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Kapitel 7
Irgendwo in den Everglades
Die Zeit verging langsam, während sie darauf warteten, dass etwas passierte.
Horatio hatte die Schraube in der Hand mit der Schlinge, so dass sie niemand sehen konnte. Er wollte bereit sein, wenn es soweit war.
Geduld war nicht grade einer seiner Stärken, jedenfalls, wenn er untätig rum sass und nichts anderes tun konnte als zu warten. Aber so konnte Eric zumindest noch ein wenig Kraft sammeln
Als die Tür schliesslich geöffnet wurde, wünschte er sich allerdings, das Warten hätte noch ein wenig länger gedauert.
Mit der Waffe in der Hand bedeutete Jake ihnen aufzustehen und zur Tür zu gehen.
Sam packte Horatio am Arm und drängte ihn wieder ins Wohnzimmer, wo er wie beim letzten Mal mit dem gesunden Arm an den Stuhl gefesselt wurde.
Dann brachte Jake Eric herein und fesselte ihn ebenfalls.
Horatio sah, wie sein Blick wieder an der Anrichte hängen blieb. Der Schürharken fehlte, dafür lag eine Reitgerte da.
„Und, habt ihr es euch überlegt?" fragte Sam die beiden Gefangenen.
Als die beiden den Kopf schüttelten, griff er ohne zu zögern nach der Gerte.
Horatio schauderte bei dem Geräusch, das entstand, als die Reitgerte die nackte Brust seines Freundes traf.
Er sah, wie Eric fest die Zähne zusammenpresste und seinen Peiniger mit stoischem Blick ansah, während dieser immer wieder zuschlug.
In seinem Inneren brodelte es. Diese Bastarde waren Polizisten, die geschworen hatten den Menschen zu helfen und dem Gesetz zu dienen. Ihm fielen jede Menge Dinge ein, die er mit ihnen selber gerne tun würde.
Erics Brust sah beinahe genauso schlimm aus, wie der Rücken, als Sam aufhörte und ihn angrinste.
„Na, wie sieht es aus, Delko?" fragte er mit einem Grinsen. „Immer noch so sicher?"
„Fuck you!" kam die Antwort aus zusammengebissenen Zähnen und Warren's Gesicht wurde hart.
Er warf Jake einen Blick zu, der nickte und aus dem Raum ging.
„Nicht nett, so etwas zu sagen, Delko," meinte Sam. „Das kann ich unmöglich so stehen lassen,hm?! Ich glaube, wir sollten noch ein wenig mehr Spaß haben!"
Erics Augen weiteten sich, als Jake zurückkam und sich vor ihn stellte. Der Mann hatte den Schürharken in der Hand. Die Spitze glühte rot.
„Wir haben in der Küche einen tollen Holzkohleofen," erklärte Jake mit einem Grinsen. „Dieses Teil hier," er hielt den Schürhaken hoch, „war die ganze Nacht dort drin."
Als er näher kam, versuchte Eric verzweifelt zurückzuweichen, aber das Seil, mit dem seine Hände über dem Kopf gefesselt waren, war nicht sehr lang und gab ihm nicht viel Spielraum. Er atmete heftig, das Gesicht voller Furcht, als Jake mit dem glühenden Haken näher kam und ihn dann mit der flachen Seite auf seinen Oberarm presste.
Erics Schreie hallten durch die Hütte und Horatio zerrte wütend an seinen Fesseln.
Mit Horror sah er, wie der jüngere Mann zusammen sackte.
Sie hatten mit allem Möglichen gerechnet, aber nicht mit so etwas. Wie es aussah, war Eric nun tatsächlich bewusstlos, und damit war ihre Chance vertan.
Er fluchte innerlich und hätte Jake und Sam am liebsten erwürgt.
Nach außen hin war sein Gesicht jedoch emotionslos, als Sam zu ihm kam, seinen Arm befreite und meinte: „Dann müssen wir die nächste Runde wohl ein wenig verschieben!" Wenig später stand er und beobachtete, wie Jake den Schürhaken zur Seite legte und Erics Fesseln löste.
Eric sank zu Boden und rührte sich nicht. Jake kniete sich neben ihn, sah zu Sam und zuckte mit den Schultern: „Ausgenockt!" war alles, was er sagte.
Als er sich wieder zurückdrehte traf ihn eine Faust hart am Kinn.
Horatio war fast ebenso überrascht wie die beiden Entführer und beobachtete einen Moment fasziniert, wie Eric die Beine anwinkelte und Jake dann mit beiden Füßen gegen die Brust trat. Der Mann taumelte zurück und gab Eric genug Zeit, sich halb aufzurichten und Richtung Schürhaken zu robben.
Als Jake sich wieder aufrichtete hatte Eric den Haken gefasst.
Horatio schüttelte leicht den Kopf und versuchte sich von seiner Überraschung zu erholen. Er sah zu Sam Warren, der neben ihn stand und noch nicht zu begreifen schien, was er sah. Er hatte Horatio los gelassen und schien sprachlos. Aber jeden Augenblick würde er wieder zur Besinnung kommen.
Horatio nahm die Schraube mit der gesunden Hand und ehe Warren reagieren konnte rammte er sie dem Mann ins Gesicht.
Kampfgeräusche… Stöhnen… Schreie…, dann… Stille… und nur noch leises, keuchendes Atmen.
Eric versuchte verzweifelt bei Bewusstsein zu bleiben.
Er war sich nicht ganz sicher, was genau passiert war. Seine Augen brannten vor Tränen und er blinzelte. Während des Kampfes hatte er kaum etwas gesehen. Überlebenswille und Instinkt hatten ihn geleitet.
Der Überraschungseffekt hatte sie gerettet.
Nachdem der glühende Schürhaken seinen Arm berührt und rasenden Schmerz verursacht hatte, hatte er für einen Moment beinahe das Bewusstsein verloren. Er wusste nicht, wie er es geschafft hatte, nicht in die Dunkelheit zu sinken. Er hatte hart gekämpft, die Augen geschlossen, und sein einziger Gedanke war: Wir müssen fliehen!
Ihm war schwindelig und er bekam nicht mehr genau zusammen, was er getan hatte. Aber irgendwie hatte er den Schürhaken in die Hände bekommen und damit auf Jake eingeschlagen.
Der Mann hatte getreten, mit ihm gerungen, aber irgendwie hatte er es geschafft, die Waffe in den Bauch des Mannes zu stossen.
Dann war er zusammengebrochen und kämpfte erneut gegen die Dunkelheit.
Alles schmerzte und er war unendlich müde.
„Eric?"
Horatios Stimme riss ihn aus seiner Lethargie und er versuchte wieder die Augen zu öffnen.
„H.?" krächzte er.
„Ich bin hier, Eric!" Die Stimme kam näher und endlich gelang es ihm die Augen zu öffnen. Noch leicht verschwommen sah er den älteren Mann neben ihm knien.
„Alles in… Ordnung?" Seine Stimme klang wie ein Reibeisen. Horatio lachte leicht.
„Dass du das fragst…" antwortete er. „Ja, keine schlimmeren Verletzungen. Was ist mit dir? Kannst du aufstehen? Wir sollten wirklich zusehen, dass wir hier irgendwie weg kommen. Jake und Sam sind bewusstlos. Die haben bestimmt ein Auto hier!"
Mühsam versuchte Eric sich auf zu setzen. Er atmete tief durch, sein Blick wurde merklich klarer. Die Benommenheit verschwand ein wenig bei dem Gedanken, dass sie nun eine Chance hatten zu fliehen.
Mit Horatios Hilfe stand er langsam auf.
„Okay?" fragte dieser. Eric nickte.
„Gut, dann lass uns die Hütte ein wenig durchsuchen. Wir sollten ein paar Dinge mitnehmen, wer weiss wohin es uns verschlägt."
Mit diesen Worten ging Horatio zur Anrichte, wo Jake die Waffe hingelegt hatte, nachdem die Gefangenen gefesselt gewesen waren. Er kontrollierte sie und steckte sie in seinen Hosenbund.
Da der Wohnraum nicht viel enthielt gingen sie durch den Flur, um den Rest der Hütte zu durchsuchen.
Außer den beiden Räumen, in denen sie gefangen gehalten worden waren, und dem Wohnzimmer gab es nur noch einen Raum. Die Küche und Essecke waren durch eine Theke abgetrennt. Außerdem ging es von diesem Raum nach draußen.
Auf der Bank neben dem Esstisch lag ein Rucksack.
Eric leerte ihn auf dem Tisch aus, während Horatio die Küchenschränke öffnete.
Sie fanden Sam's Waffe auf der Theke und Eric steckte sie ein.
Einige Minuten später hatten sie alles, was ihnen nützlich erschien in den Rucksack gepackt: zwei Flaschen Wasser und einige Sandwiches, die im Kühlschrank gelegen hatten, einen kleinen Verbandskasten, eine Taschenlampe und Batterien, zwei Feuerzeuge, eine Decke und ein Taschenmesser.
Eric ergriff die Autoschlüssel und sie machten sich auf den Weg zur Tür.
Der weiße Lieferwagen, mit dem sie hergebracht worden waren, stand etwa 100 Meter entfernt, wo die unbefestigte Strasse endete. Zur Hütte führte nur ein schmaler Weg.
Die Gegend um die Hütte war sumpfig, aber zwischendrin schien es immer wieder festen Grund zu geben.
Auf der einen Seite der Strasse war Wald, der sich weit Richtung Norden erstreckte. Die Hütte war halb davon umschlossen. In die andere Richtung erstreckte sich das Sumpfgebiet. Da das Gebiet etwas hügelig war, konnte man nicht weit sehen.
Horatio und Eric blieben einen Moment vor der Tür stehen und sahen sich die Gegend an.
Eric überlegte angestrengt, in welchem Teil der Everglades sie sein könnten.
Das Gebiet hatte ihn schon immer fasziniert und er war schon als Junge ab und zu hier gewesen – oft zusammen mit seinem Vater und manchmal auch Marisol. Meistens waren sie in den Gebieten gewesen, in denen es Beobachtungsstände gab und hatten dort Stunden verbracht um die Tiere zu beobachten.
Aber von dieser Hütte aus sah man nicht viel und es war unmöglich zu sagen, wo sie waren.
„Es scheint nur die eine Straße zu geben," sagte Horatio.
„Ja, und wenn Stetler zurück kommt, dann haben wir ein Problem. Auf dem Weg kann man kaum ausweichen und es ist eine Sackgasse."
„Aber inzwischen sind wir auch bewaffnet, also müssen wir es versuchen."
Eric nickte und sie begangen den Weg zur Strasse entlang zu laufen, als sie Motorengeräusch hörten.
„Mist!" schimpfte Eric.
Schnell gingen sie zurück und um die Hütte herum, um den Weg zu beobachten. Jetzt mussten sie Stetler erst überwältigen.
Es war ein Hummer, der die Strasse entlangkam und hinter dem Lieferwagen hielt.
Horatio fluchte leise, als er sah, dass drei Männer in dem Wagen saßen. Warum mussten ausgerechnet jetzt noch zwei weitere hier auftauchen? Nun mussten sie ihre Möglichkeiten blitzschnell überdenken.
„Warten wir, bis sie in der Hütte sind und nehmen dann den Wagen?" fragte er Eric.
Dieser schüttelte nach einem Moment den Kopf.
„Und wenn sie die Schlüssel nicht stecken lassen? Mit dem Lieferwagen kommen wir niemals am Hummer vorbei!"
„Aber sobald sie in der Hütte sind, werden sie merken, dass etwas nicht stimmt, und dann haben wir sie alle am Hals!"
„Ich denke, wir haben grade nur zwei Möglichkeiten, H." meinte Eric leise. „Wir können die Mistkerle jetzt gleich von hier aus erschiessen um mit dem Wagen zu flüchten, oder wir beeilen uns fliehen in die Wälder."
Sie sahen sich an und wussten beide, dass die erste Möglichkeit keine wirkliche Option war. Schüsse zu erwidern oder aus dem Hinterhalt drauf los zu schiessen war etwas gänzlich anderes. Außerdem müssten sie erst einmal näher ran kommen, da die Reichweite der Waffen nicht so groß war.
Während sie überlegten stiegen die drei Männer bereits aus.
„Mistkerle," fluchte Horatio, als sie sie erkennen konnten. Außer Stetler waren es noch zwei weitere Männer, die sie kannten: John Hagen (AN: Ich weiss, in dieser Zeitlinie ist er schon tot, aber ich brauchte noch jemanden, und da ich ihn nicht leiden kann…) und Dan Cooper.
Das ‚sichere Haus' in Miami
Es war bereits nach Mittag, als sich die Ermittler - außer Clark und Sarah, die noch immer Warren's Wohnung beobachteten - sich wieder trafen.
Sie versammelten sich im Wohnraum, wo die Computer standen.
Marisol hatte Getränke und Sandwiches vorbereitet und auf einem der Tische gestellt.
Dankbar bedienten sich die vier Ermittler.
„Haben Sie das Bild hinbekommen?" fragte Collin die junge Frau.
Marisol nickte. „Ich lasse es durch die Datenbank laufen, so wie Aaron es mir gezeigt hat. Aber vielleicht erkennt ja einer von Ihnen ihn?" fragte sie und zeigte auf den Monitor.
Sie versammelten sich um den Computer und Calleigh's Augen weiteten sich, als sie das Bild sah.
„Das kann nicht war sein!" fluchte sie leise und rieb sich mit den Händen über die Augen.
„Kennen Sie ihn, Calleigh?" fragte Collin.
„Allerdings," antwortete sie leise und schüttelte nochmal ungläubig den Kopf.
„Cal?" fragte Ryan beunruhigt.
„Entschuldigung!" sie riss ihre Augen von dem Bild los und sah ihren Kollegen und Freund an.
„Das ist Jake Berkley," erklärte sie. „Wir waren mal zusammen…"
„Oh!" ertönte es von Aaron.
„Genau, oh!" erwiderte Calleigh seufzend. „Das war noch im Collegge. Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen. Er hat ziemlich viel Undercover gearbeitet. Seit ein paar Monaten arbeitet er für das MDPD, aber wir sind uns noch nicht wieder persönlich begegnet."
„Tut mir leid, Cal!" sagte Ryan und legte ihr kurz eine Hand auf die Schulter.
Sie zuckte mit den Schultern.
„In Ordnung, Leute," brachte Collin die Gedanken wieder in die Gegenwart. „Also haben wir einen zweiten Cop identifiziert. Die Frage ist, ob uns einer von denen zu Caine und Delko führt. Haben die Lieferwagen etwas gebracht?"
„Wir haben unsere vier überprüft," sagte Aaron. „Und konnten nichts auffälliges entdecken. Alle standen bei den jeweiligen Besitzern vor den Türen oder auf der Arbeit. Und keiner von denen war Polizist. Wir haben vorsichtshalber Fotos von den Leuten gemacht. Die können wir durch das System jagen und sehen, ob sie mit einem Polizisten übereinstimmen."
„Gute Idee," meinte Collin. „Wir haben drei überprüft – dort schien auch alles in Ordnung zu sein. Bei dem vierten haben wir niemanden erreichen können. Der Wagen ist gemeldet auf einen Jason Haggat. Vielleicht kannst du ihn überprüfen, ob seine Daten gefaked sind, wie die der anderen, Aaron."
„Okay, kann ich tun," antwortete der Mann und setzte sich an den Computer.
Während er arbeitete setzte sich Calleigh sich auf einen Stuhl und seufzte.
„Ich habe das Gefühl, das sind alles nur lose Enden," meinte sie frustirert zu den anderen. „Was bringt uns das, wenn wir eine weitere gefakte Identität kennen? Wir können sie nicht einfach einem Polizisten zuordnen. Und es bringt uns rein gar nichts, um Horatio und Eric zu finden!"
„Sie hat Recht," stimmte Ryan ihr zu. „Alles was wir machen können, ist Warren's Adresse zu überwachen.
„Und jetzt auch Berkley's," fügte Collin hinzu. „Das sollten wir auf jeden Fall bald tun.
Außerdem muss jemand Sarah und Clark ablösen oder sie zumindest mit Nahrungsmitteln versorgen."
„Wir sind viel zu wenig Leute für zwei volle Überwachungen," meinte Ryan.
„Auf jeden Fall über eine längere Zeit," stimmte Calleigh zu.
„Wie nah sind denn die beiden Adressen zusammen?" fragte Collin.
Ryan sah sich die Unterlagen an. „Nicht weit, etwas eineinhalb Kilometer."
„Okay. Dann würde ich sagen wir überwachen die Wohnungen einzeln. Sobald bei einer Adresse irgend etwas passiert, wird sofort angerufen und Verstärkung angefordert."
„Das ist aber nicht nach Vorschrift!" stellte Aaron fest.
„Sicher nicht," antwortete Collin grimmig. „Aber das ist ja auch keine normale Ermittlung! Wir müssen auf jeden Fall Pausen einplanen und zwischendurch schlafen und wir haben nicht einmal genug Leute für zwei Zweierteams. Also machen wir es alleine und zwei von uns bleiben immer in Bereitschaft."
