Kapitel 7
Im Auto herrschte wieder diese peinliche Stille, die Sanji aber diesmal willkommen hieß. Er wollte jetzt gerade nicht mit Zoro sprechen. Seine Reaktion war ihm viel zu peinlich. Er hatte sich benommen wie ein zehnjähriges Mädchen, dass einem Jungen zum ersten Mal nahe gekommen ist, dabei war er ein erwachsener Mann und im Begriff einer der besten Sterneköche zu werden, verflucht! Außerdem hatte er so reagiert wegen Zoro! Wegen Zoro! Wieso ausgerechnet wegen dem verdammten Mooskopf!? Was war mit ihm los? Es war doch ganz normal sich über die Schulter des anderen zu lehnen, um besser sehen zu können und trotzdem hatte er sich benommen, als wäre es etwas unglaubliches! Zoro dachte nun bestimmt, dass Sanji ein Idiot war, oder schlimmer, denn das erste dachte er ja sowieso immer. Halt! Wieso kümmerte es ihn überhaupt was Zoro dachte?! Weit hinten in seinem Bewusstsein bemerkte er, dass Zoro etwas sagte. Aber er war zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt. Interessierte es ihn überhaupt, was Zoro dachte? Ja natürlich, seinen Gedanken nach zu urteilen schon, aber das war doch nicht möglich, es hatte ihn doch nie interessiert? Warum also nun?! Hatte Zoro ihn etwa mit irgendwas angesteckt als die beiden… die Nacht zusammen verbracht hatten? Irgendwie wäre es tröstlich gewesen, wenn er Zoro die Schuld an seinen Gedanken geben konnte, aber das konnte er nicht, denn sein logischer Verstand sagte ihm, dass so was nicht möglich war und es einen anderen Grund hatte. Verdammt…!
"SANJI!" Sanji zuckte zusammen und seine ganze Wut, die er in seinen Gedanken angesammelt hatte, ließ er nun an Zoro raus.
"Was?!" Er konnte sehen, wie Zoro sichtlich zusammenzuckte und ihn überrascht ansah. Aber da war noch etwas in seinem Blick. Etwa Schmerz? Jetzt bekam Sanji auch noch ein schlechtes Gewissen, na ganz toll… Etwas ruhiger fragte er: "Was ist los, Zoro?"
"Ich wollte dich nur darauf hinweisen, dass du zu schnell fährst", murmelte Zoro und sah aus dem Fenster. Ja, er war beleidigt. Sanji sah auf den Zähler im Auto. Heilige Scheiße, er fuhr 100 km/h zu schnell! Egal ob Bullenkutsche oder nicht, das würde noch mit Sicherheit Aufmerksamkeit auf sie ziehen, weswegen er nun abbremste um wieder auf 50 Stundenkilometer zurück zu kommen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Zoro sich entspannte. Ihm schien es nicht zu gefallen zu rasen, Sanji konnte ihn aber verstehen. Das war echt gefährlich. Sein Navi gab ihm an, dass er nur noch nach rechts abbiegen musste. Schon fuhren sie auf einen Parkplatz vor. Das Gebäude war aus Sandstein und gab ihm ein altmodisches Aussehen. Sanji wurde sofort an Versaille erinnert. Ein Schloss in Paris, darin lebte Ludwig der XIV. Von außen her eine Schönheit, besonders wenn die Sonne schien. Dann wirkte das Schloss als würde es selber leuchten. Eines musste er dem Kerl lassen, der Titel des 'Sonnenkönig' passte wirklich. … Okay, etwas war definitiv falsch rum bei ihm, wenn er an sein Heimatland dachte. Nicht, dass er Frankreich nicht mochte, aber in so einer ernsten Situation daran zu denken… das war schon seltsam… Aber der Garten von Versaille war noch unglaublicher als das Schloss-
Okay stopp! Das bringt dich zu keinem Ergebnis! Konzentrier dich bitte auf die Aufgabe! Er stieg aus dem Wagen.
"Ah, Dornrösschen ist aus ihrem ewigen Schlaf erwacht?", fragte Zoro, der schon draußen stand.
"Ja und das ganz ohne die Hilfe des Prinzen", knurrte Sanji und lief auf das Gebäude zu.
Ganz ohne die Hilfe des Prinzen?! Sag mal bist du bescheuert?! Das wird er dir ganz bestimmt unter die Nase reiben. Super gemacht, Gehirn. Ich rede mit meinem Gehirn… ich bin wahnsinnig geworden… Das ist alles Zoros Schuld! Wieso muss er auch so verdammt heiß sein! Also… seine Körpertemperatur… ARRRGGGH!
Zoro hatte ihn die ganze Zeit beobachtet. Während der Fahrt wirkte Sanji sehr abgelenkt und hatte wohl aus Wut beschleunigt. Nur war Zoro sich nicht ganz sicher, warum er so wütend war. War es, weil er wusste, welche Gefühle Zoro für ihn hegte? War er sauer auf ihn? Als Sanji endlich reagierte, war Zoro mehr als nur geschockt. In dem kleinen Wort steckte so viel Hass und Wut drin, dass er sich sofort zurück zog. Sanji schien sich danach jedoch gefasst zu haben, denn er fragte nochmals ruhiger, aber Zoro ließ sich nicht täuschen. Er war sauer, richtig sauer, deswegen würde er ihn in Ruhe lassen, weswegen er nur aus dem Fenster sah, bis sie ankamen. Das Gebäude gefiel ihm, wirkte warm und einladend, genau wie Sanji… Das war jetzt nicht nötig gewesen… Er schüttelte die Gedanken ab und seufzte. Nach der Hochzeit würde er irgendwo hingehen und nicht mehr wieder kommen. Vielleicht nach Hause, nach Japan. Beide waren in ihren Gedanken versunken, als sie in die Bar traten, doch dann blieben sie, wie vom Blitz getroffen stehen.
"Nein…", flüsterte Zoro. Sanjis Herz schlug heftiger und die Röte stieg ihm ins Gesicht.
Sie standen in einem Stripclub.
Zoro senkte den Blick. Er fühlte sich gedemütigt. Natürlich mochte er Frauen, also, solange, wie er die Gefühle für Sanji verdrängt hatte, aber das hier war erbärmlich. Für ihn waren Leute, die hier her gingen, nicht mehr wert als ein Stück Dreck. Seiner Meinung nach, waren die Frauen hier nicht glücklich, sondern verzweifelt und brauchten Geld. Neben ihm sah er, wie Sanji sich an die Wand lehnte und sich die Schläfen massierte.
"Ich bring diesen Killer um, danach diesen scheiß Arzt!" Unwillkürlich musste Zoro grinsen.
"Ach Koch, ist das nicht der Platz, den du am besten findest? Dein persönlicher Himmel?", feixte er. Wie denn auch anders, wenn der Koch ihm so eine wunderbare Gelegenheit gab? Der Angesprochene warf ihm einen entsetzten und gleichzeitig verletzten Blick zu.
"Denkst du etwa mein Niveau wäre so tief?!"
"Du hattest nie welches", meinte Zoro Schultern zuckend und handelte sich einen Tritt in den Magen ein. Er krümmte sich vor Schmerz, doch sein Grinsen blieb. Wenn er den Koch schon nicht haben konnte, dann wollte er doch seine Aufmerksamkeit und die bestand zwischen ihnen eben durch diese Streitereien.
"Zoro, Sanji, was macht ihr denn hier?" beide drehten sich um. Vor ihnen stand eine Frau, ende zwanzig, Anfang dreißig und sah sie neugierig an. Sie hatte schwarze, schulterlange Haare und aufmerksame blaue Augen. Zoro verschränkte die Arme. Irgendwie sah sie nicht nach einer Stripperin aus. Sie hatte zwar eine Art Korsett an, das ziemlich viel von ihrer Oberweite preis gab, aber sie hatte knielange Hosen an. Das war ein Punkt und andererseits wirkte sie reif und ruhig und nicht… ja… irgendwie aufreizend…
"Guten Tag, meine Liebe, kennen wir uns?", fragte Sanji höflich und übernahm damit das Gespräch. Die Frau wirkte höchst erstaunt.
"Guten Tag, Sanji. Warum die seltsame Frage?" Sanji grinste peinlich berührt und Zoro sah weg, diesmal aus Eifersucht. Trotzdem hörte er weiter zu.
"Weeeeeil… wir uns an nichts von gestern Abend erinnern können", seufzte Sanji. Zoro konnte es nicht sehen, aber er konnte sich bei der Frau wirklich gut vorstellen, wie sie langsam blinzelte und diese Information erst ein Mal verarbeitete. Zu seiner Überraschung hörte er einen Moment später ein
"Ich verstehe, wieso setzten wir uns nicht?". Er drehte den Kopf und sah, wie sie zu einer Tischreihe gingen, direkt neben einer dieser Stangen. Zoro bekam eine Gänsehaut. Er mochte Stripclubs nicht. Er folgte leise und sie setzten sich an den runden Tisch. Zoro setzte sich etwas näher an Sanji als normalerweise, nicht, dass die Frau noch auf dumme Gedanken kam… Neee, nur ich habe gerade dumme Gedanken!
"Also", sie legte ein Bein über das Andere. "Ihr könnt euch an rein gar nichts erinnern?" Zoro legte den Kopf schief.
"Ganz winzige Bruchstücke." Sanji nickte.
"Nicht viel. Aber wir haben einiges bereits rekonstruiert. Jetzt sind wir hier angekommen und um ganz ehrlich zu sein… Ich denke nicht, dass wir hier weiter kommen." Er schnitt eine Grimasse. Sie sah beide aufmerksam an.
"Ich bin Robin", sagte sie dann. Zoro nickte, das hatte er mittlerweile vermutet.
"Was ist denn euer Problem? Wollt ihr wissen, was gestern passiert ist?" Sanji schüttelte den Kopf.
"Also… zwei unserer Freunde sind verschwunden und wir können sie nirgendwo finden." Robin hob eine Augenbraue an.
"Luffy und Usopp?" Zoro sah sie misstrauisch an. "Bevor du fragst, gestern Abend haben wir uns alle sehr gut kennen gelernt aber, oh…" Ihre Augen wurden riesig. "Habt ihr schon im Kofferraum nachgesehen?" Sie wurde von zwei verwirrten Blicken durchbohrt und seufzte.
"Gestern Abend hat Usopp beim Pokern einiges abgestaubt und ihr wolltet euren 'Glücksbringer' in den Kofferraum legen um ihn immer dabei zu haben. Da lag er schon schlafend auf dem Boden. Ihr habt ihn dann in den Kofferraum gelegt." Sanji war aufgesprungen, wurde aber von Zoros nächster Frage aus der Bahn geworfen.
"Mit welchem Auto waren wir gestern hier?" Sie schien überrascht über die Frage.
"Einem Mercedes, wieso?" Sanji ließ sich zurück auf den Ledersitz fallen. Das. War. Eine. Katastrophe.
Zoro betrachtete die Decke. Sein herz klopfte laut in seiner Brust und er spürte Panik in sich aufsteigen.
"Wir wissen nicht… wo der Mercedes ist…", flüsterte er. Usopp lag jetzt schon wie lange in dem Wagen? Was wenn der Wagen zerstört war? Was wenn er gestohlen worden war, verkauft worden? Und Usopp lag drin und zitterte vor Angst, nicht wissend was geschehen war, nicht wissend wo er war. Oder, falls der Wagen zerstört war… Nein! Zoro wollte nicht an das Szenario denken! Er wurde aus seinem Gedankengang gerissen,. Als Robin ruhig meinte:
"Deswegen benutzt ihr einen Streifenwagen?" Die hörte sich auch noch amüsiert an. "Naja, vielleicht kann euch das helfen. Gestern Abend seid ihr hier mit ein paar Kerlen der Arlongbande zusammengestoßen und habt gepokert. Usopp hat eine Riesensumme herausgeholt, sowie Arlong. Ihr habt eine Menge gefeiert und später habt ihr Usopp in den Kofferraum gelegt. Danach habt ihr das Geld von Arlong gestohlen und seine Kerle zusammengeschlagen, weil sie sich an meiner Arbeitnehmerin versucht haben, zu vergreifen. Dann seid ihr weggefahren." Sie legte den Kopf schief. "Und Luffy hat die Pokerchips angesabbert weil er immer an Chips denken musste und das hat Arlongs Leute auch aufgeregt." Zoro schüttelte nur den Kopf. Das alles wurde immer absurder. Robin betrachtete beide amüsiert. Sie atmetet schon ein um etwas zu fragen, doch in dem Moment wurde die Tür aufgerissen und sie hörten lautes Brüllen.
"Keine Bewegung! Hier sprich die Polizei!" Ein grauhaariger Mann mit zwei Zigarren im Mund hatte seine waffe auf die drei Personen gerichtet. Sanji und Zoro hoben sofort die Hände.
Sanji saß auf dem Polizeirevier. Seine linke Hand war an Zoros linke gebunden, was ihn ziemlich unkomfortabel ließ, denn Zoro stand gerade an einem Münztelefon und tippte Namis Handynummer ein.
Zoro knurrte. Wieso musste er mit Nami reden?! Schon nach dem zweiten Klingeln nahm sie ab.
"Hallo?"
"Hallo, Nami." Zoro versuchte sich zu entspannen und beruhigte seinen Herzschlag.
"Zoro? Was gibt's?"
"Ja ich bin's. Hey Nami, ich muss dir was sagen. Die im Hotel haben uns eine weitere Nacht geschenkt!", er versuchte so enthusiastisch wie möglich zu klingen.
"Huh, ehrlich?" Sie klang überrascht. Mit Geld konnte man sie immer überreden, dass wussten Zoro und Sanji. Auch wenn Sanji es nicht schön fand, eine Frau zu belügen, sahen beide keinen anderen Ausweg. Zoro musste jedoch den Annruf tätigen, so fühlte Sanji sich nicht ganz so schuldig.
"Ja genau. Deswegen wollte ich nur bescheid sagen, dass wir noch eine Nacht hier bleiben und morgen zurück kommen."
"Äh, aber morgen ist die Hochzeit!"
"Ja genau, deswegen stehen wir auch ganz früh auf, um noch rechzeitig zu kommen!"
"Huh… na gut, ist ja umsonst. Kannst du mir dann Luffy geben?"
"Äh nein, das geht nicht. Wir haben einen Deal gemacht, der Bräutigam darf seine zukünftige nicht anrufen, deswegen rufe ich ja an", log er schnell. Von hinten hörte er wie Sanjis und sein Name aufgerufen wurde, er musste jetzt auflegen. "Okay Nami, bis dann, wir müssen jetzt los zur… Massage. Bis dann!" Er legte schnell auf, bevor sie noch etwas sagen konnte und zusammen gingen Sanji und Zoro auf den Polizisten zu, der ihnen den weg zeigte. Wegen der Handschellen musste Sanji nahe an Zoro laufen, damit sein Arm nicht so schmerzhaft zog. Zoro versuchte zu verheimlichen, wie sehr es ihm gefiel, Sanji so nah bei sich zu haben und wie sehr ihn der Anblick von Sanjis angeketteter Hand anturnte.
