07 Kapitel –Der Morgen danach
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„Ich kenne mindestens 1000 Möglichkeiten wie wir aus der Situation hier wieder rauskommen...
Leider sind sie alle tödlich."
Per Anhalter durch die Galaxy
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Es war eine lange Nacht geworden. Beide hatten den unterdrückten und fast ins Unermessliche gestiegenen Hunger voll ausgekostet. Zwischendurch waren beide eingeschlafen, doch immer wieder war einer der beiden aufgewacht und hatte den anderen schamlos verführt. So hatte Lucius Ginnys Scham gestreichelt, bis die willkommene Nässe demonstrierte, dass ihr Körper nach mehr verlangte. Sie war davon wach geworden, dass er seine harte Erektion langsam von hinten in sie stieß. Lucius seinerseits war von zwei warmen und weichen Lippen geweckt worden, die sich immer wieder um eine ganz bestimmte Körperregion kümmerten…
Nun schien die Sonne unnachgiebig ins Zimmer und tauchte den Raum in ein sanftes gelbgold. Die Vögel begannen den Tag zu begrüßen und zwitscherten nach Herzenslust. Die beiden Umschlungenen in dem kleinen Bett störte es nicht. Der Magier lag hinter der jungen Hexe, wobei er ein Arm unter ihrem Kopf geschoben und sie an sich gezogen hatte. Der andere lag irgendwo zwischen ihren Schenkeln. Beide merkten nichts von dieser besitzergreifenden Geste, da sie tief und fest, vollkommen erschöpft schliefen. Er schien diese Position zu genießen, auf jeden Fall hatte er den Kopf in den Nacken gelegt, den Mund leicht geöffnet und schnarchte die Bäume in einem Umkreis von zehn Kilometern nieder. Sie hatte sich wie eine kleine Katze in seinem Arm zusammengerollt und rieb sich in regelmäßigem Abstand an seinem muskulösen, breiten Körper. Beide genossen die Ruhe vor dem Sturm.
Als Ginny erwachte, reckte und streckte sie sich wohlig seufzend. Sie weigerte sich die Augen aufzumachen, um das Gefühl der inneren Zufriedenheit und Ausgeglichenheit noch eine Weile weiter zu genießen. Ihre Brüste schmerzten und der Bereich zwischen ihren Schenkeln schien wund zu sein, zumindest fühlte es sich so an. „Merlin!" – „Vielen Dank", sagte ihr eine mittlerweile sehr gut bekannte Stimme. Die junge Hexe war sofort hellwach und drehte sich um. Lucius Malfoy saß, unverschämt lächelnd, mit einer Tasse Tee an das Ende ihres Bettes gelehnt, Splitterfaser nackt und zog aufs höchste amüsiert einen Mundwinkel nach oben. Er ließ sie nicht aus den Augen, als er einen Schluck trank. „Ich habe mir erlaubt, mir eine Tasse Tee zu machen. Leider hast du keine Hauselfen und ich wollte dir zumindest ein paar Stunden Schlaf gönnen." Er hatte es genossen, ihr beim Schlafen zuzusehen. Sie hatte ein mehr als zufriedenes Lächeln auf den Lippen gehabt und ihn daran erinnert, wie sie die Nacht mehrfach höchst beglückt seinen Namen gestöhnt hatte.
„Das ist jetzt nicht wahr, oder?", fragte sie, obwohl sie die Wahrheit kannte. Als Antwort lachte er lediglich. Ginny stöhnte auf und ließ sich zurück in die Kissen fallen. „Bei Merlin." Diesmal schnaubte er. „Möchtest du auch eine Tasse?" – „Tasse?" – „Tee, meine Liebe. Weckt die Lebensgeister." Wieso konnte dieser Mann sinnlich und zeitgleich so verrucht lachen? Sie öffnete die Augen einen Spalt breit und blinzelte verstohlen. Er war, trotz seiner fünfzig Jahre ein sehr attraktiver Mann, faltenfrei, ohne Bauchansatz. Wie er da saß, entspannt und scheinbar gut gelaunt, offenbarte er einen gefährlichen Charme, dem sich die junge Hexe, so sehr sie auch dagegen ankämpfte, kaum entziehen konnte. Sie versuchte es wirklich. Und sie scheiterte kläglich.
„Das war eine einmalige Sache", fauchte sie trotzdem und ärgerte sich über sein überhebliches Grinsen. „Ich erwarte sich heute Abend um 20 Uhr auf Malfoy Manor." – „Ich werde nicht kommen." Das Grinsen wurde breiter. „Natürlich wirst du kommen, Ginny." Sie schüttelte den Kopf. „Ich bleibe hier." – „Dann werde ich dich holen lassen." Kindlicher Trotz machte sich in der Hexe breit und Lucius Malfoy wurde das erste Mal bewusst, dass sie für ihn genau das war… fast noch ein Kind. „Ich werde mich verstecken." – „Ich werde dich finden." Wütend nahm Ginny das Kissen und warf es nach ihm. Lässig fing er es auf und legte es neben sich. „Du gehörst mir, Ginny. Vergiss das nicht." Sein Lächeln war freundlich, der Unterton drohend.
Ginny funkelte ihn mit wütenden Augen an. „Das war das erste und letzte Mal, Malfoy. Ich will das nicht." Er pustete in den Tee und trank einen Schluck, ohne die aus den Augen zu lassen. „Und wenn ich hier wegziehen muss." – „Du wirst nicht wegziehen", stellte er sachlich fest. „Sei dir da nicht zu sicher." Ginny trotzte wieder. „Ich werde an einen Ort gehen, an dem du mich niemals finden wirst." Er lachte leise. „Diesen Ort gibt es nicht, Ginny. Ich werde dich überall finden." Die Teetasse wurde zur Seite gestellt und mit einer eleganten Bewegung schwang er seine Beine aus dem Bett und begann sich anzuziehen. „Ich erwarte dich heute Abend." Ginny starrte ihn noch immer an. „Du solltest dir dringend einen Elfen besorgen", war das Letzte, was sie von ihm hörte. Er kam zu ihr, drückte ihr einen besitzergreifenden Kuss auf die Lippen und verschwand.
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Das war der Tag, an dem etwas Unglaubliches begann. Ginny hätte nie gedacht, dass es einmal so kommen würde. Sie hatte etwas mit Lucius Malfoy angefangen, was mehr als nur ‚ficken' war, aber noch lange keine Beziehung darstellte. Sie selbst hatte keinen Namen für diese Liaison. Es war so, dass sie sich mittlerweile fast schon daran gewöhnt hatte, ihn nachts bei sich zu haben oder umgekehrt. Es war aufregend. Sie lächelte. Natürlich war es das. Malfoy WAR ein aufregender Mann.
Tagsüber sah sie ihn selten. Meistens schickte er ihr seine seltsame Eule mit Anweisungen. Mittlerweile war Ginny sehr erfinderisch geworden und hatte die Kniffe, die Malfoy ihr verraten hatte. Nie und nimmer hätte sie es für möglich gehalten, aber sie begann, Spaß an ‚der Sache' zu finden. Es amüsierte sie, die Beamten zu überlisten und sie genoss das triumphale Gefühl, dass sie empfand.
Die Wochen vergingen und an einem Abend veranstaltete das Ministerium eine Feier zum Jahrestag der Vernichtung des Dunklen Lords. Sowohl Lucius als auch Ginny waren eingeladen und dieser Abend symbolisierte die Beziehung der beiden. Ginny hatte sich ein neues Kleid gegönnt und die Tatsache ignoriert, dass er es ihr dezent empfohlen hatte. Er hatte ihr einen Umschlag mit Galleonen in die Hand gedrückt und gemeint, es sei angebracht, ihre Garderobe aufzustocken. Sie hatte ihm den Umschlag zurückgegeben, doch er wollte davon nichts wissen. Schließlich war er es gewesen, der seinen Willen durchgesetzt hatte.
Der Abend kam und Ginny fühlte sich schlecht. Diesen Tag würde sie am liebsten vergessen. Es schien, als brächen die Wunden immer wieder aufs Neue auf und sie vermisste ihre Familie ganz besonders. Auch Harry. Aber irgendwie wurde der Schmerz beim Gedanke an ihn immer weniger. Es erschreckte sie. Der Minister begrüßte sie persönlich und sorgte dafür, dass Ginny wieder Kontakt zu den Leuten bekam, die sie kannte. Er meinte es gut, das wusste sie, aber diese Leute waren Freunde ihrer Eltern gewesen. Sie hatten überlebt, Molly nicht und Arthur…. Sie verbot sich weitere Gedanken.
Mit ihrem Aperitif in der Hand, stand sie nun in einer Gruppe und sah sich verstohlen um. Lucius, es war noch immer ungewohnt, ihn beim Vornamen zu nennen, war nicht zu sehen, dennoch wusste sie, dass er da war. Irgendwo. Vielleicht beobachtete er sie? Sie wurde von Hestia Jones, der Ministeriumshexe und ehemalige Ordenshexe, abgelenkt und in ein Gespräch verwickelt.
Lucius Malfoy beobachtete sie tatsächlich. Er war mit einem Vertrauten, und ehemaligen Todesser, auf einem der Balkone und sah auf die Anwesenden herab. „Wieder die selben wie im letzen Jahr", gähnte Tavington. Malfoy nickte lächelnd. Dann hob er sein Glas und trank ein Schluck des teuren Champagners. „In der Tat, die selben wie letztes Jahr", wiederholte er sinnierend und betrachtete eine gewisse rothaarige Hexe. Tavington war seinem Blick gefolgt. „Eine interessante junge Hexe." – „In der Tat", wiederholte Malfoy gedankenverloren. „Sie soll schwer zu erobern sein." Der blonde Mann lächelte wissend. „Alles eine Frage des Einsatzes." Tavington zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Sollte ich etwas wissen?" Malfoy lächelte. „Mitnichten." Der dunkelhaarige Mann lehnte sich auf die Brüstung und betrachtete Ginny näher.
„Ich habe gehört", Tavingtons leichter, amerikanischer Akzent verriet, dass er ein Ausländer war, „dass ihr finanziell, das Wasser bis zum Hals stehen soll." Dabei ließ er den Blick nicht von der jungen Frau weichen, so dass ihm Malfoys amüsiertes Schmunzeln entging. Dieser lehnte sich lässig mit einem Ellenbogen ebenfalls auf den Mamor und schien der rothaarigen Hexe nur einen flüchtigen Blick zu schenken. „Dafür ist ihr Kleid noch relativ trocken." Tavington lachte leise. „Du hast einen eigenartigen Humor, Luc." Jener zuckte mit den Schultern.
Die beiden Männer schwiegen wieder und nippten an ihren Gläsern. „Wann hast du sie dich ran gelassen?", fragte der Amerikaner nach einer Weile. „Tz tz", schnalzte Malfoy mit der Zunge. „Nicht so vulgär bitte." Dann seufzte er. „Ich hab sie mir vor ein paar Wochen genommen." Tavington lachte leise. „Natürlich. Lucius Malfoy nimmt sich." – „Eben… Aber sie ist wirklich süß", sinnierte Malfoy wieder. „So rein und unschuldig." Tavington blickte ihn überrascht an. „Bislang hast du dir doch nichts aus so jungen Frauen gemacht. Sie waren die eben zu unschuldig." Malfoy grinste. „Ich habe die Vorzüge der Jugend unterschätzt. Miss Weasley ist eine kleine Wildkatze mit großen Idealen und, nachdem Verlust ihrer Angehörigen, ein wunderbar zu formendes Geschöpf." Wieder grinste der Amerikaner. „Ich verstehe." Lucius hob spöttisch einen Mundwinkel. „Tust du wirklich? Du verstehst mehr von Kriegsführung als von Frauen." Gespielt schmerzhaft verzog er das Gesicht, als sein Freund ihm in die Seite boxte.
Ginny zupfte heimlich an ihrem Kleid. Es war ein wenig zu eng und zu figurbetont, dennoch genoss sie die anerkennenden und begehrlichen Blicke der Zauberer, die neidischen der Hexen. Hestia Jones schien es heute auf sie abgesehen zu haben. Wieder verwickelte sie die junge Hexe in ein Gespräch mit einer Gruppe von Ministeriumsangestellten und Ginny vermutete, dass Kingsley Shacklebolt dahinter steckte. „Wie geht es Ihnen, Miss Weasley?" – „Wie ich gehört habe, wohnen Sie wieder im Fuchsbau. Das ist ja eine tolle Nachricht." – „Sie sehen gut aus, Miss Weasley." Ginny war es ungewohnt, geradezu im Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stehen. Aber sie genoss es auf eine bestimmte Art und Weise. Noch nie war sie sonderlich schüchtern und zurückhaltend gewesen.
Plötzlich kam Bewegung in die Gruppe. Sie teilte sich. Ginny sah auf und direkt in das Paar eisgraue Augen, das ihr in den letzten Wochen vertraut geworden war. „Miss Weasley", nickte Malfoy. Ginny war nur für einen Augenblick irritiert, dann wollte sie sich intuitiv und selbstverständlich an seine Vorgabe anpassen, doch die letzten Wochen hatte sie einen anderen Lucius Malfoy kennengelernt. Auch wenn er letztendlich die Fäden in der Hand hielt, hatte er ihr Freiheiten zu gestanden, unbeschwert zu sein. Sie hatte es genossen und scheinbar waren diese Freiheiten schuld daran, dass sich nun ein Teufelchen in ihre Gedanken schlich. „Lucius", hauchte sie und schlug kokett die Augen nieder.
Hestia Jones sah, wie alle Umstehenden, irritiert von einem zum Anderen. Doch Malfoy, der im Laufe seiner Jahre Selbstbeherrschung perfektioniert hatte, lächelte nachsichtig. „Wie erfreulich, dass Sie ihren Mut wieder gefunden haben, Miss Weasley. Ich werte es als positives Zeichen, scheinen Sie sich nun nach Ihrer familiären Tragödie erholt zu haben." Lucius nickte ihr wieder zu, dann ging er an ihr vorüber zum Eingang des Saals, an dem Tavington schon wartete. „Hat sie sich umgedreht?", fragte er. Der Amerikaner schüttelte den Kopf, was Lucius zu einem wohlwollenden Lächeln brachte. „Sehr gut, dann kennt sie dich nicht." Tavington kannte dieses Lächeln. „Was hast du vor, Luc?" – „Ginevra Weasley benötigt eine Lektion in Demut und Folgsamkeit."
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Jene junge Hexe verbuchte diesen Abend als Erfolg. Sie hatte Lucius Malfoy gezeigt, dass er nicht alles mit ihr machen konnte und vor allem, dass er sie nicht wie eine kleine Puppe behandeln konnte. Es fühlte sich gut an. Macht fühlte sich gut an. Sie streckte sich auf ihrem Bett aus und seufzte. Langsam verlief ihr Leben wieder in geordneten Bahnen. Natürlich tat der Verlust ihrer Angehörigen noch immer weh, aber sie musste lernen, damit klar zu kommen.
Wieder vergingen Wochen, in denen sie sich abends, so als wäre nichts gewesen, mit Lucius traf. Manchmal aßen sie zusammen, gelegentlich landeten sie auch sofort im Bett, auf dem Sofa, dem Küchentisch, seiner Bibliothek, auf einer Gartenbank, wo auch immer. Ginny grinste. Gab sich Malfoy tagsüber arrogant und distanziert, so war er abends leidenschaftlich und fordernd. Auch wenn sie es sich anfangs nicht eingestehen wollte, so faszinierte sie seine facettenreiche Persönlichkeit. Er war oft ein „überhebliches Arschloch", doch nachts verwandelte er sich in einen charmanten, hingebungsvollen Liebhaber. Sie brauchte ihn.
Hätte ihr jemand zuvor erzählt, dass sie begann, Gefühle für in ihn zu entwickeln, sie hätte diesen Jemand für verrückt erklärt. Doch alles Leugnen nützte nichts, sie begann sich wirklich in Lucius Malfoy zu verlieben. Er war vollkommen anders als all die Männer, die sie bislang in ihrem Leben kennengelernt hatte. Manchmal ließ er ihr die Überhand, oft nahm er sie, regelmäßig kämpften sie. Er tat Ginny gut.
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Die Seychellenohreule klopfte unnachgiebig mit ihrem Schnabel gegen die Fensterscheibe und brannte darauf, ihre Nachricht endlich loszuwerden. Ginny grinste. Mittlerweile hatte sie es geschafft, dem sonderbaren Geschöpf einen ganz speziellen Keks als Belohnung zu geben. Scheinbar ließ sich nicht nur die Eule zähmen…
„Liebste Ginny, gleich wirst du ein Päckchen erhalten, das umgehend nach Mexiko gebracht werden muss. Bitte beeile dich, der Kunde wartet nicht gern. Außerdem möchte ich nachher mit dir ins St. Mungo gehen, um weitere Therapiemaßnahmen für Arthur zu besprechen. Ich küsse dich, Lucius." Ginny streichelte der verblüfften Eule über die Federn. ‚Er liebt mich', dachte sie glücklich. ‚Er liebt mich… Er liebt mich… Er liebt mich.' Sie hatte verzweifelt auf ein Zeichen gewartet und jetzt war es das. ‚Liebste Ginny…. Ich küsse dich.' Immer wieder rief sie sich seine Worte ins Gedächtnis.
Sie tänzelte in ihr Zimmer und begann, sich für Mexiko umzuziehen. Sie wusste, dass es dort heiß war. Ein Griff in ihren Kleiderschrank und sie hielt einen kurzen, luftigen, schwarzen Rock in der Hand. Ein weiterer und sie zog eine weiße Bluse hervor. Unbewusst war sie dazu übergegangen, sich nicht mehr wie eine junge Frau zu kleiden, sondern wie eine Lady, die Lucius Malfoy gefallen würde. Sie hatte begonnen, sich für ihn zu ändern und gleichzeitig, ihn allabendlich zu bekämpfen. Tagsüber hasste sie ihn, abends liebte sie ihn…
Es klopfte an der Tür und Ginny hielt überrascht inne. Sonst kamen die Päckchen immer mit kräftigen Lasteulen. Dennoch ging sie zur Tür und sah sich einem Boten gegenüber. Wortloch reichte er ihr das Päckchen, das deutlich schwerer war als alle anderen bislang. Sie musste nichts unterschreiben. Bis auf Ayubu hatte ihr niemand eine Empfangsbestätigung gegeben. Geschäfte dieser Art erledigte man stil und heimlich.
Ginny besah sich die Adresse und rief eine Karte Mexikos herbei. Lucius hatte ihr empfohlen, von den wichtigsten Ländern Karten zu besitzen. Die Adresse befand sich in der Nähe Cancuns, einer Stadt an der Ostküste des Landes. Sie schrieb sich die Adresse auf und wiederholte sie immer und immer wieder, bis sie sie schließlich auswendig konnte. Anschließend wurde der Zettel vernichtet. Das Päckchen wurde in Geschenkpapier umwickelt und mit der Karte zusammen in eine Tasche gesteckt. Ginny sah sich ein letztes Mal im Spiegel an. Dann lächelte sie sich zu, trat aus dem Fuchsbau, versiegelte die Tür und apparierte nach Mexiko.
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Auf der Karte waren Plätze eingezeichnet, auf denen man die offiziellen Kontrollen meiden konnte. Ginny war dankbar darüber. Doch als sie ankam, glaubte sie erst, sich getäuscht zu haben. Sie landete nicht auf einem Platz, sondern mitten in der Wildnis. Die feuchte Hitze sorgte dafür, dass sie bereits nach Sekunden nassgeschwitzt worden war. Sie griff in die Tasche und holte die Karte hervor. Sie musste sich rechts halten, dann würde sie an eine große, verfallene Pyramide geraten, die von den Einheimischen Coba genannt wurde und als eines der Überbleibsel aus der Mayazeit galt.
Einmal lichtete sich der Wald und die junge Hexe konnte die Pyramide sehen. Sie überragte alles. Ginny lächelte und traf dann auf einen Zaun. Sie hielt sich rechts, wo bald, laut Karte, der Eingang kommen sollte. Sie sprach kein Wort spanisch, aber sie hoffte, dass Touristen hier gang und gäbe waren, so dass sie wenig sprechen musste. Und tatsächlich, Menschen tummelten sich am Eingang, um dann in den abgegrenzten Bereich zu gelangen und sich vielleicht von einem Einheimischen zur Pyramide fahren zu lassen. Die feuchte Hitze machte den meisten Besuchern zu schaffen, so dass die Mexikaner reichlich zu tun hatten, die Gäste mit den Rikschaähnlichen Fahrrädern zur Attraktion zu bringen. Ginny kramte in ihrer Tasche nach dem obligatorischen Umschlag mit den Münzen des Landes. Kurz bevor sie an der Reihe war, sah sie auf und runzelte irritiert die Stirn. Warum wurden die Besucher hier kontrolliert?
Ein dunkelhaariger Mann trat auf sie zu. „Würden Sie bitte Ihre Tasche leeren?", fragte er auf Englisch, wies aber einen starken Akzent auf. „Natürlich, aber warum?", fragte Ginny. „Die mexikanische Regierung wurde gewarnt. Vermutlich will eine Untergrundgruppe ein Attentat auf Coba verrichten", erklärte er. „Das ist ja schrecklich." Ginny agierte so, wie sie es von Lucius gelernt hatte. Scheinbar mit Erfolg. Die Pupillen des Mannes weiteten sich und er schluckte. „Ihre Tasche, Miss", sagte er rau. Ginny wusste, sie hatte keine andere Wahl. „Sie packte langsam Stück für Stück ihre Tasche aus, während sie dem Beamten unentwegt einen Blick unter halbgeschlossenen Augen zuwarf. Doch der Beamte hatte sich wieder unter Kontrolle. Gelangweilt sah er zu, was Ginny zu Tage brachte.
„Was ist das?", fragte er und zeigte auf das Päckchen. „Ein Geschenke für meine Freundin", sprudelte Ginny hervor. „Ich wollte sie gleich im Anschluss besuchen. Erst wollte ich mir diese herrliche Pyramide ansehen und dann bei ihr vorbei sehen. Sie wohnt in Cancun und erwartet mich in zwei Stunden zum Tee. Sie ist schwanger und-" Ginny hatte gehofft, mit der Geschichte, die ihr bereits einmal geholfen hatte, ein zweites Mal durchzukommen. Doch der Beamte runzelte die Stirn. „Cancun? Sie werden es niemals innerhalb von zwei Stunden nach Cancun schaffen. Dazu müssten sie schon zaubern können." Ginny stöhnte. Sie war in Muggelmexiko. Der Beamte hatte einem Kollegen ein Zeichen gegeben, der nun zu Ginny trat und sie unauffällig festhielt. Er nahm das Päckchen und horchte dran. Dann öffnete er es und als er den weißen Stoff sah, pfiff er anerkennend durch die Zähne. Als er zu Ginny sah, zuckte er bedauernd mit den Schultern. „Eigentlich sind Sie ja zu jung für die Todesstrafe. Aber bei Drogenschmugglern versteht unsere Regierung keinen Spaß."
Danke an
sepsis: danke meine Liebe :o) toll dass du dabei bist zwinker
