Kapitel 7


Sanderson war wütend. Die meisten seiner Patienten kannten ihn als zwar bestimmten, aber immer freundlichen und umgänglichen Arzt, mit dem leicht auszukommen war, und nur wenige hatten ihn je zornig erlebt. Dennoch fand es Hicks nicht einfach, seinen Entschluß durchzusetzen. Er saß auf dem Bett und mühte sich, seine Uniformjacke über den dick bandagierten Arm zu ziehen, ein Unterfangen, das ihm erheblich Mühe bereitete. Die gleichzeitige Auseinandersetzung mit Sanderson trug nicht gerade dazu bei, ihm bei der Bewältigung zu helfen. Der Arzt stand nur wenige Schritte entfernt mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihm und beobachtete seine Bemühungen mit Argusaugen.

"Sie sind verrückt, Hicks. Ich sollte sie hier einsperren. Sie dürfen noch gar nicht aufstehen!" Er haßte es, wenn sich seine Patienten ihm widersetzten. Es kam auch nur äußerst selten vor.

Sein Gegenüber sah ihn nicht einmal an, als er erwiderte:" Hören sie auf, Sanderson. Sie wissen genau, daß ich nicht die Zeit habe, die Sache auszuliegen."

"Das weiß ich. Aber es sind erst zwei Tage vergangen, seit sie mir hier bewußtlos und blutend in die Arme gekippt sind. Sie sind noch nicht wieder soweit."

"Glauben sie bloß nicht, daß ich das hier gerne mache!" Hicks hatte endlich den Arm in der Jacke und zog sie zurecht. "Ich würde liebend gerne noch eine Woche hier eine ruhige Kugel schieben, aber verdammt, man kriegt nun mal nicht immer das, was man sich wünscht. Ich habe etwas zu erledigen. Ich dachte, sie hätten das mitgekriegt." Er erhob sich. Mühsam. Blieb einen Moment lang stehen, als ihm die Welt vor den Augen verschwamm. Das Schwindelgefühl hielt einige Sekunden an und verflog dann allmählich. Er griff nach seiner Tasche. Sanderson schüttelte den Kopf.

"Halten sie mich nicht für dämlich, Hicks. Ich weiß genau, worum es geht. Ich habe selbst erhebliche Risiken auf mich genommen, um sie zu unterstützen. Und ich bilde mir ein, die Dringlichkeit dieser Sache richtig einzuschätzen. Aber ich brauche nur einen Blick auf sie zu werfen, um zu wissen, daß sie dieser Aufgabe noch nicht gewachsen sind. Verdammt, sie können ja kaum aufrecht stehen! Sie können das gar nicht durchstehen!"

Hicks atmete tief durch, als er sich umdrehte und Sanderson fest in die Augen blickte.

"Sagen sie mir nicht, was ich kann oder nicht kann. Sie können mir glauben, Doc, daß ich das selbst am besten weiß. Ich bin nicht aus Zucker."

"Na schön, aber auch Beton bekommt mal Risse und fällt zusammen. Verdammt, ich komme mir vor, als versuche ich einem Einbeinigen zu erklären, weshalb er keinen Rock'n Roll tanzen kann! Wer hat ihnen überhaupt den Arm umbandagiert?"

"Finlay. Machen sie ihr aber deswegen jetzt nicht die Hölle heiß. Ich muß mich frei bewegen können."

Sanderson lachte. Es war ein völlig humorloses Geräusch.

"Frei bewegen? Sie sind ein Scherzbold. Ich hätte ihnen wie in alten Zeiten einen Gips machen sollen..."

Hicks hatte seine Sachen zusammen und stand nun unmittelbar vor ihm.

"Hören sie, Doc, ich bin ihnen wirklich dankbar für ihre Hilfe und ihre Besorgnis. Aber ich habe nun einmal nicht mehr viel Zeit. Ich will sehen, daß ich die Sache morgen über die Bühne gehen lasse. Wünschen sie mir lieber Glück, statt mich hier anzubrüllen, hm?" Er klopfte dem Arzt beruhigend auf die Schulter und ging an ihm vorbei zur Tür. Sanderson schüttelte noch immer den Kopf.

"Ich weiß nicht... ich würde sie lieber erwürgen, sie mit ihrer verdammten Unvernunft!" Er folgte Hicks widerwillig, demonstrativ tief einatmend. "Also schön... Hicks?"

"Ja?" Der Marine drehte sich nach ihm um und blieb stehen, als er sah, daß es Sanderson ernst meinte. Sanderson ergriff seine gesunde Hand und drückte sie, nickte ihm zu.

"Passen sie auf sich auf, Hicks. Sehen sie zu, daß sie da heil wieder rauskommen, okay?"

Der Schatten eines Lächelns huschte über Hicks' Gesicht, als er einschlug.

"Okay, " sagte er leise. Jetzt war es also soweit. Kein Weg zurück. "Und sie versprechen mir das gleiche. Sollte es Alarm geben, machen sie und Finlay sich aus dem Staub. Es wird keine Warnung sein, und wenn er ertönt, werden sie nur wenig Zeit haben. Dieser Teil GATEWAY's wird dann zum gefährlichsten Pflaster im Umkreis von Zehntausenden von Meilen. Ich will nicht, daß ihnen etwas passiert. Also dann... " Er nickte Sanderson zu, bevor er sich umwandte und mit festen Schritten den Gang hinunterlief. Sanderson blickte ihm lange nach. Das flaue Gefühl in der Magengegend konnte er dabei nicht mehr länger unterdrücken.

----------------------

Das Bild, das sich den stets präsenten Wissenschaftlern Weyland Yutanis bot, unterschied sich durch nichts von dem normalen Geschehen, wie sie es Tag für Tag aufs Neue zu sehen bekamen. Die mittlerweile voll ausgewachsene Alienqueen hing reglos in dieser merkwürdigen, von der Spezies selbst konstruierten Aufhängung über ihrem Eiersack und ließ durch nichts erkennen, daß es sich bei ihr um ein lebendiges Wesen und nicht etwa um irgendeine abstrakte Plastik handelte, die der kranken Phantasie eines morphiumabhängigen Künstlers entsprungen war. Tatsächlich bewegte sich das Oberhaupt der Xenomorphensippe nur überaus selten, und es erforderte zum Teil schon die stets mitlaufenden Videoaufzeichnungen, um erkennen zu können, ob sich überhaupt irgend etwas in der Kammer getan hatte. Sie hatte bisher noch nicht einmal erkennbar Nahrung zu sich genommen, was Dr. Riser, der an diesem Abend - wie so oft - wieder einmal fasziniert vor der großen, gekrümmten Scheibe saß und in das Halbdunkel starrte - besonders irritierte. Auch wenn sie sich nicht großartig bewegte, immerhin legte sie doch Eier, ein Vorgang, der sie mit Sicherheit irgendwie auszehren mußte, und doch war nicht zu erkennen, woher sie die dazu nötige Energie bezog.

Sie bargen noch so viele Rätsel, diese Wesen, so viele Geheimnisse. Sie hatten wirklich gerade erst angefangen, den Code ihres Daseins zu entschlüsseln, und Riser war Realist genug, um zu wissen, daß sie von einem vollständigen Verstehen dieser Spezies möglicherweise doch noch einige Jahre harter Forschungsarbeit trennten. Viel zu tun für die Zukunft, aber er war sicher, daß es sich lohnen würde. Sein Blick glitt über die von den Aliensoldaten mit einer chromglänzenden, festen Masse verzierten Wände, und wieder fragte er sich, ob diese Bauten irgendeinen Sinn erfüllten, oder ob es sich dabei tatsächlich um eine bizarre Kunstform handelte. Als erfahrener Biologe lehnte er die Theorie, daß gewisse Tiere tatsächlich eine Art Sinn für Kunst besitzen könnten, aus Prinzip ab, aber so sehr er sich auch den Kopf darüber zerbrochen hatte, so war es ihm doch bisher noch nicht gelungen, diesen Ornamenten irgendeinen weitergehenden Sinn zuzuordnen. Ein weiterer Grund, weswegen ihn die Aliens so sehr faszinierten. Sie waren so völlig anders als alles, worauf die Wissenschaft auf ihren Expeditionen je gestoßen war. Wenn es ihm gelingen sollte, den Schlüssel zum Verhalten dieser Spezies zu finden, hätte er umgehend seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher, soviel war klar. Es war ein äußerst motivierender Gedanke.

Er wollte sich gerade abwenden, als eine der seltenen Bewegungen der Alienqueen seine Aufmerksamkeit erregte. Aus den Augenwinkeln heraus nahm er wahr, daß es seinen im Labor anwesenden Mitarbeitern nicht anders ergangen war. Wie gebannt verfolgten sie, wie die Matriarchin den riesenhaften, mit einer in drei Spitzen auslaufenden Krone geformten Kopf anhob. Das transparente Gebiß wurde sichtbar, als sich der empfindlichere Teil des Kopfes aus der Panzerung hervorschob. Sie blickte genau in ihre Richtung. Oder? Sie besaßen keine Augen, wer konnte schon wissen, was die Aufmerksamkeit der Königin in diesem Augenblick beanspruchte? Sie hob den Kopf noch ein Stück höher und erstarrte. Interessiert beugte sich Riser vor. Einen Augenblick lang verschwamm plötzlich das Bild vor seinen Augen, wurde komplett ausgelöscht von einem Wirbel von Farben und Formen, Empfindungen und Wahrnehmungen jenseits seiner Vorstellungskraft; ein Blick in eine andere Welt, der genau eine Zehntelsekunde anhielt - dann war es vorbei. Er schüttelte wie betäubt den Kopf und drehte sich nach seinen Mitarbeitern um.

"Was zum Teufel war das?"

Fünf ebenso verwirrte Gesichter blickten ihn an. Jeder hatte es gespürt, doch keiner war in der Lage, dem Erlebten einen Namen zu geben. Noch während sie um Worte rangen, ertönte plötzlich von weiter hinten im Raum die Stimme des diensthabenden Sicherheitsoffiziers. Sie klang panisch.

"Oh mein Gott -"

Er starrte die anderen über seine Videomonitore hinweg mit geweiteten Augen an.

"Sie brechen aus!"

"Das ist unmöglich!" Riser erwachte als erster aus seiner Erstarrung, mit wenigen energischen Schritten war er bei den Monitoren. Und konnte - nein, wollte es nicht glauben!

Weyland Yutani hatte bei der Einrichtung dieses Labors keinerlei Kosten gescheut, und so konnte er jetzt in Farbe und mit einwandfreiem Bild mitverfolgen, wie die fünf Aliensoldaten im hinteren Teil der Kammer ihren Kameraden, der sich nicht einmal zu wehren schien, mit wenigen Prankenhieben schier in Stücke rissen und das Säureblut gegen die Wand und auf den stählernen Fußboden regnete. Sofort stiegen dichte Wolken auf, als die aggressive Flüssigkeit sich mit atemberaubender Geschwindigkeit durch das zentimeterdicke Metall zu fressen begann, es Blasen schlagen ließ. Schon entstanden die ersten Löcher. Mit jäher Plötzlichkeit erwachten die Alarmsirenen zum Leben.

"Achtung! Die interne Sicherheitszone wurde durchbrochen. Bitte begeben sie sich schnell und geordnet zu den oberen Ebenen! Achtung! Die interne Sicherheitszone wurde durchbrochen!"

------------------

Das Laufen war okay. Hicks hatte sich schon in besserer Verfassung befunden, aber wenn das Pochen in seinem Kopf nicht schlimmer wurde, würde er sich darum keine Sorgen mehr machen müssen. Hicks lenkte seine Schritte zunächst zu seinem Apartment. Himmel, das war auch eine überschwengliche Bezeichnung für diesen besseren Schuhkarton. Es stellte sich als recht schwierig heraus, mit der linken Hand in seine rechte Hosentasche zu greifen, um seine I.D. herauszuziehen. Nach einigen Minuten und mehreren Flüchen hatte er es jedoch geschafft und zog die Karte rasch durch den dafür vorgesehenen Apparat.

Wieder zu Hause. Oder beinahe jedenfalls. Sein Zuhause lag einige hundert Kilometer unter ihm. Oder über ihm. Egal. Er stellte seine Tasche auf dem Bett ab und sah sich um, blickte in die unscheinbar wirkende Videokamera in der Wandecke. Normalerweise waren diese nur für den Notfall gedacht und deswegen abgeschaltet, aber Hicks war bereit, sein Leben darauf zu verwetten, daß sie jetzt lief und alles, was dieser Metallspion aufnahm, über Shaw's Schreibtisch ging. Schön. Er würde ihm keinen Anhaltspunkt liefern. Er ging zum Kühlschrank hinüber, wie beiläufig den Blick über seine Einrichtung gleiten lassend. Es sah alles so still und friedlich aus. Als habe niemand in den letzten zwei Tagen dieses Zimmer betreten. Er war überzeugt, daß es anders war. Sicher hatten sie durch seinen Papierkram geschnüffelt, nach irgendwelchen Anzeichen dafür gesucht, daß er sie hinterging. Ein solcher Hinweis existierte nicht. Sie hatten ihre Zeit verschwendet. Er öffnete den Kühlschrank, holte ein Wasser heraus und trank die Dose mit einem Zug leer. Okay. Er hatte noch etwas zu erledigen. Er mußte zu Weyland Yutani hinunter und Frost vorbereiten. Sich erkundigen, was dieser eventuell noch herausgefunden hatte. Herausfinden, ob er es wirklich ernst meinte. Verdammt, er hätte auch gerne noch einmal mit Barrister geredet. Sich von ihm verabschiedet, für den Fall des Falles. Und sich noch einmal nach Ripley, Newt und seiner Schwester erkundigt. Aber das war unmöglich. Ein solcher Besuch würde den Colonel höchstens in Schwierigkeiten bringen. Sicher ließ Shaw ihn jetzt auch schon beschatten. Er konnte das nicht riskieren.

Hicks seufzte. 'Oh Junge, du steckst wirklich bis über die Haarspitzen drin...'

Okay, er mußte gehen, wenn er Frost noch erwischen wollte. Er hatte keine Ahnung, wie lange dieser arbeiten würde, aber noch später nach unten zu gehen wäre nur wieder unangemessen auffällig. Was hatte man schließlich nach 19:00 Uhr noch an seinem Arbeitsplatz zu suchen? Ganz abgesehen davon, daß Frost eventuell schon Schluß haben könnte. Verdammt, er wußte noch nicht einmal, wo er ihn in diesem Falle erreichen konnte. Hicks warf einen letzten Blick zur Kamera hinauf und verließt die Wohnung.

Wieder bestürmten ihn die Gedanken, während er den Gang hinunter schritt, um schließlich vor dem Aufzug am Ende stehenzubleiben. Diese Gedanken Zweifel zu nennen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts gewesen. Himmel, sein Vorhaben war nichts anderes als Wahnsinn! Was hatte er schon für Erfolgsaussichten? Besonders das Mittelstück gefiel ihm nicht, aber was sollte er tun? Er hatte sich den Kopf zermartert, um eine vernünftigere Lösung zu finden, aber ob es nun an Unfähigkeit oder der Verletzung lag, ihm war keine eingefallen. Also würde er es wohl oder übel durchstehen müssen. Er durfte nicht versagen.

Ein heller Glockenton verkündete die Ankunft des Aufzugs. Die Türen öffneten sich, und Hicks atmete tief durch. Wie hatte Hudson immer gesagt? Der Fahrstuhl zur Hölle? Sicher würde er morgen dazu werden. Er ließ die beiden Marines aussteigen, ignorierte ihre neugierigen Blicke und betrat die Kabine, um den untersten Knopf zu drücken. Weyland Yutani Gelände. Dem Sicherheitsstandard ihrer Labors folgend hätten sie eigentlich Stacheldraht um den Knopf ziehen müssen, dachte Hicks und lehnte sich mit dem Rücken gegen die verspiegelte Wand. Aus den Augenwinkeln konnte er sein Spiegelbild sehen. Er wandte den Kopf, blickte einige Augenblicke sich selbst in die Augen. Kein Wunder, daß die beiden Marines ihn angestarrt hatten wie einen Marsmenschen. Die Schwellungen waren fast völlig verschwunden, doch die tiefdunklen Blutergüsse an Stirn, Jochbein und Nase bis in die Augenhöhlen hinein ließen ihn aussehen, als sei er nicht nur gegen eine, sondern gleich gegen sämtliche Türen GATEWAY's gerannt. Die beiden Pflaster auf Stirn und Hinterkopf verstärkten diesen Eindruck noch. Seine Augen waren noch immer rot und gereizt, auch wenn er inzwischen wieder einigermaßen vernünftig sehen konnte. Sanderson hatte recht: Er sah aus, als gehörte er noch mindestens eine Woche ins Bett.

Hicks seufzte. Keine Zeit. Er blickte auf, als eine emotionslose Stimme aus dem Lautsprecher ihm verkündete, daß er sein Ziel erreicht hatte. Die Türen glitten auf, und Hicks betrat den strahlend weißen Korridor. Die Helligkeit schmerzte in seinen Augen. Er blinzelte, bis sie sich an die Umgebung gewöhnt hatten und passierte dann an den Empfangsschalter, über dem das überdimensionale Logo des Weyland Yutani-Konzerns prangte, seine von Shaw ausgehändigte I.D. hochhaltend. Man nickte ihm zu. Er zog die Karte durch einen Schlitz und legte seine Hand in die Vertiefung darunter. Ein kurzer Signalton. Er konnte durchgehen. Hicks wählte den rechten der drei Korridore und war im Begriff, seinen Weg fortzusetzen, als ein fernes Grollen den Boden unter seinen Füßen erbeben ließ und eine durchdringender Lärm durch seinen Kopf donnerte. Es dauerte einige Sekundenbruchteile, bis er begriff. Alarm! Dies war Alarm! Um ihn herum erstarrten die Menschen jäh, sahen sich verwirrt an. War nicht erst letzte Woche Übungsalarm gewesen?

"Achtung! Die interne Sicherheitszone wurde durchbrochen. Bitte begeben sie sich schnell und geordnet zu den oberen Ebenen! Achtung! Die interne Sicherheits-"

Hicks konnte sehen, wie die Verwirrung der ihn umgebenden Leute rapide zu Erschrecken, dann zu regelrechtem Schock überging. Eine dumpfe Explosion am anderen Ende des Gangs und das Erlöschen der Beleuchtung war alles, was es brauchte, um Panik ausbrechen zu lassen.

"Achtung! Die interne Sicherheitszone wurde durchbrochen. Bitte begeben sie sich -"

Die Menschen erwachten aus ihrer Starre, stürmten im rötlichen Licht der Notbeleuchtung zu den Treppen. Die Türen dazu waren normalerweise automatisch verriegelt, jetzt hatten sie sich gemäß ihrem Bestimmungszweck geöffnet und ebneten den Fluchtweg für Hunderte von panisch durcheinanderrennenden Leuten. Hicks wurde angerempelt, während er noch unentschlossen dastand. Er trat zurück, bis er die Wand an seinem Rücken fühlte, den Blick wie gebannt auf die noch immer geschlossene Sicherheitstür am anderen Ende des Korridors gerichtet. Verdammt, es konnte Tausende von Gründen für diesen Alarm geben. Einen Brand, einen Kurzschluß, ein schiefgegangenes Experiment, schließlich arbeitete die Gesellschaft hier unten auch noch an anderen Projekten. Es konnte alles mögliche sein, es mußte nicht unbedingt –

'Belüg dich nicht selber,' fuhr es ihm durch den Kopf. 'Du weißt genau, was da hinten los ist, du hast es schließlich die ganze Zeit über vorausgesehen!' Nein, es konnte nicht sein, es durfte nicht sein! Nur einen Tag noch, das war alles, was er brauchte! Und er brauchte Frost. Alleine hatte er erst recht keine Chance. Damit war die Entscheidung gefallen. Er lief los, gegen den Strom der ihm entgegenquellenden Menschen. Er mußte wissen, was geschehen war, und vor allem mußte er seinen Helfer dort rausholen. Er hatte die ihm entgegenkommenden Gesichter aufmerksam gemustert, Frost jedoch nicht unter ihnen entdecken können. Niemand beachtete ihn, als er sich durch die Menschenmenge kämpfte, nur einmal schrie ihm ein Mann in einem weißen Kittel, den er vage als Labormitarbeiter identifizierte, ohne zu stoppen zu, er solle verdammt noch mal machen, daß er von hier verschwände. Er machte keinen Versuch, Hicks aufzuhalten. Dieser war inzwischen an der Sicherheitstür angelangt und versuchte, sie mit Hilfe seiner I.D. zu öffnen. Sie blieb geschlossen.

Hicks murmelte einen Fluch und unternahm einen halbherzigen Versuch, die Türflügel per Hand zurückzuschieben. Zu seiner Überraschung funktionierte dies ohne weiteres, es war kein Druck dahinter, der Strom mußte ausgefallen sein. Er schlüpfte durch die schmale Öffnung und nahm augenblicklich starken Brandgeruch wahr. Der gesamte Korridor war verqualmt, etwas weiter hinten konnte Hicks ein schwaches Flackern ausmachen. Er hustete, als ihm der Qualm in die Lungen drang. Okay, er war hier, um jemanden zu finden, zum Teufel mit der Vorsicht.

"Frost!"

Er kniff die Augen zusammen. War da nicht jemand? Er ging den Gang weiter hinunter und sah bald darauf eine Dreiergruppe auf sich zustolpern. Zwei Männer und eine Frau. Er kannte keinen von ihnen.

"Hey, was ist passiert?"

Die drei hasteten an ihm vorüber, ignorierten ihn. Er drang weiter vor, fort von dem beißenden Qualm und hin zu der Sektion des Komplexes, die er kannte. Er durfte sich hier unten um Himmels Willen nicht auch noch verlaufen! Weitere Menschen rannten ihm panisch entgegen und an ihm vorbei, als plötzlich aus unmittelbarer Nähe Schüsse durch den Korridor peitschten. Siedendheiß fiel es Hicks unvermittelt ein, daß er völlig unbewaffnet war. Er war es so gewohnt, zumindest seinen Dienstrevolver dabeizuhaben, daß er gar nicht weiter daran gedacht hatte, diesen nach den zwei Tagen bei Sanderson einzustecken. Schließlich hatte er ihn an jenem verhängnisvollen Abend nicht bei sich getragen. Jetzt lag er oben in seinem Fach in Hicks' Apartment. Hicks verfluchte sich in Gedanken. Wenn er jetzt einem der Aliens über den Weg lief... Unentschlossen blieb er stehen, sah zurück, gerade rechtzeitig, um eine blaugrüne Stichflamme aus einem der direkt an der Sicherheitstür gelegenen Labors zucken zu sehen, während die Glasscheibe gleichzeitig in Millionen Stücke zerbarst. Die Explosion ließ den Boden erbeben. Der Rückzug war abgeschnitten, womit ihm die Entscheidung abgenommen wurde. Er lief weiter.

"Frost!"

Eine dunkle Silhouette löste sich aus dem Qualm vor ihm, nur Sekundenbruchteile später fühlte Hicks einen heißen Luftzug an sich vorbeirasen. Fast gleichzeitig wurde der Sicherheitsoffizier, der in Panik auf ihn geschossen hatte, wie von einer Urgewalt vom Boden hochgerissen. Er hatte kaum Zeit für einen Schrei. Für einen kurzen Augenblick konnte Hicks noch die zappelnden Beine des unglücklichen Mannes im Ventilatorschacht verschwinden sehen, dann kam nur noch dunkler, zähflüssiger Regen aus der Öffnung. Auch dieser stoppte. Hicks hatte genug gesehen. Jetzt hieß es nur noch, Frost zu finden und dann raus hier. Er hoffte bei Gott, daß es diesen nicht auch schon erwischt hatte. Sein Fuß stieß gegen einen metallischen Gegenstand, der ein Stück weiter schlitterte. Der Revolver des Sicherheitsoffiziers. Eine eilige Untersuchung ergab ein noch halbvolles Magazin. Okay, das würde reichen müssen. Hicks hätte sich mit einem Impulsgewehr zwar entschieden wohler gefühlt, war aber auch bereits für kleine Dinge dankbar. Zumal er ganz entschieden nicht in der Lage gewesen wäre, das Gewehr mit nur einem guten Arm zu benutzen. Er eilte weiter, spähte in die offenstehenden und verlassenen Labors hinein, den Revolver schußbereit in der Linken.

Da war er, Risers Laborkomplex. Die schweren Sicherheitstüren standen offen, die Wachen hatten ihren Platz längst verlassen. Hier hatte die Katastrophe ihren Anfang genommen. Würden sie noch dort drinnen sein? Hicks entschied sich dagegen. Die Aliens würden sich in Windeseile über die gesamte Station verbreiten, sicher würden sie den Ort ihrer Gefangenschaft möglichst schnell hinter sich lassen. Wie stand es mit der Königin? War sie an diesen Platz gebunden? Was würde er hinter diesen Türen finden? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Er atmete tief durch, schritt dann durch die Öffnung. Blickte über die vorgehaltene Waffe einen leeren Korridor hinunter. Nun, nicht ganz leer...

"Oh Gott..."

Kein Zweifel, hier hatte waren die Sicherheitsgarde Weyland Yutanis und die Aliens aufeinandergetroffen. Ein Bild der Verwüstung bot sich Hicks, Scherben von im Geschoßhagel zerborstenen Scheiben und Einschußlöcher an den Wänden, daneben großflächig in den Stahl geätzte Krater, durch die teilweise schon das Unterdeck zu sehen war, zerfetzte, von der Decke hängende Kabel und Rohre... Es ähnelte auf fatale Weise dem Bild, das sich ihm in Hadley's Hope auf Acheron geboten hatte, mit einem fundamentalen Unterschied jedoch: Hier hatten die Aliens keine Zeit gehabt, ihre Opfer spurlos verschwinden zu lassen. Der Korridor war verstopft mit zerrissenen, leblosen Körpern, sowohl Menschen als auch Aliens. Es war ein Gemetzel gewesen. Hicks schätze, daß sich mindestens zehn, zwölf Menschen unter den Opfern befanden. Eine genaue Schätzung war schwierig, da die Aliens bei ihrem Angriff geradezu maßlos gewütet hatten. Als Hicks widerwillig nähertrat, sah er vor sich einen Torso ohne Kopf liegen, gleich daneben einen Arm. Was von den anderen übriggeblieben war, war teilweise nur schwer zu identifizieren.

Hicks kämpfte die aufkommende Übelkeit nieder und trat noch näher. Er mußte wissen, ob Frost sich unter den Opfern befand. Der Boden klebte unter seinen Füßen. Er bemühte sich, nicht darauf zu achten. Glücklicherweise ersparte ihm seine gebrochene und noch immer zugeschwollene Nase, den Geruch dieses Massakers einzuatmen. Seine Empfindungen angesichts dieses Horrors kämpfte er nieder, verstaute sie in einer Ecke seines Bewußtseins, wo sie nicht stören würden. Er hatte schon so einiges gesehen in seinen fast zwölf Dienstjahren bei den Marines, und nichts würde den Horror übertreffen können, dem er sich auf der C-Etage von Hadley's Hope gegenüber gesehen hatte. Sicher, auch dieser Anblick war nicht eben angenehm, aber er hatte zu diesen Leuten hier keine Beziehung. Die Kolonisten auf Acheron waren unschuldig in die Sache hineingeraten, ohne sich auch nur im mindesten dessen bewußt zu sein, was der Auftrag Weyland Yutanis für sie beinhalten würde. Zwei Drittel des Personals waren Frauen und Kinder gewesen. Keine schwerbewaffneten Söldner wie die Sicherheitsgarde des mächtigen Konzerns. Diese hätten wissen müssen, worauf sie sich einließen. Hicks konnte kaum Mitleid mit ihnen haben.

Sein prüfender Blick strich über das blutverschmierte Gesicht eines Mannes, den er während seiner Beratertätigkeit hier unten bereits einige Male flüchtig gesehen hatte. Riser's Bodyguard. Auch dessen bullige Gestalt und schwere Bewaffnung hatten ihn offensichtlich nicht vor den Aliens geschützt, das faustgroße Loch in seinem Kopf war dafür Anzeichen genug. Hicks bückte sich, untersuchte das Gewehr des Mannes. Leer. Nutzlos. Er wandte sich ab, ließ den Blick über die anderen Opfer gleiten. Frost war nicht unter ihnen. Verdammt, wo steckte er bloß?

Hicks ging weiter, vorsichtig, unendlich vorsichtig, auf jedes Geräusch achtend. Das war angesichts des noch immer dröhnenden Alarms nicht ganz einfach, aber ein Überhören würde tödlich sein. Wieder eine offene Tür. Hicks warf einen Blick auf das Namensschild an der Wand. Risers Büro. Das Sekretariat. Er spähte hinein. Es sah relativ ordentlich aus, keine Verwüstung, kein Feuer. War es möglich, daß... Er trat eilig ein, setzte sich nach einem hastigen Rundblick hinter den PC. Reichte der Notstrom eventuell aus, um ihm die Suche ein wenig zu erleichtern? Seine Finger huschten über die Tasten, brachten jedoch keinen Erfolg. Hicks durchstöberte den Schreibtisch, überflog handschriftliche Notizen und auf dem Tisch liegende Schreiben auf der Suche nach einem Hinweis auf Frost's Aufenthaltsort. Nichts, was ihm helfen konnte. Doch, dort! Eine Kartei mit den Nummern der Mitarbeiter. Hicks schlug bei F nach und wurde sofort fündig. Wenn jetzt noch der Kommunikator funktionierte... Er fuhr hoch, blickte scharf zum Eingang hinüber. War dort nicht eben ein Geräusch gewesen? Er hob die Waffe auf, die er auf den Schreibtisch gelegt hatte, und richtete sie auf die offene Tür. Er wartete. Zehn Sekunden, dann 30. Eine Minute. Das Geräusch wiederholte sich nicht. Das aktivierte Sprinklersystem hatte ihn mittlerweile bis auf die Haut durchnäßt. Nur zögernd riskierte er es, den Blick von der Tür abzuwenden, um die Plastikkarte mit Frosts Daten zu ergreifen und sie in die Sprechanlage zu stecken. Er drückte eine Taste und erlebte ein Wunder, als der Apparat begann, die Verbindung aufzubauen. Offensichtlich reichte der Notstrom für den Kommunikator. Eventuell hatte er auch eine gesonderte Energieversorgung.

Ungeduldig trommelte Hicks mit den Fingern auf dem Tisch herum, während der Bildschirm dunkel blieb. Nach einer weiteren Minute gab er es auf. Frost war offensichtlich nicht zu Hause. Demzufolge konnte er immer noch hier sein. Er würde also weitersuchen müssen. Verdammt... Da war das Geräusch wieder. Allerdings kam es nicht vom Eingang sondern von weiter hinten, aus Risers Büro. Hicks sprang auf, hielt den Atem an. Es klang fast so, als ob ... jemand stöhnte? Zumindest klang es menschlich. Den Revolver im Anschlag, bewegte sich Hicks vorsichtig auf die offenstehende Tür zu. Das Geräusch wiederholte sich, jemand rief dort, wenn auch schwach, nach Hilfe! Hicks war jetzt an der Schwelle angekommen und spähte um die Ecke. Das Büro war verwüstet, Hicks bemerkte das aus den Angeln gerissene Ventilationsgitter an der Decke. Kein Zweifel, was hier geschehen war. Ein großer Aktenschrank war umgefallen und lag in der Mitte des Raumes. Das Stöhnen kam von dort. Hicks schritt um den Schrank herum und entdeckte einen Mann, der zur Hälfte unter dem zentnerschweren Gewicht begraben lag. Dr. Riser. Bei Bewußtsein, wenn auch unter großen Schmerzen. Der Schrank hatte ihm offenbar beide Beine zermalmt. Hicks blickte auf den Wissenschaftler herab, außerstande, auch nur einen Funken Mitleid für diesen zu empfinden. Er hatte es nicht anders gewollt. Riser war offensichtlich überrascht, ihn hier unten zu sehen. Wahrscheinlich hatte er seine Wache erwartet. Es dauerte einige Sekunden, bis er genügend Kraft gesammelt hatte, um zu sprechen.

"Hicks? Oh Gott, bin ich froh, sie zu sehen! Helfen sie mir, den Schrank von meinen Beinen zu schieben, ja? Ich glaube, sie sind beide geb-" Er verstummte, als er Hicks den Kopf schütteln sah. Wut brandete in ihm auf. "Verdammt, Hicks! Helfen sie mir! Sie können mich doch nicht hier so liegenlassen!"

Hicks schüttelte abermals den Kopf. Derartige Gewaltakte standen zur Zeit völlig außerhalb seiner Möglichkeiten,. Selbst wenn er es gewollt hätte - was nicht der Fall war - er hätte dieses Gewicht auch nicht einen Zentimeter weit bewegen können. Nicht mit nur einem guten Arm.

"Tut mir leid. Wie sie sehen, bin ich selbst nicht gerade in Bestform."

"Dann holen sie jemanden, verdammt!"

"Es ist niemand mehr da," informierte Hicks Riser ruhig. "Von ihrer Garde ist niemand mehr am Leben. Die anderen sind geflohen." Er ließ den Blick über den Schrank gleiten, die kleine Blutlache, die darunter hervorquoll, und musterte schließlich Risers schweißüberströmtes Gesicht. Er hatte große Schmerzen, oh ja. Und er hatte Angst. Todesangst. Diese war durchaus angebracht, befand Hicks. Offensichtlich war ein Alien durch den Ventilationsschacht in das Büro eingedrungen und hatte dabei den Schrank umgestoßen, der den flüchtenden Riser erfaßt hatte. Warum es den Wissenschaftler nicht getötet hatte, konnte Hicks nur raten. Wahrscheinlich hatte es bemerkt, daß sein Opfer bereits außer Gefecht gesetzt war, und hatte sich dringenderen Aufgaben gewidmet. Keine Zeit, die Beute als Wirt in die Geburtenkammer zu schleppen, zunächst mußten die Gegner erledigt werden. Für dieses unglückliche Exemplar hier würde immer noch genügend Zeit bleiben. Aber bis dahin - vielleicht konnte Riser ihm doch noch nützlich sein. Hicks atmete tief durch..

"War Raymond Frost hier unten, als es passierte?"

Riser starrte ihn verständnislos an.

"Frost? Was zum Teufel schert sie Frost? Helfen sie mir lieber hier raus! Versuchen sie es wenigstens!"

Hicks hockte sich neben den Wissenschaftler, fixierte ihn.

"Vielleicht helfe ich ihnen. Vielleicht. Aber zuerst verraten sie mir, wo ich Frost finden kann."

Eine steile Zornesfalte bildete sich zwischen Risers Brauen. Solange er noch so wütend werden konnte, konnte es ihm noch nicht allzu schlecht gehen.

"Wollen sie mich erpressen?"

"Schön, daß sie so schnell kapieren. Macht sicher ihr College-Abschluß. Das kann uns eine Menge Zeit sparen. Also, wo ist Frost?" Die Hälfte von Hicks Aufmerksamkeit war auf den Raum hinter ihm gerichtet. Auf jedes noch so leise Geräusch. Unachtsamkeit würde hier den Tod bedeuten. Momentan konnte er außer dem beständigen Alarm und dem Rieseln der Sprinkleranlage nichts weiter ausmachen. aber es war mehr als zweifelhaft, ob das so bleiben würde. Riser starrte ihn ungläubig an. Verdammt, verstand dieser Idiot nicht, worum es ging?

"Hören sie, sie verraten mir entweder, wo ich ihn finde, und ich komme anschließend mit ihm zurück und helfe ihnen, oder sie spielen weiter den Stummen und dürfen hier warten, bis die Aliens ein wenig mehr Zeit für sie erübrigen können. Sie haben die Wahl."

Riser kochte, das war nicht zu übersehen. Sämtliche Schmerzen beiseite drängend unternahm er einen weiteren, verzweifelten Versuch, das Zentnergewicht von seinen Beinen zu schieben, nur um Sekunden später schwer atmend und stöhnend wieder zu Boden zu sinken. Schließlich hatte er wieder genügend Luft, um zu sprechen.

Frost... Frost war in Brown's Büro, als es passierte. Glaube ich jedenfalls. Er hatte eine längere Besprechung für heute abend angesetzt. Ich weiß nicht, wo er jetzt ist. Ich - ich habe ihn danach nicht mehr gesehen."

"Aber er hatte Dienst."

"Ja doch."

"Und wo ist Brown's Büro?"

"Oh Gott..." Riser stöhnte verzweifelt auf. "Ganz am Ende des Gangs, rechts. So, verdammt, jetzt helfen sie mir endlich! Ich halte das nicht mehr länger aus!"

"Ich habe ihnen gesagt, daß ich das alleine nicht schaffe. Ich komme wieder, sobald ich Frost gefunden habe. Solange müssen sie durchhalten." Hicks wußte nicht, ob er dieses Versprechen einzuhalten gedachte. Er gab niemals leichtfertig sein Wort, und jemand, der es dennoch hatte, konnte sich darauf verlasse, daß Hicks die Verpflichtung ernst nahm, aber Riser verdiente es nicht, daß Hicks um seinetwillen seinen Auftrag gefährdete. Er erhob sich. Riser's Augen füllten sich mit Panik.

"Verdammt, sie können mich doch hier nicht alleine lassen! Wir haben ein Abkommen!"

"Ganz recht." Hicks wandte sich zum Gehen. "Und ich werde es halten, wenn ich kann. Aber momentan gibt es wichtigere Dinge zu tun."

Er verließ den Raum, ohne sich um Riser's Wutgeschrei, in dem inzwischen eine gehörige Portion Panik mitschwang, zu kümmern. Vorsichtig spähte er durch die Tür, um die Ecke. Der Gang lag im roten Licht der Notbeleuchtung nach wie vor einsam da. Zumindest hatte es den Anschein. Acheron hatte ihn gelehrt, daß man sich auf seine Augen in diesem Falle nicht verlassen konnte. Er hätte einen Motion-Tracker gebraucht. Da dieser nicht zur Hand war, mußte er eben auf seine Instinkte vertrauen. Am Ende des Gangs, hatte Riser gesagt. Die Tür dort war verschlossen. Hicks schob die Türflügel manuell beiseite und trat ein. Das Büro wirkte ordentlich, keinerlei Verwüstungen, kein Anzeichen, daß eine der biomechanisches Monstren sich hier Zugang hatte verschaffen können. Aber es war leer. Frustriert schlug Hicks mit der Faust gegen die Wand.

"Frost, verdammt..." Halbherzig durchsuchte er den kleinen Raum. Nicht viel Platz für Verstecke. Er schüttelte den Kopf. Verdammt, wahrscheinlich hatte sich Frost längst in Sicherheit gebracht, während er hier unten sein Leben riskierte! Wenn er nur sicher sein könnte... Er kehrte auf dem Absatz um. Drei oder vier Räume fehlten ihm noch hier unten. Er würde jeweils einen Blick riskieren. Sollte er seinen Helfer am Ende noch immer nicht gefunden habe, würde er ebenfalls von hier verschwinden. Wenn Frost es geschafft hatte, gut, er hatte seine Nummer, er würde mit ihm in Kontakt treten können. Wenn nicht... nun, dann mußte er es eben irgendwie alleine schaffen. Er lief eilig zurück, blickte in jeden Raum, an dem er vorbeikam, hinein. Im zweiten, einem größeren Labor, fand er vier Leichen vor. Allesamt fürchterlich zugerichtet. Frost befand sich nicht unter ihnen. Weiter. Der Qualm wurde wieder etwas dichter, als er dem Brand wieder näher kam. Das Feuer wütete in dem zerstörten Großlabor, ohne von dem von der Decke herabrieselndem Wasser auch nur im mindesten beeinflußt zu werden. Keine Chance, dort vorbeizukommen. Er mußte einen anderen Weg finden.

Als er sich suchend umblickte, fiel ihm ein unregelmäßiges Loch in der Wand auf. Er trat näher heran. Korrodiert, zweifellos. Eines der Aliens mußte es hier übel erwischt haben, der künstliche Durchgang hatte einen Durchmesser von fast einem Meter. Vielleicht war das ein Weg. Vorsichtig berührte Hicks mit der Mündung seines Revolvers den wie geschmolzen aussehenden Rand. Offensichtlich war die Säure nicht mehr aktiv. Ohne zu zögern stieg er hindurch. Nur, um sich unvermittelt mitten in der Bruthöhle der Aliens wiederzufinden! In der leeren Bruthöhle. Es war kein Alien auszumachen, weder eines der ausgewachsenen, noch irgendeine der Zwischenformen. Die lederartigen, fast meterhohen Eier waren alle geöffnet und schienen ihren Inhalt schon lange von sich gegeben zu haben. Neben einigen lagen Facehugger-Skelette. Die Überreste mehrerer Menschen - alle mit dem charakteristischen Loch in der Brust - hingen an den Wänden, von den Aliens in einer Art perversen Kunstform in ein einheitliches Ganzes eingefügt. Hicks zögerte. Er hatte keine Chance, die nach draußen führende Sicherheitstür durch den Gang zu erreichen, die Flammen schlugen dort bis zur gegenüberliegenden Wand und ließen das Metall bereits rot glühen. Und Gott alleine wußte, was für Dämpfe der übelriechende Qualm aus dem Labor mit sich führte. nein, er würde es hierdurch versuchen müssen. Anscheinend war er in dieser Kammer das einzige Lebewesen. Dennoch war Vorsicht geboten.

Langsam schritt Hicks durch das von den Biomechanoiden geschaffene Labyrinth, tunlichst darauf bedacht, so wenig Geräusche wie möglich zu verursachen. Selbst das Atmen hatte er auf das Notwendigste reduziert, zwischendurch immer wieder die Luft anhaltend, wenn er um eine Ecke bog, ohne zu wissen, was sich eventuell dahinter verbarg. Sein eigener rasender Herzschlag kam ihm verräterisch laut vor. Wo war die Königin? War sie noch hier? Der Revolver wirkte geradezu lächerlich klein in seiner Hand. Was sollte er mit einer 38er gegen ein 14-Fuß Monster ausrichten? Aber sie würde nicht mehr hier sein, oder? Sie würde nicht am Ort ihrer Gefangenschaft bleiben. Sie würde sich einen passenden Platz suchen, einen, wo sie ihre Brut ungestört in die Welt setzen konnte.

Zumindest hoffte Hicks das. Er bog um eine weitere Ecke und wußte plötzlich, wo er sich befand. Dies war die Kammer, die er durch die Scheibe hatte einsehen können. Richtig, die Stahljalousien waren noch immer dort oben. Hinter dem Sicherheitsglas tobte eine Flammenhölle und zeichnete bizarre Schattenmuster an die Wände und auf Hicks' Gesicht. Gleich dort drüben hatte die Königin über ihren Soldaten gethront. Der Platz war leer. Hicks atmete auf. Jetzt mußte er nur noch einen Ausgang finden. Sicher mußte es hier irgendwo eine Tür oder Schleuse geben. Er versuchte sich zu erinnern, in welche Richtung die Sicherheitsoffiziere die für den Versuch bestimmten Verbrecher abgeführt hatten. Es mußte rechts von ihm sein. Er wandte sich gerade zum Gehen, als ein nervenzerfetzendes Geräusch wie von Fingernägeln, die über eine Tafel gezogen wurden, von der Scheibe kam. Sein Kopf fuhr herum, gerade rechtzeitig, um die fünfzehn Meter lange Glasfläche in Millionen von tödlichen, kleinen Geschossen zerspringen zu sehen, die ein weißblauer Feuerball auf ihn zuschleuderte. Bevor er reagieren konnte, erfaßte ihn die Druckwelle der Explosion und schleuderte ihn gegen die Wand. Benommen blieb er liegen...

... lautes Summen breitete sich in seinem Kopf aus, dann tauchte sein Bewußtsein schlagartig wieder aus der grauen Nebelzone auf. So kurz nach der Explosion, daß der Knall der Verpuffung noch immer in seinen Ohren nachhallte. Grellweiße Phantomlichter tanzten vor seinen Augen, sie verblichen nur langsam, als sich seine Augen allmählich wieder dem Dämmerlicht in der Kammer anpaßten. Hicks schüttelte betäubt den Kopf. Die Tatsache, daß dieser noch immer auf seinen Schultern saß, war keineswegs selbstverständlich. Der Glasregen hätte ihn in Tausende winzige Teile schneiden können. Er konnte sich glücklich schätzen. Allerdings fiel es ihm verdammt schwer zu atmen.

Nicht nur die intensive Hitze war daran schuld, sondern vor allem ein immenses Gewicht, das auf seiner Brust lag. Er blickte hoch. Anscheinend war ein Teil der Deckenverkleidung mit runtergekommen und hielt ihn am Boden fest. Möglicherweise hatte er es dieser Platte zu verdanken, daß er noch am Leben war. Wie ein Schutzschild hatte sie den tödlichen Splitterregen bis auf einige winzige, harmlose Schnittwunden von ihm abgehalten. Jetzt störte sie allerdings.

Hicks nahm seine Kräfte zusammen und schob. Es war schwierig mit seinem Handicap, aber die Platte bewegte sich. Zentimeterweise. Endlich fiel sie hinunter. Hicks atmete tief durch und setzte sich auf. Sein erster Blick galt dem Nebenraum. Das Feuer hatte durch die Explosion erheblich an Schwung verloren, es sah nicht so aus, als würde es auf diesen Raum übergreifen. Gut. Eine Bestandsaufnahme bei ihm selbst ergab keine wesentliche Änderung. Nichts, womit er nicht fertig würde, obwohl die Kopfschmerzen jetzt wieder schlimmer wurden. Er hatte verdammtes Glück gehabt. Eventuell konnte er sich jetzt sogar durch den völlig verwüsteten Nebenraum zur Sicherheitstür durchschlagen, und dann nichts wie weg hier! Sein Bedarf an derlei Abenteuern war gestillt. Er hatte noch anderes zu tun...

Ein weiteres Gewicht lag auf seinen Beinen und hinderte ihn am Aufstehen. Hicks war überrascht, eines der großen, schweren Schaltpulte dort liegen zu sehen. Die Explosion mußte den mehrere Zentner wiegenden Apparat durch die gesamte Kammer geschleudert haben. Riser fiel ihm ein. Wie leicht hätte ihm hier das gleiche passieren können... Wie durch ein Wunder hatte das schwere Gerät ihm nicht die Beine zertrümmert, da der Boden uneben war und eine kleine, von den Aliens geschaffene Erhöhung die Kante des Stahlkastens einige Zentimeter vom Boden fernhielten. Das Gewicht hielt ihn zwar gefangen, hatte sich aber nicht völlig herabsenken können. Hicks beugte sich vor, um das Pult fortzuschieben, gab aber nach wenigen Versuchen auf, als er entdeckte, daß sich ein Teil des Gerätes durch die Wucht der Explosion tief in die Wand gebohrt hatte und dort unverrückbar festsaß. Verdammt... er untersuchte den Boden.

Das Alienmaterial, das ihn bedeckte, war zäh und nur schwer zu beseitigen, aber wie es aussah, war dies die einzige Möglichkeit.

Er begann, mit dem etwas beweglicheren linken Fuß eine Vertiefung in das metallisch glänzende Nistmaterial zu treten, bewegte das Bein hin und her, bis er nach einigen Minuten auf dem Stahlboden angekommen war. Er stöhnte, mühte sich, den Knöchel durch den nur wenige Zentimeter breiten Spalt zu ziehen. Verdammt, es war eng... zu eng! Er beugte sich wieder vor, knüpfte die Schnürsenkel seiner Boots auf und versuchte es noch einmal. Sein Fuß bewegte sich. Um Millimeter. Er verdoppelte seine Anstrengungen. Wasser von der Sprinkleranlage lief ihm vermischt mit Schweiß und Blut in die Augen. Ärgerlich wischte er es fort. Noch einmal! Er biß die Zähne zusammen und zog. Geade, als er dachte, er würde es wieder nicht schaffen, gab der Spalt seinen Fuß frei.

Hicks atmete tief durch. Die Hälfte hatte er geschafft. Der andere Fuß würde allerdings noch schwieriger werden. Er beugte sich vor, um den Schwierigkeitsgrad seiner Aufgabe abzuschätzen, als ihm eine winzige Bewegung am Rande seines Blickfeldes auffiel. Er blickte auf. Was war - er erstarrte. Nur wenige Meter von ihm entfernt saß ein Facehugger! Die langen dünnen Finger ruhten auf einer Ausbuchtung der Wand, bewegungslos. Lediglich ein schwaches Pulsieren des handflächenförmigen Körpers zeigte an, daß die Höllenkreatur lebte.

Wie hypnotisiert starrte Hicks den sechsbeinigen Alptraum an, außerstande, Atem zu holen. Alle Geräusche um ihn herum, das Knistern des Feuers im Nebenraum, der von Ferne durch die Gänge hallende Alarm, das Rauschen der Sprinkleranlage, alles verschwand, wurde ausgelöscht durch die tödliche Bedrohung, die dort, keine zehn Meter von ihm entfernt, auf ihn lauerte, nur darauf wartete, daß er sich bewegte. Die einzig existenten Geräusche waren der Trommelwirbel seines Herzens, das in seiner Brust schier zu zerspringen schien, und das Rauschen des Blutes durch seine Adern. Ihm wurde schwindlig. Nur undeutlich nahm er wahr, daß er schon die ganze Zeit über die Luft anhielt. Seine Lungen brannten, forderten neuen Sauerstoff, sein Kopf dröhnte und pochte, schrie nach Luft. Wie konnte er atmen? Eine Stahlfessel schien sich um seine Brust zu schnüren und sich mit jedem Pulsschlag enger zu ziehen. Er holte Luft. Ein langer, flacher, lautloser Atemzug, dessen er sich in aller Deutlichkeit bewußt wurde. Fast fühlte er, wie seine Lungen sich ausdehnten, wie sich sein Brustkorb hob. Sah der Facehugger diese Bewegung?

Der neue Sauerstoff riß ihn aus seiner Trance. Er mußte sich zwingen, die Augen von der Kreatur abzuwenden. Ohne den Kopf zu bewegen, suchte Hicks nach seiner Waffe. Wo war sie hingefallen? Er hatte sie losgelassen, als er gegen die Wand geprallt war. Er konnte sie nicht sehen. Wieder blickte er auf den Facehugger. Er hatte sich nicht bewegt, lag auf dem Vorsprung wie eine Attrappe, bis auf das schwache Auf und Ab seiner Flanken. Jetzt rollte er den muskulösen Schwanz ein kleines Stück enger um sich herum. Vorbereitungen zum Sprung? Oder nur ein bequemeres Zurechtlegen?

Hicks wagte sich nicht zu bewegen. Er konnte, ja, er durfte sich nicht bewegen. In seiner derzeitigen Verfassung würde er nicht in der Lage sein, einen Angriff abzuwehren! Vielleicht würde die Bedrohung vorübergehen. Vielleicht würde der Facehugger verschwinden, ihn für tot oder einen Teil des Bodens halten.

Nichts, gar nichts befand sich in seinem Blickfeld, was sich als Waffe verwenden ließe. Weder sein Revolver, noch sonst irgendwas. Er blieb regungslos sitzen, den Blick wie gebannt auf den fleischfarbenen Alptraum gerichtet. Ein Krampf begann sich in seinem noch immer eingeklemmten Bein zu bilden, Hicks konnte spüren, wie die Oberschenkelmuskulatur sich drohend zusammenzog. Nicht jetzt, nicht jetzt! Er konzentrierte sich, versuchte, die beginnenden Schmerzen fortzudenken, sie in die imaginäre Kiste zu sperren, doch er bekam keinen festen Griff. Sie entglitten ihm wieder und wieder, mit jedem Mal an Intensität zunehmend. Keine Bewegung, keine Bewegung, keine Bewegung! Seine Muskeln zitterten und verwandelten sich plötzlich in einen schmerzenden, steinharten Knoten!

Er fuhr zusammen. Eine winzige Bewegung. Sie reichte. Mit aller Kraft seines muskulösen Schwanzes stieß sich der Facehugger ab, flog durch die Luft auf ihn zu, mit diesem ersten Satz bereits die Hälfte der Distanz hinter sich lassend.

Hicks warf sich nach hinten, zerrte, riß an seiner Fessel, die seinen Fuß unbarmherzig eingeklemmt hielt. Er zog, zog mit aller Kraft, spürte, wie der Knöchel gegen das Metall drückte, das Leder des Schuhs abgeschabt wurde, schließlich die Haut. Vergeblich.

Der Facehugger eilte auf seinen dünnen Spinnenbeinen mit unmenschlicher Geschwindigkeit auf ihn zu. Hicks warf sich herum, in heller Panik jetzt, den Boden um sich herum nach irgendeiner Waffe absuchend. Der Revolver - dort lag er, rechts von ihm, in unmittelbarer Nähe. Er streckte die Linke danach aus, streckte sich. Es reichte nicht. Ein kurzer Blick zurück. Der Facehugger hatte ihn fast erreicht!

Er bewegte den rechten Arm, und augenblicklich fuhr ein wütender Schmerz durch seine verletzte Schulter. Er stöhnte auf, streckte sich weiter. Seine Finger streiften den Kolben. Wieder ein Blick. Der Facehugger hatte das Schaltpult passiert, befand sich jetzt in Reichweite. Noch ein Versuch, ein Strecken bis zum letzten möglichen Zentimeter. Die Waffe rutschte weg! Ein Gewicht landete auf seinen Schienbeinen, klettere mit gnadenloser Schnelligkeit an ihm empor.

Hicks fuhr mit einem Ruck hoch, schlug mit der Linken nach dem Facehugger. Hart. Fegte die monströse Scheußlichkeit fort, bevor diese einen festen Halt gefunden hatte. Nur ein kurzes Stück. Wieder streckte sich Hicks nach dem direkt vor ihm liegenden Revolver, die tobenden Schmerzen in seiner Schulter ignorierend, wieder kam er bis auf wenige Millimeter heran, spürte schließlich das Metall. Wieder rutschte die Waffe fort.

Etwas landete auf seinem Bauch. Er wandte den Kopf, schlug erneut nach der Kreatur, ebenso hart. Seine Faust landete auf gummiartigem, kalten Gewebe, als würde er einen großen Fisch schlagen. Der Facehugger klammerte sich an seiner Hand fest.

Er schlug sie auf den Boden, in die neben ihm liegenden Scherben. Mehrmals. Das Wesen hielt fest, schlang seinen Schwanz um Hicks Unterarm und arbeitete sich weiter vor, löste zwei langgliedrige Fingers und tastete nach dem Gesicht seiner Beute. Hicks hatte so gut wie keine Kraft im rechten Arm, doch die Verzweiflung verlieh ihm mehr Energie, als er für möglich gehalten hatte; er zerrte an dem Facehugger, versuchte panisch, ihn von seinem Arm zu lösen. Plötzlich schnellte der muskulöse Schwanz des Wesens vor und schlang sich um seinen Hals, zog sich zu engen Spiralen zusammen, jede Luftzufuhr abrupt abschneidend.

Instinktiv griff Hicks mit beiden Händen nach der lebendigen Schlinge. Sofort löste der Facehugger die restlichen Finger und zog sich an sein Gesicht heran, fand Halt an Hicks' Haaren und ließ die Hand völlig los. Hicks hatte weder Zeit noch Luft für einen Schrei, als sich die dunkle Masse der Kreatur vor seine Augen schob; ein frischer, heißer Strom reinster Panik durchzuckte ihn, ließ ihn sich noch einmal aufbäumen, an dem Facehugger zerren und reißen, der wie glühendes Pech an seinem Gesicht hing. Etwas drängte gegen seine Lippen. Er warf sich herum, schlug mit dem Gesicht auf den Boden, versuchte, die Höllenkreatur abzustreifen; schlug noch einmal auf den Boden, und noch einmal.

Helle Explosionen, verursacht durch Sauerstoffmangel, blitzten vor seinen Augen auf, seine Lungen zogen sich schmerzhaft zusammen, brannten wie Feuer. Er widersetzte sich, riß die Hände hoch, schaffte es irgendwie, sie zwischen seinen Mund und den Leib des Facehuggers zu schieben. Etwas Kaltes versuchte sich unnachgiebig durch seine Finger hindurchzubohren, drängte, drängte auf seinen Mund zu. Hicks preßte die Lippen zusammen, gleichzeitig spürte er, wie seine Kräfte rapide nachließen. Die weißen Flecken vor seinen Augen wurden dunkler, das Donnern seines Pulses schwächer und schwächer... Noch einmal versuchte er, seinen Fuß freizubekommen, und plötzlich ging es aberwitzig leicht. Er fiel mit Wucht nach hinten. Die Waffe war jetzt in Reichweite, aber er war inzwischen zu schwach, um nach ihr zu greifen. Die Realität entglitt ihm Stück für Stück. Seine Hände verloren ihre Kraft, sanken zur Seite.

Sekundenbruchteile vor der Bewußtlosigkeit wurde das Verlangen nach Sauerstoff schließlich übermächtig, er öffnete den Mund zu einem vergeblichen Atemzug und spürte nur noch undeutlich, wie etwas Dickes, Hartes allmählich seine Kehle hinunterwanderte. Dann löschte eine tiefe Dunkelheit alles Grauen aus...