Part 2
Hatte ich etwas falsch gemacht? Bin ich ihm zu nahe getreten? Aber warum hatte er dann diesen Blick inne? Warum schaute er so sehnsüchtig auf meine Lippen und machte sich dann aus dem Staub?
Ich betete den Rest des Abends, dass er sich jetzt nicht ganz von mir zurückzog, sondern er wirklich nur in dem Moment überfordert war, oder so.
Als hätte er meine Gedanken gehört, bekam ich eine SMS von ihm. Ich hatte tatsächlich Angst sie zu öffnen. Was, wenn dort jetzt stand, dass es besser wäre, wenn wir uns nicht mehr sehen?
Ich öffnete die SMS, aber mit geschlossenen Augen. Warum fiel es mir nur so schwer, sie zu lesen? Wenn es so war, war es so. Dann würde ich mein Leben ohne Edward weiterführen, wie ich es auch vorher tat. Alleine.
Aber ehrlich gesagt, wollte ich es nicht. Noch auf dem Markt hatte ich mir gesagt, dass ich ihn nicht mehr missen wollte. Vielleicht war es wirklich nicht so gut, dass wir uns so nah gekommen waren. Aber das heißt nicht, dass wir keine Freunde sein könnten.
Bella. Mein überstürzter Abgang tut mir sehr leid. Ich kann nur erahnen, was gerade in dir vorgeht, aber in mir ging auch einiges vor. Es fällt mir schwer, mich zu erklären. Nur eins, ich bereue nichts, außer mein Gehen. Ich hoffe du kannst mir noch einmal verzeihen. Freue mich auf morgen. Pass auf dich auf. –E-
Erleichtert sank ich in die Couch und umarmte ein Kissen. Es war noch nichts verloren. Er war wohl wirklich nur etwas übermannt von seinen Gefühlen. Verständlich. Man lernt aus den Dingen und in diesem Fall sagte es mir, Edward nicht noch einmal so nahe zu treten, bevor ich ihn ganz vertreiben würde.
Ich verstehe dich, Edward. Es gibt nichts zu verzeihen. Freue mich ebenfalls auf morgen. Bye. –B-
Eine Reaktion von Edward dauerte nicht lange.
Danke, Bella. Gute Nacht. –E-
Mit dieser Nachricht schlief ich einigermaßen beruhigt ein.
Am nächsten Morgen machte ich mich früh auf zu Charlie. Wir zwei frühstückten meistens gemeinsam, bevor ich das Essen machte und er sich das Sonntagspiel ansah.
So lief es auch heute. Ich holte frische Brötchen vom Bäcker. Kaum, dass mein Truck vor Charlies Haus Halt machte, hörte ich sie schon. Ruby.
Ruby war eine 6-jährige Border-Collie-Hündin, die Emmett und ich unseren alten Herren geschenkt hatten. Wir wollten einfach nicht, dass er sich einsam fühlte in seinem großen Haus. Erst war er gar nicht begeistert, bis sie sich auf seinen Schoss setzte, ihren Kopf in seine Hand kuschelte und zu ihm hoch schaute.
Seitdem hatte sie ihn in der Hand. Oft begleitete Ruby ihn auch in die Wache. Sie war dort sehr beliebt.
Charlie machte die Tür auf, im Wissen, was geschehen würde. Ruby kam freudig bellend auf mich zu gelaufen und schubste mich fast um, als sie mich ansprang. Ich knuddelte sie einmal ordentlich durch, ließ sie meine Wange schlecken, obwohl ich kein Fan davon war, bis Charlie pfiff und sie an seine Seite lief. Er kam auf mich zu und umarmte mich.
„Hi, Dad."
„Morgen, Bells."
Früher waren wir beide nicht die, die sich ständig umarmten. Das änderte sich, nachdem ich überstürzt aus Forks ans College ging und später nach Seattle kam. In der Zwischenzeit hatte ich meine Familie kaum gesehen.
Wenn Charlie mich jetzt umarmte, ließ er mich spüren, wie sehr er mich vermisst hatte und mich nicht mehr gehen lassen würde. Darum brauchte er sich allerdings keine Sorgen machen. Ich hatte aus meinem Fehler, meinem blöden Dickkopf gelernt.
Ich genoss unsere Umarmung für einen längeren Moment, bis sich Ruby wieder bemerkbar machte. Ja, wenn eine andere Frau Charlie näher kam, wurde die Süße schnell eifersüchtig, auch wenn sie verstand, dass ich ein wichtiger Mensch in Charlies Leben war. Da half nur Bestechung.
Während Charlie die Tüten aus dem Truck holte, gab ich Ruby ein Leckerli. Damit hatte man immer einen Stein bei ihr im Brett.
Beim Frühstück redeten wir ein wenig über die Cullens. Ich über Carlisle und er über Edward. Wobei ich Charlie natürlich gerne zuhörte, wie er über Edward sprach. Und wie die Chemie zwischen Emmett und Edward stimmte.
Mein Bruder kam später auch mit Rose, um sich das Spiel anzuschauen, während Rose mir in der Küche half. Ich kam kaum dazu, richtig zu kochen, da Rose mich die ganze Zeit angrinste. Natürlich wusste sie, dass ich gestern den Tag mit Edward verbrachte.
Alice und sie waren zu einem teuflischen Duo geworden. Man wusste nie, was sie im Schilde führten. Dabei sollte Alice aufpassen, denn mir war nicht entgangen, dass sie ein Auge auf meinen besten Freund geworfen hatte. Und auch Jasper war hin und weg von dem Cullen Wirbelwind.
„Bella?", kam es von Rose mit einer neugierigen Stimme.
„Ja, Rosalie?", tat ich unschuldig.„Wie war dein Samstag?"
„Schön!"
„Schön?"
„Jap."
„Komm schon", wurde sie ungeduldig, während sie Kartoffeln schälte und ich die Jakobsmuscheln wusch.
Um ehrlich zu sein, wollte ich sogar mit jemandem darüber reden. Charlie und Emmett fielen da komplett weg und Rose war schon immer mein Kissen zum ausheulen, aber auch eine Person, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand.
Und vielleicht könnte sie mir Mut machen, dass ich nicht zu viel in Edwards gestrigen Abgang hineininterpretieren sollte.
Ich hatte zu lange gebraucht, um zu reagieren, denn Rose erkannte, dass mir etwas auf dem Herzen lag.
„Was ist passiert?", fragte sie vorsichtig.
Zaghaft sah ich zu ihr und überlegte für einen Augenblick lang, ob ich es wirklich tun sollte. Als ich mich entschieden hatte, sah ich mich um, um sicher zu gehen, dass wirklich nur Rosalie es hörte.
„Wir… wir hätten uns gestern Abend fast geküsst", sah ich beschämt zu Boden.
Ich hörte etwas zu Boden fallen und sah die Kartoffel, die eben noch in Rosalies Hand war, vor meine Füße rollen. Als ich hoch blickte, stand ihr Mund offen, was mich nur verlegender machte.
„Und dann ist er gegangen", legte ich schnell nach, um alles loszuwerden und kniff die Augen zusammen, denn ihre Reaktion würde kommen.
„Er ist was..?", wurde sie viel zu laut.
„Pssssst. Rose!", mahnte ich sie und deutete Richtung Wohnzimmer.
„Er ist was?", fragte sie noch einmal leiser.
„Er ist gegangen, weil er mit dem Moment wohl nicht umgehen konnte. Vielleicht war es etwas zu schnell", versuchte ich zu erklären.
„Aber er kann dich doch nicht einfach so stehen lassen. Wenn das Emmett hört."
„Das wird er nicht!", sagte ich bestimmend.
„Bitte", flehte ich.
„Gut, Sis. Aber nur, weil deine Augen verraten, dass da noch mehr hinter steckt. Sehe ich das richtig? Edward kam mir nicht so vor, als wäre er ein Typ dafür."
„Du hast recht. Aber ich kann dir nichts sagen. Es ist sehr hart für ihn. Und du würdest seine Reaktion verstehen, wenn du wüsstest, was er durchgemacht hat. Er hat sich auch entschuldigt und freut sich auf heute", konnte ich meine Freude auf ihn, aber auch auf seine Familie, nicht verbergen.
„OK. Ich hoffe nur, er wird dir nicht wehtun. Mindestens vier Personen werden ihm dann wehtun", machte sie sich wieder an ihre Kartoffeln.
„Ach, und Bella", sagte sie und blickte liebevoll zu mir, wie sie es so oft tat in meinem Leben.
„Ich hoffe wirklich, dass vielleicht mehr aus euch wird. So wie du die ganze Woche gestrahlt hast, habe ich dich noch nie gesehen. Und es ist schön. Mehr davon", grinste sie nur und stellte die geschälten Kartoffeln auf den Herd zum Kochen.
Tatsächlich musste ich zugeben, wenn ich so zur Woche zurückblickte, war ich wirklich ein fröhlicherer Mensch. Ich konnte es spüren. Und das nur durch Edward? Hatte dieser Mann wirklich solche Wirkung auf mich?
Er musste. Denn als nach zwei Stunden die Türklingel ging, machte ich einen kleinen Sprung und wurde ganz hippelig. Rosalie sah nur zu mir und zwinkerte mit einem Daumen hoch, bevor sie Charlie und Emmett versuchte aus ihren Sesseln zu holen.
Ich machte stattdessen die Tür auf, wo nicht nur die Cullens standen, sonder auch ein grinsender Jasper neben einer freudigen Alice.
„Hi, Bella", begrüßte sie mich mit einer kurzen Umarmung und zog Jasper mit ins Haus, welcher nur ein Lächeln für mich hatte.
Als nächstes begrüßten mich Carlisle und Esme. Mein Boss schüttelte meine Hand, während auch Esme meine Umarmung suchte.
„Vielen Dank für die Einladung", lächelte sie mir warmherzig an und überreichte mir eine Tortenhaube.
„Edward hat mir erzählt du magst Erdbeeren. Ich habe eine Elsässer-Erdbeer-Tarte gemacht", zwinkerte sie mir zu.
Na was für ein Zufall. Auf dieser Tarte befanden sich die Zutaten die ich, die Erdbeeren, und Edward, die Pistazien, so liebten. Das hatte er mir gerade gestern erst erzählt. Ich bat die zwei herein, wo sie schon von den Anderen in Empfang genommen wurden.
Edward stand unschlüssig da und wusste nicht so recht, was er machen sollte.
„Hi", kam es von mir.
„Hi", wirkte er fast schüchtern.
Das einzige, was ich in dem Moment noch machen wollte, war, ihn zu umarmen. Und das tat ich auch. Mir war egal, was die Anderen denken würden, denn ich brauchte die Umarmung und ich hatte das Gefühl, Edward brauchte sie auch. Zumindest ließ es sich vermuten, als er die Umarmung stark erwiderte und über meinen Rücken strich.
„Danke, Bella. Für dein Verständnis. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich irgendwann fortsetzen kann, was ich gestern abgebrochen habe", sagte er mir und verschwand ins Haus. Sein erfreutes Lächeln dabei war mir nicht entgangen.
Nun stand ich vor Charlies Tür. Ich brauchte einen Moment, um das Geschehene zu begreifen. Hatte er das wirklich gerade gesagt? Gab es tatsächlich die Hoffnung, dass Edward und ich sogar etwas mehr als Freunde werden könnten?
Seine Worte und seine Geste stimmten mich auf jeden Fall positiv.
Nun musste ich allerdings den Kampf am Esstisch meistern. Denn auch, wenn ich meine Augen nur für Edward hatte, spürte ich den Blick von Charlie in meinen Nacken.
TBC
A/N: Vielen lieben Dank an alle Reviewer…. xoxo
