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Als Horatio diesmal in Nataljas Krankenzimmer kam, war sie wach, sah sich die Wiederholung einer alten NYPD Blue-Folge an und bürstete ihr langes, schwarzes Haar.
„Lieutenant Caine, schön Sie zu sehen", begrüßte sie ihn.
„Guten Tag."
„Ehe ich es vergesse: Vielen Dank für die Blumen."
„Gefallen sie Ihnen?"
„Ja, sie sind sehr schön. Genau mein Geschmack." Sie grinste und deutete auf einen Stuhl
neben ihrem Bett. „Setzen Sie sich doch." Als Horatio sich hingesetzt hatte, fragte sie:
„Haben Sie noch irgendwelche Fragen an mich? Oder warum sind Sie hier?"
„Abgesehen davon, dass ich gerne wissen wollte, wie es Ihnen geht,…"
„Den Umständen entsprechend gut, danke", unterbrach sie ihn lächelnd.
„Also abgesehen davon", sprach er, leicht aus dem Konzept gebracht, weiter „habe ich
tatsächlich noch eine Frage: Sie kannten Nikolai Kerpov, oder?"
„Diese Frage fällt Ihnen aber früh ein", sagte sie, nur ganz leicht ironisch. „Aber um sie zu beantworten: Ja, ich kannte ihn. Er war mein Onkel, und so etwas wie ein zweiter Vater für mich."
„Mein Beileid."
„Danke. Er ist vor einigen Jahren hierher gezogen. Ich bin unter Anderem nach Miami gekommen, um ihn zu besuchen."
„Haben Sie eine Vermutung, wer ihn umgebracht haben könnte?"
„Sagen wir so: Ich glaube zu wissen, wer den Mord angeordnet hat, aber diesen Namen kann und werde ich Ihnen nicht nennen. Und wer den Mord dann ausgeführt hat…"
„Seien Sie ehrlich: Wie stehen unsere Chancen, Beweise zu finden, mit denen wir den Mörder oder den Auftraggeber überführen können?"
„Denkbar schlecht. Diese Leute pflegen sehr diskret zu arbeiten. Sie können versuchen etwas zu finden, aber…"
„Ich werde es auf jeden Fall versuchen."
„Wie Sie meinen." Natalja legte die Bürste weg und band ihre Haare mit einem lila-schwarz gestreiften Samtband zurück. „War das alles?"
„Noch eines. Aber es ist eine eher persönliche Frage."
„Stellen Sie sie ruhig. Ich muss sie ja nicht beantworten."
„Gibt es einen Grund dafür, dass Sie nur schwarz und lila tragen?"
„Diese Farben erinnern mich jeden Tag an ein Versprechen, dass ich mir selbst gegeben habe."
Horatio war nun zwar nicht schlauer als vorher, doch er wusste genauer denn je, dass Natalja viel mehr war, als das Modepüppchen für das sie vielleicht gern gehalten werden wollte.
Kurz darauf verabschiedete er sich von ihr und machte sich auf den Weg zum CSI-Hauptquartier.
Auf dem Highway gab es einen Stau und Horatio hatte Zeit, dass Gespräch mit Natalja Revue passieren zu lassen. Er fragte sich, warum er sie erst jetzt nach Nikolai Kerpov gefragt hatte.
Nach kurzem Nachdenken musste er sich eingestehen, dass sie ihn bei diesem Ball ganz einfach mit ihrem Charme eingewickelt hatte. Und gerade durch ihre scheinbar naiven Fragen nach dem Mord hatte sie ihn davon abgelenkt.
