Hallo! Und hier kommt der siebte und – momentan – letzte OS. Diesmal waren zwei Themen dran: „Gesundheit" und „Talisman". Für eine größere Herausforderung hat Aqualys keines der beiden Wörter benutzt.


Irma suchte verzweifelt nach einer Lösung. Einer Lösung, die ihre Ehre nicht – zu sehr – verletzen würde.

Einen der Lehrer um Hilfe bitten? Das kam überhaupt nicht in Frage. Sie würden das lustig finden und sie würde Jahre lang darüber hören.

Denn sie musste es sich eingestehen: Sie war nicht mehr ganz jung. Eine Leiter hochzuklettern, um schwere Werke zu holen, war ab einem bestimmten Alter nicht empfehlenswert. Das Ergebnis war, dass sie sich am Rücken weh getan hatte. Sie konnte zwar noch gehen und sitzen, aber den Arm zu heben, um ein Buch zu holen, tat ihr weh, und die Leiter hochzuklettern, ging über ihre Kräfte.

Und sie brauchte eben ein Buch, das ganz oben lag. Natürlich waren die Bücher aus dieser Abteilung mit Magie beladen, so dass es nicht in Frage kam, einen Zauber zu wirken, wenn man nicht unvorhersehbaren Wirkungen gegenüberstehen wollte.

Sie konnte ja ihren Mann oder ihre Kinder um Hilfe bitten, aber sie waren sehr beschützend. Wenn sie wüssten, dass sie sich den Rücken verrenkt hatte, würden sie ihr sagen, sie müsste zum Krankenflügel. Und das konnte sie sich nicht leisten.

Als sie Poppy letztes Mal wegen eines ähnlichen Problems besucht hatte, hatte ihr die Krankenschwester verboten, eine Leiter hochzuklettern. Wenn sie erfahren würde, dass Irma ihren Empfehlungen nicht zugehört hatte, würde sie so handeln, dass die Bibliothekarin es nie mehr tun könnte. Vielleicht, indem sie die Leiter wegzaubern oder verhexen würde? Wie auch immer würde das Irmas Arbeit sehr stören. Und das wollte sie nicht.

Es war Zeit für Irma, einen Auszubildenden zu nehmen. Die Ausbildung dauerte Jahre lang, und dann könnten sie zu zweit arbeiten, bis Irma die Entscheidung traf, in den Ruhestand zu gehen. Aber zumindest hätte sie jemanden, der ihr helfen konnte. Und unter anderem die Leiter hochklettern könnte.

Aber zur Zeit hatte sie keinen Auszubildenden. Nicht mal einen Schüler zur Hand, um ihn um diesen Gefallen zu bitten. Sie würde eine andere Lösung finden müssen.

Wer hatte noch mal die Idee gehabt, so hohe Regale zu bauen? Rowena? Oder vielleicht Ysabel, die erste Bibliothekarin? Jedenfalls ein junger Mensch, der die Schwierigkeiten der Älteren nicht in Betracht gezogen hatte. Es sei denn, es wäre ein ausgeklügelter Plan, um die alternden Bibliothekare zu zwingen, einen Nachfolger auszubilden? Das war ja im Grunde genommen egal.

Irma beobachtete, wie das Buch, das sie wollte, sie von seinem Regal ganz oben herausforderte, als sich jemand hinter ihr räusperte, was sie hochschrecken ließ.

„Mrs Scamander! Ich habe Ihre Eule bekommen, aber ich erwartete Sie nicht vor heute Nachmittag."

„Es tut mir Leid, ich hatte es so eilig, mit meinen Recherchen anzufangen! Ich vermisse Hogwarts, wissen Sie, und die Bibliothek ganz besonders."

„Es freut mich zu hören, dass Sie den richtigen Wert der Bücher zu schätzen wissen. Ich habe manche Ihrer Artikel über Naturwissenschaften gelesen, Sie werden eine große Forscherin werden, davon bin ich überzeugt!"

„Danke, Madam."

„Wenn ich Ihnen irgendwie helfen darf, zögern Sie nicht zu fragen."

„Das sollte ich eher Ihnen sagen."

„Wie bitte?"

„Ich habe gesehen, dass Sie zu diesem Buch da oben blickten. Möchten Sie, dass ich es für Sie hole?"

„Nun... hm... Ja, bitte. Ich habe mir am Rücken weh getan."

Luna verkniff sich ein Lächeln bei Irmas reuevollem Ausdruck und kletterte die Leiter hoch, um das von der Bibliothekarin erwünschte Buch zu holen. Dann sagte sie zu Irmas großer Überraschung, dass sie etwas zu Hause vergessen hatte, und sie ging eilig wieder hinaus.

Als sie zurückkehrte, hatte sie eine Schnur in der Hand, an der ein Anhänger aus einem schwarzen Stein hin- und herschaukelte.

„Das ist ein Magneteisenstein, ein Stein, den die Muggel benutzen, um Schmerzen zu lindern. Tragen Sie ihn als Anhänger und Sie werden sehen, dass es Ihrem Rücken besser gehen wird."

Irma dankte Luna herzlich und hängte das Halsband um ihren Nacken. Sie verbrachten einen sehr angenehmen Tag, bei dem sie über das neuere Studienthema der jungen Frau recherchierten und über dies und jenes redeten.

Irma wusste nicht, ob es wegen des Steins oder wegen Mrs Scamanders ansteckender guter Laune war, aber als sie an jenem Abend nach Hause zurückkehrte, merkte sie tatsächlich, dass ihr ihr Rücken nicht mehr weh tat.