Es war nicht einfach für mich am Abend wieder von meiner Tante loszukommen. Sie wollte nicht, dass ich schon wieder so lange draußen blieb und erst im Dunkeln wieder zurück kam. Meine liebe Tante May, sie war einfach die Beste. Sie machte sich Sorgen, obwohl sie dies nicht brauchte. Sie war immer für mich da und ich lungerte derweil Nachts in den Straßen Manhattans herum, sodass sie schlaflos im Bett lag und wartete, bis ich wieder kam. Das sagte sie mir auch jedes Mal klipp und klar, dass ich wenigstens einmal zu Hause bleiben sollte, um mit ihr den Abend zu verbringen. Und wirklich, ich würde das wirklich gerne tun, aber konnte den Avengers nicht einfach einen Korb geben. Ich weiß, es war nicht einfach für May mit mir zu leben und für mich zu sorgen. Dass sie es trotzdem tat, war ein Segen für mich und ich liebte meine Tante dafür umso mehr. Ich wusste jedoch auch, dass ich ihr das, viel zu selten zeigte. Nach einer Weile Diskussion und mehreren Versprechen beiderseits lies mich Tante May schließlich gehen. Gerade noch rechtzeitig kam ich am Avengers-Tower an. Dem Himmel sei Dank musste ich dieses Mal nicht durch den engen Luftschacht krabbeln, sondern konnte auf der Dachterrasse landen und dort die Superhelden mit einem lockerem „Hi" und einem kleinen Wink mit der Hand begrüßen. Ich fühlte mich etwas schlecht, da es so aussah als würden sie schon eine Weile warten, doch auf den zweiten Blick erkannte ich keine Spur von Ungeduld auf den Gesichtern.
„Schön, dass du kommen konntest", sagte Storm, kam auf mich zu und zog mich dann näher zu den anderen. Beim Näherkommen sah ich, dass auch der Typ mit der Augenklappe, Mister Gruselpirat, dazugekommen war. Sein Freund im schwarzen Anzug war jedoch nirgends zu entdecken.
„Guten Abend, Spinne", meinte Nick und gebot denen die noch etwas weiter weg standen, näher zu kommen. So bildeten wir einen Kreis, was für mich ein ein merkwürdig, aufregendes Gefühl war. Ich stand zusammen mit den größten Helden dieser Zeit in einem Kreis! Ich stand nicht außerhalb, sondern war mit einbezogen! Für eine kleine Arachnide war dies ein großer Schritt.
„Der Captain hat mich darüber unterrichten, was du ihnen vor ein paar Stunden erzählt hast. Während wir auf dich gewartete haben, haben wir einen einfachen Plan ausgehandelt. Die Sechs, die du schon auf den Dächern hast Kämpfen sehen werden nicht begleiten", erklärte mir Nick und deutete auf Captain America, Iron Man, Hawkeye, Black Widow, Wolverine und Cyclops, der Typ mit den Laseraugen. Dann holte der Chef von Shield ein kleines, schwarzes Gerät hervor und überreichte es mir. „Wir anderen werden hier auf dem Tower auf eure Rückkehr warten und währenddessen euch mit diesen GPS-Sendern im Auge behalten. So wissen wir wo ihr seid und können bei Gefahr schnell zu euch hin kommen. Wenn Gefahr droht sagt uns Stark Bescheid. Fragen dazu?"
Ich schüttelte den Kopf. Wer würde Nick Fury auch widersprechen?
„Gut, eure Aufgabe ist es, so viele Informationen über die Pläne von Magneto und den Sinister Six - ", er sah mich fragend an und ich nickte. „ - herauszufinden und hierher zurück zu bringen. Falls sie in dem Labor seien sollten, macht nichts Unüberlegtes und brecht die Mission ab. Verstanden?"
Er blickte in die Runde und wir nickten alle. Ich seufzte einmal kurz leise auf. Na dann, los geht's! Ab in die Kanalisation. Schauen wir mal, was die Mutanten so ausgeheckt haben.
„Los, kommt schon!", rief ich den anderen zu und sprang über die Abgrenzung der Terrasse. Ich hoffte einfach, dass meine Begleiter mit mir mithalten konnten. Als mich umdrehte, merkte ich aber, dass ich mir darum keine Sorgen machen musste. Die die nicht selbst Fliegen konnten, und dass waren alle außer Iron Man, saßen auf hochmodernen fliegenden Motorrädern, mit denen sie von Dach zu Dach springen und sogar an Wänden entlang fahren konnten. Wenn ich jetzt so darüber nachdachte, merkte ich, dass meine Art von Fortbewegung, doch ziemlich anstrengend war. Ich musste Nick fragen, ob ich so ein Bike auch bekäme, wenn ich ein Avenger werden oder Shield beitreten würde. Bald waren wir an dem Gullydeckel in einer abgelegenen Seitenstraße angelangt, aus dem ich zuvor auch heraus geklettert war. Nach einander sprangen wir nun in New Yorks Kanalisation.
„Oh man, das stinkt hier unten!", beschwerte sich Hawkeye.
„Du hast gut reden", knurrte Wolverine und hielt sich die Nase zu. „Du hast kein verbesserten Geruchsinn"
„Jungs, lasst es gut sein", meinte unsere rothaarige Begleiterin. „Ihr wusstet, wo es hingeht und hättet ja nicht mitkommen brauchen."
„Kommt ihr nun?", fragte Cyclops leise, der mit Iron Man und Captain America schon etwas vorausgegangen war. Schnell schwang ich mich an die Spitze und krabbelte an der Decke den anderen voraus. Ohne das ein weiteres Wort gesagt wurde, kamen wir nach einiger Zeit an dem kleinen Tunnel an. Mein Spinnensinn sprang zwar nicht an, trotzdem war ich auf der Hut. Vorsichtig krabbelte ich in den schmalen Tunnel, Natasha und Cyclops hinter mir.
„Wartet!", kam es plötzlich von hinten und wir drei drehten uns um.
„Was ist los?"
„Da kommen wir nicht durch", meinte Stark und deutete auf seine Rüstung. Er hatte Recht. Er, Rogers, Wolverine und Hawkeye kamen hier wegen ihren Waffen und ihren kräftigen Körpern nicht durch. Für uns andere war das weniger ein Problem. „Gibt es nicht noch einen anderen Eingang?"
„Glaub schon, aber der wird verschlossen sein", erwiderte ich und überlegte. „Aber wir werden versuchen den von innen zu öffnen. Mit den Sendern können wir euch dann dorthin lotsen. Vorausgesetzt im Labor ist niemand."
Der Captain nickte und klopfte Iron Man auf die Schulter. Wir anderen konzentrierten uns nun wieder auf das Hindurchkrabbeln. An den Stäben angelangt guckte ich, so gut es wegen den Schläuchen eben ging, hinunter ins Labor und versuchte dort irgendeine Bewegung wahrzunehmen. Doch abgesehen von dem Blinken der Bildschirme war alles still und ruhig in dem geheimen, jetzt nicht mehr so geheimen, Labor. Während ich die Stäbe am unteren Ende festhielt, sägte sie Cyclops mithilfe seiner Laserstrahlen ebendiese ab. So kamen wir fast geräuschlos ins Innere des Labors. Sorgfältig legte ich die Stäbe am Rand des Tunnels ab, während die anderen beiden schon auf dem Weg waren, die Tür für die restlichen von uns zu öffnen. Schließlich war die Tür geöffnet und die Captain Rogers und die anderen konnten eintreten. Ich hängte mich an einem Netzseil an die Decke und ließ mich so vor den Computerbildschirmen hinab. So von Nahem, sah das alles noch verwirrender aus. Ich versuchte mich auf einen Bildschirm nach dem anderen zu konzentrieren. Tony Stark kam derweil aus seinem Iron Man-Anzug und stellte sich vor den Hauptschirm, viermal so groß wie die anderen, und steckte dort in den Rechner einen USB-Stick. Sein Anzug hingegen ging ohne Bemannung zur Tür und hielt Schmiere. Die anderen sahen sich in dem Rest des Labors um. Vieles hatte Doc Ock auch auf Papier festgehalten oder einfach ausgedruckt.
Ich weiß nicht wie lange, wir da drin waren, in dem kalten, stinkenden Labor eines wahnsinnigen Wissenschaftlers. Es interessiert mich auch nicht wirklich. Viel erschreckender ist das, was wir in den Schränken und Schubladen, in Ordnern und Computern entdeckten. Wir wussten nun, was Magneto mit seinem Satz „New York würde schon sehr bald erfahren, was es heißt in mitten von Mutanten zu leben" gemeint hatte. Die Bruderschaft hatten gemeinsam mit den Sinister Six vor, ganz New York, nein, die ganze Erdenbevölkerung in künstliche Mutanten zu verwandeln. Wir hatten Karten von der Stadt und der Erde gefunden, auf denen Gebiete rot umkreist waren, Tabellen mit Einwohnerzahlen und die chemischen Formeln für die Verwandlung als Belege dafür gefunden. Auf einer Tafel, die weit hinten im Labor hinter ein paar Schläuchen versteckt war, eine grobe ToDo-Liste gefunden. Nicht nur die Mutation der Menschen stand auf dem Tagesplan, sondern unter anderem auch die Vernichtung der Avengers und der X-Men und die Befreiung von Kurt Conners. Ich war ziemlich sicher das letzteres ganz oben auf ihrer Liste stand. Sie brauchten den Wissenschaftler um mit ihm und Doc Ock das Serum herzustellen, was für die Mutation verantwortlich wäre. Auf den Speicherplatten der Rechner hatten wir auch Gesprächsaufzeichnungen gefunden. Allerdings waren diese verschlüsselt. Tony hatte einige Kopien auf den USB-Stick geladen um sie später entschlüsseln zu können.
Nachdem wir zu viel wie möglich kopiert hatten, nahmen alle wieder ihre Waffen in die Hände. Tony ging zu seinem Iron Man.
„Es wird Zeit hier zu verschwinden", meinte Rogers und schnallte sich sein Schild auf den Rücken. „Wir waren schon viel zu lange hier. Wer weiß, wann unsere Freunde wieder kommen werden."
„Der Cap hat recht", ertönte Tony Starks Stimme hinter seiner Maske. „Ich denke wir haben alles was wir brauchen. Lasst uns aus diesem stinkendem Loch abhauen."
Die anderen nickten und folgten den beiden aus dem Labor. Ich verriegelte hinter ihnen wieder die Tür und schwang mich dann zu dem kleinen Tunnel. Dort drin drehte ich mich kurz um und klebte mithilfe meines Netzes die Stäbe wieder an Ort uns Stelle. Hoffentlich viel niemanden das so schnell auf. Vor dem Tunnel warteten die anderen bereits auf mich. Man da hatten wir ja einiges zu erzählen.
