Legende:

Legende:

»Gerede«

/Gedanken/

:Parsel:

((AdA: Meine Kommentare))

±Bestimmter Zeit- und Ortswechsel±

°Phönixgeschwafel°

Ein Unglück kommt selten allein

Abraxas Malfoy fürchtete um sein Leben. Er hatte seinen Lord seit dem Schlamassel, den die niedrigen Todesser einmal in einer Muggelsiedlung veranstaltet hatten – wobei das ganze Dorf gebrannt hatte –, nicht mehr so stinksauer gesehen. Und das sollte was heißen.

Generell hatte er schon lange keinen Cruciatus mehr abbekommen und erst recht keinen so starken. Er war sich der Tatsache völlig bewusst, dass er den Fluch nur ein paar Minuten auferlegt bekommen hatte, weil sein Meister ihn noch für diesen Auftrag gebraucht hatte. Und diesen Auftrag war er gerade dabei auszuführen. Allerdings gab es ein Problem... er fand das Haus nicht. Hier war nichts, mal abgesehen von dem Wald und dem langen Weg, der zu irgendeinem Muggeldorf führte.

»Bei den großen Schwarzmagiern, ich bin sowas von am Arsch...«, murmelte Abraxas niedergeschlagen. Er drehte sich noch einmal im Kreis, bevor er aufgab. Kurz kam ihm der Gedanke, einfach abzuhauen und sich in einem kleinen Land ein neues Leben aufzubauen. Allerdings verwarf er diesen Gedanken. Er war kein Feigling, er besaß Stolz und er war Lord Voldemort loyal. Auch wenn dieser ihn höchstwahrscheinlich töten würde.

Abraxas straffte seine Schultern. Er war ein Malfoy. Und Malfoys besaßen keine Angst. Malfoys waren intelligent, wunderschön, gerissen, reich, standen über allen außer Lord Voldemort und hatten außerdem das Glück, dass sie mutig wie die stinkenden Gryffindors waren. Der Blonde nickte sich selbst aufmunternd zu, bevor er apparierte.

±Einige Minuten zuvor, bei Harry±

Der Zeitreisende gab Ryo den Brief, den er gerade für Abraxas Malfoy geschrieben hatte. Immerhin waren seine Opfer schon lange tot, das konnte er den arroganten Schnösel ruhig wissen lassen. So stieg er vielleicht schneller in Voldies Reihen nach oben, wenn er auch weiterhin zuverlässig und schnell sein würde.

»Warte, bis Malfoy ein Brief zurück schreibt, in Ordnung? Und pass auf dich auf«, sagte Harry zu dem Eisphönix. Dieser sah ihn leicht genervt an.

°Passt schon, Harry. Ich bin bald wieder da. Kannst du bis dahin Ping dazu bringen, mir was Feines zu kochen? Danke!° Damit verschwand die magische Kreatur in einem kleinen Schneesturm. Der Nymph seufzte und ging in die Küche. Ausnahmsweise konnte er seinem eisigen Freund ja einen Gefallen tun. Es rührte ihn, dass Ryo sich so um ihn sorgte. Denn das hatte er erkennen können, als er Tom von sich runter gerissen hatte – wobei er diese Tatsache auch irgendwie verfluchte.

»Ping? Würdest du etwas kochen?«, fragte der Schwarzhaarige, als er in die Küche trat.

»Natürlich, Harry!«, strahlte die Hauselfe glücklich und machte sich sofort an die Arbeit. Harry nahm sich einen Korb Erdbeeren, schnitt die Folie auf und wusch die Früchte, bevor er das Grüne abschnitt.

±Zur selben Zeit, bei Tom±

Genervt starrte der Dunkle Lord einen seiner Todesser an. Er stand in seiner Schlangenillusion in der Eingangshalle seines Manors und vor ihm kniete besagter Todesser. Name: Igor Karkaroff. Aber das war unwichtig. Doch genauso unwichtig fand er das Balg, das ängstlich hinter Karkaroff auf dem kalten Boden saß und wimmerte, während drei weitere Todesser mit ihren Zauberstäben auf ihn zielten.

»Warum bringst du mir dieses Kind, Igor?«, knurrte Tom wütend. Der Junge war kaum älter als vierzehn, höchstens fünfzehn. Er hatte strohblondes, schulterlanges Haar und viele Sommersprossen. Sein Körperbau war mager und sein Gesicht war schmal. Er musste um die einhundertfünfzig Zentimeter groß sein. Die mit Tränen verschleierten Augen waren hellblau.

»Mylord, dieser Bengel ist der Sohn von einem hoch angesehenen Ministeriumsbeamten! Ich dachte, dass wir ihn mit dem Burschen erpressen können«, sagte Igor aufgeregt. Tom lief langsam um ihn herum und kniete sich vor den sitzenden Jungen, der zitternd auf den Boden starrte. Er hob seinen Zauberstab und legte ihn unter das Kinn des Kindes, wodurch er erfolgreich das Gesicht nach oben drücken konnte, damit er ihm in die Augen sehen konnte.

»Ich bezweifle, dass du gedacht hast, Igor«, sagte er nebenbei zu seinem Todesser. Auch wenn er nicht hinsah, konnte er regelrecht spüren, wie sich der Schwarzmagier anspannte. Der Dunkle Lord stand auf und drehte sich um. »Denn wenn du gedacht hättest, wäre dir eingefallen, dass ich keine kleinen Ministeriumsbeamte mit einem Kind erpresse!«

»A-Aber M-Mylord... Sein V-Vater ist der Chef der Abteilung für magische Strafverfolgung!«, sagte Igor schnell, flehte heimlich darum, keinen Unverzeihlichen ab zu bekommen.

»Und wenn sein Vater der Zaubereiminister persönlich wäre, ich benutze keine Kinder um Leute zu erpressen!« Voldemort beugte sich runter und funkelte Karkaroff wütend an. Er konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, dem Mann einen Fluch aufzuhalsen. »Das habe ich nicht nötig! Hast du das verstanden, Igor?«

»J-Ja, Mylord«, nickte der Todesser und senkte seinen Kopf. Igor war nicht ganz dumm, er wusste, dass wenn er jetzt ein falsches Wort sagte, es vielleicht sein letztes sein könnte.

»Das will ich doch hoffen. Und ihr«, wandte sich Tom an die drei Todesser, die immer noch mit ihren Stäben auf den Jungen zeigten, der langsam zu hoffen begann, ohne weitere Schmerzen und vor allem lebend hier raus zu kommen. »Bringt den Jungen...«

»Mylord«, unterbrach Abraxas, der gerade in die Eingangshalle appariert war. Der Dunkle Lord sah ihn leicht überrascht an.

»Du warst ja ziemlich schnell. Hätte ich nicht erwartet. Wo ist die Leiche des Alten?«, wollte Tom wissen und überging, dass der Malfoy ihn unterbrochen hatte. Selbst Dunkle Lords drückten bei ihren besten Untergebenen mal ein Auge zu.

»Nun...«, druckste Abraxas völlig untypisch für einen Malfoy herum. Toms rubinrote Augen verdunkelten sich.

»Ja?«, hackte er lauernd nach.

Der Blondschopf holte unbemerkt tief Luft, bevor er sich sammelte und sich selbst versicherte, dass der Lord ihn nicht umbringen würde. Das allerdings klappte nicht so, wie er es wollte. Die Angst blieb. »Mylord, es gab weder ein Haus, noch eine Hütte.«

»Tatsächlich?«, lächelte der Dunkle Lord sanft. Doch genau das jagte den Anwesenden kalte Schauer über den Rücken. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass Lord Voldemort niemals sanft lächelte. Zumindest hatten sie es noch nie gesehen. Tom ging wie eine Raubkatze auf Abraxas zu. »Glaubst du etwa, dass ich falsche Informationen an dich weiter gegeben habe oder dass mir ein Fehler unterlaufen ist?«

»Natürlich nicht, Mylord!«, beteuerte der Malfoy schnell.

»Mein lieber Abraxas, ich...« Tom brach ab, als ein Schneesturm, der ihm ungefähr so hoch reichte wie Harrys Kopf, aus dem Boden schoss. Erstaunte Augenpaare sahen dabei zu, wie sich der Schnee langsam verzog und ein eisblauer Phönix mit den Flügeln schlug, um auf einer Stelle zu bleiben. Nach einer kurzen Musterung war sich der Rotäugige absolut sicher, dass es sich dabei um Ryo handelte. Er war froh, dass er die Illusion auf sich hatte. Schließlich konnte der Vogel mit Harry reden und er war nicht scharf darauf, dass der Kleine wusste, wer er war. Das würde seinen Plan über Bord werfen.

Ryo trällerte erfreut und streckte Abraxas seine Klauen entgegen, in denen er die Pergamentrolle seines Herrn hielt. Dennoch traute er sich nicht, auf Abraxas' Schulter Platz zu nehmen. Phönixe waren immerhin nicht irgendwelche Posteulen, die jedem für ein paar Eulenkekse zärtlich in die Finger kniffen. Oh nein, Phönixe waren von Grund auf stolz und gehörten nur ihrem Herrn. Und Ryo hatte Harry als eben diesen akzeptiert.

Mit vor Nervosität zitternden Fingern nahm der Blonde den Brief entgegen und beobachtete Ryo dabei. Doch als er die Pergamentrolle in seiner Hand hielt, flog der Eisphönix zum Geländer der großen Treppe und ließ sich darauf nieder, wartete scheinbar auf etwas. Nach einem Blick auf den Dunklen Lord, welcher ihn mit einem Blick aufforderte, das Pergament zu entrollen, tat Abraxas das auch. Seine silbergrauen Augen huschten hoffend, seinem Lord eine positive Nachricht zu überbringen – wobei er nicht wusste, wie das gehen sollte, da er ja nicht einmal wusste wer einen Eisphönix besaß –, über das Papier.

Mr. Malfoy,

ich denke, Sie wissen, dass ich den Auftrag zur Zufriedenheit des Dunklen Lords ausführen konnte. Die meisten der Toten standen ja bereits im Tagespropheten, sowie auch in der Muggelzeitung. Wenn Sie schon wissen, wann der Lord Zeit hat, mich seiner anzunehmen, dann schreiben Sie bitte einen Brief und übergeben Sie ihn meinem Phönix. Im Übrigen heißt er Ryo. Nur, falls Sie ihn vom Essen weg locken müssen. Wenn Sie den Zeitpunkt noch nicht wissen, dann sagen Sie Ryo, dass er zu mir zurück kommen kann.

H. Shorai

Abraxas seufzte erleichtert auf. Das war doch mal eine gute Nachricht. Er sah zu seinem Lord, der, wenn er es nicht besser wissen würde, neugierig aussah. Aber er wusste es ja besser.

»Der Brief ist von dem Anwärter, dem ich die Aufträge übertragen habe, Mylord. Er sagte, dass er die Aufträge erledigt hat, darunter muss auch Quintus Turner gewesen sein.«

»Geh ich richtig der Annahme, dass Harry Shorai dieser Anwärter ist?«

»Ähm, ja«, gab der Blonde verblüfft zu. »Woher wisst Ihr das?«

»Unwichtig. Hey, Phönix«, wandte sich Tom an das eisblaue Geschöpf. Dieser sah ihn misstrauisch an. »Bring deinen Herrn hier her.«

Kurz starrten scharlachrote Augen in rubinrote, bevor der Vogel kurz den Kopf neigte und schließlich in dem bekannten Schneesturm verschwand.

--

Harry sah Ryo mit schief gelegtem Kopf an, als dieser plötzlich in der Küche erschien und auf einer Stuhllehne Platz nahm. Nebenbei steckte sich der junge Mann eine Erdbeere in den Mund und kaute sie genüsslich.

»Du warst schnell. Kein Brief von Malfoy?«, informierte sich der Nymph.

°Nein. Ich habe ihm den Brief übergeben, er hat mit einem großen Mann, der Ähnlichkeit mit einer Schlange hatte, geredet und der Schlangenmann hat mir dann gesagt, dass ich dich holen soll. Ich weiß nicht, ob es eine Falle oder so ist. Willst du gehen oder nicht?°

»Ein Mann, der einer Schlange ähnlich sah?«, hackte Harry erstaunt nach. Das klang doch stark nach Voldie. Der Schwarzhaarige steckte sich noch schnell eine Erdbeere in den Mund, stolperte dann in sein Schlafzimmer und öffnete den Schrank. Dann zog er sich eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd an, ehe er auch noch eine schwarze Robe überwarf. Anschließend eilte er in den Flur, wo er in seine Stiefel schlüpfte, bevor er wieder in die Küche stürmte. Dort schnappte Ryo gerade nach einer Erdbeere, die ihm Ping entgegen hielt.

»Komm, Ryo. Wir sollten den Schlangenmann nicht warten lassen«, sagte Harry und legte eine Hand auf den Rücken des Eisphönix. Keine Sekunde später verschwanden sie in einem Schneesturm.

--

Vor Voldemort, Malfoy und fünf weiteren Männern tauchten sie wieder auf. Der Dunkle Lord, der gerade seinen Männern Anweisungen geben wollte, drehte sich um, als er die leichte Kühle spürte. Harry hatte das Gefühl, dass er den Mann unterbrochen hatte, bevor dieser überhaupt angefangen hatte.

Dennoch starrte er ohne Angst offen in das weiße Gesicht mit den Schlitzen, die als Nase dienten, den roten Augen, die ihn schon immer fasziniert und wegen ihrer Kälte gleichzeitig abgestoßen hatten, und den dünnen Lippen, die man beinahe übersah. Er sah dem Voldemort, den er aus seiner Zeit kannte, so ähnlich, dass es ihm vorkam nie eine Zeitreise gemacht zu haben. Harry war in diesem Moment mehr als nur froh, dass die Verbindung nicht mehr bestand und er keine Schmerzen empfand.

Trotzdem war es mehr als nur ungewohnt, dem Mann bald zu dienen, der seine Eltern ermordet hatte. Oder sie ermorden würde, wenn er selbst nicht eingriff, was er aber vor hatte zu tun. Harry suchte in seinem Inneren eine Art Abscheu oder Hass für sein Gegenüber. Doch alles, was er fand, war Respekt und Bedauern, dass er so geworden war, wie er war.

Der Respekt war dafür, dass er nicht aufgab und auch niemals aufgeben würde, um seine Ziele und das so vieler magischen Wesen und Schwarzmagiern zu erreichen. Das Bedauern hingegen war dafür, dass die magische Gesellschaft und selbst die Muggel Voldemort – oder Tom Riddle, wie auch immer – so gefühllos geformt hatten. Aber was sollte man auch erwarten. Er war in einem Muggelwaisenhaus – in dem sich die Angestellten nicht groß um die Kinder kümmerten – aufgewachsen. Und dann war er in die Zauberwelt – die ihm, sobald er und sein Charme sich umdrehten, mit Misstrauen und Neid gegenüber trat, weil er genial und obendrauf ein Slytherin war – gegangen. Auch nicht viel besser als davor.

»Harry Shorai, nehme ich an?«, holte die zischelnde Stimme Lord Voldemorts Harry aus seinen Gedanken.

»Ja«, nickte der junge Mann. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Sein Stolz verbot ihm, nieder zu knien und den Kopf zu senken. Sicher, er hatte sich schon darauf vorbereitet, aber scheinbar konnte er es doch nicht. Er spürte, wie er kurz davor war, in das alte Muster zu fallen. Und das bestand leider daraus spöttisch, frech, respektlos und stur gegenüber dem Schlangenmann zu sein.

»Geh gefällig auf die Knie!«, zischte Malfoy ihm zu. Harry hob die Hand und streichelte Ryos Gefieder, der inzwischen auf seiner Schulter saß.

»Nicht doch«, warf Voldemort ein und machte einen Schritt auf sie zu. Er musterte Harry von oben bis unten. Doch alles, seine Augen und sein Gesicht, blieben ausdruckslos. »Mr. Shorai trägt nicht das Dunkle Mal. Er muss nicht auf die Knie, wenn er es nicht will. Zumindest jetzt noch nicht.«

Harry schwieg. Es erschien ihm als das Beste, bevor er noch etwas Dummes sagte. Seine Augen wanderten durch den riesigen Raum, den er als Eingangshalle enttarnte. Entgegen seinen Erwartungen war alles hell und gemütlich. Doch eine seiner Erwartungen war richtig. Alles sah edel aus und einem Erben der Hogwartsgründer würdig. Schließlich blieben die hellen Smaragde auf einem Jungen liegen, der auf dem Boden saß, ängstlich zitterte und seine Augen krampfhaft zusammen kniff.

»Crouch!«, rutschte es Harry raus. Er wurde erstaunt angesehen und seine Augen fanden noch eine Person, die er kannte. Allerdings konnte er sich dieses Mal zurück halten. Igor Karkaroff.

»Woher kennen Sie den Jungen, Mr. Shorai?«, fragte Voldemort misstrauisch.

»Ich kenne seinen Vater, Lord Voldemort«, antwortete Harry nach einiger Zeit. Er könnte sich die Zunge abschneiden. Das war unklug gewesen. Er sah in hellblaue Augen, die ihn hoffnungsvoll und bittend ansahen. Trotz der Abneigung, die er Bartemius Crouch Junior entgegen brachte, empfand er Mitleid. War das der Moment, in dem der junge Crouch Voldemort beigetreten war?

»Wie das?«, wollte Abraxas voller Misstrauen wissen. »Sie kommen doch aus Japan, woher kennen Sie dann den Vater des Bengels?«

»Ich bin ihm einmal begegnet, Mr. Malfoy. Inzwischen bin ich ja schon neunzehn Tage in England.« Diese Ausrede brachte ihm nicht viel, im Gegenteil, das Misstrauen wuchs. Er wunderte sich ohnehin schon, warum kein Zauberstab auf ihn gerichtet war.

»Das klären wir später«, warf der Dunkle Lord ein. »Im Moment interessiert mich eher, was mit Quintus Turner passiert ist.«

»Sie meinen den alten Mann, der in einer Hütte gewohnt hat, die man ihm Dunkeln nur schwer finden kann?«

»Genau den. Da Sie in der Vergangenheitsform von ihm reden, nehme ich an, dass er tot ist?«

»Ja. Allerdings war nicht ich es, der ihn ermordet hat.«

»Wer dann?«

»Das Alter, denke ich.«

»Das Alter?«, echote Tom verblüfft und starrte den jungen Mann, völlig untypisch für seine Verhältnisse, an. Er sah in die wunderschönen Augen, erkannte jedoch keine Lüge in ihnen. Dennoch konnte er das nicht glauben. Quintus Turner konnte nicht einfach so abkratzen. Tom hatte ein Jahr in die Recherchen gesteckt und er wusste mit hundertprozentiger Sicherheit, dass dieser Mann nicht wegen dem Alter sterben konnte. Außer... Bei den Gründern, daran wollte er gar nicht denken. Das würde ihn vermutlich ein weiteres Jahr kosten, bevor er endlich das Buch in seinen Händen halten konnte.

»Ja, Lord Voldemort. Er war vermutlich schon seit ein paar Tagen tot, genau kann ich es aber nicht sagen.«

»Abraxas, geh in mein Arbeitszimmer und warte dort. Mr. Shorai und ich sind bald wieder da.« Damit ergriff Tom Harrys Arm, ehe sie beide mit einem Plopp verschwanden. Einen Augenblick später tauchten sie wieder dort auf, wo Harry die Hütte entdeckt hatte. Er sah sich nach der Bruchbude um, konnte sie aber nicht finden. Wie konnte das sein? Vor drei Tagen hatte er sie gefunden, doch jetzt, wo es noch hell war, fand er sie nicht. Dabei war er sich sicher, dass sie an dem Plätzchen stehen musste, an der seine hellen Smaragde festklebten.

»Wo ist die Hütte?«, verlangte Voldemort zu wissen, welcher neben ihn stand und ihn nun ansah.

»Eigentlich dort«, antwortete der Nymph und zeigte etwas nach rechts, jedoch nah am Waldrand. »Ich versteh das nicht. Vor drei Tagen war sie noch da gewesen.«

Tom lief zu der Stelle, auf die Harry gedeutet hatte und sah sich genauer um. Er konnte nichts entdecken, außer Bäume, Gras und einen Eisenring. Er stockte. Ein Eisenring? Hoffend trat er näher und bückte sich, bevor er an dem Ring zog. Dabei zog er ein quadratisches Stück der Erde mit, zumindest sah es so aus. Dann bemerkte er, dass es eine Öffnung gab und durch diese konnte er auch nach unten sehen.

»Ich hätte daran denken müssen«, gab Harry trocken von sich. Tom sah über seine Schulter nach oben und entdeckte den Nymph, der über ihm gebeugt ihn das Loch sah.

»Anscheinend kennen Sie diesen Eingang.«

»Ja, aber nur wenn auch eine Hütte oben drauf steht. Und die fehlt ja, warum auch immer.«

»Dann sehen wir uns mal unten um«, murmelte der Dunkle Lord, fuchtelte mit seinem Zauberstab und sprang durch das Loch, nachdem er nichts Beunruhigendes feststellen konnte. Harry folgte ihm ohne zu zögern.

Es sah alles so aus, wie Harry es verlassen hatte. Nun ja, zumindest fast.

»Warum fehlt hier alles?«, rief der Nymph aus und ging mit schnellen Schritten in die Mitte des Raumes, wo er sich im Kreis drehte. Hier waren keine Artefakte, keine Accessoires und nicht einmal ein Bild hing an der Wand. Alles war kahl.

»Hier war mal was?«, hackte Voldemort nach und sah sich um, konnte aber nichts außer den Fackeln, die er erst entzündet hatte, erkennen.

»Ja. Schwerter, Dolche, Ringe, Armbänder, Steine, eben alles Mögliche. Dort waren Bücherregale und da ein Schreibtisch.« Harry zeigte bei seiner Erklärung an die gemeinten Stellen, bevor er sich mit einer Hand durch die Haare fuhr. Ein Zeichen dafür, dass er völlig verwirrt war. Ihm kam der Gedanke, dass das Ganze hier auch etwas mit seinem Tattoo, das sich freundlicherweise auf seinem Rücken ausgebreitet hatte, zu tun hatte.

»Gehen wir weiter«, sagte Tom und öffnete die Tür, die in die Küche führte. Doch auch dieser war leer, selbst der Kühlschrank fehlte. Das Bad war ebenfalls ausgeräumt wurden. Tom öffnete die letzte Tür und rümpfte seine Nase, als er auch hier alles verlassen vor fand. Nicht einmal eine lächerliche Socke war vorhanden, ebenso wenig Möbel.

»Was ist hier passiert?«, murmelte Harry und lehnte sich seufzend an den Türrahmen, während er nachdachte.

»Das wüsste ich auch gern«, sagte Tom und starrte Harry an.

»Sie glauben...? Ich hab damit nichts zu tun!«, wehrte sich der Schwarzhaarige empört. Der Dunkle Lord sagte dazu nichts. Er drehte sich noch einmal um, fand aber nichts, weshalb er an Harry vorbei zum Ausgang lief. Der Junge folgte ihm leise und äußerst bunt fluchend.

--

Als Harry und Voldemort wieder in der Eingangshalle des Manors ankamen, herrschte zwischen ihnen eisiges Schweigen. Der Nymph wusste, dass er ziemlich tief in der Scheiße saß. Es wundert ihn sowieso schon stark, dass er noch keinen Crucio abbekommen hatte. Nicht, dass er sich nicht darüber freute. Das tat er.

»Mylord! Was sollen wir mit dem Jungen machen?«, fragte ein Todesser, der gerade von der Treppe aufsprang und sich kurz verbeugte, während er auf den zitternden Bartemius Crouch zeigte. Es waren auch noch die anderen drei Männer da.

»Er ist immer noch da? Bei Slytherin, bringt ihn endlich hier weg! Am besten in die Winkelgasse oder vor den Tropfenen Kessel. Und zwar lebend«, knurrte Tom. Hastig nickten die Todesser, schnappten sich den Jungen und apparierten. Tom drehte sich zu Harry um und bemerkte, dass dessen Eisphönix sich auf seine Schulter gesetzt hatte und sich streicheln ließ.

»Komm mit.« Verwundert folgte Harry dem schlangenähnlichen Mann und stellte im Stillen fest, dass Voldie es anscheinend nicht gewohnt war einen lange zu siezen.

Schon nach kurzer Zeit kamen sie vor einer dunklen Eichentür an, die in ein Büro führte. Voldies Büro, wie Harry vermutete. Nachdem er sich ausgiebig die Einrichtung betrachtet hatte – und er musste zugeben, dass der Mann Geschmack hatte – setzte er sich auf einen der beiden Stühle, auf den Voldemort wortlos zeigte. Abraxas saß auf dem anderen und sah sie neugierig an.

»Nun, das war ein interessanter Ausflug«, sagte der Dunkle Lord, nachdem sich Harry gesetzt hatte. »Finden Sie nicht auch, Mr. Shorai?«

/Ah, jetzt sind wir wieder beim Siezen, ging es dem Nymph spöttisch durch den Kopf, bevor er antwortete. »Da bin ich ganz Ihrer Meinung, Lord Voldemort.«

Lange wurde Harry forschend angesehen, was Abraxas und ihn selbst unheimlich nervös machte. Schließlich nahm Voldemort eine Feder aus einem Federhalter, zog ein Tintenfass und ein Pergament zu sich, ehe er die Feder in die Tinte tunkte und sie auf dem Blatt ansetzte.

»Erzählen Sie doch mal, was Sie alles bei dem Ausfüllen Ihres Auftrags entdeckt haben«, forderte der Dunkle Lord ihn auf, während man das Kratzen der Feder hörte.

»Nicht viel«, zuckte Harry mit seinen Schultern. »Es waren sehr viele Waffen da und Accessoires, eine Küche, ein Bad, unbewegliche Bilder und in dem letzten Zimmer war ein Schlafzimmer. Nun ja, eigentlich war es eher eine Mischung aus Wohn- und Schlafzimmer, aber was soll's. Es standen zwei Betten und zwei Schränke in diesem Zimmer. In einem der Betten lag übrigens Quintus Turner. Er schien schon mehrere Tage tot zu sein.«

»Moment«, unterbrach Voldemort ihn und sah mit gefährlich funkelnden Augen auf. »Es gab zwei Betten und zwei Schränke?«

»Ja. In dem einen Schrank war ganz eindeutig Kleidung eines Mannes enthalten. Es waren altmodische Klamotten, also gehörten sie vermutlich Turner. In dem anderen Schrank waren die Kleidungsstile eher unterschiedlich. Sowohl von Frauen-, als auch Männerklamotten. Allerdings waren sie nicht so altmodisch«, erzählte der junge Mann. Nachdenklich lehnte sich Voldemort zurück und unterbrach somit das Schreiben. Er legte seine Fingerspitzen aneinander und sah zur Decke. Weder Abraxas, noch Harry hatten vor, ihn aus seinen Gedanken zu reißen.

»Wirklich äußerst interessant«, murmelte der Dunkle Lord nach einiger Zeit, bevor er sich wieder gerade hinsetzte und seine rubinroten Augen Harry fixierten. »Sie haben nicht zufällig Bücher gesehen?«

»Oh«, sagte Harry und schlug sich mental gegen die Stirn. »Entschuldigung, die Bücher habe ich vergessen zu erwähnen. Es gab haufenweise, allerdings waren die meisten in Sprachen, von denen ich noch nie gehört habe. Oder sie handelten von magischen Wesen. Nur eines war... « Harry unterbrach sich selbst und beschloss, dass ein mentaler Schlag gegen die Stirn nicht mehr ausreichte. Ein Arschtritt war um tausend Meilen besser. Wie – wie zum Teufel?! – konnte er sich so verplappern?

»Ja?«, hakte Voldemort lauernd nach.

Harry zögerte, bevor er schließlich seufzte. Es nützte nichts, jetzt noch den Mund zu halten. Er hatte schon zu viel gesagt, um Voldemorts Neugierde zu entfachen. Jetzt musste auch der Rest hinzu, wenn er nicht Schmerzen spüren wollte. Und selbst wenn er es darauf ankommen lassen würde, Voldemort kannte einige Möglichkeiten die Wahrheit aus den Leuten zu quetschen. Und wenn er mit Ryos Hilfe floh, hatte er sich selbst seine selbsterteilte Mission vergeigt. Er sollte wirklich einmal nachdenken, bevor er den Mund öffnete.

»Eines der Bücher war auf Latein. Ich konnte es lesen, nein, eher konnte ich einen Blick reinwerfen. Ich war der Ansicht, dass ich zuerst die Aufträge erfüllen sollte, bevor ich mir das Buch näher ansehen konnte.«

»Um was handelte sich?«

Wieder zögerte Harry, bevor er schließlich doch antwortete: »Die Orte aller Städte, Dörfer und Lager der magischen Völker.«

»Von allen magischen Völker?«, erkundigte sich Abraxas ungläubig. Harry nickte.

»Wo ist das Buch jetzt?«, wollte Voldemort ungeduldig wissen und stand so schnell auf, dass sein Schreibtischstuhl nach hinten rollte.

»In meinem Schrank, Lord Voldemort.«

»Und das sagst du erst jetzt?!«

/Wieder die Du-Form. Der Mann kann sich aber auch gar nicht entscheiden, grummelte Harry gedanklich. »Verzeiht.« Mehr sagte er nicht, was Voldemort auch gar nicht interessierte. Er fand es anscheinend besser, Harrys Arm in einem festen Griff zu umklammern und ihn auf die Beine zu ziehen.

»Bring mich zu dir! Abraxas, du kommst auch mit!«, befahl der Dunkle Lord. Harry reichte dem Malfoy seine freie Hand, die dieser nach kurzem Zögern ergriff, und sah danach bedeutungsvoll zu Ryo. Dieser verstand. Einen Moment später wurden sie von einem Schneesturm umhüllt und kamen im Wohnzimmer von Harrys Wohnung an. Seine Begleiter ließen ihn los, worauf er sich zu seiner Schlafzimmertür umdrehte.

»Folgen Sie mir. Das Buch ist im Schrank meines Schlafzi-« Ein lautes Geräusch, das dem Zersplittern eines großes Holzstücks gleichkam, ließ Harry in seiner Erklärung unterbrechen und zu dem Gang, der zum Flur führte, wirbeln. Kurz war er wie gelähmt, bevor er in den Flur und anschließend zur Wohnungstür stürmte. Ryo erhob sich dabei von seiner Schulter und landete auf der Lehne seines Sofas, während Harrys Gäste ihm folgten.

»Was zum Teufel...?«, hauchte der Nymph und starrte mit großen Augen auf das große Loch in seiner Wohnungstür, ehe er die Tür aufriss und die Treppen zur Haustür runter flog. Er setzte seine Luftmagie ein und sorgte dafür, dass ein Wind ihn blitzschnell nach unten trug, was ziemlich komisch aussehen musste. Er berührte ja nicht einmal den Boden. Dass er womöglich von seinen Nachbarn gesehen werden konnte, war ihm in diesem Moment mehr als nur schnuppe.

Als er unten ankam, bemerkte er sofort das Loch, dass auch in dieser Tür war. Zornig riss er das Holz fasst aus den Angeln und trat auf die Straße. Er sah nach links und nach rechts, doch er entdeckte niemanden.

»Verdammt!«, fluchte er leise und besah sich immer noch die leere Straße. Leise weiter fluchend ging er wieder in das Haus, sah sich kurz nach Beobachtern um, bevor er seinen Zauberstab zückte und das Holz reparierte. Hoffentlich war niemand seiner Nachbarn im Haus. Er war sich sicher, dass der Einbrecher absichtlich in seine Wohnung gekommen war und nicht weil er irgendeine Wohnung ausräumen wollte. Vielleicht war es jemand aus der Zauberwelt.

Harry schüttelte seinen Kopf und fuhr sich durch die Haare, bevor er langsam wieder die Treppen hoch stieg. Er sollte zuerst einmal herausfinden, ob Ping etwas davon wusste. Und ob etwas gestohlen wurde. Doch selbst wenn nicht, das ganze machte ihn fuchsteufelswild. Seine Nerven waren wegen Voldemort sowieso schon blank und dann kam so ein Einbruch. Das war echt nicht sein Tag. Harry stoppte mitten im Schritt – sein rechtes Bein schwebte somit in der Luft –, als er sich an seine Gäste erinnerte. Wieder das Fluchen aufnehmend, hastete er die Treppen hoch und seufzte oben angekommen erleichtert auf, als er Voldemort lässig am Rahmen der inzwischen wieder reparierten Tür und Abraxas verwirrt hinter ihm stehen sah.

»Und?«, erkundigte sich Voldemort und ging wieder in die Wohnung. Harry folgte ihm und schloss die Tür hinter sich.

»Ich habe niemand mehr gesehen.«

»Harry!«, rief Ping aus, die gerade aus der Küche kam und vorsichtig ein volles Schälchen Milch balancierte. »Ping wusste gar nicht, dass Ihr so schnell zurück seid. Oh, Ihr habt Gäste! Soll Ping etwas zu essen machen? Oder soll Ping Getränke servieren?«

»Durst? Hunger?«, wandte sich Harry an seine Begleiter, die beide verneinten. Dann sah er wieder zu seiner Hauselfe. »Für was ist die Milch?«

»Für ein Kätzchen, Sir.«

»Ein... Kätzchen...?«

»Ja, Sir.«

»Was für ein Kätzchen?«

»Vor zehn Minuten war ein kleines Kätzchen vor der Tür und hat miaut. Ping wollte dem Kätzchen etwas Gutes tun und hat sie rein gelassen und wollte ihr Milch bringen.« Ping sah beschämt auf den Boden. »Verzeiht, Harry. Ping hat nicht daran gedacht, dass Ihr etwas dagegen habt.« Sie schniefte herzzerreißend.

»Schon okay«, winkte Harry ab. »Hast du sonst noch jemanden rein gelassen?«

»Nein, Sir.«

»Und woher stammt das Loch in der Tür?«

Ping lehnte sich etwas nach rechts, um an Harrys Beine vorbei gucken zu können und sah die makellose Tür an. »Welches Loch, Sir?«

»Da war vorhin ein Loch! Hast du nicht diesen Krach gehört?«

»Nein, Sir«, schüttelte Ping wild ihren Kopf, sodass die Ohren nur so schlackerten. »Ping ist vorher ein Teller runter gefallen. Ping hat gedacht, dass der Lärm davon kam.«

Harry strich sich seufzend durch sein Haar und ging an Ping vorbei, zu seinem Schlafzimmer. Er musste in Ruhe darüber nachdenken. Und er wollte dabei keinen Dunklen Lord im Nacken haben. Als Harry durch seine offene Tür sein Zimmer betrat, zog er wegen der Unordnung verwirrt seine Augenbrauen zusammen.

»Sie sind ein ziemlich unordentlicher Mensch«, merkte Abraxas an, als er hinter Voldemort in das Zimmer trat.

»Hn«, gab Harry nichtssagend von sich. »Ping! Warst du in meinem Schlafzimmer?«

»Nein, Sir«, beteuerte Ping, die so schnell gekommen war wie sie konnte. Immer noch das Milchschälchen in der Hand. Harry trat an seinen Schrank, der zwar offen war, jedoch anscheinend vorsichtig geöffnet worden war. Langsam war er wirklich mehr als nur verwirrt. Wer hatte so ein Interesse, seine Wohnungstür einzuschlagen und sein Schlafzimmer zu zerwühlen? Sich daran erinnernd, dass er ohne Voldemorts Anwesenheit darüber nachdenken sollte, suchte er in seinem Schrank nach dem Buch.

Tom und Abraxas zogen synchron eine ihrer Augenbrauen hoch, als sie beobachten konnten, wie Harry sich nach einiger Zeit auf die Knie sinken ließ und verzweifelt anfing seine Klamotten über seine Schulter zu schmeißen und sich in den Schrank zu lehnen.

»Verdammt, verdammt verdammt...«, murmelte Harry vor sich hin, während er seinen Schrank abtastete, Klamotten hinter sich ins Zimmer warf und langsam aber sicher wahnsinnig wurde. Konnte ein einzelner Mensch wirklich soviel Pech haben? Als so gut wie alle Kleidungsstücke in seinem Zimmer verteilt lagen, sah Harry schließlich ein, dass ihn sein Glück verlassen hatte. Langsam stand er auf und drehte sich um.

»Es ist weg.«

»Was soll das heißen 'es ist weg'?«, infromierte sich Voldemort mit eisiger Stimme.

»Das Buch ist weg. Ping, wo war diese Katze?«

»Im Wohnzimmer, Sir. Ich bin dann in die Küche, um Milch zu holen. Und jetzt ist sie weg.« Einige Zeit war es still, allerdings hatte Harry das Gefühl, dass die Temperatur sank. Vorsichtig linste er zu Voldemort und bemerkte, dass dieser seine Fäuste geballt hatte.

»Vielleicht war es ein Animagus«, vermutete Abraxas.

»Nein, das ist unmöglich. Auf meiner Wohnungstür liegt ein Zauber, der jeden verwandelten Animagus in seine menschliche Form zurück verwandelt. Ping hätte es gemerkt« schüttelte Harry seinen Kopf.

»Ist das so?«, fragte der Dunkle Lord mit noch eisiger Stimme und kam langsam näher. Der Nymph widerstand aufgrund der gefährlich funkelnden Rubine, zurück zu gehen. Da war sowieso sein Schrank.

»Ja, Lord Voldemort.«

»Und wer garantiert mir, dass das Buch nicht längst in Dumbledores Händen ist und du nur ein Spion bist?« Tom hoffte innerlich inständig, dass das nicht der Fall war. Er mochte Harry, hatte ihn schon gemocht, als er ihm das erste Mal in die smaragdgrünen Augen gesehen hatte. Er wollte den jungen Mann wirklich nicht foltern oder gar töten. Etwas in ihm wehrte sich dagegen, ansonsten hätte er inzwischen jeden erdenklichen schwarzmagischen Fluch angewandt.

»Nichts. Nur mein Wort«, erwiderte Harry und sah in die schlangenähnlichen Seelenspiegel. Oh ja, heute war wirklich nicht sein Tag.

»Das ist nicht sehr viel.«

»Ich weiß.«

Eine lange Zeit schwiegen sie und starrten sich einfach nur an, bis Tom schließlich wieder das Wort erhob. »Warum willst du Todesser werden? Sag mir den Grund, vielleicht glaube ich dir dann.«

»Ich will Sie unterstützen, weil ich ebenfalls möchte, dass die magischen Rassen genauso viel Rechte haben wie die Menschen. Und es scheint mir der einzige Weg zu sein, diese Rechte zu erhalten, indem ich ein Todesser werde. Glauben Sie mir, Lord Voldemort, ich möchte wirklich kein Dunkles Mal auf meinem Unterarm, aber das werde ich in Kauf nehmen. Ebenso, einem anderen Wesen zu dienen, obwohl das nun wirklich nicht sehr erstrebenswert ist und ich es hassen werde. Aber ich denke nun schon seit einem Jahr darüber nach und der einzige Grund, warum ich hier bin, ist, dass ich es satt habe, mein Wesen zu verstecken, zu verheimlichen.«

»Dir ist schon klar, dass die Bemerkung, dass du nicht gerne dienst und es hassen wirst, kein Pluspunkt ist?« Wenn Harry es nicht besser wüsste, würde er sagen, dass Voldie leicht grinste.

»Ich dachte, mit der Wahrheit würde ich am weitesten kommen«, zuckte Harry schief grinsend mit den Schultern.

»Hast du Veritaserum da?«, fragte Voldemort. Harry nickte und lief zu seinem Schreibtisch, wo er eine Schublade raus zog und unter ein paar Tränke eine Phiole mit klarer, durchsichtiger Flüssigkeit fischte. Anscheinend kam jetzt schon der Teil, in dem er unter Drogen aussagen musste. Er hatte ja gewusst, dass er das irgendwann musste, aber doch nicht so bald. Nun, es war sowieso unwichtig. Ein Jahr war er noch immun gegen Veritaserum.

Er hatte vor einem Jahr in einer großen Magierbibliothek, nahe Bulgarien, ein überaus interessantes Buch gefunden, dass Salazar Slytherin persönlich geschrieben hatte. Durch die Hexenverbrennung, die nach dem Abschließen des Buches gekommen war, war es in Vergessenheit geraten und in die Bibliothek abgestellt worden.

Und da das Buch auf Parsel war und Nicht-Parselmünder diese Schrift nicht entschlüsseln konnten, ja gar nicht wussten, dass es überhaupt die Schlangensprache war, war es verstaubt zwischen Büchern der dunklen Künste liegen geblieben. Es war purer Zufall gewesen, dass Harry es gefunden hatte. Tatsächlich war es ihm auf den Kopf gefallen, als er einen Wälzer über Dämonen aus dem Regal gezogen hatte. Er hatte Wochen gebraucht, um zu verstehen, was dort geschrieben war.

Jedenfalls waren in dem Buch Tränke und Zauber gewesen, die es zu seiner Zeit – und sicherlich auch hier – gar nicht mehr gab. Leider hatte er nur einen Trank testen können – denjenigen, der ihn zwei Jahre gegen jegliche Art eines Wahrheitszaubers oder -trankes immun machte –, da schon bald die ganze Etage, in dem sein Hotelzimmer lag, in die Luft gesprengt worden war und das Buch gleich mit. Das hatte ihm gezeigt, dass er am besten keine Bank mehr ausraubte, in der hauptsächlich das Geld von verschiedenen Mafiosi gebunkert war.

Harry wurde durch ein Räuspern aus seinen Erinnerungen gerissen, was ihn verlegen grinsen ließ, ehe er Voldemort das Fläschchen mit dem Veritaserum, das der Mann genau unter die Lupe nahm, daran roch und hin und her schwenkte, überreichte. Schließlich nickte er und deutete auf das Bett, wo Harry sich nieder ließ.

Der schwarzhaarige Junge schluckte das Veritaserum und bemerkte schon nach kurzer Zeit, wie die Wirkung einsetzte. Auch wenn er ohne Probleme lügen konnte, er sah trotzdem so aus, als würde die Droge anschlagen. Selbst seine Stimme würde den perfekten Ton dafür annehmen. Hoch lebe Slytherin!

»Wie ist dein Name?«, fing Tom an.

»Harry Jamie Shorai«, antwortete Harry monoton.

»Bist du ein Spion von irgendjemand? Sei es Dumbledore oder das Ministerium.«

»Nein.«

»Willst du wirklich ein Todesser werden, weil du an den Rechten für magische Wesen interessiert bist?«

»Ja.«

»Warum?«

»Weil ich selbst größtenteils ein magisches Wesen bin.«

»Welches?«

»Ein viertel Waldnymphe, ein viertel Luftnymphe, ein viertel Wassernymphe und ein viertel Mensch.«

»Interessant...«, murmelte Tom. »Wo ist das Buch?«

»Ich weiß es nicht.«

»Weißt du noch etwas, was darin stand?«

»Das erste Mal habe ich nur einen kurzen Blick rein geworfen, weshalb ich nichts mehr davon weiß. Das zweite Mal hab ich gleich nach dem Aufschlagen des Buches Schmerzen und ein Tattoo auf den Rücken bekommen. Seitdem habe ich es im Schrank verstaut.«

»Aus welchem Land kommst du?«, warf Abraxas ein.

»Japan.«

»Hast du Kontakte zu Mitgliedern des Phönixordens oder dem Ministerium?«

»Nein.«

»Wie soll er auch die Mitglieder des Phönixordens kennen, wenn er kein Spion ist?«, fuhr Tom seinen Untergebenen genervt an, welcher, beinahe schon beschämt, schwieg.

»Würdest du dein Leben für den Dunklen Orden geben?«, fragte Voldemort nach kurzem Überlegen.

»Nein. Ich würde mein Leben für meine Ziele, für meine Familie und für meine Freunde geben.«

»Für deine Ziele?«

»Ja.«

»Egal was kommt?«

»Wenn ich fliehen kann, dann werde ich fliehen. Ansonsten, ja.«

»Hmpf... Feigling...«, murmelte Abraxas missmutig und verschränkte grimmig seine Arme. Tom warf ihm einen warnenden Blick zu.

»Das hat nichts mit Feigheit zu tun«, ließ Harrys monotone Stimme Abraxas aufsehen. »Ich sehe es so: Wenn ich fliehe lebe ich länger, um zu kämpfen. Sind meine Chancen aussichtslos, werde ich auch nicht meine Zeit damit verschwenden einen Fluchtweg zu finden und das Beste aus der Situation machen.«

»Würdest du deine Familie oder deine Freunde für deine Ziele zurück lassen?«, erkundigte sich Tom neugierig und zog den Schreibtischstuhl zu sich, auf dem er sich dann nieder ließ.

»Niemals.«

»Vorhin sagtest du, dass du fliehen würdest, egal was kommt.«

»Familie und Freunde sind die Ausnahmen der Regel.«

Der Dunkle Lord nickte nur verstehend und überlegte, was er noch fragen könnte. Am liebsten würde er den Moment ausnützen und sich erkundigen, was Harry von ihm – als Tom – hielt. Aber das wäre dann doch zu offensichtlich.

Harry blinzelte und der glasige Blick verschwand, was Tom erst registrierte, als Abraxas sagte, dass die Wirkung des Wahrheitstranks vorbei war.

»Fein«, sagte der Dunkle Lord, klatschte in seine Hände und stand auf, bevor er den Stuhl dort hinstellte, von wo er ihn hatte. »Da die Loyalitätsfragen vorbei sind und du gut abgeschnitten hast, nehme ich doch einen Tee.« Dabei drehte er sich zu Ping um, die immer noch im Türrahmen stand und bis vor ein paar Sekunden noch unruhig auf der Stelle gezappelt war. Sie warf einen unsicheren Blick zu Harry, der ihr aufmunternd zunickte, bevor sie zu Abraxas sah.

»Wollt Ihr auch einen, Sir?«

»Ja.«

»Ihr auch, Harry?«

»Ja, bitte.« Nachdem Ping in die Küche verschwunden war, drehte sich der Potter wieder zu seinen Gästen um. »Gehen wir ins Wohnzimmer. Ich nehme an, Ihr wollt reden, Lord Voldemort. Dort lässt sich diese Tätigkeit am besten vollziehen.«