„Hast du die Unterlagen für Arithmathik gesehen? Voll kompliziert..."

„Schon, aber auch äußerst nützlich!"

„Naja, wenn man überhaupt erst kapiert, wofür man es braucht..."

Sie saßen am See, während der Riesenkrake sich neben ihnen seine Tentakeln sonnte. Eigentlich wartete ein Berg Hausaufgaben auf sie. Die Prüfungen waren zwar erst in drei Wochen, aber die Lehrer hatten nichts anders mehr im Kopf. Trotzdem hatten sie sich eine Auszeit genommen und selbst Hermine war einmal in ihrem Leben zu abgelenkt um zu lernen.

Es war Freitag und gestern morgen, als sie in den Gemeinschaftsraum gekommen waren, lagen überall Infobroschüren über verschiedene Zaubererberufe und die benötigten ZAGs und UTZe. Es war an der Zeit, dass sie sich für ihre Wahlfächer entschieden, die sie ab der dritten Klasse bekamen. Seitdem gab es für die Zweitklässler nur noch ein Thema.

Viele hatten Eulen an ihre Familien geschrieben und um Rat gefragt. Selbst Hermine hatte sich Hedwig ausgeliehen um mit ihren Muggeleltern darüber zu sprechen. Harry fand das alles äußerst frustrierend. Die Broschüren halfen ihm nicht wirklich weiter und bis auf Percy, der ihm einen endlosen Vortrag über Runen gehalten hatte, konnte er Niemanden fragen, was das Richtige für ihn war. Die Älteren aus der LG hatten meistens nur von dem einen oder anderen Fach abgeraten mit der Begründung, dass es zu viel Arbeit war.

„Ich weiß nicht, warum ihr euch so viele Gedanken macht", gähnte Ron und ließ sich rücklings ins Gras fallen. Hermine sah von ihrem Stapel Papier auf und warf ihm einen Blick zu, der Professor McGonagall alle Ehre gemacht hätte.

„Mit geschlossenen Augen zwei Felder an zu tippen ist wohl kaum die richtige Art und Weise seine Zukunft festzulegen", meckerte sie, aber Ron gähnte nur wieder und verdrehte die Augen. Harry grinste. Er hatte diese Methode ebenfalls ausprobiert und war genauso wie Ron bei Pflege magischer Geschöpfe und Wahrsagen gelandet. Er hatte beschlossen, es als Notreserve zu nehmen, falls ihm sonst nichts einfallen würde. Immerhin war er dann nicht allein in den Fächern.

„Was ist mit dir Neville?", fragte Hermine. Neville seufzte und schmiss die Broschüre über Bänker beiseite.

„Oma sagte ich soll ja kein Wahrsagen nehmen...das wäre eh alles nur Quatsch. Deshalb bin ich kurz davor es zu nehmen", er feixte und brachte Ron und Harry damit zum Lachen. Es war erstaunlich wie sehr der Braunhaarige sich in den letzten Tagen verändert hatte. Das Stottern war fast vollkommen verschwunden und tauchte nur noch manchmal in der Gegenwart von Snape oder Dumbledore auf. Wenn sie unter sich waren, oder in der LG kamen schon fast rebellische Züge bei ihm hervor.

„Du willst ein Fach nehmen nur um deine Großmutter zu ärgern?", fragte Hermine mit einer missbilligenden Stimme, die sonst nur für Ron aufgehoben war.

„Warum nicht? Wäre doch lustig...", zuckte Neville mit den Schulter. Hermine warf Harry einen ärgerlichen Blick zu.

„Du hast ein Monster erschaffen!"

Das brachte die drei Jungen wieder zum Lachen. Ein bisschen tat Hermine ihnen leid. Jetzt wo sie das einzige Mädchen unter drei, anstatt zwei, Jungen war, hatte sie alle Hände voll zu tun. Harry rappelte sich hoch und klopfte sich das Gras von der Hose.

„Ich muss langsam los. Bis später dann!"

„Ich komm mit", sagte Hermine und zusammen gingen sie zum Schlossportal. Hermine wollte irgendetwas von ihm, dass war offensichtlich, denn sie öffnete den Mund mehrfach, nur um ihn dann wieder zu schließen. Etwas genervt blieb Harry vor dem Portal stehen und drehte sich zu ihr um.

„Was ist los, Hermine?"

Sie sah ihn etwas besorgt an, dann begann sie nervös an ihrem Umhang zu fummeln. Das wiederum machte Harry nervös, denn sonst war Hermine immer sicher in dem was sie tat.

„Ich muss dir etwas beichten, Harry...", begann sie zögernd. Er hob eine Augenbraue und sie holte tief Luft.

„Du hast gesagt, du wärst alleine bei deinem Nachsitzen...aber du hast dich die letzten Tage so seltsam verhalten...den Anderen ist es auch aufgefallen und wir dachten... naja du hast dich über die letzten Wochen verändert, warst ruhiger und...fröhlicher, aber am Montag kamst du dann total frustriert wieder, nur um am Dienstag wieder gute Laune zu haben. Wir haben uns Sorgen gemacht und dachten irgendetwas würde da unten passieren...also...also sind wir dir gestern gefolgt."

Er sah sie verblüfft an und sie wurde rot.

„Ihr seit mir gefolgt?", fragte er ungläubig, nicht sicher ob er sauer oder verlegen sein sollte. Er hatte seinen Freunden nie erzählt, dass Dumbledore bei seinem Nachsitzen dabei war, oder was sonst passiert war.

„Bitte sei nicht sauer, Harry", flehte Hermine und sah noch besorgter aus „wir haben deinen Tarnumhang genommen und sind dir nachgelaufen. Wir dachten wirklich irgendetwas sei nicht in Ordnung."

„Ihr habt meinen Tarnumhang genommen?", wiederholte er wieder tonlos. Als er Hermines Blick bemerkte, lächelte er.

„Ich bin nicht sauer Hermine...nicht wirklich. Nur überrascht. Aber schließlich habe ich euch auch nie erzählt, dass...", er stockte und jetzt war es an Hermine zu lächeln, aber er konnte die Erleichterung in ihrem Gesicht sehen.

„Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass ich mich für dich freue."

„Weshalb? Weil ich jeden Tag grünen Schleim putzen darf?", fragte er und zog jetzt die andere Braue auch noch hoch. Hermine schlug ihm spielerisch auf den Oberarm.

„Blödmann", lachte sie, dann wurde sie wieder ernst. „Du magst ihn nicht wahr?"

Er stockte und dachte darüber nach.

„Ja", sagte er selbst überrascht. „Ich mag ihn, aber es ist..."

„Schwierig?", beendete Hermine seinen Satz „Das glaube ich dir. Ich kenne dich jetzt seit zwei Jahren und weiß, wie sehr du Erwachsenen misstraust. Du hast mir nie erzählt warum das so ist, aber...ich habe euch gestern nur fünf Minuten reden hören, aber eines kann ich dir sagen: Du bist für ihn mehr als nur ein Schüler. Wie er dich mit dir geredet und dich angeguckt hat... Ich glaube, nein ich weiß er will dir helfen, also versuche zumindest ihm zu vertrauen, in Ordnung?"

Sie sah ihn noch mal liebevoll an und ging dann hinein. Er blieb noch kurz draußen stehen, bevor er ihr folgte. Auf dem Weg hinab in die Kerker dachte er daran, wie viel Glück er doch hatte, solche Freunde zu haben.

„Guten Abend, mein Junge", grüßte Dumbledore, als er durch die Tür schlüpfte. Harry wusste, dass er eigentlich zehn Minuten zu spät war, aber der Schulleiter verlor kein Wort darüber.

„N´Abend, Professor"

Kurios sah er sich in dem Raum um. Die Wände und der Boden waren wieder so wie sie zuvor gewesen waren, es gab nur noch fünf Tische und drei Stühle die er putzen musste. Wie lange würde das dauern? Zwei Abende, vielleicht drei, wenn er langsam machte.

Hör dir nur selber zu, Potter! Seufzte er als er sich die Bürste schnappte. Vor zwei Wochen konntest du es nicht erwarten hier heraus zu kommen und jetzt denkst du darüber nach, es extra zu verlängern...

Fast eine Stunde herrschte Schweigen zwischen ihnen. Es war nicht unangenehm, vielmehr genossen sie die Stille und ihre eigenen Aktivitäten. Harry dachte darüber nach, was Hermine ihm gesagt hatte. Er solle versuchen Dumbledore zu vertrauen. Es fiel ihm immer noch schwer sich an den Gedanken zu gewöhnen, mit Jemanden über seine Gefühle zu reden, aber mittlerweile hatte er verstanden, dass wenn es Jemanden dafür gab, es Dumbledore war.

„Sir?", fragte er schließlich bevor er den Mut verlor. Dumbledore sah fragend auf.

„Darf ich Sie...etwas fragen?"

„Natürlich, mein Junge."

„Nun, wir sollen übers Wochenende entscheiden, welche Fächer wir nächstes Jahr nehmen. Und um ehrlich zu sein, habe ich überhaupt keine Idee...könnten Sie mir vielleicht...ein paar Tipps geben?"

Die Frage war so einfach und trotzdem fiel sie ihm so unendlich schwer. Für jeden Anderen wäre es selbstverständlich gewesen einen Erwachsenen um Rat zu fragen, aber er hatte sehr früh gelernt, eigene Entscheidungen zu treffen. Halb erwartete er, dass Dumbledore ihm sagte, dass wäre nicht sein Problem. Stattdessen legte der seinen Stift auf den Tisch und sah ihn mit einem irrsinnigen Funkeln in den Augen an. Fast so, als hätte Harry ihm ein kostbares Geschenk gemacht.

„Natürlich, mein Junge. Kannst du denn schon irgendetwas ausschließen?"

Erleichtert lächelte Harry und lehnte sich gegen einen Tisch.

„Naja, Wahrsagen kommt mir etwas...unnütz vor. Aber Ron und Neville wollen es nehmen, also..."

Dumbledore seufzte und lehnte sich etwas nach Vorne.

„Harry, ich verstehe das der Unterricht zusammen mit Freunden sicherlich mehr Spaß macht, aber solch eine Entscheidung wegen Anderen zu treffen ist bestimmt nicht der richtige Weg. Es geht hier um deine Zukunft, nicht um die von Mr Weasley oder Mr Longbottom."

„Ja, ich weiß", stimmte Harry etwas kleinlaut zu „aber genau das ist das Problem. Ich habe keine Ahnung, was ich mal machen will. Wie soll ich das dann jetzt entscheiden?"

„Wenn du wirklich gar keine Vorstellung hast, dann musst du darüber nachdenken, wo deine Stärken liegen."

„Stärken?", wiederholte Harry trocken.

„ja, Stärken", sagte Dumbledore amüsiert. „In was bist du richtig gut?"

„Quidditch", brach es aus Harry heraus, bevor er darüber nachdenken konnte.

„Das stimmt. Irgendwelche Ambitionen das mal professionell zu machen?"

Die Frage überraschte ihn. Er hatte erwartet, dass Dumbledore ihn eine Karriere als Quidditchspieler ausreden wollte, aber nicht, dass der Schulleiter ihn völlig ernst ansah und diese Möglichkeit durchaus in Betracht zog.

„Nein. Ich liebe es zu fliegen, aber nur noch Quidditch spielen? Eher nicht."

„Was sonst noch?"

Jetzt gingen ihm ein wenig die Ideen aus. Worin war er gut? Kriminelle Lehrer aus dem Weg zu räumen? Einen Troll zu besiegen? Damit konnte er wohl kaum Geld verdienen.

„Ich weiß es nicht, Sir"

„Hmm", brummte Dumbledore und musterte ihn kurz. „Jeder Mensch trägt viele Talente in sich. Es hat mich immer erstaunt, dass wenn wir danach gefragt werden, Niemand das wirklich beantworten kann, aber Außenstehende dafür umso klarer sehen."

Harry nickte zustimmend, auch wenn er den Schulleiter nicht wirklich verstand. Manchmal drückte der sich auf eine Art und Weise aus, dass Harry es schwer fiel zu zu hören.

„Wenn du das möchtest, könnte ich dir drei Berufe nennen, die meiner Meinung nach gut zu dir passen würden."

„Tatsächlich?", fragte Harry überrascht, aber auch verdammt neugierig.

„Ja. Auror, Minister, Lehrer."

Die Kinnlade fiel ihm herunter. Nie hätte Harry mit so einer Auswahl gerechnet. Dumbledore gluckste bei seinem sprachlosen Anblick.

„Lehrer?", fragte Harry rau. Dumbledore zog eine Augenbraue hoch.

„Ich sage dir das du ein Auror oder Minister werden kannst und du wunderst dich ausgerechnet darüber? Immerhin hast du in diesem Bereich schon Erfahrung."

Er wusste es! Harry sah es in seinen Augen. Er wusste über die LG Bescheid. Aber Dumbledore sah weder missbilligend noch wütend aus.

„Sie wissen es?"

„Ich weiß das du eine Art Gruppe für Gryffindors gegründet hast und sie in Verteidigung unterrichtest. Was genau dort von statten geht allerdings nicht. Der Raum der Wünsche ist zu gut gesichert, als das ich einfach dort hereinspazieren könnte."

Harry schluckte.

„Und was werden Sie jetzt unternehmen?"

„Unternehmen?", fragte Dumbledore überrascht „Nichts. So weit ich weiß habt ihr eine Lerngruppe gegründet. Daran ist nichts auszusetzen."

Die blauen Augen funkelten und Harrys Herz beruhigte sich langsam wieder. Dumbledore verstand es und würde nichts gegen sie unternehmen. Das war mehr als er je zu hoffen gewagt hatte.

„Natürlich", fuhr der Schulleiter fort und klang jetzt etwas eindringlicher „muss dieses ganze Unternehmen in einem gewissen Rahmen bleiben. Bisher sehe ich jedoch nur, dass das Haus Gryffindor in Verteidigung Höchstleistungen bringt und der Gruppenzusammenhalt sich stark verbessert hat. Wenn ich jedoch von illegalen Aktionen gegen andere Häuser hören sollte, muss ich natürlich eingreifen. Allerdings können sich die Verantwortlichen selbstverständlich bei Problemen immer an mich wenden."

Harry wusste nicht was er sagen sollte und sah Dumbledore nur dankbar an. Der Mann war wirklich unglaublich. Natürlich verstand er die Warnung, aber auch, dass er hinter ihnen stand. Damit hatte er nicht gerechnet.

„Danke, Sir", sagte er ehrlich. „Aber Lehrer? Ich weiß nicht..."

„Das musst du auch nicht. Ich kann dir nur sagen, dass du das ausgeprägte Gefühl hast Anderen zu helfen, etwas das du in allen drei Berufen brauchst. Dazu bist du klug und Verantwortungsbewusst. Aber das wichtigste ist, dass du die Gabe hast, dass Andere dir folgen und du sie inspirieren kannst. Wie bei deinem Freund Neville."

Harrys Wangen brannten bei diesem ganzen Lob, aber er sah in Dumbledores Augen, dass der Schulleiter es ernst meinte. Und er sah ihn so liebevoll und stolz an, dass er sich fast unwohl fühlte. Obgleich in seiner Brust ein warmes Gefühl entstand. Dumbledore musste bemerkt haben, dass ihm das Thema unangenehm war und rückte seine Brille etwas zurecht.

„Um auf das eigentliche Thema zurück zu kommen. Ich glaube auch nicht, dass Wahrsagen etwas für dich ist. Es ist zwar nicht vollkommen nutzlos, wie du es ausgedrückt hast, aber nur sehr wenige haben tatsächlich eine Gabe in diesem Bereich. Da du bei Muggeln aufgewachsen bist, würde ich auch von Muggelkunde abraten. Bleiben noch Pflege magischer Geschöpfe, alte Runen und Arithmantik. Wenn ich dir einen Rat geben darf, nehme die ersten Beiden. Du bist gerne draußen und ich glaube du hast ein Händchen für Tiere. Arithmantik ist ein faszinierender Bereich, aber er ist mit sehr viel Kleinarbeit und Geduld verbunden. Zwei Dinge, die ich nicht zu deinen Stärken zählen würde."

Harry grinste und konnte innerlich nur zustimmen.

„Alte Runen dagegen kann einem Zauberer später in vielen Bereichen helfen. Mit ihnen kann man neue Zauber erfinden, versteckte Magie orten, magische Gegenstände herstellen und bekommt mit der Zeit ein besseres Gespür für die Magie um einen herum."

Das hatte er gar nicht gewusst. Von den Broschüren her, war ihm alte Runen ungefähr so spannend vorgekommen wie die ätzenden Latein Stunden, die er in der Grundschule ab und zu gehabt hatte. Aber das klang wirklich spannend. Er dachte eine Weile darüber nach. Dumbledore hatte recht. Pflege magischer Geschöpfe war sowieso seine erste Wahl gewesen.

„Ich denke darüber nach", sagte er schließlich und Dumbledore nickte ernst. Sie kehrten wieder zu ihren eigentlichen Aufgaben zurück. Immer wieder blinzelte Harry zu dem alten Mann hinüber. Er hatte Hermine die Wahrheit gesagt, dass er ihn mochte. Aber viel mehr als das, war dieses Gespräch mehr als nur eine ihrer mittlerweile üblichen Debatten um ein Thema gewesen. Dumbledore hatte ihm wirklich geholfen seine eigenen Gedanken zu ordnen. Natürlich hatte ihn das beeinflusst, aber trotzdem hatte er ihm die Wahl gelassen. War es so wenn man Eltern hatte...einen Vater?

Der Gedanke war nach all den Abenden und was sie in den letzten Wochen zusammen durch gemacht hatten, nicht mehr halb so erschreckend, wie er gedacht hatte. Noch nie in seinem Leben hatte er sich einem Erwachsenen so nahe gefühlt.

Als die Uhr neun schlug, war er nicht sehr viel weiter gekommen, obwohl er nicht absichtlich langsam gewesen war. Er räumte die Putzsachen zur Seite und sah dann zu Dumbledore, der ebenfalls seine Papiere in eine Tasche steckte. Vorsichtig trat er etwas näher.

„Sir? Danke...für alles!", sagte er und bevor ihm der Mut verließ, schlang er seine Arme um Dumbledores Bauch und drückte einmal zu. Der Schulleiter hatte keine Chance irgendetwas zu erwidern, denn da hatte Harry sich schon wieder gelöst und war aus dem Raum gestürmt.

Dumbledore stand eine ganze Weile reglos da und sah zu der Tür, wo Harry verschwunden war, ein breites Lächeln auf dem Gesicht.

Sie hatten eigentlich Zeit bis Montag, doch am Freitag Vormittag in Verwandlung gaben die meisten Zweitklässler ihre Fächerwahl schon ab.

„Alte Runen, Mr Potter? Ich bin überrascht", sagte McGonagall, schenke ihm aber ein so seltenes Lächeln, bevor sie weiter ging.

„Ich auch", murrte Ron. Fred und George hatten ihm gesagt, dass Wahrsagen zwar sterbenslangweilig, aber einfach war, deshalb hatte er seine Meinung nicht geändert. Neville war seinem Plan gefolgt und deswegen würden er zumindest nicht alleine sein. Hermine nahm alte Runen und Arithmantik. Pflege magischer Geschöpfe würden Harry, Ron und Neville zusammen besuchen.

„Ach komm schon, Ron", versuchte Harry seinen besten Freund aufzumuntern. „Ich hab einfach keine Lust auf Wahrsagen."

„Ich finde es klasse, Harry", schaltete sich Hermine ein und sah ihn ein wenig zu wissend an für seinen Geschmack.

„Ist ja auch egal", sagte Ron, als es endlich läutete und sie zum Mittagessen gingen. Dann hellte sich seine Miene auf. „Wie sieht es eigentlich mit den Ferien aus? Mum und Dad haben mir geschrieben und euch alle zu uns eingeladen."

Harrys Stimmung fiel ein bisschen. Es wäre toll ein paar Tage bei den Weasley zu sein, aber er bezweifelte, dass die Dursleys das erlauben würden.

„Oma hat bestimmt nichts dagegen", sagte Neville sofort Feuer und Flamme. Er brannte förmlich darauf in den Ferien etwas mit ihnen zu unternehmen, jetzt da er endlich Freunde hatte.

„Wir sind die ersten drei Wochen in Frankreich, aber danach gerne", meinte Hermine und sie setzen sich an den Gryffindortisch.

„Cool!", strahlte Ron. „Das wird richtig gut. Wir haben sogar einen kleinen See in der Nähe, da können wir schwimmen gehen. Du bist doch auch dabei, Harry?"

Der schaufelte sich gerade Kartoffeln auf den Teller.

„Ich kann nicht Leute. Meine Ferien sind voll verplant."

Ja, mit putzen, Gartenarbeit und Vernon aus dem Weg gehen...

„Ach komm schon. Ohne dich ist es nicht dasselbe. Nur für ein paar Tage!", heulte Ron rum. Auch die Anderen fingen an auf ihn einzureden. Wütend schmiss er seine Gabel hin.

„Es geht einfach nicht, okey!", schnauzte er sie an, packte seine Tasche und stürmte aus der Halle. Er wusste, dass die Drei ihn verwirrt und wahrscheinlich entsetzt nachsahen. Sie hatten keine Ahnung warum er so reagierte, aber im Moment war ihm das egal.

Es war einfach unfair! Hogwarts war sein zuhause, nicht der Ligusterweg. Und dennoch musste er immer wieder dort hin zurück. Er hasste das Alles, Vernon, Petunia und Dudley. Sie hielten ihn eh nur für einen nutzlosen Freak, gerade gut genug um ihre Hausarbeit zu erledigen. Der Sommer würde genauso grauenvoll sein, wie der davor. Harry tat es leid, dass er so überreagiert hatte, aber er ertrug es einfach nicht, die Pläne seiner Freunde mitanzuhören, während er nur die Tage zählte, bis er wieder hier her zurück durfte.

„Du bist heute so still, mein Junge", meinte Dumbledore irgendwann nach acht. Es stimmte, normalerweise entwickelte sich spätestens nach einer Stunde ein Gespräch zwischen ihnen, doch heute schrubbte er nur am vorletzten Tisch herum und durchbohrte diesen mit seinen Blicken.

„Tut mir leid, Sir", gab er grummelig zurück „ich bin heute einfach nicht so gut drauf."

„Hat das einen bestimmten Grund?", hackte der Schulleiter nach. Harry stockte in seiner Arbeit und sah etwas scheu zu dem Mann auf. Er hatte ihm jetzt schon häufiger geholfen, vielleicht... aber nein, was konnte Dumbledore schon an der Situation mit den Dursleys ändern? Immerhin wusste er sogar mehr, als seine Freunde von seinem Familienleben, nachdem er ihm nach seinem Zusammenbruch die Ohren voll geheult hatte.

„Es ist nichts, woran man etwas ändern könnte", seufzte er deshalb nur frustriert. Dumbledores Brauen hoben sich ein wenig.

„In meinem Leben sind mir noch nie Situationen unter gekommen, an denen man nichts ändern könnte", sagte er ruhig. Harry richtete sich auf und musste sich arg zusammen reißen, um den alten Mann nicht anzufauchen. Doch als er in das gütige und besorgte Gesicht des Mannes sah, verrauchte seine Wut mit einem Schlag. Deshalb schüttelte er nur den Kopf und wollte sich wieder seiner Arbeit zuwenden.

„Harry", sagte Dumbledore sehr leise, aber eindringlich und der hielt mitten in der Bewegung inne. Der alte Mann wollte ihm tatsächlich helfen und so wie er ihn kannte, würde er wahrscheinlich wirklich eine Lösung finden. Aber Dumbledore hatte schon mehr als genug für ihn getan, er konnte ihm das nicht auch noch aufbürden. Eine Sekunde tauchte ein Bild von ihm und Dumbledore zusammen vor einem kleinen Haus, vor seinen Augen auf. Wieso hatte es nicht so sein können? Er bedeutete seinem Schulleiter mehr, als seiner eigenen Familie. Sein Herz krampfte sich zusammen und er vermied den Blick, den er auf sich spürte.

„Das Schuljahr ist fast vorbei...", murmelte er schließlich in Richtung Boden „und ich wünschte mir einfach nur, das es das nicht wäre."

„Wegen deiner Familie?", fragte Dumbledore sanft. Harry warf ihm einen kurzen Blick zu und nickte dann langsam. Der Schulleiter sah ihn lange an, dann winkte er ihn mit dem Finger zu sich herüber. Harry folgte der Aufforderung zögernd und stand dann neben seinem Schulleiter. Der legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Glaubst du wirklich, nach allem, was du mir erzählt hast, würde ich dich einfach so dorthin zurück lassen und so tun, als wüsste ich von nichts?"

Harrys Kopf ruckte nach oben und ein kleiner Funke Hoffnung keimte in ihm auf.

„Heißt das...das ich nicht mehr dort hin zurück muss?"

Dumbledore seufzte diesmal sehr tief.

„Setz dich, mein Junge, ich muss dir etwas erzählen."

Dumbledore verhielt sich merkwürdig und deshalb war auch Harry angespannt, als er sich einen Stuhl heran zog. Der Schulleiter fuhr sich nachdenklich durch den Bart und neigte ein wenig den Kopf, um über seine Brille hinweg sehen zu können.

„Ich habe dir Ende letzten Jahres von dem Blutschutz deiner Mutter erzählt, erinnerst du dich?"

Natürlich tat er das. Es war nur Stunden nach dem Kampf mit Quirrel gewesen. Harry hatte bei diesem gemerkt, dass ein paar der Flüche des Zauberers überhaupt keine oder nur eine schwache Wirkung auf ihn gehabt hatten. Dumbledore hatte ihm erklärt, dass das Opfer seiner Mutter wie eine Art Schutzzauber funktionierte, der immer um ihn war und alle Flüche, die ihm böses wollten bis zu einem gewissen Grad veränderte.

„Ich habe dir damals nur einen kleinen Teil von der ganzen Wahrheit gesagt. Aber du hast ein recht darauf, es zu erfahren...auch wenn du mich danach wahrscheinlich hassen wirst."

Er sah ihn sehr traurig an, bevor er fortfuhr.

„Der Schutz, den dir deine Mutter hinterlassen hat ist nicht dauerhaft. Er muss sich nach einer gewissen Zeit immer wieder...aufladen. Das kann er jedoch nur, wenn du an dem Ort zu Hause bist, wo das selbe Blut deiner Mutter fließt. Lily hatte keine anderen Verwandten mehr als ihre Schwester Petunia. Und egal wie unwillig sie dich aufgenommen hat, sie hat dich aufgenommen. Und somit stärkt sie den Schutz um dich jedes Mal, wenn du über ihre Türschwelle trittst."

Harry starrte Dumbledore fassungslos an. Vor einem Jahr hatte er es einfach cool gefunden, dass er gegen viele Zauber immun war, aber jetzt zu erfahren, dass seine Tante, die ihn hasste, diesen Schutz sicherte... damit hatte er nicht gerechnet.

„Du fragst dich vielleicht, warum du den Blutschutz brauchst. Schließlich haben andere ihn auch nicht. Allerdings liegt er nicht nur auf dir selber, sondern auch auf dem Haus der Familie Dursley. Kein Magier, der dir oder ihnen etwas antun will, kann euer Grundstück betreten, geschweige denn Zauber oder Flüche auf euch wirken. Und du brauchst diese Sicherheit, Harry, mehr als jeder andere. Du weißt es nicht, aber selbst heute noch gibt es viele, die dich liebend gern in die Finger kriegen würden. Seien es ehemalige Todesser, die immer noch nach Rache schreien, oder Zauberer und Hexen, die deinen berühmten Namen für ihre eigene Zwecke missbrauchen wollen."

Dumbledore stockte kurz und es schien, als würde er sich für eine Schlacht wappnen.

„Die Gefahr ist zwar konstant da, aber sie war nie so groß wie vor zwölf Jahren, als du Voldemort gerade besiegt hattest. Du kannst dir nicht vorstellen wie es damals war. Die Zaubererwelt lag im Chaos. Die Nachricht, dass Voldemort tot war, gerade nur Stunden alt. Das Ministerium unterwandert und Niemand wusste, wem er trauen konnte oder nicht. Banden von Todessern sind umher geirrt und haben Jeden getötet, der ihnen in den Weg trat... und zwischen dem allen, warst da du. Ein kleiner Junge, der gerade zum Waisen geworden war und an dem selbst in diesen Minuten schon Mächte zerrten, die dir nicht mal im Traum einfallen würden. Ich war damals ein enger Vertrauter von Lily und James, habe euch häufig in eurem versteckten Haus besucht. Und ich wusste, dass ich dich in Sicherheit bringen musste. Der Plan war eigentlich, dass du in meine Familie kommst und wir hätten dich gerne aufgenommen. Aber dann hattest du diesen immens seltenen und starken Blutschutz an dir und mir blieb keine Wahl. Der einzig völlig sichere Ort für dich war das Haus deiner Tante...außerdem würdest du dort fern ab von all den Renken und dem Chaos aufwachsen. Also habe ich dich dort hingebracht."

Er endete und sah Harry an, als würde der ihn gleich angreifen. Der tat jedoch nichts dergleichen, auch wenn er ein wenig blass geworden war.

„Sie wollten mich zu sich holen?", fragte er dann mit rauer Stimme. Dumbledore kniff irritiert die Augen zusammen.

„Natürlich wollte ich das. Aber ich glaube, du hast mich nicht verstanden, mein Junge. Ich habe dich zu den Dursleys gegeben. Ich hoffe du glaubst mir, dass ich keine Ahnung hatte, wozu Petunia im Stande war. Nie hätte ich gedacht, dass sie dich so behandeln, aber dennoch ist es meine Schuld, dass du so lange unter ihnen leiden musstest."

Wieder schien er auf einen Ausbruch von Harry zu warten, aber auch diesmal wurde er enttäuscht. Harry zuckte nur mit den Schultern.

„Ich weiß."

„Du weißt...?"

Harry Lächeln wurde eine Spur breiter.

„Onkel Vernons beste Wutanfälle enden meistens damit, dass er diesen... Dumbledore Schwachmaten am liebsten in etwaige Körperteile treten will, weil der mich bei ihnen gelassen hat."

Er bemerkte Dumbledore Blick und hob nur entschuldigend die Hände.

„Das sind seine Worte nicht meine."

Dumbledore schüttelte nur den Kopf, als würde ihn Vernons Worte kein bisschen interessieren.

„Dann wusstest du es die ganze Zeit?"

„Natürlich", antwortete Harry vollkommen ruhig und verstand überhaupt nicht warum der Schulleiter ihn völlig fassungslos anstarrte und einige Sekunden brauchte, bis er wieder den Mund aufmachte.

„Und du bist nicht wütend auf mich?"

„Wieso sollte ich?", fragte Harry ehrlich verwirrt „die Dursleys sind meine einzigen noch lebenden Verwandten. Wo hätten ich sonst leben sollen? Und nachdem was Sie mir gerade eben erzählt haben, gab es ja noch weitaus mehr Gründe dafür. Allerdings...", er stockte kurz, aber Dumbledore nickte ihm aufmunternd zu.

„Allerdings nachdem ich jetzt weiß, dass Sie mich aufnehmen wollten, wäre mir das natürlich viel lieber gewesen...Ich mein Sie sind der Erste der mich wirklich..."

Wieder stockte er, denn zu seinem Entsetzen sah er Tränen in den Augen des Schulleiters auftauchen. Dachte er immer noch, dass er ihm Vorwürfe machte?

„Aber ich kann Sie wirklich verstehen", sagte er deshalb rasch „da ist wirklich nichts für das...", er brachte den Satz nie zu Ende. Denn in einer schnellen Bewegung hatte Dumbledore seinen Arm gepackt und ihn vom Stuhl direkt in seine Arme gezogen. Obwohl es nicht das Erste Mal war, verkrampfte er sich, doch als wirklich nichts anderes geschah, außer das er gegen die breite Brust gedrückt wurde, entspannte er sich wieder.

„Du bist der wundervollste Junge, dem ich je begegnet bin", flüsterte Dumbledore ihm ins Ohr und eine Träne rollte hinab in den langen Bart.

„Es tut mir so unendlich Leid, was du alles ertragen musstest, aber ich verspreche dir, dass du nie wieder alleine sein wirst!"

Harry hörte die Worte, aber sie brauchten etwas länger bis er sie richtig verstand. Dann jedoch erreichten sie ihn mit voller Wucht. Und endlich verstand er, warum Dumbledore vor zwei Wochen hier unten aufgekreuzt war. Warum sie die vielen Gespräche geführt hatten und warum der Schulleiter sich solche Mühe mit ihm gab. Nachdem Dumbledore erfahren hatte, wie seine Verwandten ihn behandelten, wollte er ihn da heraus holen. Aber er wusste das Harry das niemals zu gelassen hätte. Nicht, solange er keinem anderen vertraute. Und so hatte er sich langsam in sein Herz geschlichen und ihm gezeigt, dass es doch Jemanden gab, dem etwas an ihm lag.

Und er hatte es geschafft. Denn Harry fühlte sich so sicher in Dumbledores Armen, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er mochte den alten Mann, respektierte ihn und wünschte sich nichts mehr, als das dieser ihn auch mochte. Und wie konnte er nach allem, was Dumbledore ihn gesagt und nach allem, was er getan hatte, jetzt noch daran zweifeln. Die Erkenntnis, dass Hermine recht hatte und er für Dumbledore mehr war als nur ein Schüler traf ihn mit voller Wucht. Dieser Mann war nie etwas anderes als ehrlich zu ihm gewesen und vor ein paar Minuten hatte er ihm noch versichert, dass er ihn damals in seine eigene Familie holen wollte, wenn es nur gegangen wäre. Bevor er wusste, was geschah, traten ihm ebenfalls Tränen in die Augen und er klammerte sich an Dumbledores Roben, wie an einen Anker.

„Das ist gemein", schluchzte er irgendwann. „Wieso kennen Sie mich so gut? Sie wussten ganz genau, dass ich..."

„Hush, Kind", unterbrach der alte Mann ihn und hielt ihn noch ein wenig fester.

Der Gemeinschaftsraum war fast ausgestorben, obwohl es Freitag Abend war. Irgendwie waren alle nach einer anstrengenden Woche müde gewesen und hatten sich schnell in ihre Schlafsäle verzogen. Deshalb saßen nur noch drei Gestalten ums Feuer herum, als Harry kurz nach elf durch das Portrait herein kam. Er lächelte bei dem Anblick seiner drei besten Freunde, die offensichtlich wie jeden Abend auf ihn warteten.

„Hey Leute", sagte er und sie schreckten aus ihre Halbschlaf hoch. Etwas unsicher stand er vor ihnen.

„Harry", Hermine war natürlich die Erste die etwas sagte um die unangenehme Stille zu unterbrechen. Sie beäugte ihn kritisch, bevor sich ihre Augen weiteten.

„Was ist los? Hast du etwa geweint?"

Oh man, war es so offensichtlich? Selbst Ron und Neville schienen seine rot geheulten Augen zu sehen, also konnte er es schlecht leugnen.

„Ähm...ja...hab ich. Hört mal...es tut mir leid, wegen heute Mittag..."

„Ist schon gut, Kumpel", winkte Ron lässig ab „Wir haben alle mal nen schlechten Tag. Zwei Jahre mit Hermine und ich hab mich echt an manche Launen gewöhnt."

Neville lachte, als Hermine Ron unzeremoniell vom Sessel schubste und der grummelnd wieder hochkam. Erleichtert grinste Harry, bevor er sich ihnen gegenüber setzte. Er sah sie der Reihe nach an und sein Grinsen wurde breiter. Dumbledore war vielleicht der erste Erwachsene der sich sein Vertrauen verdient hatte, aber diese Drei waren mehr seine Familie als irgendwer sonst. Deshalb holte er einmal tief Luft, als er einen Entschluss fasste.

„Hört mal, ich muss euch was erzählen..."

Sie hatte bis tief in die Nacht geredet. Er hatte ihnen alles von seinen Leben bei den Dursleys erzählt und was das mit ihm gemacht hatte. Von seiner Freude, dass er hier endlich ein zuhause und Freunde gefunden hatte. Der eigentliche Grund warum er die LG gegründet und gegen Quirrel und den Basilisken gekämpft hatte. Und auch wieso er sich drei Tage so daneben benommen hatte und wozu das führte. Von seinem Nachsitzen, Dumbledore und wie der ihn aus dem Wald geholt hatte. Ja, sogar wie er von dem Schulleiter deswegen bestraft worden war.

Die drei waren einfach großartig gewesen. Sie hatten ihn nicht einmal ausgelacht oder verspottet, sondern waren vielmehr entsetzt von seiner Kindheit gewesen. Ron war drauf und dran gewesen in den Ligusterweg zu stürmen und Vernon eine rein zu hauen. Am Ende wusste sie alles, auch von dem Blutschutz und das Dumbledore mittlerweile so etwas wie eine Mischung aus Freund und Vater für ihn war. Neville hatte ihm irgendwann anvertraut, dass seine Großmutter an die gleichen Erziehungsgrundsätze glaubte wie Dumbledore und Ron hatte nur gesagt: „Ihr kennt ja meine Mutter!" Zu wissen, dass sie ihn deswegen nicht nur nicht auslachten, sondern genau wussten, wovon er sprach hatte ihn unendlich erleichtert.

Am Ende fühlte Harry sich, als wäre eine schwere Last von ihm genommen und als sie endlich ins Bett gingen, hatte er so friedlich geschlafen, wie schon lange nicht mehr.

Kurz bevor sie in die Schlafsäle verschwunden waren hatte Hermine noch gefragt:

„Aber wie geht es jetzt weiter?"

Daraufhin hatte er nur gelächelt. Um ehrlich zu sein wusste er es nicht, denn Dumbledore hatte ihm nichts gesagt. Aber mit einem Funkeln in den Augen hatte er geantwortet:

„Ich weiß es nicht, aber Dumbledore wird es schon richten. Ich vertraue ihm!"

Ein wenig verschwitzt richtete sich Harry auf und sah auf den Stuhl vor sich. Er glänzte, frei von jedem Ruß und Zaubertrankresten. Ein wenig fassungslos stand er mitten im Raum und drehte die Bürste in seinen Händen. Noch einmal sah er sich genau um, aber nirgendwo entdeckte er auch nur einen Staubkrümel. Der Klassenraum sah genauso aus, wie vor der Explosion. Wenn nicht sogar sauberer.

Natürlich freute er sich, aber irgendwie war da ein großer Teil, der es fast bedauerte. Es schien als wäre eine Ära zu Ende gegangen, obwohl es gerade einmal zweieinhalb Wochen waren. Aber wie hatte sich sein Leben verändert, seit er hier das erste Mal herunter gekommen war?

Eine schwere Hand legte sich auf seine Schulter und als er aufblickte, begegneten ihm eisblaue Augen und das lächelnde Gesicht von Dumbledore.

„Ich bin fertig!"