Name der Story: The Way of a Deatheater

Art der Story: Darkfiction

Autor: Josephine

Kapitel: 7

Titel: Der schwarze Nebel


Es war ein kühler, blasser Morgen und weiß glitzerndes Eis bedeckte die Landschaft rund um Hogwarts. Die Luft war kalt und erzählte vom bald eintretenden Winter und den ersten Schneeflocken, die nicht mehr lange auf sich warten lassen würden.

Drinnen im Schloss war es jedoch warm, überall prasselten Feuer in den großen Kaminen und ein neuer Unterrichtstag stand bevor. Laut schreiend, drängelnd und sich gegenseitig auf die Füße tretend stürmten die Schüler von Hogwarts in ihre Klassenräume. In manchen Ecken wurden noch eilig die letzten Hausaufgaben abgeschrieben oder aber der neuste Klatsch und Tratsch verbreitet, wozu man beim Frühstück nicht mehr gekommen war. Überall herrschte reges Treiben und die Luft war erfüllt von lautem Stimmengewirr.

Nur jene, die Zaubertränkeunterricht bei Severus Snape hatten, gingen normalerweise schweigend die steinernen Stufen in die Kerker hinab und stellten sich nur leise flüsternd vor die noch verschlossene Klassentür. Doch heute war nicht einer dieser „normalen" Tage. Heute hatte die fünfte Klasse der Gryffindors zusammen mit der fünften von Slytherin in den ersten beiden Stunden Unterricht bei Severus Snape und so war es nicht weit her mit dem leisen Geflüster. Reibereien und eine extrem aufgeladene Stimmen waren vorprogrammiert und lagen bei diesen beiden Klassen an der Tagesordnung.
Harry Potter und Draco Malfoy übertrafen die anderen Schüler bei weitem, indem sie sich beinahe eine handgreifliche Prügelei lieferten, hätten Ron Weasley und Hermine Granger sie nicht im letzten Moment davon abgehalten, in dem sie Harry Potter an seinem Umhang festhielten, so dass dieser sich nicht auf Malfoy hatte stürzen können. So waren es lediglich tödliche Blicke und wütendes Zischen, die zwischen den beiden Kontrahenten ausgetauscht wurden.

Die Beleidigungen steigerten sich mittlerweile in ernst gemeinte Drohungen und viele der Schüler wollten schon ihre Zauberstäbe ziehen, als eine kalte, emotionslose Stimme durch die Kerker hallte und sie alle erstarren ließ.

„Was, um Merlins Willen, ist hier los?"

Snape, der gerade die steinernen Stufen hinunter gegangen kam blickte abwechselnd die Gryffindors und seine Slytherins an. Mit seiner schneeweißen, dünnen Hand zeigte er auf Malfoy und flüsterte bedrohlich leise:

„Erklären Sie mir sofort, was hier unten vorgefallen ist, Mr. Malfoy!"

Draco Malfoy begann mit deutlich hörbarer, unterdrückter Wut in seiner Stimme alles zu erzählen, wie es seiner Meinung nach vorgefallen war, doch seine Sicht der Dinge entsprach natürlich noch nicht einmal im Geringsten der Meinung der Gryffindors, die natürlich lauthals ihre Version der Geschichte erzählen wollten, als Snape die Hand hob und ihnen allen damit das Wort abschnitt. Seine schwarzen Augen blitzen gefährlich und die bleichen Lippen hatte er zu einem dünnen Strich zusammen gepresst.

„Sollte ich noch einmal hier herunter kommen und es herrscht so ein Gebrüll, dann wird das den Verantwortlichen teuer zu stehen kommen, haben Sie das alle verstanden?!"

Ohne eine Antwort abzuwarten schritt er an den Schülern vorbei, zog eine weite Welle schwarzen Stoffes hinter sich her und öffnete mit einer beiläufigen Bewegung seiner rechten Hand die Tür des Klassenzimmers, welche sich langsam mit einem lauten Knarren öffnete. Bevor er jedoch als Erstes den Raum betrat, drehte er sich noch einmal um, die Schüler in seiner Nähe blieben ruckartig stehen und zogen ängstlich die Köpfe ein. Ein spöttisches Grinsen lag auf seinem Gesicht, welches umrahmt war von langen, schwarzen Haarsträhnen.

„Ach so ja, bevor ich es vergesse. 20 Punkte Abzug für Gryffindor!" Snape lächelte bedrohlich, als er die entsetzten Gesichter der Gryffindors sah, die nicht den Mut hatten sich mit dem gefürchteten Lehrer für Zaubertränke anzulegen und stattdessen wütend auf ihre Plätze gingen. Snape stellte sich vorne an sein Pult, ließ seinen Blick noch einmal langsam, durchdringend und angsteinflößend durch die Reihen wandern, bevor er sich mit einer fließenden Bewegung auf den Stuhl hinter seinem Pult setzte und die Stunde begann…

Heute sollten die fünften Klassen von Gryffindor und Slytherin ihren ersten, tödlichen Trank brauen. Nach dieser Offenbarung war ein leises Raunen durch die Menge gegangen, doch schwarze, blitzende Augen hatten jedes mögliche Wort bereits im Keim erstickt.

„Das Zaubereiministerium meinte, ich solle anfangen, euch die wahre Macht der Zaubertränke beizubringen, aber bei dem Wissensstand vieler Schüler in diesem Kurs..." Snape warf Neville Longbottom einen bösartigen Blick zu, worauf dieser beschämt den Kopf sinken ließ, "...halte ich das für keine gute Idee. Dennoch sind diese ignoranten Stümper der Meinung, dass es gerade jetzt, wo Voldemort...", viele der Schüler zuckten zusammen, als der Professor den Namen Dessen - der – nicht – genannt – werden – darf mit einer seltsamen Betonung aussprach,",...wieder stärker wird, wichtig ist euch zu lehren, welche Macht Zaubertränke haben."

Hermine Granger runzelte leicht die Stirn, horchte jedoch auf und schaute interessiert nach vorne.

„Sag mal, Hermine, spinnst du? Dieser schleimigen Fledermaus ist alles zuzutrauen! Womöglich nutzt er die Gunst der Stunde noch, um uns alle zur Strecke zu bringen – mit der offiziellen Erlaubnis des Ministeriums!", flüsterte Ron Weasley ihr ins Ohr, doch Snape hatte ihn genau gehört.

„Mr. Weasley, wenn Sie eine Ihrer ach so 'geistreichen' Ideen haben, dann sollten Sie diese laut von sich geben oder den Mund halten, wobei die letztere Variante besser für uns alle wäre!"

Rons Gesicht wurde dunkelrot und biss sich extrem mit seinen feuerroten Haaren. Die Slytherins fingen an leise und hinter vorgehaltenen Händen zu kichern, was sie aber schnell wieder sein ließen, als ihr Hauslehrer ihnen einen mahnenden Blick zuwarf. Zu ihrer aller Überraschung ließ es Snape jedoch auf diesem Kommentar beruhen und ging nicht weiter darauf ein, Ron Weasley noch mehr zu demütigen.

„Ich werde Sie alle nun zu Paaren zusammenstellen und wir werden den Trank dann gemeinsam herstellen! Ich rate Ihnen noch ein letztes Mal, sich genau zu konzentrieren, denn der geringste Fehler könnte heute…tödlich enden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes!"

Wieder umspielte ein leichtes Grinsen seine schmalen Lippen und Professor Snape stellte immer einen seiner Slytherins zu einem Gryffindor. Neville Longbottom wurde von ihm sogar zu Vincent Crabbe gestellt, welcher daraufhin schadenfroh auf Neville hinab blickte, der ängstlich das Gesicht verzog.

Dann ging es los...

oOo

„Ich habe noch nie einen so schwierigen Trank gesehen!" flüsterte Hermine Granger immer wieder leise.

Neville Longbottom schaute oft nervös zu Snape herüber, der durch die Reihen ging und seine Kommentare zu den verschiedenen Arbeiten der Schüler gab. Draco Malfoy, der zusammen mit Hermine Granger arbeitete, warf immer wieder einen misstrauischen Blick in den Kessel, dessen Inhalt nun von gelb in dunkelblau umgesprungen war. Auch sein Blick ging immer wieder in Richtung seines Hauslehrers, um sich zu vergewissern, dass dieser weit genug von ihnen entfernt war, sollte ihr Trank noch nicht dem Beispiel im Buch entsprechen. Er selbst und das Mädchen aus Gryffindor waren die besten Schüler dieses Kurses, doch der Trank, den sie brauen sollte, schien selbst ihm gemeinsames Können zu übersteigen. Und so eine Doppelstunde konnte erschreckend lang werden, wenn man ständig Gefahr ließ, dem Spott des Zaubertränkemeisters ausgesetzt zu werden. Er deutete mit seinem Zeigefinger auf den dickflüssigen Inhalt des Kessels, der nun im Minutentakt die Farbe wechselte.

„Granger, bist du dir sicher, dass der Trank DAS machen sollte?"

Hermine warf einen verzweifelten Blick an die Tafel und danach in ihr Buch.

„Ich weiss es nicht genau, Malfoy. Im Buch steht nichts davon, dass er nicht die Farbe wechseln darf, also wird es schon richtig sein…hoffe ich…"

Draco Malfoy blinzelte einmal kurz und zischte mit leichter Verzweiflung in der Stimme:

„Du hoffst es?!"

Hermine und Draco jedoch hatten innerhalb der Gruppen die wenigsten Probleme, bei den Anderen gab es deutlich schlimmere Abweichungen als nur eine ständig wechselnde Farbe.

Ron Weasley und Gregory Goyle prügelten sich gerade darum, ob der Trank nun schweinchenrosa oder fliederfarben aussehen musste und Neville Longbottom war damit beschäftigt, Crabbe auszuweichen, der ihm mit der Messingkelle immer wieder versuchte eine runterzuhauen.

Ein ersticktes Röcheln war zu hören, als dieser ihm stattdessen den Hals zuhielt und es dem Gryffindor nicht gelang, sich aus dem schraubstockartigen Griff zu befreien. Hermine Granger hatte schon den Zauberstab erhoben und wollte ihrem Hauskameraden gerade zu Hilfe eilen, als sie mitten in der Bewegung stoppte und Crabbe augenblicklich den Hals seines „Opfers" losließ.

„Schluss damit! Sie sollen Tränke brauen und sich nicht gegenseitig an den Hals gehen!"

Snapes mahnende Stimme hallte von den steinernen Kerkerwänden wider und sofort herrschte Totenstille im Kerker. Nachdem der Professor vielen Schülern noch einen mahnenden, wütenden Blick zugeworfen hatte, ging es schließlich weiter.

Die Schüler schnitten Kräuter, maßen Flüssigkeiten ab und rührten immer wieder unsicher in ihren Tränken.

„Zum Teufel mit diesen Doppelstunden!", murmelte Ron Weasley Harry Potter zu, der hinter ihm zusammen mit Morag McDougal eine Gruppe bildete.

„Glaubst du, dass dieser Trank wirklich tödlich ist?", meinte Harry zu Ron und deutete mit seiner Kelle auf den Messingkessel vor ihm, auf dessen Inhalt sich Blumenmuster in verschiedenen Farben zu bilden anfingen. Rons Mund verzog sich zu einem breiten Lächeln.

„Na ja, wenigstens ist euer Trank flüssig! Schau dir nur unseren an..."

Er drückte die rötliche Kupferkelle in den Trank, was sich jedoch als äußert schwierig erwies, denn der war noch um einiges zäher als der Vielsaft-Trank, den Harry Potter, Hermine Granger und er vor drei Jahren in einem verlassenen Mädchenklo gebraut hatten. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass in diesem Fall die Kelle aus irgendeinem Grund gar nicht mehr herauszubekommen war.

Beide warfen sich verzweifelte Blicke zu und wollten sich gerade wieder ihren Tränken widmen, als ein lautes Zischen sie aufschauen ließ. Neville Longbottoms und Vincent Crabbes Trank hatte heftig an zu blubbern und zu zischen begonnen.
Snape, der am anderen Ende des Raums bei Seamus Finnigan und Millicent Bullstrode gestanden hatte, versuchte so schnell wie möglich zu dem mittlerweile rauchenden Kessel zu gelangen, doch wild kreischende, hustende Schüler versperrten ihm den Weg und verhinderten so, dass der Professor den verunglückten Kessel noch rechtzeitig erreichen konnte.

Nun fing der mehr als nur etwas verunglückter Trank auch noch an überzulaufen und verbreitete dichten, schwarzen Nebel. Keiner wußte so recht, was er in dieser Situation zu tun hatte und selbst Hermine Granger wusste keinen passenden Zauberspruch, um den Nebel zu bekämpfen, der sich mit rasender Geschwindigkeit in dem Klassenraum verteilte und ihnen allen die Luft zum Atmen nahm. Ihre Augen tränten, auf der Haut bildeten sich rötliche Blasen und mit lautem Krachen stolperten die Schüler über Tische und Bänke in dem Versucht, durch die Klassenzimmertür nach draußen zu gelangen.

„Alle raus hier, schnell!", schrie Snape, der gerade dabei war seine Schüler in die Richtung zu dirigieren, in der scheinbar die erhoffte Tür lag. „Lauft zu Madame Pomfrey und holt den Direktor! Ich versuche mich so lange um den Trank zu kümmern!"

Laut schreiend liefen alle aus dem Klassenzimmer und die steinerne Treppe hinauf, bis auf...

„Mr. Weasley...Sie sollten doch hier raus!" rief Snape hustend, als er Ron Weasley sah, der immer noch im Türrahmen stand und sich panisch im Zimmer umsah, so weit dies noch möglich war.

„Aber Sir, Draco Malfoy ist noch im Raum..."

Snape nickte und rief mit rauer Stimme: "Ist gut, Mr. Weasley. Ich kümmere mich darum. Holen Sie jetzt endlich Dumbledore!"

Ron nickte und mit einem letzten, besorgten Blick auf seinen Zaubertränkeprofessor, den er inmitten des schwarzen Nebels kaum noch erkennen konnte, stürmte auch er aus den Kerkern, die steinernen Stufen hinauf.

oOo

Erzählt von Ron Weasley:

Schnaufend und außer Atem erreichte ich endlich den Eingang zu Professor Dumbledores Büro. Rutschend stoppte ich vor dem Eingang und...verdammt, ich kannte das Passwort ja gar nicht! Das durfte doch nicht wahr sein! Der Verzweiflung nahe begann ich nun wie verrückt Süßigkeiten aufzuzählen, denn Harry hatte mir einmal gesagt, dass der Direktor immer nur Süßigkeiten als Passwort benutzte.

Ich war kurz davor den steinernen Wasserspeier zu verfluchen, der sich sichtlich darüber amüsierte, dass ich das Passwort nicht kannte, als hinter mir auf einmal eine strenge Frauenstimme ertönte, die ich nur zu gut kannte: Professor McGonagall, unsere Hauslehrerin.

„Mr. Weasley, was zum...?"

„Keine Zeit Professor!", unterbrach ich sie hektisch, als ich mich zu ihr umdrehte und versuchte, wieder halbwegs zu Atem zu kommen. „Unten beim Zaubertränkeunterricht ist ein tödlicher Trank außer Kontrolle geraten und Professor Snape hat uns alle so schnell wie möglich aus den Kerkern geschickt, aber Malfoy hat es nicht geschafft und jetzt sind sie noch unten und..."

All das sprudelte in einem einzigen Japsen nach Luft aus mir heraus, doch meine Hauslehrerin verstand sofort und meinte ebenso schnell: "Holen Sie sofort den Direktor! Ich gehe schon einmal voraus und sehe, was ich tun kann um zu helfen."

Sie drehte sich um und wollte schon los rennen, als ich ihr noch hinterher rief: "Aber Professor, das Passwort..."

„...lautet Schokoladenplätzchen!", schrie sie und war schon im nächsten Moment um die Ecke gebogen.

Ich fühlte mich einer Ohnmacht nahe, als ich mich umdrehte und der verdammten, steinernen Skulptur das Passwort nannte. Na klasse! DARAUF hätte ich ja auch kommen können - jedenfalls früher oder später…

Ich hetzte die steinernen Stufen zum Büro des Direktors hinauf, machte dabei mehr als einmal unliebsam Bekanntschaft mit der harten Wand und warf mich, oben angekommen, mit einem lauten Krachen das Büro des Direktors.
Professor Dumbledore, der hinter seinem Schreibtisch saß, schreckte hoch und sah mich verwundert an. Scheinbar war er zuvor in etwas vertieft gewesen, doch als er den panischen Ausdruck auf meinem Gesicht bemerkte fragte er irritiert:

„Mr. Weasley, was ist passiert?"

Völlig außer Atem presste ich die Worte heraus, zwischendurch immer Luft holend, so dass ich keinen einzigen kompletten Satz heraus bekam.

„Kerker...Zaubertränkeunterricht...tödlicher Trank...explodiert...Malfoy und Snape... noch unten..."

Der Direktor sprang aus seinem Stuhl auf, umrundete seinen Schreibtisch mit einer Schnelligkeit, die ich dem alten Mann nicht mehr zugetraut hätte und lief Richtung Tür. Dort angekommen drehte er sich noch einmal zu mir um und rief:

„Mr. Weasley, gehen Sie bitte sofort Madame Pomfrey holen und schicken Sie diese zu den Kerkern!"
„Professor Snape hat den Rest der Klasse schon zu ihr geschickt!", erwiderte ich, wieder halbwegs zu Atem gekommen, und machte Anstalten, dem Direktor zu folgen.

Dieser nickte, schüttelte jedoch leicht den Kopf.

„In Ordnung, dann gehen Sie bitte zum Rest ihres Kurses und warten am besten in der großen Halle oder ihrem Gemeinschaftsraum, bis wir zu Ihnen kommen!"

Auch, wenn mir diese Anweisung nicht wirklich gefiel, nickte ich ergeben und irgendwie auch dankbar dafür, dass man mir eine scheinbar unendlich schwere Last von den Schultern genommen hatte. Jedenfalls fühlte ich mich mit einem Mal besser.

Ich machte mich so schnell es ging auf den Weg in den Krankenflügel, wobei mich eine einzige Frage den ganzen Weg über quälend beschäftigte: Was würde jetzt wohl passieren?

Erzählt von Minerva McGonagall:

Von Anfang an war Severus dagegen gewesen, jetzt schon mit den tödlichen Tränken anzufangen und da war er nicht der Einzige gewesen. Auch Albus, ich und die anderen Lehrer hielten es für viel zu gefährlich, einer fünften Klasse schon tödliche Tränke beizubringen, aber das Ministerium hatte darauf bestanden und so wurde es dann auch beschlossen. Das war mal wieder typisch. Das Ministerium beschloss etwas und die Meinung der Anderen zählte nicht. Noch nicht einmal, wenn es der Direktor von Hogwarts oder der Meister der Zaubertränke waren.

Ich hetzte die Treppe hinunter und durch die schwach erleuchteten Gänge. Ob Albus schon da war? Im Gegensatz zu mir kannte er fast alle Geheimgänge des Schlosses...

Als ich um die letzte Ecke bog, von wo aus man die Treppe hinunter in die Kerker schon sehen konnte, blieb ich entsetzt stehen. Es war schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte…!

Der ganze Gang unten musste mit schwerem, schwarzem Nebel durchflutet sein, der sich nun seinen Weg in die oberen Teile des Schlosses bahnen wollte, sich aber glücklicher Weise nur langsam verbreitete.

Ich zog meinen Zauberstab und sprach einen starken Eindämmungszauber rund um den Gang, wo sich schon der Nebel gesammelt hatte und verstärkte diesen noch mit einem normalen Schutzzauber. Meine Gedanken überschlugen sich, während ich fieberhaft überlegte, was als nächstes zu tun sei.

„Oh mein Gott!", hörte ich hinter mir die Stimme von Remus Lupin. Ich drehte mich um.

„Remus, was können wir nur tun?"

Er schüttelte den Kopf als Zeichen, dass er es auch nicht wusste und sah besorgt an mir vorbei auf dem dichten Nebel.

„Nichts können wir tun, Minerva, außer abwarten und hoffen." Gleichzeitig drehten wir die Köpfe in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war.
Der Direktor stand mit Madame Pomfrey etwas weiter hinter uns und musterte nun besorgt das Schauspiel, das sich vor uns abspielte.

„Aber Albus, wir müssen doch…", erwiderte Remus, während er einen panischen Blick auf die schwarze Masse vor uns warf, doch Albus schüttelte nur langsam den Kopf und kam mit schweren Schritten zu uns.

„Minerva hat bereits alles getan, was wir von hier aus bewirken können! Wir wissen nicht, wie es in den Kerkern aussieht und was das für ein Nebel ist. Eventuell würde er auf unsere Zauber reagieren und was dann passiert, möchte ich mir lieber nicht ausmalen! Wir können nur hoffen, dass der Meister der Zaubertränke weiß, was er tut..."

Erzählt von Severus Snape:

Mein Kompliment. Sie hatten es doch tatsächlich wieder geschafft. Geschafft, die ganze Sache zu vermasseln. Doch hatte ich etwas anderes erwartet? - Wohl kaum.
Jetzt waren die Kerker mit dichtem, schwarzem Nebel geflutet und ich auch noch mitten drin. Klasse. In dem ganzen Gedränge hatten sie es auch noch geschafft, Draco Malfoy über den Haufen zu rennen, der jetzt hier irgendwo bewusstlos auf dem Boden lag.

Ich spürte, wie der Nebel anfing meine Haut schon immer mehr zu verbrennen, die nun rot und an vielen Stellen aufgeplatzt war. Ich musste mich an die Wand stützen, um nicht das Bewusstsein zu verlieren. Ich hustete, weil der Nebel mir die Luft zum Atmen nahm und sich in meine Lungen fraß. Unaufhaltsam verbrannte er meinen Körper auch von innen und ich sank an der Wand hinunter. Verzweiflung kam in mir auf, doch ich wollte das nicht zulassen! Es musste einen Weg hier heraus geben, ich musste Draco irgendwie finden!

Aber wie?

Meine Kräfte versagte immer mehr, ich konnte meinen eigenen Körper kaum noch spüren und meine Haut brannte entsetzlich, auch wenn kein einziger Laut über meine aufgeplatzten Lippen kam. Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich, während ich versuchte, den Schmerz so gut es ging aus meinem Bewusstsein zu vertreiben, da er meinen Verstand behinderte und drohte, mich unter sich zu begraben.

„Dir bleibt keine andere Wahl!", durchzog ein flüchtiger Gedanke meinen Geist und ich schlang die Arme fest um meinen Oberkörper, denn diese Möglichkeit würde ich noch nicht einmal in Betracht ziehen, wenn es sich bei meinen röchelnden Atemzügen um die letzten meines Lebens handeln würde, was mir in meiner momentanen Situation noch nicht einmal so abwegig erschien.

Im nächsten Moment durchfuhr eine Welle von Schmerz meinen Körper und ich stöhnte leise auf. Ich zitterte und mein Blut, so kam es mir vor, schien zu kochen. Die Verbrennungen in und an meinem Körper schlossen sich noch im selben Augenblick, wie sie entstanden waren, doch der Nebel fraß sich immer weiter in meine Haut. Die Regeneration kostete mich Unmengen an Kraft und so schaffte ich es nur mit großer Mühe, mich an der Kerkerwand stützend wieder in eine halbwegs gerade Lage zu stellen.

Ich musste Draco finden, um jeden Preis!

Langsam und geschwächt durchquerte ich den Kerker, während meine letzten Kraftreserven mich immer mehr verließen. Schon sehr bald würde ich hier einfach zusammen klappen und ob ich dann verbrannte, oder aber erstickte, erschien mir im Moment noch nicht sonderlich klar. Alleine die Tatsache jedoch, dass ich über so etwas nachdachte, zeigte mir deutlich, in welchem Zustand sich nicht nur mein Körper befand.

Immer darauf bedacht, nicht gegen die Tische zu laufen, glitt ich mit meinen Händen an der Wand entlang, doch selbst durch meine geschärften Sinne hätte ich Draco durch diesen dichten Nebel nicht bemerkt, wäre ich nicht fast über seinen bewegungslosen Körper gestolpert.

Mehr blind als sehend tastete ich nach seinem schmalen Körper, hob ihn hoch und drohte, unter seinem Gewicht zusammen zu brechen, doch auf wackeligen Beinen blieb ich dennoch stehen. Meine Wunden schlossen sich immer noch selbst, doch jedes Mal wurde die Haut gleich darauf wieder verbrannt und die Regeneration musste von neuem beginnen, wurde mit jeder weiteren Heilung langsamer. Wie lange würde mein Körper das noch mitmachen?

Ich wusste es nicht.

Leider.

Irgendwie schaffte ich es schließlich doch noch bis zur Tür, die scheinbar nur wenige Schritte entfernt gewesen war. Ich stemmte meinen ganzen Körper gegen die halb geschlossene Tür, stolperte hinaus auf den Gang und hustete einige Male. Mein ganzer Hals schien zu brennen und kurz durchzog die Frage meinen Geist, was wohl geschehen würde, wenn ich mich jetzt einfach auf den Boden sinken lassen würde und mich nicht mehr regte. Ich schüttelte leicht den Kopf und biss mir die ohnehin schon aufgesprungene Lippe noch blutiger. An so etwas dürfte ich noch nicht einmal denken! Niemals!
Ich schleppte mich und Draco weiter, bis ich die steinernen Stufen an meinen Füßen spürte. Gott sei Dank, dass ich mich hier unten so gut auskannte, sonst hätte ich diese wahrscheinlich nie gefunden! Ich kämpfte mich jede Stufe hinauf, wobei ich zwei Mal fast nach vorne gekippt wäre.

Immer wieder stolperte ich, drohte den bewusstlosen Körper aus meinen Armen zu verlieren und zu fallen – aber ich blieb stehen, wenn auch nicht mehr ganz gerade. Ich hatte die letzte Stufe erreicht und bemerkte am Rande meiner Wahrnehmung, dass der Nebel hier oben nicht so dicht war wie unten. Mein Blick wurde immer trüber und meine letzte Kraft wich gerade aus meinem Körper, als ich sie sah....

Albus Dumbledore, Minerva McGonagall und Remus Lupin.

Oder waren das alles nur Trugbilder, erzeugt durch meinen geschwächten, verletzten Zustand?

Ich klammerte mich an das letzte bisschen Hoffnung, welches mir noch geblieben war und zwang meinen Körper dazu, die letzten Schritte auch noch zu schaffen, den Blick nun fest nach vorne gerichtet. Albus, Minerva und Remus schienen vor einer Art Schutzzauber zu stehen, der den Nebel daran hinderte, ins Schloss vorzudringen. Das war das Letzte, was sich sah und woran ich mich erinnern konnte, als meine Knie nun vollends unter mir nachgaben und ich in eine tiefe, schwarze Unendlichkeit gezogen wurde.