7. Wieder zu Hause


Zeitrahmen: Dieser One-Shot spielt während meiner Fic „Nennt uns Legenden V: Die Legende von Mallus", nach Kapitel 14, aber vor Kapitel 21, außerdem spielt er vor der Flash-Episode 4.19 „Fury Rogue"

Zusätzliche Pairings: Erw. von Coldflash und Westallen, etwas verwirrtes Leo/Barry

Zusätzliche Warnings: Spoiler für „Nennt uns Legenden V", Kitsch, Erw. von KZs und Character Death


Es war seltsam wieder zu Hause zu sein. In den letzten Monaten hatte Leo Dinge erlebt, die er sich niemals hätte träumen lassen. Er hatte ein anderes Universum erforscht und diverse Zeitperioden aus der Geschichte dieses Universums. Er hatte mit Mickeys Doppelgänger Freundschaft geschlossen, war Teil eines Rudels geworden, hatte Dämonen bekämpft, und Magie von ihrer unangenehmen Seite kennengelernt. Und er wäre fast gestorben.

Nachdem er beinahe lobotomiert worden wäre, hatte Sara ihm geschworen, dass sie ihn beschützen würde, doch sie hatte nicht verhindern können, dass er beinahe seinen Körper an den Geist seines verstorbenen Erde-1-Doppelgängers verloren hätte. Wenn sich Leonard nicht gegen diesen faustischen Pakt mit dem Dämon Mallus entschieden hätte, dann gäbe es Leo nun nicht mehr. Und trotzdem hatte er für kurze Zeit seinen Körper mit Leonard geteilt, und das hatte ihn doch ein wenig verwirrt.

Mick, Ray, Sara, Jax, Professor Stein, Rip Hunter, selbst Nate und Amaya – er hatte sie für kurze Zeit durch ganz andere Augen gesehen als seinen eigenen. Genau wie Barry. Besonders Barry.

Es war seltsam gewesen und verstörend. Und es hatte ihm erneut vor Augen geführt wie zerbrechlich das Leben war, wie zerbrechlich sein Leben war. Irgendwie war er davon ausgegangen, dass er in Universum-1 sicherer wäre zu Hause, dass ihm dort weniger widerfahren könnte, doch das war ein Irrtum gewesen. Sein Aufenthalt dort hatte ihm zwar geholfen über Mickeys Tod hinweg zu kommen, aber wenn er ehrlich war, war er nicht weniger traumatisch gewesen als sein Leben hier.

Und zu sterben ohne Ray – seinen Ray, nicht Ray Palmer – vorher gefragt zu haben, ob er ihn heiraten wollte, das stand nicht auf Leos „To Do"-Liste. Also hatte Leo Abschied genommen und sich von Cisco zurück nach Hause schicken lassen. Er würde die Legends vermissen, dieses seltsam dysfunktionale Rudel, von dem er kurze Zeit lang ein Teil gewesen war. Aber er hatte seine eigene Familie hier auf Erde-X, und es war Zeit sich ihr wieder zuzuwenden.

Sein erster Weg führte Leo zurück ins Hauptquartier des Widerstands. General Schott war wie immer sehr erfreut darüber ihn zu sehen und begrüßte ohne jeden Enthusiasmus mit den Worten: „Snart, da bist du ja wieder. Terrill meinte, dass du zurückkommen wirst, aber ich habe nicht daran geglaubt. Welcher geistig normale Mensch würde freiwillig auf dieser Welt leben wollen, wenn er die Wahl hätte?"

Darauf hatte Leo eigentlich keine wirkliche Antwort parat. Vermutlich gab es keinen geistig normalen Menschen, der das wollen würde, aber Ray war hier geblieben, obwohl er eigentlich von Erde-1 stammte, also war das Mindeste, was Leo tun konnte, ebenfalls hier zu leben.

Und außerdem: Nach den jahrzehntelangen Kampf um die Freiheit dieser Welt, musste er es wohl doch bis zum Ende durchziehen. Oder nicht?

„Wie sieht es aus? Wie stehen die Dinge inzwischen?", wollte Leo vom General wissen.

„Wie es vorherzusehen war, ist der Kampf noch nicht vorbei. Ja, der Verlust des Führers und des Generals sowie ihres Führungsstabes hat das Regime geschwächt, aber nur hier in Deutsch-Amerika. Es gibt bereits viele neue Kandidaten für den Posten des Führers. Zum Glück sind sie im Moment vor allem damit beschäftigt sich gegenseitig zu bekämpfen, was uns die Chance einräumt sie loszuwerden, bevor sie ihre Macht festigen können", erklärte Schott.

„Konnten wir irgendwelche weiteren namhaften Erfolge erzielen?", erkundigte sich Leo, „Was ist passiert, nachdem die Wellenreiter ins andere Universum aufgebrochen ist?"

Der General zuckte die Schultern. „Red Tornado hat das getan, wofür ich ihn konstruiert hatte", meinte er, „Es gab keine Überlebenden der Basis. Die kryptonische Technologie wurde vollkommen zerstört."

„Und Overman?" Das war sie wichtigste Frage, nicht wahr?

„Immer noch frei", meinte der General, „Er versucht seine Truppen neu zu formieren, und es gibt Gerüchte über neue Über-Tests. Das ist im Augenblick unsere höchste Priorität – alle überlebenden Übers auszuschalten, bevor wir es mit einem neuen General zu tun bekommen."

Leo nickte. „Verstehe. Nun, ab Morgen stehe ich gerne wieder dem Kampf für die Freiheit und gegen die Unterdrückung zur Verfügung, doch es gibt etwas, das ich zuerst noch erledigen muss. Wo steckt Ray?"

Schott seufzte und blickte Leo tadelnd an. „Andere setzen Prioritäten, aber nicht Leonard Snart. Seit dieser Über aufgetaucht ist, hast du nichts anderes mehr im Kopf", meinte er vorwurfsvoll.

„Nun, so etwas nennt man Liebe. Sie sollten das auch einmal ausprobieren, General. Es entspannt die Seele und gibt einem neue Hoffnung für die Zukunft", erwiderte Leo nur unbeeindruckt.

„Danke, ich verzichte. Dafür habe ich keine Zeit. Terrill ist im gestürmten KZ, wo wir eine Verpflegungsstation eingerichtet haben. Viel Spaß. Und jetzt: Stör mich nicht mehr, ich muss einen Überraschungsangriff auf Overmans Hauptquartier planen." Mit diesen Worten wies ihm Schott die Türe und beachtete ihn nicht mehr.

Leo war dieses Verhalten von dem Beta schon gewöhnt und nahm es nicht persönlich. Stattdessen machte er sich auf zum (nun ehemaligen) KZ.

Es war immer ein etwas seltsames bis unangenehmes Gefühl dort zu sein, immerhin war er hier einst eingesperrt gewesen. Seit dem konnte er nicht anders, als sich immer wieder zu fragen, ob das nun sein letzter Besuch an diesem Ort sein würde, egal ob er Ray oder Barry befreite ,oder ob er sich nur so heimlich mit Eddie traf um Informationen auszutauschen.

Eddie ist tot, fiel ihm wieder ein. Vage Trauer erfasst ihn bei diesem Gedanken. Tief in seinem Inneren wusste er, dass es für Eddie Thawne keine andere Lösung gegeben hatte, dass der Beta einen Punkt in seinem Leben erreicht hatte, an dem er mit sich selbst nicht mehr leben konnte und wollte, und dass für jemand anderen zu sterben die Art und Weise zu Gehen gewesen wäre, die er bevorzugt hätte. Aber trotzdem, Leo vermisste den Mann.

So nahe einem sein Wärter eben stehen kann, hatte er gesagt, als man ihn darauf angesprochen hatte. Aber die Wahrheit war: Sein Wärter konnte einem sehr nahe stehen.

Doch niemand stand ihm so nahe wie Ray, und der lebte noch, ihn hatte Leo immer noch.

Ungewollte Erinnerungen vom anderen Leonard Snart drängten sich ihm auf. Erinnerungen an ein Omega-Band für Barry. Daran sollte ich nicht denken. Das ist falsch und … ganz falsch. Ich liebe Ray, und Barry ist frisch verheiratet.

Wie lange würde ihm der andere Leonard noch im Kopf herum spuken? Je eher ich ihn los werde, desto besser. Nein, so etwas archaisch wie ein Omega-Band hatte er nicht zur Hand, allerdings war er ja auch der Omega hier und Ray der Beta, also würde es sowieso nicht passen.

Doch bevor er gegangen war, hatte Mick ihm noch ein Geschenk überreicht. Es war ein kleiner aber feiner Diamant, und Leo wollte eigentlich gar nicht wissen, wo Mick den her hatte. „Ich sammle die bei unseren Reisen", hatte der Alpha Leo erklärt, „Nur so zum Spaß. Aber ich kann damit nichts anfangen, du aber schon. Du willst es doch richtig machen, oder? Bei uns macht man es richtig, wenn man heiraten will."

Leo war, bevor er sich von Cisco zurückschicken hatte lassen, noch zu einem Juwelier gegangen und hatte sich einen Ring und eine Fassung dazu besorgt. Will ich das wirklich durchziehen? Ich meine, ich liebe Ray, aber wenn wir hier auf dieser Erde bleiben, dann ist nicht gesagt, dass wir den morgigen Tag erleben. Oder den Tag danach.

Er musste nur daran denken, was mit Martin Stein passiert war. Und der gute Professor war noch billig davon gekommen. Auch wenn er selbst wohl anderer Meinung wäre.

Nein, er hatte sich das hier vorgenommen, nicht wahr? Nun würde er es auch durchziehen.

Er sah Ray, bevor dieser ihn erblickte. Der Beta war gerade damit beschäftigt Essen zu verteilen. Dürre in Lumpen gekleidete Menschen standen an und bekamen von ihm Essensrationen in die Hand gedrückt. Ehemalige Insassen vermutlich und vielleicht noch ein paar Untergetauchte, die sich nun langsam wieder ins Freie trauten.

Hier in diesem Hof habe auch ich meine Essensrationen bekommen, erinnerte sich Leo. Doch daran wollte er sich nicht erinnern. Er hatte sich geschworen, dass er all das, was damals passiert war, einfach vergessen wollte, so gut es ging.

Da stand Ray und verteilte mit einem aufmunternden Lächeln Essensrationen. Mein strahlendes Licht in der dunklen Nacht, dachte Leo voller Zuneigung, Nun gibst du auch Anderen Hoffnung.

Er ging hinüber zu Ray. Dieser blickte auf, und sein ganzes Gesicht begann zu strahlen, als er ihn erkannte. „Leo!" Er ließ alles liegen und stehen und eilte auf ihn zu und umarmte ihn. „Ich bin froh, dass du wieder hier bist! Dass du zu mir zurückgekommen bist!", erklärte er.

„Ich werde immer zu dir zurückkommen", erwiderte Leo und versank in Rays Umarmung. Der beruhigende Beta-Geruch lullte ihn ein und vermittelte ihm endlich das Gefühl nach Hause gekommen zu sein.

Du willst immer noch etwas erledigen, erinnerte er sich. Also löste er sich von seinem Beta und ging vor diesem auf die Knie. Ray blinzelte ihn verwirrt an. „Leo? Was machst du denn da?", wunderte er sich.

„Ray Terrill", begann Leo, „Du weißt es vielleicht nicht, aber als wir uns kennengelernt haben, war ich gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich nicht mehr wusste, ob ich die Kraft hätte weiterzumachen. Doch du hast mir diese Kraft zurückgegeben. Und mich dazu gebracht wieder hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Mir wieder eine Zukunft zu wünschen. Eine Zukunft mit dir."

Ray starrte ihn sprachlos an. Leo holte den Ring aus seiner Tasche und hielt ihn Ray entgegen. „Ich liebe dich, Ray", verkündete er, „Ich liebe dich dafür, dass du meine Macken akzeptierst und meinen Kontrollzwang liebenswert findest. Ich liebe dich dafür, dass du ein Held bist, der sich von nichts beirren lässt, und der mir und allen anderen ein strahlendes Vorbild ist. Ich liebe dich, weil du in einer dunklen Nacht das Licht bist, das mich nach Hause führt. Und ich habe gerade eine wirklich sehr dunkle Nacht hinter mir, die ich nur dank den Gedanken an dich überstehen konnte. Also, Ray Terrill, würdest du mir die Ehre erweisen für immer an meiner Seite bleiben zu wollen und mich zu heiraten?"

Ray schluckte und hatte feuchte Augen als er erwiderte: „Natürlich will ich das, Leo Snart."

Leo gestattete sich ein glückliches Lächeln, erhob sich, und steckte Ray den Ring an. „Nun, ich schätze damit sind wir verlobt", meinte er dann. Sein Blick fiel auf die sie umringenden Leute, die immer noch auf ihr Essen warteten. „Ich schätze das können wir aber erst feiern, wenn wir all diese hungrigen Leute hier versorgt haben", fügte er hinzu, „Entschuldigung, ich konnte einfach nicht mehr warten."

„Das ist schon okay", sagte eine dünne Frau, „Sie haben uns die Freiheit geschenkt, Citizen Cold. Da war das Mindeste, was wir Ihnen im Gegenzug schenken konnten, diese fünf Minuten."

Sie kannten ihn. Sie alle wussten, wer er war. Hier war er nicht mehr der falsche Snart, hier war er Citizen Cold, der Held des Widerstands und nun auch der Verlobte von Ray Terrill. Wie es aussieht, bin ich wirklich endlich wieder zu Hause.


Fin.


A/N: Nächstes Mal: Nach dem Schicksal von Kommandantin Lance kann es keine Siren-X geben, oder doch? Doch es gibt sie. Wer sie ist, und was es mit ihr auf sich hat, erfahrt ihr im nächsten Kapitel!

Reviews?