7. Pretending


Artie hatte gedacht Tina zu verlieren wäre hart gewesen, doch im Vergleich zu dem Gefühl, dass der Verlust von Brittany in ihm auslöste, war das nichts gewesen. Brittany. Irgendwie hatte er immer schon gedacht, dass die Tatsache, dass sie mit ihm zusammen sein wollte zu erstaunlich war um wahr zu sein. Vielleicht war er deswegen auch immer so misstrauisch gewesen und hatte ständig nach Problemen Ausschau gehalten und selbst dann welche gefunden, wenn es keine gab – kein Wunder also, dass er so schnell bereit gewesen war zu glauben, dass Brittany ihn mit Mike betrügen würde.

Doch dieses Mal betrog sie ihn wirklich – das war offensichtlich - und zwar mit Santana. Nachdem Santana ihre Spielereien mit Rachel und Finn und Lauren und Puck satt hatte, hatte sie offenbar zuerst in Sam ein neues Opfer gefunden. Doch leider hatte Forellenmund sie nicht lange genug beschäftigt gehalten um sie von Brittany fern zu halten. Und dann hatten die beiden Mädchen gemeinsam mit Miss Holliday dieses Lied gesungen …

Artie schauderte immer noch, wenn er daran dachte. In jeder anderen Beziehung wäre so etwas kein Problem, es kam sicherlich öfter vor, dass ein Partner erfuhr, dass jemand anderer ihn liebte, und dieser Person dann einen freundlichen Korb gab, da er in seiner derzeitigen Beziehung glücklich war. Aber Brittany hatte leider einen gewissen Ruf, und eine Vergangenheit mit Santana ….

Irgendwann konnte Artie seine Zweifel nicht mehr für sich behalten, stellte Brittany zur Rede und erfuhr, dass seine schlimmste Befürchtungen wahr waren: Sie betrog ihn mit Santana! Und hielt das nicht einmal für betrügen, da Santana ihr einredete es würde nicht zählen, weil Artie ein Mann und Santana eine Frau war. „Oh, Brittany, wie kannst du nur so dumm sein!" Ein unbedachter Satz und schon war es vorbei. Santana schlecht zu machen war schlimm genug, aber dumm genannt zu werden, das konnte Brittany nicht vertragen.

Artie versuchte sich einzureden, dass es so besser wäre. Immerhin hätte eine Beziehung mit Brittany sowieso keine Zukunft. Er würde immer nur die zweite Geige neben Santana spielen, nicht wahr? Und das wollte er definitiv nicht. Doch dann wurde ihm klar, dass es doch nicht besser so war. Dass er sie doch zurückwollte. Und dass er sie immer noch hätte, wenn da nicht Quortan wäre. Artie hatte es letztlich doch richtig eingeschätzt, es hatte etwas gedauert, aber letztlich hatte ihn der Sieg bei den Regionals doch Brittany gekostet.

Auf die Idee, dass das Eine nicht zwangsläufig etwas mit dem Anderen zu tun haben musste, verfiel er erst gar nicht. Es war doch offensichtlich, dass alles zusammenhing! Jetzt galt es nur noch sich darauf zu konzentrieren, wie man verhindern konnte, dass beides in der Zukunft weiter zusammenhing.

Der Apparat, an dem Artie arbeite, stellte den Schlüssel dar, das spürte er instinktiv. Wenn er in der Lage wäre den Einfluss von Quortans Kräften auf sich selbst zu blockieren, dann müsste er auch in der Lage sein Brittany zurück zu erobern. Und das musste passieren, bevor Santana ihren nächsten Zug machte. Bisher war sie vollauf damit beschäftigt ihre Prom-Queen-Champagne voran zu treiben und datete zu diesem Zweck offiziell David Karofsky. Doch spätestens nach dem Ball würde sie ihn nicht mehr brauchen und ihre teuflische Sexyness wieder auf Brittany konzentrieren. Wenn Artie überhaupt eine Chance haben wollte Brittany zurückzugewinnen, dann musste er das durchziehen, bevor es soweit war.

Deswegen arbeitete er wie verrückt an dem Apparat. Er musste den Abschirmer, wie er ihn nannte, einfach fertig bekommen um trotz seines Erfolges in der Lage zu sein Brittany zurückzuerobern. Ohne Abschirmer lief es eindeutig nicht – Brittany lehnte seine Einladung zum Ball ab.

Am liebsten wäre Artie nun gar nicht hingegangen, aber der andauernde Erfolg der New Directions führte dazu, dass sie die musikalische Untermalung des Abends gestalten sollten, und vielleicht würde Brittany sich dazu breit schlagen lassen wenigstens einmal mit ihm zu tanzen. Tanz war immer schon einer der schnellsten Wege zu ihrem Herzen gewesen, vielleicht würde sie ein Tanz an die guten Zeiten, die sie gemeinsam gehabt hatten, erinnern und den Funken neu entfachen.

Dann ließ sich Artie dazu überreden für Puck den Punch zu panschen, und er begann sich zu fragen, ob sein Apparat nicht doch funktionierte, da ihn sein Erfolg verließ, und er von Coach Sylvester erwischt und verhört wurde bis er zugab, dass das, was er in den Punch geschüttet hatte, kein Alkohol gewesen war, und das ganze Verhör und die ungewollte Beinahe-Zahn-Hygiene umsonst gewesen waren. „Warum hast du das nicht gleich gesagt?", wollte Coach Sylvester wissen, und das war eine berechtigte Frage. Arties einzige Ausrede bestand darin, dass er darauf gehofft hatte Brittany durch seinen Mut und seine Widerstandskraft genug zu beeindrucken um sie so zurückzuerobern. Zumindest an diesem Abend schien es sie zu erweichen, denn sie tanzte nicht nur mit ihm, sondern ließ sich auch mit ihm zusammen fotografieren.

Doch leider war das dann auch schon wieder alles. Sie schien nicht gewillt ihn auf Dauer zurückzunehmen. Also widmete sich Artie weiterhin fanatisch seiner Apparatur, theoretisch war sie fertig, er musste sie nur noch zum Laufen bekommen. Mit ein bisschen altmodischer Magie sollte ihm das gelingen. Er musste nur den richtigen Spruch, das richtige Ritual, finden. Wenn Tina nur nicht beschlossen hätte ihm jedwede weitere Hilfe zu verweigern … Sie kam mit diesem ganzen magischen Kram viel besser zurecht als er.

Doch dann fand er schließlich doch noch einen Spruch, mit dem er den Abschirmer zum Laufen bringen konnte. Gerade noch rechtzeitig für seine gemeinsame Songwriting-Zeit mit Brittany. New York war seine letzte Chance. Wenn er es nicht schaffte Brittany vor dem Sommerbeginn zurückzugewinnen, dann würde sie den ganzen Sommer mit Santana verbringen, und dann hätte er keine Chance mehr. „My Cup" war kein Meisterwerk, aber er diente seinem Zweck – Brittany dazu zu bringen zu sehen, dass Artie sie unterstützte und für sie da war.

Doch dann geschah das Unerwartete: Die New Directions verloren die Nationals. Offiziell deswegen, weil sich Rachel und Finn auf der Bühne küssten, doch Artie war sich nicht so sicher, ob das der wirkliche Grund für ihre Niederlage war, und dem Blick nach zu urteilen, den Tina Artie zuwarf, war er nicht der Einzige, den Zweifel quälten.

„Ist es dir eigentlich inzwischen gelungen diesen Apparat fertig zu stellen, Artie?", fragte Tina auf den Rückflug wie nebenbei. Doch Artie durchschaute den Hintergrund dieser Frage, und er tat das Einzige, das er tun konnte: Er log.

„Nein, leider nicht. Ich konnte ihn einfach nicht zum Laufen bringen", behauptete er, „Ohne deine Hilfe ging es nicht. Ich bin zwar gut mit dem technischen Zeug, aber die Magie ist nun mal mehr dein Ding. Tja, aber wie's aussieht ist es jetzt sowieso nicht mehr nötig ihn zum Laufen zu bringen, nicht wahr? Wir haben verloren. Als Ausgleich sollte es jetzt ein Leichtes sein Brittany zurück zu bekommen!"

Tina warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Artie tat sein Bestes um unschuldig auszusehen. Wie erfolgreich er damit war, konnte er nicht sagen.

„Wenn du meinst…", erwiderte Tina nur und wandte sich dann Mike zu, der ihr eine Frage gestellt hatte. Artie atmete auf. Fürs Erste schien die unmittelbare Gefahr abgewendet worden zu sein, selbst wenn Tina ihn verdächtigte – sie konnte nicht beweisen, dass er Schuld an ihrer Niederlage war.

Und sie durfte dazu auch niemals in der Lage sein, und die anderen durften niemals davon erfahren – sie durften niemals erfahren, dass Artie schuld daran war, dass sie die Nationals verloren hatten. Keiner durfte das jemals erfahren.

Sobald sie wieder in Lima wären, würde Artie als Erstes alle Beweise dafür vernichten müssen. Und dann würde er nach einem Weg suchen müssen um alles wieder in Ordnung zu bringen. Und das Schnellsten. Und dann würde hoffentlich wieder alles so werden wie zuvor, und niemals würde jemals dahinter kommen, was wirklich passiert war. Zumindest hoffte er das.


Die gute Nachricht war, dass Blaine über Rachels Geständnis länger den Mut hielt, als sie erwartet hätte. Natürlich konnte sie Kurt nicht einfach danach fragen, ob sein Freund irgendwann einmal zufällig etwas in diese Richtung erwähnt hatte, aber sie kannte Kurt gut genug um zu wissen, dass er angestürmt kommen würde um sie mit ihrer Tat zu konfrontieren, wenn Blaine etwas über den Pakt ihm gegenüber fallen lassen würde. Und nachdem Kurt an die McKinley zurückgekehrt war, hätte er auch keinen besonders weiten Weg mehr zurückzulegen um Rachel zu finden.

Er kam aber nie an um sie anzuschreien, also ging sie davon aus, dass sie noch einmal davon gekommen war. Und beschloss sich auf ihre anderen Sorgen zu konzentrieren: Wie etwa ihre Songwriter-Karriere, die Regionals und dann die Nationals. Und Quinns und Finns Wiedervereinigung, die sie versuchte so gut sie konnte zu sabotieren ohne dabei zu offensichtlich zu werden. Sie verstand ja, dass Finn nach dem, was sie getan hatte, nicht mehr mit ihr zusammen sein wollte, zumindest im Augenblick, aber Quinn war heutzutage nicht weniger falsch für ihn als vor einem Jahr. Ja, sie hatte sich als Person positiv entwickelt, aber sie passte einfach nicht zu Finn. Finn brauchte eine Frau, die auf ihn einging, und nicht eine, die ihn sich nur so richtete wie sie ihn haben wollte.

Und dann tauchte mit einem Mal wieder Jesse in ihrem Leben auf, und Rachel wusste nicht mehr genau, was sie eigentlich wollte (außer die Nationals zu gewinnen), aber es war offensichtlich, dass ihr eine zweite Chance offeriert wurde, und sie diese nur ergreifen musste. Die Frage war nur: War es eine zweite Chance mit Jesse oder eine zweite Chance mit Finn? Denn Finn war auf Jesse mindestens genauso eifersüchtig wie sie auf Quinn.

Die Frage löste sich bei den Nationals auf der Bühne wie von selbst, als Rachel mit einem Mal gar nicht anders konnte als Finn zu küssen. Doch sie verloren. Jesse und Santana waren offensichtlich der Meinung, dass der Kuss der Grund für ihre Niederlage war. Hatte Rachel also wieder die Wahl zwischen Finn und dem Erfolg? Konnte sie wirklich nicht beides haben?

Ist Finn wirklich mein wahres Glück? Kann ich mit siebzehn überhaupt schon wissen, wer oder was mein wahres Glück ist? Als sie den Pakt geschlossen hatte, war ihr alles so klar erschienen. Doch nun, fast zwei Jahre später, war alles unklarer als jemals zuvor in ihrem Leben. Was wollte sie? Und was durfte sie haben? Rachel Berry hatte ihr ganzes Leben lang davon geträumt alles zu bekommen, weil sie meistens nichts gehabt hatte. Doch vielleicht konnte sich das ändern.

Sie entschied sich für Finn und den Erfolg. Im Augenblick lag letzterer weit genug entfernt, so dass die Aussicht auf Liebe und Karriere nebeneinander existieren konnten. Im Augenblick konnte sie einfach mit Finn zusammen sein, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass sie diese Beziehung zu sehr ablenken würde oder wieder dazu veranlassen würde Dinge zu tun, die ihrem Charakter nicht entsprachen. Sie schwor sich, dass sie diesmal großzügiger, weniger besitzergreifend und ehrlicher sein würde. Von Anfang an. Wenn es klappen sollte, wenn die zweite Chance besser ausgehen sollte als die erste, dann musste sie von Anfang an mit offenen Karten spielen, und das nicht nur, was die Aussicht darauf anging, dass sie Finn eines Tages wegen ihrer Karriere verlassen könnte. Er musste auch erfahren, warum das der Fall sein würde.

Sie wusste, dass die anderen immer noch dagegen waren, aber sie hatte es bereits Blaine erzählt, also erzählte sie es nun Finn. Sie berichtete ihm von dem Pakt mit Quortan. Und diesmal beschrieb sie alles ganz genau bis ins letzte Detail.

„Wow, Rachel, ich wusste ja immer, dass du ehrgeizig bist, aber das, das ist eine ganz neue Ebene", meinte Finn schließlich.

„Ja, ich weiß, und wenn du jetzt doch nicht mit mir zusammen sein willst, kann ich das verstehen. Ich meine: Wer würde schon mit jemanden zusammen sein wollen, der so etwas Schreckliches getan hat?", meinte Rachel.

„Immerhin wurde keiner dadurch verletzt, oder? Ich meine, soweit ich das verstanden habe, bist nur du diejenige, die zu Schaden kam, weil du auf dein wahres Glück verzichtet hast, oder?", warf Finn ein.

„Ja, nein, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wer oder was mein wahres Glück ist. Vielleicht sind es zukünftige Kinder, die jetzt niemals geboren werden, weil ich auf sie verzichtet habe. Oder du bist es, weil mein wahres Glück eine Beziehung mit dir ist, und der wahre Grund, warum ich Puck geküsst habe ist der, dass wir nicht zusammen glücklich werden können. Nicht mehr", erklärte Rachel, „Ich weiß es einfach nicht."

„Aber du hast diesen Pakt nicht geschlossen um anderen zu schaden. Rachel, du hast auf etwas verzichtet, was dir eines Tages das Wichtigste auf der Welt sein könnte, und das finde ich irgendwie beeindruckend, wenn ich ehrlich sein soll. Ich meine, du hast dein Ziel. Und das willst du unbedingt erreichen, und dafür warst du bereit ein großes Opfer zu bringen. Nicht viele Menschen haben so ein klares Ziel vor Augen. Und noch weniger rufen einen Dämon an um es zu erreichen, denke ich", meinte Finn nachdenklich, „Ich hatte meinen gegrillten Cheesus, aber du hast dich an einen echten Dämon gewandt. Das ist irgendwie cool. Und verstörend. Aber ich glaube, ich kann damit leben."

„Wirklich?", fragte Rachel ungläubig.

„Ja, nicht viele Mädchen könnten sich einem leibhaftigen Dämon stellen. Ich meine, Quinn ist ein harter Knochen, wenn es sein muss, aber vor zwei Jahren hätte sie beim Anblick eines Dämons wohl die Flucht ergriffen. Obwohl ich mir nicht so sicher bin, dass das jetzt auch noch der Fall wäre. Hast du dieses Tattoo auf ihrer Facebook-Seite gesehen?" Finn schüttelte den Kopf.

Rachel schüttelte nun ihrerseits den Kopf, wenn auch nicht wegen Quinns Tattoo. Teenager-Jungs waren schon eine seltsame Spezies. Rachel hätte nicht erwartet, dass Finn von ihrem Pakt mit Quortan beeindruckt sein würde. Sie hatte mit Unglauben und Abscheu gerechnet. Aber Finn war nun einmal Finn. Er wusste, dass sie ihn niemals anlügen würde, und offenbar war er Dämonen-Pakten gegenüber seltsam eingestellt.

„Na gut. Jetzt weißt du es auf jeden Fall. Aber du darfst niemanden davon erzählen, hörst du, Finn? Und du darfst Kurt und den anderen nicht sagen, dass ich dir davon erzählt habe!", schärfte sie ihm ein, in der Hoffnung, dass seine Gedanken noch nicht zu sehr in Richtung von Quinns neuester Körperkunst abgeschweift waren.

„Was? Oh ja, klar. Kein Problem", behauptete Finn.

Zwei Wochen später spielten sie zu viert ein neues Videospiel, das Puck Finn geborgt hatte, und Kurt war gerade dabei zu verlieren, während Rachel sogar besser war als Blaine, als Finn meinte: „Findest du dieser Dämon da sieht so ähnlich aus wie Quortan?"

„Finn!", rief Rachel empört, wenn auch nicht sehr überrascht.

„Wer ist Quortan?", wollte Blaine verwirrt wissen, „ Kommt mir aber irgendwie bekannt vor…"

„Das ist der Dämon, mit dem Rachel und Kurt einen Pakt geschlossen haben", erklärte Finn bereitwillig und machte damit alles noch schlimmer.

„Rachel!", entfuhr es Kurt erbost.

„Ach ja, stimmt, ich erinnere mich", erwiderte Blaine und machte es damit wirklich schlimm.

Rachel ließ ihren Kontroller fallen.

„Hey, wir waren gerade am Gewinnen!", beschwerte sich Finn.

„Hast du etwa beiden davon erzählt?!", schrie Kurt sie an.

„Ich dachte, wenn Finn es weiß, dann können wir jetzt darüber reden? Mein Therapeut sagt immer…", begann Blaine, kam aber nicht sehr weit, da nun alle durcheinander riefen.

„Oh stimmt, ich hätte das nicht erwähnen sollen!", fiel Finn ein.

„Was genau hast du ihnen erzählt?! Und wann und warum hast du Blaine davon erzählt?!", zeterte Kurt.

„Ich musste es einfach sagen, ich konnte es nicht länger verschweigen, Kurt, das musst du verstehen!", rechtfertigte sich Rachel.

Dann kehrte Schweigen ein, da Durcheinanderrufen nichts brachte.

„Das ist schon in Ordnung, Kurt", meinte Blaine, „Ich halte euch nicht für verrückt."

„Sie haben einen echten Dämon angerufen, Mann", informierte Finn ihn leise, während Kurt Rachel wütend anfunkelte.

Rachel seufzte. Sie hätte es besser wissen müssen. Wann lernte sie endlich, dass die Wahrheit zu sagen immer nur für Ärger sorgte?


Zumindest eines war sicher: Wenn Kurts Leben eine Sache definitiv nicht wahr, dann war das langweilig. Leider schien stattdessen immer ein gewisses Auf und Ab in seinem Leben vor zu herrschen. Er war mit Blaine zusammen, aber dafür verlor er die Regionals und die Nationals. Er war zurück an der McKinley und söhnte sich mit Karofsky aus, der ihn nicht mehr umbringen wollte, aber dafür wurde er zur Prom-Queen gewählt, und dann auch noch von Karofsky im Stich gelassen, als das gewählte Siegerpaar zusammen tanzen sollte. Blaine rettet ihm das Gesicht, indem er sich dazu bereit erklärte in aller Öffentlichkeit mit ihm zu „Dancing Queen" zu tanzen, aber dafür musste Kurt sich von Jesse. St. Stink anhören, dass er nicht gut genug für anspruchsvolle „Mädchen"-Songs wäre. Blaine sagte ihm, dass er ihn liebte, aber dafür hatte Rachel scheinbar nichts Besseres zu tun als Kurt vor seinem Bruder und seinem Freund als Dämon-Anbeter zu outen.

Wie konnte sie nur?! Wer wusste schon, was die jetzt von ihm dachten?

„Du musstest es ihnen einfach sagen, nicht wahr?!", fuhr er Rachel an, „Du schaffst es einfach nicht auch nur einmal in deinem Leben irgendetwas für dich zu behalten, oder?!"

„Ja, ich musste es ihnen sagen. Ich konnte es nicht weiter für mich behalten, Kurt!", verteidigte sich Rachel, während Finn und Blaine ihren Streit beobachteten, als wäre er ein Tennis-Match, „Ich musste es irgendjemanden sagen, also habe ich es Blaine erzählt, und Finn musste ich es sagen, weil es ihn auch angeht, das weißt du doch! Gewisse Dinge, gewisse Dinge kann man einfach nicht auf ewig verschweigen! Ich wollte, dass zumindest irgendjemand die Wahrheit weiß!"

„Die Wahrheit darüber, was für schreckliche Personen wir in Wahrheit sind, meinst du diese Wahrheit?!", Kurts Stimme überschlug sich fast, als er ihr das entgegen schrie.

„Ja!", rief Rachel nur, „Genau das, Kurt."

„Schon mal daran gedacht, dass es nicht dein Recht war es Blaine zu sagen?", wollte Kurt düster wissen.

„Ja, aber ihr wart damals, als ich es ihm gesagt habe, noch nicht zusammen", erwiderte Rachel kleinlaut.

Wunderbar. Also wusste er es schon seit Monaten! Und hatte nie etwas gesagt. Aber vermutlich hatte er es bisher nie geglaubt, aber jetzt, nach diesem Ausbruch konnte Kurt nicht mehr abstreiten, dass es die Wahrheit war.

„Und was sollen sie jetzt von uns denken?", schloss Kurt müde. Er wusste, was er von jemandem denken würde, von dem er wüsste, dass dieser einen Pakt mit einem Dämon geschlossen hatte.

„Wir denken doch deswegen nichts Schlechtes von euch, Kurt", mischte sich Finn ein und wandte sich dann an Blaine, als er fortfuhr, „Ich meine, ein leibhaftiger Dämon, Mann. Rachel und Kurt waren mutig genug ihn nicht nur anzurufen, sondern sich auch mit ihm zu unterhalten und einen Pakt mit ihm zu schließen. Aber sie haben dafür keinen umgebracht oder ihre Seele verkauft, sie haben nur einen Teil ihrer Zukunft geopfert. Sie waren bereit auf etwas, das ihnen einmal sehr wichtig sein könnte, zu verzichten um es etwas besser im Leben zu haben. Um eine Chance zu haben hier eines Tages rauszukommen. Wer könnte ihnen das verübeln?"

Der gute Finn verübelte es ihnen offenbar nicht, aber Finn glaubte eben immer an das Gute in allen und sah aus irgendwelchen Gründen auch immer das Gute an jeder Situation. So war er nun einmal: Schlicht, aber herzensgut. Finns Glaube an die, die er liebte, konnte offenbar nicht einmal das Wissen darüber, dass diese sich mit Dämonen eingelassen hatten, erschüttern. Doch was war mit Blaine?

Kurt warf seinem Freund einen verunsicherten Blick zu. Der meinte: „Gebt ihr uns einen Moment?" Woraufhin sich Rachel und Finn aus dem Zimmer zurückzogen.

„Blaine, ich … es tut mir so leid. Rachel hat recht. Ich hätte es dir sagen müssen. Du haste es verdient die Wahrheit zu wissen, aber ich wollte nicht … ich wollte nicht, dass du schlecht von mir denkst", begann Kurt, „Ich meine: Was für ein Mensch lässt sich mit einem Dämon ein, nur um ein bisschen Erfolg geschenkt zu bekommen?" Er lachte bitter.

„Kurt…" Blaine nahm Kurts Hand in seine. „Du scheinst dich wegen dieser ganzen Sache für eine sehr schlechte Person zu halten. Ich weiß, dass Rachel sich deswegen für eine hält. Aber das alles macht dich nicht zu einem schlechten Menschen. Finn hat Recht: Ihr habt kein Menschenopfer gebracht oder irgendjemand anderen durch diesen Pakt Schaden zugefügt, ihr habt nur euch selbst geschadet. Jeder hat in seinem Leben schon einmal etwas getan, worauf er nichts stolz ist. Ich habe Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin. Ich gebe zu einen Dämon herbeizurufen gehört nicht dazu, aber nur weil deine Sache anders ist als meine, heißt das nicht, dass sie so viel schlimmer ist", meinte Blaine, „Du solltest aufhören dich wegen dieser Sache fertig zu machen. Es ist nun mal passiert. Aber letztlich ist keiner dabei zu Schaden gekommen."

„Aber das weißt du nicht", erwiderte Kurt, „Als mein Dad den Herzinfarkt hatte, dachte ich, dass es wegen dem Pakt war. Er hat das alles überstanden, aber was wenn das erst der Anfang war? Oder wenn das nächste Mal jemand anderer zu Schaden kommt? Was wenn dir deswegen etwas passiert?"!

Blaine schüttelte den Kopf. „Kurt, du kannst nicht die gesamte Schuld für alles, was in deiner Umgebung passiert, auf dich nehmen", meinte er ernst, „Manchmal passieren schlimme Dinge einfach. Und was die Zukunft angeht: Keiner weiß, was sie bringt. Aber jetzt schon zu beschließen, dass alles, was in den nächsten Jahren schief gehen könnte, an dir alleine liegt, ist sinnlos. Viele Faktoren beeinflussen das Leben eines Menschen. Und eines kann ich dir versprechen: Falls wir jemals miteinander Schluss machen sollten, wird es nicht wegen deinem Pakt mit diesem Quortan sein. Ich liebe dich, Kurt, alles an dir. Auch deine verrückten Seiten. Und deinen Ehrgeiz. Ich werde dich jetzt sicherlich nicht wegen dieser Sache verlassen. Und auch in Zukunft nicht."

„Vielleicht sollest du das aber", merkte Kurt an, „Vielleicht wäre das klüger."

„Wann habe ich jemals Dinge getan, weil es klüger wäre sie zu tun? Noch nie. Und ich werde jetzt sicherlich nicht damit anfangen", erwiderte Blaine, „Mach dir keine falsche Hoffnung: So schnell wirst du mich nicht los!"

Aber ich will dich nicht los werden. Ich weiß nur nicht, ob dich behalten kann!, dachte Kurt, sagte es aber nicht. Stattdessen umarmte er Blaine fest und rief dann die anderen zurück zu ins Zimmer.

„Es tut mir leid, dass ich es ihnen verraten habe, Kurt", sagte Rachel niedergeschlagen, als sie wieder hereinkam.

„Schon gut", seufzte Kurt milde, „Eigentlich hast du ja recht: Sie verdienen es die Wahrheit zu wissen. Zu wissen wie unverantwortlich wir waren."

„Wir waren Kinder, Kurt, wir wussten es nicht besser", erinnerte ihn Rachel.

„So lange ist es auch wieder nicht her. Wir hätten es besser wissen müssen", widersprach Kurt.

„Aber wir wollten doch nur, dass zur Abwechslung einmal irgendetwas in unserem Leben gut läuft", meinte Rachel, „Und wir waren bereit dafür alles in Kauf zu nehmen. Nicht mehr jeden Tag einen Slushie ins Gesicht geschüttet zu bekommen war mir das damals wert. Es ging uns gar nicht so sehr um den Erfolg, es ging uns einfach darum, dass unser Leben endlich besser wird. Und es ist besser geworden, oder? Wir wussten nur nicht, worauf wir verzichten um dieses Besser zu erreichen."

Und sie hatte recht. Ihr Leben war besser geworden. Kurt hatte schon lange keinen Selbstmordfolder mehr in der Hand gehalten. Er hatte seinen Dad, seine Freunde, Finn, Blaine … Die Frage war nur: Was würde er als Preis für all das nie haben können?


A/N: Es war in diesem Kapitel doch schmerzhafter als erwartet Finn zu schreiben, wenn man bedenkt wie die Geschichte ausgeht.

Was denkt ihr: Glaubt Blaine, dass sie einen echten Dämon herbeigerufen haben, oder denkt er nur, dass sie glauben, dass sie einen Pakt mit einem Dämon geschlossen haben? (Finn ist Finn, er glaubt ihnen einfach).

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