „Und du auch, Potter!"

„Versprich nichts, was du nicht halten kannst, Schniefelus", gab James abfällig zurück. „Densaugeo!"

Snape, der nicht damit gerechnet hatte, dass James ihn verfluchen würde, hatte keine Chance, dem Fluch auszuweichen oder ihn abzublocken. Beide Hände fest auf den Mund gepresst rannte er in den Krankenflügel.

Bevor irgendwer ihn noch ansprechen konnte, marschierte Sirius los zu Zauberkunde.


Nach dem Abendessen ging Remus in den Krankenflügel, James und Peter gingen in den Gryffindor-Turm und Sirius machte sich auf den Weg zu Prof. McGonagalls Büro. Alles in allem war der Tag weiterhin ähnlich mies verlaufen wie er auch angefangen hatte. Remus hatte nur mit ihm gesprochen, wenn es nötig war. Vermutlich war er wütend, dass Sirius ausgerechnet heute Abend eine Strafarbeit bekommen hatte. Peter hatte den ganzen Tag gar nichts gesagt und war seinen Blicken ausgewichen. Pettigrew hat wohl Angst, dass ich ihn auch verhexe. Und zurecht, wenn er mich nervt. UndJames hatte die ganze Zeit nur vorsichtig mit ihm geredet, als fürchte er, er könne jeden Augenblick explodieren, was, wie Sirius zugeben musste, nicht ganz unwahrscheinlich war. Aber was genau ihn so wütend machte, das wusste er nicht.

Punkt 19 Uhr klopfte Sirius an Prof. McGonagalls Büro.

„Da sind Sie ja, Black", bemerkte die Verwandlungslehrerin kühl, als er hereinkam. „Sie können hier warten, Professor Harris wird Ihre Strafarbeit übernehmen."

Die Genannte kam wenige Minuten später und nahm Sirius mit in ihr Büro, wo er ein Aquarium für einen Kappa vorbereiten sollte.

„Bedecken Sie den Boden als erstes mit Kies und pflanzen Sie dann die Wasserpflanzen ein", erklärte Prof. Harris. „Dann geben Sie das Wasser hinein, aber nicht zu hoch. Kappas bevorzugen seichte Gewässer."

Sirius tat wie ihm geheißen, während Prof. Harris Hausaufgaben korrigierte. Schweigend arbeitete jeder für sich, bis Prof. Harris plötzlich fragte: „Mr. Black, können Sie mir sagen, warum Sie das heute Morgen getan haben?"

Sirius, der gerade mit einer besonders tückischen Schlingpflanze kämpfte, war für einen Augenblick abgelenkt. Das nutzte die Schlingpflanze nicht nur, um sich um seinen Arm zu wickeln, sondern ihn auch noch in den Finger zu beißen. Sirius fluchte laut. Prof. Harris tat, als würde sie es nicht hören.

„Nun, Black?", fragte sie, als sich die Schlingpflanze sicher unter Wasser befand. Sirius zuckte mit den Schultern. Was sollte er auch schon antworten? Er wusste es ja selber nicht. Abgesehen davon, dass es Schniefelus war natürlich. Aber das ist vermutlich nicht das, was sie hören will.

„Hat er sie vielleicht provoziert?"

Sirius wurde klar, dass Prof. Harris nicht aufhören würde zu fragen, bis sie eine befriedigende Antwort bekommen hatte.

„Hm, ja", brummte er deshalb schließlich. „Er hat mich provoziert."

„Sie dürfen sich durchaus verteidigen, Mr. Black, aber niemand gibt Ihnen das Recht einen Wehrlosen zu verhexen."

„Angriff ist die beste Verteidigung", konterte Sirius spontan.

„Da draußen vielleicht", gab Prof. Harris ihm Recht. „Obwohl ich Ihnen nicht wünschen will, es jemals nötig zu haben. Aber nicht in Hogwarts." Sie machte eine kurze Pause. „Ich weiß, dass es aufgrund Ihrer Erziehung schwierig für Sie sein muss, das zu verstehen. Vermutlich erzählen Ihre Eltern Ihnen etwas anderes und in in Ihrem Alter hinterfragt man diese Dinge noch nicht. Aber ich rate Ihnen, nutzen Sie die Chance, dass Sie in Gryffindor und nicht in Slytherin sind. Halten Sie sich an Ihre Freunde James Potter und Peter Pettigrew. Vor allem an James Potter."

Prof. Harris' Sicht der Dinge hatte so wenig mit der Wirklichkeit zu tun, dass es Sirius für einen Augenblick die Sprache verschlug.

„Ich kann mir vorstellen, dass das erst mal ein Schock für Sie ist, aber hören Sie auf meine Worte. Vielleicht sind Sie mir eines Tages dankbar dafür. Ihre Noten sind ausgezeichnet und Ihr Verhalten in meinem Unterricht lässt Potential erkennen – trotz Ihrer Neigung zur Selbstüberschätzung Respektlosigkeit", setzte sie mit einem dünnen Lächeln hinzu.

Sirius wusste nicht, ob er sich ärgern oder hysterisch lachen sollte. Welches Potential will sie denn erkennen? Sie hat Remus und mich im Unterricht nicht eine praktische Aufgabe durchführen lassen!

„Ich habe noch einen Freund", sagte er schließlich. „Er ist der fleißigste von uns und hält sich immer an die Regeln...naja, fast immer. Sie kennen ja Remus Lupin."

„Remus Lupin", sagte Prof. Harris und betonte dabei jede einzelne Silbe, „scheint in der Tat ein netter Junge zu sein. Aber es gibt Dinge, Mr. Black, die Sie über Mr. Lupin nicht wissen und die ich Ihnen weder sagen kann noch sagen werde. Halten Sie sich an James Potter und schauen Sie sich auch mal abseits Ihrer Familie um. Es könnte Ihre Zukunft zum Positiven beeinflussen."

Damit widmete sie sich wieder ihren Korrekturen. Sirius widerstand der Versuchung, das Wasser für das Aquarium einfach daneben zu kippen, und arbeitete weiter.


Um 23 Uhr ließ ihn Prof. Harris mit einem vielsagenden „Denken Sie mal darüber nach." endlich gehen. Sirius versteckte sich im nächsten Besenschrank und holte den Zweiwegespiegel hervor.

„James Potter", flüsterte er. Ein Augenblick später tauchte James' Gesicht im Spiegel auf.

„Sirius?", fragte er leise. „Bist du schon fertig?"

„Ja. Seid ihr noch draußen?"

„Ja, sind wir. Und wir brauchen noch etwa eine Stunde. Kommst du nach?"

„Bin gleich da."

Er schob den Spiegel in die Hosentasche und schlüpfte aus dem Besenschrank.

An Vollmondnächten schien immer viel los zu sein in Hogwarts. Es war nicht leicht, sich ohne Tarnumhang nach draußen zu schleichen, aber Sirius war kein ahnungsloser Erstklässler mehr. Er hatte das Schloss zusammen mit James und gelegentlich auch mit Remus und Peter auf zahllosen Streifzügen erkundet. Es gab immer noch viel zu entdecken, trotzdem konnte wohl kaum jemand behaupten, das Schloss so gut zu kennen wie die vier Unruhestifter außer Prof. Dumbledore und Filch vielleicht. Und so kam Sirius ungesehen in die Eingangshalle, bis auf eine kurze Schrecksekunde auf der Treppe zwischen dem zweiten und dem ersten Stock. Einen Augenblick lang hatte er geglaubt, etwas gehört zu haben, aber als er sich umsah, konnte er niemanden entdecken.

Draußen musste er einmal um den halben See laufen, bis er James und Peter endlich fand. Bei seinem Anblick quiekte Peter auf und verschwand unter dem Tarnumhang. Fünf Minuten später kam er beschämt zurück, den Umhang unter den Arm geklemmt.

„Er hat sich im Schloss eingebildet, dass uns jemand verfolgt", erklärte James und verdrehte dabei die Augen. „Deshalb ist er jetzt schon die ganze Zeit so schreckhaft."

„Verhält er sich nicht immer so?", gab Sirius spöttisch zurück und vergaß dabei wohlweislich, dass auch er für einen Augenblick das Gefühl gehabt hatte, beobachtet zu werden. Peter wurde rot und verschwand tiefer im Schilf, um nach Flussgras zu suchen.

Es war eine kühle, sternenklare Novembernacht. Der Vollmond schien so hell, dass sie kein zusätzliches Licht brauchten. Sirius, der als einziger nur seinen normalen Schulumhang trug, fing schnell an zu frieren. Er war froh, als James endlich verkündete, sie hätten genug Flussgras gesammelt.

Schlammverschmiert kehrten sie ins Schloss zurück. Peter spähte als erstes unter den Tarnumhang verborgen durch das Eingangsportal.

„Niemand zu sehen", flüsterte er. „Wir können rein."

Sirius und James stießen das große Tor auf, aber kam hatten sie einen Schritt in die Eingangshalle gesetzt, als plötzlich jemand schrie: „Da sind sie! Ich hab doch gesagt, dass sie noch kommen!"

Eine Laterne flammte auf und Filch kam in der Dunkelheit zum Vorschein. Er hatte einen schmächtigen Schüler am Oberarm gepackt, der mit einem gehässigen Lächeln und triumphierenden Gesichtsausdruck auf Sirius und James zeigte: Schniefelus. Aber plötzlich stutzte er.

„Da fehlt einer. Es waren drei. Pettigrew fehlt. Er muss hier irgendwo sein. Pettigrew hat sich vorhin mit Potter nach draußen geschlichen. Ich habe ihre Stimmen erkannt. Ich konnte sie nicht sehen, aber ich habe ihre Stimmen erkannt. Ich..."

„Halt den Mund, Junge", knurrte Filch. „Und ihr zwei Verbrecher, mitkommen!"

Sirius und James warfen sich einen Blick zu.

„Das würden wir ja wirklich schrecklich gerne, Mr. Filch...", sagte James mit einem breiten Lächeln.

„Aber leider haben wir noch andere Termine. Es tut uns wirklich leid", fuhr Sirius grinsend fort.

„Einen schönen Tag noch..."

„Oder besser: Eine schöne Nacht."

Dann rannten sie los. Doch sie waren kaum ein paar Schritte weit gekommen, als sie eine Stimme auf der Stelle erstarren ließ.

„Potter, Black, wie können Sie es wagen!"

Prof. McGonagall war aufgetaucht. Sirius spürte, wie ihm das Herz in die Hose sank. Als er sich langsam umdrehte und zu Filch und der Verwandlungslehrerin hinüberging, fühlten sich seine Füße bleischwer an. Schniefelus warf ihm einen hasserfüllten Blick zu.

„Ich hab dir doch gesagt, du würdest das noch bereuen, Black!", zischte er.

„Seien Sie still, Snape", fuhr ihm Prof. McGonagall scharf über den Mund. „Filch, bringen Sie Snape in die Verliese, wie Sie es schon vor zehn Minuten hätten tun sollen. Potter, Black, Sie kommen mit mir!"


„Ich kann nicht glauben, was ich hier sehe! Es ist weit nach Mitternacht! Was haben Sie um diese Uhrzeit auf den Gängen zu suchen?"

„Wir...ähm..."

„...äh...konnten nicht schlafen", beendete Sirius den Satz lahm. Prof. McGonagalls Lippen wurden noch schmaler als sie ohnehin schon waren.

„Das sehe ich. Weil Sie einen kleinen Mondscheinspaziergang unternommen haben, um Ihren Freund Lupin zu besuchen? Und vermutlich haben Sie dabei nicht bedacht, was passieren könnte, wenn Ihnen ein anderer Schüler folgt?"

Sirius und James starrten Prof. McGonagall bestürzt an. So war es zwar nicht gewesen, aber was wäre passiert, wenn Schniefelus Madam Pomfrey gesehen hätte? Oder die erstarrte Peitschende Weide? Oder wenn er aus irgendeinem Grund in die Nähe der Heulenden Hütte gekommen wäre?

„Potter, Black, ich weiß, dass Sie viel Unsinn im Kopf haben, aber ich hätte gedacht, dass Ihnen ein Freund mehr bedeutet. 50 Punkte Abzug für Gryffindor und zwar für jeden von ihnen. Sie werden beide Strafarbeiten bekommen. Und jetzt gehen Sie auf der Stelle in Ihren Schlafsaal. Wenn ich Sie heute Nacht noch einmal auf den Gängen erwische, sitzen Sie bis zum Ende des Schuljahres nach."


Oben im Schlafsaal erwartete sie schon Peter.

„Es tut mir leid!", fing er in dem Augenblick an zu jammern, in dem sie zur Tür hereinkamen. „Ich hab Filch nicht gesehen, ehrlich nicht! Es war so dunkel, er war plötzlich einfach da! Und dann wusste ich nicht, was ich machen sollte, ich hatte doch noch den Tarnumhang um und..."

„Ach wirklich, Pettigrew", gab Sirius schneidend zurück. „Darauf wäre ich wirklich nicht alleine gekommen angesichts der Tatsache, dass du unsichtbar warst. Hm, was hättest du bloß tun können? Vielleicht Filch von uns ablenken? Schniefelus in den Hintern treten? Uns warnen, dass McGonagall kommt?"

„Aber McGonagall hab ich doch auch nicht gesehen!", rief Peter verzweifelt. „Sie war plötzlich einfach da!"

„Wozu schicken wir dich überhaupt mit dem Tarnumhang vor, wenn du noch nicht mal gucken kannst, ob die Luft rein ist! Kannst du überhaupt irgendwas? Ich meine, es ist ja noch nicht mal so, dass du dafür zaubern können müsstest!"

Bei Sirius' letztem Satz wurde Peter rot und sah verlegen zur Seite. Erst letzten Dienstag hatte Prof. McGonagall ihn wegen seiner schwachen Leistung in Verwandlung scharf angefahren.

„Peter hat immerhin die ganze Zeit auf dem Weg nach draußen gesagt, dass uns jemand verfolgt", warf James ein.

„Ein Grund mehr, genau nachzugucken", gab Sirius unwirsch zurück. Im Stillen ärgerte er sich maßlos, dass er vorhin nicht besser aufgepasst hatte. Er hatte Schniefelus ja sogar bemerkt. Wenn er der Sache bloß nachgegangen wäre...

„Wenn wir ihm von Anfang geglaubt hätten, dann wären wir gleich vorsichtiger gewesen", warf James ein, „und hätten uns schon draußen unter dem Tarnumhang versteckt. Dann hätten sie uns auch nicht erwischt."

Peter nickte eifrig, aber als Sirius ihm einen düsteren Blick zuwarf, hörte er auf damit. Trotzdem musste er zugeben, dass James Recht hatte.

„Also gut, Pettigrew", sagte er deshalb barscher als beabsichtigt, „das nächste Mal nehmen wir deine Beobachtungen ernster, okay?"

James gähnte.

„Nachdem wir das geklärt haben, wollen wir vielleicht endlich schlafen gehen? Ich bin todmüde..."

Dagegen erhob niemand Einwände. Wenige Minuten später lagen die drei Gryffindors in ihren Betten. Aber Sirius konnte nicht einfach so einschlafen. Wenn du dir noch einen Fehltritt erlaubst, wird sich dein Vater um die Angelegenheit kümmern...


„Potter, Black! Was habt ihr angestellt?"

„Kann man hier jetzt nicht mal mehr in Ruhe frühstücken, Evans?", fragte James, der genauso verschlafen aussah wie Sirius sich fühlte.

„Gryffindor hat über Nacht 100 Punkte verloren, Potter!", fauchte Lily Evans. „Und ich weiß, dass du und Black dahintersteckt! Ihr habt euch rausgeschlichen und euch erwischen lassen!"

„Nun, wenn du das schon so genau weiß, Evans, dann kannst du ja aufhören, uns anzuschreien und mir lieber mal den Toast geben", mischte sich Sirius ein. Und mit seinem charmantestem Lächeln fügte er hinzu: „Sich nachts rauszuschleichen macht hungrig, weißt du..."

Einen Moment lang glaubte Sirius, sie würde ihm den Brotkorb an den Kopf werfen, aber dann erfüllte plötzlich ein Rauschen die Luft und automatisch sahen alle nach oben.

„Die Eulen kommen mit den Tagespropheten!", rief jemand. Selten war die Zeitung von allen so gespannt erwartet worden. Selbst Lily Evans vergaß ihren Zorn und beugte sich über die Seiten. Sirius, James und Peter steckten über Remus' Tagespropheten die Köpfe zusammen.

Ministerium löst Geheimnis um gestohlene Artefakte. Hintergründe und Fakten

Ende August diesen Jahres wurden drei schwarzmagische Artefakte plötzlich vermisst. Das genaue Datum des Diebstahls ist der Öffentlichkeit bis heute nicht bekannt. Die magische Gesellschaft erfuhr von diesem Vorfall erstmals am 1. September. (Wir berichteten.) Damals war allerdings nur von „wertvollen magischen Objekten" die Rede. Einige Teile der Bevölkerung waren jedoch möglicherweise schon früher über die wahre Natur dieser Objekte informiert, denn kurz darauf gingen Spenden zur Unterstützung der Ermittlungen von den alten Zaubererfamilien wie den Blacks, den Lestranges und den Malfoys ein.

Zwei Wochen später wurde Mundungus Fletcher bei dem Versuch erwischt, besagte Objekte in der Nokturngasse zu verkaufen. Bei zumindest einem Gegenstand war er erfolgreich. Eine Festnahme scheiterte jedoch. Seitdem wird Fletcher von der Magischen Strafverfolgungspatrouille und den Auroren gesucht. Hinweise aus der magischen Bevölkerung sind ausdrücklich erwünscht.

Neben diesem Einsatz war wieder ein Bild von dem dicken Zauberer mit den Tränensäcken und den strähnigen rotbraunen Haaren eingeschoben.

Als dieser Vorfall bekannt wurde, ging erstmals ein Hinweis über die Gefährlichkeit der gestohlenen Artefakte an die Bevölkerung. Über die wahre Natur sowie die Anzahl der gestohlenen Objekte schwieg das Ministerium jedoch weiterhin. (Wir berichteten.)

Die Nachricht, dass sich ein potentiell tödliches schwarzmagisches Artefakt im Umlauf befinde, verunsicherte die magische Gesellschaft zutiefst. Das Ministerium, insbesondere die Abteilung für magische Strafverfolgung, wurde förmlich mit Eulen bombardiert. Die Auroren und die Strafverfolgungspatrouille waren im Dauereinsatz, ohne dass die Ermittlungen auch nur einen Schritt weiterkamen. Das Zaubereiministerium musste viermal zusätzliche Federkiele anfordern, weil explodierende Heuler die der Angestellten zu Asche verbrannt hatten.

Heute, am 11. November, hat das Zaubereiministerium sein Schweigen endlich gebrochen. Laut offiziellen Angaben von Mr. Potter (Leiter der Aurorenzentrale) und Mr. Crouch (Leiter des Zaubergamot-Verwaltungsdienstes) sind es drei Artefakte, die unter ungeklärten Umständen aus der Mysteriumsabteilung entwendet wurden.

Der Dieb muss ein erfahrener Fluchbrecher sein", erklärt Mr. Potter, „sonst hätte er die Sicherheitsvorkehrungen nicht umgehen können."

Bei den drei Artefakten, die vermeintlich gut geschützt in der Mysteriumsabteilung lagerten, handelt es sich um den Zauberspiegel der Sabberhexe Malodora Grymm, um eine verfluchte Opalhalskette, die schon 19 Menschen das Leben gekostet hat und beinahe auch einen Ministeriumsmitarbeiter getötet hätte, und um nicht weniger als Helga Hufflepuffs Trinkpokal.

Bei der Erwähnung der Sabberhexe tauschten Sirius und James einen schnellen Blick aus. Dann lasen sie weiter.

Genau genommen sind also nur zwei der gestohlenen Artefakte schwarzmagisch", erklärt Mr. Crouch. „Helga Hufflepuffs Trinkpokal hat lediglich historischen Wert."

Lesen Sie mehr über die gestohlenen Artefakte auf den Seiten 5, 7 und 9.

Die Enthüllungen im Tagespropheten hielten Prof. McGonagall leider nicht davon ab, sie wegen ihrer Strafarbeiten in ihr Büro zu bestellen. Diesmal hatte Sirius nicht so viel Glück; Prof. McGonagall schickte ihn zu Filch, während James bei der Hauslehrerin blieb. Er hätte eigentlich zu Hagrid gehen sollen, aber dieser weigerte sich nach den qualmenden Kürbissen, einen von ihnen auch nur in die Nähe seiner Hütte zu lassen. Zwar gab es keinen Beweis, dass Sirius, James, Remus und Peter für den Halloween-Streich verantwortlich waren, trotzdem hegte niemand in Hogwarts auch nur den leisesten Zweifel daran. Zurecht, dachte Sirius mit einem Grinsen, das in eine schmerzerfüllte Grimasse überging, als er mit schweren Armen und verkrampften Fingern die 100. Medaille im Pokalzimmer polierte. Manchmal fragte er sich, wie viele Hogwarts-Schüler noch heute davon überzeugt waren, dass James und er letztes Jahr an Halloween die Wichtel freigelassen hatten.

„Hör auf zu grinsen!", raunzte ihn Filch an. „Du sollst arbeiten! Ich wünschte, sie würden die alten Strafen noch einsetzen, an den Daumen von der Decke hängen lassen würde ich dich..."

Sirius ignorierte ihn und irgendwann ließ ihn Filch vor sich hin schimpfend in Ruhe. Zum Glück, denn eine Sekunde später spürte Sirius den Zweiwegespiegel in seiner Tasche vibrieren. Als er ihn herausholte, blickte ihm James' zu Tode gelangweiltes Gesicht entgegen.

„Sie hat mich ihr Regal abstauben lassen und jetzt soll ich ihre Bücher katalogisieren", beklagte er sich. „Kann das nicht einfach Madam Pince machen lassen?"

„Frag sie doch einfach mal und biete ihr an, Madam Pince für sie aus dem Bett zu holen", schlug Sirius ihm grinsend vor.

„Ich bin nicht lebensmüde."

Sirius musste sich ein Lachen verbeißen, um Filch nicht auf ihr Gespräch aufmerksam zu machen.

„So schlimm kann es ja auch nicht sein, wenn sie dich zwischendurch quatschen lässt."

„Sie ist gerade nicht da", erklärte James. „Holt sich vielleicht neue Ingwerplätzchen. Vorhin hat sie übrigens Hausaufgaben korrigiert. Wir beide kriegen ein O."

„Aha", meinte Sirius, den seine Verwandlungshausaufgaben nicht besonders interessierten. Wenn er ehrlich war, wusste er nicht mal mehr, um was es in dem Aufsatz gegangen war.

„Jetzt schreibt sie gerade an unsere Eltern", fuhr James im Plauderton fort. „Sehr geehrter Mr. Potter, sehr geehrte Mrs. Potter", las er mit gekünstelter Stimme vor, „ich bedaure sehr, Ihnen (mal wieder) mitteilen zu müssen, dass Ihr Sohn James..."

Sirius hätte beinahe seinen Putzlappen fallen gelassen. Prof. McGonagall würde eine Eule zum Grimmauldplatz schicken. Natürlich tut sie das, du Idiot. Kein Lehrer zieht einem 100 Punkte ab und schreibt dann nicht an die Eltern. Trotzdem traf ihn die Erkenntnis wie ein Schlag. Wenn du dir noch einen Fehltritt erlaubst, wird sich dein Vater um die Angelegenheit kümmern...

„...mit freundlichen Grüßen, Minerva McGonagall", las James den Brief zu Ende. „Mal ehrlich, was glaubt sie, was sie damit erreicht? Meine Eltern müssen schon Dutzende solcher Briefe bekommen haben."

Sirius wusste genau, wie viele Briefe es gewesen waren. Orion Black hatte ihm jeden einzelnen vorgelesen, bevor er den Zauberstab gehoben hatte.

„Irgendwann muss sie doch merken, dass es nichts bringt, oder, Sirius?"

Sirius merkte erst, dass James immer noch sprach, als er seinen Namen hörte. Er versuchte, sein Gesicht zu so etwas wie einem schadenfrohen Grinsen zu bewegen, hatte aber das Gefühl, dass er kläglich scheiterte. Ironischerweise rettete ihn Filch.

„Was hat das denn zu bedeuten?", schnauzte er. „Du bist zum Arbeiten hier, nicht zum Faulenzen! Glaubst wohl, du kannst dich drücken, wenn du hier nur so rumstehst und nichts tust! Aber ich sage dir, wenn sich diese Pokale nicht bald im Mondlicht spiegeln, dann behalte ich dich bis morgen früh hier! Darauf kannst du Gift nehmen!"


Tage später dachte Sirius immer noch über die gestohlenen Artefakte nach, von denen der Tagesprophet berichtet hatte. Das lenkte ihn immerhin von dem Gedanken ab, dass jetzt, wo Halloween und das erste Quidditch-Spiel vorbei waren, sich der Dezember und damit Weihnachten näherte.

In Verteidigung gegen die dunklen Künste blätterte er abwesend in seinem Buch statt Prof. Harris zuzuhören. Auf ihrem Pult stand das Aquarium, das Sirius während seiner Strafarbeit vorbereitet hatte, mit dem Kappa darin, was bedeutete, dass es heute eine praktische Unterrichtsstunde geben würde. Oder besser gesagt, praktisch für alle anderen, dachte Sirius düster, nicht wenn man mit Nachnamen Black heißt oder ein Werwolf ist.

Während Sirius' Hände ziellos in seinem Schulbuch herumblätterten, fragte er sich, wer die Opalhalskette, den Zauberspiegel und Hufflepuffs Trinkpokal gestohlen haben konnte, wenn es nicht Fletcher gewesen war. Und wozu. War es Voldemort gewesen? Diese Opalhalskette würde ihm sicher gefallen. Aber was könnte er mit Hufflepuffs Trinkpokal wollen? Den Zauberspiegel könnte er ja Bellatrix schenken, würde mich nicht wundern, wenn sie zur Hälfte selber eine Sabberhexe wäre...

„Mr. Black, langweile ich Sie etwa?"

Sirius schreckte aus seinen Gedanken auf. Vor ihm stand Prof. Harris und sah ihn missbilligend an. Sirius schenkte ihr ein charmantes Lächeln.

„Kommt ganz darauf an, was Sie gerade erzählt haben, Professor..."

Prof. Harris trat vor und nahm sein Buch vom Tisch. Offensichtlich glaube sie, er habe darin gelesen statt ihr zuzuhören.

„Nur, Mr. Black, da Sie Sabberhexen interessanter zu finden scheinen als meinen Unterricht, haben Sie sicher nichts dagegen, bis zur morgen einen ausführlich Aufsatz über das Thema zu schreiben."

Sie legte das Buch wieder hin und Sirius starrte auf das Bild eines kahlen, geifernden alten Weibes mit blutverschmiertem Mund.

„Und da sie offensichtlich schon so viel weiter mit dem Stoff sind, Mr. Black", fuhr Prof. Harris fort, „können Sie mir sicher sagen, wie man einen Kappa bezwingt."

Sirius konnte es. Aber natürlich war es James und nicht Sirius, der den Kappa am Ende mit dem Zauberstab in der Hand tatsächlich erledigte.


Nach Verteidigung gegen die dunklen Künste hatten sie glücklicherweise frei. Sirius holte noch schnell das Flussgras aus dem Gryffindor-Turm, dann verschwanden sie hinter dem Spiegel im vierten Stock auf dem Weg nach Hogsmeade.

Der fertige Vielsaft-Trank köchelte geräuschvoll vor sich hin und sah aus wie träge blubbernder Schlamm. („Uuuäähh", kommentierte James und brachte es damit ziemlich genau auf den Punkt.) Remus füllte jedem eine Flasche ab, dann war der Kessel leer.

„Okay", sagte er, „und was jetzt tun wir jetzt damit?"

„McGonagall", schlug Sirius vor. „Einer von uns verwandelt sich in sie und gibt uns 'ne Woche frei und 100 Punkte für Gryffindor.."

„Warum nicht gleich Dumbledore?", gab Remus sarkastisch zurück. James entging der ironische Unterton völlig.

„Hey, super Idee, Remus! Dann könnten wir den Unterricht für das nächste halbe Jahr abblasen – außer für die Slytherins natürlich –, es würde jeden Tag ein Festessen geben..."

„James...", versuchte Remus, ihn zu unterbrechen.

„...schulfrei an wichtigen Quidditch-Spielen, wir könnten Prof. Binns entlassen..."

„Und Filch rausschmeißen und Schniefelus zwingen, sich die Haare zu waschen...", spann Sirius den Faden weiter.

„Sirius..."

„Genau und das Slytherin-Team muss seine Rennbesen gegen Shooting Stars eintauschen und..."

„JAMES, SIRIUS!"

„Ist ja gut, Remus, wir hören dich", sagte Sirius.

„Du musst nicht gleich schreien", setzte James hinzu. Remus verdrehte die Augen.

„Wir nehmen nicht Dumbledore. Schlagt euch das aus dem Kopf. Und auch keinen anderen Lehrer."

„Warum nicht?", verlangte Sirius zu wissen. „Wenn wir uns in Lehrer verwandeln, können wir viel mehr Chaos stiften."

„Weil wir dann dafür sorgen müssen, dass sie uns nicht in die Quere kommen, während wir in ihrer Gestalt rumlaufen. Willst du etwa Prof. McGonagall außer Gefecht setzen?"

„Naja, vielleicht nicht gerade McGonagall", musste Sirius zugeben, „aber Flitwick..."

Remus warf ihm einen mitleidigen Blick zu.

„Glaub mir, Sirius, du hättest keine Chance gegen Prof. Flitwick. Sonst irgendwelche Ideen?"

„Wir könnten uns in Schniefelus verwandeln", schlug Peter vor, „und dann..."

„Iiiiiih, du willst dich freiwillig in diesen ekligen Schleimbeutel verwandeln?", rief James. Sirius würgte.

„Allein der Gedanke daran..."

„Dann ist es ja gut, dass ich eine Idee habe", unterbrach Remus die Diskussion. Augenblicklich hatte er ihre volle Aufmerksamkeit. Es kam nicht so oft vor, dass Remus etwas vorschlug, aber wenn er es tat, lohnte es sich meistens, ihm zuzuhören. Wie zum Beispiel bei der Sache mit dem Vielsafttrank.

„Was haltet ihr davon, wenn wir endlich mal rauskriegen, wo die Gemeinschaftsräume der anderen Häuser liegen?"

Seine Worte hatten nicht ganz den gewünschten Effekt.

„Äh...Remus", meinte James schließlich, „das ist zwar eine gute Idee, aber wozu brauchen wir dafür den Vielsafttrank? Ich meine, wir haben den Tarnumhang, wir können jederzeit ein paar Leuten aus anderen Häusern hinterherschleichen."

„Der Tarnumhang macht nur unsichtbar, nicht körperlos", widersprach Remus. „Wir könnten erwischt werden. Und wie viel wäre der Tarnumhang noch wert, wenn alle von ihm wüssten?"

Sirius zuckte mit den Schultern.

„Dann zwingen wir eben einfach einen Erstklässler, uns den Eingang zu zeigen und die Passwörter zu verraten", schlug er vor. Remus warf ihm einen strengen Blick zu.

„Mal ganz abgesehen davon, dass man so etwas nicht tut, würde es auch nicht funktionieren", erklärte er. Auf ihre fragenden Blicke hin fuhr er fort: „Es würde euch echt nicht schaden, wenn ihr mal einen Blick in die Geschichte Hogwarts werft. Man kann einem Schüler aus einem anderen Haus nicht einfach das Passwort zu seinem Gemeinschaftsraum verraten. Glaubt ihr etwa ernsthaft, die vier Gründer von Hogwarts wären so unvorsichtig gewesen?"

Sirius und James zogen es vor, darauf nicht zu antworten.

„Außerdem können wir mit dem Vielsafttrank nicht nur rausbekommen, wo die anderen Gemeinschaftsräume sind und wie Passwörter lauten. Wie könnten uns auch ansehen, wie sie leben und ob alle die gleichen Schlafsäle haben und so. Ich frage mich, ob Ravenclaw seine eigene Bibliothek hat..."

„Wir könnten das Ravenclaw-Team ausspionieren!", warf James begeistert ein. „Dann können wir beim nächsten Spiel die Punkte holen, die wir gegen Hufflepuff verloren haben!"

Remus verdrehte die Augen.

„Ich werde ganz sicher nicht meine Zeit im Ravenclaw-Turm damit verschwenden, das Quidditch-Team auszuspionieren."

„Musst du auch nicht, das übernehme ich schon selbst."

„Du?" Remus warf James einen ungläubigen Blick. „Du willst doch nicht etwa die Ravenclaws ausspionieren!"

James zuckte mit den Schultern.

„Warum nicht?"

„Weil...ich wollte in den Ravenclaw-Turm!"

„Geh doch zu den Hufflepuffs, gegen die haben wir schon gespielt. Das Team interessiert mich nicht."

„Aber...es geht hier doch nicht nur um Quidditch, James!"

„Um was denn sonst noch?"

„Um..." Remus unterbrach sich und holte tief Luft. „Klären wir das später. Wer geht eigentlich zu den Slytherins?"

„Ich nicht!", erklärte Sirius wie aus der Pistole geschossen. Es war schwer genug, Regulus jeden Tag am Slytherin-Tisch zu sehen. Er wollte gar nicht darüber nachdenken, wie es wäre, ihn im Gemeinschaftsraum zu beobachten.

„Ich...", setzte Peter an, wurde jedoch von James unterbrochen.

„Zu den Slytherins geh ich aber auch nicht! Außer wir lassen ein paar Stinkbomben bei ihnen hochgehen."

Erwartungsvoll drehte er sich zu Sirius um.

„Ähm..."

„Niemand muss zu den Slytherins", versuchte es Peter noch einmal. James warf ihm einen scharfen Blick zu.

„Natürlich muss jemand zu den Slytherins! Gerade zu denen! Wir könnten ihnen viel bessere Streiche spielen, wenn wir wüssten, wo ihr Gemeinschaftsraum liegt. Und wisst ihr noch letztes Jahr, als jemand die Slytherins vor dem Troll gewarnt hat? Wenn wir gewusst hätten, wo ihr Gemeinschaftsraum liegt, hätten wir das viel eher rausbekommen!"

„Aber ich weiß doch, wo der Gemeinschaftsraum der Slytherins liegt!", platzte Peter heraus.

„Du?", fragte James ungläubig. „Woher willst du das denn wissen?"

„Falls du meinst, dass der Slytherin-Gemeinschaftsraum in den Kerkern liegt, das wissen wir auch", konnte Sirius es sich nicht verkneifen.

„Ja, ja, in den Kerkern", nickte Peter eifrig, der die Ironie nicht mitbekommen hatte. „Dort hinter einer Steintür, die in einer Wand verborgen ist. Das Passwort ist Schlangenzunge."

„Moment!", fuhr James dazwischen. „Wie kommt es, dass Peter uns das Passwort der Slytherins sagen kann? Hast du nicht eben gesagt, die Passwörter könnten nicht weitergegeben werden, Remus?"

„Wenn es überhaupt das richtige Passwort ist", fügte Sirius spöttisch hinzu. Denn wie sollte jemand wie Pettigrew an das Slytherin-Passwort gekommen sein?

„Wahrscheinlich kommt es darauf an, dass man einem Schüler aus einem anderen Haus nicht absichtlich sein Passwort verraten kann", vermutete Remus. „Wenn man es nur zufällig hört, funktioniert der Zauber anscheinend nicht."

„An dem Abend, als wir das Flussgras gepflückt haben, bin ich Schniefelus gefolgt, als Filch ihn in die Verliese bringen sollte", erklärte Peter. „Ich...ich wollte wenigstens etwas richtig machen", sagte er leise und wurde rot, „nachdem McGonagall euch wegen mir erwischt hat..."

Er verstummte. Die anderen drei starrten ihn fassungslos an.

„Es tut mir leid, okay? Ich weiß, ich hätte euch warnen sollen, ich hätt's auch gemacht, wenn ich sie gesehen hätte..."

„Peter, du bist brillant!", rief James und schlug ihm freundschaftlich auf den Rücken. „Einfach genial!"

„Warum hast du das nicht gleich gesagt?", wollte Sirius wissen. Er wäre niemals so wütend auf Peter gewesen, wenn er gewusst hätte, dass dieser die Situation geistesgegenwärtig ausgenutzt und den Eingang zum Slytherin-Gemeinschaftsraum herausgefunden hatte.

„Ich...ich wollte ja, aber ihr ward so wütend und...und..."

„Es tut uns leid, Peter, okay?", sagte James. „Wir hätten dich nicht gleich so anschreien, sondern dir erst mal zuhören sollen. Von Anfang an. Das nächste Mal lassen wir dich ausreden, okay?"

Peter nickte glücklich.

„Schade, dass wir jetzt trotzdem nicht wissen, wie der Slytherin-Gemeinschaftsraum aussieht", sagte Remus bedauernd.

„Steinwände, protzige Kamine, Lehnstühle, grüne Lampen", antwortete Sirius knapp. „Reicht das?"

Alle Blicke wanderten von Peter zu ihm.

„Woher weißt du das?", wollte James verwundert wissen.

„Die anderen haben es mir erzählt, als alle noch dachten, dass ich auch nach Slytherin komme."

Als ich für Regulus noch ein großer Bruder war und Mutter mich noch ansehen konnte, ohne das Gesicht zu verziehen.

Einen Augenblick lang schwiegen alle.

„Weißt du auch, wie der Ravenclaw-Gemeinschaftsraum aussieht?", wollte James dann neugierig wissen. Sirius schüttelte den Kopf.

„Andromeda hat nur selten über Ravenclaw gesprochen. Es war nicht erwünscht."

„Oh."

Wieder herrschte einen Augenblick lang Schweigen.

„Nun, dann müssen wir das eben rauskriegen", fasste Remus schließlich die Situation zusammen und unterbrach die unangenehme Stille. „Ich schlage vor, wir losen, wer wohin geht."

Doch Sirius war plötzlich etwas ganz anderes eingefallen.

„Mein Sabberhexen-Aufsatz!", stöhnte er. „Ich muss noch in die Bibliothek. Wir sehen uns später, ja? Macht das ohne mich aus."

Ohne auf die verblüfften Blicke der anderen zu achten, sprang er auf und machte sich auf den Weg. Lieber schrieb er freiwillig diesen blöden Aufsatz, als dass er riskierte, sich in Prof. Harris' Büro noch mal eine Moralpredigt von ihr anhören zu müssen.

In der Bibliothek angekommen suchte er sich einen ruhigen Platz in der Ecke für Verteidigung gegen die dunklen Künste und begann zu lesen.

Die Sabberhexe (Maga saliva) ist vom Zaubereiministerium als Zauberwesen eingestuft worden. Diese Entscheidung ist durchaus nicht unumstritten. Neben anderen Zauberwesen wie beispielsweise den Zentauren sprechen sich auch viele Hexen und Zauberer gegen diese Einstufung aus, da man Wesen, die ihren Appetit auf Menschenfleisch nicht kontrollieren könnten, keine politischen Mitspracherechte zugestehen könne.

Sabberhexen kommen zwar ubiquitär auf der ganzen Welt vor, tatsächlich gibt es jedoch nur sehr wenige von ihnen, sodass die Wahrscheinlichkeit, von einer Sabberhexe verschlungen zu werden, sehr gering ist. In der Öffentlichkeit tragen sie gewöhnlich einen Kopfschutz, da ihre Hässlichkeit sonst nur schwer zu ertragen ist. Insbesondere die übermäßige Produktion von Speichel, die zu einem ständigen, nur schwer zu ignorierenden Speichelfluss führt und diesen Wesen ihren Namen gab, wirkt auf die Umwelt verstörend.

Aufgrund ihres schlechten Rufes und ihrer eher unangenehmen Erscheinung meiden Sabberhexen die Öffentlichkeit. Sind sie doch einmal gezwungen, einen von der magischen Gesellschaft bewohnten Ort aufzusuchen, so versuchen sie, möglichst wenig aufzufallen. Trotzdem gibt es mehrere charakteristische Kennzeichen, die dem geübten Betrachter nicht entgehen. Die Hände von Sabberhexen sind in der Regel mehr oder weniger stark deformiert und zu Krallen gebogen. Anstelle von Menschenfleisch essen sie in der Öffentlichkeit meist rohes Tierfleisch, insbesondere rohe Leber. Kommt man ihnen nahe genug (was man aus Sicherheitsgründen vermeiden sollte), kann man je nach Lebensraum der Sabberhexe einen moschusartigen Moor- oder einen harzigen Waldgeruch wahrnehmen. Die meisten von ihnen sind haarlos, nur ein paar von ihnen weisen wenige grauschwarze, dünne Strähnen auf.

Sirius starrte die letzten Zeilen an. Die Sabberhexe in Hogsmeade roch nicht nach Wald oder Moor, sondern nach Alkohol und Tabak. Und sie hatte rotbraune Haare. Atemlos zog Sirius den Zweiwegespiegel aus der Hosentasche.

„James Potter", flüsterte er. Augenblicke später erschien James' Gesicht.

„Na, Sirius, schon keine Lust mehr auf den Aufsatz?", fragte er lachend. „Willst du wissen, wie das Losen ausgegangen ist?"

Sirius schüttelte den Kopf.

„James, ich glaube, ich habe Mundungus Fletcher gefunden."