Titel: - Hating Love - - Sounds of Revenge, Part One by: Nyx und Wandelstern, Kap. 5: April 2003 Inhaltsangabe: Düstere Zeiten, Finsternis ist überall. Der Dunkle Lord Voldemort herrscht grausam über die Welt der Magie. Doch die Hoffnung auf bessere Zeiten lässt eine Gruppe von Zauberern und Hexen nicht aufgeben. Hauptcharaktere: Draco Malfoy, Harry Potter, Ron Weasley, Hermione Granger, Ginny Weasley, Sirius Black, Severus Snape, Remus Lupin, u.a. Anmerkung: "Sounds of Revenge" ist der erste Teil von - Hating Love - und beginnt im Spätsommer 1997. Draco, Harry, Ron, Hermione (...) sind 17 Jahre alt, Ginny, Colin 16. - Hating Love - - Sounds of Revenge ist der erste Teil. Der zweite Teil und der dritte Teil werden an Teil eins anknüpfen und die Fortsetzungen darstellen. Altersfreigabe: ~ ab 13. Feedback: Immer gern gesehen und danke an die, die bisher reviewt haben... onenyx@yahoo.de | wandelsterne@yahoo.de ~~~ www.dark-nyx.de.vu | www.wandelstern.de.vu Disclaimer: Alle wiederkannten Personen gehören Joanne K. Rowling. Wir haben keine Rechte an diese Figuren und verdienen mit der Fanfic kein Geld. Beta: Tanni ^^ knuddelz

Anmerkung II: Wir hoffen, dass ihr uns verzeihen könnt, dass ihr soooooooo lange habt warten müssen. Danke für diese unzähligen Reviews, das ist superlieb von euch!!!

Anmerkung III: Zu Blaise: in der deutschen Ausgabe steht, sie sei ein Mädchen. In der Englischen bleibt genau diese Tatsache offen. Normalerweise soll "Blaise" angeblich ein Jungenname sein, allerdings haben wir auch mal englische FFS gelesen gehabt, wo Blaise als ein Mädchen dargestellt wird. Nun, falls Blaise in Rowlings Fassung ein Junge sein wird - wir ändern das natürlich nicht mehr um, da müssten wir ja alles komplett neu schreiben.

- The Fair Unknown -

(Heimweh)

~ 5th Chapter ~

Hermione saß mit den anderen im Gemeinschaftsraum. Sie hatten soeben gefrühstückt, doch sie waren von der letzten Nacht immer noch ausgezerrt.

Zu vieles ist zu schnell geschehen, als dass es ihr ohnehin schon schwer angeschlagener Verstand in diesen grausamen Zeiten mal eben so verarbeiten konnte.

Vor allem die Weasley-Brüder waren gereizt. Sie waren blass, so dass ihre Sommersprossen sich wie leuchtende Punkte von der Haut abhoben und ihr rotes Haar zu brennen schien.

Ja, eisige Flammen und feuriges Eis schienen in der Atmosphäre aufeinander zu prallen, um einen Kampf zu beginnen, der niemals enden sollte. Umringt von einer düsteren Dunkelheit, die alles Licht in sich hineinzog. Ohne Gnade.

Hermione saß in einem Sessel, die Beine angewinkelt und mit ihren Armen umschlungen. Sie fröstelte, trotz der Flammen im Kamin, die Wärme spendeten.

Ihre Gedanken galten Ginny.

Ihr fiel auf, dass sie selten an Ginny gedacht und sie, obwohl sie sie immer wahrgenommen und ein Wort für sie übrig gehabt, sich in Wirklichkeit doch kaum um sie gekümmert hatte.

'Es ist komisch, manchmal denkt man erst an Menschen, die man mag, wenn es zu spät zu sein scheint,' dachte sie.

Wenn man sie Tag für Tag sieht, schenkt man ihnen nur geringe Aufmerksamkeit. Doch wenn sie plötzlich fort sind, vermisst man sie und man bereut, ihnen zuvor nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Der Wert von etwas Kostbarem wird einem erst bewusst, wenn es verschwunden ist.

'Warum sind wir Menschen nur so?'

Hermione seufzte. Sie fuhr sich mit der rechten Hand durch ihre braunen Locken, ehe sie wieder ihre angewinkelten Beine umschlang.

"Nun müssen wir Kontakt zu Snape aufnehmen", drang Rons Stimme in ihre Gedanken.

Sie schaute auf.

Ron hatte seine Hände zu Fäuste geballt. So sehr, dass seine Knöcheln weiß waren. Vor ohnmächtiger Wut und Verzweiflung.

"Er wird wissen, wo man Ginny hingebracht haben könnte."

George und Fred nickten eifrig.

"Das glaubst du doch wohl selber nicht", wandte Harry ein.

Harry hatte ruhig gesprochen. Beherrscht. Manchmal war es seine Art, so mit den Problemen fertig zu werden. Indem er seine Gefühle für andere unsichtbar machte.

Doch vielleicht war es gerade diese Gelassenheit, die das Fass zum Überlaufen brachte.

Ron sprang auf.

Mit einem Male war aus seiner stählernen Blässe ein tobendes erhitztes Rot geworden, die sich mit der Farbe seiner Haare kaum noch unterschied.

"Ron", setzte Hermione an, doch Ron polterte schon los.

"Harry! Es geht um Ginny! Um Ginny, meiner kleinen Schwester, verdammt noch mal!"

Harry blinzelte verwirrt. "Ich weiß, Ron", versuchte er seinen Freund zu beschwichtigen, aber Ron wollte sich offenbar nicht beruhigen lassen. Mit einer heftigen Armbewegung wischte er Harrys Worte fort, als wären sie niemals ausgesprochen worden.

"Du weißt gar nichts, Harry!" Zornig funkelte er ihn an. "Dein Hass auf Snape ist so groß, dass du sogar Möglichkeiten abstreitest, in denen er uns eine Hilfe sein könnte!"

Ron stürmte auf Harry zu, der ebenfalls in einem Sessel saß, beugte sich zu ihm herab packte ihn am Pullover und zog Harry ein kleines Stück nach vorne. Ihre Gesichter waren nur noch eine Handbreit voneinander entfernt. "Alleine werden wir Ginny niemals finden", fuhr er fort, nicht mehr laut, aber immer noch zornig.

Niemand sagte etwas. Keiner schien es drauf ankommen lassen zu wollen, die Wut Rons auf sich zu ziehen.

Niemand, bis auf einer. Doch die Tatsache, dass Draco nicht wusste, worum es ging, schien zu begründen, warum er sich einmischte.

"Na, macht Weasley dir seine Liebeserklärung, Potter? An Romantik muss er aber noch etwas üben."

Hermione schloss die Augen, als sie die schleppende Stimme von Draco hörte, der soeben aus seinem Schlafzimmer gekommen war. 'Muss er denn ständig provozieren.'

Dann öffnete sie ihre Augen wieder und drehte sich halb herum.

Draco stand lässig gegen seine Tür gelehnt und musterte Ron und Harry amüsiert.

Auch er wirkte blasser als sonst.

Ron ließ Harry los und fuhr zu Draco herum.

"Malfoy", zischte Ron zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Seine Hände hatte er wieder zu Fäuste geballt. Er bebte vor Zorn.

Doch Harry sprang hastig auf, packte Rons Arm und versuchte, ihn zurückzuhalten.

Ron wollte sich losreißen, wohl, um sich auf Malfoy zu stürzen - einfach, weil Rons Gefühle mit ihm durchgingen, aber nun sprang auch Justin auf und half Harry, den erbosten Jungen in Schach zu halten.

"Ron, reg' dich ab", meinte Katie Bell und Angelina Johnson stimmte ihr zu.

"Warum, lass ihn doch Malfoy vermöbeln", presste Fred hervor.

Hermione seufzte. "Ron", sagte sie. "Beruhige dich, ja? Denk an Ginny, sie würde es nicht gut finden, wenn ihr euch prügelt."

Das wirkte.

Ron hörte auf, sich zu wehren und Harry und Justin ließen ihn los, jederzeit bereit, ihn wieder zu packen.

Plötzlich stand Ron einfach nur da, hilflos und mit hängenden Schultern.

Hermione wusste, wie traurig er sein musste und sie stand auf, ging zu ihm und nahm ihn einfach nur in den Arm.

Sie merkte, dass er nicht mehr in bodenlose Leere fiel, sondern durch ihre Umarmung tröstenden Halt fand.

"Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie stirbt", flüsterte er leise, so dass es nur Hermione verstehen konnte. Er klang heiser und - fassungslos. "Ich habe mich so wenig um sie gekümmert, ich habe ihr noch nicht einmal sagen können, dass ich sie wirklich liebe."

"Die Chance wirst du noch bekommen, Ron", wisperte sie zurück.

Ron bog seinen Kopf etwas zurück, um Hermione anzusehen. Verzweiflung beherrschte seine veilchenblauen, sonst so lebendigen Augen. Verzweiflung und Reue. Und Hermione konnte sehen, wie Panik in ihnen geboren wurde, Panik und Furcht davor, dass er niemals wieder die Chance bekommen würde, seiner kleinen Schwester zu sagen, dass er sie mochte.

"Ich habe Angst", gestand er ihr leise.

Hermiones Herz zog sich mit einem Male krampfhaft zusammen. Plötzlich verspürte sie Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Zuhause, nach einem Ort voller Geborgenheit, in dem es keine Gefahren mehr gab. Ein Ort, so schön und dennoch unbekannt, waren die Zeiten doch grausam und unnachgiebig. Opferten sie doch ihre letzten Kräfte an Willensstärke und mussten sie doch ihre letzten Funken an Verstand herausholen, um die Hoffnung niemals aufzugeben.

Sie umarmte Ron wieder.

Und diesmal gaben sie sich gegenseitig Halt.
* * * * * * * * * * * * * * *
"Harry?"

Harry drehte sich herum, als er die Mädchenstimme hörte und sah Cho, wie sie aus dem Gemeinschaftsraum heraustrat und ihm folgte.

"Cho", lächelte er.

Er hatte Cho Chang lange nicht mehr gesehen und doch fühlte er immer noch ein Kribbeln im Bauch. Selbst jetzt noch.

Sie schien ihm noch schöner als er in Erinnerung hatte.

Cho blieb vor ihm stehen.

Sie hatten noch keine Gelegenheit gehabt, so richtig miteinander zu reden.

Harry war froh, dass er Kontrolle über sich und seine Gedanken hatte, sonst hätte er wohl dümmlich herumgestottert. Dennoch musste er sich erst einmal zwingen, sich von ihrer Schönheit loszureißen.

Chos hübsches, zierliches Gesicht, ihre sanften, großen Augen, ihre lilienweiße, reine Haut und ihr Wesen, dass er schon immer so einvernehmend fand - er konnte in ihrer Schönheit versinken.

"Ich bin froh, dass ihr jetzt bei uns seid", sagte er dann.

Cho schenkte ihm ein Lächeln. Ihre dunklen, großen Augen funkelten in dem Fackellicht.

"Ich bin auch froh, dass wir uns wieder getroffen haben. Vor allem jetzt, wo Dumbledore gefangen genommen wurde." Ihr Lächeln erstarb ganz plötzlich und sie machte ein trauriges Gesicht.

"Wir müssen endlich Aktionen planen, womit wir Voldemort schwächen", meinte Harry.

Cho nickte. "Eure Befreiungsaktion war schon mal ein guter Anfang. Voldemort wird sicher nicht erfreut sein, wenn es ihm gemeldet wird."

Harry blinzelte überrascht. Doch dann schalt er sich selbst. Cho war schließlich ein intelligentes Mädchen, es war selbstverständlich, dass sie keine Angst davor hatte, den Namen des Feindes auszusprechen. Wie leider so viele andere.

"Wir müssen uns gut überlegen, wie wir vorgehen, um Ginny zu befreien. Da sie noch zu leben scheint."

"Dafür müssen wir erst einmal wissen, wo Ginny überhaupt versteckt gehalten wird", wandte Cho nachdenklich ein. "Ich würde auf London tippen."

"Warum London?"

"Weil London Voldemorts auserwählte Stadt ist. Die britische Hauptstadt. Warst du in letzter Zeit dort, Harry?"

Harry schüttelte den Kopf.

"Es wimmelt dort nur von Todessern. Ich glaube, dort leben gar keine Muggel mehr. Jedes Haus dort scheint besetzt zu sein. Besetzt von Voldemorts Anhängern, unseren Feinden."

Cho hatte hart gesprochen, etwas, was - wie Harry fand - gar nicht zu ihrem sanften Wesen passte, und ihm fiel auf, wie wenig er doch im Grunde von ihr kannte.

Umso mehr freute ihn die Aussicht, dass er nun die Chance hatte, das Mädchen besser kennen lernen zu können.

"Wir werden uns anstrengen müssen, um Ginnys Aufenthaltsort herauszufinden", meinte er schließlich. "Und Dumbledores."
* * * * * * * * * * * * * * * *
Sirius und Snape liefen durch den Verbotenen Wald. Selbst bei Tageslicht wirkte er so düster und gefährlich. Die Sonne schien Schwierigkeiten zu haben, sich durch das dichte Blätterdach zu kämpfen und so herrschte hier Kälte.

Zumindest an diesem Ort.

Sirius wusste, dass es hier auch andere Orte gab, Stellen, von denen man kaum zu träumen wagte, so schön und hell waren sie. So friedlich. Und ein Teil des Verbotenen Waldes.

Der Wald hatte verschiedene Gesichter, dass hatte Sirius schon in seiner Rumtreiberzeit gemerkt. Er hatte so viele verschiedene Gesichter, dass man kaum mit dem Zählen nachkam und doch wirkte eins immer hervorstechend und dominierend: das Gesicht der kalten, gefährlichen Dunkelheit.

Vielleicht war es eine Art von Schutz, überlegte Sirius. Vielleicht schützt sich der Wald bloß und versteckt seine schönen Orte durch Abschreckung, in der Hoffnung, dass Menschen niemals seine Geheimnisse entdecken würden. Menschen neigen dazu, das Schöne und vor allem Unbegreifliche zu zerstören. Für immer zu vernichten. Diese Theorie über den Wald hatte er schon damals aufgestellt. Damals, als er noch auf Hogwarts zur Schule ging. Mit seinen Freunden. Krone - James, den er niemals wieder sehen würde, den er auf ewig verloren hatte, weil sie einen Verräter unter sich gehabt hatten. Weil er, Sirius, einen anderen zu Unrecht verdächtigt hatte. Moody, der verschollen zu sein schien, zumindest hat Sirius sehr lange nichts mehr von ihm gehört. Er war einst in den USA, kurz bevor Voldemort die Macht an sich gerissen hatte und von dort schien er nicht mehr zurückkommen zu wollen. Vielleicht ist er aber auch mittlerweile in Frankreich oder in Deutschland, um von außen eine Widerstandslinie zu errichten. Wer weiß das schon. Und Wurmschwanz - Peter. Dieser kleine, miese Verräter. Diesen Bastard, den Sirius so sehr hasste. Sein Leben würde erst dann einen positiven Wendepunkt nehmen, wenn er ihn getötet hatte. Er war ja so nah dran gewesen. 'So nah! Aber beim nächsten Mal, Peter. Beim nächsten Mal kriege ich dich. Und dann.!'

"Du bist nahezu besessen", mischte sich Snapes ölige, kalte Stimme in seine Hassgedanken ein.

"Was?" Mürrisch blickte Sirius den anderen von der Seite an. Er war gerade so schön in seinem Hass vertieft gewesen, er mochte es nicht, wenn man ihn darin störte.

"Du bist besessen. Besessen von deinem Hass, der deinem ehemals guten Freund gilt."

"Na und." Sirius machte sich nicht die Mühe, es abzustreiten.

"Und so etwas ist schlecht. Schlecht für den Kampf, schlecht für den Widerstand, schlecht für den Zusammenhalt. Na gut, es ist auch schlecht für dich, aber das interessiert mich nicht."

"Klugscheißer", murmelte Sirius.

"Ich habe Recht und das weißt du, Black", entgegnete Snape scharf. "Dein Hass könnte in einem Kampf andere schaden. Und zwar Leuten, die auf unserer Seite stehen. Extreme Gefühle sind nun mal fehl am Platze. Vor allem bei einem solch' aussichtslosen Kampf."

"Gut", zischte Sirius. "Dann werde ich Peter beim nächsten Mal ganz einfach töten und dann haben wir dieses Problem nicht mehr! Du warst doch derjenige, der mich davon abgehalten hatte!"

"Ich habe noch nie verstanden, warum Menschen sich einander töten, nur der puren Lust willen", mischte sich eine neue Stimme in ihren Streit ein.

Eine knurrende, raue und gefährlich klingende Stimme.

Sirius fuhr herum und zückte seinen Zauberstab.

Snape ebenfalls, wie er aus den Augenwinkeln bemerkte.

"Oh nein, Arguswölfe", stöhnte Sirius leise auf, als er sich einem Rudel pechschwarzer Wölfe mit glühenden Augen gegenüberstehen sah.

Ein Wolf, der größer und stärker war als der Rest, hatte sich vom Rudel losgelöst und stand direkt vor Snape und Sirius.

Sie mussten sich leise angepirscht haben.

Und er und Snape mussten so vertieft in ihrem Streit gewesen sein, dass sie nichts gemerkt hatten.

"Sei gegrüßt, Shikar", hörte Sirius den Zaubertrankmeister nahezu freundlich sagen und riss erstaunt die Augen auf.

"Du kennst ihn?" Er selbst kannte Arguswölfe nur als eine hinter ihm und James hinterheerjagende Meute, die Drohungen ausstieß, wenn sie mal wieder verbotenerweise das Revier dieser sprechenden Tiere betreten hatten.

Aber das war lange her. Solche Erinnerungen gehörten längst vergangenen Zeiten an.

"Severus Snape", knurrte der Anführer der Wölfe. "Sei gegrüßt. Lang ist es her, dass sich unsere Wege gekreuzt haben."

"Wir sind. auf der Flucht."

"So seht ihr auch aus."

"Dann können wir ja jetzt weiter, nicht wahr?", mischte sich Sirius ein.

Doch Shikar dachte offenbar nicht im Entferntesten daran, den Weg frei zu geben.

Unbeirrt sah er Snape an und ignorierte Sirius. "Ihr solltet Richtung Osten fliegen. Mehr kann ich dir auch nicht sagen. Aber du solltest wissen, dass Jene, die den Schutz gebrochen haben, des Todes sein werden, sollten wir ihnen über den Weg laufen."

Sirius blinzelte verwirrt.

Snape nickte. "Hab Dank, Shikar. Vielleicht auf bald."

"Auf bald."

"Komm, Black", murmelte Snape und schritt voran an Shikar vorbei.

Das Rudel teilte sich in der Mitte auf, so dass Sirius und Snape hindurch konnten.

"Was meinte er?", fragte Sirius leise.

"Ich weiß es nicht", sagte Snape. "Sei froh, dass er nicht dich meinte."

"Wieso wundert es mich nicht, dass du Monsterwölfe als Freunde hast."

"Und das sagt mir Jemand, der einen Werwolf zu seinen Freunden zählt", konterte Snape bissig.

"Und warum sollen wir nach Osten fliegen?"

"Offenbar, weil vor kurzem jemand hier war, er auf unserer Seite steht und Richtung Osten geflogen ist."

"Pah, woher will dieser Wolf das wissen."

"Unterschätze das Wissen eines Wolfes nicht, Black. Unterschätze deine Gegenüber niemals, wenn du nicht der Unterlegene sein willst."
* * * * * * * * * * * * * * *

"Du darfst mich noch besuchen?", fragte Ginny müde und schaute auf, als Viperus plötzlich vor ihrem Verlies stand. Sie saß auf dem Boden, an der hinteren Wand gelehnt und hatte die Beine angewinkelt.

Seine schlanke, hochgewachsene Gestalt warf dunkle Schatten in dem düsteren Kerker. In dem spärlichen Fackellicht sah es manchmal so aus, als ob sich die Gestalt des Jungen mit den Schatten verschmelzen würde. Als ob sie eins mit jenen schattenhaften Bewegungen werden würde, die irgendwo in den verborgenen endlosen Tiefen der Dunkelheit geboren wurden.

Ginny hatte in der Nacht viel Zeit damit verbracht, über Viperus nachzudenken. Zunächst, warum er so war wie er war. Warum er sie schützte, welche Ziele er verfolgte, in dem er nachsichtig wirkte. Doch dann hatten sich ihre Gedanken in eine leere Versunkenheit verformt, die Ginny nicht fassen konnte. Sie war nicht in der Lage gewesen, ihnen Tiefe und Realität zu geben.

Aber natürlich konnte sie sie fangen und kontrollieren, als Viperus wieder vor ihr stand.

"Ich tue, was mir beliebt", antwortete Viperus mit seiner verzerrten Stimme, die stets von Kälte und Spott beherrscht wurde.

"Ohne auf die Folgen zu achten?"

"Ich entscheide, welche Folgen meine Handlungen nachhaltig beeinflussen können."

"Aber man hat doch keinen Einfluss darauf."

"Ich schon."

Ginny lachte ungläubig. "Das glaube ich dir nicht."

"Irgendwann. irgendwann, Ginny, werde ich dir beweisen, dass man über alles herrschen kann."

Ginny sah ihn nachdenklich an. Wollte er nur angeben? Oder wollte er sie einschüchtern? Wahrscheinlich beides.

Sie stand auf und trat ans Gitter.

"Ich werde gespannt darauf warten", lächelte sie, seine Behauptung nicht ernst nehmend.
* * * * * * * * * * * * * * *
"Ehm", machte Sirius. Er musterte die ganzen Spinnenweben, die sich vor ihnen auftaten. Sie waren so groß wie ein ganzes Haus. "Ich glaube, wir sind hier falsch."

"Ja, das glaube ich auch", stimmte Snape missmutig zu. "Machen wir kehrt."

"Ich glaube nicht, dass ihr hier falsch seid", ertönte eine neue Stimme.

Sirius fuhr nach links herum und erstarrte, als sein Blickfeld von ekligen, langen und behaarten Spinnenbeinen erfüllt war.

Langsam glitt sein Blick nach oben und er musste schlucken, als er realisierte, dass er einer Riesenspinne gegenüberstand. Genauer gesagt mehreren Riesenspinnen, wenn er seinen Blick verlängerte und hinter der Spinne schaute.

"Aragog wird sich freuen", fuhr die Spinne fort.

Aragog, fiel Sirius ein, war die blinde Königsspinne, von der Ron und Harry mal erzählt hatten. Aragog wollte die beiden Jungen als Nachtisch an ihre Kinder verfüttern - was Hagrid natürlich abgestritten hatte. 'Als ob meine kleine, liebe, süße Spinne Harry und Ron jemals zum Essen freigegeben hätte', hatte er gesagt.

Unwillkürlich musste Sirius grinsen.

"Du findest es wohl lustig, gefressen zu werden, hm?", fragte die Spinne lauernd und klapperte mit ihren Greifern.

"Nein, natürlich nicht", beeilte sich Sirius ihr zu versichern. "Und was jetzt?", raunte er Snape zu.

"Wir töten sie", lautete die einfache und leise Antwort. "Und dann rennen wir weg, indem wir den Überraschungseffekt nutzen."

"He, hier wird nicht getuschelt!", grollte die Spinne.

"Und hier wird auch nicht gefressen", sagte Snape tödlich. "Avada Kedavra" und schon sah Sirius einen grünen Blitz auf die Spinne zuschießen.

"Lauf!", zischte Snape ihm zu.

Sirius drehte sich herum und rannte los, quer durch das schwarze Gebüsch, gefolgt von Snape.

Mit einem lauten Dumpf fiel die tödlich getroffene Spinne zu Boden, ihre langen Beine gaben nach und streckten sich der Länge nach hin.

Prompt stolperte Sirius darüber und schlug hart auf den Boden auf.

"Sie ist tooot", hörte er das Kreischen sämtlicher Spinnen, gefolgt von wütendem Geklapper. "Sie ist toooot! Sie haben sie uuuumgebraaacht!!!"

Hastig rappelte Sirius sich auf und hetzte hinter Snape her, der unbeirrt weiterlief.

"Aaauuff sieeee!"

Sirius traute sich nicht, zurückzublicken. Er lief einfach weiter, und war froh, als er aus dem Gestrüpp herauskam.

Hastig stiegen sie auf ihre Besen und stießen ab.

Schnell, aber vorsichtig flogen sie weiter, den Ästen und Baumstämmen geschickt ausweichend und in Richtung zunehmender Sicherheit.

Sie wagten nicht, über dem Blätterdach hinwegzufliegen, aus Angst, von Todessern gesichtet zu werden, so flogen sie in einer mittleren Höhe, die ihnen Schutz vor dem Gesehen werden als auch von gefräßigen Riesenspinnen gab.

"Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt", meinte Sirius erleichtert. "Man, sahen die hässlich aus!"
* * * * * * * * * * * * * * *
"Hast du manchmal Heimweh?", fragte Ginny den geheimnisvollen Jungen.

Viperus neigte leicht den Kopf, so das ihr die silberne Maske unter seiner Kapuze entgegenschimmerte. "Heimweh?", wiederholte er das Wort in einem Ton, als kenne er die Bedeutung nicht.

"Nach einem Ort, der in unserer Zeit nur in dem Kopf existiert", erklärte Ginny. "Ein Ort, nach dem man sich so sehr sehnt und der sich schon so sehr in den eigenen Gedanken festgesetzt hat, dass man glaubt, ihn zu vermissen."

"Und in deiner Fantasie existiert solch' ein Ort, ja?"

Ginny nickte langsam. "Ja. Er ist mir unbekannt. Aber es ist mein Recht, davon zu träumen. Weißt du, das einzige, was dir niemand nehmen kann, sind deine Träume. Träume vom gerechten Unbekannten, Träume von anderen Zeiten, Träume, die alles erfassen, was dir in deiner Fantasie ermöglicht wird."

"Und dein Ort?"

"Mein Ort... ich flüchte mich dorthin, obwohl er so weit entfernt ist. So unbekannt."

"Wahrscheinlich ein Paradies." Viperus klang plötzlich höhnisch. "Wo alles gut und schön ist, friedlich und hell."

"Offenbar sehnst du dich nach anderen Orten", stellte Ginny ungerührt fest.

"Vielleicht", räumte Viperus ein.

"Erzählst du mir davon?"

"Warum interessiert dich das?" Er klang misstrauisch.

"Es interessiert mich halt."

Lange starrte er sie an, ehe er sich zu einer Antwort herabließ.

Ginny wusste nicht, ob sie es sich einbildete, aber ihr kam es so vor, als sei Viperus irritiert. Irritiert, dass sie offenbar ehrliches Interesse an ihm zeigte, ohne Gegenleistungen zu verlangen. Für wahr, er schien wirklich keine Freundschaft zu kennen...

"Sie sind dunkel", sagte er leise. Dann wandte er sich abrupt ab und schritt mit wehendem Umgang davon.
* * * * * * * * * * * * * * *

Als es dunkel wurde, wagten Sirius und Snape sich aus dem Verbotenen Wald hervor. Schnell, aber vorsichtig flogen sie Richtung Osten.

"Richtung Osten. Na toll", murmelte Sirius. "Sie können jederzeit die Richtung gewechselt haben."

"Dann hätte Shikar es nicht erwähnt."

"Und woher will dein Monsterfreund das so genau wissen?" Sirius schnaubte.

Snape sah weiter geradeaus. "Dein Fehler ist, dass du dich für den Klügsten hältst. Aber Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall."

"Pah." Sirius ging nicht weiter auf Snapes Provokation ein.

Sie flogen sehr lange und unbeirrt weiter nach Osten. Sie redeten nicht viel, stattdessen waren sie wachsam und machten hin und wieder in dunklen Verstecken halt. Man konnte nicht vorsichtig genug sein, die Feinde lauerten überall und ihre Beobachter waren gut.

Sirius seufzte leise. Wie sollten sie Verbündete bloß finden? Außerdem war es so dunkel, dass man kaum die Hand vor den eigenen Augen erkennen konnte. Ständig verdeckten große Wolken den Mond und ließen nicht zu, dass die Nacht vom silbrigen Licht erhellt wurde.

*Klatsch*

Sirius trudelte bei dem plötzlichen Zusammenstoß mit dem anderen Flieger und kämpfte um das Gleichgewicht. "Man, Snape, kannst du nicht aufpassen?", schimpfte er.

"Ich bin nicht mit dir zusammengestoßen", erklärte Snape ruhig und seine Stimme kam von der anderen Seite.

Sirius erstarrte.

"Keine Bewegung oder ihr seid des Todes", vernahm Sirius eine kalte Stimme, die ihm bekannt vorkam.

"Lumos" flüsterte der Fremde und mattes Licht erstrahlte.

Draco Malfoy.

"Malfoy", keuchte Sirius überrascht auf. Er wusste, dass Draco ein Freund war.

"Draco, um Himmels Willen, mach' das Licht aus", zischte Snape.

Draco verarbeitete seine Überraschung und grinste. "Angst?" Doch er gehorchte, denn er flüsterte "Nox".

"Ich hätte nicht gedacht, Sie mit diesem Hundemenschen zu treffen", tat Draco seine Meinung kund.

"Wir alle müssen in solchen Zeiten Opfer leisten", sagte Snape und klang spöttisch.

"Witzig", kommentierte Sirius. "Ehe ihr ein Wiedersehen nach Slytherins Art feiert, lass uns von hier verschwinden. Ein Versteck wäre gut."

"Es ist nicht mehr weit", erklärte Draco. Er flog los und Sirius und Snape folgten ihm.

"Wer ist noch bei dir?", fragte Sirius. Er brannte vor Neugier.

"Viele Hogwartsschüler."

"Harry?"

"Ja."

"Wirklich? Oh mein Gott! Das ist ja wunderbar!!! Geht es ihm gut??"

"Ja. Mr. Snape?" Draco schien nicht interessiert an Sirius Fragen zu sein. "Wie kommt es, dass Sie sich nicht in Hogwarts befinden?"

"Ich denke, meine Arbeit als Spion ist getan."

Draco setzte zur Landung an. Sie landeten in einem kleinen Wald und der blonde Junge führte sie durch das Gestrüpp hinaus über Felder. Er murmelte etwas und Sirius staunte nicht schlecht, als sich vor ihnen eine Burg auftat.

"Das ist euer Versteck?"

"Sieht so aus."

"Wow. Nicht schlecht." Sirius strahlte. Er konnte es kaum erwarten, Harry zu sehen.
* * * * * * * * * * * * * * *
Harry saß mit den anderen im Gemeinschaftsraum, als Draco eintrat.

"Schaut mal, wen ich aufgelesen habe", verkündete er und in seinen Augen blitzte es.

Gespannt sah Harry auf die Tür und konnte seinen Augen nicht trauen, als Sirius und Snape eintraten.

"Sirius!", rief er ungläubig und sprang auf.

"Sirius", wiederholten Ron und Hermione.

Polternde Geräusche verrieten ihn, dass andere ebenfalls aufgesprungen waren.

Und dann war das Chaos groß.

Harry lief zu Sirius und sie umarmten sich. Sie, Snape und Draco wurden von den anderen umringt und Fragen wurden durcheinander gestellt. Jeder fing an zu reden und niemand verstand, was man als Antwort erhielt, aber das war egal.

Sirius lebte. Ihm ging es gut und er war hier! Harry war glücklich.

Sie setzten sich alle hin und lauschten Sirius und Snapes Berichten. Sie erzählten zuerst von Sirius' Gefangennahme und deren Flucht, ehe Snape ein paar Fakten über die Feinde lieferte. Dumbledore, wusste er zu berichten, war in London, in Voldemorts Hauptfestung gefangen.

Hermione erzählte von ihrer letzten Befreiungsaktion und Ginnys Gefangennahme und die Enttäuschung war groß, als Snape sagte, er hätte von Ginny nichts gehört.

"Wir müssen Ginny sofort befreien", sagte Ron. "Ich hätte ja niemals gedacht, dass ich so denken würde, Professor Snape, aber ich bin froh, Sie zu sehen! Sie müssen uns helfen, in die Festung hineinzugelangen!"

Harry konnte Rons Meinung ganz und gar nicht teilen, aber dafür dass Sirius bei ihm war, nahm er sogar Snape in Kauf.

Snape verzog spöttisch die Mundwinkel. "Wenn es weiter nichts ist. Sie scheinen zu vergessen, dass meine Tarnung als Spion nun endgültig aufgeflogen ist, Weasley."

"Aber wenn die Wachen Sie am Tor sehen, werden Sie trotzdem hineingelassen", wandte George ein. "Und sei es, dass man Sie direkt zu Voldemort bringt. Ron, Fred und ich schmuggeln uns mit Harrys Tarnumhang rein und befreien Ginny."

"Ehm, und was ist mit Snape?", fragte Sirius dazwischen. "Wenn man ihn findet, wird er wohl eher des Todes sein, als einer von euch. Außerdem ist er ein größeres Informationsrisiko."

"Deine Besorgnis rührt mich", kommentierte Snape sarkastisch.

"Oder wir fegen die Wachen einfach beiseite und stürmen die Burg", schlug Ron vor.

Harry schüttelte seufzend den Kopf, als er den haaressträubenden Vorschlag hörte.

"Sirius' und Snapes' Ankunft hat dich wohl in Größenwahn versetzt, oder?", fragte Fred kopfschüttelnd. "Die Burg stürmen... wovon träumst du nachts? Wir müssen uns einschleichen."

"Ich könnte Voldemort erklären, dass ich noch immer auf seiner Seite stehe", fing Snape nachdenklich an. "Dass ich nur mit Black gegangen bin, weil mir sonst keine Wahl übrig blieb, als die Flucht, um ihm zu beweisen, dass ich auf ihrer Seite stehe. Er wird eventuell denken, dass ich nur deshalb so gehandelt habe, damit ich für ihn spionieren kann."

Alle sahen Snape an.

Harry konnte kaum atmen, so empört war er. "Und das ist auch die Wahrheit, nicht wahr", zischte er.

"Harry", flüsterte Sirius und packte ihn am Arm. "Snape steht auf unserer Seite, wirklich."

"Wer's glaubt."

"Das glaube sogar ich, Harry."

Harry starrte seinen Patenonkel an und gab plötzlich nach. Alle vertrauten Snape, da konnte er noch so viel Widerstand leisten, wie er wollte. Das hatte er schon erkannt, als er seine Wiedersehensfreude über Sirius Ankunft unter Kontrolle bekommen hatte. Es würde nichts nutzen, wenn er widersprechen würde. Er stand alleine da mit seinem Misstrauen.

"Würde Voldemort denn so denken?", fragte Hermione den Zaubertrankmeister.

"Vielleicht. Somit könnten sich in der Tat drei Leute mit Potters Tarnumhang in die Burg einschleichen."

Fred sprang auf. "Na dann, nichts wie los!"

Harry sah, wie Snape Fred ruhig anschaute. "Ich tue es aber mit Sicherheit nicht, wenn es nur um eine Gefangene wie Ginny Weasley geht."

"Was?" Ron stieß hörbar den Atem aus und fuhr dabei vom Sessel hoch.

"Ich tue es für eine Befreiungsaktion Dumbledores."

Die Weasley-Brüder fingen an zu protestieren, aber mehrere redeten auf sie ein.

"Jungs, hört doch mal, Dumbledore muss befreit werden", sagte Angelina.

"Dumbledore ist in der Tat wichtiger."

"Wir haben nur eine Chance, in solch' eine Festung hineinzukommen. Und wir wissen ja noch nicht einmal, ob Ginny überhaupt dort ist."

"Wir können doch beide befreien", schlug Hermione vor.

Das brachte die drei Jungen zur Ruhe.

Ron nickte. "Beide. Wir befreien beide oder niemanden."

Snape lächelte höhnisch. "Ich sehe schon, hier wird Diskussionen kurzen Prozess gemacht."

"Bist du damit einverstanden?", fragte Sirius.

Snape nickte. "Aber drei Leute schaffen es nie, Dumbledore zu befreien, Ginny zu suchen und wenn sie sich ebenfalls in der Hauptfestung befindet, zu finden und auch zu befreien und dann noch ungehindert zu fliehen."

"Zur Not passen auch vier in einen Tarnumhang", meinte Sirius abschätzend.

"Draco, Darling, hat deine Mutter nicht noch einen Tarnumhang?", fragte Blaise.

Harry sah, wie alle anderen, zu Draco.

Dieser starrte Blaise ausdruckslos an. "Ja, allerdings", gab er zu und Harry merkte, wie er die Zähne zusammengepresst hatte.

"Na, den kannst du dir ja von ihr borgen", strahlte Blaise. "Dann hätten wir acht Leute, die sich in zwei Gruppen aufteilen. Eine für Dumbledore, eine für Ginny."

"Hey, super, das könnte klappen!" Seamus' Stimme überschlug sich fast vor Begeisterung.

Harry nickte. "Die Idee ist nicht schlecht. Wir sollten einen genauen Plan ausarbeiten."

Sie hockten sich alle zusammen und Harry vergaß sogar für eine Weile seinen Hass auf Snape, als sie überlegten, wer mitkommen würde und wann sie die Befreiungsaktion planen würden.

Snape zeichnete eine Skizze, der die Festung Voldemorts sowohl von außen, als auch von innen zeigte und erklärte, wo sich was befand. Er wusste auch, wo die offiziellen Verliese waren, aber er bezweifelte, dass man Dumbledore dort untergebracht hatte.

"Wo er versteckt gehalten wird, das weiß ich nicht", erklärte er. Voldemort hat mir nie gesagt, wo sich die geheimen Verliese befinden, dass muss diejenige Gruppe schnell vor Ort herausfinden."

Harry seufzte. Die doppelte Befreiungsaktion würde schwer werden und es musste mit dem Schlimmsten gerechnet werden.

Er fing Chos aufmunterten Blick auf und fühlte sich sogleich motivierter. Cho hatte die ganze Zeit über nicht viel gesagt, aber Harry wusste, dass sie beobachtete. Beobachtete und feststellte. So, wie sie festgestellt hatte, dass Harry der Befreiungsaktion kritisch gegenüberstand. Das war er aber nur, weil er realistisch dachte.

Aber manchmal half es mehr, sich in Hoffnungen zu schwelgen, wo man mit Sicherheit mehr Kraft fand, als sich die nüchterne Wirklichkeit vor Augen zu halten.
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Ginny starrte müde in die Dunkelheit. Sie fragte sich, wie lange sie hier noch ausharren musste und was mit ihr geschehen würde.

Sie stellte sich ihren fiktiven Wunschort vor, der so real war, dass sie tatsächlich etwas wie Heimweh empfand. Obgleich dieser Ort unbekannt war. Ein Unbekannter, aber gerechter Ort. Unbekannt, weil die Zeiten grausam für solch' schöne Orte war, und gerecht, weil dieser Ort perfekt war. Perfekt, etwas, was es offensichtlich genauso wenig gab, wie das Gerechte an sich.

Sie seufzte und lehnte ihren Hinterkopf an die kalte, feuchte Wand.

Sie schloss die Augen, verbannte ihren Traum aus ihren Gedanken, der sie ja doch nur unendlich traurig machte und sie erinnerte sich an frühere Zeiten, als sie noch ein Kind war. Wie sie lachend über die Blumenwiesen im Garten gerannt war und versucht hatte, Schmetterlinge zu fangen.

Tränen brannten in ihren Augen und sie zog die Knie an den Körper, umschlang sie mit ihren Arme und vergrub ihren Kopf darin, um ihren Tränen der Sehnsucht und Verzweiflung freien Lauf zu lassen.