Alles gehört J. K. Rowling oder youcantseeus

Kapitel 7

Ein denkwürdiges Quidditchspiel

Als Harry am nächsten Morgen erwachte, fühlte er den bekannten Knoten im Magen, den er immer vor den Quidditchspielen spürte. Harry lächelte, irgendwie war es beruhigend, dass er immer noch diese Mischung aus Nervosität und Aufregung fühlen konnte. Dass er immer noch emotional auf Quidditch reagierte.

Harry ging hinunter und fand Ron in der Großen Halle, mit einem Gesichtsausdruck, der – wie Harry wusste – seinen eigenen widerspiegeln musste. Harry war dankbar, dass sein Freund nicht länger unter der lähmenden Aufregung wie letztes Jahr litt, welche Rons Fähigkeiten als Hüter ernsthaft behindert hatte. Stattdessen lächelte Ron Harry an.

„Bereit heute den Schnatz zu fangen, Harry", fragte er laut und lächelte noch mehr.

Harry grinste seinen Freund an, es war gut zu wissen, dass Ron immer noch Vertrauen zu ihm hatte, oder wenigstens in der Öffentlichkeit so tat als ob. „Das weißt du doch", sagte Harry, absichtlich großspurig. „Du musst nur diese Quaffel aufhalten!" Ron riss ein Stück Schinken ab und warf es nach Harry, sein Ziel verschwand jedoch, der Schinken flog über Harrys Kopf und traf Hermine, die gerade hinter ihnen auftauchte, genau an der Wange und blieb dort kleben. Hermine kratzte das beleidigende Stück aus ihrem Gesicht, mit einem Ausdruck höchsten Widerwillens und starrte Ron an.

„Ehrlich ihr beiden", meinte sie schnippisch und setzte sich neben Harry, „wie alt seid ihr?"

Harry sah rüber zu Ron um den üblichen Blick von Verärgerung auszutauschen, wenn Hermine mal wieder die Mutter spielte, doch er sah, dass der Rotschopf glühend errötete. „Hm, ich denke wir sind nur nervös wegen Quidditch heute", Harry dachte sich rasch eine Ausrede für ihr Verhalten aus, nachdem er Ron angesehen hatte.

„Rückkehr zur Kindheit?"

„Das würde ich nicht sagen ...", sagte Harry, doch ein Blick zu Hermine sagte ihm, dass sie Spaß machte, was sehr selten für sie war. „Oh. Lustig."

„Jedenfalls, ein wenig Nervosität ist gut, doch es sollte nicht euer Verhalten beeinflussen. Ihr werdet enden als ..."

Oh, bitte, bring sie irgendwer zum Schweigen", dachte Harry verzweifelt, Hermines Lektionen wurden immer schlimmer für ihn.

Gerade in dem Moment erblickte er Caydon und Lydia, die vorbeigingen. „Hallo Caydon, hallo ... Lydia", sagte Harry und winkte ihnen verzweifelt zu. Ron sah ihn seltsam an und Caydon hob eine Augenbraue, doch der Junge kam herüber.

„Hi Harry", sagte er, „viel Glück heute."

„Ja, jeder sagt, dass du immer die Gryffindorspiele gewinnst", setzte Lydia hinzu. „Ich habe für Caydon und mich diese Schals gemacht, die wir immer an den Tagen der Quidditchspiele tragen."

Harry nahm sich tatsächlich einen Moment Zeit, um zu sehen, was die Kinder trugen und bemerkte, dass sie in der Tat, scheußlich gestrickte rot und goldene Schals trugen. Er vermutete, dass sie Lydias erster Versuch im Stricken waren. Wenigstens passte der Schal dem Mädchen gut, Harry vermutete sehr stark, dass wenn Caydons Schal nicht zu viele Male um ihn herum gewickelt wäre, er auf dem Boden geschleift hätte. Caydon lächelte halb, als wüsste er zwar, was für ein amüsantes Bild sie abgaben, doch als kümmere es ihn nicht im geringsten.

„Uh, ja. Sie sind hübsch Lydia", schaffte es Harry zu sagen.

„Sehr nett", kommentierte Hermine freundlich.

„Vielen Dank!", strahlte Lydia. „Wir gehen jetzt." Sie nahm ein Ende von Caydons Schal, als sei es eine Leine und zog ihn hinter sich her. Harry fragte sich, wie lange Caydon gehen konnte, bis er über die ausgefransten Enden stolperte und aufs Gesicht fiel, der Junge konnte kaum aus der Halle gehen, ohne über seine Roben zu stolpern. Harry lächelte und wandte sich wieder seinem Frühstück zu.

„Ist das nicht Snapes Kind?", fragte Ron mit einem seltsamen Gesichtsausdruck.

„Uh, ja", meinte Harry abwesend.

„Und sind wir jetzt seine Kumpel?", fragte Ron, irgendwie sarkastisch.

„Ron!", Hermines Stimme klang warnend.

„Nun, ich meine ... kommt schon. Es ist nicht nur, dass es Snapes Sohn ist ... das Kind ist seltsam!"

„Er ist nicht seltsam", sagte Harry mit etwas mehr Gift, als er beabsichtigt hatte. Warum sollte er sich wegen Caydon so aufregen? Ron war sein bester Freund und was er sagte, war nicht wirklich böse – um die Wahrheit zu sagen, Caydon war irgendwie seltsam. Es war, als sei er gleichzeitig älter und jünger als die anderen Kinder in seinem Alter. Doch so wie es Ron formulierte, klang es nach einer schrecklichen Beleidigung.

„Doch ist er", gab Ron zurück. „Er sagt wirklich merkwürdige Sachen und immer starrt er."

„Er starrt?"

„Ja manche Leute haben ein Starr-Problem. Wenn sie dich immer sehr intensiv anschauen."

„Ugh."

„Ganz genau. Und Snapes Kind hat definitiv ein Starr-Problem."

„Nun, vielleicht. Aber er ist immer noch ziemlich cool. Was soll's? Angst, dass er dich als meinen neuen besten Freund ersetzte?", spöttelte Harry.

Ron verdrehte seine Augen. „Oh ja. Zu Tode verängstigt."

Als Harry hinaus auf das Quidditchfeld flog, begann er zu wünschen, dass er öfter beim Training aufgetaucht wäre. Er fühlte sich nicht im Rhythmus mit seinem Team und er hätte schwören können, dass selbst sein Feuerblitz langsamer war. Er blickte zu Cho Chang vor ihm und Cho grinste ihn an.

Autsch, schätze, dass war der Ex-Freundin Blick", überlegte Harry.

Einen Moment später wurde der Schnatz rausgelassen und Harry sah zu, wie er ein wenig um seinen Kopf schwirrte, bevor er verschwand. Harry fand es frustrierend, wie der Schnatz vor einem Spiel um die Sucher flog, als wolle er sie ärgern und dann schnell außer Sicht verschwand.

Das Spiel begann und Harry spürte die bekannte Aufregung, die ihn immer beim Spielen vor der ganzen Schule begleitete. Bald jedoch wurde sie ersetzt durch die Konzentration auf das Spiel allein und den kleinen goldenen Ball, den er fangen sollte. Selbst die Stimme des neuen Kommentators (ein Mädchen aus Hufflepuff, das Harry nicht kannte) verschwand im Hintergrund.

Das Spiel war hervorragend, Ravenclaw konnte nicht ein Tor machen und Gryffindor hatte bald dreißig Punkte. Gemächlich flog Harry herum und suchte nach dem Schnatz. Ron machte einen besonders guten Fang und Harry zeigte seinem Freund Daumen hoch. Genau in dem Moment sah er ihn – den Schnatz, der geradewegs unter Rons Füßen herumschwirrte. Harry machte einen Sturzflug, doch Cho sah ihn und war sehr viel näher dran. Harry verfluchte sich, dass er ihn nicht eher bemerkt hatte. Er beugte sich weiter auf seinem Besen vor, streckte die Hand aus, griff nach ihm und schloss seine Finger um – Luft. Cho hatte den Schnatz gefangen.

Harry war leicht benommen, als er landete. Er hatte noch nie wirklich zuvor verloren. Sicher, es gab einige Male, die er verlor, weil ihm seltsame Dinge zustießen – wie im dritten Jahr mit den Dementoren – aber er hatte noch nie einfach verloren. Er beobachtete, wie die Ravenclaw Mannschaft um ihn herum in Jubel ausbrach, doch er hielt es nicht lange aus und verschwand im Umkleideraum.

Harry riss die Tür auf, warf seinen Besen durch den Raum und trat frustriert gegen eine der Bänke.

„Immer langsam, Champ", erklang eine Stimme hinter ihm, „ich würde meinen, dass man mehr Respekt vor einem Feuerblitz hat."

„Warum hältst du nicht einfach die Klappe, Ron?", schrie Harry.

„Wir hätten wirklich auch gewinnen können", Katie Bell trat ein und redete dabei mit Ginny. Sie erblickten Harry und hörten abrupt auf zu sprechen. „Oh, hi Harry", sagte Katie schuldbewusst, „hab dich gar nicht gesehen."

„Mann, einmal verpatzt man es und schon hat man alle Freunde gegen sich", sagte Harry laut.

Katie errötete. „Entschuldige Harry."

„Entschuldige dich nicht bei ihm", wütete Ron. „Du hast recht. Wir hätten gewinnen sollen. Wenn der-Junge-Der-Lebt hier, sich nicht zu gut gewesen wäre zum Training zu erscheinen, hätten wir gewonnen.

Harry war danach Ron zu schlagen. Er stellte es sich sogar vor – wie seine Faust mit Rons sommersprossiger Nase kollidierte. Stattdessen atmete er tief durch.

„Nächstes Mal werde ich zum Training erscheinen, okay? Aber kein Sucher, egal wie gut er ist, fängt jedes Mal den Schnatz. Dazu braucht man auch ein gewisses Maß an Glück, wisst ihr", Harry wusste tief in seinem Herzen, dass er besser gewesen wäre, wenn er beim Training erschienen wäre, doch er hatte nicht vor das zuzugeben.

Ron grinste ihn bloß an. „Oh nein, das könnte ja nicht dein Fehler sein, oder?"

„Hör auf so zu reden!"

„Wie denn?"

„Als sei ich ein aufgeblasener Idiot!"

„Dann hör auf, dich wie einer zu benehmen."

Harry warf seinem Freund einen vernichtenden Blick zu. „Ich kann mich erinnern, dass du letztes Jahr einige Spiele vermasselt hast."

Rons Gesicht wurde leuchtend rot. „Weißt du, wir wären heute besser dran gewesen mit Ginny als Sucher."

Harry starrte Ginny an. „Hey, ich hab das nicht gesagt!", verteidigte sie sich rasch.

„Nun, ihr könnt von jetzt an ‚besser dran sein' mit ihr, weil ich zurücktrete!" Er stürmte aus der Tür und ignorierte das Aufheulen seines Teams.

„Du kannst nicht einfach zurücktreten", Ron folgte ihm, „das Team braucht dich."

„Komisch, ich dachte ich hätte dich sagen hören, dass ihr besser dran wärt ohne mich."

„Du bist so ein egoistischer Bastard!", rief Ron hinter ihm her.

Harry ging zurück ins Schloss, warf sich in den ersten leeren Klassenraum, den er finden konnte und amüsierte sich einige Zeit damit, sich selbst zu ritzen mit einem Stück Glas von einer Schüssel, die er gefunden und kaputt geschmissen hatte. Nach ein paar Minuten jedoch entschied er, dass er besser gehen und McGonagall sagen sollte, dass er das Quidditchteam verließ – eine entmutigende Aufgabe – bevor sie es von jemand anderem aufschnappte. Er murmelte einen exzellenten Reinigungszauber, den er sich selbst für solche Zwecke beigebracht hatte. Als er sah, dass das Bluten größtenteils aufgehört hatte, richtete er die Schüssel mit einem Reparo und ging hinaus.

Harry ging zu Professor McGonagalls Büro und klopfte mutig an die Tür. Er glaubte nicht, dass es wahrscheinlich war, sie nach einem Quidditchspiel in ihrem Büro zu treffen, doch es war einen Versuch wert. Er stolperte beinahe rückwärts, als Snape die Tür öffnete.

Snape machte ein Geräusch, dass verdächtig nach einem „ihh" klang. „Es ist Potter", verkündete er widerwillig und öffnete die Tür ganz um Harry herein zu lassen.

Harry trat ein und sah, dass McGonagall an ihrem Schreibtisch saß und ihn relativ kühl musterte. Er erinnerte sich selbst daran, dass er gerade ein Spiel für Gryffindor vermasselt hatte. Snape ließ sich auf einem der Stühle vor dem Schreibtisch nieder.

„Kann ich Ihnen helfen Mr. Potter?", fragte McGonagall.

„Hm, ja", stotterte Harry, „ich wollte mit Ihnen reden."

„Nur zu."

„Ich wollte irgendwie ... allein mit Ihnen reden."

„Professor Snape und ich waren mitten in einer Diskussion über wichtige Schulangelegenheiten"; sagte sie, und warf einen leicht zornigen Blick in Snapes Richtung. Harry fragte sich, ob diese „Schulangelegenheiten" in Wirklichkeit „Ordensangelegenheiten" waren. Er wusste, dass McGonagall und Snape so gut wie nur einigermaßen möglich miteinander auskamen, doch die Tatsache, dass Gryffindor gerade ein Quidditchspiel verloren hatte, musste die Dinge zwischen ihnen verschärfen. Sie waren unglaublich streitlustig über Hauspunkte und besonders Quidditch, obwohl Harry keine Ahnung hatte wieso – er glaubte nicht, dass auch nur einer von ihnen wirklich das Spiel mochte und er hatte den deutlichen Eindruck, dass Snape es verachtete. „Wenn Sie nicht vor ihm sprechen können, über was auch immer, dann werden Sie einfach später zurückkommen müssen", fuhr seine Lehrerin fort.

„Gut", schnappte Harry, auf einmal ärgerlich auf sie. „Ich wollte Ihnen bloß mitteilen, dass ich das Quidditchteam verlasse, Professor."

„Geh raus, Severus", sagte sie, doch Snape bewegte sich keinen Millimeter.

Jetzt kann er genauso gut bleiben", sagte Harry.

Doch sie schien Snapes Anwesenheit ohnehin vergessen zu haben. „Sie werden das Team nicht verlassen, Potter", sagte sie. „Wir habe ohne Sie keine Chance zu gewinnen."

„Heute habe ich das nicht gerade gezeigt", bemerkte er, „und Ginny ist ein wirklich guter Sucher."

„Aber nicht so gut wie Sie. Nein Sie werden nicht gehen."

„Doch werde ich. Sie können mich nicht zwingen."

„Reden Sie nicht in diesem Ton mit mir, Potter", warnte sie. „Ich habe Ihnen eine Menge Gefallen getan."

„Was und jetzt fordern Sie das ein? Was ist das hier? Die Mafia?"

McGonagall hob ihre Augenbrauen und Harry war sicher, dass sie nicht wusste, was die „Mafia" war, wenn er darüber nachdachte, wusste er es eigentlich auch nicht so genau.

Dann sprach Snape das erste Mal, seitdem Harry den Raum betreten hatte. „Nun ich wusste gar nicht, dass Gryffindor so ... zwingend in seiner Teamauswahl ist", sagte er glatt, mit leichter Betonung auf dem Wort „zwingend".

„Ich dachte, ich hätte dich gebeten zu gehen, Severus", sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen.

„Du hast nicht gebeten, Minerva, du hast befohlen. Du warst durchaus bereit die privatesten Sorgen eines Schülers vor mir zu diskutieren, aber nicht eine Gefahr, die deinem geschätzten Team droht. Aber ich werde gehen und draußen warten, wie ein Erstklässler, bis du und Potter diese all so wichtige Diskussion beendet habt", und damit schwebte er aus dem Raum.

„Hören Sie zu Potter, ich weiß, dass Sie sich schlecht fühlen wegen des Spiels. Aber Sie sind gefühlsgeladen und werden wahrscheinlich Ihre Meinung noch ändern. Ich muss darauf bestehen, dass Sie im Team bleiben bis zum nächsten Spiel – das gegen Slytherin – und es überdenken. Es würde auch Ihren Teamkameraden Zeit geben, sich an die Idee zu gewöhnen."

Harry runzelte die Stirn, Professor McGonagall schien normalerweise nie besorgt über anderer Leute Gefühle und er nahm an, dass alles was sie sagte nur eine Masche war, um ihn gegen Slytherin spielen zu lassen und vielleicht im Team zu halten. Andererseits hatte sie im Laufe der Jahre wirklich einiges für ihn getan, also konnte er auch diese eine Sache für sie und das Team tun.

„In Ordnung, aber ich werde meine Meinung nicht ändern. Und ich möchte sofort von meiner Funktion als Mannschaftskapitän zurücktreten, denn ich bin furchtbar darin."

„Natürlich", antwortete sie in einem Ton, dass Harry sich fragte, ob sie ihn nicht ohnehin von dieser Position absetzen wollte. „Ich werde nächste Woche einen neuen Kapitän aussuchen."

„Danke", sagte Harry unbehaglich. „Es tut mir wirklich leid Professor. Ich habe es in einem Moment der Frustration entschieden ... doch ich denke, dass es im Moment das Beste für mich ist." Er wollte weiterreden, doch wie sollte er der stoischen McGonagall erklären, dass das was einmal Spaß gewesen war, nun eine Last in seinem Leben war, eine Rolle, die er um jeden Preis erfüllen musste, oder seinen Ruf zu riskieren, seine Gefühlswelt und selbst seine Freundschaften? Als sie nichts weiter sagte, verließ Harry schnell den Raum.

Er rannte beinahe in Snape, der vor der Tür stand. „Sind Sie zurückgetreten?", fragte er süffisant.

Harry war ein wenig überrascht von der Frage. „Äh, ich soll noch ein einziges Spiel spielen", sagte er.

„Oh, armer kleiner Harry", höhnte er. Harry bedauerte es, dass er den Mann je gebeten hatte, ihn beim Vornamen zu nennen, er verwendete ihn nur, wenn er grausam sein wollte oder ihn sarkastisch an das Ende einer Aussage packte. Den Rest der Zeit über war er immer noch „Potter" oder „Mr. Potter", wenn Snape ganz der Lehrer war. „Er muss tatsächlich ein Spiel mehr für seine anbetenden Fans spielen, nachdem er zu der erstaunlichen Erkenntnis kam, dass er tatsächlich bei etwas verlieren kann", beendete Snape seine Beleidigung.

„Ich habe eine Menge Dinge verloren, Sir", schnappte Harry. „Und warum schikanieren Sie mich?"

„Verzeihung?"

„Ich mein, warum haben Sie diese feindliche Konfrontation mit mir begonnen? Wenn Sie mich so sehr hassen, warum gehen Sie nicht Ihres Weges ohne mit mir zu sprechen?"

„Ist ‚feindlich' das Wort des Tages, Potter?"

„Wie auch immer. Sie können nicht einmal zwei Worte hintereinander sagen, ohne mich zu beleidigen."

„Sicherlich muss ich mich nicht vor Ihnen rechtfertigen. Zehn Punkte von Gryffindor für Ihre Frechheit."

Harry verdrehte seine Augen. Snapes Taten begannen dieser Tage mehr und mehr an Harry abzuprallen, doch hin und wieder sagte er etwas, was bis zu Harry durchdrang. „Enttäuscht, dass ich noch gegen Slytherin spielen muss, schätze ich? Vielleicht könnten Sie mit Professor McGonagall sprechen, dass sie mich eher gehen lässt? Ich will das sicher nicht."

Snape schien das zu überlegen und dieses eine Mal glaubte Harry zu wissen, was der Mann dachte. Wenn er zustimmte Harry zu helfen, würde er ihm einen Gefallen tun, doch andererseits wollte er wirklich, dass Slytherin in Quidditch gewann. Jedenfalls schaffte er es die aufreizendste Antwort zu geben, die möglich war. „Vielleicht werde ich mit ihr sprechen, Potter, vielleicht nicht. Sicherlich wird es keinen Unterschied machen, denn Professor McGonagall würde eher tot umfallen, als einen Rat von mir für ihr Quidditchteam anzunehmen."

„Richtig", erwiderte Harry, etwas sarkastisch, „ich werde jetzt gehen, Professor." Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Harry rasch den Gang hinunter und lächelte dabei leicht. Er hatte das Gefühl, dass er fast eine Diskussion mit Snape gewonnen hatte, doch andererseits hatte er Verletzlichkeit zeigen und um einen Gefallen bitten müssen.

Harry war noch nicht bereit, den Gryffindor Gemeinschaftsraum zu betreten, also entschied er sich, zum Verteidigungsklassenraum zu gehen und sich umzuschauen, ob er irgendwelche Ideen für die DA bekam. Als er zum Turm ging, hörte er jedoch Adeles Stimme aus dem Klassenraum, was bemerkenswert war, da die Frau niemals in ihrem Klassenraum oder ihrem Büro war, wenn sie es vermeiden konnte. Harry drehte sich um und ging die Stufen wieder hinunter (er wollte Adele definitiv nicht antreffen), als er die Stimme der Person zu der sie sprach hörte und realisierte, dass es ausgerechnet Draco Malfoy war.

Das war sicherlich interessant. Harry bewegte sich zurück zur Tür, sie war angelehnt und er schaffte es, sie weit genug aufzustoßen, dass er hinein spähen konnte. Er sah die beiden recht nah beieinander und drängend miteinander flüstern, er konnte das meiste nicht verstehen, was sie sagten, doch er hörte Malfoy murmeln „jemand wird es herausfinden". In diesem Moment wandte Adele ihren Kopf und Harry hätte schwören können, dass ihre Augen in seinen hängen blieben. Plötzlich griff sie Malfoy grob in die Haare und küsste ihn mitten auf den Mund. Malfoy stieß sie von sich, sein Gesicht leuchtend rot. „Was soll …"

Adeles Augen flackerten in Harrys Richtung. Malfoy drehte seinen Kopf und erblickte ihn. Harry schloss rasch seinen Mund, er hatte nicht bemerkt, dass er mit offenem Mund da stand.

„Potter!", rief Malfoy. Adele kicherte und Malfoy sah sie zornig an.

"Uh, 'tschuldigung. Ich wollte niemanden unterbrechen", sagte Harry etwas bösartig. Er schmiss die Tür zu und rannte lachend die Stufen hinunter. Die Vorstellung von Malfoy und Adele zusammen, schien ihm ebenso absurd wie komisch. Obwohl es seltsam war, dass Adele Malfoy nicht zuvor geküsst hatte, erst nachdem sie Harry gesehen hatte. Harry war wirklich erstaunt darüber.

Harry war inzwischen in so einer guten Stimmung, dass er zurück zum Gemeinschaftsraum ging. Er fand ihn beinahe leer vor, doch Hermine saß in einer Ecke mit einem offenen Buch auf ihrem Schoß. Harry ging und setzte sich neben sie.

„Hast du Ron gesehen?", fragte er.

„Ja", antwortete sie und schloss Arithmantik: Magische Mathematik.

„Und hat er etwas über mich gesagt?"

„Er hatte einige gewählte Worte."

„Oh." Harry war für einige Zeit still. „Ich werde wirklich das Team verlassen", sagte er nach einer Weile.

„Glaubst du, das ist das Beste?"

„Ja wirklich. Ich mag Quidditch, es ist ein großartiges Spiel, doch für Gryffindor zu spielen, ist aus mehreren Gründen zu viel für mich geworden.

„Ich verstehe. Du wirst Schwierigkeiten haben, das den meisten Leuten begreiflich zu machen."

Harry wusste, dass sie mit „den meisten Leuten" in Wirklichkeit Ron meinte. „Ich weiß nicht, ob die Dinge zwischen mir und Ron jemals wieder wie vorher werden", gab er zu. „Ich meine, ich will sein Freund sein – das heißt, wenn er auch noch mein Freund sein will – und ich denke, wir können noch Freunde sein, aber ich glaube nicht, dass ich noch dieselbe Person bin, die ich als Kind war. Es wird niemals so sein wie es damals war. Es ist, als wären wir nicht mehr auf derselben Wellenlänge oder so."

„Harry", sagte Hermine, „es ist nichts falsch daran sich zu verändern und zu wachsen – selbst etwas auseinander gehen. Du musst nur begreifen, dass Ron und ich immer für dich da sind. Ich weiß, dass Ron wütend auf dich ist, aber ..."

Ich wachse nicht. Ich falle. Tiefer und tiefer und ich kann niemals zurück."

„Ich weiß Hermine, ich hab's kapiert. Hey, weißt du, was ich grad gesehen habe?", er versuchte das Thema zu wechseln.

„Was?"

„Malfoy knutscht Adele im Klassenzimmer ab!"

Hermines Augenbrauen hoben sich. „Wirklich?", fragte sie. „Nun, das kommt mir wirklich seltsam vor. Ich hatte den Eindruck, dass Malfoy Adele nicht besonders mag."

„Wie kommst du darauf?"

„Die Blicke, die er ihr manchmal im Unterricht zuwirft und die Tatsache, dass er niemals während ihres Unterrichts spricht oder so."

„Das könnte auch bedeuten, dass er für sie schwärmt, oder?"

Hermine runzelte die Stirn. „Ja, vielleicht, aber ich dachte eher, sie wäre ihm etwas ‚zuviel'. So wie dir."

„Jedenfalls, haben sie sich geküsst. Malfoy kann uns nicht mehr stören, jetzt wo ich ihm das vorhalten kann – aus welchem Grund auch immer."

Hermine sah nachdenklich aus.

Harry verdrehte die Augen. „Ich gehe hoch in den Schlafsal, Hermine. Danke für das Gespräch. Bist du hier geblieben, um mit mir zu reden?"

„Nein", antwortete Hermine mürrisch, „Parvati und Lavender oben haben eine ihrer infantilen Streitereien und ich ging weg, um dem zu entkommen."

„Was ist es dieses Mal?"

„Offensichtlich verschwand Parvati während des Quidditchspiels und ließ Lavender zwei Stunden suchen. Habe ich erwähnt wie sehr ich es hasse, mit den beiden ein Zimmer teilen zu müssen?"

„Mehrere Male, ja. Tschüs Hermine."

By youcantseeus

Danke für eure Reviews.

Das ist erstmal das letzte Kapitel vor meinem zweiwöchigen Urlaub. Freut euch schon mal auf das Kapitel danach, in dem sich Harry und Snape von ihrer "besten" Seite zeigen.

Gruß Lucie