In der Nacht

Sooo, nach all den Bitten, hier ein Kapitel voller Spannung und Action. Ich hoffe es jedenfalls. Die Bilder von Ferons Anwesen und vor allem der Lageplan findet ihr auf Tumblr und Pinterest. Ich denke, er wird etwas helfen, genauer die Sachlage zu verstehen.


Das Auto fuhr über die asphaltierte Straße an der Küste entlang zurück zu dem Haus, an dem sie noch am gestrigen Abend eingeladen worden waren. Constance blickte immer wieder nach draußen und verkrampfte ihre Hände in der schwarzen Jeans. D'artagnan, der zwar unentwegt auf die Straße blickte, merkte wie seine Freundin immer steifer wurde.

Er nahm die rechte Hand vom Lenkrad und legte sie auf ihre Hände und streichelte diese sanft. Sie entspannte sich leicht und atmete tief ein und aus. „Constance, bitte, es wird alles gut gehen, ich verspreche es dir. Denk immer dran, das tust du für Anne." „Ja, ich weiß, aber was ist, wenn etwas schief geht? Deine Verletzung. Sie ist noch nicht verheilt und jetzt nehme ich dich mit."

Constance machte sich Schuldgefühle. „Nein, du verstehst nicht. Ich nehme dich mit." „D'artagnan, bitte." Er grinste, wurde dann aber wieder ernst. „Ich kenne das Risiko. Und ich kann dich das nicht alleine machen lassen. Ich habe in sowas mehr Erfahrung. Diese gleicht mein Handicap wieder aus. Solange ich keinen Sumoringer bekämpfen muss, wird es gehen."

Er lachte kurz auf bei der Vorstellung ein Sumo Kämpfer steht in Ferons Anwesen. Constance war aber gar nicht zu Lachen zu mute. Sie blickte wieder nach draußen. Sie waren schon fast in Saint Tropez und sie betete nur, dass alles gut gehen würde.

D'artagnan ließ ihre Hand wieder los und machte, als sie fast bei Feron waren, das Licht aus. Er fasste sich, ohne dass seine Geliebte es merkte, an seine Wunde. Das Ziehen in seiner Wunde wurde von Stunde zu Stunde schlimmer und er hätte sich ausruhen müssen. Doch sein Ehrgefühl und seine Liebe zu Constance gaben ihm Kraft. Er überstand das schon. Constance brauchte ihn jetzt.

Er fuhr an dem Anwesen vorbei, dabei behielt er eine langsame aber gleichbleibende Geschwindigkeit bei. Er versuchte Leibwächter oder einen Sicherheitsdienst zu erkennen, doch Anwesen war von außen gesehen verlassen und menschenleer. Das war schon mal ein Vorteil, den sie nutzen würden. „D'artagnan du fährst vorbei." „Ich weiß, wir parken eine Straße weiter." Sie nickte nur. Es war wirklich besser, dass er dabei war. Seine Erfahrung und die Routine waren entscheidend für ihr Vorhaben. „Das Anwesen ist im Dunkeln." Meinte er und klang nun doch besorgt. „Na, wer ist hier nervös?" Sagte sie daraufhin nur spaßig.

D'Artagnan verwarf schnell den Gedanken, der ihm durch den Kopf schoss und parkte das Auto. Beide stiegen aus. Constance schaute sich um und D'Artagnan holte währenddessen eine kleine Reisetasche aus dem Kofferraum. „Huch, warum brauchst du die denn?" „So kommen wir rein und wenn wir etwas finden, können wir so die Sachen mitnehmen, bzw. speichern oder kopieren." Sie nickte. Er war wirklich sehr geübt in solchen Dingen. Kommt wohl vom Militär, dachte sie sich.

D'artagnan hatte ihr natürlich nicht erzählt, wie er und seine drei Freunde schon einige von Louis Konkurrenten ausgeraubt, bestohlen oder Schlimmeres mit ihnen gemacht hatte. Das hier war schon Routine für ihn. Louis war schließlich am Ende des Tages auch nur ein Mann der Macht liebte und seine vier besten Männer verschafften ihm das durch nicht ganz so gesetzlich treuen Methoden.

Sie schlichen sich in den Vorgarten. Dort waren, wie er schon aus dem Auto heraus erkannte, keine Wachen postiert. Auch sah er keine Kameras, wobei er auch hier mit keinen gerechnet hatte. Feron wohnte ihn einer sehr guten Gegend. Dort musste man nicht schon den Vorgarten bewachen lassen. Sie liefen an der Eingangstür vorbei und schlugen den Weg zur Garage ein.

Bei der kleinen Tür im Garagentor angekommen, kniete er sich davor. Er musste das Aufstöhnen unterdrücken. Seine Wunde hatte wohl etwas gegen diese körperliche Betätigung. Er blendete das Brennen aus und holte die nötigen Werkzeuge. Wie er sich schon gedacht hatte, war das Tor beziehungsweise die Tür schnell überlistet und sie konnten problemlos durch die Tür spazieren.

In der Garage liefen sie an dem schwarzen Audi und einem schwarzen Mercedes vorbei, ließen diese unberührt und liefen weiter. Die Verbindungstür zum Haupthaus hatte keine weitere Sicherung mehr und sie konnten einfach hindurch gehen. Als er die Türklinge herunterdrückte, fürchtete Constance schon mit dem Alarm, doch dieser blieb aus.

„Siehst du, habe ich es dir nicht gesagt. Ein Kinderspiel." Sie war wirklich beeindruckt. Einbruch war zwar keine Qualität, die einen Mann auszeichnete. Aber wie er da in der Tür stand, vollkommen in schwarz gekleidet, mit diesem überheblichen Grinsen. Da wurde selbst die moralischste Frau schwach und dazu zählte sie nun wirklich nicht. Aber daran konnten sie nun nicht denken, hatten sie doch eine Mission.

Das Haus lag vollkommen im Dunkeln. Es war so still. Man traute sich kaum zu atmen. Ab und zu hörte man ein Auto, dass draußen vorbeifuhr. Als sie gestern Abend hier gewesen waren, war es so lebendig gewesen. Die Musik hatte durch das gesamte Haus geschallt und an jeder Ecke hatten Gäste gestanden. Überall war das Personal herumgelaufen und einzelne Kerzen waren in Nischen und auf dem Boden verteilt gewesen. Ohne das alles wirkte es verlassen und karg. Es war wie ein Geisterhaus.

D'artagnan schulterte die Tasche und blickte nach links und rechts. „Okay, wir sind drinnen. Komm, wir suchen erst hier unten." Sie nickte. Er lief los, sie folgte ihm natürlich. „Constance, wir sind schneller, wenn wir uns trennen." Er war doch leicht amüsiert von ihrer Naivität, kannte er sie doch so nicht. Aber das war schließlich auch ihr erster Einbruch. „Natürlich du hast recht. Dann gehe ich dorthin." Sie zeigte auf die entgegengesetzte Richtung.

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„Anne, wo ist denn Constance?" fragte Treville. Er hatte sich schon gewundert, warum die blonde Frau ohne die Begleitung ihrer besten Freundin gekommen war. Aramis und Anne waren vor fünf Minuten auf der Dachterrasse eingetroffen. Dort warteten schon Treville, Henry, Marc und Porthos. Sie wollten gemeinsam zu Abend essen.

„Sie lässt sich entschuldigen, sie wollte sich früh zu Bett begeben." „Wahrscheinlich die Wärme", sagte Porthos, die anderen nickten. Es war doch wärmer an der Küste als in Fontainbleau, sie selber mussten sich auch erst daran gewöhnen. Bevor weitere Fragen aufkommen konnten, kamen die Kellner und teilten die Speisekarten aus.

Nach einem Blick auf die Auswahl entschied sich jeder für ein Gericht und die Kellner gaben sogleich die Bestellung an die Küche weiter. Der Wein kam auch schon einige Minuten später. „Mein Cousin und seine Begleitung lassen sich wohl auch entschuldigen." Bemerkte Anne nur. Dabei erwiderte jedoch niemand etwas.

Aramis und Porthos tauschten Blicke aus und waren dieses Mal froh, dass ihr Freund Athos nicht zugegen war. „Madame, wie war es denn am Strand?" Porthos lenkte das Gespräch des Abends auf ein leichteres Thema. Anne und auch die anderen stiegen sofort darauf ein. „Wundervoll, es war zwar ganz schön voll, der Strand scheint sehr beliebt zu sein. Das Wasser war angenehm kühl und so klar, wirklich sehr schön."

Marc und Henry nickten. „Gab es irgendwelche Auffälligkeiten?" Treville war wieder voll und ganz auf seine Aufgabe als Captain gerichtet. „Nein, Sir, keine. Alles war ruhig." Marc stattete Bericht ab. „Captain, ich glaube kaum, dass dies ein Gespräch für den Tisch ist." Aramis, aber auch Porthos waren so etwas von ihrem Boss nicht gewohnt. Sie besprachen Geschäftliches nie in Anwesenheit vor ihren Auftraggebern.

Treville besann sich sofort. „Natürlich, entschuldigen Sie." Er stand auf, warf die Serviette auf den leeren Teller und ging. Die anderen schauten ihm nach, alle mit einem beunruhigenden Blick. Porthos fing wieder an und heiterte die Situation auf. „Was haben Sie denn so gemacht?" Porthos meinte dabei den Strand. So fing er wieder die Aufmerksamkeit aller ein. Anne dachte kurz nach und fing dann zu erzählen an.

„Nun, wir haben zuerst….."

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Constance suchte im östlichen Teil des Hauses. D'artagnan im Westlichen. Das Haus bestand aus fünf Teilen. Das Haupthaus, in dem sie sich nun auch befanden war in der Mitte. In diesem war ein gläsernes Innenatrium. Dort befanden sich Outdoor Möbel, ein paar Sitzgelegenheiten und Beistelltische. Es sah recht gemütlich aus, so wie der Mond darauf schien.

Im vorderen westlichen Teil befand sich die Garage mit einer Verbindung zum Haupthaus. Diesem gegenüber, im hinteren westlichen Teil, war ein extra Gebäude, eine Küche. Diese konnte man zum Haupthaus abtrennen. Sehr sonderbar, aber D'artagnan hatte dies schon mal in anderen noblen Häusern gesehen. Die reichen Millionäre wollen keine Gerüche in ihren Zimmern haben, und trennten daher die Küche vom restlichen Gebäude. Sie hatten auch oft Dienstpersonal, sodass sie selbst die Küche kaum betraten.

Diesem gegenüber im hinteren, östlichen Teil, war noch ein Ausbau des Haupthauses. Dieses wurde erst nachträglich hinzugefügt. Im Erdgeschoss fungierte es als eine überdachte Terrasse. Im zweiten Geschoss war ein Raum, der für D'artagnan und Constance zu diesem Zeitpunkt noch undefinierbar war, D'artagnan schätzte jedoch, dass sie dort das Arbeitszimmer auffinden würden.

Noch immer suchten beide in den unteren Räumlichkeiten. Constance war bei der Suche sehr zaghaft, sie versuchte alles so hinzustellen, wie sie es vorgefunden hatte. D'artagnan war dies herzlich egal. Er wusste, die Hausbesitzer nahmen kleine Veränderungen, vor allem in so einem Haus, nie wahr. Er durchwühlte jeden Zentimeter und suchte an den ungewöhnlichsten Stellen. Sie kramten mehrere Zettel durch, es waren jedoch nur bedeutungslose Notizen, Rechnungen oder auch Bestellungen. Nach einer Stunde kamen beide an dem Atrium zusammen. „Und?" „Nichts und bei dir?" fragte D'Artagnan. Constance schüttelte den Kopf.

„Mist, okay. Hier ist auch kein einziges technisches Gerät. Kein Laptop, kein Tablet, noch nicht mal ein Handy." Er war verzweifelt. So etwas hatte er noch nie erlebt. D'artagnan blickte sich nochmal im Raum um, mit der Hoffnung nun irgendetwas zu erblicken, dass sie bei ihrer gründlichen Suche wohl übersehen hatten. „Naja, sein Handy nimmt er bestimmt mit." Constance versuchte eine Erklärung zu finden. „Ja, aber das Laptop, ein Geschäftshandy, Irgendwas. Das alles ist doch sehr mysteriös."

„Vielleicht finden wir etwas im Garten. Meine Oma hatte all ihren Schmuck immer in der Laube versteckt." Sie wollte schon loslaufen. Er griff nach ihrer Hand und zog sie wieder zu sich. „D'artagnan, dafür haben wir keine Zeit." „Nein, das war auch nicht meine Intention, wobei, küssen will ich dich immer." Er gab ihr einen schnellen und flüchtigen Kuss und sprach dann weiter.

„Wir können nicht in den Garten, die Nachbarn werden uns da sehen und dieser ist auch zu stark beleuchtet. Durch die Erde werden wir Spuren hinterlassen, das willst du doch nicht." Constance schüttelte den Kopf und war sauer auf sich selbst. Sonst war sie doch nicht so naiv und unvorsichtig. „Vielleicht finden wir etwas in seinem Arbeitszimmer, im ersten Stock." Er zeigte auf die Treppe am anderen Ende des Raums.

Constance schaute auf die Treppe. „Gut, dann los." Sie lief voraus. D'artagnan grinste. Sie wurde durch ihn vielleicht doch noch eine waschechte Einbrecherin. Er folgte ihr stolz. An der Treppe hielt er sie doch zurück. Sie schaute ihn fragend an. „Vielleicht sind hier noch extra Alarmanlagen oder Sensoren verbaut." Er suchte die Wände ab. Doch nirgends waren Sensoren oder Schaltflächen eingebaut. Er nickte ihr zu und beide gingen langsam die Treppe hinauf. D'artagnan hatte immer einen Blick auf verdächtige Punkte an den Wänden. Er suchte alles ab, fand jedoch nichts.

Auch Constance hielt die Augen auf, wusste sie aber nicht wonach. Oben angekommen zeigte sich ihnen einen großer Raum, der durch die zugezogenen Vorhänge abgedunkelt war. An der einen Seite standen große schwarze Bücherregale, die bis zur Decke ragten. Viele Bücher, die wohl weder gelesen noch angerührt werden sollten, standen dort. Sie gingen langsam vorwärts, es knirschten unter ihren Füßen.

Es war wohl ein alter Parkettboden verlegt worden. Dadurch war ein lautloses Hereintreten fast unmöglich. Sie gingen weiter hinein. Es drang nur wenig Mondlicht in den großen Raum. Sie konnten kaum etwas sehen. Etwas griff nach Constance Schulter und sie schreckte auf. Bevor sie einen Schrei abgeben konnte, hatte ihr D'Artagnan die Hand auf den Mund gedrückt. „Psst, ich wollte dir nur eine Taschenlampe geben." Er nahm vorsichtig die Hand wieder herunter und reichte ihr die Taschenlampe. „Entschuldige." Sie nahm sie und schaltete sie an. „Nichts passiert. Gut, du suchst dort, ich suche hier hinten." Er zeigte auf die Regale. Constance sollte den Schreibtisch und die nebenstehende Kommode in Augenschein nehmen.

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Athos klopfte an die Zimmertür. Doch niemand öffnete. Er klopfte wieder, dieses Mal etwas bestimmender. „Captain, ich bin es Athos. Sind Sie da?" Er hörte nun Schritte im Zimmer und die Tür wurde aufgemacht. „Athos?" „Ja, Captain. Ich hatte schon zweimal geklopft." „Entschuldige, ich war in Gedanken. Was gibt es?" Er ließ Athos eintreten.

„Nathan wollte die Informationen direkt von der Guise Familie holen. Doch ehe er die Sicherheitsbarrieren umgehen konnte, gab es einen Angriff auf unsere Dateien. Er konnte diesen abwehren. Dennoch erschien mir diese Situation mehr als erwähnenswert." Treville hörte nicht wirklich zu. Als Athos länger schwieg nickte er nur, schaute ihn aber noch nicht einmal an.

„Nun, Nathan tut gerade alles was in seiner Macht steht, damit dies nicht nochmal passiert." „Sehr gut, sehr gut." Dies war nur eine weitere flüchtige Antwort von Treville. Athos lies aus, dass der Angriff aus Saint Tropez kam. Treville hatte kaum das eine mitbekommen, ihm noch weitere Details zu erzählen wäre unnötig gewesen. Dies machte Athos nun wirklich Sorgen.

„Treville, ich werde mich zurückziehen." Er wartete bevor er zur Tür lief, noch immer schaute Treville in die Ferne. „Treville?" „Jaja, tu das." Winkte er nur ab und wandte sich an den kleinen Schreibtisch, der in seinem Zimmer stand. Athos ging mit besorgter Miene nach draußen.

Auf dem Gang traf er Porthos. „Hey Mann, wir haben dich beim Abendessen vermisst, wo warst du denn?" „Wir hatten Probleme bei der Informationsbeschaffung. Wollte gerade den Captain einweihen, der hat mir hingegen gar nicht zugehört. Das habe ich noch nie erlebt."

Porthos zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist der Captain nur müde. Dieser Auftrag hier ist ein vierundzwanzig Stunden Job. Und er wird auch ein bisschen alt." Den letzten Satz sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen. „Mhmm." Grummelte Athos nur, ein Mann weniger Worte, das wusste Porthos. Beide trennten sich wieder. Porthos lief zu einem der Wachen vor Louis' Zimmer um ihn abzulösen. Athos ging wieder zu Nathan.

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Bevor Porthos bei Louis Zimmer ankam, traf er Marc und Henry im Fahrstuhl. „Na ihr beiden, ihr habt euch so schick gemacht." „Ja, wir haben heute frei." Verteidigte sich Marc sogleich. Henry blieb ruhiger. „Wir gehen ein bisschen in die Stadt, mal gucken ob Nizza mit Paris mithalten kann."

Porthos schlug Marc auf die Schulter. Durch die Wucht ging dieser ein bisschen in die Knie. „Mensch, da würde ich ja glatt mitkommen, habe aber Dienst." Im obersten Stockwerk angekommen, stieg Porthos aus und winkte den beiden noch.

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„Was hat der Captain gemeint?" Nathan blickte zu Athos. „Mach einfach deine Arbeit." Nathan verdrehte nur die Augen, tat aber wie geheißen. Solche Antworten war er von Athos gewohnt, doch nie hatte der ältere so mit ihm gesprochen, nur immer mit anderen. Während er tippte, dachte er weiter über Treville und nun auch Athos nach. Treville hatte was zu verbergen, warum hatte er sich wohl mit Savoy getroffen? Seine Erklärung hätte genauso gut eine Lüge gewesen sein können. Und nun Athos Reaktion. Es steckte mehr dahinter.

„Sag mal." Athos blickte auf, als Nathan anfing zu sprechen. „Hast du auch ein schlechtes TV und Handy Signal in deinem Zimmer? Dort oben kann ich kaum mit dem Laptop arbeiten. Irgendwelche Störungen und Interferenzen sind dort." „Nein, ich schaue kein TV, habe keine Zeit." Meinte Athos nur. Wie bei dem Gespräch mit Treville, war er es nun, der nicht zuhörte. Er machte sie zur sehr Gedanken um seinen Captain.

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Constance machte es sich auf dem Stuhl, in dem sonst Feron saß, bequem und sah sich erst alle Papiere auf dem Schreibtisch an. Es waren nicht gerade viele. Nur einzelne Einladungen zu Partys hier an der Cote D'Azur. Dann drehte sie sich um und öffnete den Aktenschrank, der schräg hinter ihr am Fenster stand.

In der ersten Schublade waren nur Büromaterialien, wie Füller, Locher, Tacker und Marker. In der zweiten lagen viele Flyer, Werbungen und Visitenkarten. In der dritten waren einzelne, aufgerissenen Briefe. Sie hoffte nun endlich etwas gefunden zu haben und holte sie heraus. D'artagnan nahm dies aus dem Augenwinkel wahr. „Hast du etwas?" fragte er.

„Das weiß ich noch nicht." D'artagnan hielt inne, während Constance schnell die Schriftstücke überflog. D'artagnan kam in der Zeit wieder etwas zu Atem. Das alles strengte ihn doch mehr an, als er es für möglich gehalten hatte. „Nein, doch nicht. Es sind nur die Briefe zwischen Louis und Feron." „Sie schreiben sich noch Briefe?" D'artagnan war verwundert. „Tja, Männer alter Schule schätze ich." Sie suchten beide weiter. Da sie nun alle Schubladen durchwühlt hatte, richtete sie nun ihre Aufmerksamkeit auf den Laptop. „D'artagnan, kannst du bitte mal kommen. Er ist mit einem Passwort geschützt."

Ihr Freund, der sich eigentlich den Regalen und vor allem den darin befindlichen Büchern zuwenden wollte, kam zu ihr. „Lass mal sehen." Sofort erkannte er das Problem und griff zu der Tasche, die er bei sich trug. Er zog einen Stick heraus. „Hier, ich habe einen USB Stick für solche Fälle. Wenn der Laptop nur durch ein einfaches Passwort gesichert ist, sollten wir damit reinkommen." Er steckte den Stick ein und ein Programm lief auf dem Bildschirm. Wenige Sekunden vergingen und der Bildschirm zeigte nun die Benutzeroberfläche.

Constance nahm die Maus und klickte auf den Dateienordner. „Komisch, es gibt kaum Dateien, der Computer ist so gut wie leer." Bemerkte sie. „Wie kann das sein? Selbst ich habe unzählige Dateien auf meinem Computer und ich arbeite nicht mal daran." „Ich verstehe das nicht, alleine durch das Projekt müsste die Festplatte voll sein."

„Wir sollten die Dateien auf den Stick kopieren, wenigstens das, was vorhanden ist." Constance nickte. Sie wollte gerade die Dateien markieren und in den Stick-Ordner ziehen, als sie Geräusche aus dem unteren Raum hörten. Beide hielten inne und erstarrten. Constance wollte schon etwas sagen, aber D'artagnan hielt den Finger vor dem Mund und gab ihr zu verstehen, dass sie kein Geräusch machen sollte.

Wieder kamen Geräusche von unten. Sofort reagierte D'artagnan und zog den Stick wieder heraus. Schnell meldete sich Constance ab. Sie liefen auf die Tür zur Treppe zu. Doch die Schritte am Fußen deren, hinderten sie daran weiterzugehen. Der Fluchtweg war versperrt. Constance sah hilfesuchend zu ihrem Begleiter.

Er zog sie schnell von der Tür weg. Sie klammerte sich an seinen Arm. Er suchte wild mit den Augen den Raum ab. Es musste einen Ausweg für sie geben. Er ging die Wände ab, fand aber keinen zweiten Zugang und keine Tür. Die Schritte wurden lauter. Constance ging langsam rückwärts und stieß an den Schreibtisch. Ihr Blick war weiter auf die Tür gerichtet. Sie wartete nur darauf das jemand hereinkam und sie entdeckt wurden.

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In Ferons Anwesen, im unteren Bereich, positionierte einer der Männer, wohl ihr Anführer, die restlichen Männer an den Ausgängen. „Lasst sie nicht entkommen, wir brauchen sie. Am besten ihr fotografiert sie auf frischer Tat. Und wir brauchen sie lebend, also wenn ihr Schießen müsst, dann nur in die Beine." Alle nickten und begaben sich auf die Posten. Der Anführer sowie weitere drei Männer durchsuchten alle Räumlichkeiten im unteren Bereich. Nach wenigen Minuten war klar, hier war niemand.

„Grimaud, niemand ist hier." Flüsterte einer seiner Lakaien. Er zeigte nach oben. Sofort gingen die drei auf Position an der Treppe. „Sie werden uns dort nicht entkommen, hier ist der einzige Zu und Ausgang." „Leise, sie hören noch alles und sind dann gewarnt." Mahnte Grimaud den Mann an. Dieser verstummte und wollten nach oben gehen.

„Wartet," flüsterte einer der Männer, der an einer der Terassentüren positioniert war. Einer von Grimaud's Männern kam angeschlichen. „Sir, ein Auto haben wir nicht gefunden, sie müssen wohl anders hierhergekommen sein." Grimaud nickte und nun gingen sie endlich hinauf.

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„D'artgnan was sollen wir jetzt machen?" Constance war mehr als verzweifelt. Sie wusste nicht mehr weiter. D'artagnan machte sich nicht die Mühe darauf zu antworten, sondern suchte weiter. Es musste einen Ausweg geben. Er lief zu den Fenstern. Diese waren zum Glück weder gesichert noch verschlossen. Er schob die Vorhänge beiseite und öffnete das Fenster am Schreibtisch.

Er schaute hinunter. Es war nicht tief. Schließlich befanden sie sich nur in im ersten Stock eines Flachbaus. D'artagnan schätzte die Entfernung zum Boden ab. Es musste gehen. Er winkte Constance her. Sie kam sofort und stellte sich nun neben ihn. „Du willst darunter?" flüsterte sie. „Es ist die einzige Möglichkeit. Komm, es ist nicht tief. Wir hangeln uns an dem Fensterbrett herunter. Wir landen dort und laufen weg." Er zeigte auf eine Stelle auf den Boden.

Als er das sagte, klang es so einfach. „Ich spring zuerst, dann kann ich dich unten auffangen." Er kletterte schon halb aus dem Fenster, als sie ihn zurückhielt. „Nein, bitte, deine Verletzung. Du schaffst das nicht." Sie war unglaublich besorgt. Doch darüber konnte er sich jetzt keine Gedanken machen. Er durfte nicht auf sich achten. Alleine Constance's guter Ruf und ihre Sicherheit waren seine einzige Sorge. „Mir passiert nichts, ist ein Kinderspiel." Er versuchte die Gefahr kleinzureden. Er kletterte weiter. Als beide Beine im Freien baumelten, stützte er sich ab und ließ sich leicht nach unten fallen, hielt sich aber immer noch am Fensterbrett fest.

Erst als er ausgestreckt da hing, lies er los. Der Fall war von kurzer Dauer und er kam am Boden auf. Ohne Verletzung, in Bestform, wäre das wirklich ein Kinderspiel gewesen. Aber in seinem Zustand war es riskant. Er kam auf den Boden auf und wollte sich, da er die Kraft doch unterschätzt hatte, noch abrollen. Jedoch misslang es ihm und er kam unsanft mit seiner Wunde auf dem Boden auf.

Von oben konnte Constance dies nicht gut erkennen. Sie sah nur, wie er für wenige Sekunden auf dem Boden lag. So war dies bestimmt nicht geplant gewesen. Ohne die Verletzung war ihr Liebster bestimmt galanter gelandet. Sie wollte herunterrufen, besann sich doch dann. Schließlich konnten es die anderen, die mittlerweile auf der Treppe waren, hören. D'artagnan atmete schnell ein und aus und drängte den Schmerz in den Hintergrund.

Er rappelte sich auf und blickte nach oben. Er zeigte ihr mit einem Lächeln, das er erzwang, das alles in Ordnung war, und winkte sie herunter. Constance hörte die Schritte nun immer näherkommen und verlor keine Zeit. Denn wenn alles was sie wusste, war, dass D'artagnan sie beschützen würde. Vor allem aber, dass er sie auffangen würde.

Sie kletterte also wie er es zuvorgetan hatte, über den Fensterrahmen und hangelte sich am Fensterbrett herunter. Er streckte ihr die Arme entgegen und sie ließ los. Sie kam weich in seinen Armen auf und er brachte sie sanft zu Boden. Er setzte dabei seine Maske auf, die er so nur im Krieg getragen hatte. Eine Maske, die verbarg, wie es wirklich um ihn bestellt war.

Der Sturz und nun die zusätzliche Anstrengung hatten seiner Wunde nicht gerade gutgetan und sie war wahrscheinlich wieder aufgegangen. Er spürte wie das Blut sich an dem T-Shirt, dass er unter seiner Sweat Jacke trug, ausbreitete. Bevor Constance etwas sagen konnte, griff er nach ihrer Hand und beide rannten auf die Straße.

Zum Glück hatte D'artagnan das Auto eine Straße weiter geparkt. Er machte das Auto schon auf, als sie noch gute zehn Meter entfernt waren. So konnten sie in Sekundenschnelle einsteigen. Er startete den Motor und legte den Gang ein.

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Grimaud und die anderen waren oben angelangt und öffneten die Tür. Sie stürmten alle in das Zimmer, doch dort war niemand. „Sie sind weg. Wie können sie weg sein?" einer seiner Männer musste das Offensichtliche zur Sprache bringen. Das Fenster am Schreibtisch war weit geöffnet, so hatte Grimaud es nicht zurückgelassen. Mit schnellen Schritten ging er darauf zu.

Er schaute nach draußen und sah noch zwei dunkle Gestalten das Gelände verlassen. Er schlug mit der Faust auf das Fensterbrett und drehte sich in Rage um. „Ich will sie. Los, verfolgt sie, sie können nicht weit kommen. Na los!" Brüllte er alle an. Sofort setzten sie sich Bewegung und rannten die Treppe hinunter zu den Autos, die in der Einfahrt standen. Sie stiegen ein und fuhren los.

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D'artagnan fuhr schnell aus dem Wohngebiet. Er war so unter Adrenalin und Anspannung, dass seine Verletzung und die Schmerzen nach hinten gerückt waren. Er merkte auch nicht gleich, dass Constance neben ihm wie Espenlaub zitterte. Er schaute in den Rückspiegel und erhöhte das Fahrtempo. Er wollte so schnell wie möglich aus Saint Tropez.

„Constance, es ist alles gut, wir haben es geschafft. Bitte." Er machte sich wirklich sorgen. Er war das Adrenalin und solche Gefahren gewohnt. Im Krieg und in der Zeit danach gab es so viele davon. Er war teilweise süchtig danach. Doch für Constance war dies wahrscheinlich das erste Mal. Er griff nach ihrer Hand. Sie war eiskalt.

Sofort drehte er die Heizung höher. „Alles wird gut." Constance nickte nur und lehnte sich an seinen Arm. Sie wollte einen Arm um seinen Bauch legen um seine Wärme zu spüren. Doch anstatt dessen spürte sie eine ungewohnte Feuchte. Sie zog ihre Hand zurück und erkannte an ihren Fingerspitzen Blut. „D'Artagnan du blutest. Oh Gott, du hast dich verletzt."

„Das ist nicht wichtig. Ich schau es mir im Hotelzimmer an." Er wollte sie nicht weiter beunruhigen, doch nun bestätigte sich seine Annahme, dass seine Nähte gerissen waren. „Nein." Sie griff nochmals dorthin, jedoch nun vorsichtiger und spürte, dass sich eine große Blutlache auf dem T-Shirt ausgebreitet hatte.

„D'artagnan, du musst anhalten, wir müssen die Blutung stoppen." Er blickte wieder in den Rückspiegel und tat so, als hätte er sie nicht gehört. Nun sah er zwei Lichter, die immer näherkamen. Er fuhr schon weit über dem Limit. Ein Tourist, auch kein Einheimischer würde so schnell in der Dunkelheit fahren.

„D'artagnan!" Constance wurde nun lauter. Sie war zutiefst besorgt und drückte ihre Hand nun auf die Stelle, wo sie erfühlen konnte, wie das Blut herausquoll. „Constance, wir werden verfolgt. Ich kann nicht anhalten. Wir müssen sie abhängen und dann wieder in das Hotel zurückkehren."

Constance war hin und hergerissen. Auf der einen Seite wollte sie, dass D'artagnan verarztet wird. Auf der anderen Seite wollte sie aber nicht, dass sie geschnappt und in das Gefängnis kommen. Sie drückte nur auf seiner Wunde und versuchte so, ihm irgendwie zu helfen. D'artagnan nahm das als Bestätigung fortzufahren war und drückte auf das Gaspedal. Er versuchte den anderen Wagen durch einige Manöver im Wohngebiet abzuhängen können. Doch das misslang ihm. Die Verfolger waren wohl kundig im Ort.

So konnte er sie nicht loswerden. Er fuhr also aus dem Ort raus und nahm die Küstenstraße. Hier konnte er die Sportlimousine voll ausfahren und erhöhte die Geschwindigkeit. Immer wieder wanderte sein Blick in den Innenspiegel. Doch das andere Auto war immer noch hinter ihnen. Auch Constance war nun immer nervöser. Durch den Druck konnte sie die Blutung verlangsamen, aber selbst, wenn sie sie stoppte, er hatte schon genug Blut verloren und die Schmerzen müssen ihn wohl auch sehr schwächen. Sie hoffte nur, dass sie endlich am Hotel ankamen.

D'artagnan fuhr die Kurven auf der Straße enger und konnte so den Abstand vergrößern. Er nutzte die Gelegenheit, als er einige Sekunden aus dem Sichtfeld der Verfolger verschwunden war und lenkte den Wagen mit ausgeschalteten Licht an den Straßenrand. Dort war eine kleine Einfahrt, die durch dichtgewachsene Sträucher und Hecken ein gutes Versteck war. Die Äste und Dornen schabten an den Lack, doch das waren die geringsten Sorgen des Pärchens. Er hatte den Motor abgestellt, da fuhr auch schon in Windeseile zwei SUVs an ihnen vorbei.


Ich will unbedingt wissen, was ihr davon haltet, bitte lasst es mich wissen.