*trommelwirbel*
voilà, das letzte Kapitel meiner EFEA. Und damit ist meine 1. Fanfiktion, die ich vor über einem Jahr begann, endlich abgeschlossen! *Lufschlangen werf* ;)
Ein Danke an DasWindspiel fürs Beta lesen.
Eine Runde Cappoccino in Erinnerung an die Zeiten in Frankreich...
bisous, petit Indien
31. Dezember
Das Aufwachen war an diesem Morgen Nebensache.
Hermione lag mit dem Kopf auf Pergamentrollen und fühlte sich unausgeschlafen. Merlin sei Dank hatte irgendwer das Tintenfässchen nachts auf dem Nachttisch verstaut, sonst hätte es bestimmt ein böses Erwachen gegeben. Wahrscheinlich war es Parvati gewesen – jedenfalls hatte Hermione nicht mitbekommen, dass noch ein anderes Mädchen aus ihrem Schlafsaal nach Hogwarts zurück gekehrt war.
Doch darüber dachte Hermione nicht lange nach. Viel wichtiger war es für sie, endlich das Schatullen-Rätsel zu lösen. Nachdem sie am letzten Abend Septimas Tipp verstanden hatte, nämlich, dass sie die Schatulle nur mit Hilfe von Arithmantik öffnen konnte, hatte sie ihre Auswahl der Gegenstände auf dem verzierten Holz auf die Vögel beschränkt. Sie musste nur mehr die Reihenfolge festsetzen, in der sie die Vögel mit einem Zauber verband, dann würde sie sich hoffentlich öffnen lassen. Hermione hatte bisher alle bis auf die letzten zwei Vögel näher bestimmt.
Mit einem Seufzen strich sie sich ihre in alle Richtungen abstehenden Haare aus dem Gesicht und machte sich an die Arbeit. Als sie auch denen eine bestimmte Zahl zugeordnet hatte, brachte sie die Vögel mit Hilfe der Zahlen in eine Reihefolge und setzte sich schließlich mit der Schatulle in der Hand auf.
Jetzt kam der alles entscheidende Moment. Wenn das die Schatulle nicht öffnen würde, wüsste sie auch nicht weiter.
Hermiones Herzschlag beschleunigte sich wie von selbst, als sie nach ihrem Zauberstab griff. Sie atmete einmal tief durch, nahm sich den Zettel zur Hand und wollte gerade mit dem Zauber beginnen, als sich die Schlafsaaltür zögernd öffnete.
Ein Rotschopf, den Hermione als den von Ron erkannte, schob sich herein. Als er sah, dass sie noch im Bett saß, lief er knallrot an und wollte sich schon wieder verziehen, doch Hermione hielt ihn zurück.
„Schon okay, komm rein Ron!", rief sie ihm zu.
Sichtlich erleichtert trat Ron ein, ließ die Tür aber offen. „Morgen Hermione", murmelte er, den Blick verlegen auf den Boden gerichtet. „Wollte nur fragen, ob du gleich mit zum Essen kommst... hast ja das Frühstück verpasst."
Verwundert betrachtete Hermione Ron. Was war denn los mit ihm? Selbst als sie noch zusammen gewesen waren, war er nicht so rücksichtsvoll gewesen. Umso mehr tat es ihr nun leid, absagen zu müssen, aber die Schatulle war ihr wichtiger.
„Ich muss noch kurz was fertig machen, dann komme ich nach, ja?"
Neugierig geworden flog Rons Blick auf den Zauberstab in Hermiones Hand und die Schatulle.
„Was ist das?", fragte er, auf die Schatulle deutend.
„Ähm, ein Weihnachtsgeschenk. Es ist kompliziert. Geh doch einfach schon vor, ich erklär es dir später", versuchte Hermione Ron los zu werden.
Anstatt vorzugehen, schloss Ron die Tür hinter sich und ging zu Hermione.
„Zeig mal", forderte er sie auf.
Hermione begann mit sich selbst zu kämpfen. Es war nichts dabei, ihm die Schatulle zu zeigen, doch sie wollte nicht. Es war ihr Geheimnis, das einzige, das Septima und sie verband. Sie wollte nicht, dass Ron es näher betrachtete. Es käme ihr vor, wie ein zu weites Eintreten in ihre Privatsphäre. Ron sollte nichts davon wissen.
Also entschloss sie sich für den einzigen Weg, mit dem sie reinen Gewissens klar kam, auch, wenn Ron dadurch beleidigt sein würde: Sie schüttelte ihren Kopf und stand selbst auf um die Tür für Ron zu öffnen.
„Was ist denn los?", fragte Ron, schon etwas aggressiver.
„Tut mir Leid, aber ich muss jetzt dringend etwas machen. Ich komme nach, ja?", versuchte Hermione ihn zu beschwichtigen, ohne zuzugeben, dass sie ihm die Schatulle einfach nicht zeigen wollte.
„Ist schon okay. Weißt du, ich glaube, ich esse lieber zusammen mit Padma", antwortete Ron eingeschnappt.
Innerlich machte sich Hermione bereits auf einen Streit gefasst, aber anstatt verletzt zu reagieren, verabschiedete sie sich ruhig und wünschte ihm Guten Appetit. Sie war überrascht von sich selbst. Hermione hatte diese Reaktion nicht guter Selbstbeherrschung zu verdanken, das war ihr klar. Es war eher so, dass Ron ihr einfach egal war. Nicht vollkommen gleichgültig, aber sie war weder eifersüchtig auf Padma, noch verletzt davon, wie er sie behandelte. Es tat ihr nicht mehr weh, es belastete sie nicht mehr.
Ron belastete sie nicht mehr.
Auf ein Mal merkte Hermione, wie ihr die ganze Sache mit Ron auf dem Herzen gelegen hatte. Und jetzt, als es ihr nicht mehr wichtig war, spürte sie nur unendliche Erleichterung. Plötzlich hatte sie auch gar keine Angst mehr davor, dass ihr Plan, die Schatulle zu öffnen, misslang. Sie wusste mit der Zuversicht, mit der sie sonst Schulprüfungen löste, dass er klappen würde.
Es war also auch keine große Überraschung, als sich die Schatulle, nachdem Hermione die Vögel nacheinander mit dem Gedanken an ‚Verbinden' berührt hatte, öffnete. Es zischte kurz, als ob ein Schwerelos-Zauber verging und dann sah sie einen Gegenstand.
In der Mitte der Schatulle, auf einem kleinen Kissen gebettet, lag, wie sie vermutet hatte, ein Ei. Es war ein hellblaues, gleichzeitig golden schimmerndes, faustgroßes Ei. Nie zuvor hatte Hermione etwas so schönes gesehen. Fasziniert strich sie darüber. Die Schale war warm, wirkte lebendig, fast wie eine Haut und für einen kurzen Moment hörte Hermione wieder einen Herzschlag. Er schlug unter ihren Fingern, in dem Ei, aber gleichzeitig auch in ihr. Gerade so, als ob sie und das Wesen, das in dem Ei schlief, eins wären.
Nach einer Weile entschloss sich Hermione die Schatulle sicherheitshalber wieder zu verschließen. Sie belegte das Ei mit einem Schwebezauber und schloss die Schachtel dann vorsichtig. Kurz summte das Gehäuse, dann war es wieder fest verschlossen.
Wie in Trance und sanft lächelnd stand Hermione auf, verstaute die Schatulle sicher in ihrem Koffer und verließ den Schlafsaal. Auf dem Weg zur großen Halle schwirrten die Gedanken nur so in ihrem Kopf herum.
Hermione war sich fast sicher, dass das Ei ein Phönixei war. Es musste ein Phönixei sein - dann würden auch alle anderen Tipps passen. Phönixe waren Feuerwesen, die Meeresnixe aus dem Bad der Vertrauensschüler hatte das damit gemeint. Außerdem regenerierten sich die Phönixe mit dem Feuer, für sie war Feuer also Leben. Auch das Leuchten, das Hermione gesehen hatte, als die Schatulle im Feuer gelegen hatte, würde sich so erklären. Fawkes, der Phönix von Dumbledore, hatte genauso geleuchtet kurz bevor er in Flammen aufging.
Aber ganz sicher war sie sich eben wieder nicht. Sie musste mit Septima sprechen, nichts führte daran vorbei.
Beim Gedanken an Septima schwand die Leichtigkeit in Hermione. Ihr Konflikt mit Ron hatte ihr gezeigt, dass nur die Menschen, die einem wichtig waren, einen belasten konnten. Und Septima belastete sie. Doch es war eine andere Art von Belastung. Es war Hermione mittlerweile lieber, dass der Gedanke an Septima sie belastete, als dass er ihr gleichgültig war. Septima war zu einem wichtigen Menschen geworden. Ob Hermione selbst ihr auch wichtig war? Überzeugt war sie nicht davon.
Vielleicht war sie ihr mittlerweile wichtig, doch früher war das sicher nicht der Fall gewesen. Umso mehr wunderte es Hermione, wie Septima auf die Idee gekommen war, ihr etwas zu schenken.
Und überhaupt, warum sollte Septima ihr gerade ein Phönixei schenken? Hermione versuchte sich klar zu machen, was das bedeutete. Ein Phönix, ein lebendiges Wesen und noch dazu eins der mächtigsten Zauberwesen, die ihr bekannt waren. Es erschien ihr als das wertvollste Gut, das sie besaß. Obwohl ‚besaß' es nicht traf. ‚Es erschien ihr als das wertvollste Gut, das ihr anvertraut war', traf es besser.
Bei Merlin, ein Phönix! Der einzige Phönix, den sie jemals gesehen hatte, war Fawkes und er gehörte dem mächtigsten Zauberer seiner Zeit! Aus dessen Schwanzfedern waren die Zauberstabkerne von zwei der bedeutendsten Zauberer der Geschichte!
Ein Phönix. Und sie... war nur eine Schülerin. Ja, okay, sie war Jahrgangsbeste – dennoch. Septima... verband nichts mit ihr. Jedenfalls hatte sie zum Zeitpunkt des Schenkens nichts mit ihr verbunden. Wie kam Septima nur auf die Idee, ihr so ein wertvolles Geschenk zu machen?
Das Wissen es in ihrem Zimmer liegen zu haben, machte Hermione Angst. Was erwartete Septima nun von ihr? Der Gedanke Septima vorzuspielen, sie hätte das Rätsel noch nicht gelöst, reizte Hermione. Es wäre einfacher und dadurch hätte sie mehr Zeit über die Auswirkungen nachzudenken. Doch es war nicht ihre Art. Nein, Hermione würde sich nicht verstecken. Sie würde mit Septima sprechen müssen.
Als Hermione die große Halle erreichte, winkte Ginny sie zu sich an den Gryffindortisch. Septimas Platz an der Tafel der Lehrer war allerdings leer. Hermione konnte es sich selbst nicht erklären, aber sie hatte augenblicklich das Gefühl, etwas stimme nicht.
Anfangs wurde dieses schlechte Bauchgefühl noch von der Erleichterung darüber das Gespräch noch aufschieben zu können überdeckt, nach dem Essen allerdings, konnte Hermione es nicht mehr unterdrücken und machte sich auf den Weg zu Septimas Büro. Als sie anklopfte, zog sich zwar ihr Herz zusammen, doch nichts anderes geschah. Die Tür blieb auch nach mehrmaligem Klopfen und Hämmern zu. Wo war Septima nur?
Das beunruhigende Ziepen im Bauch trieb Hermione zur Eile. Sie suchte im ganzen Schloss, schaute sich sogar draußen um, fand aber, außer einer sich bald anbahnenden Erkältung, nur Schnee. Auf Grund ihres schlechten Gefühls schaute Hermione sogar im Krankenflügel nach. Mittlerweile machte sie sich richtige Sorgen um Septima und eilte schließlich in den zweiten Stock zu Dumbledores Büro, ohne zu wissen, was sie sich davon versprach.
Gerade als sie sich Zugang verschaffen wollte, schoben sich die Wasserspeier von selbst zur Seite und eine Gestalt trat heraus. Hermiones Kinnlade fiel beim Anblick Septimas herunter, besonders, als sie erkannte, dass diese weinte.
Völlig überrascht und gleichzeitig hin und her gerissen zwischen dem Wunsch zu ihr zu gehen und der Angst, dass diese dies nicht wollte, blieb Hermione nur stehen und starrte sie an. Auch Septima erschrak bei Hermiones Anblick und versuchte sich verkrampft die Tränen von den Wangen zu wischen. Zuerst machte sie den Anschein, sich langsam zu beruhigen, doch stattdessen begann sie dann plötzlich umso stärker zu schluchzen. Hermione ließ alle Vorsicht fallen und überbrückte den Abstand zu ihr.
Sanft, als wäre sie ein zerbrechliches Wesen, nahm sie sie in ihre Arme und drückte sie an ihre Brust. Septima wollte sich zuerst von Hermione losmachen, vergrub ihr Gesicht dann aber kapitulierend in Hermiones langen Haaren. Sanft streichelte Hermione Septimas Kopf und sprach ihr beruhigend zu.
„Ich weiß leider nicht mal, was los ist, aber ich bin für dich da, ja?", murmelte Hermione mit trauriger Stimme.
Es zerriss ihr das Herz, Septima so zu sehen. Ihr Kopf arbeitete auf Hochtouren. Was war nur geschehen? Vielleicht ein Unfall eines geliebten Menschen? Wieder wurde ihr bewusst, wie wenig sie über Septima wusste.
Septima machte Anstalten zu antworten, verschluckte sich aber an ihren eigenen Schluchzern.
Als schon die erste Gruppe schaulustiger Schüler sie anstarrten, packte Hermione Septimas Gesicht und zwang sie ihr in die Augen zu schauen.
„Atme tief durch. Wir gehen jetzt zu deinen Zimmern. Ich lege einen Zauber über uns, damit keiner auf uns achtet. Alles wird gut", sagte Hermione mit eindringlicher Stimme.
Sie meinte es auch wirklich so. Egal, was es war, wenn sie auch nur irgendwas tun könnte, würde sie es tun.
Wie ein verlorenes Kind packte Hermione Septima an der Hand und zog sie durch die Gänge Hogwarts. Das einzige Wort, was Septima heraus brachte, war das Passwort für ihre Zimmer.
Sobald sich die Türe hinter ihnen schloss, zog Hermione Septima nochmals in ihre Arme. Sie wollte sie so gerne vor allen Schmerzen der Welt schützen. Es kam Hermione selbst leicht ironisch vor, war sie es doch, die die letzten Tage immer getröstet werden musste.
Hermione spürte, wie Septima sich näher an sie schmiegte. Wie von selbst stand Hermione plötzlich mit dem Rücken zur Wand und im fliegenden Wechsel war es Septima, die sie mit schon lang nicht mehr tränenden Augen anblickte.
„Hermione", flüsterte sie.
Hermione strich mit ihren Armen Septimas Rücken hinab. Ihr beider Atem hatte sich in Sekundenbruchteilen beschleunigt. Verzweifelt schaute Septima in Hermiones Augen.
„Ich kann nicht", hauchte sie, gerade so, als ob sie die Worte am liebsten in sich halten würde. „Hermione, ich kann dir nicht geben, was du suchst."
Plötzlich war Hermione es, die Tränen in den Augen hatte. Ihr war vollkommen bewusst, was Septima meinte, dennoch konnte sie nicht anders. So lange auch nur eine kleine Chance bestand, würde sie sie ergreifen.
„Aber ich suche doch gerade das!", versuchte sie sie zu überzeugen. „Mehr verlange ich nicht! ...Nur vielleicht einen einzigen Kuss?", fragte Hermione mit immer leiser werdender Stimme.
Septimas Blick wanderte von ihren Augen tiefer, auf Hermiones Lippen. Zuerst dachte Hermione, sie würde sie tatsächlich küssen. Ganz langsam näherte sich ihr Septimas Gesicht, ihre Augen schlossen sich zur Hälfte, doch dann ließ sie sie wie von der Tarantel gestochen los.
Bevor sie sich ruckartig umdrehte und in einem Raum verschwand, den Hermione als Bad identifizierte, erkannte Hermione, dass Septima lautlos weinte.
Hermione kam sich in der Zeit, in der sie auf Septima wartete, abwesend vor. Ihr Blick war nur starr in die Leere gerichtet und ihre Gedanken wurden von einem weißen Nebel gedämpft - so, als ob alles nur durch Watte zu ihr drang. Sie fühlte sich seltsam schwerelos und erst, als sie das Kratzen eines Schlüssels an der Badtür hörte, klärte sich ihr Kopf schlagartig wieder.
Gefasst trat Septima aus dem Bad. Sie hatte sich frisch gemacht – man sah ihr kaum mehr an, dass sie so furchtbar geweint hatte. Doch Hermione hätte es sofort erkannt, selbst wenn sie es nicht gewusst hätte.
Septimas Augen waren wie Fenster, Hermione sah die Trauer und Verzweiflung darin.
„Kann ich dir einen Tee machen, Hermione?", fragte Septima sie mit immer noch zittriger Stimme. „Es würde mich wohl etwas beruhigen, dir etwas anbieten zu können", fügte sie mit einem Zwinkern hinzu und machte sich ohne eine Antwort abzuwarten ans Tee kochen.
Wie schon bei ihrem letzten Besuch setzte Hermione sich auf das Sofa. Mit zwei dampfenden Teetassen setzte Septima sich neben Hermione und reichte ihr eine.
„Lass uns Klartext reden, ja?", fragte Septima Hermione.
„Hast du das sonst nicht?", neckte Hermione sie mit einem schwachen Lächeln.
Statt einer Antwort nahm Septima einen Schluck Tee.
„Septima, was ist los? Warum warst du bei Dumbledore? Ist was passiert?", versuchte Hermione zu ihr durchzudringen.
„Nein, nichts. Mach dir keine Gedanken", murmelte Septima, wich Hermiones Blick allerdings aus.
„Nein! Hör auf so zu tun, als wäre nichts!", regte sich Hermione plötzlich auf. Sie hatte dieses Todschweigen satt. Sie sollte sich keine Gedanken machen – keine Gedanken! Was bliebe denn, wenn sie, Hermione Granger, aufhörte sich Gedanken zu machen?
„Wenn du schon Klartext reden willst, dann tu es doch endlich!", rief Hermione erregt.
Mit großen ernsten Augen schaute Septima sie an.
„Ich", begann sie, doch ihre Stimme brach ab. Nach einem Räuspern fuhr sie fort: „Ich bin zu Dumbledore, weil ich mich beurlauben lassen wollte. Ich wollte für einen begrenzten Zeitraum raus aus der Schule."
„Da du in der Vergangenheit sprichst, nehme ich an, dass dein Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt wird?" Hermione verstimmte nur für den Moment, in dem Septima ihr nickend zustimmte. „Dann frage ich mich allerdings, was du mit ‚begrenztem Zeitraum' meinst. Septima, du kannst mir nichts vormachen. Du wolltest ganz weg, oder?"
Als Septima erneut nickte, trübte sich Hermiones Blick durch die Traurigkeit, die in ihr aufwallte. Septima wollte weggehen. Sie tat es zwar nicht, doch für Hermione galt schon alleine die Tatsache, dass sie es gewollt hatte.
„Hermione, ich", begann Septima. Sie wirkte so zerrissen in sich. War es ihr wirklich wichtig, dass Hermione nicht litt oder spielte sie ihr das nur vor, weil es nun mal ihre Rolle war, die Schüler zu trösten?
„Hermione, bitte denke nichts Falsches. Ich wollte weg, ja, aber nicht, weil... doch, ja, ich wollte deinetwegen weg", gab sie schließlich zu. „Aber nicht so, wie du denkst! Ich wollte wegen dir weg, aber nur, weil ich es nicht mehr aushalte. Bitte, du musst mich verstehen! Ich bin deine Lehrerin, ich bin verantwortlich. Deswegen wollte ich weg. Damit ich nicht länger deine Lehrerin bin und endlich wieder frei denken kann."
Und Hermione verstand sie tatsächlich. Dumbledore hatte wohl erkannt, dass Septimas Vorhaben nach hinten losgehen würde. Aus ihrer Liebe würde nicht nur wegen der Schüler-Lehrer-Beziehung nichts wachsen, sondern auch, weil sie beide nicht bereit dazu waren. Wenn Septima wirklich gekündigt hätte, wäre sie nicht nur ihren Job los, sondern hätte ihnen beiden auch jede Chance zum Kontakt halten genommen. Sie hatten nicht mal versucht, einen Weg zu finden. Dieses Eingeständnis sprach für sich selbst.
Der einzige vernünftige Weg war, dass Septima weiter in der Schule blieb und sie beide ihre Gefühle unterdrückten. Jedenfalls bis Hermione mit der Schule fertig war.
„Bitte versprich mir, nicht mehr meinetwegen kündigen zu wollen", bat Hermione Septima eindringlich.
Septima seufzte zwar, nickte aber.
Überlegt fuhr Hermione fort: „Dafür verspreche ich dir, dass ich ab dem neuen Jahr, solange ich deine Schülerin bin, auch wirklich nur noch deine Schülerin bin."
Tief schaute Hermione Septima bei diesen Worten in die Augen. Schmerzlich schluckte Hermione ihre Tränen hinunter. Mit jedem Wort hatte Hermione sich selbst ins Herzen geschnitten.
Mit einem Zittern umschlang Septima ihren Oberkörper.
Hermione konnte sich gut vorstellen, was in ihr vorging. Auch sie hatte das Bedürfnis, sich zu wärmen. In stechenden Schauern durchzog sie die Einsamkeit und die Sehnsucht nach der Frau, die ihr gegenüber saß. Doch sie durfte diesem Bedürfnis nicht nachgehen.
Der Anfang war immer am schwersten und um es sich etwas leichter zu machen, stand Hermione auf.
„Ich... gehe lieber." Mit einem traurigen Blick stimmte Septima ihr lautlos zu.
„Nur noch eine letzte Frage," Hermione wandte sich nochmals zu ihr, „warum ein Phönixei? Und warum für mich?"
„Es ist ein Familienerbstück", murmelte Septima, während sie aufstand und zum Bücherregal ging.
„Ich weiß eigentlich nicht, warum ich es gerade dir gab. Es hat sich richtig angefühlt." Sie streckte ihr einen Briefumschlag entgegen. „Das gehörte zum Geschenk. Wollte es dir aber erst geben, nachdem du das Rätsel gelöst hast."
Erst als sie wieder alleine im Schlafsaal war, öffnete Hermione mit zitternden Fingern den Umschlag. Bei jedem Atemzug rannen Tränen aus ihren Augen. Die Heulkrämpfe hatten mittlerweile aufgehört und auch das unkontrollierbare Schluchzen war müder Traurigkeit gewichen. Mit roter Tinte und Septimas Handschrift stand dort:
24. Dezember
Liebe Miss Granger,
wahrscheinlich haben Sie sich sehr über dieses unerwartete Geschenk gewundert, umso mehr jetzt, wo sie, da Sie diesen Brief lesen, auch das Rätsel gelöst haben. Ich möchte Ihnen über das, was Sie in Händen halten, erzählen.
Schon seit über fünf Generationen wird in meiner Familie dieses Phönixei weitergegeben. Es ist Tradition, dass nur die Frauen es bekommen.
Phönixe suchen, ähnlich den Zauberstäben, sich selbst den ‚Partner'. Da das Ei bis heute nicht schlüpfte und ich leider die letzte lebende Frau meiner Familie bin, habe ich mich entschlossen Ihnen das Ei zu überlassen. Da ich weiß, dass Sie sehr verantwortungsbewusst sind, will ich es Ihnen ans Herzen legen. Dieses doch recht kleine Ei bedeutet eine große Bürde. Es war lange Zeit das wertvollste in meinem Besitz.
Ich hoffe sehr, dass es bei Ihnen schlüpft, doch für den gegenteiligen Fall, bitte ich Sie es entweder an mich oder meinen Bruder zurückzuschicken. Bei Gelegenheit werde ich Ihnen seine und meine Kontaktsdaten zukommen lassen.
Nun wünsche ich Ihnen noch Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
Ihre Septima Vektor.
Mit Schluchzern drückte Hermione das knisternde Pergament an ihre Brust. Nicht die Worte schmerzen sie. Die Distanz, die damals noch zwischen ihnen geherrscht hatte, war nur noch eine Erinnerung. Hermione hatte das Gefühl, die künstlerische Unterschrift Septimas am Ende des Briefes sei in ihr Herz geritzt. Rot, wie Blut. Oder Rot wie Feuer.
Durch und durch Gefangene ihres Schmerzes und den Erinnerung erstarrte Hermione auf ihrem Bett. Sie blieb so den ganzen restlichen Nachmittag und auch Abend: Zusammengekauert und den Brief an ihre Brust gedrückt. Als sie nicht mehr weinen konnte, starrte sie lethargisch in die aufkommende Dunkelheit.
Parvati und Harry schauten getrennt von einander nach ihr, doch beide schickte Hermione mit Ausreden wieder raus. Sie wollte sich nicht regen. Sie wollte am liebsten für die nächsten Tage aufhören zu existieren und den Schmerz in ihrer Brust, der jedes Mal von Neuem begann, wenn sie an Septima dachte, vergessen.
Doch alles sollte anders kommen.
Spät nachts, es war schon lange dunkel geworden und nach dem Krach, der überall im Schloss begann, war es kurz vor Mitternacht, öffnete sich plötzlich die Schlafsaaltür mit einem lauten Knallen. Und als ob dies Hermione nicht genug erschreckte, war die Person, die dort stand, niemand anderes als Septima Vektor.
Atemlos schloss diese die Tür hinter sich und eilte zu Hermione. Sie packte sie bei den Schultern und schaute ihr eindringlich in die Augen. In der Dunkelheit der Nacht wirkten Septimas Augen noch dunkler als sonst und zur Aufregung kam bei diesem Anblick erwachende Erregung dazu.
„Hermione, ‚ab dem neuen Jahr' ist es vorbei. Es ist 23:45.", keuchte Septima.
Hermione verstand auf Anhieb. Ihre Augen weiteten sich und ohne weiter zu warten wollte sie Septima küssen. Mit einem listigen Grinsen wich Septima ihr aus.
„Steh auf, das musst du dir schon verdienen", sagte sie und streckte ihr ihre Hände entgegen.
In freudiger Erwartung stand Hermione auf. Schon jetzt fühlte sie sich wie betrunken. Schauer durchrieselten ihren ganzen Körper und sie wollte nichts so sehr wie Septima. Sie wollte sie endlich fühlen, ohne wieder zurück zu schrecken, wollte ihren Duft tiefer riechen, diesen süßen, leicht nach Lavendel duftenden...
„Mach deine Augen zu", murmelte Septima.
In blindem Vertrauen schloss Hermione ihre Augen und zuckte überrascht zusammen, als sich ein Tuch über ihre Augen legte. Sofort wurde ihr Körper durch einen Zauber festgehalten und sie konnte sich kaum mehr bewegen. Doch anstatt sie zu verängstigen, erregte sie die Tatsache, dass Septima mit ihr machen konnte, was sie wollte.
Warmer Atem strich ihren Hals und Hände glitten leicht wie ein Tuch an ihrer Seite herab. Das Feuer in Hermione brannte lichterloh. Als diese teuflischen Hände am Stoff an ihrem Oberschenkel hochfuhren, konnte sie ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken. Je näher sie dem Zentrum ihrer Lust kamen, desto langsamer wurden sie. Hermiones Schoß stand in Flammen. Sie drängte sich einer Berührung entgegen, wenn nicht gleich...!
Mit einem gezischten „Sch.. Still Mione!" wurde sie durch den Zauber fester gehalten, was auch ganz gut so war. Hermione war sich nicht sicher, ob ihre Beine wirklich noch da waren - sie fühlten sich mittlerweile eher wie Auswüchse von Flubberwürmern an.
Unendlich sensibel gegenüber allem stöhnte Hermione gequält auf, als die Wärme von Septima Körper kurz verschwand. Stattdessen streifte wieder warmer Atem ihren Hals. Sanfte Hände strichen von Hermiones Hals in Richtung Brustansatz. Hermione hielt frustriert die Luft an, wenn nicht gleich...! Es zerriss sie fast vor Lust, sie wollte diese Frau spüren!
Von draußen erklang plötzlich eine magisch verstärkte Stimme – die von Professor Dumbledore:
„Liebe Freunde, der Countdown zählt! 10... 9... 8...!" Mehrere stimmten mit ein.
Hermiones Aufmerksamkeit wurde gleich wieder auf die Frau vor ihr gelenkt. Von selbst löste sich die Augenbinde, auch wenn der andere Zauber, der sie fesselte noch anhielt. Lustvoll stöhnte Septima in Hermiones Ohr. Dann wanderten ihre Lippen, nur Millimeter von der höchstangeregten Haut Hermiones entfernt, Richtung Lippen.
„5... 4... 3...!"
Jetzt waren sie direkt über Hermiones. Hermione erkannte selbst in der Dunkelheit Septimas glänzenden Augen, die sich langsam schlossen. Verzweifelt öffnete Hermione ihre Lippen, wenn sie nicht gleich...!
„2... 1...!"
Hermione nahm nur noch wahr, wie Septima ihre Augen schloss, dann – „Happy New Year!"
Dem Feuerwerk, das vor dem Schloss in den Himmel geschickt wurde, gleich, explodierten in Hermione tausende grellbunte Feuerwerkskörper, Schmetterlinge – was auch immer - als Septimas Lippen die ihren trafen.
„Schönes neues Jahr, Hermione."
