Ein ganz liebes Dankeschön an meine drei Reviewer laser-jet, Trovia und Ela3! Freut mich, dass es euch gefallen hat - und hoffentlich gefällt euch auch dieses Kapitel!
laser-jet: Musst nur das Kapitel lesen ;D
Trovia: Wow, da hast du wirklich mitgedacht, was? gg
Zu meiner Verteidigung: Natürlich weiß Remus von der Magie der Eulen, und er weiß auch dass Ron - als Zauberer - das weiß. Deshalb fasst er Rons Frage auch gleich auf, wie sie gemeint war, nämlich wie Mimas Moody im versteckten Hauptquartier (Fidelius-Zauber) finden soll ...
Moodys Auftritt kommt (noch) nicht, dafür aber die Antwort auf die Frage, woher Remus weiß, dass Mimas so heißt.
Ela3: Ron und Hermine mag ich auch gg
Nun aber viel Spaß beim lesen des 07. Kapitels!
Mimas
Hermine krallte sich an Ron, unfähig sich zu rühren oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, als ein großer, bedrohlicher Unbekannter mit erhobenem Zauberstab in der Dunkelheit auf sie zusprang. Auch Ginny, Luna und Neville waren starr vor Schreck. Was sollten sie bloß tun?
Weit und breit war niemand in der Nähe, der ihnen helfen konnte, schreien hatte also keinen Sinn. Sollten sie laufen? Oder sich verstecken? Aber dafür war er schon zu nahe!
Hermine überlegte fieberhaft hin und her, ihre Gedanken rasten, kamen zu keinem Ergebnis. Der Fremde war nur noch einige wenige Meter entfernt, und er näherte sich viel zu schnell!
‚Vielleicht hätten wir doch auf Professor Dumbledore hören und im Schloss bleiben sollen!' dachte sich das Mädchen verzweifelt, als der schwarzhaarige Mann sie erreichte ...
„Hab ich dich, Potter!" zischte Snape triumphierend, kaum dass er vor Ron, Hermine und den anderen schlitternd zum Stehen kam, er machte ein Gesicht als wolle er jede Sekunde dieses Moments auskosten.
Als er jedoch seinen Irrtum erkannte, hielt der Lehrer verdutzt inne – sein Gesichtsausdruck hierbei war Galleonen wert! –, konnte aber nicht einmal mehr den Mund aufmachen um lauthals loszuschimpfen, bevor zwei weitere Personen durch das Unterholz heranstürmten und ihn ohne zu zögern verfluchten.
„Stupor!", riefen die beiden wie aus einem Mund. Rote, in der Dunkelheit grell leuchtende Blitze zuckten dem verblüfften Zaubertranklehrer entgegen und schleuderten ihn gegen einen nahen Baum, reglos blieb er davor liegen.
Fred und George Weasley schlenderten gemütlich hinter Sträuchern hervor.
Mit einem schnellen Blick erfassten sie die Situation und versuchten vergeblich, ein breites Grinsen zu unterdrücken.
„Oops", machte George unschuldig und wiegte abschätzend seinen Kopf hin und her, „Das war ja gar kein Angreifer! Das war Snape! War wohl ... ähm ... eine Verwechslung."
– „Der regt sich überhaupt nicht mehr", stellte Fred fest und sein Gesicht begann zu leuchten, „Das ist die Gelegenheit! Komm Bruderherz, verscharren wir ihn irgendwo!"
– „Ihr könnt doch nicht einfach Snape vergraben!" warf Hermine entrüstet ein, die sich inzwischen größtenteils von dem Schrecken erholt hatte.
– „Doch doch", widersprach ihr Fred voller Vorfreude, „Das ist ganz einfach: Loch ausbuddeln, Snape rein, Loch wieder zuschütten!"
– „Er ist auf unserer Seite!" rief Hermine und ließ Rons Hand los, der – wie die anderen – noch immer unter Schock stand und sich nur langsam erholte.
– „Ach komm schon, Hermine!" redete George auf die Vertrauensschülerin ein, mit glitzernden Augen und einem gekonnten – da schon oft verwendeten – Dackelblick versuchte er sie umzustimmen, „Hast du noch nie den unbändigen Drang verspürt, den Kerl wo einzubuddeln?"
Das Mädchen erwiderte mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre damit alles gesagt: „Er ist ein LEHRER!"
– „Und außerdem noch ein Drecksstück ...", ergänzte Fred ihren Ausruf sofort ohne mit der Wimper zu zucken.
– „Du kannst ihn trotzdem nicht einfach eingraben!" beschwerte sich das Mädchen lauthals und wandte sich hilfesuchend an ihre Mitschüler.
„Also, ich finde die Idee absolut gigantisch", kam Neville entzückt der Bitte nach – obwohl er Hermines Meinung nach die falsche Seite unterstützte – und selbst Luna stimmte ihm verträumt zu: „Wirklich hinreißend!"
Bevor Hermine sich wieder aufregen konnte – die beiden waren wirklich eine große Hilfe! –, raschelte es erneut verdächtig hinter ihr in den Büschen. Auf der Stelle kehrte atemlose Stille ein, Fred und George hoben ihre Zauberstäbe und hielten sie bereit.
„Wer ist das?" rief George angespannt in die Nacht hinein, und Fred befahl: „Stäbe wegwerfen und mit erhobenen Flossen rauskommen!"
An der Spitze eines Zauberstabs entflammte ein Licht und näherte sich langsam der kleinen Gruppe. Nach einigen angstvollen Sekunden erkannten sie Remus, die Zwillinge atmeten erleichtert auf und senkten gleichzeitig die Zauberstäbe. Lupin trat mit ernstem Gesicht zwischen den Bäumen hervor und sah Hermine und ihre Freunde eindringlich an.
„Was – bei allen Werwölfen – macht ihr bitte hier?" fragte er verstimmt, „Ihr solltet doch das Schloss nicht verlassen?" Ron jedoch setzte augenblicklich zu ihrer Verteidigung an: „Wir machen uns eben Sorgen um Harry und wollen helfen!"
– „Und uns ist bei der Suche nach ihm geholfen, wenn wir auch noch auf euch aufpassen müssen?" entgegnete Remus unbeeindruckt und schüttelte den Kopf, um bereits aufkommende Proteste zu beenden, „Reden wir später darüber. Ich bin sicher, dass das eine saftige Strafe zur Folge haben wird – Professor Dumbledore wird alles andere als erfreut sein!"
Müde seufzte der Lehrer und warf einen flüchtigen Blick auf seine Armbanduhr. „Jetzt können wir euch leider nicht ins Schloss zurückbringen, wir haben keine Zeit zu verlieren. Bleibt also dicht bei mir, damit ihr wenigstens in Sicherheit seid!" wies Lupin sie dann in einem Ton an, der keinen Widerspruch duldete.
„Ach ja", wandte er sich abschließend im gleichen Tonfall an die Zwillinge, „Snape wird nicht verscharrt!"
– „Schade", murmelte Ron – sein Bedauern war kaum zu überhören, „Das hätte ich wirklich genossen!"
Ohne auf diesen Kommentar einzugehen, hob Lupin den Zauberstab und wandte sich seinem betäubten Kollegen zu, Hermine hätte jedoch bei allen Büchern in der Bibliothek Hogwarts' schwören können, dass er nur mit größter Mühe ein amüsiertes Schmunzeln unterdrücken konnte ...
Hermine und die anderen liefen Lupin im Gänsemarsch durch den finsteren Wald hinterher. Nachdem dieser Snape aufgeweckt und seine Schimpftirade abgewürgt hatte, suchten sie wieder nach Harry. Der Zaubertranklehrer bildete hierbei das Schlusslicht und behielt die Schüler mit grimmiger Miene genau im Auge, damit niemand auf die Idee kam, auszureißen.
Immer wieder schlugen ihnen Zweige ins Gesicht. Überall raschelte es, Eulenschreie erklangen gelegentlich, und von Zeit zu Zeit drang ein unheimliches Heulen an die Ohren der Schüler, welches ihnen jedes Mal das Blut in den Adern gefrieren ließ. Die Lehrer schien es nicht zu beeindrucken, vielleicht hatten sie sich bereits daran gewöhnt – immerhin waren sie früher aufgebrochen als Hermine und ihre Freunde –, oder sie wussten wie man dieses Tier – was auch immer es war – auf Distanz halten konnte.
Der charakteristische Duft von feuchtem Wald lag in der Luft, wurde jedoch an manchen Stellen von einem anderen, unangenehmen und penetranten Geruch überlagert. Hermine wollte lieber nicht herausfinden müssen, woher der Gestank stammte!
„Remus?", erklang eine weiche Stimme, als sie Minuten später eine Lichtung erreichten.
Im spärlichen, durch die Zweige hindurchfallenden Mondlicht konnte Hermine die Umrisse von Andromeda Tonks ausmachen, der sie im Hauptquartier schon des Öfteren begegnet waren. Sie hatte durch den Angriff von Rodolphus Lestrange ziemlich üble Verbrennungen erlitten, sich allerdings vollständig davon erholt, wie ihr makellos schönes, narbenfreies Gesicht bewies.
Eigentlich – so hatte Remus Harry, Ron und Hermine einmal erzählt – war sie in diesem Jahr für den Posten des Verteidigungslehrers in Hogwarts vorgesehen gewesen, ihre Enttarnung als Ordensmitglied hatte die Planung jedoch zum Einsturz und Lupin zurück an die Schule gebracht.
Mit einer grazilen Geste strich sich Andromeda eine Strähne ihrer sanft gelockten, seidig-schwarzen Mähne aus dem Gesicht und klemmte sie hinters Ohr, dann wandte sie sich an den Duellierlehrer: „Habt ihr Harry gefunden?"
– „Leider nicht", teilte Lupin ihr resigniert mit, wies mit einer Hand hinter sich und fügte trocken hinzu, „Dafür aber so ziemlich jeden anderen aus seiner Clique."
– „Blöder Mist, verdammter!" Tonks machte sich mit einem hingebungsvollen Fluchen bemerkbar, sie lehnte am Rand der Lichtung an einem Baum, die Haare an diesem Tag – soweit die Dunkelheit erkennen ließ – in knallpink.
– „Nymphadora, bitte!" rügte Andromeda ihre Tochter streng – Hermine konnte sich bildlich vorstellen, wie Tonks genervt die Augen verdrehte, sie mochte ihren Vornamen nicht besonders –, dann wandte sie sich leise an Lupin, Besorgnis fiel auf die noch erstaunlich mädchenhaften Züge der dreiundvierzigjährigen Frau.
„Dumbledore will uns alle in einer Stunde im Hauptquartier sehen, Remus", erklärte sie ihm und nahm den Werwolf beiseite, „damit wir die Suche besser koordinieren können. Severus sollte die Kinder zurück zur Schule bringen, wir müssen ihnen nicht unbedingt sagen, dass einige ihrer Lehrer im Orden sind. Immerhin stehen wir auf der Fahndungsliste!"
– „Wir können aber nicht auf Severus verzichten", widersprach Lupin kopfschüttelnd und ließ den Blick durch die Finsternis schweifen, „Je mehr wir sind, desto höher sind unsere Chancen, Harry zu finden. Vielleicht ist der Junge in Gefahr!"
Schaudernd wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Andromeda zu und fuhr ernst fort, „Davon abgesehen, Nevilles Eltern waren ebenfalls im Orden, und Lunas Vater – ihm gehört der Klitterer – symphatisiert mit uns, keiner der beiden wird sich daran stören, dass sie von Ordensmitgliedern unterrichtet werden. Ron, Hermine und Ginny sowieso nicht."
– „Luna und Neville wissen ohnehin schon, dass Professor Dumbledore und Sie, Professor Lupin, im Orden sind, immerhin waren Sie damals mit im Zaubereiministerium, als V-Voldemort (die übrigen Schüler erschauerten ebenso wie Tonks und ihre Mutter) Harry in die Falle gelockt hat", ergänzte Hermine eifrig.
Sie hatte das Gespräch – ebenso wie die anderen – heimlich belauscht – was Andromeda und Remus eigentlich hatten verhindern wollen.
„Wir werden euch bestimmt nicht verraten!" beteuerten Neville und Luna auch sofort wie aus einem Mund und mit überzeugenden Gesichtern.
„Na schön", gab sich Andromeda schließlich geschlagen, „Ich würde sagen, wir teilen uns zum Suchen wieder in Gruppen auf und treffen uns in einer Stunde im Hauptquartier."
– „Mittlerweile nur noch fünfzig Minuten", korrigierte Snape süßlich.
Ron und Hermine kletterten Andromeda und Fred hinterher zur Höhle, die zum Hauptquartier des Ordens führte.
Hoffentlich hatten die anderen Gruppen – zum einen Lupin, George und Neville, zum anderen Snape, Tonks, Ginny und Luna – mehr Glück bei ihrer Suche nach Harry gehabt. Sonst wäre er immer noch verschollen!
Sie hatten jedenfalls keine Spur von ihm gefunden – nicht einmal Schuhabdrücke oder im Gebüsch hängen gebliebene Stoffreste –, obwohl sie immer wieder innegehalten und gesucht und gelauscht hatten, ob sich in der Nähe etwas bewegte, oder nach Harry gerufen und argumentiert hatten, er solle doch bitte herauskommen – der Junge trug seinen Tarnumhang, wenn sie ihn finden wollten, mussten sie ihn dazu bringen, sich freiwillig zu zeigen!
Der einzige, der Harry gegen seinen Willen aufspüren konnte, war Mad-Eye mit seinem magischen Auge, doch der konnte ja leider nicht überall zugleich sein!
Vielleicht hätte auch Hagrid mit Fang eine kleine Chance ...
Mittlerweile hatten sie den Eingang zu Sirius' Höhle erreicht, und Hermine sah mit einem mulmigen Gefühl im Magen – was, wenn sie Harry nicht bald fanden! – zu, wie Andromeda sich kurz vergewisserte, nicht beobachtet zu werden, bevor sie sich elegant durch die schmale Felsspalte schob. Sie und Ron folgten ihr auf dem Fuß, Fred bildete den Abschluss.
Kurze Zeit später befanden sich die vier im Hauptquartier, wo Dumbledore bereits am Tisch saß und sie erwartete, die anderen Gruppen waren schon einige Minuten zuvor eingetroffen. Eisiges Schweigen herrschte in der finsteren Höhle. Der Schulleiter machte einen sehr besorgten Eindruck.
„Nehmt bitte Platz", begrüßte er die Neuankömmlinge, ohne das übliche, amüsierte Funkeln in den blauen Augen, und deutete auf die freien Sitze.
Hermine schaute sich aufmerksam um, die Professoren Flitwick und Vektor hatte der Schulleiter offensichtlich zurück nach Hogwarts geschickt – keine Überraschung, immerhin waren sie nicht im Orden des Phönix. Das Mädchen konnte verstehen, dass er sie unter diesen Umständen nicht ins Hauptquartier einlud!
Zwischen Fred und George erblickte sie Lee Jordan, erst seit relativ kurzer Zeit im Orden. Die Zwillinge hatten ihn in ihrem hervorragend laufenden Scherzartikelladen in der Winkelgasse eingestellt – die drei dachten sogar über eine Zweigstelle in Hogsmeade nach, Zonko's würde dadurch ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen!
Neben ihnen lag Fleur Delacour in Bills Armen, auch die bildschöne Französin musste kürzlich zum Phönixorden gestoßen sein.
Da Voldemort sich in letzter Zeit sogar des Öfteren in Frankreich blicken ließ und dort Schrecken und Chaos verbreitete, hatte Madame Maxime in ihrem Heimatland eine dem Orden sehr ähnliche Organisation gegründet – la confrérie de la paix, die Bruderschaft des Friedens – und tauschte häufig Informationen mit Professor Dumbledore aus, wobei Fleur immer zugegen war, um wenigstens kurz einen Blick auf ihre frühere, zugegebenermaßen schwer übersehbare Schulleiterin zu werfen.
Von Zeit zu Zeit arbeiteten die beiden Vereinigungen sogar zusammen – sehr zur Freude Hagrids.
Dieser schaute im Augenblick nervös in die Runde und wollte offensichtlich sofort losstürmen und mit Fang jeden noch so entlegenen Quadratmeter von hier bis zum Ärmelkanal nach Harry absuchen.
Fünf Personen am Tisch kannte Hermine noch nicht, und neugierig fragte sie George nach ihren Namen.
„Lass mich mal überlegen", bat der und kratzte sich nachdenklich am Ohrläppchen, „Die Brünette da drüben ist Valery Geoffrey, der blonde Spargel heißt Zoe Hendrik, ... dort, der etwas ... molligere ist Tom Drew, sein gepiercter, schwarzhaariger Nachbar ist Sean Unben..., nein, Unberew und der da, der griesgrämige Alte mit den vielen Armbändern, heißt ... Ivan Chokoloye", zählte Rons Bruder munter auf,
„Alles Neuzugänge. Nicht unbedingt die besten Duellanten, die wir haben. Gerade mal Mittelmaß ... Fred, Lee und ich haben die fünf zu dritt besiegt", fügte er dann stolz grinsend hinzu,
„Und im Vergleich zu den ‚alten Hasen' im Orden sind wir ... sagen wir mal, sie haben erheblich mehr Erfahrung und beherrschen mehr Zaubersprüche. Aber immerhin, wir haben neue Mitglieder, ist doch mal was Positives, musst du zugeben!"
„Heiler Smethwyck, würden Sie bitte die Schüler in eines der Zelte bringen?" bat Professor Dumbledore – der in der Zwischenzeit ein paar Worte mit den Erwachsenen gewechselt hatte – in diesem Augenblick ein Mitglied des Ordens, bevor Hermine George noch weiter ausfragen konnte.
Das Mädchen wollte zwar dagegen protestieren, dass die Erwachsenen sie ständig ausschlossen, da sie und ihre Freunde sich allerdings einem direkten Verbot des Direktors widersetzt und auf eigene Faust im Verbotenen Wald nach Harry gesucht hatten, wagte sie es nicht.
George hatte ihren enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkt, grinste verschlagen und drückte ihr hinter seinem Rücken ein Langziehohr in die Hand.
„Sei doch mal ein bisschen leiser, Ron! Ich verstehe ja gar nichts", beschwerte sich Hermine ungeduldig mit dem Langzieher in ihrem Ohr und versuchte wieder angestrengt, sich auf das Gespräch der Ordensleute vor dem Zelt zu konzentrieren.
„Ich wollte doch nur wissen, was die reden", gab der Junge entschuldigend zurück, weshalb Hermine schon wieder einen Satz nicht verstehen konnte und die Augen verdrehte,
„Sscht! Wenn sie etwas Wichtiges sagen, werde ich das schon wiederholen ... Gerade schimpft Professor Snape wieder, ... was der alles über Harry sagt, du liebe Zeit!"
Das Mädchen lauschte aufmerksam und gespannt, Ron, Ginny, Luna und Neville platzten fast vor Neugier, sie saßen aufrecht in ihren lila Schlafsäcken und hingen regelrecht an Hermines Lippen.
„Professor Lupin flüstert Fred zu, es wäre eventuell doch keine schlechte Idee gewesen, Professor Snape einzubuddeln. Fred erinnert ihn daran, dass er das selbst verhindert hat – hört sich direkt wie eine Anklage an –, und der Professor entschuldigt sich mit ‚Irren ist menschlich!' und ..."
Hermine riss die Augen auf und hielt erschrocken inne.
Schritte näherten sich!
Blitzschnell versteckte sie das Langziehohr in ihrem Ärmel und rutschte tiefer in ihren Schlafsack, die anderen folgten ohne zu zögern ihrem Beispiel, und keine Sekunde zu früh.
Zoe Hendrik betrat das Zelt, überprüfte kurz, ob die Schüler schliefen – die taten natürlich so als ob, Neville gab sogar leises Schnarchen von sich – und schlich geräuschlos zu einem kleinen Schrank, wo sie etwas aus einer Schublade hervorkramte. Für einen winzig kleinen Moment konnte Hermine einen Blick auf ein Fläschchen mit giftig-gelbem Inhalt erhaschen und das Etikett lesen.
Hendrik grinste verstohlen, ließ die Flasche in ihre Robe gleiten und rauschte aus dem Zelt.
„Wozu, beim Barte Merlins, braucht sie bitte Starre-Kapseln?" überlegte Hermine nervös mit einem dicken Knoten im Magen, als die Schritte Hendriks verklungen waren.
– „Was sind Starre-Kapseln?" fragte Neville ahnungslos.
– „Sie lösen sich in weniger als einer Sekunde in Flüssigkeit auf. Wenn jemand das Gemisch trinkt, erstarrt sein Körper sofort für einige Minuten, er kann sich nicht mehr rühren", teilte das Mädchen den anderen geistesabwesend mit, die daraufhin genauso beunruhigt aussahen wie Hermine. „Hört sich gefährlich an", brachte Ron nervös heraus, Luna stimmte ihm kopfnickend zu, „Was will die damit?"
Hermine lauschte inzwischen mit dem Langziehohr wieder dem Gespräch der Erwachsenen, war aber nicht ganz bei der Sache – sie dachte über die gleiche Frage nach wie Ron.
„Mad-Eye, Andromeda, Professor Snape, Professor Lupin und Tonks machen sich mit Kingsley und Rons Vater wieder auf die Suche nach Harry", berichtete sie kurze Zeit später, mit den Gedanken noch immer bei den Starre-Kapseln, „Bill, Fleur, Lee und Hagrid schließen sich ihnen gerade an. Professor Dumbledore und Heiler Smethwyck bleiben hier, für den Fall, dass etwas schief geht und schnelle Hilfe benötigt wird."
– „Warum kann Dumbledore eigentlich Hogwarts verlassen, ohne dass der Schutzschild zusammenbricht?" kam es Ginny auf einmal in den Sinn, für den Einwurf erntete sie auch sogleich einen bewundernden Blick Nevilles.
Nachdenklich holte Hermine den Langzieher aus ihrem Ohr und sammelte ihre Gedanken, bevor sie zu einer Erläuterung ansetzte.
„Der Schild wird dadurch aufrechterhalten, dass Professor Dumbledore täglich mehrere Stunden meditiert – damit er nicht schwächer wird, muss der Schulleiter dabei in Höchstform sein", holte sie ein wenig aus,
„Das ist auch der Grund, weshalb Professor Dumbledore nicht selbst Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet, er kann es sich nicht erlauben, täglich mit Bellatrix zu kämpfen. Auch wenn er mit ihr keine größeren Probleme hätte, würden die Kämpfe doch zumindest ein wenig an seiner Kraft zehren ...
Wenn er nun für einige Zeit nicht meditiert, bricht der Schutzschild nicht sofort zusammen, sondern wird langsam schwächer, bis er nach einer halben Woche verschwindet – das hab ich von Professor McGonagall erfahren. Er erreicht wieder seine volle Stärke, wenn der Direktor die versäumten Stunden nachgeholt hat ... Damit das alles reibungslos funktioniert, sollte Professor Dumbledore Hogwarts sehr selten verlassen, aber von Zeit zu Zeit ist es ihm durchaus möglich."
Ron schwieg nach Hermines Erläuterung, wieder einmal fühlte er sich überfahren von ihrem Wissen. Auch Ginny, Neville und Luna hatte es die Sprache verschlagen, schwer beeindruckt starrten sie das Mädchen an, das nun wieder das Langziehohr gebrauchte, um den Ereignissen vor dem Zelt zu lauschen.
„Sie sind weg", brach Hermine nach einer Weile das Schweigen, das seit ihrer ausführlichen Erklärung zwischen den jungen Zauberern herrschte, „außer Professor Dumbledore, Heiler Smethwyck und den Zwillingen sind nur noch Mrs. Weasley und die Neuzugänge da ... Wenn ich doch nur wüsste, was Miss Hendrik mit diesen Kapseln vorhat!"
Hermine war offensichtlich nahe am verzweifeln, weil sie keine Antwort fand.
„Jedenfalls sollten wir hier nicht warten und Däumchen drehen", entschied Ginny beunruhigt, „sondern Dumbledore darauf hinweisen, dass sie etwas plant!"
Gesagt, getan.
Die Schüler schlüpften aus ihren Schlafsäcken und verließen einer nach dem anderen ihr Zelt.
Gerade als sie den großen Tisch erreichten, flog die Weißgesichtseule, die heute Nachmittag bei Lupin war, mit kraftvollen Flügelschlägen in die Höhle.
Moody hatte den wunderschönen Vogel – nachdem er ihm den Brief von Remus überbracht hatte – kurzerhand zurück nach Hogwarts geschickt, damit er die an Dumbledore adressierte Post abliefern konnte.
Da der Schulleiter jedoch dort nicht mehr anzutreffen und inzwischen ins Hauptquartier gekommen war, hatte der Vogel kehrt gemacht – er landete nun anmutig vor dem Empfänger auf dem Tisch und hielt das Bein mit dem daran befestigten Pergament hoch.
Verwundert hob der Schulleiter die Brauen und nahm der Eule den Brief ab, den sie schon vor einigen Stunden bei sich gehabt hatte.
Hermine staunte, es geschah nicht oft, dass Dumbledore mit einem Ereignis nicht gerechnet hatte.
Als seine Augen nach kurzer Zeit unverhohlene Verblüffung offenbarten, klappte ihr buchstäblich die Kinnlade herunter!
Was konnte Dumbledore denn so überraschen?
„Was steht in dem Brief, Professor?" rutschte es dem Mädchen alarmiert heraus. Es war offensichtlich, dass sie das Schlimmste befürchtete!
Dumbledore musste lächeln. „Immer mit der Ruhe", besänftigte er Hermine, mittlerweile wieder gelassen wie immer,
„Du scheinst ja regelrecht anzunehmen, Voldemort (allgemeines Erschauern) hätte Harry gefangen und dies wäre ein Erpresserbrief. Nein, es ist eine sehr erfreuliche, wenn auch unerwartete Nachricht. Eine Bewerbung für die Stelle des Lehrers in Verteidigung gegen die dunklen Künste, worauf ich seit zwei Wochen – also seit die Stelle frei ist – gehofft habe."
Fred fischte neugierig einen der Zettel, die Dumbledore beiseite gelegt hatte, vom Tisch und las ihn durch.
„Das ist nicht deine Post!" schimpfte Mrs. Weasley auf der Stelle los, „Fred, leg das sofort wieder zurück!"
Ihr Sohn jedoch, starr vor Staunen, hatte die Anweisung trotz der beachtlichen Lautstärke gar nicht gehört.
„Das gibt's nicht!" fuhr er auf, „Soll das ein schlechter Scherz sein?" Natürlich wollten nun auch die anderen erfahren, was denn auf dem Pergament stand und was einer der Weasley-Zwillinge für einen schlechten Scherz halten würde, und so las Fred mit Dumbledores Einverständnis vor.
Hochgeschätzter Schulleiter der Zaubererschule Hogwarts,
Professor Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore,
Im Bewusstsein der Tatsache, dass mein Schüler, den ich zu Ihnen entsandt habe damit er im Fach Verteidigung Gegen Die Dunklen Künste unterrichten möge, noch keinerlei Lehrerfahrung vorzuweisen imstande ist, bin ich gewillt Ihnen mit diesem Brief meine besten Empfehlungen für ihn zu überreichen, er wird die Arbeit meistern.
Zusätzlich bin ich gezwungen Sie darauf hinzuweisen, dass ich diesem Schüler eine wichtige Aufgabe zugedacht habe, welche zu erfüllen Sie ihn hoffentlich nicht hindern werden.
Sehen Sie bitte davon ab, meine Weißgesichtige Eule Mimas mit einem Antwortschreiben zu mir zurückzuschicken, da ich ein solches zu empfangen nicht in der Lage bin.
Voller Hochachtung,
Merlin
Hermine war nicht die einzige, die keinen Ton herausbrachte und nur Fred anstarren konnte. Ein Brief von Merlin?
Unmöglich!
Merlin war seit vielen Jahrhunderten tot!
Tote schrieben keine Briefe!
Punkt, aus, Schluss!
Wie sollte ein Brief von Merlin hier ankommen? Hatte sie sich verhört? Oder war das wirklich ein schlechter Scherz?
Auch Ron schien seinen Ohren nicht zu trauen, er krächzte nur heißer: „Mama, gebt mir keinen Pudding mehr zu essen! Ich muss schlafen, genauso ist es, das ist ein Traum. Ein verrückter Traum! Ich werde verrückt!"
„Keineswegs", widersprach Dumbledore, den die kollektive Verwirrung zu amüsieren schien. Er griff nach dem Briefumschlag, der unbeachtet auf dem Tisch lag, und reichte ihn Fred mit einem belustigten Funkeln in den Augen und den Worten: „Lies doch bitte auch einmal vor, was darauf steht!"
– „Albus P. W. B. Dumbledore", kam dieser sogleich verwundert der Aufforderung nach – der Einwand ‚Also wirklich, eigentlich sind mein Bruder und ich hier doch die Scherzkekse?' stand ihm direkt ins Gesicht geschrieben – und fügte feixend hinzu: „Könnte ja direkt der Empfänger sein!"
Sein Zwilling grinste breit und nickte viel zu energisch mit dem Kopf, als dass man auf die Idee käme, er würde nicht rumalbern.
Währenddessen strich Dumbledore Mimas sanft übers flauschige Gefieder und forderte den Jungen gelassen auf, das Couvert umzudrehen und dort zu lesen, bevor er ein Zitronenbrausebonbon aus der Tasche holte und es in den Mund steckte.
Fred seufzte gespielt melodramatisch und tat – ausnahmsweise – wie geheißen:
„Professor Remus John Lupin, erweisen Sie mir bitte den Dienst, der Weißgesichtigen Eule Mimas an Mrs. Bellatrix Elladora Lestrange, geb. Black, vorbei in Schloss Hogwarts zu helfen. Vielen Dank!"
– „Wie bitte?" Mehr brachte Hermine nicht heraus, was war das?
Wenn das ein Zauber war, hatte sie noch nie von ihm gehört oder gelesen – und das wollte etwas heißen! Aber was, verdammt nochmal, sollte es sonst sein? Merlin – daran musste sie sich erst noch gewöhnen – hatte das unmöglich vorher wissen können!
Das Mädchen schluckte und machte wohl – ebenso wie alle anderen am Tisch – ein ziemlich verdutztes Gesicht.
Selbst Fred und George schienen diesmal zu überrascht um einen Witz zu reißen, sodass Dumbledore sich lächelnd der Tischrunde zuwandte (bis eben hatte er sich mit Mimas unterhalten und den Vogel am Bauch gekrault, wofür das überhaupt nicht begeisterte Tier ihn in den Finger gezwickt und seine Zitronenbrause gefressen hatte).
„Das –", erklärte er, auf das Papier deutend, „– ist alte, in Vergessenheit geratene Magie. Viele Zauberer belegten ihre Briefe früher mit einem Schutz, sodass sie nicht in fremde Hände fallen würden. Bestand diese Gefahr, flog die Eule einen vertrauenswürdigen Zauberer an und der Brief ‚bat' denjenigen um Hilfe.
Seit über fünfhundert Jahren kennt niemand mehr diesen Spruch", betonte der Schulleiter dann ausdrücklich, „was ein ausgezeichnetes Indiz für die Echtheit des Pergaments ist – es ist kein Scherz!"
Der Brief stammt tatsächlich von Merlin!
Diese Worte hingen unausgesprochen in der Luft, waren beinahe greifbar und andererseits doch so absurd unrealistisch.
Wie könnte ein Brief von Merlin in dieser Zeit auftauchen?
Und was sollte das mit dem Schüler? Ganz davon abgesehen, dass Merlin Dumbledore ja eigentlich gar nicht kennen konnte, Tote keine Briefe schrieben und Eulen nicht jahrhundertelang lebten, wie sollte Merlin ihnen einen – und dann auch noch seinen – Schüler schicken?
Hilflos blickte sich das Mädchen um, mit einem Ausdruck blanker Verzweiflung auf dem Gesicht. Dies konnte sie nicht verstehen, nicht logisch analysieren, und aus diesem Grund fühlte sie sich verloren. Es war so unmöglich, so unbegreiflich, einen Brief Merlins vor sich auf dem Tisch liegen zu sehen!
Dumbledore hingegen machte mittlerweile wieder den Eindruck, als sei es die natürlichste Sache der Welt, ein Empfehlungsschreiben eines vor Jahrhunderten verstorbenen Magiers zu lesen, und schlug einen Themenwechsel vor:
„Was haltet ihr davon, wenn wir zuerst einmal versuchen, Harry zu finden? Mit diesem Pergament können wir uns zu einem späteren Zeitpunkt noch auseinandersetzen!"
– „Das halte ich für sehr sinnvoll", mischte sich der kleinwüchsige Ivan Chokoloye ein, der gerade ein Tablett mit Tassen aus einem Zelt brachte, in denen eine klare, blauviolette Flüssigkeit dampfte.
„Sumpfnarzissenwurzel-Tee", informierte er die am Tisch versammelte Gesellschaft, während er die Teetassen verteilte, „Macht auf der Stelle hellwach. Wir haben noch eine lange Nacht vor uns."
– „Danke, Ivan", sagte Dumbledore freundlich und trank den Tee in einem Zug aus, die anderen taten es ihm gleich. Nur Hermine, Ron und die Zwillinge zögerten, das Gebräu roch widerlich! Einfach nur widerlich!
„Das bring ich nie im Leben runter!" zischte Ron Hermine ins Ohr und goss den Inhalt seiner Tasse in den nächstbesten Blumentopf – Mrs. Weasley hatte ausdrücklich auf ein paar Tupfen Farbe an diesem ungemütlichen Ort bestanden –, der Tee von Fred, George und Hermine folgte.
„Pfui", prustete Ginny und verzog angewidert das Gesicht, „Das Sumpf...zeug schmeckt einfach ..."
Weiter kam das Mädchen nicht, da in diesem Moment ihr ganzer Körper erstarrte, sie konnte sich keinen Millimeter mehr rühren. Mit gerümpfter Nase stand sie da, die Augen halb geschlossen, Arm und Kopf froren mitten in der Bewegung ein.
Erschrocken fuhr Hermine herum, auch Dumbledore, Smethwyck, Mrs. Weasley, Luna und Neville erschienen auf einmal wie farbige Steinskulpturen, es war gespenstisch! Wieso ...?
Dann machte es ‚Klick', dem Mädchen fiel es wie Schuppen von den Augen: die Starre-Kapseln!
Hendrik und Chokoloye mussten unter einer Decke stecken!
Sie verfluchte sich innerlich, daran nicht vorher gedacht zu haben. Sie hätten diese Brühe niemals auch nur anrühren dürfen, nach den Geschehnissen im Zelt! Wie hatten sie nur so leichtgläubig sein können! Damit hätten sie rechnen müssen!
Aber der Brief von Merlin – du liebe Güte, sie konnte es immer noch nicht fassen – hatte sie alle in den Bann gezogen.
Die beiden Übeltäter traten hinterhältig lächelnd auf die an Statuen erinnernden Zauberer zu. Auch Geoffrey, Drew und Unberew grinsten, als sie ihre Zelte verließen und sich den beiden anschlossen – sicherlich gehörten sie zu ihnen! Alle fünf hatten die Zauberstäbe gezückt und richteten sie direkt auf Dumbledore und die anderen.
Goeffrey erteilte ihren Kameraden mit zufriedener Stimme Anweisungen:
„Hendrik nach rechts, Drew nach hinten, Unberew nach links, Chokoloye, du gehst nach vorne. Ich untersuche hier alles, nehmt was ihr finden könnt!" Ein selbstgefälliges Lächeln umspielte ihre Lippen, „Der schwarze Lord wird sicher entzückt sein, wenn wir ihm geheime Pläne des Phönixordens bringen!"
Die anderen vier befolgten ohne zu zögern ihre Befehle, und Geoffrey rollte die Ärmel ihres Umhangs zurück und tippte mit dem Zauberstab sacht gegen ihren linken Unterarm, seufzte befreit auf, als schwarze Linien langsam Form annahmen.
Hermine stockte der Atem, sie hatte das Dunkle Mal enthüllt!
Durch einen Tarnzauber war es bisher offenbar nicht aufgefallen – nicht einmal Moody hätte es so erkennen können – und sie hätte es bestimmt auch jetzt nicht sichtbar gemacht, wenn die Tarnung nicht sehr unangenehm wäre – zumindest vermutete Hermine, dass sie es war, immerhin verhüllten nicht viele Anhänger Voldemorts ihr Erkennungszeichen auf diese Weise, den meisten genügte die Sicherheit ihrer Robenärmel.
„Verdammter Mist!" zischte George verärgert, „Wie konnten sich diese fünf Todesser nur in den Orden einschleichen? Warte, bis ich Dädalus Diggel erwische, ich weiß noch, wie er Lupin gebeten hat, ihnen den Standort des Hauptquartiers zu verraten! Man könne ihnen voll und ganz vertrauen ... Pff!"
– „Wir müssen etwas tun", wisperte Fred zurück und zückte entschlossen seinen Zauberstab, „Die haben zum Glück für uns noch nicht bemerkt, dass sie uns vier nicht erwischt haben!"
Konzentriert schätzte der sonst so vorlaute Rotschopf die Lage ab, „Zuerst nehmen wir Geoffrey, wir pirschen uns von hinten an. Wenn alles gut geht, schalten wir sie nacheinander aus!"
– „Wäre alles gut gegangen, wären die Todesser nicht einmal hier!" erwiderte Hermine kaum hörbar und holte angespannt ihren Zauberstab aus dem Gürtel.
Fred und Ron krochen wachsam um ein Zelt und gingen dahinter in Deckung, George und Hermine warteten nur auf ihr Zeichen, bereit zuzuschlagen. Fred hob eine Hand mit drei ausgestreckten Fingern.
Er zog den ersten ein ... der zweite folgte ... jetzt der dritte!
Ron, Fred und George sprangen energiegeladen aus ihrem Versteck und verfluchten die ahnungslose Geoffrey, bevor Hermine sie zurückhalten konnte. Die anderen vier Todesser waren wieder zu ihnen zurückgekehrt und hoben bedrohlich die Zauberstäbe!
Blitzschnell duckte sich Hermine hinter die immer noch erstarrte Mrs. Weasley und ließ die Feinde passieren. „Euer letztes Stündlein hat geschlagen!" hörte sie Drew siegessicher lachen, „Cruc..."
– „Expelliarmus!"
Hermine sprang abrupt hinter den Todesser und entwaffnete ihn, er war so überrascht, dass er nicht einmal Widerstand leisten konnte. Sein Zauberstab landete klappernd irgendwo unter dem großen Holztisch. Nun wurden jedoch seine vier Kameraden aktiv – Geoffrey hatte sich schnell erholt –, im Nu schossen die Flüche nur so hin und her.
„Petrificus Totalus!" – „Relaschio!"
Rote Funken, gelbe Funken, blaue, violette – sie hatten wahnsinniges Glück, dass es noch keine grünen regnete!
„Expelliarmus!" – „Protego!" – „Stupor!"
Beide Parteien konnten schon nach kurzer Zeit zahlreiche Schnitt-, Schürf- und Brandwunden vorzeigen, der Kampf verlief ziemlich ausgeglichen. Jeder Vorteil wurde sofort ausgeschlachtet, jede Unachtsamkeit ausgenutzt. Keiner der Duellanten ließ sich überlisten, sie lagen alle etwa auf dem gleichen Niveau.
„Du hast doch erzählt, dass ihr die fünf zu dritt besiegt habt!" rief Hermine George verstimmt über die verschiedenen ‚Bombarda'-, ‚Reductio'- und ‚Furunculus'-Schreie hinweg zu, während sie gleichzeitig einen Stolperfluch abblockte.
– „Ich hab nie behauptet, dass wir leichtes Spiel hatten", brüllte er unbekümmert zurück, „Das war wirklich harte Arbeit!"
– „Ergebt euch, ihr Bastarde!" unterbrach Drew scharf die Unterhaltung der beiden, er hatte seinen Zauberstab aufgehoben und war für kurze Zeit verschwunden, aber jetzt war er wieder aufgetaucht ...
... mit Harry!
Ron ließ vor Schreck seinen Stab fallen und schluckte, Hermine trat der Schweiß auf die Stirn und Fred und George sahen sich nur entgeistert an. Woher zum Henker ... ?
Der boshaft grinsende Todesser hatte Harry die Hände auf den Rücken gefesselt und bedrohte den Jungen mit dem Zauberstab.
„Den hier hab ich in der Höhle vor der Tür zum Hauptquartier gefunden. Wollte wohl in der Nähe sein um herauszufinden, wann der Dunkle Lord wieder zuschlagen würde", spottete er und befahl hämisch, „Stäbe wegwerfen! Sonst zünde ich euren Freund hier an!"
Hermine schluckte verzweifelt, folgte aber bitter der Anweisung, gemeinsam mit den anderen – was hätten sie auch tun sollen?
Sie hatten keine Wahl, Harry durfte nichts geschehen! Wieso in aller Welt hatte er wegrennen müssen!
„Brave Kinder", Drew grinste überlegen, und noch breiter und gemeiner, als er es ohnehin schon tat, „Und jetzt zehn Schritte rückwärts!" Wieder wurde der Befehl widerwillig, aber ohne zu zögern ausgeführt.
„Ihr seid sehr gehorsam", lobte der Todesser und verzog sein Gesicht zu einer triumphierenden Grimasse, „Zur Belohnung mach ich es für Potter kurz und schmerzlos.
Avada ..."
Drew stockte.
Mimas war zwischen ihm und Harry erschienen, mit weit ausgebreiteten Flügeln versperrte die silberne Eule ihm die Sicht und landete anmutig zwischen Harry und dem Todesser.
„Was soll das, du Mistvieh?", raunzte er und lachte höhnisch auf, „Du bist nichts weiter als eine dreckige, kleine Eule, da treff ich Potter selbst dann noch, wenn du dich in den Weg hockst!"
Wie auf Kommando, als hätte er nur auf dieses Stichwort gewartet, verwandelte sich Mimas.
Binnen Sekunden stand an der Stelle, wo eben noch die majestätische Eule gesessen hatte, ein ausgewachsener Mann, schlank und durchtrainiert im grau-silbernen Umhang – genau wie zuvor Mimas' Gefieder.
Eine Kapuze bedeckte seine Haare und verwehrte Harry, der hinter dem Fremden stand, den Blick auf sein Gesicht.
Trotzdem wusste Harry, dass er, hätte der geheimnisvolle Mann sich umgedreht, in ein Paar graue Augen starren würde, die unverwandt und zuversichtlich auf ihn hinab geblickt hätten, und ein Schauer lief ihm über den Rücken; es war gespenstisch!
Selbst die zuvor so überheblichen Todesser schienen die Aura von Selbstsicherheit und Siegesgewissheit zu spüren, die von dem Fremden ausging, keiner von ihnen war imstande sich zu rühren und sich seiner beinahe magischen Anziehungskraft zu entziehen, während der Mann seinen Zauberstab aus dem Gürtel zog und ihnen aufrecht entgegen trat.
Erst als er Drew mit beachtlicher Leichtigkeit gegen die Wand schleuderte, sodass dieser bewusstlos liegen blieb, erwachten die anderen vier aus ihrer Trance, sie beschossen den Fremden einfallslos mit einem armseligen „Stupor!"
Der Mann rauschte geschickt aus der Schusslinie. Bedauernd stellte Harry fest, dass er immer noch nicht in diese tiefen Augen blicken konnte, er wollte, musste einfach ...
Drei der Todesser wurden von ihren eigenen roten Blitzen niedergestreckt, der vierte stürmte auf den silber-grau gekleideten Mann zu und hob erneut fahrig seinen Zauberstab.
Bevor er allerdings auch nur den Mund öffnen konnte um seinen für lange Zeit letzten Fluch zu sprechen, duckte sich der Fremde, tauchte geschmeidig unter dem Zauberstab des Angreifers hinweg und wirbelte um die eigene Achse.
Nicht eine Sekunde später lag der zuletzt so kleinlaute Todesser bewusstlos am Boden.
Keiner – weder Harry, Ron oder Hermine noch Fred und George – konnte begreifen, was sich eben ereignet hatte, sie standen wie erstarrt. Der geheimnisvolle Fremde drehte ihnen immer noch den Rücken zu und zog sich langsam die Kapuze vom Kopf, schwarze, gepflegte, lange Haare kamen zum Vorschein.
Harry begann zu zittern, trat instinktiv einen Schritt nach vorne, wusste nicht wieso.
Wie in Zeitlupe drehte sich der Mann um, es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der schluckende Junge in sein hübsches Gesicht blicken konnte.
Harry hielt die Luft an, er schluchzte trocken. Das war unfassbar! Unglaublich! Wie ...?
Sein Hals fühlte sich an wie verdorrt, Harry konnte nur krächzen.
„Sirius!"
- Anmerkung der Autorin -
Na, war das ein Auftritt? Ich hoffe doch stark, dass euch das Kapitel gefällt!
Ist nämlich eins meiner Favoriten.
Gerade bei diesem Kapitel hab ich sehr lange geschrieben - vor allem die letzte Szene, und würde mich
- in Anbetracht der Tatsache, dass Sirius endlich wieder auftaucht -
wirklich sehr über Reviews freuen, weil ich gern wissen würde, was ihr von dem Kapitel haltet!
Wär schön, wenn ich diesmal mehr als 3 Reviews - schniff - lesen könnte!
