So, da bin ich auch schon wieder. Wollt ihr wissen, was in dem Brief steht?
Hmm, ich weiß nicht...
Na gut, viel Spaß...
6. Geständnisse und Warnungen
5. Januar 1989
„Sehr geehrter Professor Snape, gewiss werden Sie sich wundern, einen Brief von mir zu erhalten. Wahrscheinlich habe ich Hogwarts gerade erst verlassen, zumindest sollte der Brief nicht vor meinem Abschluss ausgeliefert werden. Ich schreibe diesen Brief schon heute, bevor mich der Mut verlässt. Ich verwirre Sie, nicht wahr? Ich selbst bin schon verwirrt genug. Immer wenn ich Ihnen begegne, ist es verwirrend für mich. Noch dazu, weil Sie oft genug in meinen Träumen auftauchen. Keine Sorge, man kann diese Träume nicht unbedingt als Alpträume bezeichnen. Aber etwas daran stört mich. Sie entfernen sich in meinen Träumen, als schwebten Sie davon. Vielleicht sollte ich einmal Professor Trelawney danach fragen." Hier veränderte sich die Schrift, aus der schwungvollen, verschnörkelten Schrift wurde eine gedrungene, kraftlose Handschrift. „Jetzt weiß ich es. Nicht Sie entfernen sich. Ich bin es, die geht. Meine Mom sagte immer, dass Träume eine Bedeutung haben. Ich weiß nun, dass ich Sie nicht wieder sehen werde und das macht mich unheimlich traurig.
Entspannen Sie Ihre Augenbrauen, Sir!" Severus schnaubte kurz, diese junge Frau schien ihn gut zu kennen. „Für mich war es etwas besonderes, wenn ich Sie sah, dann wurde mir warm ums Herz. Meine Zeit auf dieser Welt geht nun zu Ende. Ich werde wohl nicht einmal mehr diesen Abend überleben, deshalb möchte ich, dass Sie etwas wissen. Es fällt mir schwer, es auszusprechen.
Ich liebe Sie, Sir!
Das sollten Sie einfach wissen. Sie können nichts dafür, es ist einfach so.
Ich wünsche Ihnen viel Glück und alles Gute für Ihr Leben!
Mackenzie O'Neil, die Ihre in der Ewigkeit!"
Langsam ließ Severus das Pergament sinken. Sein Blick streifte Mackenzie und er verzog für einen Augenblick das Gesicht. Albus musterte ihn bedrückt.
„Alles in Ordnung, Severus?"
„Sie...du wusstest es?"
„Ja, es tut mir leid...ich habe es erst vor den Ferien bemerkt."
„Deshalb? Du hattest mich danach gefragt." Severus rieb sich nachdenklich die Stirn. Albus nickte langsam.
„Ich hätte sie gern über die Ferien in Hogwarts behalten...hätte ich es doch nur getan. Sie würde noch leben. Und vielleicht hätte sich etwas ergeben...wenn das Mädchen dich etwas besser kennen gelernt hätte..."
„Und was wäre gewesen, wenn sich etwas entwickelt hätte? Ich bin...war ihr Lehrer."
„Na und, es wäre doch nur ein halbes Jahr gewesen. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn du das Gefühl geliebt zu werden, hättest erfahren dürfen.", murmelte Albus betrübt. Severus schluckte eine Bemerkung herunter, da Flitwick zurück in den Salon kam.
„Die Leute vom Ministerium sind unterwegs.", erklärte er. Albus befasste sich inzwischen wieder mit Klara. Er entschied, dass sie von nun an in Hogwarts bleiben sollte. Traurig stimmte die kleine Hauselfe zu.
°°
Die Ministeriumsleute brauchten nicht lang, sie betraten lärmend das Haus. Sie machten sich daran, dieses und jenes zu notieren. Sie befragten die vier Männer und die Hauselfe, fotografierten und vermassen. Sie waren beinahe eine Stunde lang beschäftigt, bevor man sich an den Abtransport machte. Recht unsanft wurden Gordon und Mackenzie auf Barren gebettet und die Ministeriumsleute verließen das Haus. Das leise Klirren wurde von niemandem vernommen, nur Severus achtete darauf. Als sie wieder unter sich waren, ging er nachsehen. Unter einem der kleinen Tische fand er die Ursache. Beim Abtransport war Mackenzie das Schmuckstück erneut aus der Hand gerutscht. Vorsichtig hob Severus es auf.
„Es ist kaputt...", murmelte er und zeigte Albus die beiden Hälften des Schlüssels, die an der Kette baumelten.
„Das hat jemand mit Absicht getan...so einfach geht es nicht kaputt.", bemerkte Albus überrascht. Er sagte nichts, als Severus das Schmuckstück zu dem Brief in seinen Umhang steckte. Schweigend verließen sie das Grundstück und apparierten vor die Tore Hogwarts.
°X°X°
„Wo lebte Mac?", fragte Harry leise nach.
„Nicht weit von hier, in Tafttown..."
„Und ihr Name war O'Neil?" Minerva nickte.
„Ich glaube, dann weiß ich, warum der Schlüssel kaputt war. Auf unserer Suche nach den Seelensplittern haben wir auch ein Haus in Tafttown besucht. Die Familie hieß O'Neil. Das Haus war ziemlich zerfallen. Wir hätten gar nicht bemerkt, dass wir in einem verborgenen Raum standen, wenn die Erinnerung es uns nicht gezeigt hätte.", begann Harry zu erzählen.
„Erinnerung?"
„Ja, Ron hat sie gefunden, unter den Trümmern einer alten Kommode..."
°X°X°
Sorgfältig verschloss Gordon die verborgene Tür und sah dann Mackenzie an.
„Sie werden uns finden, sogar hier drinnen, Onkel Gordon.", meinte sie mit sorgenvollem Blick.
„Ja, das werden sie. Ich weiß nur nicht, was sie wollen...es ist Jahre her, dass ich sie verraten habe.", bemerkte Gordon leise. Sie setzten sich und sahen nachdenklich ins Feuer des Kamins.
„Erinnerst du dich an das Buch, von dem ich dir erzählt habe, Onkel Gordon?" Irgendwie müde wirkend sah er auf.
„Du meinst das, in dem etwas von Seelensplittern geschrieben stand?" Mackenzie nickte. „Weshalb kommst du gerade jetzt darauf?"
„Ich habe nachgedacht. Wenn... Du-weißt-schon-wer...wirklich soweit gegangen ist...vielleicht..." Gordon riss die Augen auf.
„Du meinst...dass er sie geschickt haben könnte?" Er schluckte trocken. „Er hat einmal gesagt, dass er in der Hinsicht, ewig zu leben, weiter gegangen ist, als je ein Zauberer vor ihm. Also, ich bin mir sicher...dass er es zumindest versucht hat, Seelensplitter herzustellen. Aber wieso sollten sie hier danach suchen? Woher sollten sie davon wissen? Er ist...wenn er überhaupt noch am Leben ist...ist er nicht bei Kräften. Dann wäre das Mal viel deutlicher." Gordon schob zum Beweis seinen linken Ärmel ein Stück hinauf.
„Seit ich in diesem Buch gelesen habe, habe ich eine Vermutung." Mackenzie löste ihre Halskette und nahm sie ab.
„Der Schlüssel?", fragte Gordon verblüfft.
„Ja...du hast mir doch in den Ferien erzählt, wo du ihn wirklich gefunden hast...nachdem er nach Moms Tod verschwunden war.", erklärte Mackenzie ruhig.
„Ja...ich hatte die ganze Zeit über vermutet, dass er es war, der deine Mom umgebracht hat. Und als ich den Anhänger in der Vitrine in seinem Haus sah, da wusste ich es. Ich habe ihn dann bei unserem letzten Treffen...bevor er die Potters vernichtet hat...aus der Vitrine genommen." Gordon sah nachdenklich in die Flammen. „Jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte er wirklich einen Seelensplitter darin verborgen haben." Mackenzie nickte.
„Dann sollten wir den Schlüssel zerstören, vorsichtshalber.", murmelte sie und erhob sich.
Sie trat zum Kamin, dort legte sie die Kette auf die steinerne Umrandung. Vorsichtig wog sie eine vergoldete Büste in der Hand.
„Warte...wenn es ein Seelensplitter ist, dann wird er ihn auf irgendeine Weise geschützt haben...lass mich es tun.", bat Gordon. Aber Mackenzie schüttelte den Kopf.
„Nein, selbst, wenn mich ein Fluch trifft. Meinst du denn, die Männer da draußen werden uns in Ruhe lassen?", fragte sie. Gordon nickte. Er verstand, dass Mackenzie Angst hatte, denn lautes Krachen hallte durchs Haus.
°°
Mackenzie holte tief Luft, dann schlug sie mit all ihrer Kraft die Büste auf den goldenen Schlüssel. Vorsichtig sah sie sich die Bescherung an. Der Schlüssel lag, in zwei Teile zerbrochen, auf dem Stein. Traurig stellte Mackenzie die Büste zur Seite.
„War wohl doch kein Seelensplitter, oder zumindest kein Fluch.", bemerkte sie. Kaum hatte sie ausgesprochen, ertönte ein lauter Knall und etwas traf sie hart im Bauch. Mackenzie wurde heftig zurück geschleudert und krachte angeschlagen gegen einen der Sessel. Atemlos rutschte sie auf den Boden.
„Mac..." Gordon eilte an ihre Seite.
„Es geht schon, Onkel Gordon. Ich hatte recht..."
„Ja, das hattest du.", murmelte er bedrückt. „Was nun? ---- Vielleicht sollten wir eine Notiz hinterlassen, falls einmal jemand anderer nach den Seelensplittern sucht.", überlegte er. Mackenzie lächelte leicht.
„Das dauert zu lange. Ich hinterlasse die Erinnerung. Hast du einen Behälter?" Gordon eilte zu einem Regal.
„Das alte Murmelglas, es ist bruchfest gehext." Schnell schüttete er die Murmeln in eine Schale und reichte Mackenzie das Glas. Er horchte auf, als ein lautes Krachen aus dem Wohnzimmer kam.
„Klara. Onkel Gordon, wir haben Klara vergessen.", rief Mackenzie entsetzt.
„Mach du nur die Erinnerung fertig, ich rufe sie."
°X°X°
„Jetzt erklärt sich einiges...", murmelte Minerva traurig. Harry nickte.
„Wie haben eigentlich Mackenzies Freunde reagiert? Ich kann mir gut vorstellen, dass sie ziemlich fertig waren. Mir ginge es jedenfalls so.", bemerkte er. Wie oft hatte er schon darüber nachgedacht, wie es wäre, seine Freunde zu verlieren. Freunde, die ihn so lange begleitet haben.
„Albus hatte sie total vergessen, es hatte ihn schwer getroffen. Miss Milles hat es dann im Abendpropheten gelesen, dass Albus sie gefunden hat. Sie ist vom Ravenclawtisch aufgesprungen und hat ihn vor versammelter Schule gefragt, ob es wahr wäre, was die Zeitung schrieb. Sie sah in seinem traurigen Blick und seinem Nicken alles, was sie wissen musste. Miss Milles, Ariadne lief weinend aus der großen Halle..."
„Es muss schwer für sie gewesen sein. So ohne Abschied."
„Das war es. Sie wollte so gern zur Beisetzung...doch Albus wollte sie nicht gehen lassen...nicht ohne Begleitung." Harry sah sie entgeistert an.
„Aber sie war doch siebzehn..."
„Ja. Sie ging auch. Es fand sich jemand, der bereit war, sie zu begleiten."
„Darf ich mal raten? Was ich heute erfahren habe...gibt es nur einen...Snape ist mit ihr gegangen, oder?" Minerva schmunzelte.
„Er erklärte Albus, dass man Miss Milles wenigstens die Möglichkeit lassen musste, sich zu verabschieden. Damit sie es verarbeiten konnte. Albus stieß später sogar dazu. Er hatte es geschafft, dass man die Hauselfe gehen ließ und er brachte sie zu der Beerdigung mit. Er kam gerade dazu, als man sich Erinnerungen über Mac und ihren Onkel ansah. Miss Milles hatte sie zur Verfügung gestellt."
„Ariadne hatte Erinnerungen über Gordon O'Neil?", fragte Harry verblüfft. Minerva nickte.
„Miss Milles hatte öfter die Ferien mit Mackenzie verbracht. Sie waren gemeinsam im Urlaub, in Deutschland, Spanien und Italien."
„Da hat Snape bestimmt einiges über Mackenzie erfahren, hmm?"
„O ja, sie liebte zum Beispiel die Musik der Muggel. Und sie sang sehr oft mit..."
°X°X°
„I need a Hero..."„Mac, bitte!"
„Ja, Onkel Gordon?", fragte sie leise.
„Muss es ständig dieses Lied sein?", murmelte Gordon O'Neil leicht genervt. Ariadne grinste.
„Aber bitte auch nicht einen der anderen Songs. Ich weiß schon, dass du verliebt bist..."
„Ich bin nicht verliebt!", unterbrach Mackenzie ihre Freundin. „Ich liebe! Das ist etwas ganz anderes."
„Und, wer ist dein Held?", versuchte Ariadne zum hundertsten Mal etwas in Erfahrung zu bringen.
„Held? So kann man nicht sagen, aber die Eigenschaften hätte er schon...er ist stark, klug, geheimnisvoll...so etwas halt. Aber seinen Namen wirst du aus meinem Mund nicht hören.", erklärte sie grinsend und lief davon.
„Mist...", entfuhr es Ariadne und sie folgte der lachenden Mackenzie.
°X°X°
Harry grinste breit.
„Ich hätte zu gern sein Gesicht gesehen, als er sie so über ihn reden hörte." Minerva lachte leise.
°°
„Hier seid ihr..." Hermione kam außer Atem um die Ecke.
„Remus schickt mich...Er hat Post bekommen." Alarmiert sprangen Harry und Minerva auf und folgten Hermione eilig ins Schloss.
„Es ist eine Warnung. Man will Hogwarts morgen angreifen." Remus reichte Minerva das Pergament.
„Nehmen wir mal an, die Warnung ist echt, was sollen wir tun? Wir können doch kaum alle Schüler nach Hause schicken.", bemerkte sie.
„Vor allem nicht, wenn es dann doch eine Finte ist.", überlegte Harry nervös.
„Wir können uns nur vorbereiten. Ich bin dafür, dass wir den Orden und das Ministerium alarmieren.", erklärte Remus.
„Die Schüler können sich im Schloss versteckt halten und die Abschlussstufe ist bestimmt bereit zu kämpfen.", flüsterte Hermione. Sie beratschlagten noch lange an diesem Abend, denn keiner von ihnen würde so bald Schlaf finden.
°°
Harry lief Patrouille auf dem Schlossgelände, er war nicht allein unterwegs. Remus begleitete ihn.
„Harry, Remus!", rief jemand sie leise an. Unauffällig deutete Alastor Moody ins Gras vor ihnen. Vorsichtig tastete Harry sich voran. Er grinste, als er die Schlange Nagini entdeckte. Langsam griff er unter seinen Umhang.
„Hallo Nagini! Wasss treibssst du dich in Hogwartsss herum?", fragte er auf Parsel.
„Harry Potter sssss wird nicht mehr lange ssssooo fröhlich ssssein."
„Oh doch Nagini...oh doch." Mit diesen Worten zog er das silbrig schimmernde Schwert Godric Gryffindors unter seinem Umhang hervor. Nagini wusste gar nicht, wie ihr geschah, schon tränkte ihr Blut den Boden. Harry sprang schnell zurück, in der Erwartung des Fluchs, der den möglichen Seelensplitter schützen sollte. Doch nichts geschah.
„Kein Horkrux?", flüsterte er ungläubig. Er würde seinen größten Feind nicht vernichten können, wenn irgendwo noch ein Seelensplitter unterwegs war.
„Harry..." Remus wies auf das Schwert. Überrascht sah Harry hinunter und erstarrte. Zuerst dachte er, es würde im Zeitraffer verrosten. Doch dann erkannte er es, das Metall zerschmolz, es löste sich auf. Das Schwert, oder was davon übrig war fiel dumpf zu Boden.
„Doch ein Horkrux...ich denke das Schwert Gryffindors hat den Fluch des Slytherinerben absorbiert...", murmelte Moody grinsend. Harry nickte und wandte sich dem Schloss zu. Langsam ging er zurück, er musste Hermione und Ron davon berichten. Sie begriffen, dass diese Warnung ernst gemeint war.
Minerva hatte die Schüler beim Frühstück informiert und die siebte Stufe um Hilfe gebeten. Die anderen Schüler sollten sich in den Gemeinschaftsräumen verbergen...
So, das war es wieder, für heute...
LG Noel
Ein kleines Review? °bittend schaut°
