Kapitel VII – Stupid boy

Das Leben sollte an diesem Abend keine Gnade mit Severus Snape kennen. Kaum war er aus der Dusche gestiegen und hatte sein reichlich zerfetztes Nervenkostüm soweit zusammengesucht, dass er es wagen konnte das Wohnzimmer in Richtung Küche zu durchqueren, ohne einen Tobsuchtsanfall zu erleiden, als sein Blick im Wohnzimmer auf einen der beiden Sessel fiel, dessen Sitzfläche von einem größeren Packet eingenommen worden war. Der Bewohner des anderen Sessels, Sirius, zeigte drauf.

„Das hat Dobby eben vorbeigebracht. Dumbledore entschuldigt sich dafür, dass er vergessen hat es dir vorher mitzugeben."

Severus trat auf den Sessel zu und nahm das in schwarzen Stoff gewickelte Packet in die Hand. Vorsichtig öffnete er es. Im Verlaufe dieses Auspackvorgangs stellte er fest, worum es sich handelte und seine Bewegungen wurden immer unbestimmter und langsamer, bis sie zum Stillstand kamen. Einen Moment starrte er auf das schwarze Bündel in seiner Hand, bis er schließlich seine Lippen fest zusammenpresste und mit dem Bündel in der Hand wieder die Treppe hinaufstieg.

Sirius blieb in seinem Sessel sitzen und starrte ihm nach. Langsam dämmerte ihm, worin der Inhalt dieses Päckchens bestanden haben könnte. Der schwarze, schwere Stoff war ihm so vertraut vorgekommen, auch wenn er sicher war, ihn noch niemals gefühlt, aber oft genug gesehen zu haben. Severus Gesichtszüge hätte letztendlich seine Vermutung noch weiter bestätigt, denn für einen kleinen Augenblick waren sie seiner Kontrolle entglitten, und hatte einen tiefen Eindruck von verzweifelter Angst und Ausweglosigkeit gezeigt. Sirius kannte diesen Ausdruck, denn er hatte ihn oft genug gesehen – auf seinem eigenen Gesicht und auf dem anderer, die nach Azkaban kamen – die Neuen, die noch nicht stumpf vor sich hin vegetierten und jede Hoffnung aufgegeben hatten. Es war nur ein kleines Aufflackern in ihm, aber für einen kleinen Moment verspürte er so etwas wie Mitleid mit seinem ältesten Feind. Dann aber überwogen wieder jene Erinnerungen und Gefühle in Sirius, die ihn gleichgültig gegen den anderen machten. Hatte er nicht gefoltert? Es hatte niemand ihn gezwungen, sich Voldemort anzuschließen und Death Eater zu werden. Man musste im Leben für alles einen Preis zahlen, und Severus hatte nun mal eben diesen zu entrichten. Warum sollte er da Mitleid empfinden? Wer wusste denn, wie oft der andere schon getötet hatte? Sie waren jung gewesen und hatten Fehler gemacht. Das hatten sie alle. Aber wogen Severus Fehler nicht viel schwerer als seine und die der anderen? War es dann nicht gerecht, dass er einen höheren Preis zahlte als alle anderen? Und hatte nicht er, Sirius, schon genug gezahlt? Azkaban! Was war dagegen schon ein kleiner Einsatz als Spion, hier und da?

Er litt also zu Recht. Sollte er noch eine Weile leiden! So viele waren tot, so viele Leben waren zerstört.. Er hatte so vielen Gewalt angetan – nun sollte er schauen, wo er blieb. Nein, Mitleid hatte Sirius für Severus Snape definitiv nicht.

Severus selbst war wieder nach oben geflüchtet, und hatte sich ins „Kinderzimmer" zurückgezogen. Das schwarze Bündel wog schwer in seiner Hand. Jeder seiner Irrtümer war darin gefangen. Der Stoff des Mantels war aus seinen Fehlern gewebt und die Erinnerungen lasteten auf ihm. Wütend schüttelte er den Kopf, vertrieb die Gedanken und stopfte das Bündel zu seinen anderen Kleidern. Er würde noch genug Gelegenheit zum Nachdenken finden. Er atmete einmal tief durch und lief die Treppe hinunter in Richtung Küche, um sich einen Tee zu machen.

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Gegen die großen Fenster von Dumbledores Büro in Hogwarts schlug der Regen heftig, wie ein Fremder, der anklopft und um Obdach bittet. Dumbledore schaute über die Ländereien der Schule, soweit die dicken Regenwolken, die am Horizont mit dem schweren Nebel, der aus dem Verbotenen Wald aufstieg, verschmolzen, es eben zuließen. Er seufzte schwer und wandte sich wieder seinem Besucher zu.

Minerva McGonagall saß in einem der weichen Besuchersessel vor seinem großen Schreibtisch und rührte in einer Tasse Tee herum. Es waren Ferien und normalerweise waren alle dann leichteren Gemüts. An diesem Tag aber trug neben den üblichen Sorgen noch das Regenwetter dazu bei, jeden Anflug von Optimismus im Keim zu ersticken.

„Hältst du es für eine gute Idee, die beiden da zusammen eingesperrt zu haben?"

Dumbledore zuckte mit den Schultern. „Es erschien mir als vernünftiger Ausweg. Sirius musste von hier verschwinden und Severus kann Urlaub gut gebrauchen. Außerdem müssen beide endliche ihre Differenzen überwinden. Sie stehen auf derselben Seite. Und wir können diese ewigen Kindereien nicht mehr gebrauchen, wenn wir Tom gegenüber stehen." Er seufzte.

„Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob sie sich nicht gegenseitig umbringen."

Der alte Mann setzte sich hinter den Schreibtisch und nahm sich von dem vor ihm stehenden Tablett Tee und Sahne.

„Das denke ich nicht. Sie sind keine dummen Schuljungen mehr und ich vertraue beiden. Sie haben beide Fehler gemacht und vielleicht kommen sie so darüber hinweg "

Minerva zuckte die Schultern. „Hoffentlich machst du dir da nicht zu viele Hoffnungen."

Dann wechselten beide das Gesprächsthema und vertieften sich in die ersten organisatorischen Fragen für das neue Schuljahr.

Vor den Fenstern regnete es weiter.

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26. September 2006

Authors Notes:

Liebe Obscura Serpentis, in welche Richtung soll es sich denn entwickeln? Darüber denke ich noch nach, obwohl ich zeitweise bereits eine Lösung gefunden hatte. Aber noch steht das alles in den Sternen, und ich bin für Vorschläge/Wünsche/Anregungen nach wie vor dankbar.

BRIRDY! Irgendwann mache ich dir mal einen Heiratsantrag, oder so was.. du bist die beste Beta der Welt! So schnell und unkompliziert. Und du hast dich noch nicht ob meiner seltsamen Kommasatzung umgebracht. Wunderbar!